HdR: Carroux oder Krege?

Benutzer70147  (33)

Verbringt hier viel Zeit
Da ich schon vor ein paar Tagen mit jemand mal wieder ausführlich über das Thema diskutiert habe wollte ich den Glaubenskrieg auch mal zu pl tragen :grin:

Für Alle die jetzt auf dem Schlauch stehen, es geht im die beiden bedeutendsten deutschen Übersetzungen des Herrn der Ringe von Margaret Carroux und Wolfgang Krege.

Carroux hat sich größtenteils an Sprachstil und Wortwahl des Originals gehalten, dabei aber vlt im Sinne des Gesamtbildes das ein oder andere Wort nicht absolut korrekt übersetzt, dafür entsteht bei ihr ein stimmiges Gesamtbild, die Stimmung und die Story werden gut wiedergegeben.
Krege hingegen hat versucht, das Ganze zu "modernisieren" indem er Wörter aus dem Sprachgebrauch der 90er eingebracht hat, was von vielen bemängelt wird weil er vor allem viele "Trendwörter" benutzt die heute eher selten verwendet werden und auch oft Wörter benutzt die nicht in die HdR Welt passen.
Dafür hat er versucht wie im Original die unterschiedlichen Sprachstile der einzelnen Charaktere herauszuarbeiten, auch wenn das durch die gewählten Wörter teils skurril klingt. Beispielsweise benutzt er oft "Sie" als Anrede anstatt "Ihr", das klingt bei Königen einfach gewöhnungsbedürftig.

Da man hier noch Stunden weitere Punkte aufzählen könnte, hier für alle die den HdR bisher nur in einer Variante oder aber noch garnicht gelesen haben ein paar Links in denen einzelne Textstellen verglichen werden oder näher auf das Thema eingegangen wird.

Vergleich einzelner Passagen Tolkien/Carroux/Krege: http://www.herr-der-ringe.ws/Gegenueberstellung-Krege-Carroux.pdf

Ein Vergleich in Signaturen eines Forum im Zuge der "Krege-Protest-Wochen" : Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V.

Ein paar Infos über Krege, seine Arbeit am HdR und seine Intentionen mit der neuen Übersetzung: Wolfgang Krege ? Ardapedia

Ein kleines Essay über die beiden Versionen: Der Herr der Ringe/Essays und andere Texte/Krege versus Carroux

Das sollte für den Anfang reichen, wer die Links durchgelesen hat und mehr Informationen sucht wird durch eine Googlesuche nach "Carroux Krege Herr der Ringe" mit Informationen erschlagen :zwinker:


Meine Frage an euch ist jetzt welche der beiden Übersetzungen ihr bevorzugt, bzw gelesen und für gut befunden habt.

Mal sehen ob es hier noch ein paar andere verschrobene Herr der Ringe Leser gibt :zwinker:

Off-Topic:
Im übrigen bei Krege bitte nur die drei Herr der Ringe Bände bewerten, denn seine ältere Übersetzung von "Der kleine Hobbit" ist vom Stil her nicht mit den HdR Übersetzungen vergleichbar, da er im Vergleich zu ersten deutschen Übersetzungen die Lieder und Gedichte mit einbringt und auch die angeglichenen Namen an die HdR Übersetzung von Carroux verwendet. Wobei er auch hier die Charaktere Siezen lässt und fragwürdige Übersetzungen nutzt, zB: "Faule alte Wackelschlampe, / Brauchst du eine Taschenlampe?" :grin:
 

Benutzer83901  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Da ich die Übersetzung von Carroux zuerst gelesen habe, ziehe ich sie weiterhin vor, wobei mir einige der "flapsigeren" Formulierungen von Krege im direkten Vergleich mit Tolkien sogar ganz gut gefallen und die wörtliche Rede tatsächlich etwas mehr an das Original angelehnt erscheint.

