Hilfe - ich habe Ängste, die neue Ängste schüren...

Benutzer123190 

Ist noch neu hier
Hallo liebe Community,

in meiner Verzweiflung und gedanklichen Schief- und Chaos-Lage wende ich mich an euch und hoffe auf Erfahrungen von Menschen die schon mal Gleiches oder Ähnliches durchlebt haben, die mir vielleicht diese eine (für mich eigentlich sehr absurde) Angst nehmen können.

Nun also zu mir und meinem Problem:
Ich bin 25 Jahre alt und ein sehr kopflastiger und nachdenklicher Mensch, der manchmal die Gabe hat sich in Dinge hinein zu steigern, die eigentlich nicht sein müssten. Wie eben momentan. Ich schreibe, wie oben erwähnt, in absoluter Verzweiflung, weil ich noch nie so extrem neben der Spur war und mir das auch ein Stück weit Lebensqualität in den letzten Wochen geraubt hat.
Wie gesagt, ich bin 25 und männlich. Bin seit 10 Jahren sexuell aktiv und das immer nur mit Frauen. Also "all" meine Beziehungen, Schwärmereien, Affären, Friendships with benefits, etc. waren nur mit Frauen und ich habe es auch stets genossen! Es hat sich nie falsch angefühlt! Ich habe mich auch nie zu Männern hingezogen gefühlt (ich denke das tue ich auch jetzt nicht), hatte nie das Bedürfnis, keine solchen Fantasien und habe auch noch nie einen Mann kennengelernt, bei dem ich mir gedacht habe "Wow, der ist aber hübsch" etc... Alles immer nur auf völliger Kumpel-Ebene.
Ich bin seit 6 Jahren Single und habe die letzten Jahre eigentlich immer nur Friendships with benefits gepflegt und mich immer selbst dazu gezwungen das Herz zu verbarrikadieren. Denn mit 19 war ich das letzte Mal so richtig in eine Frau verliebt - das hat allerdings kein Happy-End genommen und ich war so verletzt, dass ich von Beziehungen und Gefühlen erstmal nichts mehr wissen wollte! Bei den letzten beiden Friendships with benefits ist mir dann aufgefallen, dass ich aber an dieser Art von Sex nicht mehr so viel Gefallen finde (ich bin übrigens eh kein "versexter" Mann - ich mag Sex im richtigen Ambiente, bin aber alles andere als dauerg*il oder schw*nzgesteuert). Irgendwie glaube ich, dass mir dabei dann irgendwann doch die Emotionen gefehlt haben. Bei einer Friendship with benefits vor ca. 2 Jahren hat vieles gepasst - wir haben uns menschlich sehr gut verstanden, der Sex war wunderschön, lange, ohne "Druck" und bei mir war es fast so weit, dass ich bereit gewesen wäre mich auf mehr einzulassen (von ihr kamen die Signale dazu schon), aber ich Idiot habe mich damals schon fast gezwungen das Herz mal wieder einzumauern.
Nunja - jetzt ist es so, dass ich mich seit einigen Monaten mit einer Frau treffe. Einer tollen Frau - die aber einen ähnlichen Lebens- bzw. Liebesweg eingeschlagen hatte wie ich. Wir sind also beide sehr vorsichtig und halten unsere Herzen eben verschlossen - bzw. haben beide noch eine Art mentale Handbremse angezogen. Daher haben wir uns gegenseitig um Zeit und Geduld gebeten - ist ja überhaupt kein Problem. Vorallem dann nicht, wenn man schon 6 Jahre Single ist. Unsere Abende sind jedesmal wunderschön - aber ich habe noch keine sexuellen Intentionen. Also auch keine Regungen in der Hose. Kuscheln, umarmen, DVD schauen, sich kennenlernen.
Ein weiterer Aspekt für diese oben genannte "mentale Handbremse" ist die Tatsache dass sie meine Vorgesetzte ist. Auch wenn wir stets bekunden dass wir das ganz klar trennen wollen (wir sehen uns geschäftlich aber kaum), so denke ich schon dass das immer ein bisschen im Kopf herumschwirrt. Jedenfalls habe ich dann vor ca. drei Wochen damit begonnen meine Bedenken zunächst ein bisschen zu lockern - mit dem Ergebnis dass sich mein Herz bemerkbar gemacht hat. Sie ging und geht mir jeden Tag im Kopf herum, ich schreibe Gedichte, habe sogar einfach mal aus einem schönen Gedanken heraus eine "Was wäre wenn - Zukunft" mit ihr als Luftschloß gebaut - kurzum: Ich denke dass ich mich verliebt habe...
Aber - jetzt kommt das große ABER: Sie hat oftmals Probleme im Job, die sie sehr emotional aufnimmt, dann gestresst ist und sie sich wieder Zeit oder mehr Zeit erbittet um sich selbst erstmal zu ordnen. Die gewähre ich ihr natürlich gerne... Allerdings habe ich somit jeden Tag an dem wir uns nicht sehen/hören/schreiben Zeit um mir viele Gedanken zu machen... Und diese haben mich eben in folgendes Chaos gestürzt:
Ich saß eines Tages zuhause und habe mir überlegt, warum ich so bin wie ich bin, warum ich die letzten Jahre keine Lust auf Bindung und Beziehung hatte, warum mein Herz und meine "Firewall" so gut blocken können... Und dann kam ich auf den seltsamen Gedanken "Was wäre denn, wenn ich latent homosexuell wäre? Und das der Grund für meine bisherige Beziehungsuntauglichkeit zu Frauen ist?"
