Gedankenkreisen: wer kennt es?

Benutzer72912  (34)

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Ich habe momentan ein total ätzendes Problem. Ich kann mich nicht konzentrieren und ich müsste für meine Arbeit eigentlich Bücher lesen und schreiben. Aber meine Gedanken schweifen immer wieder ab! Nach einer Seite lese ich zwar weiter, denke aber ganz andere Dinge, als was da gerade im Buch steht.

Ich bin momentan in der Endphase des Studiums. Anstatt das ich mich hinhock und etwas dafür tue mache ich mir bescheurte Gedanken die teilweise einfach zu beantworten sind, aber immer wieder auftauchen. Wie kann ich für die letzte Arbeit eine gute Note kriegen? Kriege ich sie so wie ich vorgehe überhaupt? Werde ich einen Job finden? Wie soll ich wohnen? Was ist mit meinen Freunden hier? Werde ich wieder vereinsamen? Kann/soll ich vorübergehend versuchen bei meinen Eltern zu wohnen, obwohl ich schon 25 bin und ich es eigentlich gar nciht will und meine Eltern auch nicht? Wie kann ich endlich ins Tun kommen? Warum bin ich so innerlich unruhug? Warum habe ich mich nicht zu so einem Macher entwickelt? Was kann ich tun dafür? Was will ch überhaupt?
Solche fragen versuche ich dann für mich beantworten. Bei jedem Versuch entstehen wieder neue Fragen. :frown:

Mein Schlafrhythmus ist total gestört. Ich geh 12 oder 1 ins Bett, kann aber erst so etwa um 5 Einschlafen. Um 13 Uhr wache ich auf und mach mir wieder meine bescheuerten Gedanken. Um 14 Uhr "frühstücke" ich.

Ich muss etwas tun, aber diese scheiss innere Unruhe und mein Gedankenkarussel nervt einfach. Ich glaube ich bekomme eine leichte Angststörung oder sowas. :frown:

Ich habe sogar versucht zu meditieren, aber da sitz ich einfach da und denke. Ansonsten kann ich auch nicht wirklich stillsitzen, sondern praktisch bei jedem Satz, den ich in einem Buch lese, steh ich auf und grüble darüber nach. Während dieses grübelns entstehen wieder neue Fragen. :frown:
 

Benutzer53748 

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Hi, ja ich kenne das auch :smile:
Das scheinen mir bei dir ja durchaus keine "bescheuerten" Gedanken zu sein. Du bist in der Endphase deines Studiums, bisher war dein Leben quasi in geordneten Bahnen und nun fallen demnächst vielleicht einige wichtige Entscheidungen an, die auch deine Lebenssituation verändern können.
Solche Entscheidungen zu fällen fällt mir persönlich leichter wenn ich ganz viel mit guten Freunden darüber rede.. oder wenn ich dann dieses Gedanken auch mal "zulasse", mir vllt. pro/contra Listen mache usw. Manchmal ist auch der erste Gedanke nach dem Aufwachen der richtige, oder der, den man bei einem angenehmen Spaziergang hat. Natürlich ist es auch wichtig, dass du erst mal deine Abschlussarbeit hinkriegst. Vielleicht hilft es dir, zu festen Zeiten Zeit zum schreiben bzw. lesen und dann andere feste Zeiten zum nachdenken zu haben? Wenn du Nachts nicht so gut schlafen kannst - vielleicht ist da die bessere Zeit zum Arbeiten für dich? Zumindest ticken viele Studenten so die ich kenne - dass sie Nachts am besten arbeiten können weil sie da nichts und niemand stört und sie nicht das Gefühl haben, noch zig andere Sachen machen zu müssen. Dann könntest du auch tagsüber nachdenken über deine Situation und abends lernen... Ansonsten versuche es auch mal mit mehr Bewegung, wie radfahren, joggen, bewusst raus gehen und sich ablenken. Das hilft manchmal auch zur Konzentration.
Oder wenn du liest, dich immer wieder fragen was du gerade gelesen hast um bei der Sache zu bleiben, Stichwörter mitschreiben, dich mit jemandem treffen der auch Lernen muss sodass ihr euch gegenseitig motivieren könnt usw.
Vielleicht hilft dir ja das eine oder andere :smile:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Ich denke, Du hast schlicht Angst vor dem Neuen, das bald auf Dich zu kommen wird. Angst, die kuschelige Uni verlassen zu müssen um endgültig auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist nichts Ungewöhnliches, wahrscheinlich hat das mehr oder weniger ausgeprägt jeder, der kurz vor Ende seines Studiums oder der Ausbildung steht.
Bei Dir ist es nun so, dass diese Gedanken beginnen, Deinen Studienerfolg zu gefährden. Also musst Du selber gegensteuern, für Hilfe von außen wird es zeitlich wohl zu knapp werden.

