Großmutter hat Darmkrebs

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey zusammen,

ich schreibe nun einmal in einer leider sehr ernsten Thematik.
Meine Großmutter hatte Bauchweh und war beim Arzt.
Dieser hat erstmal ein Medikament verschrieben und sie wieder nach Hause geschickt.
Als es dann aber nicht besser wurde und die Blutwerte zudem schlechter wurden hat er sie ins Krankenhaus überwiesen.
Dort wurden Probleme mit der Galle festgestellt,
zusätzlich aber eine Wucherung an Darm und Leber.
Es folgte nach einer Magen- und Darmspiegelung die Gewissheit, dass es Krebs ist.
Nun wurde bereits operiert und ein teils des Darms entfernt.
Die Leber ist zu durchsetzt und kann nicht operiert werden, die Galle wurde entfernt.
Die Ärzte haben nun aber das ganze Ausmaß gesehen und direkt gesagt,
dass noch weitere Organe getroffen sein werden.
Die jetzige Prognose ist mit Glück noch 1-2 Jahre, allerdings kommen die abschließenden Ergebnisse erst nach der Gewebeuntersuchung am Montag.
Die Ärzte haben aber direkt gesagt dass es nicht besser, sondern nur schlechter werden kann.

Meine Oma hat jedoch für sich bereits abgeschlossen und geklärt,
wer meinen Opa versorgt (Essen und Co.) wenn sie nicht mehr da ist.
Das ist natürlich aktuell das komplett falsche Zeichen und ich muss ehrlich zugeben, dass ich damit nicht klar komme.

Meine Oma ist mehr sehr sehr wichtig, hat immer viel für mich getan und wir hatten viele tolle Momente miteinander.
Das soll nun mit 75 einfach so vorbei sein?
Ich kann es nicht greifen und damit erst Recht nicht umgehen.

Ich fahre nun morgen Mittag in meine alte Heimat (ca. 200 km entfernt) und werde am Samstag meine Oma im Krankenhaus besuchen.
Aber was soll ich tun?
Die Hand auflegen und die verdammten Tumorzellen töten kann ich nicht.
Ich sehe meine Oma und weiß, dass in ihr eine Zeitbombe tickt und sie eigentlich mit ihrem Leben abgeschlossen hat.
Wie lernt man damit umzugehen?

Wenn ein Mensch einfach so einschläft und nicht mehr aufwacht ist es unerwartet und man lernt dann damit umzugehen.
Aber bei Krebs ist der Tod meist qualvoll oder nur mit viel Schmerzmitteln zu erleben.
Und wenn ich mir vorstelle, dass meine Oma irgendwann vor sich hin siechen wird und langsam und qualvoll am Krebs zugrunde geht....
Ich kann damit nicht umgehen, kann ihr nicht helfen, ihr nichts abnehmen....
Ich möchte sie aber in dieser Phase auch nicht alleine lassen, eine Familie muss in guten wie in schlechten Tagen zusammen halten, auch wenn es der Oma nun nicht mehr so gut geht.

Aber wie kann ich für mich damit klar kommen?
Wie lerne ich damit umzugehen?
Wie kann ich nach Hause fahren und nicht wissen,
ob ich sie nochmal lebend wiedersehen werde?

Oder auch die Frage wie man ihr klar machen kann, dass sie kämpfen muss?
Wenn man ihr sagt dass die Familie sie braucht argumentiert sie immer,
dass wir alle groß genug sind um klar zu kommen.
Aber sind wir das? Werden wir das je sein?
Sicher kommen wir klar, aber wir lieben ihre Kuchen, ihre Art, ihre Anwesenheit....
Man kommt ohne vieles klar, aber will man es auch?
Trotz ist es nicht so wie vorher.

Ich weiß momentan für mich nicht wie ich damit umgehen und was ich tun soll.
Am liebsten würde ich nun eine Zeitreise machen und meiner Oma vor 2 Jahren sagen, dass sie sich bitte geregelt untersuchen lassen soll.
Oder einfach weglaufen und die Familie einfrieren.
Aber all das geht nicht....



Gruß
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Hey. Ach mensch.
Zu so etwas kann man gar nicht "das richtige" sagen... es tut mir leid, dass du damit klarkommen musst.

Ich habe eine sehr ähnliche Erfahrung vor ein paar Jahren gemacht, und ich kann dir nur sagen, was mir geholfen hat. Nicht zu überlegen, was mir das liebste wäre, für mich das beste, sondern mir ihre Gründe anzuhören. Mir erzählen zu lassen aus ihrem Leben und so verstehen zu lernen, dass sie nicht schlicht keine Lust mehr hat, sondern einfach der Meinung ist, genug geleistet zu haben und einfach zufrieden gehen zu können. Das war ihr gutes Recht.
Das heisst nicht dass es darum leichter ist, mit der Lücke zu leben, die bleibt, aber für mich war Priorität, dass SIE mit einem Lächeln gegangen ist. Und sie hatte Recht, wir sind eigentlich alle selber gross. Das heisst auch nicht, dass sie einem nicht fehlen darf, das heisst nur dass man ihr keine Vorwürfe machen kann.
Sie hat sich die Krankheit nicht ausgesucht, aber nimmt es mit der grösstmöglichen Fassung und ich denke man verletzt sie nur noch mehr, wenn man ihr das Gefühl gibt etwas falsch zu machen.

Ich bin sehr froh, die Zeit dir mir damals gelieben ist, nicht mit hadern mit dem Schicksal vergeudet zu haben. Sondern vielmehr damit genutzt zu haben, den Menschen kennenzulernen, der hinter dem Kindheitsbild stand, das mich quasi grossgezogen hat. Das war wichtig für mich, und hat mir den Abschied ... sinnvoller gemacht. Und ihr hat es das Gefühl gegeben, dass ich ihre Entscheidung respektiere und sie für ihre Lebensführung schätze bis ganz zum Schluss.