Eigentlich undenkbar - eigentlich hätte ich den Gedanken gleich wieder verwerfen sollen. Aber mein komischer Kopf hat weiter gesponnen. Das ging dann soweit, dass ich in der Nacht darauf einen leicht homo-erotischen Traum hatte, in dem ich aber absolut passiv war. Demnach war ich am Morgen total geschockt und neben der Kappe. Aber anstatt das Ganze als unterbewusste, nächtliche Verarbeitung dieses absurden Gedankens abzuhaken, hat sich eine ganz schreckliche Dynamik daraus entwickelt. Seitdem komme ich von dieser Angst der latenten Homosexualität nicht mehr los. Wie oben schon beschrieben - ich hatte noch nie was mit Männern und diesbezüglich auch keine Fantasien oder Erlebnisse bei denen ich mir gedacht hätte: "Der Kerl, mit dem könnte ich mir was vorstellen..." Nie... Das war nie der Fall. Bisher habe ich immer nur Augen für Frauen gehabt. Aber anstatt mich darauf zu besinnen, spinnt mein Kopf immer weiter. Momentan beobachte ich Männer - um mich zu testen. Natürlich ist das Ergebnis, dass ich mich immer noch zu keinem dieser Männer hingezogen fühle... Aber ich habe Panik und Angst vor einem "was wäre wenn"...
So vergeht mittlerweile kein Tag an dem ich mich nicht selbt irgendwie fertig mache - es ist so fortgeschritten, dass ich sogar schon das Gespräch mit meiner Mutter, meinen besten Kumpel und einer guten Freundin gesucht habe. Alle sagen unabhängig voneinander - also keiner wusste von der Meinung des Anderen - dass ich Angst vor anderen Dingen habe und anstatt mich dieser Angst oder diesen Ängsten zu stellen, kreiere ich ganz neue Ängste. Und alle Drei sagen einstimmig: "Du bist nicht schwul, das garantiere ich dir..."
Ich meine, mit einer Sache haben sie definitiv Recht: Ich habe Ängste... Ich habe Angst davor jetzt mein Herz zu öffnen und doch wieder verletzt zu werden... Ich habe Angst davor, dass ich es verbocke weil ich ja auch immer dazu tendiert habe Rückzieher zu machen, ich habe Angst davor dass sich das Potential dass ich in der Dame bzw. einer möglichen Beziehung sehe nicht bestätigt und ich habe auch irgendwie Angst davor, dass in dieser Zeit die sie immer wieder beansprucht um ihren Kopf frei zu kriegen das schwindet was die letzten Wochen (Monate) so schön war. Vielleicht haben all diese Ängste die Angst der latenten Homosexualität erschaffen um eine Alternativ-Angst oder eine Ausrede zu haben. Ich weiß es nicht. Ich weiß momentan gar nichts! Ich habe einfach nur Angst, dass an dieser Angst etwas dran sein könnte... Und nein, das soll jetzt um Gottes Willen nicht homophob klingen - aber für mich wäre das eben schlimm!!! Ich meine - man kann sich vielleicht eine Zeit lang selbst belügen und was vormachen... Aber doch keine 10 Jahre, oder? Ich bin ein ehrlicher Mensch - zu mir und zu allen Menschen! Ich habe 10 Jahre lang mit verschiedenen Frauen (auch in verschiedenen Altersklassen) geschlafen, war mit Frauen zusammen, habe mich dabei immer wohl gefühlt und hatte nie das Gefühl als ob ich das aus Alibi-Gründen mache... Oder als ob ich mir da was vormache! Never...
Daher frage ich mich, ob das gerade eine Phase ist - eine schreckliche Phase die ich durch verschiedene Ängste und Belastungen hervorgerufen habe, oder ob da was dran sein könnte?!?!
Ich würde mich sehr über ernst gemeinte und ehrliche Antworten freuen. Vielleicht hat ja jemand auch Hilfestellungen und Tipps parat... Gerne dürfen sich auch Männer zu Wort melden denen meine Situation eventuell bekannt vorkommt! Vielleicht kann mir auch jemand diese eine Angst (die mich momentan mehr als alles andere fertig macht) nehmen, da ihm die Beschreibung meiner Situation bekannt vorkommt... Wie gesagt - ich bin momentan geblendet, von meinem eigenen Kopf durch den Fleischwolf gejagt, durcheinander, neben der Spur - und ängstlich! Keine schöne Situation - eher ein Horrorszeneraio welches ich meinem Erzfeind (den ich nicht mal habe) nicht wünschen würde...
Irgendwo tief in meiner Vernunft und in meinem Herzen habe ich ja dennoch das Gefühl und die Sehnsucht dass ich mir nichts sehnlicher wünsche als wie gehabt heterosexuell zu sein und eine tolle Beziehung bzw. ein wahres Happy-End mit besagter Dame zu haben!!!
Aber dazu muss mein Kopf wieder normal ticken. Ich bedanke mich schon mal bei allen Lesern die es bis hier her geschafft haben und würde mich wie gesagt über Tipps, Erfahrungen, Hilfen, etc. sehr freuen!!!

