Fremdgegangen

Benutzer116828  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo,

im Moment bin ich leider ziemlich verzweifelt und brauche irgendwie einmal eine andere Sicht auf die Dinge. Die Geschichte beinhaltet relativ viele Facetten, deshalb erzähle ich am besten chronologisch.

Ich bin 19, meine Freundin 18.

Meine Freundin und ich sind zusammengekommen, als sie 14 und ich 15 waren, eine typische allererste Teenie-Beziehung eben. Mit der Zeit hat sich dann ein wirklich tiefes, vertrauensvolles Verhältnis entwickelt, wie sie für eine erste Teenie-Beziehung eigentlich ja eher untypisch ist. Wir waren auch beide sehr gute Schüler, hatten viele Freunde, waren beliebt. Kurzum: Es war eine wirklich schöne Zeit.

Weswegen ich das so herausstelle: Nach rund zweieinhalb Jahren Beziehung kam der Schock. Sie war schwanger mit knapp 17. Ich will das hier nicht zu sehr ausbreiten und man ist natürlich an einer ungewollten Schwangerschaft nie unschuldig, aber es war eine sehr unglückliche Verkettung von Umständen. Meine Freundin war von Anfang an gegen eine Abtreibung. Ich hatte mich noch nie mit dieser Thematik beschäftigt, konnte sie jedoch verstehen und habe sie unterstützt. Wenn ich heute meine kleine Tochter sehe, weiß ich auch, dass es trotz aller Widrigkeiten die einzig richtige Entscheidung war.

Die Schwangerschaft war eine schwierige Zeit. Sie und ich kommen aus wohlsituierten, konservativen Elternhäusern, die große Erwartungen in uns setzten. Dementsprechend groß war der Aufschrei. Leider war die Schwangerschaft auch aus medizinischer Sicht nicht komplikationslos.

Auch für unsere Beziehung war diese Zeit nicht einfach, wir haben uns oft gestritten, sie hatte Stimmungsschwankungen. Als unsere kleine Tochter dann vor etwas mehr als einem Jahr auf die Welt kam, wurde die Situation jedoch besser. Es war natürlich anstrengend, es war die Zeit meiner Abiklausuren, trotzdem haben wir kurz nach der Geburt gemerkt, dass uns die ganzen Erlebnisse näher gebracht haben. Eigentlich komplett untypisch war trotz der ganzen Anstrengungen unsere Beziehung besser denn je, insbesondere als ich nach meinem Abi im Sommer viel Zeit für sie und meine Tochter hatte.

Im Oktober habe ich dann ein Studium begonnen, was auch das Verhältnis zu meinem Vater wieder entspannt hat. Zum Glück wohnen wir alle in einer Unistadt, an der mein Fach angeboten wurde und ich trotz der komplizierten zentralen Studienplatzvergabe dort auch einen Studienplatz erhalten. Letztendlich war es aber eigentlich Pech, da dann das folgende nie passiert wäre.

Meine Freundin und ich haben uns in dieser Zeit wieder etwas auseinandergelebt. Bei ihr ging es nun auf das Abi zu, ich hatte im Studium viel zu tun. Wir waren mehr Geschäftsleute, die die Kinderbetreuung bei unseren Eltern, unseren Großeltern, der Krippe etc. organisiert haben. Im Studium habe ich derweil eine Komillitonin kennengelernt, wir verstanden uns recht gut. Ich bin aber generell ein recht sozialer Mensch, sodass ich über gemeinsames Lernen schnell viele neue Leute kennengelernt habe.

Dann kam diese Party. Es war überhaupt meine erste seit langer Zeit, meine Freundin hat mich sogar noch ermutigt hinzugehen, um auf andere Gedanken zu kommen. Besagte Studienkollegin und ich haben uns indes immer besser kennengelernt, ich hielt es für eine rein freundschaftliche Sache. Ich habe allerdings nichts über meine Tochter erzählt, jedoch über meine Freundin.

