Geht die Fähigkeit Sinnerfassend zu lesen verloren?

Benutzer42447 

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Es hat sicher zu allen Zeiten eigene Jugendslangs gegeben, aber das führte nie soweit das die Komunikationsfähigkeit dadurch verloren ging.

Aber ist sie denn wirklich verloren gegangen?
Damals hat man vielleicht liebesbriefe geschrieben,weil es eben keine andere art gab, sich dem anderen schriftlich mitzuteilen.
Heute besteht die möglichkeit, jenes per sms und e-mail zu tun.
Eigentlich könnte man doch eher behaupten,die kommunikation hat zugenommen: Es gibt mehr möglichkeiten zu kommunizieren und diese werden auch genutzt.
Würde niemand chats un emails oder auch sms verwenden, sie wären aber vorhanden, würde es wohl auch heißen, die kommunikation verkommt. Die möglichkeiten werden bereit gestellt, aber niemand nutzt sie.

Die sache, dass schulen ihren schülern eingestehen, aufsätze oder sonstiges im sms-stil zu schreiben, finde ich schon sehr verwunderlich. Diese seltsame tatsache kann ich mir eigentlich nur an schulen vorstellen, die eine relativ hohe ausländerrate haben oder schüler unterrichten, denen lernen im allgemeinen schwer fällt und sich an haupt- oder sonderschulen befinden...

Hm, und die liebesschwüre per sms....je nachdem ob einem die liebesbriefe gefallen haben, hat man sie weggeschmissen oder behalten. Ich kenne einige, die das mit sms genauso machen. Als man handys noch nicht mit dem pc verbinden konnte, haben sich manche besonders schöne sms abgeschrieben und aufbewahrt. Jetz kann man sie auch auf den pc laden und dort aufbewahren, genauso wie schöne emails oder chat-logs.
Das verhalten der leute bleibt ja im endeffekt gleich, nur die mittel, durch die es ausgeführt wird, haben sich meiner meinung nach geändert. Aber das bringt der lauf der zeit seit eh und je so mit sich.
 

Benutzer10610 

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Das verhalten der leute bleibt ja im endeffekt gleich, nur die mittel, durch die es ausgeführt wird, haben sich meiner meinung nach geändert. Aber das bringt der lauf der zeit seit eh und je so mit sich.
Es geht ja nicht darum, dass andere Kommunikationswege genutzt werden, sondern WIE sie genutzt werden. In SMS und Chats werden zum Beispiel keine längeren Texte verfasst (hier im Forum und in eMails, wenn man sie denn wie Briefe nutzt, schon). Dir scheint noch kein Jugendlicher begegnet zu sein, der die Aussage eines simplen Textes nicht verstanden hat, weil ein Satz dort aus mehr als einem Hauptsatz bestand und der Text nach den ersten 5 Sätzen deshalb für ihn zu anstrengend zu lesen wurde.
Meine Nachhilfeschülerin (Englisch) soll um besser schreiben zu lernen viel (auf Englisch) lesen. Dummerweise scheitert's bei ihr aber schon im Deutschen, sie hat keine Lust Texte zu lesen, die mehr als ein paar Zeilen umfassen. Dementsprechend sieht auch das, was sie auf Deutsch verfasst, schon katastrophal aus.

Ich möchte nicht behaupten, dass das an Chats und SMS liegt. Ich kann mich schließlich auch einigermaßen artikulieren, obwohl ich beides viel und gerne nutze. Aber zusammen mit der Unlust zu lesen (weil die Eltern dies in der Kindheit nicht gefördert haben) trägt es bestimmt seinen Teil dazu bei.

Ich weiß nicht, ob es insgesamt schlimmer geworden ist als früher. Ich möchte mal behaupten, dass die unteren Bildungsschichten IMMER eine andere Sprache / einen eigenen Slang hatten, der die eigentliche Grammatik misshandelt hat :zwinker: Ob die Schüler aus diesen Schichten auch früher schon Probleme damit hatten, Texte zu verstehen, kann ich nicht beurteilen. Aber ich finde es doch erschreckend, wenn Gymnasiasten durchgehend nicht verstehen, was sie lesen. Und DAS hab ich leider schon oft genug erlebt.
 

