Fremdverliebt und Angst, die Kontrolle zu verlieren

Benutzer70345 

Verbringt hier viel Zeit
Liebes Forum,
ich bin bisexuell und seit 6,5 Jahren in einer Beziehung. Wir leben seit 6 Jahren zusammen, wir sprechen über Heirat und Kinder.
Natürlich hat jede Beziehung ihre Höhen und Tiefen, aber ich liebe sie sehr und habe keinen Zweifel daran, den Rest meines Lebens mit ihr verbringen zu wollen.

In letzter Zeit gibt es jedoch eine Sache, von der ich glaube, sie ist der Auslöser für das alles was jetzt kommt.
Ich bin vor 2 Jahren an Morbus Crohn erkrankt und meine Freundin wird nur sehr schwer damit fertig. Sie kann nicht verstehen, dass es keine Komplettheilung gibt, kann nicht verstehen, dass ich nicht zu noch mehr Ärzten renne. Sie denkt, irgendetwas wurde einfach übersehen, gibt mir die Schuld, dass es mir oft schlecht geht.
Das ist nicht immer so, oft reagiert sie auch verständnisvoll, kümmert sich um mich, macht mir Tee oder sowas. Aber innerlich ist sie traurig, weil wir wenig unternehmen, weil ich oft Schmerzen habe, Arzttermine, Untersuchungen.
Ich habe sie wiederholt gefragt, ob ihr das zu viel ist. Das sie gehen kann, wenn sie es nicht ertragen kann. Aber sie besteht darauf, dass sie mich liebt und mit mir alt werden will, egal ob krank oder gesund.

Vor 3 Jahren habe ich dann in einem Projekt, dass ich geleitet habe, eine Frau kennen gelernt, sie ist 2 Jahre jünger als ich und jeder der sie kennt, hält sie für einen Klon meiner Freundin, sie sehen sich einfach sehr ähnlich.
Auch vom Verhalten sind sie sich sehr ähnlich, sie leiden beide sogar an der selben psychischen Krankheit. Aufgrund dieser Krankheit (und wohl meines ausgeprägten Helfersyndroms) freundeten wir uns in dem Projekt an und waren die letzten drei Jahre auch nur das - Freunde. Ich war für sie da wenn sie mich brauchte, manchmal unternahmen wir was, das wars.

In den letzten Wochen habe ich dann gemerkt, dass meine Freundin immer unzufriedener wurde. Sie möchte einfach mein altes ich zurück, aber die Krankheit bringt einfach Veränderungen mit sich, die ich, so gerne ich wollte, nicht ändern kann.

Und dann kam die Frau aus dem Projekt für eine halbe Woche zu Besuch zu uns (meine Freundin und ich sind vor 1,5 aus der Heimat weggezogen). Es ging ihr ziemlich schlecht, weshalb ich ihr das anbot. Meine Freundin und ich unternahmen etwas mit ihr (soweit mir das möglich war), wir redeten viel und am Ende ging es ihr richtig gut - und ich hatte mich verliebt.

Ich habe dann viel nachgedacht und mir war sofort klar, dass das nicht geht. Das ich meine Freundin nicht verlieren will, sie nicht verletzen will. Das ich sie liebe und niemanden sonst möchte.
Allerdings habe ich auch gemerkt, dass ich die Gefühle für diese Frau nicht leugnen kann. Ich war nie fremdverliebt, ich habe nie für zwei Menschen gleichzeitig etwas empfunden.

Mir ist bewusst, dass mich an dieser Frau zwei Dinge reizt: Sie ist wie eine Kopie meiner Freundin, nur dass sie mich mit meiner Krankheit und den Einschränkungen, die ich dadurch manchmal habe, akzeptiert und mit ihr alles neu und aufregend ist.

Wäre es letzteres allein, wäre es nicht so schwer, aber sie gibt mir etwas, was ich mir von meiner Freundin so sehr wünsche: Akzeptanz und Unterstützung.

In den letzten 2 Wochen nach ihrem Besuch haben wir plötzlich mehr Kontakt gehabt. Wir haben täglich geschrieben, manchmal 16 Stunden am Stück, ganze Nächte durch. Wollten 5 Minuten telefonieren und es wurden 6 Stunden und die Sonne war längst aufgegangen, als wir auflegten.
Ich hab meinen Mut zusammen genommen irgendwann und sie gefragt was sie fühlt, obwohl sie eigentlich heterosexuell ist und es deswegen Schwachsinnig war: Sie gestand mir, sich in mich verliebt zu haben und nicht zu wissen, was sie tun soll, weil sie weder mich noch meine Freundin (mit der sie auch befreundet ist) verletzen oder hintergehen will.

