Fernbeziehung steht vor der Tür

Benutzer93712 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo allerseits,

in zwei Wochen werde ich aus meiner/unserer Heimatstadt 450km weit weg ins tiefste Bayern ziehen, um dort zu studieren. Mein Freund ist Mitte zwanzig, wohnt noch zuhause, hat gerade sein Studium abgeschlossen, ist momentan auf Jobsuche und will bald ausziehen. Wir sind seit 14 Monaten zusammen und absolut glücklich miteinander.:herz:
Da ich erst sehen will, ob der Studiengang wirklich meinen Vorstellungen entsprich, hatten wir geplant, dass er für mindestens ein Semester in unserer Heimatstadt bzw der Umgebung bleibt. Es hätte schließlich wenig Sinn gemacht, wenn er wegen mir quer durch Deutschland zieht und ich nach 6 Monaten festelle, dass es mir dort doch nicht gefällt... Mein Freund ist also momentan fest dazu entschlossen, langfristig gesehen für mich alles zurück zu lassen (sofern er in meiner Studienstadt einen Job findet). Obwohl die Fernbeziehung also irgendwan ein Ende hätte, sind wir momentan beide total entsetzt ob der Tatsache, dass uns in zwei Wochen statt 5 Minuten 5 Stunden trennen werden. :cry:
In der Theorie klang das alles gar nicht so schlimm: Ich will einmal im Monat heimkommen und er einmal im Monat zu mir fahren, sodass wir uns wenn es aufgeht alle zwei Wochen für ein Wochenende sehen. Telefonieren/Skypen kann man ja trotzdem jeden Tag. Wir waren zwar auch schon durch Urlaube ohne den jeweils anderen mal fast drei Wochen getrennt (und hatten wenig Kontakt) aber das war eben kein Dauerzustand.
Keiner von uns zweifelt grundsätzlich an der Beziehung oder denkt momentan daran wegen der Fernbeziehung Schluss zu machen. Was würde es auch bringen, Schluss zu machen, obwohl man sich liebt? Trotzdem (und hoffentlich auch verständlicherweise) bekommen wir beide regelmäßig die Krise, wenn bei mir zuhause das Thema Studium, Wohnung, Auszug etc zur Sprache kommt.:geknickt:
Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, dort zu Studieren. Das war meine Wunschuni und ich bin obwohl ich ihn über alles Liebe der Meinung, dass ich meine Zukunft bzw meinen Karrierewunsch beibehalten soll, zumal es den Studiengang nur dort so gibt. Eigentlich ist das Problem also "selbstgemacht", wie mir von vielen Menschen in meinem Umkreis immer wieder gesagt wird. Aber ist es so falsch, das trotz Beziehung durch zu ziehen? Angenommen wir bleiben nicht für immer zusammen, würde ich es wahrscheinlich bereuen, meinen Traum nicht verwirklicht zu haben, oder?
Warum ich das hier eigentlich aufschreibe? Ich musste mir das alles mal von der Seele schreiben und da es hier im Forum ja offensichtlich genug Menschen gibt, die Erfahrung mit Fernbeziehungen haben, hoffe ich ein Paar Tipps zu bekommen. :smile: In meinem Freundeskreis stoße ich leider auf eher wenig Verständnis (Reaktionen ala: Selbst Schuld)
Wie geht man am besten damit um, wenn man plötzlich von sich fast täglich zu sehen auf max. einmal alle zwei Wochen umschalten muss? Wie behält man die Nähe bei, obowhl man so weit weg ist? Wieviel Kontakt ist zu viel? ...:smile:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Hi,

ich kann Dir zwar absolut Nichts zum Thema Fernbeziehung sagen, aber ich bin mir sicher, daß Du da noch genügend Meinungen zu bekommen wirst, da hier viele "Betroffene" aktiv sind.