An besagtem Abend ist mir dann leider der größte Fehler meines Lebens passiert. Normalerweise trinke ich praktisch gar keinen Alkohol, aber leicht angetrunken (nicht einmal sturzbesoffen, was die Sache nur noch schlimmer macht) habe ich mit ebenjener Studienkollegin zuerst eng getanzt, dann geküsst, dann sind wir zu ihr und wir hatten Sex. Ich weiß bis heute nicht, wie das passieren konnte und kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich das bereue. Ich habe mich wie ein notgeiler Affe, dessen Gehirn nicht mehr im Kopf, sondern in den Genitalien sitzt, verhalten. Ich weiß einfach nicht, wie ich so verantwortungslos handeln konnte.

Aber ein vielleicht noch größerer Fehler ist mir dann passiert. Ich habe einfach nichts zu meiner Freundin gesagt. Ich hatte ein unendlich schlechtes Gewissen, konnte meiner Freundin kaum noch unter die Augen treten, trotzdem war ich kühl und berechnend. Ich hatte gehofft, es einfach unter den Tisch fallen lassen zu können, aus Angst vor all dem, was nachkommt, wenn es auffliegt. Ich bin also nicht nur falsch, sondern auch feige. Und dumm. Denn es kam, wie es kommen musste. Heute Morgen kam es heraus. Ich hatte meiner Komillitonin gleich am nächsten Morgen, als ich vor mir selbst erschrocken bin, gesagt, dass ich ein Kind mit meiner Freundin hätte und der Sex ein Riesenfehler gewesen wäre. Heute hat sie mir noch eine verärgerte SMS hinterhergeschrieben, wie ich ihr das hätte verschweigen können. Doch leider habe nicht ich, sondern meine Freundin die SMS gelesen. Sie hat geweint, war dann aber ruhig, hat mich alles erzählen lassen und viel zu ruhig und gefasst für einen spontanen Gefühlsausbruch gesagt, dass sie sich trotz unserer Tochter eine Beziehung mit einem solchen Vertrauensbruch nicht vorstellen kann. Dann ist sie zu sich gefahren.

Vielleicht war es illusorisch zu glauben, dass wir einfach die Beziehung aufrechterhalten, irgendwann heiraten und bis an unser Lebensende glücklich zusammenzuleben. Aber das ganze darf einfach nicht so enden, nicht wegen so etwas billigem. Vor mir bricht einfach gerade alles zusammen, es ist trotz aller Anstrengungen so gut gelaufen. Sie hat gerade ihre Abiklausuren hinter sich gebracht, wir hätten wieder mehr Zeit füreinander gehabt.

Ich liebe meine Freundin wirklich, nicht nur wegen der Umstände und ich bin niemand, der "Liebe" inflationär benutzt. Sie ist eine unglaublich fürsorgliche Mama. Sie ist intelligent, umwerfend hübsch, *ihr Charakter ist einfach unnachahmlich toll und liebenswert. Mit dieser Beschreibung werde ich ihr natürlich nicht annährend gerecht, aber ich kann es einfach nicht in Worte fassen, was ich für sie empfinde.

Ich brauche nun einfach einmal einen Blick von außen. Unzählige mehr oder weniger oberflächliche Bekanntschaften habe ich zwar, leider jedoch aus verständlichen Gründen nie wirklich Zeit gehabt diese zu wirklich tiefen Freundschaften auszubauen, sodass ich mich leider im Moment niemand richtig anvertrauen kann. Ich bin für Ratschläge aller Art dankbar, wie diese Situation eventuell noch zu retten ist. Ich hoffe, dass ich durch das weite Ausholen euch einen Eindruck von unserer Beziehung verschaffen konnte. Vielen Dank!
 

Benutzer116121  (28)

Verbringt hier viel Zeit
Hallo!

Was genau möchtest du denn jetzt hören? Entschuldigungsversuche für dein Verhalten, die beste Strategie, sie zurückzuerobern?

