Fragen zu einem "speziellen" beruf: totengräber/ friedhofsgärtner

Benutzer32178 

Verbringt hier viel Zeit
ein gruß in die runde,

ich gehe einem "speziellen" beruf nach, ich bringe verstorbene unter die erde, ja ich bin ein totengräber. man sagt auch friedhofsgärtner, da ich ua. auch für die pflege des friedhofes verantwortlich bin.

wen man sich mit leuten unterhält dreht sich das thema in den meisten fällen auch um den beruf dem man nachgeht.

bei dem einen denkt man sich nichts dabei, bei dem anderen staunt man, und bei manchen findet es man faszinierend, abstosend oder erschütternt das man einem solchen beruf nachgeht. letzteres trifft in der regel auf meinen zu, aber warum?

meine frage an euch, wie steht ihr meinem beruf, dem totengräber, gegenüber?

würdet ihr mir aufgrund meines berufes nicht mehr die hand geben?

oder dürfte ich in eurer gegenwart nichts über auf der arbeit erlebtes reden?

ich bitte euch sachlich zu bleiben und nichts ins lächerliche zu ziehn, es handelt sich um ein sensibles thema und vileicht hat der ein oder andere der hier mitliest evt. vor kurzem einen nahestehenden verloren.

ich sollte noch etwas zu meinem arbeitsplatz und aufgaben sagen.

mein arbeitsplatz ist der friedhof, er befindet sich in städtischer hand und ich bin ein angestelter der stadt.

friedhöfe sind in der heutigen zeit längst nicht mehr nur ein sammelplatz für die toten, sie sind besonders in städten ein grüner anziehungspunkt, geworden der von der bevölkerung als park genutzt wird.

er ist ein platz an dem die hinterbliebenen trauern und gedenken können.

meine aufgabe ist es den friedhof in seiner form als park zu pflegen und gestalten aber auch die durchführung von bestattungsarbeiten.

letzteres umfasst den aushub und verschluss des grabes, das aufbarren des sarges/der urne und das dekorieren der trauerhalle mit grünschmuck und kerzen bis hin zum beisetzen des sarges/der urne.

wir räumen grabstätten ab deren ruhefrist abgelaufen ist und graben im falle einer umbettung den sarg/die urne aus.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Also für mich ist das ein ganz normaler Beruf.
Kein Beruf, mit dem ich ein Problem hätte, der mich schockieren oder gar anekeln würde!

Ein sehr wichtiger Beruf in meinen Augen und dem zeuge ich auch durchaus Respekt, denn die nötige Pietät für diesen Beruf hat sicherlich nicht jeder.

Der Tod gehört zum Leben und wir alle werden mal von einem "Friedhofsgärtner" unter die Erde befördert (von Seebestattungen vielleicht mal abgesehen).
 

Benutzer101890 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ganz ehrlich? Mir wärs vollkommen wurscht. Selbst wenn du in der Autopsie arbeiten würdest. Die Jobwahl gibt doch keinen Einblick in die geistige Verfassung, also weiß ich gar nicht, was die Vorurteile immer sollen.

Dummerweise haben aber nun mal ein Großteil der Menschen diese Vorurteile.

Off-Topic:
Was mich mal interessieren würde: Verdienen Friedhofsgärtner wirklich so viel, wie immer gesagt wird?
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Kommt natürlich an, wie du das rüberbringst. Auch ob du "Totengräber" oder "Friedhofsgärtner" sagst, das erste klingt halt schon ein wenig morbide, wenn du dann noch ein entsprechendes äußeres hättest, dann würde das sicherlich mal einen schiefen Blick ernten.

Aber wenn du normal rüberbringst, dass du eben Friedhofsgärtner bist und dabei auch die Löcher für die Särge buddeln musst, tjo... normaler Beruf halt.
 

Benutzer100631 

Benutzer gesperrt
Ich finde schon dass es ein eher außergewöhnlicher Beruf ist, allerdings finde ich daran nichts schlimmes. Ich hätte kein Problem damit, dir die Hand zu geben oder mir "Geschichten" aus dem Berufsalltag anzuhören. Die einzigen Berufe, womit ich ein Problem hätte, wären Schlachter/Metzger, Tierpräparator, Jäger, oder ähnliche Berufe, die sich mit toten Tieren beschäftigen oder diese Töten. Ein "Tierbestatter" (keine Ahnung wie das offiziell heißt) und ein Tierarzt ausgenommen. Oder eben mit Menschen, die Tierversuche durchführen o.Ä hätte ich auch ein großes Problem. Mit einem Pathologen hätte ich auch kein Problem oder mit einem Bestatter.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
"Totengräber" wirkt natürlich wirklich erstmal etwas morbide...

aber im Grunde ist es in meinen Augen ein ganz normaler Beruf. Eigentlich finde ich den Beruf sogar ganz gut: Wie du schon sagst, du sorgst dafür, dass Hinterbliebene ein Andenken an ihre verstorbenen Freunde und Verwandten haben, du pflegst eine Grünanlage, einen Ort der Ruhe... abgesehen davon, dass ich mit christlicher Religion und Bestattungs-/Gedenkriten nichts anfangen kann, finde ich das gut!