Vielen Dank und viele Grüße.
Der nachdenkliche "sich-selbst-fertig-Macher" :smile:
 

Benutzer122497  (25)

Ist noch neu hier
Hallo :smile:

Ich denke, du weißt selbst ganz gut, was dein Problem ist: Vielleicht nicht mal unbedingt, dass du viel nachdenkst, sondern wahrscheinlich eher die Neigung zum Hineinsteigern und negative Gedanken potenzieren - was durch deine Erfahrungen irgendwie auch verständlich ist, und ein grundlegender nachdenklicher Charakter wirkt da natürlich nur begünstigend.

Vielleicht gehe ich jetzt zu literarisch ran, aber wenn man sich mal deinen Wortschatz allein in diesem Beitrag hier anschaut.. Herz verbarrikadieren, einmauern, mentale Handbremse, Ängste...
Du begrenzt dich einfach selbst in einem Maß, das du gar nicht nötig hast. Es ist die grundlegende Einstellung, an der du arbeiten musst, würde ich sagen. Du gibst dir selbst ja keine Chance.

Auf mich wirkt das fast so wie ein zwanghaftes Suchen nach Dingen, die neue Möglichkeiten wieder zerstören. Genieße die Beziehung zu der einen Frau und mache dir keine Gedanken darüber, was eventuell kommen könnte, denn so erlebst du nie etwas. Akzeptiere, dass Dinge im Leben schiefgehen, und dass sie nicht besser werden, wenn du dir schon im Vorherein Sorgen darum machst.

Ich weiß, wie das ist, ich mache mir auch häufig viel zu viele Sorgen, was passieren könnte, aber ich habe gelernt, einfach irgendwann mental stopp dazu zu sagen - weil es schlicht und einfach nichts bringt. Wenn du vor einer Mauer stehst, hast du keine andere Wahl, als versuchen darüberzuspringen, denn wenn du davor stehen bleibst, wirst du sie auf keinen Fall überwinden.

Zu der Sorge um die Homosexualität: Hier sieht man wieder, wie du zwanghaft nach einem Problem suchst. 1. Wie sich das anhört, hast du ja panische Angst vor der Homosexualität... Das ist nicht gerade hilfreich, um dein Problem zu lösen. Bau diese Angst ab. 2. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass du schwul bist, eher bist du bindungsphobisch (und auch das würde ich nicht zu ernst nehmen). Alle sagen, dass du es nicht bist, du sagst es selber auch - du bist es nicht. Versuche nicht, dich in irgendwelche Dinge reinzusteigern, die nicht sind. Sag Stopp dazu!

Also, um konkret zu werden: Ändere deine Einstellung. Da gibt es verschiedene Methoden, welche für dich die beste ist, kann ich nicht einschätzen. Man braucht dafür auch nicht irgendwelche Gehirnwäschen oder Hypnose oder was auch immer; ich schätze, das hilfreichste wäre es, gleich praktisch zu werden.