Nichtsdestotrotz finde ich die Diskussion um die verschiedenen Übersetzungen äußerst müßig, die hat schon einen ganz mächtigen Bart. :hmm:

Und da ich mittlerweile ohnehin englischsprachige Literatur vorrangig (am liebsten ausschließlich) im Original lese (dito Filme im Original vorziehe), bleibe ich einfach bei Tolkien und erspare mir Fragezeichen bei der Übersetzung. :smile:
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Oh - das haut mich jetzt um. Mir war bisher noch überhaupt nicht bewusst, dass es da mehrere Übersetzungen von gibt, die im Stil doch recht weit voneinander abweichen. :eek:

Ich selbst habe die grünen Bücher von Klett Cotta Verlag gelesen, welche anscheinend die Krege-Übersetzung darstellen. Einen Vergleich zu Carroux kann ich demnach nicht wirklich ziehen. Da ich mir HdR aber unbedingt ein zweites Mal noch reinziehen wollte (vorallem wegen Tom Bombadil und Goldbeere! :bier:) könnte ich mal zu der anderen Variante greifen. Ist bestimmt sehr interessant. :smile:
 

Benutzer70147  (33)

Verbringt hier viel Zeit
Oh - das haut mich jetzt um. Mir war bisher noch überhaupt nicht bewusst, dass es da mehrere Übersetzungen von gibt, die im Stil doch recht weit voneinander abweichen. :eek:

Ich selbst habe die grünen Bücher von Klett Cotta Verlag gelesen, welche anscheinend die Krege-Übersetzung darstellen. Einen Vergleich zu Carroux kann ich demnach nicht wirklich ziehen. Da ich mir HdR aber unbedingt ein zweites Mal noch reinziehen wollte (vorallem wegen Tom Bombadil und Goldbeere! :bier:) könnte ich mal zu der anderen Variante greifen. Ist bestimmt sehr interessant. :smile:

Wenn Frodo von Sam gerne mal "Chefchen" genannt wurde hattest du die Krege Fassung vor dir, ja :tongue:
Wie fandest du den Text denn im Nachhinein?

Off-Topic:
Und Tom Bombadil ist sowieso eine Klasse für sich :bier:
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Wenn Frodo von Sam gerne mal "Chefchen" genannt wurde hattest du die Krege Fassung vor dir, ja :tongue:
Wie fandest du den Text denn im Nachhinein?

An viel kann ich mich nicht erinnern, da ich den Herrn der Ringe irgendwann 97 oder 98 gelesen haben muss. Wollte danach immer mal wieder ran an das Werk, ist aber nie geschehen.

Flappsig kam es mir dabei nie vor. Ich war eine eher "kindgerechte" Sprache vom Hobbit gewohnt und hätte mich daher nicht gewundert, soetwas mal zu lesen.

Das Werk verdient es jedenfalls, als episch betitelt zu werden und ich hatte sehr viel Spaß seinerzeit mit dem Buch, konnte viele Gedichte daraus auswendig zitieren und kannte mich super in Mittelerde aus... :grin:

Ich kann aber die Probleme vieler Leute verstehen, die ihn mal lesen wollten und es nicht schafften. Der Spannungsbogen ist halt wirklich sehr sehr lang und es braucht an die 400 Seiten bevor es so langsam anfängt und geil wird... :zwinker:

Als ob das nicht schlimm genug wäre, erstreckt sich das Ende auch sehr langatmig. Eigentlich ist (fast) alles vorbei und es kommt quasi noch einmal ein Buch Epilog hinten dran. Kann verstehen, dass das einige etwas langweilig finden. Ich fand es eigentlich ganz angenehm. Ansonsten großes, sehr empfehlenswertes Buch. :jaa:
 

Benutzer65590 

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Einfache Antwort: Carroux. Ja, Krege hat seine Übersetzung mit Sinn und Verstand versucht, aber, sorry, was dabei rauskommt ist für mich nicht Herr der Ringe, sondern Bravo Fotostory. Zugegeben, die Carroux-Übersetzung ist insgesamt sehr träge, aber das ist das Original irgendwie auch. Und Bonmots wie das "Chefchen" gehen echt gar nicht, das hat auch nichts mit Modernisierung oder "Im Englischen ist das auch so gemeint" zu tun, das ist einfach stilloser Unfug.

