Feminismus

Benutzer79932 

Verbringt hier viel Zeit
ich stelle mir ein leben als "hausfrau und mutter" ehrlich gesagt sehr trist vor... und die frauen, die ich kenne und die schon seit 30 jahren so leben wirken auf mich auch nicht sonderlcih erfüllt, und das einzige, was sie zu erzählen haben, sind irgendwelche tratschgeschichten aus der nachbarschaft^^ naja, muss ja bei dir nicht so sein :smile:

Meine Mutter ist, wie erwähnt, wirklich eine richtige "Mama". Sie liebt Kinder und wusste schon von klein auf, dass sie welche wollte, wurde auch Kinderkrankenschwester etc. Und als wir klein waren, wäre es für sie nicht in Frage gekommen, auch nur Teilzeit zu arbeiten. Aber: selbst sie sagt heute, dass sie, wenn sie nochmals die Wahl hätte, nach 5, 6 Jahren in Betracht ziehen würde, wieder einen Teilzeitjob anzunehmen. Grade jetzt, da wir alle schon längst ausgezogen sind, mein Vater aber noch Vollzeit arbeitet, hat sie eigentlich kaum noch jemanden. Sie ist wirklich ein echtes "Muttertier" - aber ich sage mir halt immer, wenn schon sie sagt, dass sie es heute anders machen würde, dann glaube ich einfach nicht, dass ein Grossteil der Frauen mit dieser reinen Mutterrolle auf 20, 30 Jahre hinaus wirklich abschliessend zufrieden sind. Ich glaube, die wenigsten sind "Muttertiere" - viele rutschen da rein, kriegen halt Kinder, wollen ein paar Jahre zu Hause bleiben (was ich durchaus verstehen kann), aber dann ist es halt irgendwann vorbei, schneller, als einem lieb ist, und nen Job kriegt man nicht mehr. Auch keinen auf Teilzeitbasis. Oder höchstens einen, der weit unter den eigenen Qualifikationen liegt. Und was macht man dann die nächsten 50 Jahre? Ich meine, Kinder bleiben auch nicht ewig zu Hause, ab spätestens Mitte Pubertät oder so brauchen sie ihre Eltern auch nur noch bedingt. Na gut, dann bin ich 45 oder so und habe noch 40 Jahre Leben vor mir - und was dann? Nein, ich kann mir das wirklich nicht vorstellen.

Und sind Frauen wirklich entweder "Karriereweiber" oder "Mutter/Hausfrau"? Das ist doch arg vereinfacht. Warum sollte nicht beides gehen? Ich finde das schade. Anderswo klappt es auch und es ist noch nicht einmal ein Diskussionsthema. Übrigens unter anderem auch in Ländern, in denen es man nie für möglich halten würde...
 

Benutzer6874  (35)

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Und sind Frauen wirklich entweder "Karriereweiber" oder "Mutter/Hausfrau"? Das ist doch arg vereinfacht. Warum sollte nicht beides gehen? Ich finde das schade. Anderswo klappt es auch und es ist noch nicht einmal ein Diskussionsthema. Übrigens unter anderem auch in Ländern, in denen es man nie für möglich halten würde...

Unsere Mam hat den Vorteil dass sie einen Beruf hat, bei dem sie ihr Pensum selber bestimmen kann (Musiklehrerin). Was bei ihtrer Berufstätigkeit zu kurz kommt warn NIE wir Kinder, sondern vielleicht der Haushalt. Aber es ist nie etwas definitiv kaputt gegangen und wir kriegten immer was zu essen. Wir haben aber auch im Haushalt mit geholfen.

Als Babysitter habe ich übrigens eine ganze Menge von "Familienmodellen" aus der Nähe erlebt. Dabei habe ich eine überraschende Erfahrung gemacht, nämlich dass vTeilzeit berufstätige Mütter neben Haushalt und Beruf mehr Initiative für andere Tätigkeiten entwickelten als die meisten Nur-Hausfrauen!
 

Benutzer15054 

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Da wären wir aber wieder beim Thema biologisch-körperliche Unterschiede... Wie gesagt, ich kann von mir aus auch Maurerin werden, aber bis ich ein Haus fertig hätte, hätte ein Mann schon fünf gebaut :grin:

Also ich kann kein Haus bauen. Ich frage mich, wie du auf die Idee kommst, JEDER Mann könne ein Haus schneller bauen als eine Frau.

Nun, wie mans nimmt. Die meisten haben doch Kinder, weil sie Kinder als Paar möchten. Warum also muss die Frau nachher alles aufgeben, obwohl sie das vielleicht gar nicht will respektive warum werden keine Alternativen geboten und warum kommt kaum ein Mann auf die Idee, sich auch zurückzunehmen?

Wobei?
 

Benutzer6874  (35)

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Bei der Karriere.