Es tut mir wirklich leid, das wird dir nicht viel weiterhelfen... ich hoffe, du kannst den Weg für dich finden, damit umzugehn. Wenn du Kraft findest, kannst du ihr davon abgeben und die Zeit noch so gut wie möglich nutzen. Das würde ich dir wünschen.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Lieber Ostfale,

ich habe überlegt, ob ich dir überhaupt antworten soll, aus Angst, etwas Falsches zu sagen, oder das, was ich dir sagen möchte, nicht so auszudrücken, wie ich es möchte.

Ich habe leider keine Großeltern mehr und habe alle vier verloren, als ich noch ganz klein war. Ich habe deren Tod damals kaum mitbekommen.
Umso schlimmer muss es sein, wenn man seine Großmutter aus vollem Herzen liebt und sie schon lange kennt.
Ich kann mir kaum vorstellen, wie die Gewissheit schmerzen muss, wenn man weiß, dass man nur noch für eine Zeit lange, mit seiner Oma zusammen sein kann.

Und doch, auch, wenn 1-2 Jahre an sich keine lange Zeit sind, kann man daraus trotzdem eine lange Zeit machen.
Gerade die ersten Monate jetzt - Wo sie noch einigermaßen auf den Beinen sein wird.
Verbringt so viel Zeit wie möglich miteinander. Redet miteinander. Stell ihr die Fragen, die du ihr schon immer mal stellen wolltest.
Küsse sie. Drück sie.
Sag ihr Dinge, die du dich nicht getraut hast, zu sagen.
Nutzt die Zeit, die ihr habt, einfach so gut es geht aus - als Familie.

Der Tod gehört zum Leben dazu. Das wissen wir alle. Irgendwann geht jedes Leben zu Ende. Auch meins und deins.
Und das Wichtigste ist doch, die Zeit, die man hier auf der Erde hat, so intensiv wie möglich zu erleben. Dinge zu tun, die einm Freude machen.
Was sagt denn die Zeit schon über ein Leben aus?
Es geht nicht darum, wie viele Jahre man lebt. Sondern WIE man sie lebt.

Und in deinem Post machst du den Eindruck, als wärt ihr eine starke Familie. Deine Eltern, dein Opa, deine Oma - Hast du noch Geschwister?
Das ist wunderschön, zu wissen, dass man so viele liebe Menschen um sich herum hat, die sich um einen kümmern und einen lieben.
Ich bin sicher, deine Oma spürt das auch. Und sie ist sich bewusst, dass ihr für sie da sein werdet.
Und spürt, dass ihr sie liebt.

Wie hat deine Oma denn die Nachricht aufgenommen, dass sie Krebs hat?

Ich denke, es ist ganz wichtig, dass ihr alle, wirklich alle miteinander redet. Die ganze Familie soll sich zusammen setzen und darüber reden, was ihr denkt, was ihr fühlt und wovor ihr Angst habt.
Weint, wenn euch danach ist. Werdet aber auch wütend.
Alles, was du auch uns in dem Beitrag geschrieben hast.
Sprich mit deiner Familie darüber.
Ich bin sicher den anderen geht es ähnlich.

Ich wünsche euch allen eine noch wunderschöne Zeit zusammen.
Und dir viel Kraft!

:smile:
 

Benutzer99077 

Verbringt hier viel Zeit
erstmals tut es mir leid für Dich und Deine Familie, dass ihr in dieser Situation seit. Ich kenne dies aus eigener Erfahrung auch, wie diese Krankheit die Familie von einem Tag auf den anderen für immer verändern kann.

Du kannst vermutlich am besten von Deiner Oma lernen, wie Du damit umgehen sollst. Wie Du sagst, hat sie abgeschlossen und interessiert sich jetzt noch dafür, dass sich jemand um Deinen Opa kümmert. Vermutlich wird auch sie irgendwann noch eine Phase durchleben in welcher sie die Situation nicht so gut im Griff hat. Im Moment kannst Du aber viel von ihr lernen wie Du damit umgehen kannst.
Mit 75 hatte sie hoffentlich ein erfülltes und (mehrheitlich) schönes Leben.

Ich glaube nicht, dass eine Krebs-Erkrankung zu einem qualvollen Tod führen muss. Mit den heutigen Medikamenten muss man auch keinen Schmerz mehr haben in dieser Situation. Selbstverständlich mit unschönen Nebenwirkungen. Aber qualvoll muss es kaum sein.

Nutz die Zeit noch um Deiner Oma zu sagen was sie Dir bedeutet. Der Abschied wird Dir selber viel leichter fallen, wenn alles was Du ihr sagen wolltest auch gesagt ist.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie in dieser schweren Zeit viel Kraft.
 

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey zusammen.
Erstmal danke für die Antworten.

@ caotica
Leid tun ist schwierig,
ab und an legt einem das Leben Steine in den Weg und mal sind es ganze Gebirge.
Es trifft immer schon Menschen, nur man selbst war nie involviert, nun ist man es aber.
Ihre Gründe kenne ich.
Mein Onkel (ihr Sohn) ist vor Jahren bei einem Autounfall schwer verletzt worden und an den Folgen gestorben.
Das hat sie sehr schwer getroffen und sie hat sich nur mit Mühe wieder aufgerafft.
Nun sagt sie auch, dass sie bereits auf dem Weg zu meinem Onkel ist.
Sie ist sehr gläubig und glaubt daher auch daran, ihn im Himmel wieder zu sehen und über kurz oder lang dort mit meinem Opa wiedervereint zu sein.
Ganz ehrlich, ich kann es bis zu einem gewissen Grad sogar nachvollziehen denke ich.
Das Herz schreit und weint, aber der Verstand weiß dass es richtig ist.
Gerade weil man selbst nicht weiß wie man reagieren würde werde ich diese Entscheidung und Meinung natürlich respektieren.
Eben weil Leben das Recht des Einzelnen ist und wenn jemand nicht mehr mag dann ist es sein Recht.
Ich mag auch nicht jeden Tag damit hadern, was passieren könnte und wird.
Aber wie gesagt, zwischen uns liegen 200 km, geregelt sehen grenzt daher leider schon an Magie.
Und irgendwo ist auch die Frage, ob das überhaupt so gewollt ist oder ob man dem Menschen besser den gewohnten Ablauf lässt und nur alle paar Monate mal vorbei schaut.
Weil wenn man nun jedes Wochenende da ist wirkt das auch sehr seltsam und klammernd, der Mensch braucht immerhin auch Zeit um sich mit der ganzen Sache abzufinden.
Ich habe ein sehr offenes Verhältnis mit ihr und habe sie als Kind zwar abgöttisch geliebt, aber erst als junger Erwachsener nochmal ganz anders schätzen gelernt.
Ich habe so oft von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen profitiert und stets versucht, einen Teil zurück zu geben.
Ich würde ihr gerne die Stärke geben die ihr verbliebenen Tage noch toll zu verbringen und zu nutzen.
Aber ich selbst bin mit der Lage einfach überfordert und komme damit nicht klar.
Und ich würde es so gerne alleine schon um sie auf dem letzten Weg zu begleiten.
Sie hat mich immerhin auch aus den Windeln begleitet.