Du klingst für mich nach einer reifen Person, die klar verstanden hat, welche Fehler sie begangen hat und die diese auch ehrlich bereut. Dein Fehler war leider ziemlich bombastisch - zum einen verschweigst du deine Tochter, dann hintergehst du deine Freundin und schlussendlich kannst du ihr das nicht beichten. Echt ne miese Sache, wobei ich dir glaube, dass du es ungeschehen machen würdest, wenn du nur könntest. Geht nur leider nicht so leicht - der Fehler ist begangen, jetzt muss man damit leben.

Lass ihr doch erstmal ein wenig Bedenkzeit und Ruhe. Sie muss jetzt für sich selbst alles ein wenig reflektieren. Dann würde ich das Gespräch suchen und - ohne dich rausreden zu wollen oder gar Erklärungen zu suchen - ihr zeigen, dass du es sowohl bereust als auch ihren Ärger und ihre Enttäuschung total nachvollziehen kannst.

Ein solcher Ausrutscher kann eine Beziehung natürlich zerstören, das muss klar sein. Aber es kann auch sein, dass sie deine ehrliche Entschuldigung irgendwann annimmt. Was passiert, kann niemand sagen. Ich würde jetzt mit viel Rücksichtnahme an die Sache rangehen und ihr gleichzeitig zeigen, dass sie für dich unsagbar wichtig ist.

Liebe Grüße.
 

Benutzer79428 

Meistens hier zu finden
Hallo...

da steckst du wirklich in einer ziemlich miesen Situation, das tut mir wirklich Leid, wobei du dir das natürlich selbst eingebrockt hast, das steht außer Frage.

Auch mir ist nicht ganz klar, wie man hier Ratschläge geben soll, also einfach ein paar Gedanken meinerseits:

Ich denke, du solltest selbst für dich einmal reflektieren, wieso dir das passiert ist. Ich finde es auch etwas komisch, dass du deine Tochter nie erwähnt hast bei besagter Kommilitonin. Du sagst, du liebst deine Tochter und deine kleine Familie und du hattest nur an ein freundschaftliches Verhältnis mit der Komilitonin gedacht... wieso hast du denn dann nie von deiner Familie erzählt? Und wie konnte es dazu kommen, dass du einfach so mit ihr nachhause gehst und Sex mit ihr hast? War deine Beziehung wirklich so glücklich? Das musst du vielleicht nicht uns hier beantworten, aber eventuell dir.

Du wirkst wirklich wie ein liebevoller Freund und Vater, emotional reif, sehr reflektiert und ich bekomme auch ehrlich den Eindruck, dass dir sowas nicht mehr so schnell passieren würde.

Aber ob das reicht, ist fraglich. Manchmal geht es nicht darum, was noch oder nicht mehr passiert, sondern um das, was bereits passiert ist. Und der Vertrauensbruch war schon sehr groß. Fremdgehen und sich nicht im Griff haben ist das Eine, aber schweigen und lügen ist das andere. Es tut unheimlich weh, wenn man so hintergangen wird, das kannst du dir sicher vorstellen. Deine Freundin hat jetzt eine unheimlich schmerzhafte und schwierige Zeit vor sich und sie tut mir wirklich Leid, denn für sie hängt bestimmt sehr viel an dieser Beziehung und wie es sich so liest, gehört sie bestimmt zu den Mädchen, die Haus und Hof darauf verwettet hätten, dass ihrem Freund so etwas nie passieren würde. :/

Allerdings kann man natürlich auch solche Ausrutscher verzeihen, aber das kostet Zeit, Kraft und ungemein viel Vertrauen. Ob deine Freundin das schafft, weiß natürlich im Endeffekt nur sie.

