Gemeinplätze und Wortschätze

Benutzer138875 

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„Wer anderen eine Grube gräbt …“ Jeder kennt solche Gemeinplätze. Manchmal steckt in diesen lapidaren Sätzen aber auch etwas, über das sich genauer Nachzudenken lohnt.

Off-Topic:
Meine Urgroßmutter hatte etliche Lebensweisheiten, die sie in kurze Sprüchlein verpackt, unter die Leute brachte. So manches Motto, dass ich kenne, ist direkt oder indirekt von ihr überliefert.
Auch wenn ich diese Sprüche später auch in anderen Zusammenhängen und von anderen gehört habe.

Manchmal krame ich diese kleinen Bonmots aus dem Gedächtnis, einige wirken nahezu philosophisch, manche bauernschlau und andere sind einfach kauzig.


Allerdings bemerke ich auch, dass sich manche meiner Welt- und Wertanschauungen, tatsächlich auf diese Art verknappen lassen. Hier zwei Klassiker, von Uroma überliefert:


„In eine Hand, aus der nichts herausgeht, kann nichts hineingeraten!“

Klingt auf den ersten Blick wie ein kaufmännisches Motto. Ich verbinde damit eher immaterielles, soziales Handeln. Es lohnt sich also, etwas abzugeben. Wer bereit ist zu teilen, hat nicht nur selbst eher etwas zu erwarten, der tut sich auch leichter, etwas anzunehmen.

Für mich war diese Einsicht auch in der Beziehungsfindung hilfreich. Längere Zeit vermied ich eine feste Bindung aus dem Grund, weil ich mir selbst zu genügen schien und verschloss mir selbst etwas, das ich heute als Reichtum ansehe. Funktionierte nur, weil ich bereit war, meinen Turm zu verlassen.




„Wat Bur ne kennt, dat frett he ni!“ (Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht!)


Klingt so, als wolle man Bauern Borniertheit unterstellen. Ich deute das anders. Manchmal ist ein Diskurs einfach Leerlauf. Vor allem dann, wenn einem der Teilnehmer nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Vorstellung für ein Thema fehlt. Dieser wird keine Meinung als die eigene für plausibel halten, weil das empathische Potential nicht ausreichen kann. Zumindest solange man nicht bereit ist, den Blickwinkel zu wechseln.

Wenn ich bemerke, dass ein Diskussionspartner wiederholt aus einer solchen Sackgasse heraus argumentiert, versuche ich kaum, ihm meine Meinung schmackhaft zu machen, sondern bemühe mich darum, dass er versucht, seinen eigenen Standpunkt zu transportieren. Vielleicht entdeckt er
auf diese Weise Wertvolles, denn „Wer rastet, der rostet!“ :zwinker:



Und nun die Gretchenfrage:
Welche mehr oder wenigen weisen Sätze tragt ihr mit Euch herum
und inwiefern begleiten Euch diese?
 
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Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Ich beziehe manche Lebensweisheiten gar aus der Bibel .

Die mich praegenste ist das Gleichnisse vom Verlorenen Sohn und der Satz : Wenn dich einer auf die eine Wange schlägt hallt noch die andere hin.

Was für mich keineswegs bedeutet , dass ich mir alles gefallen lassen muss . Sondern ehr mit Galgenhumor und Ironie einer Situation begegne.

Wie du in den Wald hinein rufst so schallt es auch herraus .

Ist auch etwas was meinen Sozialen Umgang sehr geprägt hat und oftmals wenn ich der Wald bin konträr zum Jesus Zitat steht .
 

Benutzer81418 

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Lieber reich und gesund als arm und krank.
Ich weiss nicht, wo ich den Satz her habe, aber er ist für mich so etwas wie eine Zusammenfassung sehr vieler Sprichwörter.

Der Himmel der Reichen dient den Armen als Hölle.
Ebenfalls unbekannt. Ich würde ihn - vielleicht nicht wörtlich so - Bert Brecht zutrauen.
 
M

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Gast
Der Himmel der Reichen dient den Armen als Hölle.
Ja, das ist schandbar gut und leider steckt da auch eine Riesenportion Wahrheit drin.

Spontan fällt mir noch "Eine Hand wäscht die andere" ein. So einfach wie gut, denn zu zweit oder mehreren geht vieles eben besser und einfacher. Man kann es natürlich auch "berechnender" sehen bzw. formulieren, aber ich nehm jetzt mal die gütige Interpretation.
 
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G

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Gast
Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.
Oder neudeutsch:
No risk, no fun.

Mit diesem Spruch sporne ich mich selbst an, wenn ich vor etwas "Angst" habe, es aber gerne tun würde und eigentlich auch keine gravierenden/existenziellen Gefahren damit verbunden sind.
Zudem dient der Spruch für mich als Rechtfertigung vor mir selbst um mir Unvernünftigkeiten, bzw. Exkurse vom "geraden Weg" zu gönnen. Will nicht in einem öden, langweiligen Alltag versumpfen. :smile:
 

Benutzer133456  (49)

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Ich habe erst neulich den wissenschaftlichen Beweis fuer die Richtigkeit des Spruchs "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht" gefunden:

Im Innovationsmanagement spricht man von Absorptive Capacity, um zu beschreiben, wie offen ein Klient oder eine Zielgruppe fuer Innovation sind; sind sie resistent, spricht man von niedriger Absorptive Capacity. Und diese kann man beeinflussen durch Erfahrungen und Wissen. Ergo: Was die Zielgruppe nicht kennt oder erfahren hat, akzeptiert sie nur schwer.