Was ich Dir aber sagen kann, ist, daß ich Deine Meinung völlig richtig finde. Und zwar auch aus genau den Gründen, die Du anführst.
Ich gehe davon aus, daß Du so um die 20 bist. Ich kenne keine Statistik, aber ich würde tippen, daß mindestens 90% aller Beziehungen, die man in dem Alter führt, nicht das nächste Lebens-Jahrzehnt erreichen. Ich denke auch, daß Du damit ein gesundes Maß an Egoismus zeigst (was eben nicht bedeutet, daß Du deswegen eine Egoistin bist!), aber eben auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung.
Sch... auf Deine seltsamen "Freunde", v.A., da ja Dein Freund hinter Dir und dem, was Du vorhast, steht.
Zieh das durch, so schwer es evenuell die Beziehung belastet (was ja gar nicht mal sein muß, denn Dein Freund unterstützt Dich ja!). Aber es ist eine Entscheidung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit den Rest Deines Lebens bestimmen wird.

Ich wünsch Dir und Euch alles Gute!
Mark11
 

Benutzer99591 

Öfters im Forum
Oh ja, das kommt mir alles bekannt vor.
Wir leben seit 3 Jahren in einer Fernbeziehung und auch ich bin nicht bereit meine berufliche Zukunft so ohne weiteres auf Spiel zusetzen. In meinem Umfeld gehen irgendwie alle davon aus, dass ich zu ihm ziehen werde. Aber das werde ich vor erst nicht tun, weil ich einfach das Gefühl habe, es wäre falsch.
Ihr habt ja schon recht konkrete Pläne, die sich auch realistisch anhören. Ihr müsst also "nur" die paar Monate oder das Jahr überstehen und habt ein Ziel vor Augen. Klar, hört es sich erst einmal lang an, aber irgendwie vergeht die Zeit doch. Die Umstellung ist erst einmal nicht einfach, aber wenn du anfängst zu studieren, gibt es für dich sicher auch viel zu tun und neues zu entdecken, da vergeht die Zeit gleich noch ein bisschen schneller.
Hab ein bisschen Mut und vertraue in deine Entscheidung.
 
V

Benutzer

Gast
Das Positive an einer Fernbeziehung ist doch, dass man sich viel mehr vermisst, aufeinander freut und wenn du mal genau überlegst: Ihr habt euch eine ganze Menge zu erzählen, weil für euch beide ein neuer, ganz wichtiger Lebensabschnitt beginnt. Ich finde auch, dass es zum Erwachsenwerden dazugehört, neue Erfahrungen zu sammeln und daran zu wachsen. Natürlich wird es anfangs sehr schwer, aber ich denke, dass ihr sehr stolz auf euch sein könnt, dass ihr erstmal diesen Schritt gehen wollt und eure Beziehung so gefestigt ist, dass ihr denkt, dass ihr das durchziehen könnt und weiterhin wenn die Fernbeziehung ein Ende hat. Ihr und auch die Beziehung wird daran wachsen.
 

Benutzer70315  (32)

Beiträge füllen Bücher
Zunächst mal: Du bist NICHT selbst schuld dran, dass du, um deinen Traum zu verwirklichen, in eine andere Stadt ziehst. Es ist genau genommen sogar eine viel bessere Lösung, denn du wirst definitiv bereuen, wenn du da bleibst und man könnte den Faden noch weiter spinnen: Würde es dann nicht sogar irgendwann die Beziehung noch negativer treffen, als wenn du jetzt dir die Freiheit nimmst, um auszutesten, wie es wohl ist.

Eine Fernbeziehung, ohne Frage und da bin ich ehrlich, könnte ich mir grad auch kaum vorstellen. Dennoch, es ist machbar und denk dir einfach, das haben schon viele andere geschafft. Nicht die Entfernung ist nämlich der Genickbrecher, sondern die Gefahr, irgendwann misstrauisch zu werden oder sich auseinander zu leben. Aber wenn er dem gewachsen seid, dann steht dem Weiterführen eurer Beziehung nichts mehr in Wege.

Und wenn ihr erstmal nur ein Semester abwarten wollt, dann sind das keine 6 Monate. Sondern eigentlich nur 3, plus Prüfungen, die sich bis in die Ferien reinziehen können. Das schöne am Studentenleben sind doch definitiv die laangen Semesterferien.
Natürlich wird es hart werden, aber es nützt dann, in kleinen Schritten zu denken. Bis zum nächsten Treffen. Zudem wirst du (das kann ich mit Sicherheit sagen) durch die neue Erfahrung, die das Studium mit sich bringt, oft abgelenkt sein und hast zudem deinem Freund viel zu erzählen . Ich glaube, auf diese Erfahrung und diesen neuen Abschnitt kannst du dich jetzt schon freuen. Dein Freund kennt da ja sicherlich aus eigener Erfahrung.