Darf ich fragen, ob ihr beide vorher andere Sexpartner hattet? Ihr seid ja sehr jung zusammen gekommen. Ich bin mit meinem ersten Freund ähnlich jung zusammen gekommen und wir waren einige Jahre zusammen. Als er mich nach vielen Jahren auch betrogen hatte, war das für mich ein immenser Schlag ins Gesicht. Aus heutiger Sicht mit Sicherheit auch, weil wir beide die Ersten füreinander waren. Das Ausleben von Sexualität war etwas, das bisher nur zwischen uns beiden stattgefunden hatte und in unser beider Leben fest mit dem jeweils Anderen verwurzelt war. Dass da dann plötzlich einfach so, quasi grundlos und ohne irgendeine Bedeutung eine Andere war, hat das intime, besondere da für mich absolut zerstört. Ich habe das irgendwie versucht zu verdrängen und verziehen, die Beziehung war trotzdem für uns beide nicht mehr so wie früher.

Ich würde nicht zu lange warten, vielleicht braucht sie ihre Ruhe, vielleicht deutet sie ein Schweigen deinerseits jetzt aber auch nur weiter als Feigheit. Ich würde ihr in einem ehrlichen Brief schreiben, wie du fühlst, so rückst du ihr nicht auf die Pelle, symbolisierst aber sofort, wie wichtig es dir ist.

Viel Glück!
 

Benutzer116828  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Danke für eure ehrlichen Antworten!

Was genau möchtest du denn jetzt hören? Entschuldigungsversuche für dein Verhalten, die beste Strategie, sie zurückzuerobern?

Nein, zu entschuldigen ist mein Verhalten nicht. "Strategien" klingt sehr hart. Ich will, ich muss jetzt das Richtige tun, sie nicht noch weiter durch mein Verhalten verletzen. Ich will sie auf keinen Fall bedrängen, ihr Zeit lassen, aber auch keinesfalls weiter feige sein.

Was mir nun langsam aber sicher klar wird, ist, dass es, wie du, Pelicula, es gesagt hast, nie und nimmer reichen wird, einfach zu beteuern, dass es nicht mehr passieren wird. Es geht also darum, was war. Und wenn ich der harten Realität ins Auge blicke, wird unsere Beziehung wahrscheinlich nie mehr das, was sie vorher war, auch wenn sie mir in irgendeiner Art und Weise verzeiht und auch wenn ich mir das natürlich wünsche. Wie du auch richtig vermutest, hatten wir beide vorher keine anderen Sexpartner, was das oben erwähnte wohl nur noch verstärken wird.

Ich denke, du solltest selbst für dich einmal reflektieren, wieso dir das passiert ist. Ich finde es auch etwas komisch, dass du deine Tochter nie erwähnt hast bei besagter Kommilitonin. Du sagst, du liebst deine Tochter und deine kleine Familie und du hattest nur an ein freundschaftliches Verhältnis mit der Komilitonin gedacht... wieso hast du denn dann nie von deiner Familie erzählt? Und wie konnte es dazu kommen, dass du einfach so mit ihr nachhause gehst und Sex mit ihr hast? War deine Beziehung wirklich so glücklich? Das musst du vielleicht nicht uns hier beantworten, aber eventuell dir.
Das sind alles sehr berechtigte Fragen und ich habe auf die wenigsten von ihnen einfache Antworten. Wenn ich mir meinen ersten Text noch einmal durchlese, dann sehe ich, dass ich mich in Teilen wahrscheinlich selbst mit einfachen Antworten belüge. In der Tat war unsere Beziehung in den letzten zwei bis drei Monaten irgendwie durch den stressigen Alltag automatisiert, eine Selbstverständlichkeit. Auch hatte ich immer wieder die Angst, dass ich der Verantwortung und den Erwartungen in mich mit meinen gerade einmal 19 Jahren nicht gerecht werden kann, was ich ja letztendlich auch nicht konnte. Das soll natürlich nie und nimmer eine Rechtfertigung sein, denn die kann es nicht geben, vielleicht der Ansatz einer Erklärung.

Nun ja, der Brief wäre sicherlich eine Idee gewesen. Ich werde sie jedoch morgen so oder so wegen unserer Tochter sehen. Auch wenn ich mir schon den ganzen Tag den Kopf darüber zerbreche, was ich sagen und machen kann, habe ich das Heft des Handelns wohl spätestens abgegeben als ich sie durch mein Schweigen belogen habe.
 