Benutzer12784  (40)

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Flowerlady hats perfekt ausgedrückt :zwinker:

Die Quantität der Komunikation hat zugenommen, während aber die Qualität abgenommen hat. Und vom Medium Email abgesehen haben alle die Eigenschaft eher die kürze und einfachheit zu unterstützen. SMS sind begrenzt auf 160 Zeichen also muss man versuchen möglichst kompakt information zu vermitteln, und verliert dabei Ausdruckmöglichkeiten.

Wenn wir nur noch Stichwortartig lesen können, also sehrwohl die Buchstaben kennen und einzelne Wörter lesen können, sie aber nicht mehr in den Kontext mit dem nächsten wort stellen können, haben wir einiges verloren.
Ich habs am Gymnasium gemerkt, und merke es an der Uni, wie schwer sich manche damit tun ein Exzerpt schnell anzufertigen, und schnell die Kernaussage einer Lektüre zu verstehen, einfach weil es schon am Lesenmangelt. Es wird Wort für Wort gelesen während andere jeden Satz geschlossen wahrnehmen, und das ist bei einem trockenen Fachbuch verherend, da man sich überhaupt nichts mehr einprägt und schon viel zuviel Geistige Arbeit aufwenden muss um überhaupt Zusammenhänge herzustellen.
 

Benutzer10610 

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Die Quantität der Komunikation hat zugenommen, während aber die Qualität abgenommen hat. Und vom Medium Email abgesehen haben alle die Eigenschaft eher die kürze und einfachheit zu unterstützen. SMS sind begrenzt auf 160 Zeichen also muss man versuchen möglichst kompakt information zu vermitteln, und verliert dabei Ausdruckmöglichkeiten.
Das ist richtig und dem ist noch hinzuzufügen, dass dabei dennoch NICHT die Fähigkeit erlangt wird, Informationen tatsächlich kompakt auszudrücken. Im Gegenteil, sobald mal mehr als 160 Zeichen zur Verfügung stehen fällt es den Personen schwer, sich klar auszudrücken und das, was sie eigentlich vermitteln wollen, auch nieder zu schreiben. Wie viele Threadstarter hier im Forum müssen nach ihrem ersten Posting noch in 5 weiteren erklären, was sie eigentlich wollen, weil sie ihre eigentliche Frage nicht ordentlich formuliert haben?!
Oder auch die aktuelle Form einer Wiedergabe eines Gesprächs :
"Ich sag ihm so: "..." und er dann so: "..." und ich dann voll so "ey, blaaaaaah!" und er dann so: "Neee, echt?" und ich dann so: "...".... "
Soetwas häuft sich im Forum immer mehr :kopfschue
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Wie viele Threadstarter hier im Forum müssen nach ihrem ersten Posting noch in 5 weiteren erklären, was sie eigentlich wollen, weil sie ihre eigentliche Frage nicht ordentlich formuliert haben?!
Wobei das auch daran liegen kann, dass die Leser den Text, der nicht nur aus kurzen, einfachen Sätzen besteht, nicht verstehen.
So ist es mir schon einige male hier gegangen.
Aber das passt ja genau so gut zum Thema wie dein Arugment :smile:
 

Benutzer48572 

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Sind die Zahlen tatsächlich so hoch? Hui.

Wo da die Ursachen liegen, kann man ja nur mutmaßen. Ich weiß jedenfalls, dass es Gesellschaftsschichten/Milieus gibt, in denen Lesen uncool ist. Dass ein ehemaliger Mitschüler von mir sich noch in der 10ten Klasse gerühmt hat, nie auch nur ein Buch zu Ende gelesen zu haben, weiß ich auch noch; und das auf einem Gymnasium.
Sicherlich bildet sich da ein Bildungsprekariat raus, wenn Bildung nicht Ziel ist, sondern Ziel von Spott.

