Freier Wille

Benutzer114417 

Sorgt für Gesprächsstoff
Besitzt(en) Ihr/wir ihn? Eure Meinung ist gefragt.


Wenn die Antwort negativ ausfällt, wäre es nett sie zu begründen.
 

Benutzer95038 

Benutzer gesperrt
Wieso sollte man den nicht besitzen?

Manche geben ihn ab, aber selbst das ist eine freie Entscheidung.
 
V

Benutzer

Gast
Oha. Ein komplexes Thema.
Tu ich immer, was ich will? Nein.
Will ich immer, was ich tue? Ebenfalls nein.
Heißt das jetzt, ich habe keinen freien Willen?

Mein freier Wille wird durch viele Dinge eingegrenzt: Gesetze, Konventionen, mein (teilweise daraus resultierendes) Gewissen, natürliche Grenzen meiner Fähigkeiten...
Theoretisch könnte ich auf die Straße gehen und dem erstbesten Passanten ein Bein stellen.
Ich tu es nun aber aus verschiedenen Gründen nicht.
Ich weiß, dass es nicht gut ist, Anderen zu schaden und ich weiß, dass ich dafür bestraft werden würde, würde ich jemandem ein Bein stellen.
Insofern besitze ich schon nicht so richtige Willensfreiheit, wenn ich in einer Gesellschaft gemocht werden, als vollwertiges Mitglied anerkannt und angepasst leben will.
Aber dass ich das will, zeugt ja womöglich doch wieder von Willensfreiheit. Ich könnte mich ja auch dazu entscheiden, als Arsch durch die Welt zu gehen. Wobei ich dann kein so leichtes Leben hätte, keine Freunde und ich wäre sozial abgeschottet vom Rest der Welt. Und so weit ist mein Selbsterhaltungstrieb dann doch ausgeprägt, dass ich mich dann doch lieber anpasse.
Ist also die Frage: Wenn ich etwas nur aus Selbsterhaltungsgründen tue, heißt das automatisch, ich hätte einen freien Willen?

Off-Topic:
Ich hab mal was dazu gelesen, wenn ich es richtig rekonstruieren kann, dann ging es darum, dass unser Gehirn bereits BEVOR wir uns kognitiv dazu entscheiden, den rechten Arm zu heben, entsprechede Signale/Impulse sendet.
Wenn wir uns also dazu entschließen, den rechten Arm zu heben, dann weiß das unser Gehirn schon längst.
Im Zusammenhang mit dieser Studie wurde in dem Artikel dann auch diskutiert, ob das nun bedeute, der Mensch hätte keinen wahren freien Willen.
 

Benutzer114161 

Öfters im Forum
Kann man so komplex wie Nuvola sehen, ja. Stimme da auch weitestgehend zu.

Doch wenn ich etwas tue, was ich eigentlich nicht wirklich will, dann hat dies doch auch immer irgendeinen höheren Zweck, den ich damit erreichen will. Ob geld verdienen, Freundschaften pflegen, meine Beziehung beibehalten oder festigen, von irgendwem akzeptiert werden - letztlich ist es mein freier Wille, dass ich diese Dinge erreichen will, und auch sowohl wie ich sie erreichen will als auch welche Zwänge ich dafür akzeptiere.

Es ist also im Grunde egal, wie sehr man sich gezwungen fühlt etwas bestimmtes zu tun oder zu lassen, da die Entscheidung auf einer höheren Ebene doch meine eigene ist.

Ist ja nicht so dass wir als Sklaven leben, nach dem Motto arbeite oder stirb. Wobei selbst das ja eine Entscheidung wäre, die man selbst treffen könnte. Als wie frei man das dann noch ansieht ist wieder eine andere Sache.
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Die Frage geht ja doch ein bißchen tiefer und rührt an einigen Grundfesten. Ich glaube nicht das dass irgendjemand derzeit vernünftig beantworten kann.

ich hab mal was dazu gelesen, wenn ich es richtig rekonstruieren kann, dann ging es darum, dass unser Gehirn bereits BEVOR wir uns kognitiv dazu entscheiden, den rechten Arm zu heben, entsprechede Signale/Impulse sendet.