Benutzer102673 

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Hallo yay92,

Also die Situation ist ja relativ frisch, wenn ich das richtig verstehe und Deine Freundin steht wohl noch einigermaßen unter Schock. Wenn Ihr soweit seid, dass Ihr ein sachliches Gespräch führen könnt, dann würde ich Euch Folgendes vorschlagen:

Da hier ein Kind mitbetroffen ist und solche Erfahrungen, und sind sie auch frühkindlich, sehr große Spuren hinterlassen kann, finde ich es nur angemessen, wenn Ihr Euch z.B. an pro famila wendet - oder andere Institutionen, die sich mit Familie und Jugend auseinandersetzen, um Euch Rat zu holen und die Situation klarzukriegen.

Es ist, Du hast recht - eine sehr große Verantwortung, und manch Erwachsener - also: gestandener Erwachsener - kommt damit auch nicht klar, macht ebensolche Fehler. Für Euer Alter und den Rahmen (Abi, Ausbildung usw.) habt Ihr Euch sicherlich gut geschlagen.

Auch wenn sie sich unter den Umständen vielleicht tatsächlich nicht mehr vorstellen kann, mit Dir weiterhin zusammenzusein - dann sorgt im Zweifelsfall eben für eine gesicherte, geregelte Zukunft für Euer Kind, sodass es soviel Stabilität wie möglich erfahren kann. Erhaltet Eure Kommunikation aufrecht, sodass sich keine hässlichen Streitigkeiten ergeben. Ihr scheint die Reife und das Reflexionsvermögen darüber zu haben. Das sind alles Aspekte, die hochkompliziert sind - und die einfach geregelt werden müssen, möglichst eben mit Hilfe.

Gruß, cocos
 

Benutzer79428 

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Hallo yay,

ich habe mich gefragt, wies es gelaufen ist, als du deine Freundin gesehen hast...?

Dass die Beziehung vielleicht nicht mehr so wird, wie sie war, ist naheliegend. Aber ich halte es nicht für aussichtslos, gerade weil du einen sehr ehrlichen, reifen Eindruck machst und ihr gemeinsam ein Kind habt und euch aufrichtig zu lieben scheint. Betrug ist immer etwas furchtbar schmerzhaftes, aber es gibt Menschen und Partnerschaften, die das durchstehen können.
 

Benutzer116828  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo,

tut mir leid, dass ich heute erst antworte.

Wir haben uns erst heute gesehen. Am Mittwoch hat sie kurzfristig abgesagt. Es war wohl alles noch zu frisch und ich habe versucht, ihr Zeit zu lassen. Heute bin ich dann einfach zu ihr gefahren. Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war. Auch einen Brief hatte ich schon geschrieben. Irgendwie hatte ich dann aber kein gutes Gefühl und habe mich überwunden, zu ihr zu fahren.

Wir haben also etwa eine Viertel Stunde geredet, was ja prinzipiell kein schlechtes Zeichen ist. Leider weiß ich auch jetzt nicht, wo wir stehen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sie ganz besonders verletzt hat, wie sie es erfahren musste. Für sie ist von der einen Sekunde auf die andere wohl eine Welt zusammengebrochen, und das tut mir so unendlich leid. Ich bin mir sicher, dass, wenn ich sofort ehrlich zu ihr gewesen wäre, sie mir verziehen hätte. Sie hat auf mich auch eher einen sehr ratlosen und ebenfalls verzweifelten Eindruck als einen wütenden gemacht. Was mir zu schaffen macht, ist, dass ich ihr einfach keine richtige Antwort auf das "Warum?" geben konnte und praktisch immer nur hohle Phrasen dreschen konnte.