Aber dann müsste es auch Teilzeitbeschäftigungen geben, die entwicklungsfähig sind. Meistens ist es so, dass der Mann mehr verdient, und wenn dann die Frau aussteigt, resultiert für den Haushalt ein höheres Einkommen als wenn beide Teilzeit arbeiten.
Das höchste Amt in unserem Land (Bundesrat) ist z.B.ein Vollzeit-Job. Undenkbar, dass sich ein Ehepaar darin teilt! So ist es mit vielen Kaderstellen auch.
 

Benutzer48909 

Meistens hier zu finden
ich stelle mir ein leben als "hausfrau und mutter" ehrlich gesagt sehr trist vor... und die frauen, die ich kenne und die schon seit 30 jahren so leben wirken auf mich auch nicht sonderlcih erfüllt, und das einzige, was sie zu erzählen haben, sind irgendwelche tratschgeschichten aus der nachbarschaft^^

Vielleicht ist das für dich kein erfülltes Leben, aber es mag Leute geben, denen das absolut ausreicht. Was ein erfülltes Leben ist entscheidet doch jeder für sich selber. Woran machst du das fest, dass die kein erfülltes Leben haben?
 

Benutzer6874  (35)

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Woran machst du das fest, dass die kein erfülltes Leben haben?

Du hat nicht mich zitiert, ich sehe es auch nicht so allgemein.
Aber ich kann mir denken, was gemeint sein könnte.
Es gibt Nur-Hausfrauen unter den bekannten meiner Eltern, die erkenne ich daran, dass sie wenig Themen haben (Kinder, besonders wenn sie noch klein sind, Kochrezepte). Und wenn ihre Ehemänner dabei sind, haben sie überhaupt nichts mehr zu erzählen, oder dann beginnen sie jeden Satz: "Mein Mann..." Subjektiv haben sie sicher ein erfülltes Leben, aber andere Frauen machen mehr daraus.
 

Benutzer75854 

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Vielleicht ist das für dich kein erfülltes Leben, aber es mag Leute geben, denen das absolut ausreicht. Was ein erfülltes Leben ist entscheidet doch jeder für sich selber. Woran machst du das fest, dass die kein erfülltes Leben haben?

Wenn die kinder klein sind mag es ja noch ganz nett sein, jede sekunde ihres lebens zu verfolgen...
aber wenn sie dann in die pubertät kommen, ist der vollzeit-mama-job wohl nicht mehr ganz so befriedigend, wie er vorher war...
irgendwann ziehen die kinder dann aus, und was bleibt dann?
der haushalt? toll. der mann muss ja schließlich für zwei arbeiten, da wird er kaum viel zeit haben.

bei uns sind das oft die frauen, die als "tratschweiber" bekannt sind, weil sie eben nichts zu tun haben..
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich verfolge die Diskussion gerade mit sehr großem Interesse.

Obwohl Schmusekatze05 und Samaire zwar ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrem eigenen Leben haben, ist ihre Einstellung genau das, was ich unter wirklich förderlichen "Feminismus" verstehe.
Kein "Frauen müssen mit aller Gewalt Karriere machen und Frauen, die sich bewusst für Kinder und Familie entscheiden sind blöd" und auch nicht das krasse Gegenteil davon.

Allerdings glaube ich auch, dass es sehr schwer ist, einen Mittelweg zwischen Kindererziehung und Karriere zu finden.
Wie Schmusekatze05 sehe ich es auch so, dass sich auf jeden Fall ein Familienmitglied in den ersten Lebensjahren in Vollzeit um die Kinder kümmern sollte (und in der Stillzeit sollte das unbedingt die Mutter sein, danach kann es aber auch gerne der Mann machen). Man bekommt doch keine Kinder, um sie die meiste Zeit in einer Betreuungseinrichtung abzugeben, um sie nach irgendwelchen (nicht von den Eltern selbst festgelegten) Erziehungsmethode erziehen zu lassen.
Zumindest für mich ist es extrem wichtig, dass meine Kinder später von meiner Partnerin / Frau und mir gemeinsam erzogen werden und dass wir die Haupterziehungsarbeit leisten.
Ich möchte, dass meine Kinder einen Teil meiner Vorstellungen, Werte und Denkweisen in sich tragen und weiter verbreiten, auch wenn ich nicht mehr lebe.
Für mich wäre es völlig sinnlos, Kinder zu zeugen und sie dann nicht zu erziehen, sondern diese Aufgabe (die ich als die wichtigste Aufgabe für mich persönlich ansehe) an irgendeine andere Einrichtung oder sont etwas abgebe.

Das soll nicht heißen, dass ich etwas gegen (normale, halbtägige) Kindergärten habe und dass ich es schlecht finde, wenn der betreuende Elternteil nach einer Weile wieder halbtags und wenn die Kinder alt genug sind auch wieder Vollzeit arbeitet. Aber die Haupterziehungsarbeit, die insbesondere in den ersten Jahren stattfindet, kann meiner Meinung nach nur von den Eltern richtig geleistet werden.
 