Wenn wir uns also dazu entschließen, den rechten Arm zu heben, dann weiß das unser Gehirn schon längst.
Im Zusammenhang mit dieser Studie wurde in dem Artikel dann auch diskutiert, ob das nun bedeute, der Mensch hätte keinen wahren freien Willen.
Aber das rührt ja nicht an der Grundfrage: Kann der Mensch Entscheidungen treffen, die nicht komplett durch äußere Umstände determiniert sind und auch nicht "zufällig" gewählt werden?
 
V

Benutzer

Gast
Off-Topic:
Aber das rührt ja nicht an der Grundfrage: Kann der Mensch Entscheidungen treffen, die nicht komplett durch äußere Umstände determiniert sind und auch nicht "zufällig" gewählt werden?
Nein, sorry, da hast du vollkommen Recht.
Hab das ein bisschen zusammenhanglos da hingeklatscht, weil mir das zum Thema noch eingefallen war.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Die Frage geht ja doch ein bißchen tiefer und rührt an einigen Grundfesten. Ich glaube nicht das dass irgendjemand derzeit vernünftig beantworten kann.

Es gibt aber einige, die glauben sie beantworten zu können. In der Neurowissenschaft/Neuropsychologie herrscht ja aufbauend auf dem berühmten "Libet-Experiment" inzwischen in sehr weiten Kreisen die Überzeugung, dass der "freie Willen" nichts weiter als eine menschliche Illusion ist. Das ist auch keineswegs eine Minderheitenmeinung, sondern ich würde behaupten eher Mehrheitsmeinung in dieser Wissenschaftsdisziplin, wenn auch eine heiß diskutierte. Insbesondere die Zunft der Philosophen hat die Interpretationen der Neurowissenchaftler heftig angegriffen.

Das Problem ist nur: Selbst wenn dem so wäre. Es ist bedeutungslos, da unser menschliches Dasein, unsere soziale Beziehungen, unser gesamtes Rechtssystem, unsere Normen- und Wertesystem die Existenz freier Willensentscheidung notwendigerweise voraussetzen. Würde man die wissenschaftliche Erkenntnis, dass es diesen freien Willen nicht gibt bzw. gar nicht geben kann, wirklich ERNST nehmen, würde so ziemlich jede menschliche Kultur zusammenbrechen.

Deshalb: Natürlich gibt es einen freien Willen und natürlich habe ich einen freien Willen!

---------- Beitrag hinzugefügt um 17:36 -----------

Off-Topic:
Ich hab mal was dazu gelesen, wenn ich es richtig rekonstruieren kann, dann ging es darum, dass unser Gehirn bereits BEVOR wir uns kognitiv dazu entscheiden, den rechten Arm zu heben, entsprechede Signale/Impulse sendet.
Wenn wir uns also dazu entschließen, den rechten Arm zu heben, dann weiß das unser Gehirn schon längst.
Im Zusammenhang mit dieser Studie wurde in dem Artikel dann auch diskutiert, ob das nun bedeute, der Mensch hätte keinen wahren freien Willen.

Das ist das berühmte Libet-Experiment. Inzwischen gibts da natürlich noch zig ausgefeiltere Studien, die in eine ähnliche Richtung weisen.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich handle so, dass die Maxime meines Handelns zugleich Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte.
Dass ich so handle, entscheide ich frei, denn ich könnte anders.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Off-Topic:
Ich handle so, dass die Maxime meines Handelns zugleich Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte.
Dass ich so handle, entscheide ich frei, denn ich könnte anders.

1. Da hast Du mit dem kategorischen Imperativ die moralische Messlatte an dein Handeln ja wirklich ziemlich hoch gelegt. Sollte es nicht eher "versuche ich so zu handeln.." heißen :zwinker:

2. Einige Neurowissenschaftler würden sagen: Nein, du kannst nicht anders. Bevor dein Bewusstsein glaubt, eine Entscheidung in diesem Sinne getroffen zu haben, haben deine Neuronen schon längst "entschieden" und die entsprechende Handlung eingeleitet.

 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
ob ich ihn besitze? definitiv.
ob ich ihn immer auslebe? nein, da funkt der verstand dazwischen.
 