Auch wenn wir so recht offen über ihre Gefühle mir gegenüber gesprochen haben, haben wir nicht über die Zukunft unserer Beziehung und unserer kleinen Familie gesprochen. Ich wollte mich damit auf keinen Fall aufdrängen und vermutlich ist sie einfach noch nicht so weit, darüber zu reden. Sie hat nur folgendes gesagt: "Ich weiß einfach nicht, wie ich dir irgendwann einmal wieder richtig vertrauen kann." Darauf konnte ich dann auch nichts wirklich erwidern.

Ich tue mich im Moment sehr schwer damit, die Situation einzuschätzen und "das Richtige" zu tun und zu sagen und auch wenn das Gespräch oberflächlich ja ein erster Schritt war, habe ich ein schlechtes Gefühl und ich weiß auch nicht wirklich wie es jetzt konkret weitergehen soll. Geplant war, dass sie während ihrer Osterferien mit unserer Kleinen bei mir wohnt und wir unsere Zeit gemeinsam verbringen. Unsere Kleine ist nun weiterhin bei ihr und wir haben auch nach unserem Gespräch nichts weiter ausgemacht. Ich denke, es wird, egal wie es ausgeht, ein langer und schwieriger Weg. Im Falle einer Trennung würde ich ihr auf jeden Fall vorschlagen, dass wir uns an eine Beratungsstelle wenden und ich denke, dass meine Freundin die letzte ist, die sich dem in den Weg stellen würde.

Viele Grüße
 

Benutzer97250 

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Hallo yay,

wie du am Besten weiter verfahren sollst kann ich dir nicht sagen.

Ich denke aber, es greift viel zu kurz, den Seitensprung als Alkohol-induzierten Rückfall ins Neanderthal zu erklären. Du schreibst ja selbst, dass du dir das bis heute nicht erklären kannst.

Für mich liest sich deine hier geschilderte Lebensgeschichte bis zum Abend des Fremdgehens wie ein Käfig aus an dich gerichteten Ansprüchen mit einem Ausbruch am (vorläufigen) Ende der Story.

Du beschreibst ein eher wertkonservatives Elternhaus mit ausgeprägtem Leistungsethos und klar kommunizierten Anforderungen an dich als Sohn. Keine jugendliche Ausprobierphase, sondern gleich eine ernsthafte Beziehung. Ähnliches auf Seiten deiner Freundin. Dann die Enttäuschung wegen der frühen Schwangerschaft. Ärger mit dem Vater, der wohl seine für dich zurechtgelegten Karriereträume in Gefahr sah.
Ihr legt Euch noch mehr ins Zeug, um allen gerecht zu werden, du schaffst anscheinend sogar trotz allem ein überdurchschnittliches Abi. Im Studium dann steht nicht das Beziehungsleben im Vordergrund, sondern das Jonglieren mit den Betreuungsmöglichkeiten für eure Tochter.

Fremdgegangen wird dann nach einer Studentenparty, sozusagen dem Inbegriff des unbeschwerten Lebens.

Ich denk du hast dich an dem Abend für ein paar Stunden an der Sehnsucht nach Leichtigkeit fest gekrallt, zum Sex kam es, weil du dieses Freiheitsgefühl nicht mehr aufgeben wolltest.

Vielleicht interpretiere ich das alles falsch aber so wäre es zumindest für mich recht nachvollziehbar.

Egal wie die Sache jetzt rausgeht, ich würde dir und euch sehr dazu raten, euch (noch) stärker von den Eltern frei zu machen. Grenzen zu setzen und so. Du hattest ja schon öfter Ärger mit deinem Vater. Andernfalls wird das sehr ungesund für alle Beteiligten.
 