@ vry
Naja, ob es leichter ist wenn man seine Großeltern nur kurz gekannt hat weiß ich nicht.
Sicher ist es schwieriger wenn man einen Menschen länger und intensiver kennt, aber leichter wird es in keiner Situation denke ich.
Die Gewissheit, dass die Großeltern vor einen selbst gehen hat man ja eigentlich im Normalfall immer.
So sollte es biologisch auch sein denke ich.
Aber ich habe mir so viel vorgestellt....
Eine Oma die erlebt wie ich heirate, vielleicht noch ihre Urenkel kennenlernt und dann mit einem Lächeln eines Abends einschläft und diese Welt in Ruhe verlassen kann.
Nur nun gerät dieses ganze Gleichgewicht aus den Fugen, das Bild eines schmerzfreien und schnellen Todes verschwindet und weicht immer mehr dem Phantom Krebs.
Wie oben schon gesagt haben wir stets über alles miteinander gesprochen, sofern es möglich war.
Da sie sehr christlich denkt und lebt sind natürlich Themen wie Sex und so für sie weltfremd und nicht möglich,
aber das machte eine Beziehung auch nicht aus.
Es stellt sich nun einfach die Frage, wie man sich weiter verhalten soll.
Soll man jedes Wochenende bei ihr aufschlagen und wirklich Zeit mit ihr verbringen oder drängt man sich dadurch zu sehr auf?
Was ist Klammern und was ist gesund?
Auch da müssen wieder beide Seiten einen Kompromiss finden mit dem sie leben können.
Ich habe Geschwister, aber die können damit noch weniger umgehen und drücken die ganze Sache auch weit von sich weg.
Ich denke, sie werden es erst realisieren wenn sie vor einem Erdloch stehen.
Leider bin ich da sehr emotional gepolt und kann mit sowas nicht so leicht umgehen.
Um meinen Opa haben alle derzeit auch Angst.
Sollte die Oma das ganze nicht mehr schaffen und nicht mehr wollen ist der Opa alleine.
Die beiden hatten vor ein paar Monaten Goldhochzeit, die Oma war und ist alles für den Opa.
Sie kocht für ihn, macht die Finanzen, klärt alles mit der Familie und wiederholt etwas für ihn wenn nötig da er schwerhörig ist.
Er kann und will nicht ohne sie.
Da kommt dann das berühmte Broken Heart Phänomen ins Spiel und der Opa wird wohl unweigerlich bald folgen.
Und genau das will auch keiner.
Aber kann man es vermeiden?
Eine so lange existierende Einheit kann man nicht so leicht trennen,
erst recht nicht wenn der Partner die Schnittstelle zur Welt war.
Ich war nicht bei meiner Oma als sie den Befund bekommen hat.
Meine Mutter hat nur immer wieder gesagt dass meine Oma sagte:
"Wenn der Herr mich möchte wird er mich zu sich nehmen".
Die ganze Familie kann mit dem Thema nicht umgehen und will es nicht wahrhaben.
Gezwungenermaßen sucht nun jeder eigene Strategien das zu verarbeiten und zu verdauen.
Aber all das ist für niemanden leicht, für ihre Kinder nicht, für meine Geschwister und die restliche Familie nicht.

Und es haben alle Angst vor dem weiteren Verlauf, aber man kann es nicht ändern....



Gruß
 

Benutzer75070 

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Hey,

ich kann gut verstehen, wie du dich fühlst.

Bei meinem Vater wurde 2009 Lungenkrebs diagnostiziert und die Lebenserwartung war auch gering. Im August letzten Jahres ist er gestorben.

Wie ich damit umgegangen, vor und jetzt nach seinem Tod?

Am Anfang war ich einfach nur geschockt. Auch wenn ich es schon geahnt habe, bevor die Ergebnisse kamen - es zu WISSEN ist was anderes.

Was ich dir raten kann, ist, die Zeit, die du mit deiner Oma verbringst, wirklich voll und ganz zu genießen! Das habe ich damals versäumt und du ahnst nicht, wie sehr ich das bereue und wie leid es mir jetzt tut, wo ich es nicht mehr ändern kann. Es gibt so vieles, was ich Papa noch sagen wollte..
Ich finde es gut, dass deine Oma sich schon darauf einstellt und es akzeptiert, das solltest du ebenfalls machen, auch wenn es sehr schwer ist.

Ich habe es damals verdrängt, dass Papa bald sterben würde, und bin in ein tiefes Loch gefallen. Und ich kämpfe immer noch damit, da wieder rauszukommen.
Was mir jedoch sehr hilft, ist Ablenkung. Arbeit, Freunde, Familie, Hobbys.

Hauptsache nicht alleine sein. Ich denke oft daran, wie mein Vater vor dem Krebs war, und vermisse ihn sehr. Aber mittlerweile kann ich dabei ab und zu wieder lächeln/lachen.

Kannst mir ja auch mal eine PN schreiben.
 