Benutzer84435 

Meistens hier zu finden
Nein, es gibt keinen freien Willen. Das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft und auch die Erkenntnis einiger Philosophen.

Das Problem ist nur: Selbst wenn dem so wäre. Es ist bedeutungslos, da unser menschliches Dasein, unsere soziale Beziehungen, unser gesamtes Rechtssystem, unsere Normen- und Wertesystem die Existenz freier Willensentscheidung notwendigerweise voraussetzen. Würde man die wissenschaftliche Erkenntnis, dass es diesen freien Willen nicht gibt bzw. gar nicht geben kann, wirklich ERNST nehmen, würde so ziemlich jede menschliche Kultur zusammenbrechen.

Absoluter Schwachsinn. Im Gegenteil, die Menschheit würde enorm davon profitieren, wenn wir uns endlich eingestehen würden, dass wir eben keinen freien Willen haben.

Michael Schmidt-Salomon hat genau dieses Thema in seinem philosophischen Hauptwerk untersucht:
Frage 1 - Gibt es einen freien Willen?
Frage 2 - Wie sieht eine Gesellschaft ohne freien Willen aus?
Frage 3 - Wieso ist das für uns Menschen ein großer Vorteil?

Ein hoch interessantes Werk, absolut empfehlenswert: "Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind"

Amazon: Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind: Michael Schmidt-Salomon: 9783866122123: Bücher
Wikipedia: Jenseits von Gut und Böse (Schmidt-Salomon) ? Wikipedia

Deshalb: Natürlich gibt es einen freien Willen und natürlich habe ich einen freien Willen!

Nur weil man sich etwas wünscht, ist es noch lange keine Realität. Das Ausblenden vermeintlich unangenehmer Tatsachen, ist ein kindliches Verhalten.
 

Benutzer85637 

Meistens hier zu finden
Wenn ich mich mal zitieren darf :tongue:

Jeder Mensch hat einen Spielraum an Handlungsmöglichkeiten, natürlich nur sofern diese nicht durch innere oder äußere Umstände (zu) stark eingeschränkt sind. Dieser Spielraum wird von den zur Verfügung stehenden Mitteln, Gelegenheiten, Fähigkeiten und dem Willen des Menschen beeinflusst. Der Wille des Menschen wiederum ist nicht frei, da er abhängig ist von äußeren Umständen, körperlichen Bedürfnissen, Emotionen, der persönlichen Lebensgeschichte und dem Charakter des individuellen Menschen. Somit ist es jemandes Willen, der durch Überlegungen zu Entscheidungen führt. Die Freiheit des Willens wie wir ihn verstehen, beruht also auf Bedingungen des Denkens und des Urteilens.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Nein, es gibt keinen freien Willen. Das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft und auch die Erkenntnis einiger Philosophen.

Nein, so einfach kannst du dir das auch nicht machen. Ich habe die Sache ja selbst ins Spiel gebracht. Auch innerhalb der Neurowissenschaften (und natürlich GERADE in der Philosophie) ist es sehr umstritten, ob man die experimentellen Befunde tatsächlich als Beweis der Nicht-Existenz eines freien Willens bewerten kann.

Ich gebe zu, dass ich selbst mir keine abschließende Meinung zu dieser Frage gebildet habe.


Absoluter Schwachsinn. Im Gegenteil, die Menschheit würde enorm davon profitieren, wenn wir uns endlich eingestehen würden, dass wir eben keinen freien Willen haben.

Gewagte These. Man müsste mit einem Schlag unser ganzes Rechtssystem abändern. Ohne freien Willen gibts natürlich keinerlei personalisierbare Verantwortung. Würde mich mal interessieren, wie man dieses Problem wegargumentieren will.

Michael Schmidt-Salomon hat genau dieses Thema in seinem philosophischen Hauptwerk untersucht:
Frage 1 - Gibt es einen freien Willen?
Frage 2 - Wie sieht eine Gesellschaft ohne freien Willen aus?
Frage 3 - Wieso ist das für uns Menschen ein großer Vorteil?

