Freundin (wahrscheinlich) depressiv

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo liebe Community,

nachdem ich nun schon ein bisschen gestöbert habe, aber hauptsächlich Threads aus der anderen Seite gelesen habe, mache ich nun doch meinen eigenen auf und hoffe auf ein bisschen Austausch.
Meine Freundin war schon immer nicht der 100% stabilste Mensch. Nun hat es sie - wahrscheinlich durch die ganze Corona-Geschichte und Auswirkungen - doch ziemlich erwischt. Warum ich im Titel "(wahrscheinlich) depressiv" geschrieben habe, liegt einfach daran, dass aktuell alles extrem voll und dicht ist und sie deshalb auch noch keine Diagnose hat. Wir haben aber beide keine Zweifel daran und auch eine befreundete Psychologin (nicht Therapeutin) meinte auch, dass es sich sehr so anhört. Sie hat es tatsächlich relativ schnell geschafft, zu akzeptieren, dass sie "gerade nicht normal ist" und sich bei der 116117 auf eine Liste setzen zu lassen - aber nun heißt es in erster Linie abwarten und Zeit überbrücken, bis eine Therapie starten kann. Und das wird noch dauern, da es durch die aktuelle Situation gerade voll ist wie noch nie.
Ich weiß, dass ich da gar nicht sooo viel machen kann. Nachdem ich mich viel eingelesen habe, weiß ich auch "theoretisch" wie ich als Partner mit ihr umgehen sollte und versuche das umzusetzen.
Ich will jetzt auch primär gar nicht so sehr auf die harten Fakten Depression bei ihr eingehen und was sie machen kann, sondern eher auf die Auswirkungen auf die Beziehung.

Sie hat mir gegenüber mit offenen Karten gespielt und gemeint, dass sie sich gerade sehr unsicher ist mit der Beziehung und alles in Frage stellt. Joar, auch nicht untypisch für eine Depression. Aber was mache ich damit? Rein rational betrachtet kann ich mir nicht vorstellen, dass plötzlich alles weg sein soll. Wir hatten zwar schon so einiges zwischen uns über die Jahre, haben immer mal wieder gestritten und festgestellt, dass wir teilweise unterscheidliche Vorstellungen und Rangehensweisen haben - die Liebe und die Beziehung an sich wurde aber nie in Frage gestellt. Eher so der Gedanke "scheiße, wir müssen echt eine bessere Möglichkeit finden mit XY umzugehen, das belastet die Beziehung". Aber auch kurz bevor es bei ihr rapide abwärts ging lief es gerade auch gut. Ich liebe sie und würde mein ganzes Leben mit ihr verbringen! Das hat sich nicht geädert!

Es kann natürlich auch irgendwie sein, dass die Beziehung für sie doch nicht rettbar ist. Daran kann ich 1) aber dann auch wenig ändern und 2) würde ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht wissen, ob das ihre Gedanken sind oder die der Depression. Wir haben uns in einem Gespräch dann soweit geeinigt, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Entscheidung gefällt werden sollte und erst mal wieder Ordnung in Ihrem Kopf sein muss.

Das Ganze macht es für mich aber natürlich wenig greifbar und hat bei mir dazu geführt, dass es sich gerade recht unwirklich anfühlt. Die Gefühle sind meinerseits da, ich stelle auch die Beziehung nicht infrage. Ihrerseits weiß ich es nicht bzw. denke schon irgendwie - und irgendwie eben nicht. Deshalb steht bei mir gefühlsmäßig alles auf "Pause". Der Alltag läuft soweit er eben läuft. Bei ihr weniger, bei mir "normal", zwischen und mehr oder weniger "normal". Wir kuscheln manchmal, küssen uns aber hatten jetzt seit Wochen keinen Sex mehr. Aber vieles eben auch irgendwie aus Gewohnheit und weil ich das Gefühl habe, dass die Routine ihr gut tut. Kuscheln geht aber wieder öfters auch von ihr aus. Wir hatten am Anfang mal noch einmal Sex und der endete damit, dass sie in Tränen ausgebrochen ist. Macht das ganze für mich jetzt natürlich nicht sehr attraktiv und Vorfreude auf ein nächstes Mal. Man liest ja auch immer, dass Sex gut sein soll auch gegen Depression (Hormone und so). Bei ihr ist Liebe und Sex sehr eng verbunden. Sie selbst weiß nicht so wirklich, was ihr gut tut und was nicht. Einerseits würde es der Beziehung vielleicht gut tun an so etwas festzuhalten, andererseits ist es vielleicht auch ein Stressfaktor für sie und man lässt es lieber. Natürlich gehören auch zwei dazu und das ganze sollte auch von mir abhängig sei. Aber hier kommt gerade meine emotionale Distanz ins Spiel. Ich weiß es gerade auch nicht.