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey Filbert.
Ja, so eine Krankheit verändert leider wirklich alles.
Es ist wie eine Bombe mit Rasierklingen die einfach so geworfen wird.
Wie bereits geschrieben liest man immer wieder dass diese Krankheit häufiger wird.
Nur man selbst denkt immer nur an die armen anderen.
Von der Oma leben ist gut, aber ich teile viele ihrer Einstellungen wie den Glauben nicht.
Und sie hat nunmal auch den Gedanken an meinen Onkel den sie wiedersehen möchte und wird.
Ganz abstrakt kann man da auch von einer gewissen Freude reden (ich weiß, das hört sich absolut doof an) endlich wieder vereint zu sein.
Nein, qualvoll muss es nicht sein.
Aber ich habe schon Menschen unter starken Schmerzmitteln wie Morphium etc. gesehen.
Und einige haben ihre Familie nicht mal mehr erkannt und nur noch dahin vegetiert.
Das würde mir für meine Großmutter das Herz brechen.
Sie ist ein so stolzer Mensch und dann so ein Ende?
Meine Oma weiß, wie wichtig sie uns allen ist.
Alleine schon jedes Jahr Weihnachten bestehen wir alle auf das Frühstück am ersten Weihnachtstag.
Alleine da zeigen wir ihr jedes Jahr dass wir sie wollen.
Ich lade mich ab und an bei ihr zum Kuchen ein, verbringe Zeit mit ihr oder quatsche mal mit ihr.
So die rührenden Liebesbekundungen gibt es in meiner Familie nicht, dafür sind auch alle nicht die Menschen.
Es läuft da wohl eher auf eine stillschweigende Liebe aus, die sich nur in den Handlungen niederschlägt.


Gruß

---------- Beitrag hinzugefügt um 23:09 -----------

Hey Shaina.
Ich glaube, vor dir muss ich mich nochmal sehr tief verneigen.
Denn ich denke, der Vater ist noch eine Spur heftiger als die Großeltern.
Eben weil man selbst noch jung ist und dies der nächste Ansprechpartner für viele Fragen ist.
Und sei es nur wie man bei seinem Auto diese und jene Glühbirne wechselt.... :smile:
Ich genieße stets jede Minute mit meiner Oma.
Es ist wie nach Hause kommen wenn die Oma einen anlacht, im Winter eine warme Milch mit Plätzchen macht oder ein Stück Kuchen noch übrig hat.
Dieses Akzeptieren ist nicht so möglich, wie auch?
Ich kann nicht damit leben dass ein geliebter Mensch so gehen wird.
Es wird ein tiefes Loch werden wenn es soweit kommt.
Ich hoffe ja immer noch auf das berühmte Wunder und das den Ärzten doch noch etwas einfällt um alles zu stoppen.
Aber derzeit fühle ich mich echt alleine.
Ich bin 200 km von meiner alten Heimat entfernt und sitze verheult vor dem Notebook.
Meine Freundin quatscht mich immer mal wieder mit Belanglosigkeiten zu und beschwert sich,
dass ich sie ignoriere und gerade nur mit meinem Notebook beschäftigt bin.
Gerade hat sie mir nur eine Tempobox hingestellt und ist dann wieder Fernseh gucken gegangen.
Also da erwarte ich keine große Stütze und emotionalen Rückhalt.
Freunde habe ich hier leider nie so richtige gefunden, denn alle wo ich dachte dass es was wird haben mich dann fallen lassen.
Hauptsache nicht alleine sein ist immer gut.
Aber kennst du das Gefühl zu zweit und doch alleine zu sein?
Wie gut würde es tun einfach mal in den Arm genommen und gedrückt zu werden.....
Es hört sich egoistisch und gemein an, aber nicht nur meine Oma leidet sondern wir alle drum herum auch.
Das Lachen wird wieder kommen müssen und das Leben muss auch weiter gehen.
Wie hier schon gesagt wurde ist das Leben nunmal endlich, für jeden von uns.


Gruß
 

Benutzer75070 

Meistens hier zu finden
Es ist nie einfach, wenn jemand geht, den du dein ganzes Leben kennst und über alles liebst.

Ich bin diejenige, die Papa nach dem Charakter her am ähnlichsten bin, wir haben (hatten -.-) den gleichen Humor. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die einfach fehlen.

Ich wohne ja allein, und wenn ich dann zu meiner Familie fahre und erwarte, meinen Vater auf der Couch liegen zu sehen und TV zu gucken, das ist sehr seltsam. Eben weil das nie wieder so sein wird.

Aber ich weiß, dass ich ihn irgendwann wieder sehen werde, und das hilft mir. Er ist jetzt 5 Monate tot, aber wie gesagt, ich kann mit Mama und meinen Schwestern über Papa reden, ohne in Tränen auszubrechen.

Nur wenn ich allein hier bin, ist es extrem schlimm manchmal, dann kann ich nicht schlafen oder sitze auch weinend vorm PC.

Dass deine Freundin sich so benimmt, ist natürlich scheiße. Vielleicht kann sie nicht damit umgehen, aber ihr die Meinung sagen würde ich an deiner Stelle!
 

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey Shaina.
Natürlich ist es nie leicht.
Aber ich denke, es wird nochmal schwieriger wenn man es kommen sieht.
Wenn es einfach so ist dann ist es so und man lernt damit zu leben.
Das Benehmen meiner Freundin ist gerade suboptimal.
Aber vielleicht kann sie damit echt nicht umgehen und ist daher so seltsam.
Oder sie hat es von Haus aus nie gelernt.
Aber so gemein es klingt, es interessiert mich gerade so gar nicht.
Ich habe erstmal meine Probleme die ich lösen muss.


Gruß
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Hey Ostwestfale,

die Fragen die Du dir stellst sind schwierig zu beantworten, ich versuch trotzdem mal meine Ansichten zu dem Thema in ein paar Worte zu verpacken... Ich war vor ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation wie Du jetzt, bei mir war es meine Mutter, bei der Krebs diagnostiziert wurde. Erst die Qual mit den Chemotherapien, das ständige Hoffen und Bangen, dann die grausame Gewissheit das nichts mehr zu machen ist, dass die Zeit abläuft.