Ein hoch interessantes Werk, absolut empfehlenswert: "Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind"

Danke für den Tipp. Wenn das aber genauso missionarisch, doktrinär und etwas platt daher kommt wie seine Religiositätskritik, verspreche ich mir nicht all zu viel davon.


Nur weil man sich etwas wünscht, ist es noch lange keine Realität. Das Ausblenden vermeintlich unangenehmer Tatsachen, ist ein kindliches Verhalten.

Kindliches Denken ist es m.E., wenn man von einer absolut objektiven Realität (bei solchen Fragen) überhaupt ausgeht, bzw. glaubt diese zu kennen oder abschließend erkennen zu können.

Mit der von dir als "kindlich" qualifizierten Argumentation folge ich übrigens Wolfgang Prinz, einem der wichtigsten Neurowissenschaftler Deutschlands (Direktor des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften). Da fühle ich mich eigentlich in ganz guter Gesellschaft.
 
D

Benutzer

Gast
Nein, es gibt keinen freien Willen. Das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft und auch die Erkenntnis einiger Philosophen.

So ein Blödsinn. Ich zwei Semester lang Unikurse darüber und das ist ja mal definitiv eines der strittigsten Themen der Philosophie zur Zeit und mal sowas von überhaupt nicht eindeutig.
Seit dem Libet-Experiment, ach, eigentlich schon seit George Edward Moore geht es doch da hin und her.

Ich sehe das wie Casanis. Besonders den Punkt mit der Verantwortung. Haben wir keinen freien Willen, sind wir nicht verantworlich für unser handeln, da wir es nicht steuern können. Ergo, ist unser komplettes Rechtssystem nutzlos. Da das aber auch nicht funktioniert, trifft, meiner Meinung nach (kann man sicherlich drüber streiten) das zu, was Casanis in seinem ersten Post geschrieben hat. Wir orientieren uns weiter an (der Illusion) der Freiheit. Wir tun so, als hätten wir sie, auch wenn wir sie nicht haben sollten.
 

Benutzer84435 

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Nein, so einfach kannst du dir das auch nicht machen. Ich habe die Sache ja selbst ins Spiel gebracht. Auch innerhalb der Neurowissenschaften (und natürlich GERADE in der Philosophie) ist es sehr umstritten, ob man die experimentellen Befunde tatsächlich als Beweis der Nicht-Existenz eines freien Willens bewerten kann.

Ich gebe zu, dass ich selbst mir keine abschließende Meinung zu dieser Frage gebildet habe.

Wie gesagt, ich sage nicht, dass das eine 100prozentige Tatsache ist. Es ist aber der aktuelle Stand der Wissenschaft, welcher von der Mehrheit der Neurologen geteilt wird. Dieser Forschungsbereich boomt gerade zu.

Gewagte These. Man müsste mit einem Schlag unser ganzes Rechtssystem abändern. Ohne freien Willen gibts natürlich keinerlei personalisierbare Verantwortung. Würde mich mal interessieren, wie man dieses Problem wegargumentieren will.

Auch darauf geht Schmidt-Salomon in seinem Buch detailliert ein :zwinker:

Nur mal an dieser Stelle ganz grob: Nur weil jemand etwas Schlechtes aufgrund seiner umwelt- und genetisch bedingten Faktoren tut, heißt das noch lange nicht, dass es positiv ist, was er da tut. Ein Straftäter ist zweifach gestraft: Zum einen hatte er Pech in der Lotterie des Lebens, zum zweiten wird er dafür auch noch bestraft. Die richtige Frage über den Umgang mit diesem Menschen heißt aber nicht Freispruch, denn seine Tat bleibt schlecht, ob er es nun wollte, oder nicht. Die richtige Antwort darauf ist a), dafür zu sorgen, dass der Mensch diese Straftat gar nicht erst begeht (Prävention) und b), zukünftige Straftaten zu verhindern (Resozialisierung), damit sowohl dem Individuum als auch der Gesellschaft geholfen wird. Ein freier Wille hingegen bedeutet, dass der Straftäter seine Tat aus freien Stücken begangen hat und dafür "sühnen" muss. Dieses Denken hilft aber weder ihm, noch der Gesellschaft.