Dein akutes Problem sehe ich darin, dass Du keine Struktur mehr in Dein momentanes Leben bekommst und dadurch alle Sachen, die Du tun musst, als Erstes nach hinten schiebst. Das ist reine Verdrängungsstrategie: wenn es Einem schlecht geht, klammert man die Dinge, die dieses schlechtgehen verursachen, als Erstes aus. Problem dabei: sie häufen sich immer mehr an, was man auch nicht aus dem Kopf bekommt. Der Stresslevel steigt weiter, anstatt dass man ruhiger wird. Ein völlig menschlicher Automatismus, aber leider der klassische Teufelskreis.

Biene hat es schon angesprochen, ich sehe das genauso: Du musst Dir dringend einen Plan machen. Ob jetzt die Nächte die bessere Zeit für Dich sind (für mich waren sie das in meiner Studienzeit) oder der Tag: ohne festen Plan schaffst Du es nicht. Nehmen wir als Beispiel mal das tagsüber-Arbeiten:
Stell Deinen Wecker morgen auf 9 Uhr. Wenn Du Pech hast, hast Du gerade mal 4 Stunden geschlafen, aber es grht erstmal nicht anders. Dann setzt Du Dich hin und entwickelst den Plan für Dich. 1 Stunde lesen, 15min Pause, 1 Stunde lesen, 15 Minuten Pause. 1 Stunde schriftlich zusammenfassen. 1 Stunde Mittagspause. Und so weiter. Für nachmittags planst Du eine Stunde für Erledigungen ein (Einkaufen, Spülen, Waschen, Aufräumen). Abends nochmal Pause. Dann noch bißchen Lernen und dann abschalten. Auch wie Biene sagt: Dir wirklich nach Plan Zeit nehmen, Deine Gedanken zu ordnen. Am Besten die auch notieren, damit Du sie mal richtig sortieren kannst. Fragen, die auftauchen, aufschreiben. Paar Tage später hast Du vll eine Antwort darauf und kannst sie abhaken.
Morgen Abend früh schlafen. Wecker auf 8 Uhr stellen und auf jeden Fall aufstehen ,egal, wie ausgekotzt Du Dich fühlst. Räum Deine Wohnung auf, Spüle Alles, sortiere Deine Unterlagen. Gehe nochmal Deinen Zeitplan durch.Und kümmer Dich mal darum, wie und wo Du ohne großen Aufwand Sport machen kannst und wo Du das in Deinen Zeitplan bekommst.
Spätestens jetzt wirst Du müde genug sein, um wirklich früh zu schlafen. Sprich: über-übermorgen kannst Du anfangen, zu lernen. Und zieh das durch. Immer, wenn Du wieder abgelenkt wirst, schau auf die Uhr und zwing Dich bis zur nächsten kleineren oder größeren Pause. Das wird am Anfang sehr schwer, aber bald besser gehen.
Der nächste Vorteil ist: Du liegst abends im Bett und weißt, dass Du wieder ein Stückchen Arbeit hinter Dir gelassen hast. Das beruhigt und lässt Dich gleich wieder besser schlafen.
Wenn das einigermaßen klappt, dann belohne Dich. Iss ein wunderschön ungesundens Gyros komplett mit Alles, geh auf'n Bierchen mit den Kumpels 'raus oder mach sonstwas. Nur sich selbst kasteien wird auch keinen Erfolg bringen, die Mischung ist das Geheimnis.

Meditieren ist schön uind gut, aber nur, wenn man in der Lage ist, sich komplett darauf einlassen zu können. Dass Du das i.M. genau nicht bist, merkst Du ja selbst. daher empfehle ich Sport, und zwar so, dass Du Dich auspowern kannst. Joggen, Schwimmen, Muckibude etc sind da die besseren Sachen, da Du die Zeit auch zum Nachdenken nutzen kannst (im Gegensatz zu einer Mannschaftssportart).
Oder besuche geführte Entspannungskurse (Meditation, Progressive Relaxation o.Ä.), dann hast Du jemanden, der Dich wieder in Konzentration bringt, wenn Du wieder abschweifst. Frag dazu mal in Krankenhäusern, VHS oder Krankenkasse nach, teils werden die sogar von letztere (Teil-)finanziert,
Und informier Dich mal an Deiner Uni. Bei mir damals gab es den Hochschulpsychologischen Dienst. Da kann man sich beraten lassen und die bieten auch Kurse zum effektiven Lernen an.

Bißchen Drama am Ende:zwinker: : wenn Du jetzt Deinen A*** nicht selber hochbekommst, rast Du sehenden Auges in eine kleine Katastrophe, die schnell zu einer großen werden kann, wenn Du in dieser Spirale sitzen bleibst und nur jammerst "ich kann nicht". Noch tust Du das nicht, daher ja auch Dein Thread, aber Ansätze dazu sehe ich.
Verd***, Du bist so weit gekommen, jetzt mach Dir den letzten Schritt nicht selber kaputt!

