Einmal Pech-immer Pech?

Benutzer166335 

Ist noch neu hier
Hallo,
brauche einfach mal neutrale Personen die mir zuhören.Manchmal denke ich dass ich mein Leben überhaupt nicht auf die Reihe bekomme und ich für Menschen in meinem Umfeld bestimmt wie ein verschlossenes Buch bin.Meine Kindheit war hart.Ich habe familiäre Verluste erlebt als ich noch sehr klein war.Meine Eltern haben sich getrennt und mein Vater hat den Kontakt zu mir somit abgebrochen.Meine Mutter habe ich damals dann an ihrem neuen Partner verloren.Sie lernte kurz nach der Trennung nen anderen kennen mit dem sie sehr sehr lange zusammen war.Er zog bei uns ein und zeigte mir jahrelang täglich dass alles was ich tue und sage Mist ist.Er zeigte mir dies vor allem durch ganz viel Abwertung und sehr sehr laute und harte Worte.Meine Mutter stand zwischen zwei Stühlen und blieb neutral.Sprich , ich war die einzige die zu mir hielt.Ich lernte auf diesem Weg den Mund zu halten und alleine klar zu kommen.Ich will nicht sagen dass meine Mum nie für mich da war oder nur schlecht zu mir war.Das wäre gelogen.Aber ich hätte definitiv ganz viel Halt von ihr benötigt, den ich nicht bekam.Ich glaube diese Zeit hat mich verschlossener gemacht.Ich war als Kind sehr doll in mich gekehrt,habe nicht mit jedem gesprochen und war extrem schüchtern.Ich war irgendwo zwischen Wutausbrüchen und Heulkrämpfen.Als dann mein kleiner Bruder zur Welt kam, verschlechterte sich meine Situation.Ich würde permanent von der Familie ausgegrenzt und man gab mir viel zu oft das Gefühl nicht gebraucht zu werden.Naja überwiegend war es der Partner von meiner Mum der sich so verhielt.Meine Mum war ja eher neutral gestimmt.Ich hasste meinen Bruder so sehr weil er die ganze Liebe und Aufmerksamkeit bekam.Ich war ja selber erst 5 Jahre alt.Die Beziehung ging dann nach und nach so langsam in die Brüche.Jede Streitigkeit bekam ich mit und was man mir verheimlichen wollte,bekam ich ebenfalls mit.Ich habe schon immer mehr verstanden und mitbekommen als man es vermutet/vermutet hat.Ich litt unter dem familiären Stress.Meine Mutter ebenfalls,denn sie begann damit abends zu trinken.Ich hasste es meine Mutter jeden Abend betrunken zu sehen.Es war so als verlor ich dadurch jeden Respekt für sie.Ich fühlte Hass in mir.Als ich 13 Jahre alt war, trennten sich die beiden dann endgültig.Meine Mum,mein Bruder und ich zogen in eine andere Wohnung.Meine Mum konnte die Situation weiterhin nur schlecht verkraften und hatte keine Kraft für mich da zu sein.Klar sie hatte es nicht einfach, aber ich war mit 13 Jahren selbst in einem schwierigen Alter.Ich hab diese Sicherheit so sehr vermisst. Ich musste wieder selbst zurecht kommen und das gelang mir kaum.Meine Mum wechselte ständig ihre Partner, von denen mir jeder einzelne vorgestellt worden ist.Wie ich zu der Situation und den Partnern individuell an sich stand,war egal.Es interessierte nicht.Ich musste lernen zu akzeptieren.Wieder mal.Da jede Beziehung meiner mum in die Brüche ging , ging es ihr sehr schlecht.Sie begann mehr zu trinken als damals.Teilweise tagsüber und abends immer.Sie wollte die Flaschen vor mir verstecken,aber für mich waren sie immer offensichtlich erkennbar.Genauso wie der betrunkene Zustand meiner Mum.Sie hat es immer geschafft dies für die Außenwelt zu verbergen, aber für mich war alles offensichtlich.Ich hasste diese Zeit wie die Pest.Es verunsicherte mich meine Mum in solchen Zuständen zu sehen.Ich hasste sie teilweise so sehr dafür.Wenn ich mit Freunden draußen war, musste ich Angst haben dass zu Hause etwas schlimmes passiert sei.Ich war zu der Zeit scheinbar die Stärkere.Aber innerlich war ich kaputt.Ich lernte ältere Freunde kennen mit denen ich mich identifizieren könnte.Ich baute viel Mist mit Ihnen, aber dafür hatte ich endlich etwas Familien ähnliches.Als ich 19 war hörte das alles auf.Der Zustand meiner Mum besserte sich und ich suchte mir eine Wohnung.Ich bin froh dass diese Zeit nun vorbei ist.Aber sie hat spuren hinterlassen. Ich habe große Bindungsängste,bin depressiv veranlagt,Habe Probleme damit meine Meinung zu äußern,fühle mich oft zu Unrecht nicht gemocht oder nicht gut genug und fühle mich ständig angegriffen.Ich habe manchmal so vieles zu sagen,aber schweige.Oft werde ich sowieso nicht ernst genommen von meinem Umfeld, denn ich komme immer rüber wie ein kleines naives Mädchen.Teilweise habe ich aber auch eine sehr harte Schale, so dass die Leute denken ich wäre komplett hart.Ich finde einfach den Mittelweg nicht.Manchmal frage ich mich ob das wirklich durch damals entstanden ist...
 