Allerdings muss man Krege zugute halten, dass er einige Lieder und Gedichte einfach schöner übersetzt. Er kann es also durchaus, allerdings war seine konzeptuelle Idee irgendwie bescheuert.

Kein Zufall, dass die einbuchige Prachtausgabe des Werkes (falls noch jemand ein Weihnachtsgeschenk sucht: hier werden Sie geholfen. Chefchen.) in der Übersetzung von CArroux erschienen ist. Sie ist einfach edler.
 

Benutzer83901  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Zugegeben, die Carroux-Übersetzung ist insgesamt sehr träge, aber das ist das Original irgendwie auch.
"Träge" klingt doch hier aber sehr negativ. :zwinker: Tolkien lässt sich eben...ein wenig Zeit und beschreibt in aller Ausführlichkeit. Man muss ihm natürlich zugute halten, dass seine Sprache an Bildhaftigkeit kaum zu übertreffen ist (na gut, im Silmarillion ist das Sprachniveau noch einmal deutlich erhabener).
Und du hast Recht: Carroux ahmt dieses "Langziehen" (stelle fest: klingt auch nicht positiver! :tongue:) wesentlich besser nach.

Ich habe mich dennoch nie an Kreges Übersetzung gestört, ich habe sie einfach als eine etwas andere Darstellung des Herrn der Ringe betrachtet, also als eine Art deutsches sprachliches Remake. :zwinker:
 
L

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Gast
Im Deutschen eindeutig Carroux. Was Krege da gemacht hat, hat mit Literatur stellenweise nix zu tun.
 

Benutzer36171 

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Ich habe den Herrn der Ringe gelesen, kurz nachdem ich den ersten Filmtrailer zu "Die Gefährten" sah. Die Geschichte klang vielversprechend und ich wollte unbedingt das Buch gelesen haben, bevor ich den Film sah. Ich bin also in den Laden spaziert und habe mir das Buch besorgt... in der Krege-Übersetzung. :zwinker: Ich hatte damals keine Ahnung, dass es mehr als eine Übersetzung gab, von daher habe ich natürlich beim Lesen nicht verstärkt darauf geachtet, aber ich weiß noch, dass mir hin und wieder etwas komisch vorkam... Bisher habe ich den Herrn der Ringe nicht noch einmal gelesen, aber das nächste Mal wird es definitiv die Carroux-Übersetzung sein. Oder gleich das englische Original.
 

Benutzer67771 

Sehr bekannt hier
In erster Linie natürlich im Original und wenn schon eine Übersetzung, dann eine solche, die sich möglichst genau am Original orientiert. Übersetzungen sind ohnehin schon eine Verfremdung und "Modernisierungen" eine noch größere.
 

Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
ich habe den herrn der ringe damals im original gelesen, ich kenn keine deutschen übersetzungen.

von meinen erfahrungen in ähnlichen situationen würde ich sagen, dass, wenn es "konkurrierende" übersetzungen eines großen werks gibt, sich natürlich handwerklich bessere oder schlechtere unterscheiden lassen - wenn man aber einmal wenige sehr gute übersetzungen vor sich hat, lässt sich die frage, welche nun die objektiv bessere wäre, nicht anhand von unter dem mikroskop betrachteten einzelbeispielen von makeln, die die eine oder andere übersetzung aufweist, beantworten. man wird bei der einen solche finden und auch bei der anderen.

der wesentliche unterschied ist dann oft eher subjektiv und findet sich in der wortwahl, in der vorliebe des/der leserIn für eher "schlanke" "right down to the point"-schilderungen versus eher opulenten, ausschweifenden erzählungen, und in tausend details, die sich auf das vom/von der übersetzerIn angestrebte künstlerische werk oder allgemein seine/ihre persönlichkeit zurückführen lassen.

mir persönlich gefallen schlanke, fast "stramme" schilderungen besser als weitschweifende, "speckige", schwulstige formulierungen. mir bleibt dann, wenn ich nicht ständig von opulenten satzkonstruktionen abgelenkt werde, mehr aufmerksamkeit und appetit für die handlung. in dem fall wäre ich wohl eher ein fan von Krege. andererseits wirkt die arbeit von Carroux auch sehr gut und auch "inspirierter". ist schwer, das mit ein paar schriftproben zu entscheiden.
 

