Erfahrungen mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung?

Benutzer65998 

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Hallo Forum,

da ich mittlerweile der Meinung bin, dass mein Exfreund eine nicht diagnostizierte Narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, wollte ich mal fragen, ob es Menschen unter euch gibt die

a) selber eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bekommen haben oder der Meinung sind, eine zu haben.

b) in einer Beziehung waren/sind mit einer solchen Person.

c) jemanden im näheren Bekannten-/Familienkreis haben, der/die darunter leidet.

Ich würde gerne wissen, ob es Strategien gibt, wie man als Nichtbetroffener damit und mit der Person umgehen kann, ohne, dass beide unglücklich werden. Was kann der Betroffene tun, um von dieser psychischen Störung wegzukommen?

Es geht mir nicht darum, mit meinem Exfreund eine Versöhnung anzustreben. Aber ich habe wirklich so sehr darunter gelitten, dass ich gerne ein bisschen besser die Hintergründe verstehen würde. Mit ihm kann ich ja jetzt nicht mehr darüber reden. Außerdem würde ich gerne seinem Bruder meinen Verdacht mitteilen, denn dass da psychologisch einiges im Argen liegt, war uns allen klar, inklusive meinem Exfreund, wir konnten es nur alle nicht wirklich benennen. Da schon einmal ermutigend in die richtige Richtung weisen, damit mein Exfreund vielleicht doch einmal eine Therapie macht.

Dinge, die für sein Verhalten sehr typisch sind, sind zum Beispiel:

- Er hat an Beziehungen, Freundschaften etc. den Anspruch, dass diese nur so lange bestehen, wie man sich intensiv um ihn kümmert, während er selbst diesen Anspruch an sich nicht hat. Wer seiner Meinung nach da nicht genug investiert, dem wird mit Entschiedenheit die Freundschaft (oder die Liebesbeziehung) aufgekündigt. Deshalb hat er lieber Freundschaften mit Frauen, weil die sich gefühlt besser kümmern.

- Scheinbar banale Dinge und Verdachte können ihn zutiefst kränken, herbere Wortwechsel etwa in Streits erst recht, während er selbst verbal ordentlich austeilt, was aber der in seinen Augen "Ungerechtigkeit" keinen Abbruch tut. Was dann folgt ist eine kurze Wutphase, danach emotionale Kälte, der Verlust von Freundschafts- und Liebesgefühlen, die tagelang, wochenlang anhalten kann. Er ist in dieser Phase in der Lage, die "kränkende" Person völlig aus seinen Gedanken auszuschließen. Danach dann in der Regel die Rückkehr der (positiven) Emotionen.

- Er kann es nicht ertragen, Menschen weinen zu sehen. Wenn jemand weint, egal ob seine Mutter oder sonst jemand Nahestehendes, tröstet er nicht oder nur sehr kurz, wendet sich dann ab und fordert sehr kühl dazu auf, nun nicht mehr zu weinen oder er müsse den Raum verlassen. Selbst bei dem Tod naher Verwandter etc. Er lässt die Person mit ihrer Trauer grundsätzlich allein.

- Materielle Statussymbole sind sein höchstes Gut und ihm das liebste Geschenk. Er möchte gerne den perfekten Körper haben, ein berühmter Schauspieler sein und malt sich im Kopf aus, was er mit all dem verdienten Geld für Dinge anschaffen könne. Entsprechend rutscht er manchmal in depressive Phasen, wenn ihm bewusst wird, wie entfernt er von diesem Traum ist.

- Er stellt sein Ich vor alles andere. Ihm sind Beruf, Geld, Status stets wichtiger als Liebe, Beziehung und Freundschaften. Erwartet aber von anderen, dass sie investieren, siehe oben. Entsprechend dieser Reihenfolge teilt er auch seine Zeit und sein Engagement ein.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
 

Benutzer101597  (63)

Sehr bekannt hier
Für dich wäre es doch viel wichtiger herrauszufinden warum du dich auf einem solchen Mann eingelassen hast.
 

Benutzer150418 

Verbringt hier viel Zeit
Du kannst deinen Schmerz nicht verarbeiten, indem du seinen Bruder mit ins Boot holst. Ich kann dir nur von diesem Vorhaben abraten. Du reibst dich damit nur unnötig auf und außerdem änderst du damit überhaupt nichts, außer dass man dich vielleicht als lächerlich empfindet. Er wird keine Therapie machen, wenn seine Ex den Verdacht hat, mit ihm stimmt was nicht.
Man selbst hat bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung absolut keine Krankheitseinsicht - und würde man ihn damit konfrontieren, dann ist er bestenfalls verärgert und genervt. Sowas muss doch nicht sein. Er wird über deine "Diagnose" nicht nachdenken, sondern über dich lachen und mit seinem Bruder gibt es möglicherweise sogar Streit. Wer will denn sowas auch hören? Du solltest dich da raus halten und schauen, wie du das selbst verarbeiten kannst. Rede mit den Leuten hier im Forum, mit Freundinnen, Therapeut, Seelsorge... aber lass die involvierten Personen da raus - denn jetzt ist es dein Weg.