Ich versuche sie irgendwie gleichzeitig als Partnerin und nicht als kranke Patientin zu sehen aber es fällt mir natürlich auch schwer, das auszublenden. Für mich ist die Priorität trotz allem irgendwie zuerst sie wieder herzustellen (professionell) und dann die Beziehung wieder herzustellen (evtl auch professionell?) weil ich das Gefühl habe, beides geht gerade nicht gleichzeitig bzw. baut ja auch aufeinander auf. Ergibt das Sinn? Ihr selbst tut es laut eigener Aussage unglaublich Leid, wie sehr sie mir weh tut weil sie nicht sagen kann, was real ist und was nicht. Der Witz dabei ist, dass es mir wie oben geschrieben irgendwie gar nicht weh tut. Es macht mich jetzt natürlich auch nicht glücklich. Es macht gar nicht so viel. Irgendwie ist es auf eine sehr rationale Schiene gerutscht in der ich weiß, dass ich im Moment nichts weiß. Das führt zwar dazu, dass ich den Alltag gut meistere und es mich nicht selbst runterzieht und ich mich emotional verliere. Aber ist das gesund? Aber was ist die Alternative? Gefühle von ihr anzunehmen, die vielleicht gar nicht so sind?

Bevor das ganze jetzt zu lange wird mache ich mal Schluss. Ich würde mich freuen, mal von anderen Leuten zu lesen, wie sie damit umgegangen sind. Tatsächlich findet man viele Berichte von Depressiven. In Bezug auf Beziehung heißt es dann "zum Glück war mein Partner verständnisvoll und für mich da, hat mich unterstützt usw. etc. pp." Für mich interessant ist aber eben die andere Seite.

Schöne Ostern euch allen und falls ich mal nicht so schnell antworte - ich bin nicht jeden Tag hier.
 

Benutzer176127 

Sorgt für Gesprächsstoff
Zunächst mal allen Respekt, dass ihr beide so offen damit umgeht. Damit habt ihr schon den größtes Teil des Weges gemeistert.
Ihr solltet an eurer Beziehungssituation erst mal nix ändern, bis sie in Behandlung ist. Solange wird es für beide noch eine Hängepartie.
Ja, daß werden für dich ein paar schwere Monate. Ihre sind schwerer und du hörst dich an, als würdest das mit ihr durchstehen wollen. Und können. Das ist ein weiterer großer Schritt. Denk daran auch selbst genug Kraft zu tanken.
Trau dich Aber durchaus auch selbst bei einem Psychologen Hilfe zu suchen, wenn du merkst mit der gemeinsamen Situation überfordert zu werden. Dann hast du den restlichen Teil des Weges, den du beeinflussen kannst auch geschafft.
Ich schicke der ein Kraftpaket 📦. Und noch eines für deine Freundin 📦.
 