Und noch etwas: Lass dir deinen Traum von deinem Freundeskreis nicht madig reden. Ich würde mir jedenfalls nicht sagen lassen, dass ich "selbst schuld" sei. Selbst schuld sind sie eigentlich selbst, weil sie da bleiben.
 

Benutzer78878 

Verbringt hier viel Zeit
Wirklich Tipps geben kann ich dir zu dem Thema nicht, aber da ich in ca. einem Jahr in derselben Situation sein werde, möchte ich auch ein bisschen dazu schreiben.

Wie es schon einige Male gesagt wurde: Dein Entscheidung ist absolut vernünftig, ebenso wie deine Gründe! Was bringt es denn, wenn du jetzt bei deinem Freund bleibst, die Beziehung eventuell zerbricht - man weiß ja nie! - und du dann bereust, diesen Schritt nicht getan zu haben? Nein, das fände ich wirklich unvernünftig.

Klar sind Fernbeziehungen nicht einfach, aber eben auch nicht unmöglich. Ich finde, solange es sich um einen einigermaßen überschaubaren Rahmen handelt, so wie bei dir die 6 Monate oder eben das eine Jahr bei uns, lässt sich das sicherlich aushalten. Man hat dann ja eine bestimmte "Deadline", zu der es dann vorbei ist. Und heutzutage gibt es ja Internet und Skype, sodass man immer in Kontakt bleiben kann.

Hauptsache, ihr beide seid überzeugt von eurer Entscheidung und lasst euch nicht reinreden. Ich bin da optimistisch und sage, gute Beziehungen überleben auch mal eine räumliche Trennung. :smile:
 

Benutzer100759 

Sehr bekannt hier
Off-Topic:
Ich weiß ja nicht wie schlecht das Eisenbahnnetz in Deutschland ist, aber 450km scheinen mir jetzt nicht die Welt. Das sind bei uns gerade mal 3 Stunden Zugfahrt max, da wären sogar wöchentliche Besuche bewältigbar.


Was ich kurz rausgreifen möchte:

Ich persönlich halte nicht viel von hättiwäri. Ich glaube auch nicht, daß frau alle Eventualitäten absichern kann.

Ja, es ist sehr gut möglich, daß wenn Du auf Deinen Wunsch verzichtetest, eure Beziehung später irgendwann auseinander ginge - und Du Dich dann dafür verdammen würdest, den Sprung nicht gemacht zu haben.

Ja, es wäre genauso gut möglich, daß eure Beziehung die Distanz nicht aushielte und zerbräche, und Du dann damit hadertest, den "Mann Deines Lebens" (bewußt in Hochkomma) verloren zu haben.

Es gibt einfach im Leben immer wieder Situationen, da muß frau springen, sich entscheiden, und dann zu der Entscheidung stehen. Das kann Dir weder Freundeskreis noch Forum abnehmen. Darum solltest Du Dir da auch nicht von Freunden oder von uns :zwinker: dreinreden lassen.

---

Einen ultimativ gültigen Rat zu Fernbeziehungen kann frau Dir nicht geben. Menschen sind individuell gestrickt; da müssen alle ihren Frieden selber machen. Es gibt Menschen, die können sich damit wohl recht gut arrangieren - und es gibt solche, die können es wohl nicht. Ich persönlich könnte es nicht.

Und das:

Es hätte schließlich wenig Sinn gemacht, wenn er wegen mir quer durch Deutschland zieht und ich nach 6 Monaten festelle, dass es mir dort doch nicht gefällt... Mein Freund ist also momentan fest dazu entschlossen, langfristig gesehen für mich alles zurück zu lassen (sofern er in meiner Studienstadt einen Job findet). Obwohl die Fernbeziehung also irgendwan ein Ende hätte

wäre mir mit Verlaub einfach eine zu unsichere Perspektive, um meiner Beziehung dann groß Chancen auf die Ferne zu geben. Ich würde da, wenn ich mich zu einer Fernbeziehung entschlösse, wohl versuchen, innerlich schon so weit als möglich abzuschließen.
 