Ob da nun jemand am Tag 2 oder 3h am PC sitzt und TV schaut, ist ja egal, solang trotzdem noch Bildung stattfindet.
Es kann jedenfalls nicht daran liegen, dass unsere Gesellschaft trotz aller Unzulänglichkeiten so wenig Bildungschancen bietet, die sind durchaus da, werden nur nicht genutzt.

Meiner Meinung nach krankt es ganz eindeutig daran, dass Primitivität, Oberflächlichkeit oder Verblödung in Teilen der Bevölkerung Lebensgefühl geworden ist und man sich dank Arroganz auch noch den anderen überlegen fühlt.

Off-Topic:
Und was mir in dem Zusammenhang genau so negativ aufgefallen ist, ist der Trend zu völlig unnötigem Geschwafel, mit überflüssigen Fremdwörtern, um sich auf irgendeine Weise als intelligent darzustellen. Das ist nicht nur stillos, sondern mindestens genauso verblödet...
 

Benutzer64981  (33)

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@Monchichi87
Dieser Politiker war der Baden-Württembergische Ministerpräsident Öttinger.
Er ist mit seinen (absolut idiotischen) Ideen auf die (berechtigte) Kritik von Eltern, Lehrern und Schülern eingegangen, dass die zeitliche Belastung durch das achtjährige Gymnasium (G8) sehr hoch ist.
Allerdings wird jedem klar sein, dass sein Vorschlag, bei den Naturwissenschaften Unterrichtszeit zu kürzen keineswegs sinnvoll ist.
Ob man seinen Vorschlag, die "Hausaufgaben" während der Schulzeit durchzuführen, gut findet, ist eine andere Sache... Wenn man sich die Ganztagesschulen in anderen Ländern (die dort nicht mit dem Grundsatz, dass es nicht mehr kosten darf, als eine "Halbtagesschule", wie in Deutschland betrieben werden) ansieht, ist die Idee aber gar nicht so abwegig.
Auch über den Sinn von verpflichtenden Hausaufgaben (insbesondere in der Oberstufe) kann man geteilter Meinung sein.
Ich habe z.B. die Mathe- Hausaufgaben konzequent ignoriert, weil ich im Unterricht schon alles so gut verstanden habe, dass weiteres Üben einfach sinnlos war.

Ich habe hier grad unsere Mittwochszeitung aufm Schoß. Großüberschrift : "Rau : Keine Hausaufgaben mehr nach langem Schultag" darunter : "Kultusminister reagiert auf Elternproteste - Änderungen ab Schuljahr 2009/2010 für das G8"
Ich lebe in BaWü, genauer in der Ortenau, und da gibt es wohl Eltern, die sich tierisch beschwert ham.
"Selbstlernphasen müssen in den Schulablauf integriert werden", heisst es in dem Artikel - super Plan. Soll er mal selbst an die Schulen gehn, uns sich mal ansehn, was innerhalb dieser momentan schon existierenden "Selbstlernphasen" abgeht... ich scann den Artikel gerne mal ein, wenn du Interesse daran hast. Ich bin selbst nich sehr stark darin, Kerngedanken auszuarbeiten, schon garnich nach 8h Arbeit :grin:

In Sachen Naturwissenschaften kann man garnicht wirklich kürzen - wir hatten nur 2h Bio, 2h Chemie und 2h Physik in der Oberstufe (sprachliches Profil, bei Naturwissenschaftlichem wars ja was anderes) und ..das will er kürzen? 2h Bio pro Halbjahr, im Wechsel mit 2h Chemie und immer nur 1h Physik? Das is wahrer Blödsinn!
Man kann meiner Meinung nach nichtsmehr kürzen. 4h pro Hauptfach und 2h pro Nebenfach - und das ist schon sehr wenig, um den prallen Stoff durchzubekommen...

Und das Thema Ganztagesschulen kommt ja nun immer mehr auf. An der Realschule ham sie verpflichtend AGs, damit die Kids nich vor 16 Uhr aus der Schule kommen...nunja. Man kann sich streiten, obs gut is, oder nicht...
 

