Erschiessung von aggressiven Hunden: Richtig oder falsch?

Benutzer162226 

Verbringt hier viel Zeit
Ich finde es kurios, wie man der Polizei nun den schwarzen Peter zuschieben kann.
Soll sie sich wirklich darauf verlassen, dass die Besitzerin, die es vorher nicht geschafft hat, den Hund sicher zu führen, ausgerechnet jetzt auf das Tier beruhigend einwirken kann? Nachdem fünf (!) Menschen gebissen wurden?

Ne, bei aller Tierliebe. Es ist schade für den Hund, aber ich kann nachvollziehen, dass der Schutz der Menschen dort einfach Vorrang hat.
 

Benutzer102949 

Beiträge füllen Bücher
Was würdest Du denn z.B. machen, wenn Du Dich als Staatsorgan mit entsprechenden Aufgaben jemandem mit Hund nähern müßtest und würdest Du Dich wirklich immer darauf verlassen, was der Besitzer sagt?

Nein. Das Verhalten des Hundes muss man selbst lesen. Dass nicht jeder Polizist darin Erfahrung hat, kann man nicht voraussetzen und ich behaupte, dass auch deswegen zu (früh zu) falschen Mitteln gegriffen wurde.

Soll die Polizei jetzt immerzu einen Veterinär mit Betäubungsgewehr dabei haben?

In einer Großstadt wie München ist das möglich, dass man bei Bedarf jemanden hinzuziehen kann.

Das fände ich zwar auch traurig für den Hund, der ja nichts für seinen Besitzer kann, jedoch liegt die Verantwortung, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, in meinen Augen ganz klar beim Besitzer des Hundes, der es ja selbst in der Hand hat, ob er diese Situation "herbeiführt" oder sich kooperativ zeigt und nach der Kontrolle bestenfalls wieder mit seinem Hund weiterziehen kann (und falls nicht, weil z.B. ein Haftbefehl vorliegt oder ähnliches, kämen ja dann entsprechend bestellte Hundefänger, Amtstierärzte oder ähnliche Fachkräfte, die sich um den angebundenen Hund kümmern würden).

Die Besitzerin hat sich hier schlicht und ergreifend fahrlässig verhalten. Mit einem Hund eine stundenlange Reise anzutreten (ob er währenddessen etwas zu Trinken bekommen hat, ist fraglich) und ihn danach an einem Ort wie dem HBF unangeleint herumlaufen zu lassen, geht einfach nicht. Zumal sie ja auch nach dem ersten Angriff mit dem Hund fliehen wollte. Eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung bekommt sie nun völlig zu Recht, aber der Hund ist tot.

So wie ich das sehe (wie gesagt, viel ist auf dem Video nicht wirklich deutlich zu erkennen), haben sie zuerst mit der (offensichtlich nicht kooperativen) vermeintlichen Hundehalterin versucht zu reden und erst als sich der Hund verselbstständigt den Aufruf zum Schießen gegeben und bei Minute 1.21 kann man auch sehen, wie der Hund einen Polizisten angeht und wie direkt im Anschluß mehrere Polizisten sogar noch versuchen, den Hund festzuhalten, was ihnen aber nicht gelingt.

So viel erkennt man in dem Video nicht. Was mir auffällt ist: Die Frau hat ihren Hund nicht unter Kontrolle und die Polizei provoziert geradezu, dass die Situation eskaliert.
Die Hintergründe mit dem Freund der Halterin, der nun die Polizei mehr oder minder für die Tat gelobt hat, und allein schon der Name "Pascha", finde ich auch ziemlich fraglich.
Hier kam einfach einiges zusammen, was so nicht passieren sollte, auf Kosten des Hundes.


Das "Abschirmen" hätte darin bestanden, dass man noch weitere Beamten dem Hund - im Wortsinn - zum Fraß hätte vorwerfen müssen. Du kannst ja deine Gliedmaßen dafür herhalten, aber du kannst das kaum von anderen verlangen.

Das hätte bedeutet, ihnen mehr Platz einzuräumen, sie nicht einzuengen und mehr Abstand einzuhalten. Was denkst du, wie das auf einen Hund wirkt, wenn er von blauen Menschen umzingelt ist, die auf ihn bedrohlich wirken. Und wenn oben drauf noch die Besitzerin dauernd rumbrüllt und ihn von oben herab versucht im Griff zu behalten - wundert mich nicht, dass der Hund da durchdreht.