Benutzer151729 

Sehr bekannt hier
eine befreundete Psychologin (nicht Therapeutin)
Erst einmal schön zu hören, dass es Menschen gibt, die Wissen, dass es einen Unterschied gibt :smile:
relativ schnell geschafft, zu akzeptieren, dass sie "gerade nicht normal ist
Das sind auf jeden Fall schon mal sehr gute Voraussetzungen für eine Therapie
Zeit überbrücken, bis eine Therapie starten kann. Und das wird noch dauern, da es durch die aktuelle Situation gerade voll ist wie noch nie.
Was ihr nochmal versuchen könntet, ist euch bei der Krankenkasse zu informieren. Zum Teil gibt es Projekte, die von einigen Krankenkassen unterstützt werden und an approbierte Therapeut*innen ohne Kassensitz vermitteln. Dadurch kann man unter anderem innerhalb von 2 Wochen einen Therapieplatz bekommen. Anrufen kostet nix und einen Versuch ist es wert :zwinker:
Nachdem ich mich viel eingelesen habe, weiß ich auch "theoretisch" wie ich als Partner mit ihr umgehen sollte und versuche das umzusetzen.
Das ist sehr lobenswert. Großen Respekt :smile:
Für mich ist die Priorität trotz allem irgendwie zuerst sie wieder herzustellen (professionell) und dann die Beziehung wieder herzustellen (evtl auch professionell?) weil ich das Gefühl habe, beides geht gerade nicht gleichzeitig bzw. baut ja auch aufeinander auf. Ergibt das Sinn?
Das ist im Rahmen einer Therapie sicherlich möglich, da dann auch mal den Partner dazuzuholen bzw. falls nötig noch an eine Paartherapie weiterzuvermitteln
Vielleicht kann dir das hier noch helfen, falls du die Seite nicht ohnehin schon durchstöbert hattest: Rat für Angehörige Depression - Stiftung Deutsche Depressionshilfe
 

Benutzer22359  (37)

Sehr bekannt hier
Bei all der Sorge um sie, vergiss dich nicht zu sehr dabei. Ja, für Angehörige und Lebensteilhaber ist eine psychische Erkrankung einer geliebten Person nur schwer zu verdauen. Du gehst das ganze schon ganz richtig an, für sie dreht sich gerade recht viel um sich selbst: sie fühlt etwas ist falsch, weiss aber nicht was. Sie fühlt sich unsicher, aber weiss eben nicht was sie ändern muss damit die Sicherheit wiederkommt. Das sie damit so reflektiert umgehen kann in der Situation ist schon beeindrucken, hatte sie schon Erfahrungen mit Therapien? Letztendlich kannst du nur für sie da sein und eben Mut machen. Ob dir das letztendlich dann gedankt wird ist eine andere Sache. Schau das du selbst wen zum reden hast, denn alleine verarbeitet man so etwas nur schwer.
 

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
Danke erst einmal für die Antworten!!!
Dann scheine ich den generellen Umgang ja schon mal nicht so schlecht zu handhaben.
Zum Thema offener Umgang. Im Moment bin ich froh, dass ich da doch ganz gut rankomme. Ich weiß zumindest ihre Sicht und ihre Gedanken. Gesagt zu bekommen, dass die Partnerin sich gerade sehr unsicher mit der Beziehung ist, ist nicht so toll aber dann weiß ich wenigstens was in ihrem Kopf vorgeht. Ich bin mir nur unsicher, was ich selbst da für mich rausziehen kann. Sie jetzt mit ihren Gefühlen mir gegenüber nicht ernst zu nehmen kommt mir auch komisch vor. Es können ja auch echte Gefühle sein.

Mich würde wirklich noch so ein bisschen die Erfahrung zum Umgang mit der - logischerweise gerade nicht so rosig laufenden - (Liebes-)Beziehung interessieren.
Das ganze lieber einfrieren und abwarten oder eher mal drüber reden (mehr Druck&Stress?)? Ist es schädlich, wenn ich mich da jetzt emotional distanziere und komme ich dann gar nicht mehr rein? Oder bestärkt sie das vielleicht darin, dass die Beziehung zu beenden WEIL es gerade distanziert ist?
Ich weiß nicht, ob man das versteht was ich meine.