Ich schließe mich meinem Vorredner an, du solltest jetzt versuchen heraus zu finden, wie das alles passieren konnte und was du selbst aufarbeiten musst, wie es möglich war, dass das alles geschieht. Meditation, Therapie, Bücher, lange Spaziergänge, Tränen - ganz egal - aber es wird dich nicht weiter bringen deinem Ex Krankheiten anzudichten, das bringt dir nichts. Du gibst ihm damit die Schuld an allem und weißt die Verantwortung von dir. Das ist aber verkehrt, sonst gerätst du beim nächsten Mal wieder an so einen Mann. Die Antworten findest du nur in dir, nicht in möglichen Erkrankungen von ihm. Immerhin warst ja du mit ihm zusammen - und so hart das klingt, dafür bist du selbst verantwortlich.

Ich habe übrigens auch den Verdacht, dass mein Ex eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat. Bin mir da auch ziemlich sicher. Ich bin bis heute dabei, aufzuarbeiten was in dieser Beziehung passiert ist, weil ich reichlich körperliche und seelische Wunden davon getragen habe. Ich bin jedoch zu der Erkenntnis gekommen, dass jegliche Interaktion mit ihm und jegliche Hoffnung, er könnte Reue empfinden oder sich ändern nur noch mehr Leid für mich bedeutet.
Und wenn du seinen Bruder involvieren willst, kämpfst du ja weiterhin. Um ihn, um Gerechtigkeit, um was auch immer. Aber Frieden findest du damit keinen. Du musst dich von der Hoffnung und "Genugtuung" und Erwartung lösen, dass er eine Therapie macht. Die wird er ggf. machen, wenn er die Notwendigkeit in sich fühlt. Aber weder du noch sein Bruder können das beeinflussen. Das ist erst dann möglich, wenn er selbst das Ausmaß dessen fühlt, was er verursacht. Dort hin führt ihn nur Erfahrung, nicht Worte.
Ich meine, ich weiß jetzt bzw. bin mir sicher, mein Ex ist ein Narzisst. Und weiter? Was jetzt? Macht das ungeschehen, was passiert ist? Fühle ich mich damit besser? Kein bisschen.

Ich kann nur mein Innerstes überprüfen und herausfinden, warum ich zugänglich bin für solche Menschen und alles tun, hart an mir arbeiten, meine eigenen Wunden heilen, um sowas in der Zukunft zu verhindern.
Mir hilft das Vertrauen darauf, dass mein Ex irgendwann seinen Meister findet und die Person, die ihn heilen kann und auf den richtigen Weg führt. Ich war diese Person nicht, so schwer es auch fällt, das zu akzeptieren.
 

Benutzer65998 

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Off-Topic:
Danke für eure Antworten, aber das habt ihr falsch verstanden. Dass ich schauen muss, was ich für einen Anteil an der Beziehung hatte, ist klar. Aber hier soll es jetzt gerade nicht um mich gehen, sondern um diese Persönlichkeitsstörung. Seitdem ich darüber gelesen habe, kommen mir diese Muster so unglaublich bekannt vor, dass das fast schon gruselig ist und ich wollte mal hören, wie andere das erleben oder erlebt haben. Denn es hilft mir gerade sehr, das zu erkennen. Mir liegt es auch völlig fern, meinem Ex hier eine Krankheit anzudichten. Ich weiß, dass er innerlich ein sehr unglücklicher Mensch ist und in seinen "normalen" Phasen weiß er, dass sein Verhalten nicht normal ist und dann möchte er eine Therapie machen. In den extremen narzisstischen Phasen geht es ihm dann aber wieder "gut", weil emotional abgestumpft, und dann ist diese Einsicht wieder weg. Weil diese Persönlichkeitsstörung sehr belastend für sein ganzes näheres Umfeld ist, kam tatsächlich sein Bruder auf mich zu und sagte: "Rory, mein Bruder hat ein massives Problem. Du kennst ihn so gut, was denkst du darüber? Was können wir tun, um damit besser zurecht zu kommen?" Denn demjenigen mit der Persönlichkeitsstörung zu helfen oder es nicht zu tun ist die eine Sache. Die andere ist aber, wie das Umfeld damit zurecht kommt. Und ich könnte mir vorstellen, dass auch die Familie, wenn sie sich in das Thema ein bisschen eingelesen hat, auf einmal viele Dinge besser versteht. Deshalb hätte ich hier gerne von diesem schlauen Forum einfach nur mal Erfahrungswerte gehört, wie das möglicherweise funktionieren kann. Denn ich betone noch einmal: Ich möchte ihn nicht zurück, aber ich hasse ihn auch nicht, er tut mir vielmehr Leid, weil er innerlich wohl so unglücklich ist. Und mir tut seine Familie Leid.


Für dich wäre es doch viel wichtiger herrauszufinden warum du dich auf einem solchen Mann eingelassen hast.
Das gehört jetzt wieder zum Thema, weil auch ein Muster: Er ist extrem charismatisch, eloquent, charmant, weiß jeden um den Finger zu wickeln. Das ist seine Sonnenscheinseite.
 

Benutzer101597  (63)

Sehr bekannt hier
Das solche Menschen fasziniern können hab ich auch schon selber schmerzhaft erlebt.
Aber du solltest ihn hinter dir lassen, und dich nicht noch mit ihm beschäftigen. Mit ihm beschätigen sollten sich allenfalls dafür ausgebildete Ärzte.
 
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