S

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Obwohl Schmusekatze05 und Samaire zwar ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrem eigenen Leben haben, ist ihre Einstellung genau das, was ich unter wirklich förderlichen "Feminismus" verstehe.
Kein "Frauen müssen mit aller Gewalt Karriere machen und Frauen, die sich bewusst für Kinder und Familie entscheiden sind blöd" und auch nicht das krasse Gegenteil davon.

Wer den Begriff "Feminismus" auf Männerhass oder andere stupide Phrasen reduziert (oder überhaupt definiert), der sollte sich sowieso lieber nochmal genauer erkundigen, worum's überhaupt geht. Selbst Wikipedia bietet da einen kurzen Überblick. :zwinker:

Der Artikel passt zum Thema und spricht interessante Alltagsbeobachtungen an :grin:

"Emanzen waren früher gegen Penetration und haben heute keine Kinder. Emanzen haben immer schlechte Laune und schieben das aufs Patriarchat. Emanzen sind dagegen, heißt es. Deshalb muss man auch gegen Emanzen sein - oder sich zumindest von ihnen distanzieren. Frauen tun das besonders oft, das ist das große Ärgernis. Solche Frauen betonen, dass sie schon im Kindergarten nur mit Jungs gespielt haben, dass Büros mit hohem Damenanteil großes Divendrama garantieren - und sie sagen Ja-aber-Halbsätze wie diesen: "Ich bin ja keine Feministin, aber...", um dann ihre persönliche Benachteiligungen aufzuzählen." :grin: :engel:
 

Benutzer79932 

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Also ich kann kein Haus bauen. Ich frage mich, wie du auf die Idee kommst, JEDER Mann könne ein Haus schneller bauen als eine Frau.

Das war doch nur ein Beispiel, weil aufgeführt wurde, dass sich Feministen nicht dafür einsetzen, dass es mehr BauarbeiterINNEN gebe.

Ich kann natürlich auch kein Haus bauen. Ich kann auch sonst vieles nicht :grin:

Ich verfolge die Diskussion gerade mit sehr großem Interesse.

Obwohl Schmusekatze05 und Samaire zwar ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrem eigenen Leben haben, ist ihre Einstellung genau das, was ich unter wirklich förderlichen "Feminismus" verstehe.
Kein "Frauen müssen mit aller Gewalt Karriere machen und Frauen, die sich bewusst für Kinder und Familie entscheiden sind blöd" und auch nicht das krasse Gegenteil davon.

Ich nehme das mal als Kompliment :grin: und danke dafür :smile:

Ich finde es selbst interessant hier und freue mich, dass die Diskussion nicht ausartet :smile:

Allerdings glaube ich auch, dass es sehr schwer ist, einen Mittelweg zwischen Kindererziehung und Karriere zu finden.
Wie Schmusekatze05 sehe ich es auch so, dass sich auf jeden Fall ein Familienmitglied in den ersten Lebensjahren in Vollzeit um die Kinder kümmern sollte (und in der Stillzeit sollte das unbedingt die Mutter sein, danach kann es aber auch gerne der Mann machen). Man bekommt doch keine Kinder, um sie die meiste Zeit in einer Betreuungseinrichtung abzugeben, um sie nach irgendwelchen (nicht von den Eltern selbst festgelegten) Erziehungsmethode erziehen zu lassen.
Zumindest für mich ist es extrem wichtig, dass meine Kinder später von meiner Partnerin / Frau und mir gemeinsam erzogen werden und dass wir die Haupterziehungsarbeit leisten.
Ich möchte, dass meine Kinder einen Teil meiner Vorstellungen, Werte und Denkweisen in sich tragen und weiter verbreiten, auch wenn ich nicht mehr lebe.
Für mich wäre es völlig sinnlos, Kinder zu zeugen und sie dann nicht zu erziehen, sondern diese Aufgabe (die ich als die wichtigste Aufgabe für mich persönlich ansehe) an irgendeine andere Einrichtung oder sont etwas abgebe.

Das sehe ich grundsätzlich auch so. Genau daher fällt es mir persönlich ja auch so schwer, mich für Kinder zu entscheiden.

Ich habe aber weiter vorne etwas anderes eingeworfen: wie steht ihr, die der Meinung seid, dass sich Karriere und Kinderbetreuung nicht oder nicht befriedigend vereinbaren liessen, denn dazu, Kinder innerhalb der eigenen Familie quasi "fremd"betreuen zu lassen (zumindest "Teilzeit")? Jetzt vielleicht nicht im ersten Jahr oder so, aber danach. Würde mich mal interessieren :smile:

Und ich möchte noch etwas einwerfen. Wie ist es denn jetzt z.B. wenn das Einkommen eines Elternteils einfach nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren? Oder wie ist es, wenn der Mann einen deutlich schlechter bezahlten Job hat, als die Frau (kann ja mal vorkommen, selten, aber möglich)? Wäre es denn eine Option oder quasi akzeptiert, dass der Mann zu Hause bleibt und die Kinder betreut? Oder ist es trotzdem weiterhin "Aufgabe" der Frau?
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Also, dieses Argument, dass sich Feministinnen nicht dafür einsetzen, dass es mehr Müllfrauen, Bauarbeiterinnen etc. gibt, ist nach meiner Auffasssung ziemlich abstrus.

