Freund kurz vor dem Burnout

Benutzer43919 

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Lange Zeit war ich hier nur stille mitleserin, aber jetzt muss ich meine Gedanken einfach mal nieder schreiben.

Ich bin mit meinem Freund noch nicht all zu lange zusammen (9 Monate), aber es sind wirklich 9 schöne Monate bis jetzt gewesen. Nachdem ich über 4 Jahre Single war hat es bei ihm nach langer Zeit mal wieder wirklich richtig klick gemacht und ich kann wirklich sagen das ich sehr verliebt bin und mir auch vorstellen kann, mit ihm später zusammen zu ziehen und eine Familie zu gründen.

Jetzt kommt aber das aber. Er hat einen sehr anstrengenden Job, bei dem eine minimum 50 Stundenwoche normal ist und die Bezahlung dazu auch noch mies ist (seit Anfang des Jahres endlich mal der Mindestlohn pro Stunde natürlich in Brutto). Das heißt er arbeitet super viel, aber wirklich viel Geld springt dabei auch nicht raus, aber das ist eigentlich gar nicht so das Problem. Ansich ist er mit dem Job zufrieden, mag die Arbeit, wäre da nicht das aber... Er hat noch einen Chef über sich, der sich inzwischen so viel geleistet hat, dass er woanders bestimmt schon 100x rausgeflogen wäre. Das hier alles auf zu zählen oder so würde einfach nur den Rahmen sprengen, aber mein Freund ist da leider auch nett und sagt zu vielen Dingen ja, auch wenn ihn das an seine Grenzen bringt. Zum Jahreswechsel hat die Firma gewechselt für die er Arbeitet, die Situation ist dadurch leider nicht wirklich besser geworden (hat immer noch den gleichen Chef über sich), aber die neue Firma kümmert sich wenigstens mal darum. Durch die Arbeit haben wir uns auch nicht so häufig gesehen, aber wir haben es schon geschafft uns 1 - 2x in der Woche zu sehen und ich hab auch öfters bei ihm geschlafen.

Ich selber bin noch Studentin und war vor ca 1,5 Wochen in der Heimat für eine Woche. Doch seitdem ich wieder da bin, hab ich schon gemerkt das irgendwie was mit meinem Freund nicht stimmt, irgendwas anders ist. Ich habe erstmal nicht weiter nachgehackt, hab ihm seinen Freiraum gegeben und abgewartet. Jetzt hatte er sich die letzten Tage auch nur sehr sporadisch und komisch per Whatsapp gemeldet und meinte schon er sei einfach im Arsch durch die Arbeit, weil er mal wieder noch mehr arbeiten musste als auch sonst schon. Ich hab da schon angefangen mir sorgen zu machen.

Vorhin kam er vorbei und hat mir das erzählt, was ich mir schon gedacht habe: Er sei einfach nur noch fertig mit der Welt, er kann nicht mehr, die Arbeit kotzt ihm einfach nur noch an, es ist alles zu viel, er muss sich zwingen aufzustehen, er ist innerlich leer, fühlt sich ausgebrannt, fühlt gar nichts mehr --> er steuert auf einen Burnout zu. Wir sind zwar noch nicht all zu lange zusammen, aber schon sehr vertraut, deswegen weiß ich, dass er vor 5 Jahren schonmal einen 'richtigen' Burnout hatte. Hatte einen mehrmonatigen Klinikaufenthalt und musste sein leben wieder lernen überhaupt zu regeln.

Soweit ist es jetzt noch nicht, er hat die Signale selber erkannt, aber er ist schon ein bisschen da reingerutscht. Er geht direkt Dienstag nach der Arbeit zur Firma, zu seinem Vorgesetzten und sagt ihm das und will am Arbeitsplan was machen lassen - weniger Stunden oder nicht mehr so viele abwechselnde Schichten pro Woche - und auch direkt bei seiner Krankenkasse eine Kur beantragen.
Klingt ja eigentlich alles gut oder? Er hat es erkannt und tut etwas dagegen.