Zu mir selbst - ich komme soweit gerade schon gut durch und zwinge mich, dass sich mein Leben nicht nur um sie dreht. Ich war die letzten Wochen auch beruflich immer mal wieder 1-2 Tage weg (wir wohnen zusammen). Klar, im ersten Moment ist alleine lassen auch schwer aber ich kann auch nicht mein Leben komplett vernachlässigen. Das weiß ich. Darüber reden mit anderen ist noch so eine Sache. Da es generell noch fast niemand weiß - da ist sie nämlich eigentlich überhaupt nicht offen - will ich jetzt auch nicht mit Leuten reden, die es dann von mir wissen. Außer eben Leute, die jetzt keinen direkten Kontakt zu ihr haben. Ich hoffe ja eigentlich immer, dass sie es anderen (z.B. ihren Eltern) mal offen erzählt. Dann wäre zumindest für ich ein Bann gebrochen. Aber das geht wohl nur in ihrem Tempo.
 

Benutzer175850 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich hab in meinem Umkreis ich würde doch schon sagen viele Menschen kennen gelernt die Psychische erkrankungen haben und darunter auch ein Paar mit Depressionen. Was ich aus den Beziehungen zu diesen Menschen mitnehmen konnte bis jetzt ist das ich gewisse Momente und Characktereigenschaften durchaus gelernt habe wert zu schätzten. Die Momente wenn sie wirklich gut drauf sind und man spaß zusammen hat und für mich ist das immer ein Grund weiter da zu sein für die leute die man gerne hat und villeicht sogar liebt.
Aber ich denke auch das wenn es in einer Beziehung jemanden mit einer Psychischen erkrankung gibt ist es oft so das es für den Gesunde Part oft so rüber kommt das er mehr geben muss als er villeicht bekommt und das ist glaube ich nicht immer einfach. Psychische erkrankte Partner sind meiner erfahrung auch oft einnehmender als ohne. Ich denke es ist durschaus auch wichtig für den Gesunden Part wenn er dinge hat die sich nicht nur um den Partner drechen und damit muss dieser dann halt klar kommen mit dem wissen, dass man sich dann halt an anderen stellen mehr auf ihn oder sie konzentriert.
Ich würde versuchen irgendwie einen mix aus von mir aus nachfragen und nicht zu viel Druck machen zu finden. Für mich sollte es in einer Beziehung klar sein das es keinen Geheimnisse geben sollte besonders nicht wenn es meiner Partnerin schlecht geht egal in welcher form. Hätte sie also ne Psychische erkrankung sollte ihr klar sein das sie jederzeit ansprechen kann wie sei denkt und fühlt.
 

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo zurück,

auch wenn es nicht mehr so viele Antworten gab, schreibe ich mal weiter. ist auch gut, sich da mal zu sammeln.

Inzwischen gabe es doch wieder die ein oder andere Träne und mehrfach von meiner Freundin die Aussage, dass sie nicht mal weiß, ob die schlechte Beziehung Ursache oder Konsequenz ist. Das trifft mich natürlich hart. Ich bin mir auch 99% sicher, dass es Konsequenz ist aber klar, genau weiß ich das nicht. Es ist aber so viel neberher bei ihr mit Studium und Alltag in Coronazeiten usw. und ihr ging es auch zuerst schlecht und dann wurde die Beziehung distanzierter und sie entwicklete Zweifel. Aber naja, genau weiß man das auch nicht.
Ich habe sie jetzt immer bestärkt darin, das erst einmal nicht zu ernst zu nehmen und nicht zu viel daran zu denken (höhö, "einfach mal nicht dran denken"). Klar sind das Floskeln, aber was sonst? Ich versuche da zu sein.
Aber sie sagt auch, dass sie sich schuldig fühlt, weil sie so eine schlechte Partnerin ist, mich küsst oder wir kuscheln aber vielleicht gar nichts mehr da ist zwischen uns. Dass ich jetzt zu viel rein investiere und Hoffnungen habe, wo gar keine mehr da sind. Und dann geht natürlich das ganze Gedankenkarussel bei ihr los - was ist, wenn wir uns trennen.
Ich glaube in gewisser Weise wäre sie froh, wenn ich da selbst keine Hoffnung sehen würde und von mir aus die Beziehung beenden würde. Dann hätte sie nicht das Gefühl mich mit runter zu ziehen.Ich weiß nicht so ganz genau, was ich dazu sagen soll. Für mich ist das gerade sehr unreal. Aber ich bin gar nicht zu unten. Ich weiß nicht, ob ich das sein sollte? Vielleicht wäre das teilweise für sie auch einfacher.