Feministinnen haben sich dafür eingesetzt, dass Frauen einen Beruf ergreifen dürfen, ohne dass ihr Ehemann einwilligen muss.

Feministinnen haben sich dafür eingesetzt, dass Gewalt auch in der Ehe unter Strafe gestellt wird.

Feministinnen setzen sich durchaus dafür ein, dass jede Frau, jeden Beruf ergreifen kann (auch klassische Männerberufe und damit Müllfrau, wenn sie das will), solange sie die Voraussetzungen dafür erfüllt (was ja auch bei Männern so sein sollte. Ich z.B. wäre als Bauarbeiter oder Zimmermann ziemlich ungeeignet).

Feministinnen setzen sich dafür ein, dass Frauen auch mit Macht ausgestattete Positionen einnehmen können (dazu gehört Müllfrau jedoch tatsächlich nicht....ist aber auch egal).

Feministinnen finden es in der Regel auch nicht gerade prickelnd, wenn Männer sich zu Tode malochen, nichts von ihren Kindern mitkriegen, sich allein für das Durchbringen der Familie verantwortlich fühlen (müssen) und mit 60 in der Kiste landen. Sie sind für "Gleichberechtigung" in Partnerschaften mit geteilten Lasten, Pflichten, Verantwortlichkeiten etc. aber auch Entscheidungsmöglichkeiten etc.

Also ich finde dieses "Feminismus"-Zerrbild, das manchmal gezeichnet wird, zum Teil richtig daneben. Klar, es gibt auch sowas wie "Salon-Feministinnen", deren Männer die Kohle ranschaffen, die sie dann gerne für Haute Couture ausgeben, und die nach der Shopping-Tour mit ihren Freundinnen im Cafe beim Latte Macchiato sitzen und ihr Schicksal der Benachteiligung beklagen. Das hat aber mit Feminismus nicht das geringste zu tun. Da ist mir jede Alice Schwarzer etc. aber tausendmal lieber.

Wie schon weiter oben gesagt, ich mag Feministinnen! Aber die "richtigen" ;-)...und die können und sollten auch durchaus offensiv vertreten, was sie wollen, bzw. was ihnen stinkt.

P.S. Was diese ganze Kinderkriegen und Bundeswehr-Diskussion mit Feminismus zu tun hat, erschließt sich mir ebenfalls nicht....das ist doch Pillepalle und nun wirklich nicht wirklich was, mit dem sich Feministinnen beschäftigen....dass nur Frauen Kinder bekommen können, weiß nämlich auch die radikalste Feministin.


Vielleicht nochmal kurz ein kleiner Hinweis, was "Feminismus" eigentlich ist (siehe Wikipedia):

Der Feminismus ist eine politische Bewegung mit dem Ziel, die Gleichwertigkeit, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit von Frauen, die Selbstbestimmung über deren Leben und ihren Körper zu erreichen. Er zielt auf eine Veränderung der Gesellschaft ab, in der die vom Feminismus analysierte geschlechtshierarchische Unterdrückung von Frauen nicht mehr vorkommt und die gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse durch Ebenbürtigkeiten geprägt sind....

Was kann daran falsch sein???
 

Benutzer4590 

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P.S. Was diese ganze Kinderkriegen und Bundeswehr-Diskussion mit Feminismus zu tun hat, erschließt sich mir ebenfalls nicht....das ist doch Pillepalle und nun wirklich nicht wirklich was, mit dem sich Feministinnen beschäftigen....dass nur Frauen Kinder bekommen können, weiß nämlich auch die radikalste Feministin.

Im Gegenteil, ich denke, diese Dinge sind eben die Diskussionsfelder unserer Zeit - die 'groben' Schlachten wurden von der Generation vor uns geschlagen, jetzt geht es an die Feinarbeit. Und gerade die Kinder-Thematik bzw. die Rolle der Frau dabei ist ein akuter Punkt und durchaus etwas, womit man sich als Feministin beschäftigen kann und sollte. Denn es geht dabei ja nicht darum, dass nur Frauen gebären können, sondern es geht darum, dass Kinder nach wie vor als 'Frauensache' gesehen werden. Klar kann eine Frau sich heute frei entscheiden, ob sie zuhause beim Kind bleibt, arbeiten geht oder Karriere und Kind vereinbaren will - aber der Punkt ist, dass diese Entscheidung eben immer noch als Sache der Frau angesehen wird. Wenn ein Paar Nachwuchs bekommt, ist es nicht der Mann, der sich fragt "wie schaffe ich es bloß, meinen Job und das Kind gleichzeitig zu schaukeln?"

Was Charlotte Roche angeht, sie mag zwar durchaus einige gute Ansichten haben, aber grundsätzlich würde ich sie doch in die Alphamädchen-Wohlfühl-"wir finden zwar Gleichberechtigung schon toll, aber eigentlich wollen wir hauptsächlich sexy und cool rüberkommen"-Ecke einordnen.
 