Benutzer166117 

Öfters im Forum
Ich kann wenigstens ein bisschen nachvollziehen wie du dich fühlst. Hatte auch zu wenig Liebe, und auch sehr viel Ablehnung und Ausgrenzung von sämtlichen Leuten in meiner Kindheit gehabt, inklusive Familie.
Mittlerweile hat sich das gebessert, aber nichts desto trotz, hat es einen schon ein wenig geprägt.
Ich begegne auch jetzt noch hin und wieder Situationen, wo dann auch manchmal der ganze Mist wieder hoch kommt, und ich dann doch ganz schön Emotional werden kann :censored: Nicht agressiv, sondern mehr so alleine irgendwohin gehen, und ausheulen.
Habe auch schon viele Psychologen und Krankenhäuser hinter mir, da das teilweise ganz schön ausgeartet ist, mit den Problemen :cautious:
Fühl dich gedrückt, und ich hoffe doch das es Berg auf geht :smile: :knuddel:
[doublepost=1513890699,1513890500][/doublepost]Wenn ich solche Threads lese kommen die Emotionen ganz schön in Wallung. Will diese Personen dann einfach mal umarmen :engel:
 

Benutzer167777 

Verbringt hier viel Zeit
Liebe Linaina,

Einmal Pech immer Pech? Ich denke ganz und gar nicht. Ich habe auch viel Pech gehabt. Dass Du all Deine Gefühle in der Zeit bis heute so klar und deutlich artikulieren kannst und kennst, zeugt für mich von Emotionaler Gesundheit. Dass da auch gewisse Bindungs- und "Öffnungsängste" entstehen, ist für mich logische Konsequenz - aber auch dessen bist Du Dir sehr bewusst und kannst das auch zuordnen. Du hast früh gelernt, alleine klar zu kommen. Das kenne ich auch. Meine Devise lautete immer "Verlass Dich nie auf andere, dann bist Du verlassen".

Du wirst den Mittelweg finden. Mit kleinen Schritten. Mein Partner hat mich anfangs oft mit einer Art "Verzweiflung" angesehen und gemurmelt "Ich werde aus Dir nicht schlau". Es halfen erste total banale kleine Schritte, wie er darf meine Hand-/Einkaufstasche aus dem Auto bis zur Tür tragen, ohne dass ich im die aus der Hand reiße, weil ich die jawohl alleine tragen kann und bloß keine "Abhängigkeit" schaffen will. Oder ich lasse mich nach Schimpf und Zeter darauf ein, nicht mehr zu Fuß einkaufen zu gehen und 15 Kilo Einkauf in Taschen nach Hause zu tragen, sondern ihn mich mit dem Auto fahren.

Ähnliches im Freundes- und Bekanntenkreis. Menschen kommen und gehen im Leben. Manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig (z.B. Tod), manchmal trennt man sich von ihnen, weil es nicht mehr passt. Wenn Du das annehmen kannst und in kleinen Schritten versuchst, Deine Ansprüche an Dich selbst (muss ich alleine schaffen, bloß nicht jammern, keine Schwäche zeigen, das macht mich nur angreifbar) ein klein wenig herunterschrauben kannst, wird eine ganz liebenswerte Person zum Vorschein kommen, die für andere nicht komplett zwischen zwei Buchdeckeln versteckt ist.
 
2 Woche(n) später

Benutzer167965  (23)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hey,
erstmal finde ich nicht, dass du immer Pech haben wirst, denn jetzt fängt dein Leben doch erst richtig an. Du kannst jetzt all das was früher falsch gelaufen ist besser machen, kannst an dir arbeiten, vielleicht auch mit professioneller Hilfe, denn das ist echt nicht sehr schön was bei dir passiert ist. Ich denke, dass du zwar in der Vergangenheit ziemlich viel Pech hattest, aber jetzt eher positiv in die Zukunft schauen solltest. Mir ging es ähnlich wie dir, ich habe zwar nicht das durchgemacht was du erzählt hattest, aber ich habe mich wegen anderen Problemen teilweise so gefühlt wie du. Du wirst auf jeden Fall eine positive Zukunft haben, es wird zwar etwas dauern, aber ich bin mir sicher, dass du das schaffst.
LG
 

Benutzer97517 

Meistens hier zu finden
Hallo.. ich will gar nicht auf alles, speziell deiner Jugend eingehen denn die war stark Fremdbestimmt ...
Ich habe mal gelesen das diejenigen die immer Glück haben oft die sind die die Verantwortung ihres Lebens und Handelns selber übernehmen und nicht immer jammern über das böse Pech...
 
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