Dass dein Beruf erst mal etwas ungewöhnlich klingt, und du überraschte Blicke oder neugierige Fragen erlebst, finde ich allerdings ehrlich gesagt nicht verwunderlich. Aber dir deshalb nicht mehr die Hand geben, oder dir aus dem Weg gehen, verstehe ich nicht... Wir leben doch im 21. Jahrhundert, und die meisten Aberglauben sollten langsam der Vergangenheit angehören :confused:.

Es gab hier übrigens vor vielleicht einem Jahr oder so mal einen Thread, wo jemand sich ähnliche Gedanken über den Beruf des Schlachters gemacht hat, und ich muss sagen: Ich könnte mir deutlich mehr Gründe vorstellen, warum jemand schlecht über Schlachter denken könnte, als über einen Friedhofsgärtner.
 
L

Benutzer

Gast
Sowohl vor Friedhofsgärtnern als auch Bestattern hab ich großen Respekt, da ich diese dauerhafte Konfrontation mit dem Tod und den damit verbundenen Umgang mit trauernden Menschen selbst nicht ertragen könnte. Alle, die in diesem Feld arbeiten, geben einer Beerdigung meist einen würdevollen Rahmen, der bei der Bewätigung eines Verlusts eine erste, wichtige Rolle spielt.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
meine frage an euch, wie steht ihr meinem beruf, dem totengräber, gegenüber?
Neutral: Es ist ein Beruf, der für mich nichts wäre, der aber sicherlich notwendig und sinnvoll ist. - Und ich finde es gut, wenn jemand diesen Job macht, den viele Leute nicht machen wollten.

würdet ihr mir aufgrund meines berufes nicht mehr die hand geben?
Natürlich würde ich dir trotzdem die Hand geben.

oder dürfte ich in eurer gegenwart nichts über auf der arbeit erlebtes reden?
Ich fände es sogar interessant, etwas von dieser Arbeit zu erfahren, wobei eventuell irgendwie unappetitliche Geschichten vielleicht nicht in jeder Situation passend sind.
(Beim Essen könnte manchen sensiblen Leuten bei der einen oder anderen Geschichte vielleicht der Appetit vergehen... genau wie bei irgendwelchen Erzählungen von Ärzten oder Sanitätern von einem Unfall, etc.)
 

Benutzer32178 

Verbringt hier viel Zeit
Was mich mal interessieren würde: Verdienen Friedhofsgärtner wirklich so viel, wie immer gesagt wird?
wie sagt man den immer? :tongue:

wenn du dann noch ein entsprechendes äußeres hättest, dann würde das sicherlich mal einen schiefen Blick ernten.

in wie fern? kleidungs mäsig?

dauerhafte Konfrontation mit dem Tod und den damit verbundenen Umgang mit trauernden Menschen

sollange man die leute nicht kennt kann man abstand wahren. mann darf das alles nicht zusehr an sich ran lassen.

ich hab im november die urne meines onkels beigesetzt, war selber trauergast auf dem friedhof, das ist vom ablauf her der gleiche wie schon huntertemale zuvor (nach der trauerfeier zur urne gehn, sie zum grab tragen, beisetzen), aber im kopf ist es ganz was anderes. plötzlich hat man einen bezug zudem, den man da zum grab bringt.


doch sehr interessant die meinungen. der eine sieht´s neutral, der andere würdigt dieses tätigkeit.
 

Benutzer87573 

Sehr bekannt hier
meine frage an euch, wie steht ihr meinem beruf, dem totengräber, gegenüber?
Ist ein Beruf, wie jeder andere Beruf auch. Ich fände es höchstens interessant, wie man dazu kommt und was man tatsächlcih so bei dem Beruf macht. Ich hab da keine ganz genaue Vorstellung von.

würdet ihr mir aufgrund meines berufes nicht mehr die hand geben?
Natürlich würde ich dir trotzdem die Hand geben. Sonst dürfte man auch keinem Arzt, Tierarzt oder Bestatter die Hand geben.

oder dürfte ich in eurer gegenwart nichts über auf der arbeit erlebtes reden?
Doch, klar.
 