Benutzer79932 

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Im Gegenteil, ich denke, diese Dinge sind eben die Diskussionsfelder unserer Zeit - die 'groben' Schlachten wurden von der Generation vor uns geschlagen, jetzt geht es an die Feinarbeit. Und gerade die Kinder-Thematik bzw. die Rolle der Frau dabei ist ein akuter Punkt und durchaus etwas, womit man sich als Feministin beschäftigen kann und sollte. Denn es geht dabei ja nicht darum, dass nur Frauen gebären können, sondern es geht darum, dass Kinder nach wie vor als 'Frauensache' gesehen werden. Klar kann eine Frau sich heute frei entscheiden, ob sie zuhause beim Kind bleibt, arbeiten geht oder Karriere und Kind vereinbaren will - aber der Punkt ist, dass diese Entscheidung eben immer noch als Sache der Frau angesehen wird. Wenn ein Paar Nachwuchs bekommt, ist es nicht der Mann, der sich fragt "wie schaffe ich es bloß, meinen Job und das Kind gleichzeitig zu schaukeln?"

Ganz genau. Mit dem Unterschied, dass ich eben der Meinung bin, dass Frauen sich nicht ganz so frei entscheiden können. Und da setzt dann der Gedanke des Feminismus wieder an. Natürlich hängt Feminismus zu weiten Teilen an der ganzen Kinder/Beruffrage und allem, was damit einhergeht - oder eben nicht einhergeht. Gäbe es diesen biologischen Unterschied und die Folgen daraus nicht, glaube ich nicht, dass Frauen überhaupt je unterdrückt worden wären.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Im Gegenteil, ich denke, diese Dinge sind eben die Diskussionsfelder unserer Zeit - die 'groben' Schlachten wurden von der Generation vor uns geschlagen, jetzt geht es an die Feinarbeit. Und gerade die Kinder-Thematik bzw. die Rolle der Frau dabei ist ein akuter Punkt und durchaus etwas, womit man sich als Feministin beschäftigen kann und sollte. Denn es geht dabei ja nicht darum, dass nur Frauen gebären können, sondern es geht darum, dass Kinder nach wie vor als 'Frauensache' gesehen werden. Klar kann eine Frau sich heute frei entscheiden, ob sie zuhause beim Kind bleibt, arbeiten geht oder Karriere und Kind vereinbaren will - aber der Punkt ist, dass diese Entscheidung eben immer noch als Sache der Frau angesehen wird. Wenn ein Paar Nachwuchs bekommt, ist es nicht der Mann, der sich fragt "wie schaffe ich es bloß, meinen Job und das Kind gleichzeitig zu schaukeln?"

Da wurde ich aber ziemlich missverstanden. War vielleicht etwas knapp ausgedrückt. Natürlich hast Du Recht und die Frage, wie heutzutage mit dem "Kinderkriegen" umgegangen wird, ist eine zentrale Frage des heutigen Feminismus. Und ich stimme Dir auch zu, dass das Problem nur dadurch zu lösen ist, dass "Kinderkriegen" und wie man in der Partnerschaft damit umgeht, bzw. wie man das Berufliche und das Kind unter einen Hut bringt, nicht mehr allein das Problem der Frau sein kann. Sondern sich der Mann (gemeinsam mit der Frau) genauso fragen muss, was muss, kann (ab wann?) sich bei MIR ändern - auch bezüglich der Karriereplanung? Und da gehören dann natürlich auch die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen und auch ein Kulturwandel (z.B. in Betrieben etc.) dazu.

Was mich jedoch stört ist, dass bisweilen allein aus der Tatsache, dass nunmal die Frauen Kinder kriegen und auch nur Frauen stillen können, ein Argument GEGEN feministische Forderungen / Argumente konstruiert wird. Das ergibt für mich keinerlei Sinn. Wenn die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen passen und die die Partnerschaft wirklich "gleichberechtigt" gelebt wird, sollte es kein Problem sein, dass beide Partner - trotz Kinder - einen Weg finden, ihre Wünsche bzgl. beruflicher Entwicklung etc. so umzusetzen. Es müssen dabei halt BEIDE (vielleicht in unterschiedlichen Lebensphasen?) Kompromisse eingehen und auch mal um der Kinder Willen zurückstecken. Natürlich ist das heute häufig noch ein Problem. Aber genau deswegen ist der Feminismus ja auch heute noch wichtig.

Und natürlich sollte es auch möglich sein, dass ein Paar (wenn BEIDE das WIRKLICH so wünschen) die ganz traditionelle Rollenverteilung wählen (Mann schafft an, Frau kümmert sich um den Rest). Aber das birgt natürlich immer auch die Gefahr - worauf Feministinnen zu Recht hinweisen - dass die Frau materiell abhängig wird und sich auch ein traditionelles "Machtgefüge" wieder einstellt, das der Frau Selbstbestimmungsmöglichkeiten raubt. Wobei das natürlich nicht zwangsläufig der Fall sein muss...eh klar. Aber das ist auch heute noch recht oft zu beobachten.