Ich saß natürlich erstmal geschockt da und hatte Tränen in den Augen. Warum eigentlich? Es tut natürlich weh, einen Menschen den man liebt, leiden zu sehen und auch von ihm zu hören, dass er derzeit nichts mehr fühlt. Ich bin an der Situation nicht schuld, es hat auch nichts mit mir zu tun, trotzdem mache ich mir so meine Gedanken (ich bin auch nicht Knacksfrei... War auch schon in Psychologischer Behandlung wegen Mobbing früher), weil ich einfach Angst habe ihn zu verlieren. Ich werde ihm seine Zeit geben die er braucht und auch den Freiraum den er braucht und werde ihn nicht bedrängen, du hast dich jetzt schon x Tage nicht mehr gemeldet liebst du mich noch oder so. Aber es fällt mir einfach schwer mit der Situation gerade umzugehen, zumal ich selber noch Erkältet bin und nächste Woche noch eine Prüfung in der Uni habe.
Er meinte zu mir, ich soll mir keinen Kopf machen, mich auf mich Konzentrieren, Gesund werden, für meine Prüfung lernen und dann Abends an ihn denken. Er wird sich jeden Tag melden, aber sowas ist natürlich leichter gesagt als getan...

Was ich jetzt von euch hören will? Ehrlich gesagt keine Ahnung, ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben und evlt hat ja jemand schonmal ähnliche Erfahrungen gemacht und/oder kann ein paar Tipps geben oder so :smile:

Danke fürs lesen!
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Wenn dein Freund schon einmal in Behandlung war, kennt er die Krankheit sicher gut und kann einschätzen, ob er wieder auf ein Burnout zusteuert. Weißt du denn, ob er Techniken erlernt hat, mit dem Stress besser umzugehen?

Prinzipiell würde ich ihn aufbauen und ihn raten, sich etwas zu suchen (ein Hobby, einen Sport etc.) bei dem er den Stress gut abbauen kann. Auch wenn das bedeutet, dass ihr euch eventuell weniger seht. Auf lange Sicht wäre es vermutlich das Beste, wenn er sich einen anderen Job mit weniger Belastung sucht, aber das ist eine Entscheidung, die er ganz für sich selbst treffen muss und bei der du ihm mMn nicht zu sehr hineinreden solltest.

Alles Gute für euch! :smile:
 

Benutzer43919 

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Danke für deine Antwort :smile:

Ob er generell Techniken hat, weiß ich nicht. Er wollte jetzt eigentlich im April wieder mit dem Fitnesstudio anfangen, aber inwiefern der Plan voran geschritten ist, weiß ich leider nicht, weil wie gesagt, die Kommunikation in den letzten zwei Wochen war schon recht schwierig :frown:

Natürlich wäre ein Job mit weniger Belastung gut, aber er selber sagt, in gewisser weise braucht er ein wenig den Druck. Als der damals in Behandlung war, meinten die Ärzte zu ihm das er ein belastungsorientierter Mensch ist, der den Druck teilweise auch braucht, aber was in den letzten 1,5 Jahren auf der Arbeit passiert ist, hält einfach kein Mensch lange aus.

Das Problem liegt eher daran, dass sein Chef sich komplett aus der Affaire zieht und mein Freund die Arbeit für 2 oder sogar 3 Leute macht und teilweise - ach was heißt teilweise, er kann - einfach nicht nein sagen.
Beste Beispiel einfach letze Woche: Er hat morgens einen Termin für die Arbeit außerhalb des Hauptarbeitsortes. Fängt dann um 13 Uhr normal an zu Arbeiten am Hauptort, muss aber wegen einem Extratermin bis 23 Uhr bleiben. Am nächsten morgen ist er schon wieder um 8 Uhr auf der Arbeit, weil sein Chef das so geplant hat und muss dann dort auch bis 16:00 Uhr bleiben und war sogar bis 13 Uhr an dem Tag alleine, weil einfach wieder sch**** geplant worden ist. Am Mittwoch meldet sich dann sein Chef krank, ergo ist er von 8 - 20:30 Uhr auf der Arbeit und Donnerstag von 8 - 21:30 Uhr, weil wieder ein Extratermin auf dem Plan stand. Freitag war dann ja frei, aber er war an dem Tag schon einfach nur noch fertig, aber hat noch Besuch bekommen, den er auch schon vollkommen vergessen hatte, hätte ich ihm nicht darauf hingewiesen. Samstag wieder den ganzen Tag gearbeitet von 8 - 20:30 Uhr.
Und solche Sachen ziehen sich schon die ganzen Monate hindurch. Der Chef schreibt 50x den Dienstplan pro Woche um. Mein Freund muss mal früh, mal spät, mal ganz da sein, jeden Samstag eigentlich arbeiten (Chef haut Samstag immer früh ab oder hat frei und kommt Montag dann erst immer gegen 13 Uhr auf die Arbeit), hat normalerweise ne 6 Tage Woche und kann froh sein, wenn er mal im ganzen Monat 2 Tage zusätzlich frei hat zu Sonntag. Zu den ganzen Stunden von letzter Woche kam jetzt sogar noch Bereitschaft über die Ostertage, wo er auch 2x raus musste.