Benutzer10610 

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Off-Topic:

An der Realschule ham sie verpflichtend AGs, damit die Kids nich vor 16 Uhr aus der Schule kommen...nunja. Man kann sich streiten, obs gut is, oder nicht...
Lieber Hobby-AGs als nach Hause zu kommen und sich vor den Fernseher zu packen oder mit anderen Scheiße zu bauen :zwinker:
Allerdings müsste man soetwas dann auch mit Sportvereinen ausgleichen können, beispielsweise wenn man schon Fußball spielt und Gitarrenunterricht hat und beides nachweisen kann nicht noch Pflicht-AGs in der Schule
 

Benutzer62713 

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Ich bin auf einer Ganztagsschule und ich muss sagen, dass zwar die Freizeit weniger wird, aber ich das besser finde, als wenn man nur bis 12h oder 13h Schule hat. DAS finde ich viel zu wenig. Als ich zwei Wochen an einer hörenden Schule war, zur Probe, da hab ich mich wie im Urlaub gefühlt. Zwar gab es mehr Hausaufgaben. Aber ich finde, dass Hausaufgaben nicht allzu viel bringen, wenn man etwas nicht in der Schule verstanden hat und zuhause niemanden hat, an den man sich wenden kann. Dann kommt man mit falschen bzw. nicht erfüllten Hausaufgaben in die Schule und kriegt eine schlechtere Note, falls man die "nicht" gemacht hat. Finde ich sowas von schwachsinnig.

LG,
Drache
 

Benutzer12616  (32)

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Nun, mir ist die Problematik, insbesondere in den letzten Schuljahren (ich habe 2006 meinen Realschulabschluss gemacht) auch deutlich aufgefallen.

Ob man nun den Eltern Schuld daran gibt, da die sicher keinen großen Wert drauf legten, dass das Kind zwischen Gameboy und Pokemon auch mal ein Buch in die Hand nimmt, oder den Lehrern, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ich kann nur von meiner Schule sprechen, in denen ich Lektüre immer als äusserst enttäuschend empfand.

Hausaufgabe war, von Seite x-y zu lesen, fleißige, oder in Bücher interessierte Schüler taten dies auch, der Rest ignorierte solche Anweisungen. - Was kein Problem war, denn im Unterricht wurde jede Seite, Zeile für Zeile sowieso immer wieder auf's Neue durchgekaut, erklärt, zitiert. und zum Schluß zusammengefasst an die Tafel gekritzelt.
Wozu lesen? Wozu verstehen?

Und wenn man zu Hause dann noch eine vielfältige Auswahl an Videospielen oder Fernsehserien hat, erscheint einem die Alternative Buch vermutlich häufig als ein wenig veraltet. Uncool?

Ich liebe Lesen und verschlingen Woche für Woche ein neues Buch. Die Schule allerdings hat mich in dieser Hinsicht nicht weiter gebracht. Meine Eltern schenkten mir hin und wieder Bücher und übten in meiner frühen Kindheit auch oft mit mir das Lesen. Später verlangte ich von selbst danach. Leider sind sie bei meinem kleinen Bruder mittlerweile auch auf Playstation und co. umgestiegen.
 

Benutzer15049  (35)

Beiträge füllen Bücher
ich lese eigentlich ganz gern, nur hat mir die schule das lesen vieler klassiker versaut.jeden furz zu analysieren und totzureden macht nämlich wirklich keinen spaß.ich denke jeder der effi briest in der schule lesen musste weiß wovon ich spreche.wenn ich für mich selbst lese ist es mir nämlich scheißegal was die plantanen in effis garten symbolisch darstellen sollen.lehrer finden in jedem wort eine interpretation und wenn man das buch für sich selbst ganz ancders interpretiert hat hat man dann in klausuren halt pech gehabt.das hat mich zum beispiel immer extrem gestört.
ich seh da auch ganz klar reformbedarf was solche fächer angeht.vielleicht verlieren dann nicht ganz so viele schüler den spaß.

gegen alle anderen ursachen kann man eigentlich kaum etwas machen.
 
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