Altkluger Spruch somit modern bewiesen.
:whoot:
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
auch von uroma: "es tut dem hund nicht weniger weh, wenn man ihm den schwanz in scheiben abschneidet!" - mit anderen worten: wenn du weißt, es wird ohnehin weh tun, zieh es in eins durch. besonders passend bei absehbaren trennungen... und ich könnt schwören, den hab ich hier bei PL schon ab und an gebraucht.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Ich kenne EINEN Bibelspruch der mir über Alles gefällt und mir auch hilft:
Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Das grösste aber ist die Liebe.

Sonst finde ich Sprüche aus der Bibel teilweise SEHR ausglegungsbedürftig (bis unbrauchbar), oder witzig.
Es ist besser wohnen auf dem Dach eines Hauses als bei einem zänkischen Weib.
Das gefällt mir einfach als Formulierung, zutreffen muss es nicht.


Total das Gegenteil von hilfreich sind soche "Lebkichensprüche" wie:
Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmermehr.
Die Lehrkraft die mir das immer sagte, hat noch nie was von lebenslangen Lernen gehört.:rolleyes:

Andere Sprüche kann man wenigstens abkürzen: Wer andern eine selbst hinein.
oder realistischer machen: Ehrlich währt es am längsten :tongue:
So finde ich die Sprüche noch ganz lustig, und leichter merkbar.
Der Himmel der Reichen dient den Armen als Hölle.
Ebenfalls unbekannt. Ich würde ihn - vielleicht nicht wörtlich so - Bert Brecht zutrauen.
Es könnte von hier sein (Google sei Dank)

Das Dorf Hollywood ist entworfen nach den Vorstellungen
Die man hierorts vom Himmel hat. Hierorts
Hat man ausgerechnet, daß Gott
Himmel und Hölle benötigend, nicht zwei
Etablissements zu entwerfen brauchte, sondern
Nur ein einziges, nämlich den Himmel. Dieser
Dient für die Unbemittelten, Erfolglosen
Als Hölle.


(B.Brecht, Hollywood-Elegien 1)
 
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Benutzer156506 

Meistens hier zu finden
Da fallen mir spontan zwei ein, die mich hauptsächlich in meiner Kindheit geprägt haben:
"Was kümmert es den Mond, wenn ihn der Hund anbellt?"
"Unter den Lahmenden ist der Gehende der Krüppel."


Ersteren hab ich immer so verstanden, dass mir die (negative) Meinung von Mitmenschen über mich völlig egal sein kann, zumindest wenn es Menschen sind, die mir nichts bedeuten. Und der Zweite lieferte mir dann eine passende Begründung dafür, warum das so ist. :zwinker:

Das mag jetzt vielleicht ziemlich Arrogant rüberkommen, es ging dabei aber eher um Selbstschutz und Selbstbefreiung in einer äußerst unangenehmen Lebenssituation.

Total das Gegenteil von hilfreich sind soche "Lebkichensprüche" wie:
Was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmermehr.
Die Lehrkraft die mir das immer sagte, hat noch nie was von lebenslangen Lernen gehört.:rolleyes:
Den lehne ich auch strikt ab. Ich finde den Spruch ausserdem diskriminierend :smile:
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
"Das Beste hoffen, aufs Schlimmste gefasst sein, und es nehmen wie es kommt"
ist neben "Die Welt ist schlecht, das Leben ist schön" und "nichts bleibt wie es ist" sowas wie mein Lebensmotto.

Eigentlich sind das alles moderne Varianten von etwas, was meine Uroma oft gesagt hat:
"Genieße was du hast, dann wenn du es hast, du weißt nie, wie es morgen ist." und "Jammern hat noch nie ein Problem gelöst" - sie war nicht hoch gebildet, hat aber 2 Weltkriege in verschiedenen Ländern gesehen, und sehr viel mehr geleistet als ich vermutlich schaffen würde, und hat meinen größten Respekt... sie wusste, wovon sie spricht.

Natürlich gibts da noch poetischere Ausdrucksweisen, aber ich verzichte darauf, mich hier aus verschiedenen Richtungen zu wiederholen :zwinker:
 

Benutzer34914 

Meistens hier zu finden
Nur die Toten kämpften fair
Was bringt es in Situationen fair und ehrlich zu bleiben, wenn man dadurch den kürzeren zieht. Hat man Vorteile sollte man diese nutzen.

Wenn Du dich rächen willst, schaufle immer zwei Gräber. Eins für den anderen eins für Dich.
Stimmt soweit, viele die sich rächen wollen agieren nicht mehr logisch und im Grunde ist es Ihnen egal was mit Ihnen passiert.