Wie kannst du einerseits das als "leider" bezeichnen und gleichzeitig Tiere essen? Das ergibt doch hinten und vorne keinen Sinn.

Du verstehst meine Aussage nicht und drehst mir die Wörter um. Bitte mal kurz nachdenken vor dem Abschicken.
Mich kotzt diese Einstellung an, dass der Mensch über den Tieren steht. Dass Tiere nur Sachwaren ohne Rechte und Ansprüche sind. Und dass das so fest in der Gesellschaft verankert ist, dass solche Kommentare wie deine vertreten sind.


Zudem: Meinst du wirklich, dass das Leben des Tieres und das gefährdeter Menschen gleichwertig ist? Wenn ein Hund einen Menschen anfällt, darf der Hund nicht erschossen werden?

Darf ein Mensch etwa sofort erschossen werden, sobald er jemanden mit einer Waffe angreift? Bei Tieren reagiert man da ganz fix wie Mrs. Brightside schon sagte.
Ähnliches trifft ja auch auf die Medizin zu. Während Tiere zügig eingeschläfert werden, "um ihnen die Schmerzen zu ersparen", werden Menschen mit allen Mitteln, selbst wenn derjenige vom Leben rein gar nichts mehr mitkriegt, am Leben gehalten, komme und koste es, was es wolle.
Diese Klassizifierung stört mich extrem.

Dann ist es auch der normale Kreislauf der Natur, wenn Tiere andere Tiere töten, wenn Artgenossen angefallen werden. Du kannst nicht beides haben.

Wir Menschen haben aber die Mittel und die Vernunft, das zu verhindern.
 

Benutzer162226 

Verbringt hier viel Zeit
Darf ein Mensch etwa sofort erschossen werden, sobald er jemanden mit einer Waffe angreift? Bei Tieren reagiert man da ganz fix Mrs. Brightside :zwinker:
Also ich wage mal zu behaupten, dass die Polizei auch auf einen Menschen geschossen hätte, der mit erhobenem Messer in eine Gruppe von Passanten stürzt.

Ähnliches trifft ja auch auf die Medizin zu. Während Tiere zügig eingeschläfert werden, "um ihnen die Schmerzen zu ersparen", werden Menschen mit allen Mitteln, selbst wenn derjenige vom Leben rein gar nichts mehr mitkriegt, am Leben gehalten, komme und koste es, was es wolle.
Diese Klassizifierung stört mich extrem.
Ja, das stört mich auch. Man sollte den Menschen die gleiche Liebe zukommen lassen, wie seinem Tier. Um jeden Preis am Leben erhalten ist m.E. falsch.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
In einer Großstadt wie München ist das möglich, dass man bei Bedarf jemanden hinzuziehen kann.

Das bezweifle ich. Wenn ein wildgewordener Hund am Hauptbahnhof Menschen beißt, dann kann man nicht warten bis der Tierarzt mit dem Betäubungsgewehr angerückt ist.




Das hätte bedeutet, ihnen mehr Platz einzuräumen, sie nicht einzuengen und mehr Abstand einzuhalten. Was denkst du, wie das auf einen Hund wirkt, wenn er von blauen Menschen umzingelt ist, die auf ihn bedrohlich wirken. Und wenn oben drauf noch die Besitzerin dauernd rumbrüllt und ihn von oben herab versucht im Griff zu behalten - wundert mich nicht, dass der Hund da durchdreht.

Wie hätte man dem Hund mehr Platz einräumen können, ohne zu riskieren, dass er sich aus der Umzingelung befreit und an der Stelle der Polizisten (die für dich in der Kalkulation offenbar keine Rolle spielen) weitere Passanten verletzt? Wenn ein Hund im abgelegenen Wald durchdreht, kann man ihm Platz einräumen, damit er runterkommt. Aber auf einer dicht belebten Straße hinter dem Hauptbahnhof (!) - wie soll das da gehen?


Du verstehst meine Aussage nicht und drehst mir die Wörter um. Bitte mal kurz nachdenken vor dem Abschicken.
Mich kotzt diese Einstellung an, dass der Mensch über den Tieren steht. Dass Tiere nur Sachwaren ohne Rechte und Ansprüche sind. Und dass das so fest in der Gesellschaft verankert ist, dass solche Kommentare wie deine vertreten sind.