Benutzer36171 

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Übrigens habe ich soeben begonnen das englische Original zu lesen. Dieses Forum bringt mich einfach immer auf gute Ideen! :grin: Ich dachte all die Jahre, auf englisch wäre es zu schwer, um das Lesen auch genießen zu können, aber irgendwie finde ich es (fast) sogar angenehmer, als das holprige Deutsch.
 

Benutzer70147  (33)

Verbringt hier viel Zeit
In erster Linie natürlich im Original und wenn schon eine Übersetzung, dann eine solche, die sich möglichst genau am Original orientiert. Übersetzungen sind ohnehin schon eine Verfremdung und "Modernisierungen" eine noch größere.
Naja, in gewisser Weise orientieren sich beide Versionen am Original, Krege hat ja einen guten Ansatz was die Differenzierung der Sprachstile angeht, aber im Endeffekt ist das nicht wirklich spürbar (finde ich) und die "modernen" Sprachelemente machen es auch nicht besser.
Aber Carroux wird ja zB teilweise vorgehalten dass sie die Sprache künstlich "aufbläht", dass die Hobbits beispielsweise zu geschwollen reden angesichts der Tatsache dass sie einfache Leute sind.

ich habe den herrn der ringe damals im original gelesen, ich kenn keine deutschen übersetzungen.

von meinen erfahrungen in ähnlichen situationen würde ich sagen, dass, wenn es "konkurrierende" übersetzungen eines großen werks gibt, sich natürlich handwerklich bessere oder schlechtere unterscheiden lassen - wenn man aber einmal wenige sehr gute übersetzungen vor sich hat, lässt sich die frage, welche nun die objektiv bessere wäre, nicht anhand von unter dem mikroskop betrachteten einzelbeispielen von makeln, die die eine oder andere übersetzung aufweist, beantworten. man wird bei der einen solche finden und auch bei der anderen.
Richtig, es geht mir aber hier nicht darum die "bessere" Ausgabe zu finden, da das genau wie du sagst eine sehr subjektive Ansicht ist.
Mich interessiert einfach, welche Version von anderen aus welchen Gründen bevorzugt wird.
Ich selbst bevorzuge klar die Carroux Fassung, habe aber auch große Teile der Krege Ausgabe gelesen.

der wesentliche unterschied ist dann oft eher subjektiv und findet sich in der wortwahl, in der vorliebe des/der leserIn für eher "schlanke" "right down to the point"-schilderungen versus eher opulenten, ausschweifenden erzählungen, und in tausend details, die sich auf das vom/von der übersetzerIn angestrebte künstlerische werk oder allgemein seine/ihre persönlichkeit zurückführen lassen.

mir persönlich gefallen schlanke, fast "stramme" schilderungen besser als weitschweifende, "speckige", schwulstige formulierungen. mir bleibt dann, wenn ich nicht ständig von opulenten satzkonstruktionen abgelenkt werde, mehr aufmerksamkeit und appetit für die handlung. in dem fall wäre ich wohl eher ein fan von Krege. andererseits wirkt die arbeit von Carroux auch sehr gut und auch "inspirierter". ist schwer, das mit ein paar schriftproben zu entscheiden.

Lass mich raten, du gehörst zu denen die sich (den Schreibstil betreffend, nicht den Inhalt) nie für Effi Briest oder noch eher Die Buddenbrooks begeistern konnten sondern sich lieber an Unterm Rad gehalten haben? :zwinker:
Und das ist jetzt definitiv keine Wertung, es kommt ganz auf das Werk an, viele der großen Klassiker leben einfach von der opulenten Erzählweise, andere wirken durch kurze, treffende Sätze.
Der Herr der Ringe ist für mich in einem zu der Geschichte und der Größe des Werks angemessenen Stil geschrieben, und genau deswegen bevorzuge ich trotz der teils genannten "Mankos" zu Carroux.