V

Benutzer

Gast
Na ja, der Tod ist einfach etwas, das häufig tabuisiert wird.
Niemand spricht gerne über den Tod, viele Menschen tun was dafür damit sie lange gesund bleiben, die Medizin schreitet auch immer weiter voran und sorgt dafür, dass die Menschen länger leben dürfen.
Und wer von außen nicht mehr ganz frisch und "lebendig" aussieht (sprich: Wenn man Falten bekommt, wenn die Haut an Elastizität verliert, wenn man Haarausfall bekommt, etc.), der legt sich immer häufiger unters Messer, um wieder jung und "frisch" auszusehen.
In unserem Kulturkreis wird der Tot häufig als etwas Leidbringendes angesehen (das ist in anderen Kulturkreisen z.T. anders).
Darum wirst du wohl auch manchmal auf Ablehnung stoßen.

Ich habe großen Respekt vor deinem Beruf, auch wenn Friedhöfe nicht gerade zu meinen Lieblingsaufenthaltsorten gehören. Aber ich verbinde Friedhöfe halt auch nur mit dem Tod lieber Menschen, ich betrete Friedhöfe ja sonst nicht oder nur selten, das ist ja in deinem Fall anders.
 

Benutzer53592 

Planet-Liebe ist Startseite
Ich denke, dass ein übermäßiger Respekt oder eine Abneigung bezüglich bestimmter Berufe daherrührt, weil man "spezielle" Jobs einfach nicht selber machen möchte bzw. froh ist, ihn nicht ausüben zu müssen.
Und gewisse Vorurteile spielen in so manchen Köpfen wohl auch eine Rolle...

Würde ich dich jetzt nicht kennen und du mir erzählen, dass du Friedhofsgärtner bist und auch bei Beerdigungen eine wichtige Funktion besitzt, dann dürfte dir meine Neugierde gewiss sein und ich würde dich von hinten bis vorne mit Fragen bombardieren.
Ganz sicher könnten wir prima über Grabbepflanzung oder über die Parkanlagen fachsimpeln, denn ich bin selber eine ambitionierte und begeisternde Hobbygärtnerin.
Außerdem faszinieren mich Friedhöfe allgemein...sie wirken auf mich total beruhigend, sind meist Oasen der Stille und sobald ich nur an einen vorbeikomme und Zeit besitze, wird er von mir besucht.

Ich finde es nur wichtig, dass jemand zu seinem Beruf steht und ihn mit Freude ausübt...und in der heutigen Zeit sollte man sich 3x überlegen, ob man über jemanden die Nase rümpft, der einen sicheren und gutbezahlten Job besitzt.
 

Benutzer32178 

Verbringt hier viel Zeit
Ich fände es höchstens interessant, wie man dazu kommt und was man tatsächlcih so bei dem Beruf macht.

dazu gekommen bin ich weil ich bei der stadt eine ausbildung zum landschaftsgärtner machte. dan arbeitete ich auf dem grünflächenamt und irgendwann fragte mich der chef ob ich den lust hätte auf den friedhof zu wechseln, weil eine stelle frei wurde.

die vorteile lagen für mich klar auf der hand, eigenes werkzeug und maschinen, selbstständiges und selbst organisiertes arbeiten, eigene sozial und sanitär räumlichkeiten,genau das was ich wollte.

hab es dann probiert ob ich mit den toten, hinterblibenen und geschehnissen umgehn kann und kam zu dem entschluss das ich vorerst dort bleiben möchte. kann aber zu jeder zeit wider vom friedhof weg, wen ich es nicht mehr ertragen könnte.

was meinen aufgaben bereich betrifft habe ich ja oben schon im groben beschrieben.

Außerdem faszinieren mich Friedhöfe allgemein...sie wirken auf mich total beruhigend, sind meist Oasen der Stille und sobald ich nur an einen vorbeikomme und Zeit besitze, wird er von mir besucht.

geht mir genauso


wen sich jemand eine frage aufwirft darf er sie gern stellen, ich stehe gern rede und antwort.
 
D

Benutzer

Gast
BrooklynBridge;5843259 schrieb:
Es gab hier übrigens vor vielleicht einem Jahr oder so mal einen Thread, wo jemand sich ähnliche Gedanken über den Beruf des Schlachters gemacht hat, und ich muss sagen: Ich könnte mir deutlich mehr Gründe vorstellen, warum jemand schlecht über Schlachter denken könnte, als über einen Friedhofsgärtner.