Gäbe es diesen biologischen Unterschied und die Folgen daraus nicht, glaube ich nicht, dass Frauen überhaupt je unterdrückt worden wären.

ich denke mal, das dürfte ja wohl auch sonnenklar sein: Wenn es keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen - also keine Geschlechter gäbe - , hätte es natürlich auch nie Geschlechterdiskriminierung oder Frauenunterdrückung gegeben. Darüber gibts ja nix zu diskutieren ;-)
 

Benutzer79932 

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Da wurde ich aber ziemlich missverstanden. War vielleicht etwas knapp ausgedrückt. Natürlich hast Du Recht und die Frage, wie heutzutage mit dem "Kinderkriegen" umgegangen wird, ist eine zentrale Frage des heutigen Feminismus. Und ich stimme Dir auch zu, dass das Problem nur dadurch zu lösen ist, dass "Kinderkriegen" und wie man in der Partnerschaft damit umgeht, bzw. wie man das Berufliche und das Kind unter einen Hut bringt, nicht mehr allein das Problem der Frau sein kann. Sondern sich der Mann (gemeinsam mit der Frau) genauso fragen muss, was muss, kann (ab wann?) sich bei MIR ändern - auch bezüglich der Karriereplanung? Und da gehören dann natürlich auch die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen und auch ein Kulturwandel (z.B. in Betrieben etc.) dazu.

Was mich jedoch stört ist, dass bisweilen allein aus der Tatsache, dass nunmal die Frauen Kinder kriegen und auch nur Frauen stillen können, ein Argument GEGEN feministische Forderungen / Argumente konstruiert wird. Das ergibt für mich keinerlei Sinn. Wenn die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen passen und die die Partnerschaft wirklich "gleichberechtigt" gelebt wird, sollte es kein Problem sein, dass beide Partner - trotz Kinder - einen Weg finden, ihre Wünsche bzgl. beruflicher Entwicklung etc. so umzusetzen. Es müssen dabei halt BEIDE (vielleicht in unterschiedlichen Lebensphasen?) Kompromisse eingehen und auch mal um der Kinder Willen zurückstecken. Natürlich ist das heute häufig noch ein Problem. Aber genau deswegen ist der Feminismus ja auch heute noch wichtig.

Und natürlich sollte es auch möglich sein, dass ein Paar (wenn BEIDE das WIRKLICH so wünschen) die ganz traditionelle Rollenverteilung wählen (Mann schafft an, Frau kümmert sich um den Rest). Aber das birgt natürlich immer auch die Gefahr - worauf Feministinnen zu Recht hinweisen - dass die Frau materiell abhängig wird und sich auch ein traditionelles "Machtgefüge" wieder einstellt, das der Frau Selbstbestimmungsmöglichkeiten raubt. Wobei das natürlich nicht zwangsläufig der Fall sein muss...eh klar. Aber das ist auch heute noch recht oft zu beobachten.

:anbeten:
 

Benutzer29206  (37)

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Mein größtes Problem mit dem Feminismus ist die Sexualität bzw. die Art und Weise, wie das im Laufe der feministischen Debatten thematisiert wurde. Diese Debatten kommen aus einer Zeit, in der Machtstrukturen generell hinterfragt und abgelehnt wurden, nicht nur zwischen Mann und Frau ging es um Autorität und Unterdrückung. Leider hat sich der Diskurs in eine Richtung hin entwickelt, die alte Schlachten ständig wieder neu schlagen will oder sich an fast theologischen Diskussionen, über wie genau sexuelle Identität zu definieren ist, abreibt. So kann man zwar schon über zwanzig Jahre lang die "Porno ist Unterdrückung!"-Keule abstauben und sich nebenbei des Kreuzfeuers der Homosexuellen- bzw. Transgenderbewegungen in Büchern und Streitschriften erwehren, aber Zählbares kommt dabei wenig heraus und der so belebende Blick in die Zukunft findet auch nicht mehr statt.

Wo bleibt ein Entwurf für feministische Naturwissenschaft? Es gäbe von der noch immer nicht unproblematischen Verhütung über die Eigenheiten des weiblichen Körpers bis hin zur Deutungshoheit über die heute so populäre Neurologie wirklich genug Äcker, die bestellt werden müssen.
Wo ist die feministische Antwort auf die Globalisierung, die frauenpolitische Ansichten und Forderungen von "westlicher" Kultur entflechtet und so auch Gegenden dieser Erde zugänglich macht, die einfach ein anderes Vermittlungskonzept brauchen und es oft bitter nötig haben?