Und nun stehe ich hier und weiß nicht, was ich tun soll.
Ich liebe meine Freundin und möchte sie weder verletzen noch sie hintergehen.
Ich fürchte beides habe ich schon getan, auch wenn sie und ich nur geschrieben/telefoniert haben.

Ich möchte aber auch die Frau nicht verletzen, die ich in zwei Tagen, zusammen mit meiner Freundin, sehen werde.
Ich weiß das sie verliebt ist, dass sie keine Erfahrungen hat, labil ist und gerade wegen mir so glücklich wie noch nie zuvor ist.

Mit meiner Freundin gesprochen wegen dem Morbus Crohn habe ich übrigens schon oft. Bis jetzt will sie einfach nicht akzeptieren, dass es autoimmun ist, aber ich habe die Hoffnung, dass sich das irgendwann ändert.

Und jetzt los und wascht mir den Kopf.

_schlaflos_
 

Benutzer95608 

Planet-Liebe Berühmtheit
Dazu fällt mir leider nur ein: man kann eben nicht alles haben.

Wenn Du sagst, Du willst Deine feste Freundin weder hintergehen noch sie verlieren, weil Du sie liebst - dann liegt es doch auf der Hand, Dich nicht mit Frauen zu befassen oder sie gar zu treffen, die Dich warum auch immer, in Versuchung führen ...

Eine Möglichkeit wäre es natürlich, die Beziehung zu öffnen, so dass Affairen möglich sind. Darüber kann ja geredet und verhandelt werden. Manchen Paaren würde es gut tun, wenn sie sich da Freiheit einräumen.

Für mich hat Deine Krankheit in dem Zusammenhang aber keine Bedeutung. Ich erwarte von einem Partner, dass er mich unterstützt, wenn ich krank bin und mir nicht das Leben noch schwerer macht, gleiches darf er von mir erwarten. Da solltest Du mal ein ernsthaftes Gespräch mit Deiner Freundin führen. Wenn sie mit den Einschränkungen, die Deine Krankheit mit sich bringen, nicht gut leben kann und Dir deshalb sogar noch Vorwürfe macht, dann muss man sich schon Gedanken machen, ob eine gemeinsame Zukunft überhaupt Sinn macht.
 

Benutzer160412  (62)

Ist noch neu hier
Mache beiden das Angebot eine offene Dreierbeziehung, vielleicht kann ja jeder jedem helfen
 

Benutzer12529 

Echt Schaf
Ich würde dir und deinem Schwarm empfehlen, dass ihr das Treffen erstmal cancelt und weitere Treffen vorerst sein lasst, bis ihr beide entweder wisst, wie ihr das handhaben wollt oder die Gefühle weg sind.

Desweiteren würde ich dir gern einen Denkanstoß geben. Hier im Forum gab es öfters Leute, die sich fremdverknallt haben, weil ihnen in ihrer Beziehung etwas fehlt(e) oder etwas nicht (mehr) passt(e), manchmal wurde es ihnen auch erst durch die Verknalltheit klar. Manchmal war es dann auch keine richtige Verknalltheit, sondern "nur" eher ein intensives Schwärmen, gerade weil in der Beziehung etwas nicht mehr so passte, und genau das, was nicht mehr passte, im anderen gesehen wurde.
Vielleicht kommen deine Gefühle für sie so gesehen auch "nur", weil sie im Gegensatz zu deiner Partnerin die Krankheit und dich samt Krankheit immer akzeptieren und verstehen kann, und deine Freundin nicht so recht damit klarkommen kann bisher.
Vielleicht ist es auch eine richtige Verliebtheit, die nicht "nur" entstanden ist, weil etwas in der Beziehung nicht mehr so gut ist, wie es es sein sollte.
Versuche, dir darüber klar zu werden, vielleicht auch, bevor du mit deiner Freundin darüber redest, dass du Gefühle für die gemeinsame Freundin hast und sie damit unnötig verunsichern könntest.

Weißt du, warum deine Freundin nicht glaubt, dass es eine Autoimmunkrankheit ist? Hat sie mal mit deinen Ärzten darüber geredet? Vielleicht würde ihr das helfen, es so zu akzeptieren, wie es jetzt ist. Oder wenn sie mal in einem Forum für Betroffene mitliest oder ähnliches.
 
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