Off-Topic:
https://www.planet-liebe.com/forum/showthread.php?t=193520

vom 03. Oktober 2007, 17:17 Uhr

DEN habe ich noch in meinem Abo, letztes Jahr hatte ich mal eine sehr lange Antwort verfasst, lieder wurde der Thread gesperrt, währen ich schrieb.

Ich bin mit grade 15 gewordenen Jährchen in die Lehre gegangen und habe die auch abgeschlossen. Der Beruf nannte sich "Fleischer - produktionsbetont"...........Also, sei mal ganz ruhig....Mit dem Wetzstahl kann ich noch umgehen....:grin: - Den Begriff "Schlachter" für Metzger/Fleischer kenne ich nur aus Norddeutschland (oder auch butcher auf Platt) - Das Einzige, was ein "Schimpfwort" ist, weil das früher ganz rauhe Gesellen waren, ist "Kopfschlächter"....)


Also für mich ist JEDER Beruf oder eine Tätigkeit etwas völlig "Normales" und auch wichtig, Menschen verdienen dadurch ehrlich ihr Geld, mehr nicht. Natürlich haben die Berufe sich gewandelt, ein Pförtner bleibt einer, auch wenn er nun "Security oder Werkschutz" heisst, Maler und Anstreicher, Friedhofsgärtner oder Krankenschwester....Nur die Bezeichnungen haben sich geändert, die Arbeit an sich sich aber nicht.

Es gibt viele sehr interressante Berufe, da höre ich gerne zu um was zu lernen! Auch von dem des "Totengräbers". :zwinker:
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Off-Topic:
donmartin;5843630 schrieb:
Off-Topic:
https://www.planet-liebe.com/forum/showthread.php?t=193520

vom 03. Oktober 2007, 17:17 Uhr

DEN habe ich noch in meinem Abo, letztes Jahr hatte ich mal eine sehr lange Antwort verfasst, lieder wurde der Thread gesperrt, währen ich schrieb.
Die Botschaft seh ich wohl, allein mir fehlt der Glaube :ratlos:. 2007 war ich noch gar nicht hier, und der letzte Beitrag in diesem Thread war ebenfalls 2007... aber es ist genau der Thread, den ich meine... gab es den vielleicht zweimal? Komisch... ihr seht mich verwirrt :confused:.
 

Benutzer24126  (34)

Meistens hier zu finden
Also würde ich dich irgendwo kennenlernen würde ich dich erstmal ausfragen.
Ich finde schon das der Beruf aussergewöhnlich ist, jedenfalls nicht so normal wie Bürokraft oder Bauarbeiter.
Abschrecken würde es mich gar nicht. Ich finde es nur interessant.
 

Benutzer98230 

Öfters im Forum
Auch ob du "Totengräber" oder "Friedhofsgärtner" sagst, das erste klingt halt schon ein wenig morbide, wenn du dann noch ein entsprechendes äußeres hättest, dann würde das sicherlich mal einen schiefen Blick ernten.

Ich stelle mir gerade den Klischee-Totengräber aus dem Western vor, der schon mal die Maße des neuangekommenen Fremden nimmt und mit bleicher Miene auf Vorauszahlung besteht. :grin:
 

Benutzer65590 

Beiträge füllen Bücher
Totengräber ist von je her ein verfemter, tabuisierter Beruf. So wie die meisten Gewerbe, die etwas mit Tod oder dem menschlichen Körper zu tun hatten und haben: Schlachter, Abdecker, Henker, Totengräber, Bader (Chirurgen, Zahnärzte), Prostituierte. Die meisten dieser Tätigkeiten sind heute noch nicht in der bürgerlichen Gesellschaft angekommen - wenn auch das religiöse Tabu gefallen ist, das soziale, die menschliche Urscheu bleibt doch erhalten.

Das ist zum Teil menschlich, aber heute sicher überkommen. Natürlich ist die Tätigkeit des Tötengräber objektiv betrachtet sowohl nützlich als auch sozial extrem verträglich. Allerdings sind die Arbeitsumstände in der Tat außergewöhnlich, mögen bei sensibleren Naturen Abscheu, bei anderen Neugierde wecken.

Ich persönlich finde den Beruf jetzt nicht außergewöhnlich interessant, würde ihn auch selber nicht machen wollen, aber ich respektiere in der Branche Beschäftigte ebenso wie jeden anderen Arbeitnehmer, der (mehr oder weniger?) freiwillig einen unbequemen, aber notwendigen und nützlichen Beruf ausübt.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren