Eure Erfahrungen mit häuslicher Gewalt

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Hallo Foris,

ich schaute vorhin diesen Film und er machte mich sehr betroffen und nachdenklich. Kurz zusammengefasst gibt es in einer Patch-Work-Familie Probleme. Der Stiefvater schlägt die Tochter seiner Frau. Die Tochter leidet unter der Situation massiv und bekommt zunächst keinen Rückhalt von der Mutter. Die Mutter verschließt die Augen vor der Situation, auch als eine Freundin sie auf die blauen Flecken ihrer Tochter anspricht, die die Tochter der Freundin beim gemeinsamen spielen sah. Und auch als die Freundin der Mutter samt Ehemann bei der Patch-Work Familie vor der Tür steht, um noch einmal anzusprechen, dass ihnen immer wieder blaue Flecken an der Tochter auffallen. Die Tochter, die die Gewalt erfährt, spricht mit niemanden darüber. Der Besuch des befreundeten Ehepaars der Eltern bringt das Fass zum Überlaufen und der Stiefvater verprügelt seine Stieftochter so sehr, dass die Mutter nicht mehr die Augen verschließen kann und ihre sieben Sachen packt und mit Tochter und dem Sohn das gemeinsame Haus verlässt.

Der Film macht mich so betroffen, weil er, denke ich zumindest, die Realität darstellt und so etwas nicht selten ist. In meinem Umfeld bekam ich bisher (zum Glück) nie etwas von häuslicher Gewalt mit. Mich interessieren eure Erfahrungen damit.

Seid ihr selbst Zeuge häuslicher Gewalt geworden?
Wenn ja, wer war betroffen und wie habt ihr reagiert (Polizei/Jugendamt eingeschaltet, die gewalttätige Person angesprochen, nichts gemacht) und warum?
Hat sich die Situation danach geändert?
Hattet ihr den Eindruck, dass über die Gewalt im Haushalt geschwiegen wurde und Ausreden für Ungereimtheiten gefunden wurden? Wie hat sich die häusliche Gewalt im Verhalten der direkt und indirekt betroffenen Personen gezeigt?


Ihr könnt auch von eigenen Erfahrungen mit dem Thema berichten.

An alle Antwortenden: das Thema ist sehr heikel und sensibel. Ich bitte euch, das beim Posten in diesem Thread zu bedenken. Danke! :smile:

VG,
Noir.
 

Benutzer121323 

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Hab jetzt nie so direkt was mitbekommen, jedoch hatten wir bei uns in der Studentensiedlung (2-4er Appartments) einen Vorfall. Nach der E-Mail vom Studentenwerk bemerkte ein(e) Nachbar(in), dass in einem anderem Appartment häusliche Gewalt vorgefallen war. Im nachhinein kann man sagen, dass es sehr glücklich war, dass dieser Vorfall so schnell aufgeklärt wurde, da dies während den Semesterferien passiert war.

Was danach genau geschehen war, wissen wir nicht. Die Betroffene wurde sehr gut geschützt, sodass man bis heute nicht weiss, um welches Appartment es sich handelt. (Die Anonymität ist meiner Meinung nach sehr wichtig) Was mit dem Täter geschehen ist, wissen wir ebenfalls nicht.

Seit diesem Vorfall bin ich noch sensibilisierter und würde lieber einmal zuviel das Studentenwerk/Polizei informieren.
 

Benutzer92501  (40)

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Uffz...
ich erlebe es zur Zeit auf der Arbeit. Allerdings schlägt in diesem Fall die Frau den Mann.
Dieser sieht das, redet darüber, aber wenn man Hilfe anbietet, verschließt er sich. Ist ja jetzt alles geklärt und findet nicht (mehr) statt.
Ich glaube es ihm nicht, aber mehr, als meine Hilfe anbieten kann ich ihm nicht.

Es gibt in Deutschland - so hat mich das Internet informiert - genau 2! Männerhäuser. Alle viel zu Weit weg, um adequat dahin zu vermitteln, bei einem Anruf bei einem Träger, der sich mit "starken (schlagenden) Männern" auseinander setzt, also wirklich etwas in der Richtung Männer lernen, nicht zu schlagen, wenns zu Hause mal wieder "nötig" wäre, konnte mir der zuständige Mitarbeiter nicht wirklich weiter helfen. Das einzige, was möglich wäre, wäre eine Ehetherapie. Dazu müssten aber beide Personen mitgehen. Wird aber in diesem Fall nicht geschehen.

Nun warte ich auf den Rückruf eines Polizisten, mit dem in ich in anderen Situationen schon zusammen gearbeitet habe. Ich hoffe, er kann mir weitere Tipps geben, damit ich sofort handeln kann, wenn der Mann um Hilfe bittet.

Mehr kann ich leider nicht machen, da er in Gesprächen, die wir - auch über die häusliche Gewalt, die ihm widerfährt - führen, sagt: sie hat sich jetzt im Griff. Glauben kann ich das nicht. Aber machen kann ich auch (noch) nichts.
Außer immer wieder meine Hilfe anbieten und ihm ins Bewusstsein bringen, dass häusliche Gewalt nicht sein muss.