Ich versuche eine Balance zu finden, bin für sie da, aber mache auch mein Ding Auch wenn das jetzt nicht Treffen mit Hinz und Kunz ist, sondern eben mal in Ruhe ein Buch lesen. Für sie wäre es einfacher, wenn ich mich immer wieder mit Leuten treffen würde und sie sieht, dass ich mich nicht für sie aufopfere.



Ich würde versuchen irgendwie einen mix aus von mir aus nachfragen und nicht zu viel Druck machen zu finden. Für mich sollte es in einer Beziehung klar sein das es keinen Geheimnisse geben sollte besonders nicht wenn es meiner Partnerin schlecht geht egal in welcher form. Hätte sie also ne Psychische erkrankung sollte ihr klar sein das sie jederzeit ansprechen kann wie sei denkt und fühlt.
Die Frage ist halt, was entgegnet man da. Wenn der andere sagt, dass er sich unsicher ist und selbst gerade überhaupt nichts weiß.


Das sie damit so reflektiert umgehen kann in der Situation ist schon beeindrucken, hatte sie schon Erfahrungen mit Therapien? Letztendlich kannst du nur für sie da sein und eben Mut machen.
Naja, in den einen Situationen reflektiert, in den anderen "überreflektiert". Sie hat noch keine Erfahrung. Sie wünscht sich so sehr einfach ein zurück in die Vergangenheit aber weiß gleichzeitig, dass es das nicht geben wird.


Was ihr nochmal versuchen könntet, ist euch bei der Krankenkasse zu informieren. Zum Teil gibt es Projekte, die von einigen Krankenkassen unterstützt werden und an approbierte Therapeut*innen ohne Kassensitz vermitteln. Dadurch kann man unter anderem innerhalb von 2 Wochen einen Therapieplatz bekommen. Anrufen kostet nix und einen Versuch ist es wert :zwinker:
Ich bin mir nicht ganz sicher, was sie jetzt schon gemacht hat. In gewisser Weise finde ich es auch gut, dass sie das selber machen will und meine Hilfe da erst mal ablehnt. Ich weiß jetzt nur von der zentralen Vermittlungsstelle. Der Anruf war aber vor knapp 4 Wochen und bisher noch keinen Rückruf. Ich hätte da noch einmal nachgefragt, aber das hält sie nicht für sinnvoll. Die hätten wohl gesagt, dass da viel los ist gerade und "was soll das bringen".
 

Benutzer83901  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Eine frühere Beziehung ist mitunter an den Depressionen und Störungen meines damaligen Partners kaputtgegangen. Trotz Therapie hatte ich selten den Eindruck, dass Fortschritte gemacht werden. :hmm: Vielleicht war die Therapie ungeeignet? Oder der Therapeut?

Ich habe damals selbst Gespräche mit einem Psychologen geführt, einerseits um mich vor einer möglichen Co-Abhängigkeit zu schützen, andererseits um meinen Partner nicht permanent als Patient zu sehen. Leider fiel mir das zunehmend schwerer und es entstand im Laufe der Monate und Jahre ein immer stärkeres Ungleichgewicht. Ich konnte die emotionale Bindung nicht mehr einschätzen, später verlor sich für mich das Gefühl, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen. Ich gewann vielmehr den Eindruck, mich um meinen Partner kümmern und sorgen zu müssen, das hat leider am Ende alles zerstört.