Ich verstehe Deinen Wunsch danach dass sie kämpfen soll sehr gut. Aber irgendwie ist er auch ein egoistischer Gedanke. Man will nicht loslassen, diesen so wichtigen Menschen nicht verlieren, glaubt nicht ohne ihn überleben zu können. Aber Krebs ist grauenhaft. Und auch die Therapie-Versuche. Chemotherapien, Operationen - irgendwann ist das kein Leben mehr. Mit Aussicht auf Heilung kann man das durchstehen. Bei schlechteren Prognosen muss ich inzwischen sagen, dass ich es gut verstehe wenn jemand sagt hier ist schluß. Es ist ok, wenn ich gehen muss. Ich versuche aus der Zeit die bleibt das beste zu machen, aber ich will mich nicht endlos quälen. Diese Entscheidung liegt jetzt bei Deiner Oma - und ich würde Dir raten nicht zu bitten und zu betteln, keinen Druck zu machen, sondern ihren Willen zu akzeptieren. Für sie da zu sein und mit ihr den Weg zu gehen, den sie wählt.

Es ist schwer damit umzugehen, zu wissen dass die Zeit verrinnt. Aber für sie ist es genauso schwer. Die Situation ist für alle neu, niemand will das, aber man lernt damit umzugehen. Bei uns lief es so, dass ich in dem Trubel zwischen Krankenhaus, Diagnosen, Verbesserungen und Verschlechterungen eine gewisse Normalität eingestellt hat. "Das beste aus der Zeit machen". Der Krebs war präsent, ihr Gesundheitszustand, wie es ihr geht. Aber es war nicht das Hauptthema. Alle, Familie und Freunde haben sich Zeit genommen. Waren einfach da. Die Situation schweisst zusammen. Jeder hilft jedem. Man braucht keine großen Worte und Gesten, wenn man keine hat und findet. Man kann einfach mitgehen, da sein, eine Hand halten. Oder eben ganz normal reden, einen Witz machen. Irgendwann ging es nicht mehr um die Krankheit, es ging darum sich zu unterhalten, kleine Dinge zu tun, zusammen zu sein, trotz des Wahnsinns der passierte noch etwas Freude zu behalten. Wir haben geweint und gelacht, normal von unserem Tag erzählt, was uns grade bewegt, oder gemeinsam über die komische Oberschwester geschmunzelt. Man entwickelt Galgenhumor, man gewöhnt sich an fast alles. Man muss aber auch nichts spielen. Ehrlich sein. Rauslassen was einen bewegt. Man kann über den Tod reden, aber auch übers misglückte Mittagessen.

Klar, da waren auch extrem harte Momente, extrem dunkle, Dinge die einen zerreissen, Dinge die ich vermutlich nie ganz los werde. Es wurde schlimmer. der Schluß war die Hölle. So extrem, dass der tod dann auch wirklich "in Ordnung" war. Eine Art Erlösung. Ich hatte das riesige Glück, dass mein Mutter sich nie wirklich hängengelassen hat, egal wie schlimm es war... Diese Zuversicht im Angesicht des Todes werde ich nie vergessen. Sie hat die Zeit genutzt, Dinge geklärt die ihr noch auf der Seele gebrannt haben, für mich unfassbare Tapferkeit gezeigt und auch in den übelsten Situationen noch ihre Würde bewahrt.

Und, auch wenn es an sich unverstellbar war, dass sie plötzlich einfach weg sein soll - auch wenn man den kommenden Tod mal akzeptiert hat, begreift man es noch nicht wirklich - auch damit kommt man klar. Für uns ist sie nicht weg. Sie liegt in keiner Holzkiste unter der Erde. Das ist nur eine Hülle. Ich bin kein sonderlich gläubiger Mensch, weiß nicht wo und ob sie noch "wirklich" ist, aber was ich sagen kann, ist das sie irgendwie in uns allen weiterlebt. In Erinnerungen und Gedanken, darin wie sie uns als Kinder erzogen hat, wie sie die Menschen beeinflusst oder bewegt hat, die ihr begegnet sind. Ob mit kleinen Worten oder Taten, oder nur dadurch dass sie eben da war. Irgendwie hat uns diese ganze Geschichte als Familie viel näher zusammengebracht. Die Lücke die ihr Tod hinterlassen hat war riesig, aber irgendwie war jeder für jeden da, haben wir es geschafft dass da kein bodenloses Loch bleibt, sondern nur ein kleiner Riss. Einer der ab und an schmerzt. Aber einer mit dem man Leben kann.

Puh, das ist jetzt ein ganzer Roman geworden, ich hoffe es hilft Dir vielleicht ein wenig weiter, ich wünsch dir, euch, alles Gute und viel Kraft,

lg,
brainie

P.S.: Ich habe damals von einer Bekannten zu dem Thema Tod, Trauer und Verlust ein Buch empfohlen bekommen: "Du bist immer noch bei mir" von Mariko Kikuta. Eigentlich ist das ein Kinderbuch mit vielen Bildern... Inhaltlich ist es meiner Meinung nach aber auch für Erwachsene sehr zu empfehlen, das habe ich damals mit meiner Mutter gelesen und wir haben dann darüber gesprochen... Irgendwie hat es uns beiden glaube ich sehr geholfen, mit der Situation umzugehen. Nur als kleiner Tipp. :smile:
 

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey Brainie.
Auch dir danke ich für die ausführliche Antwort.
Ich bin bei dir und verstehe auch, wenn man nicht mehr mag.
Ich habe bei der Mutter meiner Exfreundin damals gesehen was eine Chemo mit dem Körper und dem Menschen machen kann.
Das alles ohne die großen Heilungschancen möchte man keinem zumuten.
Das Problem für mich ist einfach dass meine Mutter und meine Tanten jeden Tag bei meiner Oma sind und sich somit in vielen Gesprächen damit arrangieren können.
Ich wohne leider 200 km entfernt und fahre nun am Wochenende das erste Mal zu ihr ins Krankenhaus.
Mir fehlt irgendwo die Zeit und Gelegenheit damit leben zu lernen.
Ich würde auch gern mal eben Abends noch für eine Stunde zu ihr fahren und durch die Zeit lernen damit zu leben.
Du beschreibst auch etwas, dass mir auch unheimlich weh tut. Das Ende.
Natürlich leidet heutzutage keiner mehr Schmerzen, aber um welchen Preis?
Krebs ist kein schöner und stiller Tod sondern ein ganz langsamer und ekeliger.
Wenn es soweit ist wird ein Mensch nie ganz weg sein, da hast du Recht.
Eben weil sein Leben das eigene Leben geprägt und mitgestaltet hat.
So leben immer Teile weiter.
Aber das große Puzzleteil fehlt eben.
Sicher ein Verlust, mit dem man irgendwann leben kann und muss.
Das Buch werde ich mir die Tage mal anschauen und vielleicht bestellen.
Mal gucken, dennoch danke für die Empfehlung.