Danke für den Tipp. Wenn das aber genauso missionarisch, doktrinär und etwas platt daher kommt wie seine Religiositätskritik, verspreche ich mir nicht all zu viel davon.

Ich kann es dir nur empfehlen. Auch abseits von der Frage, ob es einen freien Willen gibt, werde eine ganze Reihe interessanter Theorien beleuchtet. Und es schadet auch nicht, Literatur zu lesen, die der eigenen Meinung absolut widerspricht. Ich habe z.B. gerade ein Buch von der Frau Wagenknecht gelesen :zwinker:

Bei Wikipedia gibt es ja einen recht umfangreichen Artikel zum Buch. Bei Interesse evtl. auch da mal reinschauen.

Kindliches Denken ist es m.E., wenn man von einer absolut objektiven Realität (bei solchen Fragen) überhaupt ausgeht, bzw. glaubt diese zu kennen oder abschließend erkennen zu können.

Mit der von dir als "kindlich" qualifizierten Argumentation folge ich übrigens Wolfgang Prinz, einem der wichtigsten Neurowissenschaftler Deutschlands (Direktor des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften). Da fühle ich mich eigentlich in ganz guter Gesellschaft.

Diese Argumentation bringt uns aber nicht weiter. Genau so gut könnten wir Christenfanatiker erzählen, es gäbe Gott, weil sonst jede menschliche kUltur zusammenbrechen würde.

---------- Beitrag hinzugefügt um 20:17 -----------

So ein Blödsinn. Ich zwei Semester lang Unikurse darüber und das ist ja mal definitiv eines der strittigsten Themen der Philosophie zur Zeit und mal sowas von überhaupt nicht eindeutig.
Seit dem Libet-Experiment, ach, eigentlich schon seit George Edward Moore geht es doch da hin und her. .

Neurowissenschaft ungleich Philosophie.

Ich sehe das wie Casanis. Besonders den Punkt mit der Verantwortung. Haben wir keinen freien Willen, sind wir nicht verantworlich für unser handeln, da wir es nicht steuern können. Ergo, ist unser komplettes Rechtssystem nutzlos. Da das aber auch nicht funktioniert, trifft, meiner Meinung nach (kann man sicherlich drüber streiten) das zu, was Casanis in seinem ersten Post geschrieben hat. Wir orientieren uns weiter an (der Illusion) der Freiheit. Wir tun so, als hätten wir sie, auch wenn wir sie nicht haben sollten.

Siehe meine Antwort dazu an Casanis.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Off-Topic:
Off-Topic:


1. Da hast Du mit dem kategorischen Imperativ die moralische Messlatte an dein Handeln ja wirklich ziemlich hoch gelegt. Sollte es nicht eher "versuche ich so zu handeln.." heißen :zwinker:

Nö, eigentlich nicht. Denn ich handle nie gegen meine Überzeugungen. Ich handle wohl gegen meine eigene Meinung, dann aber nur aus dem Grund, dass meine Überzeugung, das Ergebnis einer von meiner Ansicht abweichenden Handlung sei eines, das mein abweichendes Handeln erforderlich macht, diese Abweichung rechtfertigt. Ob im Ergebnis das Erwartete herauskommt, steht auf einem anderen Blatt, denn letztlich kann sich meine Maxime nachher als falsch herausstellen.

Ein gutes Beispiel: Ich würde nie meine Freundin schlagen. Dennoch kann ich davon abweichend handeln, sofern sie aufgrund einer Lebensgefahr hysterisch wäre. Oder wenn sie mich darum bitten würde, weil sie beim Sex einen Lustgewinn erführe.

Off-Topic:
2. Einige Neurowissenschaftler würden sagen: Nein, du kannst nicht anders. Bevor dein Bewusstsein glaubt, eine Entscheidung in diesem Sinne getroffen zu haben, haben deine Neuronen schon längst "entschieden" und die entsprechende Handlung eingeleitet.

Zeige mir in meinem Gehirn die Region, in der das Ich steckt.