Das muss euch natürlich überhaupt nicht passieren! Ich rate dir einfach gut auf dich aufzupassen. 😊
 

Benutzer175850 

Sorgt für Gesprächsstoff
Die Frage ist halt, was entgegnet man da. Wenn der andere sagt, dass er sich unsicher ist und selbst gerade überhaupt nichts weiß.
Na Therapie steht doch schon mal im Raum und ist doch schon in Arbeit. Das gut ist das die meisten Psychisch erkrankten Menschen durchaus hilfe wollen. Depressive Menschen sind oft antriebslos und schaffen es dann nicht immer von alleine was zu machen weshalb ich da als Partner villeicht ab und an die Iniative ergreifen würde. Kannst du bei ihr mit sicherheit besser einschätzen als ich. Ich denke das Therapie hilft sich selbst zu verstehen und anderen kann sie aufzeigen wie man mit der betroffenen Person umgehen kann.
Wenn man selbst nicht weis was man möchte wie sollen es denn andere wissen? So wie ich das gelesen habe scheint sie dich ja zu lieben also denke ich ist ihr die Beziehung durchaus von wert.
 

Benutzer174652 

Öfters im Forum
Ich bin mir nicht ganz sicher, was sie jetzt schon gemacht hat. In gewisser Weise finde ich es auch gut, dass sie das selber machen will und meine Hilfe da erst mal ablehnt. Ich weiß jetzt nur von der zentralen Vermittlungsstelle. Der Anruf war aber vor knapp 4 Wochen und bisher noch keinen Rückruf. Ich hätte da noch einmal nachgefragt, aber das hält sie nicht für sinnvoll. Die hätten wohl gesagt, dass da viel los ist gerade und "was soll das bringen".

würd ich so nicht akzeptieren.
dasein, ja - aber der kranke / deutlich beeinträchtigte muss sich hilfe holen (lassen)!

und du selbst solltest dir know how und unterstützung holen via angehörigen-beratung / angehörigen-selbsthilfegruppe ...

sowohl du als auch sie findet in internetten zeiten kurzfristige soforthilfe, sowie mittel- und langfristig begleitende unterstützung.
 

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
Ich habe damals selbst Gespräche mit einem Psychologen geführt, einerseits um mich vor einer möglichen Co-Abhängigkeit zu schützen, andererseits um meinen Partner nicht permanent als Patient zu sehen. Leider fiel mir das zunehmend schwerer und es entstand im Laufe der Monate und Jahre ein immer stärkeres Ungleichgewicht. Ich konnte die emotionale Bindung nicht mehr einschätzen, später verlor sich für mich das Gefühl, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen. Ich gewann vielmehr den Eindruck, mich um meinen Partner kümmern und sorgen zu müssen, das hat leider am Ende alles zerstört.

Danke für den Bericht, auch wenn es nicht gut gelaufen ist bei dir. Bei "Gespräche mit einem Psychologen" meinst du da selbst eine Therapie? Und wenn ja, dann wahrscheinlich privat? Die Kasse wird solche "präventiven Gespräche" ohne Diagnose ja nicht bezahlen, oder? Vielleicht kanns du dazu noch was schreiben. Und über wie viele Monate/Jahre reden wir da. Wie lange hast du das "mitgemacht"?

würd ich so nicht akzeptieren.
dasein, ja - aber der kranke / deutlich beeinträchtigte muss sich hilfe holen (lassen)!
Naja, was heißt nicht akzeptieren? Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass sie das schon relativ schnell gemacht hat. Laut Aussage der Psychologen-Freundin und was man so liest, brauchen viele da deutlich länger, alleine um das zu realisieren und akzeptieren. Alleine da anzurufen obwohl sie das wirklich wollte hat ein paar Tage gedauert. Ich sehe ja, wie sie sich durch den Alltag kämpft, ich würde gerade bezweifeln, ob da die Pistole auf die Brust setzen was bringt. Von dem was ich jetzt gelesen habe sollte man da eher Hoffnung machen als Druck. Oder hast du da andere Erfahrung? (Soll jetzt nicht so schnippisch sein, wie es vielleicht wirkt, wenn du Erfahrungen hast, gerne)

und du selbst solltest dir know how und unterstützung holen via angehörigen-beratung / angehörigen-selbsthilfegruppe ...

sowohl du als auch sie findet in internetten zeiten kurzfristige soforthilfe, sowie mittel- und langfristig begleitende unterstützung.