R

Benutzer

Gast
Sie hat auf mich auch eher einen sehr ratlosen und ebenfalls verzweifelten Eindruck als einen wütenden gemacht. Was mir zu schaffen macht, ist, dass ich ihr einfach keine richtige Antwort auf das "Warum?" geben konnte und praktisch immer nur hohle Phrasen dreschen konnte.
Vielleicht klingt das jetzt opportunistisch und herzlos, aber es ist überhaupt nicht so gemeint:
Warum gibst du ihr nicht einfach ein warum? Nimm sie doch mit auf die Suche nach dem Grund und sag ihr sowas wie "du glaubst/befürchtest, dass es das war".
Nachdem du so nen Scheiß gebaut hast, muss eure Beziehung jetzt doch nicht an der Kommunikation danach scheitern.
Sie braucht etwas zum Festhalten. Ein Motiv, das sich kontrollieren lässt, gegen das man kämpfen kann, das sich nicht vermutlich 10 mal wiederholt in den nächsten 2 Jahren.

Ich denke, du bist "zusammengebrochen". Es hat sich dir eine süße, verlockende Möglichkeit geboten, für eine kurze Zeit dem ganzen Ernst und der Verantwortung zu entfliehen. Vielleicht kannst du daraus eine Art für sie nachfühlbares Motiv in Worte fassen. Ohnmacht ist vermutlich das schlimmste Gefühl für sie.

Off-Topic:
@Captain_Obvious:
Ich hab deinen Beitrag erst gelesen, nachdem ich meinen geschrieben hatte. Vielleicht macht es das ja "wahrscheinlicher", dass wir beide die gleiche Erklärung haben.
 

Benutzer116828  (28)

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Hallo,

danke für eure Beiträge. (Ich habe sie schon vor längere Zeit gelesen, mir ist nur keine wirklich schlaue Antwort eingefallen und es hatte sich auch noch nichts neues ergeben.)

Naja, was soll ich dazu sagen? Ihr habt wohl nicht Unrecht. Wie ich bereits geschrieben hatte, habe ich in letzter Zeit immer mehr Angst und Überforderung gespürt. Dennoch will ich unsere Beziehung auf gar keinen Fall als "Käfig" bezeichnen (war wohl von dir auch nicht so gemeint), sondern die Umstände. Auch das Verhältnis zu unseren Eltern hast du sicher einigermaßen treffend beschrieben. Nichtsdestotrotz war es natürlich meine/unsere Entscheidung das so zu machen, uns so "reinzuhängen", und auch das Verhältnis zu meinen/unseren Eltern gut zu halten.

Oben habe ich geschrieben, dass es bisher nichts neues gab. Das hat sich bis jetzt auch nicht wirklich verändert und das stimmt mich leider nicht sehr hoffnungsvoll. Wir hatten ein kurzes, in meinen Augen sehr distanziertes Telefonat, in dem ich gar nicht wirklich die Möglichkeit eine Erklärung, wie von dir, Alex, geraten, anzubringen. Indirekt, aber trotzdem klar genug hat sie mir gesagt, dass sie mich im Moment nicht sehen will. Ich befürchte, dass ich es spätestens in unserem direkten Gespräch komplett verbockt habe. Auch wenn ich immer noch hoffe, sagt mir mein Gefühl (Ich kann auch nicht wirklich sagen, wie sich das ausdrückt. Eine "Auszeit" nach so einer Sache ist ja durchaus "normal".), da ich meine Freundin ja nun schon über vier Jahre kenne, dass die Beziehung nicht mehr zu retten ist und wir nun vor allem darauf achten sollten, dass es nicht in hässliche Streitereien ausartet.
 

Benutzer97250 

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danke für eure Beiträge. (Ich habe sie schon vor längere Zeit gelesen, mir ist nur keine wirklich schlaue Antwort eingefallen und es hatte sich auch noch nichts neues ergeben.)

Das ist auch alles noch recht frisch, kein Grund sich zu entschuldigen.

Naja, was soll ich dazu sagen? Ihr habt wohl nicht Unrecht. Wie ich bereits geschrieben hatte, habe ich in letzter Zeit immer mehr Angst und Überforderung gespürt. Dennoch will ich unsere Beziehung auf gar keinen Fall als "Käfig" bezeichnen (war wohl von dir auch nicht so gemeint), sondern die Umstände.