Übrigens habe ich soeben begonnen das englische Original zu lesen. Dieses Forum bringt mich einfach immer auf gute Ideen! :grin: Ich dachte all die Jahre, auf englisch wäre es zu schwer, um das Lesen auch genießen zu können, aber irgendwie finde ich es sogar angenehmer, als das holprige Deutsch. :confused:

Off-Topic:
Na na na, das mit dem "holprigen" Deutsch habe ich jetzt abert mal überlesen :tongue:
Klar, man sagt oft dass Englisch harmonischer klingt, aber dafür ist Englisch im sprachlichen Sinn aus meiner Sicht irgendwie, ich würde fast sagen "ärmer" als Deutsch.
Im Deutschen kann man meiner Ansicht nach viel detaillierter sein, es hat einen deutlich größeren Grundwortschatz.
Deutsch kann daruch sowohl kurz und prägnant sein, als auch opulent und detailverliebt. Ein Präzisionwerkzeug eben :zwinker:


Einfache Antwort: Carroux. Ja, Krege hat seine Übersetzung mit Sinn und Verstand versucht, aber, sorry, was dabei rauskommt ist für mich nicht Herr der Ringe, sondern Bravo Fotostory. Zugegeben, die Carroux-Übersetzung ist insgesamt sehr träge, aber das ist das Original irgendwie auch. Und Bonmots wie das "Chefchen" gehen echt gar nicht, das hat auch nichts mit Modernisierung oder "Im Englischen ist das auch so gemeint" zu tun, das ist einfach stilloser Unfug.

Allerdings muss man Krege zugute halten, dass er einige Lieder und Gedichte einfach schöner übersetzt. Er kann es also durchaus, allerdings war seine konzeptuelle Idee irgendwie bescheuert.

Naja, damit Kreges Sprachspässchen Bonmots sein dürften, müssten sie schon etwas geistreicher sein :tongue:
Ich sehe es aber genau wie du, mit einer besseren Wortwahl an vielen Stellen hätte seine Idee der Anpassung der Sprachstile der Charaktere deutlich besser gelingen können.
Aber da er sich gleichzeitig noch das Ziel gesteckt hatte das Werk sprachlich zu modernisieren hat er sich da -meiner Meinung nach- verrannt.

"Träge" klingt doch hier aber sehr negativ. :zwinker: Tolkien lässt sich eben...ein wenig Zeit und beschreibt in aller Ausführlichkeit. Man muss ihm natürlich zugute halten, dass seine Sprache an Bildhaftigkeit kaum zu übertreffen ist (na gut, im Silmarillion ist das Sprachniveau noch einmal deutlich erhabener).
Und du hast Recht: Carroux ahmt dieses "Langziehen" (stelle fest: klingt auch nicht positiver! :tongue:) wesentlich besser nach.

Ich habe mich dennoch nie an Kreges Übersetzung gestört, ich habe sie einfach als eine etwas andere Darstellung des Herrn der Ringe betrachtet, also als eine Art deutsches sprachliches Remake. :zwinker:


Ich schätze dass diese "Trägheit", das "langziehen" der Geschichte und einzelner Beschreibungen einfach an seiner Einstellung zum Werk liegt.
Der Mann hat jahrelang an einer ganzen WELT gewerkelt, Sprachen erarbeitet und die Historiker ganzer Völker aufgebaut.
Da ist es doch vollkommen verständlich, dass man dann die Geschichte zu einem so unglaublich umfassenden Werk nicht in kurzen, lieblos wirkenden Sätzen zu Papier bringt.
Tolkiens Werk war sein Leben, es hat es geliebt. Heute hört man Menschen ständig über jeden noch so unmotivierten Musiker schwafeln wie sehr er die Musik doch liebt, die wenigsten würden jedoch auf die Idee kommen dass über einen Autor zu sagen.
Ein Werk wie den Herr der Ringe in 15-Wörte-Sätze zu zwängen wäre doch fast dasselbe wie jahrelang um die Traumfrau zu kämpfen und sie dann jeden morgen mit "Halt's Maul und mach Kaffee" zu begrüßen - Schwachsinn :zwinker:
 