Ich verstehe es wirklich nicht, wie es dich ankotzt, dass Tiere nur Sachen ohne Rechte und Ansprüche sind und du gleichzeitig Leberknödel essen kannst. Hat ein Schwein jetzt Rechte und Ansprüche? Oder darf es industriell aufgezogen werden, um für deinen Fleischkonsum getötet zu werden? Nur eine dieser Aussagen kann richtig sein.



Darf ein Mensch etwa sofort erschossen werden, sobald er jemanden mit einer Waffe angreift? Bei Tieren reagiert man da ganz fix wie Mrs. Brightside schon sagte.

Nein, darf er nicht. Das liegt daran, dass man Menschen nur im Fall der Notwehr töten darf, Tiere jedoch bereits aus jedem vernünftigen Grund.

Ähnliches trifft ja auch auf die Medizin zu. Während Tiere zügig eingeschläfert werden, "um ihnen die Schmerzen zu ersparen", werden Menschen mit allen Mitteln, selbst wenn derjenige vom Leben rein gar nichts mehr mitkriegt, am Leben gehalten, komme und koste es, was es wolle.
Diese Klassizifierung stört mich extrem.

Der Punkt ist, dass man bei Menschen nicht einfach als Dritter fremdbestimmen darf, dass ihr Leben jetzt keinen Wert mehr hat, bei Tieren aber schon.
 

Benutzer96053 

Planet-Liebe Berühmtheit
Darf ein Mensch etwa sofort erschossen werden, sobald er jemanden mit einer Waffe angreift? Bei Tieren reagiert man da ganz fix wie Mrs. Brightside schon sagte.
Der Unterschied ist der, dass man Menschen mit Messern leichter entwaffnen kann. Menschen, die nicht leicht zu entwaffnen sind, weil sie eventuell selber Schusswaffen bei sich tragen oder einen Sprengsatz an ihrem Körper haben, werden auch so schnell erschossen, ja.
Dem Hund kann man nun einmal nicht die Schnauze verlässlich schließen, damit er keine unmittelbare Gefahr darstellt.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ja, das stört mich auch. Man sollte den Menschen die gleiche Liebe zukommen lassen, wie seinem Tier. Um jeden Preis am Leben erhalten ist m.E. falsch.

Das hat ja nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Respekt vor dem Lebensrecht und der Autonomie des Menschen. Wenn es keine Patientenverfügung gibt - wer soll dann entscheiden dürfen, ob ein Leben nicht mehr lebenswert ist?
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Mich wundert, was ihr alles auf dem Video erkennt.

Evtl. hätten hundekundigere Polizisten diese Situation vermeiden können....vielleicht aber auch nicht...und dann?
Wenn ich dann lese (stimmt das?), dass der Hund wohl schon außer Kontrolle war und Menschen gefährdet hat, bevor die Polizei eingriff, erscheint mir relativ klar, dass man der Polizei nicht wirklich einen großen Vorwurf machen kann.

Die Verantwortung für diese Situation liegt m. E. ziemlich klar bei der Hundebesitzerin.
Generell bin ich übrigens der Meinung, dass das Verhalten eines Hundes so gut wie immer in der Verantwortung des Halters liegt. Einzige Ausnahme: Jemand reizt den Hund MUTWILLIG. Von keinem Menschen außer Hundehaltern selbst kann man m. E. verlangen, dass er das Verhalten von Hunden "lesen" können MUSS.
Und weil dem so ist, muss m.E. jeder Hundehalter damit rechnen, dass es zu einer solchen traurigen Situation kommen kann, wenn er die Kontrolle über sein Tier verliert und Menschen bedroht werden.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer162226 

Verbringt hier viel Zeit
Das hat ja nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Respekt vor dem Lebensrecht und der Autonomie des Menschen. Wenn es keine Patientenverfügung gibt - wer soll dann entscheiden dürfen, ob ein Leben nicht mehr lebenswert ist?
Off-Topic:
Bei Patientenverfügung ist das Schicksal selbst gewählt. Sollte es diese nicht geben, wird meiner Erfahrung nach eben oft nicht mit Blick auf den Patienten entschieden, sondern mit Blick auf die eigenen Bedürfnisse der Angehörigen. Aber das ist hier ja nicht Thema. :zwinker: Meine Aussage war auch flapsig-direkter formuliert, als sie eigentlich gemeint ist. Aber das nun auszuführen, geht zu weit.
 