Ja, richtig. Denke auch, dass ihr euch wegen der ähnlichen Familienhintergründe besonders leicht Verständnis entgegen bringen konntet. Vielleicht war der Druck dadurch sogar leichter zu ertragen (so von wegen "geteiltes Leid ist halbes Leid").

Auch das Verhältnis zu unseren Eltern hast du sicher einigermaßen treffend beschrieben. Nichtsdestotrotz war es natürlich meine/unsere Entscheidung das so zu machen, uns so "reinzuhängen", und auch das Verhältnis zu meinen/unseren Eltern gut zu halten.

Schon. Die Psychologen hier im Forum würden an dieser Stelle aber sicher sagen, dass du gar nicht so sehr die Wahl hattest, weil einen die Familie so sehr prägt. Und sie hätten nicht Unrecht. Ich würde mir an deiner Stelle deswegen keine Vorwürfe machen.

Ich befürchte, dass ich es spätestens in unserem direkten Gespräch komplett verbockt habe. Auch wenn ich immer noch hoffe, sagt mir mein Gefühl (Ich kann auch nicht wirklich sagen, wie sich das ausdrückt. Eine "Auszeit" nach so einer Sache ist ja durchaus "normal".), da ich meine Freundin ja nun schon über vier Jahre kenne, dass die Beziehung nicht mehr zu retten ist und wir nun vor allem darauf achten sollten, dass es nicht in hässliche Streitereien ausartet.

Sicher kennst du deine Freundin besser als wir alle. Ich kann trotzdem nicht glauben, dass ein Gespräch alles zunichte macht. Was hast du ihr denn gesagt und wie hat sie genau reagiert?
 
2 Woche(n) später

Benutzer116828  (28)

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Hallo,

die letzte Zeit war bei mir leider äußerst turbulent, sodass ich nicht dazu gekommen bin, auf den Beitrag zu antworten.

Ich denke, dass unser Verhältnis entgegen meiner Erwartungen wieder auf einem gutem Weg ist, allerdings sozusagen durch Glück im Unglück. Meine Freundin und ich hatten in den letzten beiden Wochen große Sorgen um unsere kleine Tochter, da sie plötzlich schwer krank wurde und für eineinhalb Wochen ins Krankenhaus musste. Zum Glück geht es ihr wieder langsam aber sicher besser und sie ist auch wieder zu Hause bei meiner Freundin :smile:. Währenddessen haben wir gesehen, dass wir einander brauchen und ich konnte für meine Freundin und meine Tochter da sein. Vorgestern haben wir dann auch ziemlich lang und ehrlich geredet und ich hatte den Eindruck endlich die richtigen Worte gefunden zu haben. Ich habe es ihr "erklärt" wie in den vorigen Beiträgen beschrieben und wir haben auch lange über das Verhältnis zu unseren Eltern geredet und darüber, dass es hier sicherlich Gesprächsbedarf gibt. Natürlich ist alles noch weit entfernt von "Alles wieder gut!" und wird sicher nicht mehr "Alles wie vorher!", aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Wenn ich meinen letzten Beitrag so lese, muss ich leider zugeben und muss ich mich dafür entschuldigen, dass es für mich wohl ziemlich willkommen war, in Selbstmitleid zu baden, was mir als Schuldiger sicher nicht zugestanden hat. Auch nochmal "Danke!" für die konstruktiven Gedanken und dafür, dass ihr nicht einfach verbal über mich hergefallen seid, was ich sicherlich verdient gehabt hätte.

Viele Grüße.
 

Benutzer76877 

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Hallo Yay :smile: Also, ich muss schon sagen, dass du mit deinen 19 Jahren sehr verantwortungsvoll bist und ganz klare Ansichten hast, respekt :smile:. Klar, deine Fehler kannst du nunmal nicht rückgängig machen und das war auch ein sehr großer Fehler. Aber es gibt Menschen, die fremdgehen und das absolut nicht so einsehen wie du. Deshalb wünsche ich dir wirklich für deinen weiteren Lebensweg viel Glück und hoffe, dass das mit deiner kleinen Familie wieder wird.
 
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