Aber zurück zur Sexualität. Dass der Zustand im Bett dem ausserhalb des Bettes nicht unähnlich sein wird, das haben die Frauen von damals begriffen, die die Sexualmoral für einen Spiegel der Frauenunterdrückung hielten. Leider folgte dem notwendigen Anprangern und Niederreissen hartnäckiger Vorurteile kein positive Vision, nur ein "mehr hiervon, weniger davon." Die Frage nach dem, was die Frau nun sei, wurde in dem Bewusstsein umgangen, dass man das ja nicht wissen könne, jeder Mensch und damit jede Frau sei zu individuell, um so etwas formulieren zu können. Umgekehrt konnte man das Männliche aber recht gut herunterbrechen auf Gewalt und Hierarchie. Nun: Wenn heute Frauen zumindest in Westeuropa Pornos drehen wollen, Analverkehr möchten oder sich überhaupt gerne in submissive sexuelle Rollen begeben, dann sollte ihnen dieses Wollen nicht abgesprochen werden. Heute ist jedwede Rolle, sei sie eine traditionelle oder nicht, ein Angebot und keine lebenslange Verpflichtung. Hier muss der Feminismus flexibler werden, sozusagen kundenorientierter: Wenn "Alphamädchen" es cool finden, "sexy" zu sein, dann muss die Bewegung damit umgehen können, statt nur weiter das zu tun, was vor dreißig Jahren cool war, nämlich unter großem analytischen Aufwand dagegen zu sein.
Sobald der Feminismus wieder am Puls der Zeit ist, kann er wieder ernstgenommen und begrüßt werden. Wenn er das nicht tut, wird er den Weg der Bauernbefreiung und der Arbeiterbewegung nehmen - ins Geschichtsbuch. Und das kann sich die Welt überhaupt nicht leisten.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Wer den Begriff "Feminismus" auf Männerhass oder andere stupide Phrasen reduziert (oder überhaupt definiert), der sollte sich sowieso lieber nochmal genauer erkundigen, worum's überhaupt geht. Selbst Wikipedia bietet da einen kurzen Überblick. :zwinker:
Ich reduziere Feminismus nicht auf Männerhass und andere stupide Phrasen.
Allerdings gibt es gewisse Auswüchse des Feminismus, die zu eben solchen Dingen führen, bzw. diese Dinge werden uns oftmals fälschlicherweise als Feminismus verkauft, so dass man auch solche Dinge mit Feminismus in Verbindung bringt.

Ich habe aber weiter vorne etwas anderes eingeworfen: wie steht ihr, die der Meinung seid, dass sich Karriere und Kinderbetreuung nicht oder nicht befriedigend vereinbaren liessen, denn dazu, Kinder innerhalb der eigenen Familie quasi "fremd"betreuen zu lassen (zumindest "Teilzeit")? Jetzt vielleicht nicht im ersten Jahr oder so, aber danach. Würde mich mal interessieren :smile:
Das kommt immer auf das Alter der Kinder an.
Bis ca. 2 Jahre halte ich Fremdbetreuung für unangebracht (mal abgesehen von kurzzeitiger Betreuung z.B. durch die Großeltern, wenn der Elternteil, der sich um die Kinder kümmert, gerade irgendwas erledigen muss oder wenn man sich krankheitsbedingt schlecht um das Kind kümmern kann)
Danach finde ich es schon OK... aber nur Halbtags (z.B. Kindergarten ab 3-4 Jahren).
Aber frühestens wenn die Kinder auf eien weiterführende Schule gehen, finde ich es OK, wenn beide Elternteile Vollzeit arbeiten.

Ausnahmen s.u.
Und ich möchte noch etwas einwerfen. Wie ist es denn jetzt z.B. wenn das Einkommen eines Elternteils einfach nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren? Oder wie ist es, wenn der Mann einen deutlich schlechter bezahlten Job hat, als die Frau (kann ja mal vorkommen, selten, aber möglich)? Wäre es denn eine Option oder quasi akzeptiert, dass der Mann zu Hause bleibt und die Kinder betreut? Oder ist es trotzdem weiterhin "Aufgabe" der Frau?
Es ist kein Problem, wenn sich der Mann um das Kind kümmert... Aber erst, wenn die Stillzeit vorbei ist. Davor sollte sich die Mutter unbedingt um das Kind kümmern (ich finde, man sollte dem Kind die wertvolle Muttermilch nicht vorenthalten).

Ich finde sogar, dass es "egal" ist, ob sich die Mutter oder der Vater um das Kind kümmert, so bald die Stillzeit vorbei ist.

Wenn das Einkommen eines Elternteils nicht ausreicht, muss man wohl oder übel einen Kompromiss finden...
Dann ist es notfalls auch möglich, dass der betreuende Elternteil schon früher wieder mit einem Halbtagsjob beginnt und evtl. auch schon etwas früher wieder Vollzeit arbeitet...
Aber auch hier sollte sich die Mutter wenigstens während der Stillzeit möglichst intensiv um ihr Kind kümmern können.
In den ersten Lebensjahren fände ich auch nur eine "Fremdbetreuung" durch Großeltern, o.ä. in Ordnung, aber keine Kinderkrippe, o.ä.