Geht es nach den Neurowissenschaftlern, dann ist ihre eigene Wissenschaft nur Hokuspokus. Denn auch die Ergebnisse der Neurowissenschaften entsprechen nur der Wahrnehmung und ihrer Verarbeitung. Beides hängt jedoch davon ab, welche Bahnen im Gehirn entstanden und vorhanden sind - beides ist nicht zuverlässig, denn nachweislich kann das Gehirn Wahrgenommenes verändern, ohne dass die Veränderung wahrgenommen wird. (Augenzeugen-Effekt zum Beispiel)
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Für mich ist es eine politische Frage, nicht eine wissenschaftliche. Es muss ihn geben.

Das Zusammenleben der Menschen beruht darauf dass wir Entscheide fällen und die Folgen abschätzen können. Das heisst überhaupt nicht dass wir in unseren Handlungen immer frei sind, aber wir fahren immer wieder über Weichen, die wir selber stellen können. Oder selber stellen könnten.

Oder diskutieren wir darüber, was man den "freien Willen" NENNT?
Für diesem wissenschaftlichen Zickenkrieg wäre ich dann schon gar nicht gerüstet.......
 

Benutzer109511  (27)

Planet-Liebe Berühmtheit
Sicher gibt es den.
Letzten Endes haben wir doch in den meisten Situationen die Wahl,was wir sagen und tun oder eben auch nicht.Wir sind natürlich nicht immer komplett frei in unseren Entscheidungen-unsere Freiheit hört nun einmal da auf wo die eines anderen beginnt.
Aber wir können in vielem alleine und frei entscheiden,was wir tun.
 

Benutzer29377 

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Ich bin gerade zu faul, meine Meinung dazu ausführlich darzulegen.

In kurzen Worten: sicher gibt es Situationen, in denen Erziehung, Charaktereigenschaften, persönlicher Background oder sonstige "feste" Gegebenheiten bestimmte Entscheidungen mehr oder weniger vorgeben. Situationen, in denen es vielleicht auch mal wenig Alternativen gibt.

Dennoch bin ich der Meinung, dass der Mensch über einen (nicht absolut, aber weitgehend) freien Willen verfügt. Auch wenn ihn nicht jeder nutzt ...
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Mich überzeugen die Experimente vom Libet-Typ überhaupt nicht. Imho zeigen sie nämlich eben nicht, dass bewusste Gedanken und Handlungen allgemein deterministisch oder zufällig sind, da man sich auf sehr einfache Hanldungsmuster beschränken muss, wo nichtmal gesichert ist, das bewusste Handlungen als Prequisit nötig sind.
Meiner Meinung nach wäre der freie Wille widerlegt, wenn es gelänge, Gedankengänge vorherzusagen oder zu zeigen, dass ein zufälliger Prozess zu Gedankengängen führt.
Oder um zu Libet zu kommen: Was ist der Grund dafür, dass sich der Finger genau zu Zeitpunkt X bewegt?

Wenn der Mensch einen freien Willen hat, haben das auch gewisse Elementarteilchenensembles:
Free will theorem - Wikipedia, the free encyclopedia
Natürlich ähnlich umstritten und Bleeding Edge wie die Libetgeschichten.

Aber allgemein kommt man damit glaube ich zu einem anderen Problem: Wenn es einen freien Willen gibt, so fehlt dafür das physikalische Model, da es weder deterministisch noch probabilistisch sein darf qua Definition

Meine Vermutung: Es gibt keinen Willen, das "System Gehirn" ist aber ein hochkomplexes, vermutlich schon auf Ebene der Quantenphysik chaotisches, nichtlineares System. Freier Wille ist die Kombination von Milliarden von Zufallsentscheidungen pro Gedanke. Keine Chance da irgendwie ranzukommen, gibt weitaus einfachere Systeme wo wir heute dran scheitern.

Vielleicht sind wir schlauer, wenn wir Fortschritte in der Physik machen, inbesondere was die Teilchenphyik und die GUT angeht. Zumindest wird man so bestimmte Möglichkeiten ausschließen können. Durchaus möglich dass da nochmal ganz große neue Erkenntnisse kommen.

Es ist ja bisher nichtmal so komplett klar, ob das ganze Universum deterministisch ist oder es echte Zufallsereignisse gibt.
 
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