Benutzer102949 

Beiträge füllen Bücher
Das bezweifle ich. Wenn ein wildgewordener Hund am Hauptbahnhof Menschen beißt, dann kann man nicht warten bis der Tierarzt mit dem Betäubungsgewehr angerückt ist.

Da es in München einen Tiernotdienst gibt, der sofort anrückt, wenn was ist, dann geht das sehr wohl, wenn die Polizei einen Veterinär für eine Betäubung braucht ...

Ich verstehe es wirklich nicht, wie es dich ankotzt, dass Tiere nur Sachen ohne Rechte und Ansprüche sind und du gleichzeitig Leberknödel essen kannst. Hat ein Schwein jetzt Rechte und Ansprüche? Oder darf es industriell aufgezogen werden, um für deinen Fleischkonsum getötet zu werden? Nur eine dieser Aussagen kann richtig sein.

Ja, ein Tier sollte das Recht haben, artgerecht gehalten zu werden und nicht auf bestialische Weise sterben zu müssen. Ob es letztlich um einen Hund oder ein Schwein geht, ist egal.
Tiere sind Lebewesen mit Bedürfnissen und Gefühlen. Schon das widerspricht vollkommen, dass sie juristisch als Sachen gesehen werden.

Nein, darf er nicht. Das liegt daran, dass man Menschen nur im Fall der Notwehr töten darf, Tiere jedoch bereits aus jedem vernünftigen Grund.

...

Der Punkt ist, dass man bei Menschen nicht einfach als Dritter fremdbestimmen darf, dass ihr Leben jetzt keinen Wert mehr hat, bei Tieren aber schon.

Das findest du in Ordnung so? Und dass Tiere und Menschen in Klassen aufgeteilt werden, stört dich nicht? :ratlos:
Woher nehmen wir uns denn das Recht über Tierleben zu bestimmen?
Bei Menschen ist es doch auch nicht anders. Wenn jemand nicht mehr selbst in der Lage ist sich zu äußern und keine Verfügung hat, dann muss das jemand Außenstehendes übernehmen.


Ich sage ja nicht, dass die Polizei alles falsch gemacht hat. Man kann es ja auch stückweit nachvollziehen, warum sie letztlich geschossen haben, eben zum Schutz der Passanten. Na klar ist es schwer an einer Hauptverkehrsstraße dem Hund mehr Freiraum zu lassen. Aber in beengtem Raum mit lauter bedrohlichen Leuten ringsherum würde sich kein Hund der Welt beruhigen, wenn er so auf Aggression gebürstet ist. Es ist bedauerlich, dass nur wegen äußeren Bedingungen und letztlich auch einer überforderten Besitzerin, ein Hund sterben musste. Hätte man die Möglichkeit genutzt ihn kurzfristig mit einer Betäubung außer Gefecht zu setzen, hätte das weniger tragisch ausgehen können.

Dem Hund kann man nun einmal nicht die Schnauze verlässlich schließen, damit er keine unmittelbare Gefahr darstellt.

Mit einer Betäubung und einem Maulkorb hätte man den Hund außer Gefecht setzen können.
 

Benutzer158340 

Planet-Liebe Berühmtheit
Da es in München einen Tiernotdienst gibt, der sofort anrückt, wenn was ist, dann geht das sehr wohl, wenn die Polizei einen Veterinär für eine Betäubung braucht ...
Ääääh... du weißt aber schon, dass auch der Tiernotdienst nicht dafür ausgebildet ist, mit einem Betäubungsgewehr umzugehen? Punkt eins, und Punkt zwei, so eine Betäubung wirkt nicht, wenn das Tier mit Adrenalin vollgepumpt ist. Guck eine beliebige Zoosendung auf einem der dritten Programme an, da werden desöfteren Tiere für medizinische EIngriffe schlafen gelegt. Da wird jedes Mal gesagt, dass es Minimum eine halbe Stunde dauert, bis die Betäubung wirkt, und der Tierarzt geht während dessen außer Sicht, damit das Tier sich nicht weiter aufregt und überhaupt runterkommt.