Ich bin dabei und lese mir viel durch. Auch Ratgeber zu Angehörigen. Woher aber bekommt sie jetzt schnelle kurzfristige professionelle Soforthilfe? Klar kann sie sich einlesen und vielleicht auch in einem Forum mit anderen schreiben aber das hilft ja auch nur begrenzt BIS sie einen Platz hat.
 

Benutzer83901  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Bei "Gespräche mit einem Psychologen" meinst du da selbst eine Therapie? Und wenn ja, dann wahrscheinlich privat?
Ein guter Freund meiner Mutter ist Psychologe, er hat mich damals beraten. Das war einerseits ein Freundschaftsdienst, den er meiner Mutter erwies, andererseits kannte er mich seit meiner Jugend und wollte natürlich, dass es mir gut ging.

Ansonsten hätte ich meinen Hausarzt angesprochen und um Rat und/oder Hilfe gebeten. Selbstschutz ist sehr wichtig. Auch Beratungsstellen wie der BApK (Stichwort Seelefon) können behilflich sein.
Und über wie viele Monate/Jahre reden wir da. Wie lange hast du das "mitgemacht"?
Ich glaube, es waren etwa drei Jahre. Ich war wirklich gewillt, das zusammen anzupacken und durchzustehen, aber es hat für mich einfach nicht funktioniert. Es sind dann am Schluss Sachen vorgefallen, die mich sehr verletzt haben, aber darüber habe ich dann gar kein Wort mehr verloren, sondern für mich beschlossen, dass ich die Beziehung nicht fortführen werde.
 

Benutzer174652 

Öfters im Forum
Danke für den Bericht, auch wenn es nicht gut gelaufen ist bei dir. Bei "Gespräche mit einem Psychologen" meinst du da selbst eine Therapie? Und wenn ja, dann wahrscheinlich privat? Die Kasse wird solche "präventiven Gespräche" ohne Diagnose ja nicht bezahlen, oder? Vielleicht kanns du dazu noch was schreiben. Und über wie viele Monate/Jahre reden wir da. Wie lange hast du das "mitgemacht"?


Naja, was heißt nicht akzeptieren? Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass sie das schon relativ schnell gemacht hat. Laut Aussage der Psychologen-Freundin und was man so liest, brauchen viele da deutlich länger, alleine um das zu realisieren und akzeptieren. Alleine da anzurufen obwohl sie das wirklich wollte hat ein paar Tage gedauert. Ich sehe ja, wie sie sich durch den Alltag kämpft, ich würde gerade bezweifeln, ob da die Pistole auf die Brust setzen was bringt. Von dem was ich jetzt gelesen habe sollte man da eher Hoffnung machen als Druck. Oder hast du da andere Erfahrung? (Soll jetzt nicht so schnippisch sein, wie es vielleicht wirkt, wenn du Erfahrungen hast, gerne)



Ich bin dabei und lese mir viel durch. Auch Ratgeber zu Angehörigen. Woher aber bekommt sie jetzt schnelle kurzfristige professionelle Soforthilfe? Klar kann sie sich einlesen und vielleicht auch in einem Forum mit anderen schreiben aber das hilft ja auch nur begrenzt BIS sie einen Platz hat.

es gibt doch zu den verschiedensten problematiken online-kontaktmöglichkeiten mit fachleuten / beratungsstellen - via email oder chat ...
kann mir nicht vorstellen, dass da in D allgemein für psychische "notsituationen" oder wohl auch speziell bzgl. depression nichts zu finden ist ...
 