Viel Glück!
Mark11
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Meditieren ist schön uind gut, aber nur, wenn man in der Lage ist, sich komplett darauf einlassen zu können. Dass Du das i.M. genau nicht bist, merkst Du ja selbst. daher empfehle ich Sport, und zwar so, dass Du Dich auspowern kannst. Joggen, Schwimmen, Muckibude etc sind da die besseren Sachen, da Du die Zeit auch zum Nachdenken nutzen kannst (im Gegensatz zu einer Mannschaftssportart).

Kleine Intervention Mark11: Mannschaftssport ist das Beste (für mich) um abzuschalten. Mann muss sich auf den Ball und die Mannschaft konzentrieren, tut man eines von beiden nicht, gibt es einen Punkt für die andere Mannschaft. Mir hilft es enorm die Konzentration einfach mal auf einen Punkt zu lenken und nicht Texte zu lesen, denn dabei bleibt wahrhaftig genug Zeit, um sich Gedanken zu machen, leider.
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Off-Topic:
@Criollo: 100% Zustimmung. Wenn man abschalten will. Klappt bei mir auch perfekt.
Mein Vorschlag war eher so gemeint, dass der TS die Sport-Zeit mit Einzelsport dazu nutzen kann, seine Gedanken zu denken, um dafür mehr Zeit für Anderes zu haben und sich trotzdem auspowert.
Sorry, wenn ich mich da mißverständlich ausgedrückt habe!
 

Benutzer120381 

Sorgt für Gesprächsstoff
Dass du dir Gedanken machst, ist völlig legitim und normal. Vor nicht allzu langer Zeit, ging es mir ganz ähnlich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich meist sowieso alles "fügt". In dem du dich an Gedanken hängst, beschleunigst du den Prozess ja nicht. Und meist entwickeln sich die Dinge ganz von allein. Wenn du beispielsweise eine Arbeit findest, kann es sein, du musst umziehen, dann stellt sich die Frage nicht mehr, ob du bei deinen Eltern bleiben sollst usw.
Denk einfach an die Kausalitätskette... auf die ist immer Verlass:zwinker:
 

Benutzer109947 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Hey, ich kann das sehr gut nachvollziehen wie es dir geht. Ich habe manchmal ähnliche Phasen (und bin im Moment auch wieder in einer drin). Das Kopfkarussell dreht sich und dreht sich und man kann einfach nicht abschalten...

Was du dagegen tun kannst? Es wurde ja schon einiges Gutes genannt, vieles davon kann ich nur unterstützen...
Mir persönlich hilft es zudem, mich bewusst abzulenken und mich für eine gewisse Zeit bewusst auf andere Gedanken zu bringen, anstatt mich festzubeißen. Wenn ich in Arbeit versinke, dann nehme ich mir bewusst eine Auszeit, in der ich eine Stunde Mountain-bike, oder auf Foto-Tour gehe, oder oder oder... einfach Sachen die mir Spaß machen und wo ich den Kopf abschalten kann. Danach kann man wieder klarer denken und die Probleme sind mitunter leichter zu lösen. Du darfst nur nicht den Fehler machen und diese Freizeit als "verloren" ansehen. Sieh es eher als "Belohnung" an.

Apropos Belohnung... wenn du mit deiner Arbeit nicht weiter kommst, richte dir selbst ein "Belohungssystem" mit Sachen, die dir Spaß machen, ein :zwinker: Das gibt dir zusätzlich einen kleinen Ansporn. Zum Beispiel: 15 Seiten lesen und zusammenfassen und danach einen Espresso trinken (oder Vergleichbares). Oder ein Stück Schokolade (oder Vergleichbares) für jede Bewerbung, die du fertig gemacht hast.

Setz dir kleine Ziele, die du nacheinander erreichen kannst um nicht auf einmal den großen Berg abzuarbeiten.
Viel Erfolg! :thumbsup:
 

Benutzer72912  (34)

Meistens hier zu finden
Oh ja, ich prokastiniere hardcoremässig. Ich glaube ich mach mir echt so einen Stundenplan. Letztere Nächte konnte ich auch wieder besser schlafen. Ich habe gemerkt, dass mich Smalltalk mit igendwelchen Leuten ,die ich kaum kenne ablenken und mir das "Leben geht weiter" -Gefühl gibt. Das lenkt vor meiner Zukunftsangst ab.
Zudem gehe ich in die Bibliothekschrieben. Da ist es ruhig, und man kann nichts anderes tun. :smile:

Und nun weiter mit lesen und nach jeder Seite durchs Zimmer tigern und über das Gelesene nachzuhirnen...
 
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