Jeder wird seine Quittung kassieren.
Es wird alles früher oder später ins Gleichgewicht kommen.

Eine Niederlage ist erst dann eine Niederlage wenn man nichts aus seinen Fehlern gelernt hat.
Man kann immer wieder was Neues lernen und man lernt viel aus Fehlern.

Stillstand beginnt wenn man nichts Neues mehr lernen will.
Jeden Tag kann man was neues dazu lernen und das bringt einen weiter. Wenn man dies ignoriert und nix Neues dazu lernen will kann man sich auch nicht mehr weiter entwickeln.
 

Benutzer163957 

Öfters im Forum
"Die Liebe wird arm und stirbt, wenn wir rechnen"
leider weiß ich nicht, woher dieser Satz stammt (ich dachte eigentlich aus der Bibel, konnte aber gerade via Google, keine entsprechende Stelle finden). War bei uns zu Schulzeiten ein Running-Gag für Stoßgebete vor dem Matheunterricht ("bitte lasst uns heute nicht rechnen, weil sonst...":zwinker:

An dem Satz ist meiner Meinung nach aber viel Wahres. Gerade wenn man in Freundschaft, Partnerschaft plötzlich anfängt aufzurechnen, wer was wie oft macht/bezahlt und wer weniger, ist das bei mir häufig ein Indikator dafür, das was im Argen liegt... oder man sich so manchen Scheidungskrieg zu Gemüte führt, in dem auch das letzte bisschen Sympathie und Wohlwollen am Streit um den schnöden Mammon zugrunde geht...

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." der Satz und die vielen pädagogischen Geschichten dazu, haben sich mir als Kind tief eingeprägt.

"Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott sofort." oder auch "das Karma schlägt zurück". Oft wahr, auch wenn ich manchmal das Gefühl nicht loswerde, dass das auf die richtig "bösen" Menschen, viel zu wenig zutrifft, sondern immer nur bei mir :grin::engel:
 

Benutzer102673 

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Im Laufe der letzten Jahre bin ich etliche Male umgezogen. Stets mit von der Partie beim Ausräumen, Schleppen, Transportieren und Einrichten: mein fleißiger Papa. Da ich noch zwei Geschwister habe, die es ebenfalls von hier nach dort verschlug und mein Papa ebenso auch bei ihnen fleißig mitwirkte, hat er also vor allem eines: reichlich Umzugserfahrungen.
Ich höre noch heute (schon drei Jahre am selben Fleck - Rekord!) bei jeder Renovierungsaktion, bei jedem Kistenschleppen und Regalerücken immer den Satz, den er schnaufend beim wahlweise Tapezieren, Kartons Packen oder Möbelaufbauen vor sich hinmurmelte:

"Dreimal Umziehen ist einmal abgebrannt!" :grin:

Finanziell hat er recht, und auch konditionell fühlt man sich wie...Flasche leer.
Der Spruch gehört unweigerlich zu meiner letzten Lebensdekade.

Zwei weitere Sprüche, die sich immer wieder bewahrheiteten:

In der Ruhe liegt die Kraft.

Der Weg ist das Ziel.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Meine Ma kennt unzählige davon. :grin: Hat sie von ihrer Mutter.

Was ich so mitbekommen habe:
"Einen schönen Mann hast du nie für dich allein!"
"Der Kater lässt das Mausen nicht!"
"Und ewig lockt das Weib!"

"Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!"
"Wer nichts wird, wird Wirt!"

"Sei schlau, stell dich dumm!"

"Andere Mütter haben auch schöne Söhne!"

"Bleib IMMER im Beruf! Hausfrau zu sein ist das undankbarste auf der Welt!"

"Nichts ist umsonst - sogar der Tod kostet das Leben!"

"Das Leben ist ein Kampf!"

Aus dem Forum habe ich auch einen gelernt, von @Damian:
"Im Leben gibt es keinen Reset-Button."
 

Benutzer34914 

Meistens hier zu finden
Langsam ist präzise und präzise ist schnell
Ein wichtiger Spruch von einem meiner Dozenten
 

Benutzer131834 

Meistens hier zu finden
"Es gibt nichts beständigeres als die Unbeständigkeit."

"Sicheres Auftreten bei vollkommener Ahnungslosigkeit."

"So viel wie nötig, so wenig wie möglich."

"Wenn man sitzen kann, sollte man sitzen."


(Die letzten 3 sind die wichtigsten Begleiter im Job. :grin:)
 

Benutzer69356 

Verbringt hier viel Zeit
Oh, genau mein Thread, über Sprache könnte ich ja ewig reden. :grin:

Zwar für mein Empfinden sprachlich unästhetisch (der Reim ist urgs), ist dieser Spruch hier dafür aber umso wahrer:

"Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her."

Richtig wie schön finde ich:

"Geteiltes Leid ist halbes Leid."


Ich muss nochmal in mich gehen. Wenn ich in besserer Verfassung wäre, würden mir auch noch ein paar schöne Wegweiser einfallen. :smile:
 
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