Ich hoffe, ich konnte dir einigermaßen helfen :smile:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Ich denke, Du hast eine kluge Mutter und kluge Freunde, denn ich sehe das genauso: Dein (zufälliger) Traum ist für Dich eine willkommene Gelegenheit, Dich von den eigentlichen Gedanken abzulenken. Ich schreibe bewusst "Gedanken" und nicht "Ängste", denn ich glaube, Du hast gar nicht so wahnsinnig viele Ängste. Sondern nur eine: vor einer Partnerin, bei der Du Gefahr läufst, dass sie so nahe an Dich herankommt, dass Deine Mauer Risse bekommt.
Ich kenne Dich nicht, ich weiß überhaupt nicht, um was Du eigentlich diese Mauer gebaut hast. Vielmehr tippe ich darauf, dass Du selbst es gar nicht weißt. Nur diese angebliche Angst vor Nähe halte ich lediglich für ein Stellvertreter-Symptom. Keine Ahnung, wann und warum Du diese Mauer um Deine Gefühlswelt aufgebaut hast, aber ich meine zu sehen, dass Du Dich mittlerweile prima damit eingerichtet hast und vordergründig gar nicht willst, dass da jemand d'ran rührt. Nur ab und zu kommt Dein altes Ich durch und sehnt sich nach Nähe. Aber nur, solange es nicht konkret wird.
ars.gratia.artis ist ebenso wie ich über Deine hochdramatische :zwinker: Wortwahl gestolpert und hat das m.E. perfekt beschrieben. Ich kann mich da nur anschliessen: das sind die Worte eines Menschen, der mehr oder weniger bewusst (Schein-)Begründungen gesucht und gefunden hat, sein eigenes (Fehl-)Verhalten zu erklären. Und bisher weder die Kraft noch den wirklichen Willen aufgebracht hat, daran etwas zu ändern.

Wie oben schon angesprochen, halte ich diese Homosexualitäts-Geschichte nur für ein Ablenkungsmanöver Deiner zu aktiven Gedankenwelt. Du spürst, dass Deine Mauer durch diese Frau Risse bekommt, anfängt, zu bröckeln. Da muss schnell eine zweite Mauer außen herum zur Verstärkung aufgebaut werden. Und was eignet sich da besser, um die "Angriffe" einer Frau abzuwehren: geeenaaau! Zu denken, dass man gar nicht auf Frauen steht.

Ich kann Dir aus der Ferne, ohne Dich zu kennen, keinen wirklichen, kontruktiven Rat geben. Es könnte sein, dass eine Therapie Dir wirklich hilft, es kann aber auch sein, dass das ein Schiessen mit Kanonenrohren auf Spatzen ist. Das einzige, das ich Dir ans Herz legen möchte ist, mal paar tiefgehende Gespräche mit Deiner Mutter bzw. Deinen guten Freunden zu führen. Sie kennen Sich anscheinend ziemlich gut und machen sich Gedanken über Dich. Lass Dir von ihnen mehr über Dich erzählen, ich glaube, das könnte Dich schonmal einen Schritt weiter bringen, mehr über Dich selber zu erfahren.
 

Benutzer123190 

Ist noch neu hier
Hallo ihr beiden!

Erstmal vielen Dank für eure Antworten... Es freut mich sehr, dass es in dieser (Internet-)Welt, die ja oftmals unpersönlich und von Egozentrik geprägt ist, noch Menschen gibt, die sich die Zeit nehmen ein recht langes und ausführlich geschriebenes Problem eines unbekannten Mitmenschens zu lesen und auch noch Zeit zum antworten und helfen finden! Danke! :zwinker:
Ich bin begeistert von ars.gratia.artis Erklärungen und Tipps (ich weiß nicht ob und wie oft du das hörst, aber wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich dich nie auf 16 schätzen! Deine Worte und Ansichten klingen so weise und klug - ich kann nur von ganzem Herzen sagen: Chapeau! Und danke! :zwinker: )
Und auch für Marks Worte bin ich sehr dankbar... Ich denke ihr habt beide Recht in dem was ihr sagt! Genauso wie meine Mutter, mein bester Freund und die gute Freundin! :smile:
Ich habe eure Antworten nun schon ein paar mal gelesen und werde sie noch ein paar mal lesen... Es ist klar, dass dieses zerstreute Gehirn in zwei Stunden nicht das löschen kann was es die letzten 2 Wochen aufgebaut hat - aber ich denke ihr habt ganz gut erkannt wie ich ticke und wie ich mir das Leben gerade selber schwer mache. Fast schon masochistisch. Oh Gott - bin ich latent masochistisch?! (Kleiner Spaß *gg*)
Mein Tag heute war so durcheinander, dass ich mir jetzt erstmal Zeit nehmen muss eure Tipps und Ratschläge zu verarbeiten und anzuwenden! Ich kann euch aber auf dem Laufenden halten, sofern ihr das möchtet! :zwinker:

Vielen Dank nochmals und viele Grüße! :smile:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
1. gern geschehen
2. ja, ich würde mich freuen, nochmal von Dir zu hören, wenn Du Dich ein wenig sortiert hast
 
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