Gerichterliche Erfahrung mit sexuellem Missbrauch

Benutzer166092  (22)

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Hallo.
Ich, genauso wie leider viele andere, habe Erfahrung mit sexuellem Missbrauch gemacht. Es ist bereits über sechs Jahre her und bis jetzt traue ich mich nur es anonym in Foren wie diesen zu schreiben.

Schon oft spielte ich mit dem Gedanken, dieses zur Anzeige zu bringen, doch ich habe Angst, dass ich diesen Prozess verliere.
Schließlich würde Aussage gegen Aussage stehen.
Musstet ihr schon Mal so einen Weg gehen und wie war das Ergebnis?

Danke im Voraus
 
S

Benutzer

Gast
Leider sind nach 6 Jahren an dir keine verwertbaren Spuren, z.B. Sperma, mehr zu sichern und daher würde eine Anzeige wohl auch keinen Erfolg mehr haben.
Nein, ich wurde zum Glück nicht sexuell missbraucht.
 

Benutzer98820 

Sehr bekannt hier
Unabhängig davon, ob eine Anzeige etwas bringen würde, könntest Du ja zu einer Beratungsstelle gehen. Hast Du Dir das schon einmal überlegt?
 

Benutzer166092  (22)

Ist noch neu hier
Ja, ich habe es mir schon überlegt, aber mich dazu noch nicht überwunden.
 
S

Benutzer

Gast
Auf eine psychologische Beratung/Betreuung würde ich an deiner Stelle nicht verzichten, sobald du dich dazu in der Lage fühlst.
 
M

Benutzer

Gast
doch ich habe Angst, dass ich diesen Prozess verliere.
Du verlierst keinen Prozeß, denn den führt der Staatsanwalt, Du bist allenfalls Nebenklägerin (dafür würde ich mich beim weissen Ring oder anderen Beratungsstellen informieren, aber auch ein Rechtspfleger im Gericht kann Dich dazu vorab informieren). Das ist keine Zivilklage, bei der Du klagst und verlieren oder gewinnen kannst, auch, wenn ich weiß, was Du meinst (der Angeklagte wird freigesprochen), muss man sich das dennoch klar machen, das heißt, Du musst z.B. keine Gerichtskosten tragen, falls ein Freispruch erfolgt.

Die Verjährungsfrist beim Missbrauch von Minderjährigen ist, glaube ich, nochmals vor einigen Jahren erhöht worden und zwar beginnend mit dem 18. Geburtstag (wenn ich mich nicht täusche), das macht natürlich sehr viel Sinn, vor allem, wenn es sich um Missbrauch in der Familie handelt. Daher kann man das so generell nicht sagen, dass eine Anzeige höchstwahrscheinlich keinen Sinn mehr macht, zumal sexueller Missbrauch nicht das Gleiche wie eine Vergewaltigung ist, das heißt nicht zwingend gibt es überhaupt Spermaspuren. Je nach dem was, wann, wo, mit wem und wie vorgefallen ist, kann es ja auch andere Beweise geben, z.B. Zeugen, hier könnten es Geschwister sein. Das alles können wir nicht beurteilen (und Du brauchst es auch nicht zu erzählen, weil deshalb können wir es auch nicht wirklich gut beurteilen).

Was bleibt ist die Frage, die nur DU beantworten kannst (und musst, denn keiner hier wird Dir irgendetwas abnehmen, das musst Du alleine machen), ob Du das Risiko Dich verletzlich zu machen, Dich zu öffnen und dann im schlimmsten Fall mit der Situation, dass der Angeklagte freigesprochen wird oder vielleicht verurteilt wird, aber eine Strafe erhält, die Dir nicht angemessen erscheint, eingehen möchtest. Natürlich Deine Hoffnung auf geistige Befreiung durch ein Bekanntmachen, durch ein Beenden des Schweigens ist verständlich und nachvollziehbar und im besten Fall passiert genau das. Dass Du Dich vielleicht schlecht fühlen wirst, wenn ein für Dich ungünstiger Fall eintritt ist leider ebenso gut möglich. Die Entscheidung kannst wirklich nur Du treffen, weil Du auch die einzige bist, welche die Konsequenzen zu tragen hat und DESHALB ist auch absolut in Ordnung was Du tust, egal, was es ist (und es gibt für alle Varianten viele Pros und Contras!), ob Du anzeigst oder nicht, ob Du Dich in psychologische Behandlung begibst oder nicht, ob Du ein Buch schreibst oder nicht darüber sprichst, ganz genau so, wie es für Dich richtig ist, so ist es auch richtig. Da Du Dich aber schon intensiv mit der Frage der Anzeige auseinandersetzt, würde ich mir hier von einer Organisation wie dem weissen Ring eine "Einschätzung" geben lassen, wie Du weiter vorgehen könntest, welche Möglichkeiten und welche Wege Dir möglich sind.

Falls Du es nicht gesehen hast, hier

Hilfe für Betroffene, Freunde, Partner und Familie

und hier

Sammelthread für Beratungsstellen, Telefonseelsorgen, etc.

ein paar Stellen, an die Du Dich wenden kannst oder könntest, wenn Du möchtest.
 
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