Gruß
 

Benutzer39498 

Planet-Liebe ist Startseite
Off-Topic:
@brainie: "Du bist immer noch bei mir" hat mir eine gute Freundin auch mal geschenkt. Das ist wirklich sehr süß :ashamed:


Ich weiß beim besten Willen nicht, was besser ist - der unerwartete, schnelle Tod oder der langsame, bei dem man weiß, dass man in absehbarer Zeit sterben wird.

Mein Opa ist 1998 einfach so eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Das war für ihn vermutlich fantastisch, er hatte keine Krankheiten, es ging ihm gut, wir waren zum Mittagessen noch dagewesen. Meine Oma hat das allerdings nie verkraftet, auch für sie war er alles, was nach über 50 Jahren Ehe auch verständlich ist, besonders in der Generation. Auch meine Oma bekam Darmkrebs. Sie hat nicht gekämpft. Wir wohnten dann schon 400km weit entfernt und ich konnte sie nur noch einige Male besuchen. Mir hat damals imponiert wie sie sich ihre Würde bewahrt hat. Bevor wir im Hospiz aufschlagen durften, hat sie sich den Friseur bestellt. Sie hat einige für sie wichtige Dinge und Schmuckstücke den Personen selber gegeben, damit es nach ihrem Tod keinen Streit um das Erbe gibt. Und sie hat sich vor Allem getraut, über ihre eigenen Ängste zu sprechen. Sie hatte durchaus Angst vor dem Tod an sich, vor dem Sterben, nicht vor dem "Leben im Himmel". (meine Oma war auch sehr religiös und fand die Sache mit dem Leben nach dem Tod eigentlich ganz charmant) Für sie war es wichtig, dass wir zuhören wenn sie darüber sprechen will.

Und meine Mutter ist vier Jahre später einfach so auf der Straße umgefallen, einen Tag nach meiner Konfirmation. Die ganze Familie war da, aber ich war diejenige, die dabei war. Ich weiß noch wie ich geschaut hab das auf dem Spielplatz jemand auf meinen damals 6 Jahre alten Bruder aufpasst, wie ich den Krankenwagen gerufen habe, meinen Vater angerufen hab und dem Sani alle Daten meiner Mama gesagt hab. Erst danach konnte ich selbst zusammenbrechen. Sie lag 10 Tage im Koma und am 10. Tag wurde der Hirntod festgestellt. Ich habe sie noch zweimal im Krankenhaus gesehen, einmal vor, einmal nach dem Hirntod. Ich weiß nicht, ob sie irgendwelche der stillen Stoßgebete mitbekommen hat, ich weiß nicht, ob sie weiß, das wir alle da waren und wie verrückt gehofft haben.

Ehrlichgesagt wäre es mir im Nachhinein lieber gewesen, sie hätte ein paar Wochen im Krankenhaus gelegen, ich hätte mich nochmal mit ihr unterhalten können. Wir hätten noch Streitigkeiten ausmachen können und über die wirklich wichtigen Dinge reden.

Meine Moral aus der Geschichte ist: sie alle gehen irgendwann von uns und wir können nichts dagegen tun. Das Wichtigste auf deiner Seite ist es, das zu akzeptieren. Deine Oma hat eine Entscheidung getroffen und du verstehst diese ja auch. Ich weiß nicht, wie man die Zeit die jetzt noch bleibt am Besten nutzt. Neulich war in der NEON ein Artikel über eine junge Frau, die ihren Vater durch seine Krebserkrankung fotografisch begleitet hat. Das waren sehr bewegende Bilder und ich fand die Idee ziemlich gut. Dokumentiere diese letzte Zeit, sei es durch Aufzeichnungen, Videos, Fotos, Lieder die du zu deiner jeweiligen Stimmung auswählst,... Du kannst das Unglück nicht von ihr abwenden, aber du kannst ihr zuhören, wenn sie über den Tod sprechen will, sie ablenken, wenn sie das grade nicht will, sie als erwachsene Frau behandeln und nicht als Bettlägerige, und ihr vor Allem bewusst machen dass es kein Verbrechen von ihr ist, das sie gehen will. Ja, sie lässt Menschen zurück, die sie lieben und die sie liebt, aber sie hat vielleicht einfach keine andere Wahl. Sagt ihr, dass es okay ist! Ich glaube, wäre ich in der Situation, so wäre das eine sehr große Erleichterung für mich.
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ostwestfale, das mit der Entfernung ist sicher nicht ideal - aber sie würde auch sicher nicht wollen, dass Du Dein eigenes Leben jetzt mehr oder weniger vergisst. Mehr Zeit als Du hast kannst Du Dir leider nicht nehmen - aber ich denke dass Du es trotzdem schaffen wirst damit klarzukommen und - dann eben nicht so oft direkt, aber mit Kopf und Herz - bei ihr zu sein. Die große Angst vor der Situation die Du gerade hast, wird sich ein wenig leben. Versuch jetzt einfach ein wenig "offen" zu bleiben, nichts zu erwarten, einfach hinzufahren, Du zu sein und bei ihr zu sein. Du kannst es nur akzeptieren, die Situation nehmen wie ist. Versuch Dir da keinen Druck aufzubauen, kein "das müsste und wollte ich alles noch machen und tun, aber ich kann nicht". Ja, die Zeit läuft mit, aber man muss nicht dauernd darauf achten wie sie verrinnt, das blockiert dann auch.