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
So, nachdem meine Freundin immer mehr Druck verspürt hat wenn sie hier in der Wohnung bei mir war (obwohl ich laut ihr nichts falsch mache), hatte sie vorgestern beschlossen, am nächsten Tag erst einmal eine Weile zu ihren Eltern zu ziehen (gleiche Stadt). Sie will schauen, ob es für die Beziehung mehr Klarheit bringt.
Wir haben länger darüber geredet. Fand ich erst mal gut (da sie versucht klarer zu werden) aber gleichzeitig auch schlecht (Anfang vom Ende der Beziehung?). Keine Ahnung. Irgendwie hatte ich den Gedanken ja auch schon mal. Ich kann sie da nur halb nachvollziehen, da ich eigentlich gehofft hatte, dass ich ihr mehr "bringe" als "schade". Aber es scheint sie sehr zu beschäftigen, dass sie mir "keine gute Freundin ist" im Moment und mir weh tut. Ich kann mir das gerade aktuell gar nicht vorstellen und es ist auch unwirklich, dass sie sich wirklich trennen würde. Irgendwie wehrt sich bei mir da auch etwas, das zu akzeptieren. Bei ihr ja auch. Am Ende dachte ich aber, vielleicht ist es wirklich besser, wenn sie einige Tage mal nicht da ist.

Gestern morgen war dann ihr Gedanke plötzlich, ob es doch falsch ist und sie eigentlich mehr (auch körperlich) zulassen müsste von mir anstatt sich da zu distanzieren. Dass es ihr Leid tut, da immer hin und her zu denken. Gerede, Tränen und plötzlich haben wir uns geküsst und hatten zum ersten mal seit Wochen wieder Sex. Es war für beide gut, ich hatte das Gefühl, sie ist noch da und naja, Kuschelhormone und so. Es hat sich gut angefühlt. Auch für sie, auch später.
Ich war dann den Tag über nicht da und abends war es von der Stimmung her besser als die Tage zuvor aber naja, trotzdem gedämpft.

Heute morgen war es sehr gedämpft und heute Mittag ist sie jetzt doch gefahren. Wieder Tränen, wieder entschuldigt, usw.
Sie bereut auch den Sex nicht, aber will mir auch keine falschen Hoffnungen machen. Oh Mann. Mein/unser Versuch, die Beziehung so normal wie möglich zu halten hat wohl nicht funktioniert...

Ich glaube bei mir steht es immer noch auf der Kippe. Einerseits dringt es langsam durch, dass es nicht mehr so wird wie vorher. Im schlimmsten Fall geht die Beziehung kaputt. Andererseits weigert sich mein Kopf in der Richtung im Moment weiterzudenken. Noch ist es nicht vorbei. Sie "will" es auch nicht beenden. Es gibt keinen "Grund" zwischen uns. Nicht was man klären könnte, nichts was man verbessern könnte.
Ich würde unter normalen Umständen auch versuchen über eine Paartherapie o.ä. was zu retten aber das ergibt wahrscheinlich im Moment überhaupt keinen Sinn, so lange sie selbst ihre Gedanken und Gefühle im Griff hat. Ich habe das Gefühl, ich kann irgendwie nichts machen, was ihr nützt.

Sie unterstützen? Wie denn, wenn heute so, morgen anders?
Ihr schlaue Tipps geben? Das machen eh alle Leute ungefragt im Moment ("Versuch doch einfach mal...")
Die Beziehung normal halten? Anscheinend nicht! Erzeugt mehr Druck
Mich von ihr mehr distanzieren? Vielleicht
Geduld haben? Tja, das geht im Moment noch


Ich hasse das gerade alles, vor allem, dass es so lange dauert, bis man einen Therapieplatz bekommt.

es gibt doch zu den verschiedensten problematiken online-kontaktmöglichkeiten mit fachleuten / beratungsstellen - via email oder chat ...
kann mir nicht vorstellen, dass da in D allgemein für psychische "notsituationen" oder wohl auch speziell bzgl. depression nichts zu finden ist ...

Mal eine einzelne Stunde zu einem akuten Problemen oder so ja, sonst sieht das echt schwer aus. Verweis auf Seelsorgetelefon usw.
Z.B. auch ihre Ansprechstelle an der Uni hat freie Termine ab Juli!!! Das gibt es doch nicht! Laut ihrer Aussage ist sie da auch wirklich dran. Das glaube ich ihr auch. Es ist aktuell (und auch sonst) echt nicht einfach.
 
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