Wie gesagt, die neue Firma ist informiert und will sich eigentlich auch drum kümmern, aber wirklich viel geschehen, als eine Abmahnung an den Chef ist bis jetzt nicht passiert. Mein Freund war schon paar mal bei seinen Vorgesetzten um die ganzen Sachen anzusprechen, aber in meinen Augen frisst er auch erstmal sehr viel in sich hinein.
Ich hoffe einfach, dass das Gespräch morgen schonmal erste Auswirkungen hat, es dadurch schon besser wird und er auch eine Kur bewilligt bekommt.

Aber ich kann einfach auch gar nicht einschätzen, wie tief er da schon drin steckt. Damit kenne ich mich auch einfach viel zu wenig mit der Materie aus. Seine Aussagen waren aber auch, Medikamente will er nicht nehmen und er wird es schon schaffen, also komplett am Boden ist er wohl noch nicht...
 

Benutzer133588 

Benutzer gesperrt
Hm, also wenn Du sagt dein Freund arbeitet für den Mindestlohn, dann macht er also einen eher einfachen Job bei einer Zeitarbeitsfirma? Wenn nicht, würde ich an dieser Stelle meinen AG echt ein wenig unter Druck setzen. Arbeitszeiten > 10h sind mit einigen Ausnahmen eh nicht zulässig. Darf ich einmal Fragen was er konkret macht? Sieht es denn in dem Bereich so schlecht aus auf dem Arbeitsmarkt?

Eine solche Überschreitung kann den AG auch sehr teuer zu stehen kommen, da er ja seit Anfang des Jahres verpflichtet ist die Arbeitszeiten zu dokumentieren. Gibt es einen Betriebsrat? Könnte man einen gründen?

Wie gesagt, zur Not auch wenn es der Karriere manchmal nicht dienlich ist muss man dem Chef eben Fragen wie er es denn fände, wenn man die nächsten 3 Monate wegen Krankheit und anschließenden Abbau der Überstunden nicht zur Arbeit erscheinen würde.
 

Benutzer43919 

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Er arbeitet im Sicherheitsgewerbe. Er ist bei einer Firma angestellt und überwacht für diese Firma Objekte. Er hat eben noch seinen Chef, den Objektleiter über sich.

Die Arbeitszeiten sind auch nicht zulässig, dass hab ich ihm auch schon gesagt. Er lässt auch alles der Firma zu kommen, aber es bewegt sich leider nur schleppend was, wenn überhaupt. Wie gesagt, der Chef hat eine Abmahnung bekommen.
Bevor sie die Firma gewechselt haben, war es eigentlich schon schlimmer. Mein Freund ist der erste, der es länger als 3 Monate mit dem Chef ausgehalten hat, aber jetzt ist es auch vorbei bei ihm...

Betriebsrat gibt es nicht soweit ich weiß. Die Strukturen haben sich auch ein wenig verändert, seitdem sie für die neue Firma arbeiten. Bei der alten Firma hatten sie noch weitere Leute von anderen Subunternehmen, die für sie gearbeitet haben, jetzt sind es Azubis aus der eigenen Firma. Wie gesagt, sein Chef nimmt sich alles raus, wie oben schon geschrieben und das sind nur die kleinen Dinge.

Eigentlich sieht es nicht so schlecht auf dem Arbeitsmarkt aus. Jedoch sind bei fast allen die Bedinungen gleich schlecht :zwinker: Mit der neuen Firma ist er ansich eigentlich sehr zufrieden, weil er überhaupt mal unterstützung erfährt und ihm auch schon Angebote zur Weiterbildung gemacht worden sind. Er will bei dem Gespräch auch ansprechen, ob es sonst möglich wäre, ihn intern in der Firma umzusetzten. Dort kündigen möchte er aber auch nicht, weil er überhaupt mal wieder Fuß fassen will, weil er wie gesagt vor 5 Jahren schon länger außer gefecht gesetzt war wegen dem Burnout (er ist 36).


Aber allgemein ist leider auch das Problem, dass er sich zu viel gefallen lässt. Auf meine Frage hin, warum er Montag so lange da ist und dann Dienstag direkt wieder früh da ist und nichts gesagt hat, dass jemand anderes früh macht kam nur die Antwort: Ja hätte ich mal machen sollen, aber hab schon eine Email an die Firma geschrieben
 
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