Das ist schwer in Worte zu fassen, Ich hoff Du verstehst was ich damit sagen will: Mach kein Wettrennen daraus. Geh - vom Kopf her - nicht eine Kranke besuchen, eine Sterbende, sondern eben Deine Oma. Nimm einfach die Zeit die Du hast und nehmen kannst und versuch das Beste daraus zu machen.

Zum Ende an sich: Du hast recht dass niemand mehr leiden "muss". Es muss aber auch nicht so enden wie Du es ausmalst. Es war sicher kein schöner Tod, Krebs ist einfach grausam, da gibt es nichts schönzureden. Bei meiner Mutter war es aber so, dass sie gegen Ende schon einiges gegen Schmerzen bekam, aber größtenteils bis auf ganz wenige Ausnahmen sehr klar war, man konnte sich ganz normal mit ihr unterhalten, bis Momente vor ihrem Tod, den sie schon ein paar Stunden früher kommen spürte.

Ich weiß dass das nicht immer so ist - aber es muss auch nicht immer anders sein. Ich finde es sehr gut, wenn der Mensch der da gehen muss nicht zu viel unnötig leiden muss und sich eben auch ein Stück weit entscheiden kann, wie man mit Schmerzmitteln umgeht.

lg, brainie
 

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey zusammen,
Erneut danke für die ganzen Antworten.

@ Detroiter
Gibt es einen besseren Tod?
Irgendwie ist es so oder so doof.
Man selbst neigt sicher nur darzu den anderen Tod besser zu finden
Aber das Ergebnis bleibt doch final gleich.
Ob meine Oma über ihre Gedanken, ihre Wünsche und Ängste spricht weiß ich nicht, morgen werde ich es sehen.
Das mit deiner Mutter ist natürlich auch sehr sehr extrem.
Hätte reden geholfen? Vielleicht, vielleicht auch nicht.
In welcher Neon war der Artikel? Habe ich etwas verpasst?
Sie bleibt für mich meine Oma als starke Frau und nicht als kranker Mensch.
Wenn sie will kann sie sagen dass sie etwas nicht kann oder will.
Aber ich denke es ist auch wichtig, bis zu einem gewissen Grund Normalität zu leben.
Insofern ich das Thema mit ihr irgendwann habe werde ich natürlich auch offen sagen dass ich die Entscheidung verstehen kann und man nicht mehr möchte.

@ brainie
Ich denke, der Weg wird auch hier wieder die Normalität werden.
Vielleicht einfach mal hinfahren, mit ihr einen Kaffe trinken wenn sie das kann oder einfach nur reden.
Du hast Recht, wenn man nun nun Tage oder Wochen zählt wird es nicht besser und statt Zeit zu verbringen zählt man nur.
Ich weiß ja nicht mal, wie man stirbt.
Zerfrisst einen der Krebs einfach und zerdrückt lebenswichtige Dinge?
Schläft man dann irgendwann doch einfach ein und das wars?
Wenn die Mehrzahl der Momente klar ist, ist es doch okay.
Geistige Umnachtung hat jeder von uns mal denke ich,
gerade im Alter verwechseln viele Leute auch im Alltag mal Dinge.
Ich finde es auch gut, dass man mittlerweile keine Schmerzen mehr haben muss.
Und ich hoffe einfach, dass die Schmerzmittel den Menschen nicht zu sehr vernebeln.



Gruß
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
@ brainie
Ich denke, der Weg wird auch hier wieder die Normalität werden.
Vielleicht einfach mal hinfahren, mit ihr einen Kaffe trinken wenn sie das kann oder einfach nur reden.
Du hast Recht, wenn man nun nun Tage oder Wochen zählt wird es nicht besser und statt Zeit zu verbringen zählt man nur.
:jaa: Ich denke da bist Du auf dem richtigen Weg.
Ich weiß ja nicht mal, wie man stirbt.
Zerfrisst einen der Krebs einfach und zerdrückt lebenswichtige Dinge?
Schläft man dann irgendwann doch einfach ein und das wars?
Darauf lassen sich keine einfachen Pauschalantworten geben, ich weiß auch nicht wie sinnvoll es ist, darüber zu spekulieren, wie es bei Deiner Oma sein wird oder könnte. Der Krebs breitet sich halt aus, lässt sich irgendwann nicht mehr kontrollieren, streut, wächst an verschiedenen stellen. Kann Organe befallen, drücken, etc., die können ausfallen, die Verdauung nicht mehr funktionieren usw.. Auch Arten zu sterben gibt es dementsprechend viele, wie es ist weiß man wohl nur wenn's so weit ist. Bei meiner Mom war es so, dass sie wach und bei Bewusstsein war. Ich will das nicht näher ausführen, es war grausam, ging dann aber relativ schnell.
Wenn die Mehrzahl der Momente klar ist, ist es doch okay.
Geistige Umnachtung hat jeder von uns mal denke ich,
gerade im Alter verwechseln viele Leute auch im Alltag mal Dinge.
Solche Momente gab es wie gesagt fast gar nicht. Es kam halt vor, dass sie "gedämpft" war und, was ich als schlimmer empfunden habe, kurzzeitig organisch bedingt Psychosen entwickelt hat, die wir dann aber mit Medikation in den Griff bekommen haben. Sowas muss aber auch nicht vorkommen, deshalb versuche echt nicht zu viel über was kommen könnte nachzudenken. Es bringt nichts, man macht sich nur verrückt. Was kommt kommt. Man kann sich kaum drauf vorbereiten, lernt dann aber in der Situation damit umzugehen.
Ich finde es auch gut, dass man mittlerweile keine Schmerzen mehr haben muss.
Und ich hoffe einfach, dass die Schmerzmittel den Menschen nicht zu sehr vernebeln.
Das ist einfach eine Gratwanderung. Wie gesagt, im Normalfall kann der Patient da in einem gewissen Maß mitbestimmen - wann wird der Schmerz zu groß, wann war mir die Medikation zu viel, etc. Aber selbst wenn es sie in Phasen benebelt. Das ist für euch dann sicher nicht schön, aber besser als wenn sie unnötig leiden muss.