Benutzer48617 

Meistens hier zu finden
Ich war vor knapp 2 Monaten in so ziemlich der gleichen Situation wie du. Mein Freund ist jobbedingt 500km nach Bayern gezogen, ich muss jobbedingt noch ein Jahr hier bleiben. Und das ganze mehr oder weniger von heute auf morgen (wir hatten etwa 1-2 Wochen, bevor er umgezogen ist). Es war ein Schock! Ich weiß also genau, wie ihr euch jetzt fühlt.

Und ich sag ganz ehrlich: Die erste Zeit ist echt scheiße. Ich hab beinahe täglich meine Mutter angerufen und mich bei ihr ausgeheult, manchmal mehrmals. Versucht, meinem Freund nicht unbedingt alles zu zeigen, schließlich will ich's ihm ja auch nicht zu schwer machen.

Aber: Es geht vorbei. Die erste Woche war beschissen, die zweite ging und danach wurde es immer einfacher. Ich vermisse ihn immer noch, klar, trotz täglichem Skypen und etwa zweiwöchigem Sehen. Aber es ist auch bei uns eine Sache auf Zeit - und immer, wenn ich ein Blatt in meinem Kalender umlegen kann, freue ich mich, dass wieder ein Monat um ist.

Bleibe deinem Traum treu und glaube daran, dass der Liebeskummer erträglich wird. Angenehm wird es nie und wahrscheinlich gibt es immer wieder schwere Zeiten, wo man den Partner noch mehr vermisst - aber dann muss man sich sagen: Es geht vorbei. Und in 10 Tagen seh ich ihn ja schon wieder. Und dann sind es nur noch 10 Monate und zwei Wochen, bis die Zeit der Trennung vorbei ist.



Off-Topic:
Off-Topic:
Ich weiß ja nicht wie schlecht das Eisenbahnnetz in Deutschland ist, aber 450km scheinen mir jetzt nicht die Welt. Das sind bei uns gerade mal 3 Stunden Zugfahrt max, da wären sogar wöchentliche Besuche bewältigbar.

Das ist auch eine Sache des Geldes. So eine Zugfahrt ist teuer und nicht jeder kann sie sich wöchentlich leisten. Abgesehen davon, dass eine Reise immer Stress bedeutet und das Wochenende erheblich darunter leidet.
 

Benutzer18329 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo!

Auch ich bin seit Anfang September in der gleichen Situation wie du, nur eben ohne Aussicht auf Änderung. Also irgendwann werden wir schon wieder zusammen ziehen, sonst kann man die Beziehung ja vergessen, aber wann das sein wird, wissen wir auch noch nicht so genau.
Also bei mir geht es erstaundlich gut. Wir haben eigentlich jeden Tag Kontakt via Telefon oder Skype, von dem her geht das schon. Da wir ja eh beide arbeiten, würde sich das sehen auf die Nacht beschränken, weil unsere Arbeitszeiten davor nicht ganz so kompatibel waren. Von dem her ist es auch nicht so viel anders, außer dass eben die körperliche Nähe fehlt.
Wir versuchen uns eigentlich jede Woche zu sehen. Es sind halt immer 5 Stunden und mehr Zugfahrt. Aber ich sehe das momentan nicht so dramatisch, da man die Zeit auch sinnvoll nutzen kann und sofern die Bahn fährt, ist das auch ganz ok. Blöd wirds halt, wenn die mal wieder ihre Züge nicht richtig gebacken bekommen. Bin mal gespannt, was man da noch so alles erlebt.
Momentan ist es so, dass das erste Sehen am Wochenende schon ausgefallen ist, weil sie ins Ausland musste. Aber das geht auch. Immerhin gibts da auch Skype. Wie war das denn früher so? Da gabs das alles nicht und es ging auch.
Wünsch euch auf jeden Fall alles Gute! Wenn beide es wollen klappt es auf jeden Fall!

Liebe Grüße,
Maierkurt
 
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