Mal ehrlich, "betäuben" ist so wahnsinnig leicht daher gesagt, aber das funktioniert in so einer Situation schlicht nicht! Hätten die da mehrere Stunden den Bahnhof großräumig absperren sollen, damit sich alle Leute außer sichtweite des Hundes verstecken können, damit die Betäubung wirken kann, oder wie stellst du dir das vor?
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Das hat ja nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Respekt vor dem Lebensrecht und der Autonomie des Menschen. Wenn es keine Patientenverfügung gibt - wer soll dann entscheiden dürfen, ob ein Leben nicht mehr lebenswert ist?
Off-Topic:
Der Mensch selbst, der es lebt. Aber das wird ihm von einer Heuchelei verwehrt, weil er dazu nicht befugt sei, über SEIN EIGENES Leben zu bestimmen. Außer in der Schweiz. Da darf man das^^
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Da es in München einen Tiernotdienst gibt, der sofort anrückt, wenn was ist, dann geht das sehr wohl, wenn die Polizei einen Veterinär für eine Betäubung braucht ...

Einen Veterinär hätte man vielleicht kriegen können, aber was hätte das genutzt? Der Hund ließ sich ja nicht einfach betäuben.



Ja, ein Tier sollte das Recht haben, artgerecht gehalten zu werden und nicht auf bestialische Weise sterben zu müssen. Ob es letztlich um einen Hund oder ein Schwein geht, ist egal.

Und warum ist es "bestialisch", wenn ein wildgewordener Hund erschossen wird und "artgerecht", wenn ein Schwein zunächst zum Schlachthof transportiert, dort mit einem Elektroschock betäubt und anschließend durch einen Stich in die Halsschlagader getötet wird?

Tiere sind Lebewesen mit Bedürfnissen und Gefühlen. Schon das widerspricht vollkommen, dass sie juristisch als Sachen gesehen werden.

Diese Haltung kann man ja einnehmen. Was ich nicht verstehe, ist wie man einerseits Fleisch essen kann und andererseits verlangt, dass einem wildgewordenen Hund nicht Einhalt geboten wird. Wenn die Tötung eines Tieres für etwas so banales wie Leberknödel erlaubt ist, dann muss sie doch erst recht erlaubt sein, um andere Menschen zu schützen.


Das findest du in Ordnung so? Und dass Tiere und Menschen in Klassen aufgeteilt werden, stört dich nicht? :ratlos:

Ja, das finde ich absolut in Ordnung. Ich bin Speziesist.

Woher nehmen wir uns denn das Recht über Tierleben zu bestimmen?

Du hast letztens den "Kreislauf der Natur" bemüht. Das wäre eine Erklärung.

Bei Menschen ist es doch auch nicht anders. Wenn jemand nicht mehr selbst in der Lage ist sich zu äußern und keine Verfügung hat, dann muss das jemand Außenstehendes übernehmen.

Die Entscheidung eines Dritten kann aber niemals dahingehend, einen Menschen zu töten, nur weil man meint, dass er Schmerzen erleiden werde.


Ich sage ja nicht, dass die Polizei alles falsch gemacht hat. Man kann es ja auch stückweit nachvollziehen, warum sie letztlich geschossen haben, eben zum Schutz der Passanten. Na klar ist es schwer an einer Hauptverkehrsstraße dem Hund mehr Freiraum zu lassen. Aber in beengtem Raum mit lauter bedrohlichen Leuten ringsherum würde sich kein Hund der Welt beruhigen, wenn er so auf Aggression gebürstet ist.

Das ist richtig und auch der Grund dafür, warum er erschossen werden musste. Du stellst die ganze Zeit darauf ab, ob der Hund - aus Sicht des Hundes - "richtig" gehandelt hat und ob ihn eine "Schuld" getroffen hat. Das ist aber völlig irrelevant. Die Tötung war ja keine Strafe, sondern eine Gefahrenabwehrmaßnahme. Ob dem Hund ein "Vorwurf" zu machen ist, ist völlig gleichgültig.

Hätte man die Möglichkeit genutzt ihn kurzfristig mit einer Betäubung außer Gefecht zu setzen, hätte das weniger tragisch ausgehen können.

Von welcher Möglichkeit sprichst du? Ich sehe keine solche Möglichkeit.
Mit einer Betäubung und einem Maulkorb hätte man den Hund außer Gefecht setzen können.