Benutzer36171 

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Off-Topic:
Na na na, das mit dem "holprigen" Deutsch habe ich jetzt abert mal überlesen :tongue:
Klar, man sagt oft dass Englisch harmonischer klingt, aber dafür ist Englisch im sprachlichen Sinn aus meiner Sicht irgendwie, ich würde fast sagen "ärmer" als Deutsch.
Im Deutschen kann man meiner Ansicht nach viel detaillierter sein, es hat einen deutlich größeren Grundwortschatz.
Deutsch kann daruch sowohl kurz und prägnant sein, als auch opulent und detailverliebt. Ein Präzisionwerkzeug eben :zwinker:
Off-Topic:
Halt, halt. Da hast du mich falsch verstanden. :smile: Ich mag Deutsch und lese gerne Bücher in der deutschen Sprache, auch (gute) Übersetzungen. Aber speziell die Übersetzung des Herrn der Ringe finde ich nicht sehr gelungen. Irgendwas hat mich schon immer gestört (abgesehen davon, dass ich allgemein den Schreibstil ein wenig zu ausschweifend finde *g*), weswegen ich die Bücher nie wieder (komplett) gelesen habe. Und jetzt da ich das englische Original lese, empfinde ich die Sprache als wesentlich klarer. Natürlich habe ich erst einige Kapitel hinter mir...
 

Benutzer65590 

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...ein kleines Problem am Herrn der Ringe, egal ob Original oder deutsche Übersetzung (Carroux, das andere ignorieren wir einfach mal): das Buch ist einfach nicht besonders temporeich, ja, nichtmal wirklich spannend (zumal, wenn man, wie so ziemlich jeder um die Jahrtausendwende Jugendlicher gewesene, die Handlung kennt) geschrieben. Es gibt starke, tiefgehende, in Erinnerung bleibende, ja auch sprachgewaltige und stellenweise einmalige Passagen - aber ein page turner ist es nicht.

Und ich muss sagen, dass daas Original gar nicht mal so viel gewinnt, meiner Meinung nach. Gut, ich habe auch ziemlich jung die deutsche Carroux-Übersetzung gelesen, und das mehr als einmal - das wird immer *mein* Herr der Ringe sein, das englische Original lese ich als kuriosen Fremdsprachentext :zwinker: aber, ehrlich, abgesehen von einigen Feinheiten des Sprachniveaus in der wörtlichen Rede und natürlich von den Liedern und Gedichten - die reine Erzählprosa ist in der deutschen Übersetzung nicht deutlich schlechter als im Original.

Das ist durchaus nicht selbstverständlich; die meisten zeitgenössischen englischsprachigen Fantasywerke werden im Deutschen ziemlich verhunzt (Scheibenwelt, Lied von Eis und Feuer...), und als der HdR von Carroux übersetzt wurde, war er noch bei weitem nicht die große Nummer, die er heute ist.

Naja, glücklicherweise ist das Englisch des HdR ziemlich verständlich gehalten, damit sollte man schon nach ein paar Jahren Schulenglisch keine Probleme haben - es bleibt also jedem selbst überlassen, welche Version man lesen möchte. Wer man *wirklich* altertümelnd geschriebene englische Fantasy lesen möchte, empfehle ich Werke von Robert E. Howard.
 

Benutzer100759 

Sehr bekannt hier
Bin als LOTR-Nichtmögerin vollkommen unbefangen und unparteiisch und finde die Carroux um Meilen besser, auch wenn sie stellenweise holpert.

Krege ist einfach zu flapsig,und selbst als Allochthoner dreht es mir bei den Kregeschen Ungetümen wie "Ortslegende" den Magen um.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Das Umfrageergebnis ist ja ziemlich eindeutig. Auch gut, weiß ich, was ich mir zu Weihnachten wünschen kann... :grin:
 
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