Viele Grüße
Heike
 

Benutzer141430  (36)

Benutzer gesperrt
das erinnert mich immer an einen ganz besonderen tag.

ich bin nach hause gekommen und meine mutter datte unter dem linken auge einen blauen fleck der wie ein blaues auge aussah. sie sagte sie wäre vom fahrrad gefallen aber weder ich, noch der artz glauben das.

ich stand in der küche und war kurz davor mir ein küchenmesser zu schnappen und mein vater zur rede zu stellen.
nicht das ich sowas vorher schonmal gemacht oder daran gedacht hätte aber ich bin innerlich ausgeflippt, ich wusste nicht was ich machen und wie ich reagieren soll, ich war gleichzeitig wütend, traurig und hilfslos weil ich nichts in der hand hatte und hab einfach rot gesehen.

das war das erste mal in meinem ganzen leben das ich so verzweifelt war, das ich psychisch hilfe von jemandem wollte aber ich wusste mir auch da nicht zu helfen (wie, wo, von wem, usw.) und habs dann für mich behalten und "runter geschluckt".
wenn ich z.B. jetzt beim schreiben daran zurück denke, denke ich immer wieder das ich hätte irgend etwas tun müssen aber ohne etwas zu wissen kann man nichts tun. weder für sie, noch für mich. :depri:

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dann gab es da noch eine freundin die mit einem kerl zusammen war der recht aggressiv war.
an einem tag hat sie mich angerufen und meinte sie wolle sich von ihm trennen aber hätte angst es ihm zu sagen und fragte ob ich vorbeikommen kann zum reden. ich bin also hin und als wir sprachen kam unerwartet der freund dazu.

ich sagte ihr dann das sie das jetzt hinter sich bringen soll.
als er angefangen hat rumzubrüllen bin ich nur kurz dazwischen gegangen und meinte "nur ne sekunde ... schmeiß hier rum mit was du willst, brüll soviel zu willst. ich mische mich nicht ein das ist eure geschichte. fässt du sie aber an schmeiße ich dich durchs geschlossene fenster".

er hat dann dumm geguckt und hat brüllend die wohnung verlassen.
im nachhinein hat sie mir erzählt das er sie schon einmal geschlagen hätte und das sie deswegen sone angst hatte.
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich bin schon dazwischen gegangen, als eine damalige Schulfreundin von ihrem Freund körperlich angegangen wurde.
Mein Wesen neigt dazu, Wut statt Angst zu empfinden, ganz generell. Damit bin ich schon paarmal knapp an einem wirklichen Problem vorbeigeschrammt, aber meist war es so, dass die, die sich aufspielten gewohnt waren, dass man sich vor ihnen duckt - völlig aus dem Konzept, wenn das nicht geschieht.

Meine Einmischung und dass ich so anders reagiert hab als sie, hat wohl die letzte Ermutigung dargestellt, dass sie sich dann getrennt hat.
 

Benutzer67771 

Sehr bekannt hier
Im erweiterten Familienkreis gab es vor mittlerweile einigen Jahren einen Fall von häuslicher Gewalt. Der Vater hat die Mutter und vermutlich auch das gemeinsame Kind psychisch und physisch misshandelt, die direkten Familienmitglieder haben das dann aber irgendwann mitbekommen und zu intervenieren versucht. Der Täter hat daraufhin Drohungen ausgestoßen und "Warnaktionen" gestartet, so dass letztendlich die Polizei eingeschaltet worden ist.
Das genaue Prozedere kenne ich nicht, aber er ist dann sehr schnell aus dem Lebensumfeld seiner Familie verschwunden.
Das Kind hat noch jahrelang darunter gelitten und die Folgen sind durchaus als Teilfaktor für dessen heutige Lebenssituation zu sehen, die Mutter hat sich im Anschluss selbst Vorwürfe gemacht, dass sie es nicht bereits viel früher selbst geschafft hat, sich und ihr Kind aus dieser Situation zu befreien.
Währenddessen hat man ihr wohl aber nichts angemerkt bzw. hat sie sich nichts anmerken lassen und sie hat zuerst auch alle Vorwürfe gegen den Täter abgestritten bzw. beschönigend zu erklären versucht.
 

Benutzer34612 

Planet-Liebe Berühmtheit
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Ich habs in der Vergangenheit im Berufsalltag ein paar mal mitbekommen. Zum Teil erzählten mir die Betroffenen selbst davon, zum Teil hat man es natürlich auch gesehen (blaues Auge, blaue Flecken, Wesensveränderungen...)
Mit den betreffenden Frauen habe ich dann erstmal ausführlich gesprochen und dann einen Kontakt mit dem hiesigen Frauenhaus hergestellt.
Was später war habe ich nur von einer Frau mitbekommen, die sich dann halt eben getrennt hat und dann wars okay.
 

Benutzer107106 

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Ein Alkohol-Kranker Bruder eines Freundes schubste im Suff seine Oma (die mit im Haus wohnte), so dass diese fast rückwerts die Marmortreppe heruntergefallen war. Sie konnte sich mit einer Hand noch so halten, dass sie den Sturz mindern konnte und sich nur die Hand schwer verstauchte. Als mein Freund, damals keine 16 Jahre alt, in diese Szene hereinplatze, schlug er in Panik um seine Großmutter und vor Wut, seinen Bruder nieder und rief für seine Oma ein Taxi, um mit ihr ins KH zu fahren.

Der kranke, ebenfalls noch sehr junge Mann, lebte noch viele Jahre im selben Haushalt, finanziert durch die Co-Abhängigkeit seines Vaters. Soweit ich weiß, ist gegen die Oma aber keine Gewalt mehr ausgeübt worden. Ich frage mich bis heute, wie viele alte Menschen wohl durch nahe Angehörige misshandelt werden. In dem Fall kann man ja leider nicht mal eben das JA anrufen, die die Omis dann ggfs. gegen ihren Willen in Obhut nimmt...
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
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Kurze Antwort, über die ich sehr froh bin: Keine Erfahrungen damit.
 

Benutzer65149 

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Nein, Gott sei Dank habe ich mit sowas keinerlei Erfahrung.
 
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