Wenn man den Hund hätte betäuben können. Auf dem Video sah der Hund nicht so aus, als ob er das geduldet hätte. Und der Einsatz eines Betäubungsgewehres - abgesehen davon, dass keines vor Ort war - ist wohl auch nicht so einfach, wie man sich das vorstellt.
 

Benutzer151496 

Meistens hier zu finden
Als Außenstehender und vor allem im Nachhinein eine Situation betrachtend, ist es immer einfach, "Fehler" zu finden. Es ist aber sehr schwer, in einer solchen Situation alles richtig zu machen. Es gibt einen Punkt, an dem einfach gehandelt werden, eine Entscheidung getroffen werden muß. Ich selbst liebe Tiere und vor allem auch Hunde. Dennoch kann ich mit dem Entschluß, den Hund zu erschießen, mitgehen. Was wäre denn gewesen, wenn die Polizei zugewartet, noch mehr versucht hätte, zu deeskalieren und der Hund wäre nochmals entwischt und hätte vielleicht ein Kind schwer verletzt? Das wäre der Startschuß für einen richtigen Shitstorm gewesen Marke: "Hund Pascha verletzte bereits 5 Menschen, Polizei wartete zu lange und dann wurde noch ein Kind schwer verletzt".

Den Raum, den der Hund vielleicht gebraucht hätte, um ruhiger zu werden, gab es da einfach nicht - Gehweg, Häuserwand, parkende Autos. Mich ärgert das Verhalten der Besitzerin und es ist mir unbegreiflich, warum sie nicht nach dem ersten Vorfall ihren Hund vernünftig gesichert hat. Der Tod des Hundes geht, wie ich finde, auf ihr Konto.

Zu dem Fall mit dem Bären: so etwas gab es schon öfter und ich finde es schlimm, daß es meist mit dem Tod des Tieres endet. Denn gerade auf einem Tierpark-/Zoogelände würde ich erwarten, daß es einen Veterinär gibt, der entsprechende Erfahrung mit Betäubungen hat.

Das findest du in Ordnung so? Und dass Tiere und Menschen in Klassen aufgeteilt werden, stört dich nicht? :ratlos:
Woher nehmen wir uns denn das Recht über Tierleben zu bestimmen?
Naja, wir Menschen bestimmen ja auch über Tierleben, wenn wir sie schlachten, um sie zu essen. Das ist, da muß ich C Crouchback recht geben, für mich auch nichts anderes. Selbst wenn das Tier "artgerecht gehalten" wurde, stirbt es am Ende ja doch. Den Unterschied, den Du da siehst, verstehe ich auch nicht.
 

Benutzer167777 

Verbringt hier viel Zeit
Es ist bedauerlich, dass nur wegen äußeren Bedingungen und letztlich auch einer überforderten Besitzerin, ein Hund sterben musste.

Und das ist in dieser Diskussion das einzige, was für mich diskutabel ist. Der Besitzer. Nicht die Reaktion von Passanten, nicht die Reaktion von Polizisten und auch nicht die Vorgaben, die für ebendiese gelten.

Ich mag Hunde wirklich gern, wir hatten in meiner Jugend auch immer einen. Allerdings muss für mich der Besitzer oder "Halter" den das Tier auch "halten" können. Ist das nicht der Fall, dann kann man über den unfähigen Halter, dessen Bestrafung und dessen Gefährdung des Tieres sprechen. Nicht aber über jene, die die Gefahr abwenden müssen. Und auch nicht darüber, ob die Art der Gefahrenbannung "richtig" oder "falsch" sein könnte. Gefahr gebannt: Richtig, Gefahr nicht gebannt: Falsch.
 