lg
brainie
 

Benutzer46933  (40)

live und direkt
das ist natürlich sehr hart. ich hab meinen onkel (da war ich etwa 15) durch darmkrebs verloren und er war am ende nur noch ein "körper", der nichts mehr gemacht oder gar auf irgendwas reagiert hat. er wurde vollgestopft mit allen möglichen medikamenten und hat quasi nur noch dahinvegetiert. damals haben die operationen wohl nichts gebracht, oder es wurde zu spät erkannt, so dass es wohl metastasen gab, ganz genau weiß ich es auch nicht mehr, aber heutzutage is die krebsforschung ja viel weiter und die können sehr viel mehr ausrichten als noch in den 90ern. mein onkel war mitte 50 als er starb. meine großeltern sind auch nicht besonders alt geworden, mein großvater hatte auch krebs, ich hab ihn gar nicht kennengelernt, er starb in dem jahr, als ich geboren wurde. ich weiß, es ist evtl nicht vergleichbar, ich war damals sehr jung und hab das auch gar nicht so richtig verstanden. ich wusste halt, mein onkel war krank und das sehr schwer. ich hab seinen tod auch nur am rande mitbekommen (als meine mutter mit meiner tante am telefon geredet hat und ich zufällig mitgehört hab). ich war auf seiner beerdigung. damals hab ichs ja nicht so realisiert, es ging auch so schnell, irgendwie... heute vermisse ich ihn sehr und denke oft an ihn und auch an meine anderen verwandten die tot sind (mein anderer onkel starb mitte 50 an nem herzinfarkt zb, und ich hatte ihn jahrelang nicht gesehen, da er in schottland wohnte).
ja, lange rede... ich wollt dir bloß sagen, dass ich dich verstehe und dich virtuell umarme. ich wünsche dir und deiner familie viel kraft. und wenn sie geht, lass sie gehen, und trauere, weine, sei ruhig in gedanken bei ihr, tu das was du brauchst und willst. allerbeste grüße.
 

Benutzer102417  (34)

Öfters im Forum
Ich habe die Antworten der anderen noch nicht gelesen, das mal vorab, falls sich was wiederholt.

Was ich dir erzählen möchte, ist meine Sicht der Dinge und meine Einstellung zum Tod. Das muss natürlich nicht deine sein, aber vielleicht kann es dir doch irgendwie weiter helfen.
Zuerst einmal finde ich es sehr wichtig, dass ihr keinerlei Vorwürfe macht
"Was sollen wir denn ohne dich machen? Du musst doch kämpfen!"
Es scheint nun unausweichlich und sie ist bereit. Es ist wie es ist. Mit diesen Vorwürfen macht ihr ihr aber ein schlechtes Gewissen und haltet sie fest. Was soll sie denn tun? Ich finde sie geht ganz toll damit um. Es ist eure Trauer, nicht ihre! Drückt sie ihr nicht auf und macht sie traurig damit. Gebt ihr das Gefühl, dass sie gehen KANN und dass sie sich keine Sorgen machen muss. Soll sie mit Sorgen von dieser Welt gehen?
Ja, es ist schwer... es ist ein Abschied.
Für mich ist der Tod nicht das Ende- im Gegenteil. Ich galube, dass wir tausende von Leben haben und womöglich auch andere Daseinsformen "leben", als nur eine irdische, menschliche und dass es unendlich viele Weisen gibt auf die wir uns und unsre Seelen erfahren und noch erfahren werden.
Ein Leben ist eine Station von so vielen. Ein kurzer Herzschlag, ein Augenblick. Es ist nicht schlimm zu gehen, es ist nur ein Übergang zu etwas anderem. Quasi eine Geburt in einer anderen Welt. Seelen, die sich sehr Nahe stehen, werden sich auch immer wieder begegnen. Kein Abschied wird für immer sein, wenn du es nicht möchtest.
Es ist alles gut und richtig so, auch wenn es dir im Schmerz als unfair und falsch erscheint.
Genießt eure letzte Zeit und vorallem HABT FREUDE! Legt die Trauermienen mal beiseite und habt eine gute Zeit. Bleibt in der freudigen Erinnerung an schöne Tage und begleitet sie liebevoll, ohne sie krampfhaft festzuhalten.

Wegen dem langsamen, schmerzhaften Tod, würde ich mich evt. über Sterbehilfe informieren.

Ich wünsche euch Licht und Liebe und noch viele glückliche gemeinsame Tage.
 

Benutzer7447  (34)

Verbringt hier viel Zeit
Hey zusammen.
Erneut danke für die ganzen Antworten.
Ich war gestern erstmalig bei ihr im Krankenhaus.

Als wir dort ankamen liefen direkt die Tränen bei ihr, aber dennoch shaben wir uns danach unterhalten.
Über die Fahrt zu ihr und so weiter, alles in allem sehr wenig und oberflächlich.
Mir ist aufgefallen, dass sie oft nach Schmerzmitteln gedrückt hat und immer abwesender wurde.
Das war schon echt extrem, die Bettnachbarin hat den Krebs aber überstanden und ihr immer wieder gesagt dass es nach 5 Tagen besser wird.
Ich finde die Nachbarin sehr gut, eben weil sie Mut macht und aufbaut.

Leider hat meine Großmutter nun zwar mehr Mut und will versuchen zu kämpfen,
ist aber immer noch sehr skeptisch.
Das leider bezieht sich nicht auf den Mut sondern auf die Skepsis (um Missverständnissen vorzubeugen).
Aber ich denke, das wird und sie müht sich erstmal wieder was zu schaffen.
Am Dienstag liegen Ergebnisse von der OP vor udn werden diskutiert.
Je nachdem was sich da als Ergerbnis heraus stellt wird es wieder ein Tiefschlag oder vielleicht auch ein Stern in dunkler Nacht.
Ich hoffe das Beste für sie und hoffe,
dass sie ihren Weg gehen kann, egal wie dieser aussieht.




Gruß
 
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