Wenn beide Eltern sofort wieder Vollzeit arbeiten müssen, halte ich Kinder einfach für unangebracht.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Mein größtes Problem mit dem Feminismus ist die Sexualität bzw. die Art und Weise, wie das im Laufe der feministischen Debatten thematisiert wurde. Diese Debatten kommen aus einer Zeit, in der Machtstrukturen generell hinterfragt und abgelehnt wurden, nicht nur zwischen Mann und Frau ging es um Autorität und Unterdrückung. Leider hat sich der Diskurs in eine Richtung hin entwickelt, die alte Schlachten ständig wieder neu schlagen will oder sich an fast theologischen Diskussionen, über wie genau sexuelle Identität zu definieren ist, abreibt. So kann man zwar schon über zwanzig Jahre lang die "Porno ist Unterdrückung!"-Keule abstauben und sich nebenbei des Kreuzfeuers der Homosexuellen- bzw. Transgenderbewegungen in Büchern und Streitschriften erwehren, aber Zählbares kommt dabei wenig heraus und der so belebende Blick in die Zukunft findet auch nicht mehr statt.

Wo bleibt ein Entwurf für feministische Naturwissenschaft? Es gäbe von der noch immer nicht unproblematischen Verhütung über die Eigenheiten des weiblichen Körpers bis hin zur Deutungshoheit über die heute so populäre Neurologie wirklich genug Äcker, die bestellt werden müssen.
Wo ist die feministische Antwort auf die Globalisierung, die frauenpolitische Ansichten und Forderungen von "westlicher" Kultur entflechtet und so auch Gegenden dieser Erde zugänglich macht, die einfach ein anderes Vermittlungskonzept brauchen und es oft bitter nötig haben?

Aber zurück zur Sexualität. Dass der Zustand im Bett dem ausserhalb des Bettes nicht unähnlich sein wird, das haben die Frauen von damals begriffen, die die Sexualmoral für einen Spiegel der Frauenunterdrückung hielten. Leider folgte dem notwendigen Anprangern und Niederreissen hartnäckiger Vorurteile kein positive Vision, nur ein "mehr hiervon, weniger davon." Die Frage nach dem, was die Frau nun sei, wurde in dem Bewusstsein umgangen, dass man das ja nicht wissen könne, jeder Mensch und damit jede Frau sei zu individuell, um so etwas formulieren zu können. Umgekehrt konnte man das Männliche aber recht gut herunterbrechen auf Gewalt und Hierarchie. Nun: Wenn heute Frauen zumindest in Westeuropa Pornos drehen wollen, Analverkehr möchten oder sich überhaupt gerne in submissive sexuelle Rollen begeben, dann sollte ihnen dieses Wollen nicht abgesprochen werden. Heute ist jedwede Rolle, sei sie eine traditionelle oder nicht, ein Angebot und keine lebenslange Verpflichtung. Hier muss der Feminismus flexibler werden, sozusagen kundenorientierter: Wenn "Alphamädchen" es cool finden, "sexy" zu sein, dann muss die Bewegung damit umgehen können, statt nur weiter das zu tun, was vor dreißig Jahren cool war, nämlich unter großem analytischen Aufwand dagegen zu sein.
Sobald der Feminismus wieder am Puls der Zeit ist, kann er wieder ernstgenommen und begrüßt werden. Wenn er das nicht tut, wird er den Weg der Bauernbefreiung und der Arbeiterbewegung nehmen - ins Geschichtsbuch. Und das kann sich die Welt überhaupt nicht leisten.


Erst mal ein dickes Lob für diesen wirklich sehr kenntnisreichen und differenzierten Beitrag! Insbesondere dem Punkt, dass es "dem Feminismus" an einer "positiven Vision" fehlt, bzw. es immer noch nicht gelungen ist, die Fragen "was den nun "Frau sein" bedeutet, ohne Rekurs auf das, was eigentlich "Mann" sei, zu beantworten.
Trotzdem glaube ich, Dir in einem Punkt widersprechen zu müssen. Du gehst nämlich davon aus, dass der "Feminismus" eine ziemlich homogene Bewegung ist. Und Du scheinst vor allem, die relativ "konservative" Richtung (alle "Emma" bzw. Alice Schwarzer, gegen die ich im übrigen nichts habe) zu verstehen. In bin zwar kein Experte, aber ich habe doch den Eindruck, dass auch der Feminismus (wie die meisten Bewegungen) ziemlich facettenreich ist. Ich glaube sogar mal was über eine Richtung des Feminismus gelesen zu haben, die Pornografie ausgeprochen positiv findet....und selbst Pornos dreht, die aber dann wohl ziemlich anders ausschauen als das Übliche...davon gehe ich jetzt mal aus ;-). Ähnlich ist es ja auch in Bezug auf Prositution. Es gibt eine Richtung, die Prostitution kategorisch ablehnt und eine andere, die das nur auf Zwangsprositution bezieht und ansonsten (selbstbestimmte) Prostitution als "normalen" Dienstleistungsberuf etablieren will: "sex worker"
. Ich glaube, man darf hier nicht einfach alles in einen Topf werfen.
 
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