Benutzer158340 

Planet-Liebe Berühmtheit
Zu dem Fall mit dem Bären: so etwas gab es schon öfter und ich finde es schlimm, daß es meist mit dem Tod des Tieres endet. Denn gerade auf einem Tierpark-/Zoogelände würde ich erwarten, daß es einen Veterinär gibt, der entsprechende Erfahrung mit Betäubungen hat.
Siehe oben: "Betäuben" funktioniert einfach nciht so schnell. Ist nicht wie im Film: Pfeil in den Po und man kippt zur Seite weg.
Wenn das Tier an einem Ort ist, wo es sich "auslaufen" kann und sich selber beruhigen kann, kann man das machen. Im Wohngebiet ist das aber meistens einfach nicht gegeben. Bis da die Betäubung wirkt, ist das ein erhebliches Risiko. Ich find das auch immer traurig für die Tiere, aber einen einfachen Aus-Schalter gibt's halt da leider nicht. (Und wenn man die Betäubung so dosiert, dass sie auch aufgebrachte Tiere ausknockt, dann kann man das Tier auch gleich erschießen, weil es dann in den meisten Fällen an Atemstillstand wegen der Narkose stirbt)
 

Benutzer151496 

Meistens hier zu finden
Ishtar Ishtar Habe Deinen Post erst nach Abschicken meines gesehen. Da hast Du natürlich recht. :rose:
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Habe den "Fall" jetzt mal auf SZ-online nachgelesen. Es ist zwar etwas unklar, weil wohl etwas unterschiedliche Versionen kursieren. Klar ist jedoch, dass nicht die Polizisten den Hund aggressiv gemacht haben, sondern er das schon vorher war.
 

Benutzer11466 

Sehr bekannt hier
Die Frage, die sich mir stellt ist: Muss man bei aggressiven Hunden gleich eine Schießerei auslösen, die in dieser Situation idR nur ihre Besitzer beschützen wollen?
In dem Moment, wo der Hund auf andere losgeht, ist Feierabend. Ursächlich sind natürlich die Eigentümer das Problem - wie etwa diese Vollpfosten hier:

Stetten am Kalten Markt: Prozess nach tödlicher Hunde-Attacke - Besitzer entschuldigen sich

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Ehepaar fahrlässige Tötung vor. Ihr Grundstück war demnach nicht für die Haltung eines Hundes der Rasse Kangal geeignet. Außerdem sei das Halsband zu schwach gewesen, so dass sich das Tier losreißen konnte.

Letztlich gelang es aber nur einem Bären, der auf dem Fußweg herumgestiefelt ist. Und weil man ihn letztlich als eine zu große "Bedrohung" (obwohl er nichts gemacht hat!) betrachtete, hat man ihn kurzerhand erschossen.
Es ist halt immer 'ne Abwägung. Wenn man das Tier nicht mit 'nem Betäubungsgewehr ruhigstellen kann, weiß man nicht, was es macht. Überleg Dir einfach mal das Geschrei das aufkäme, wenn man den Bären nicht aufhält und er greift jemand an...
[doublepost=1527936046,1527935626][/doublepost]
und zwar auch auf das Tier und nicht nur auf den Mensch bezogen.
Nur sollte der Mensch Vorrang haben.

Ich muß mich wiederholen: Üblicherweise sind die Besitzer das Problem - wie etwa dieses Hasenhirn. Das schickte sein Wauzi mit dem offensichtlich völlig überforderten Kumpel zum Gassigehen und greinte dann, als der Hund von 'nem Polizisten erschossen wurde.

Humboldthain in Berlin-Gesundbrunnen: Polizist erschießt Hund - Besitzer schimpft auf Facebook - Polizei & Justiz - Berlin - Tagesspiegel

Ein Hund ist am Montagabend im Humboldthain auf einen Polizisten losgegangen. Der fühlte sich bedroht und erschoss das Tier. Am Dienstag meldete sich der Besitzer über Facebook zu Wort.
 

Benutzer168169 

Öfters im Forum
Das hat ja nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Respekt vor dem Lebensrecht und der Autonomie des Menschen. Wenn es keine Patientenverfügung gibt - wer soll dann entscheiden dürfen, ob ein Leben nicht mehr lebenswert ist?

Die Patientenverfügung alleine reicht hier nicht aus! In ihr sollte allerdings ein Vermerk auf eine, für diesen Zweck erforderliche und ebenfalls notwendige Vorsorgevollmacht vorhanden sein!
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Die Patientenverfügung alleine reicht hier nicht aus! In ihr sollte allerdings ein Vermerk auf eine, für diesen Zweck erforderliche und ebenfalls notwendige Vorsorgevollmacht vorhanden sein!

Völlig richtig, ich habe das verkürzt und schlagwortartig angesprochen. Das Thema ist auch so sensibel und so komplex, das es kaum sachgerecht in diesem Thread behandelt werden kann.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren