Einfach mal ein bißchen Urlaub auf Kosten der Krankenkasse

Benutzer67966 

Verbringt hier viel Zeit
Dieser Sparwahnsinn hat im Grunde dazu geführt, dass es in Deutschland zwei Firmen gibt, die halbwegs vernünftige Rollstühle vertreiben. Eine hat die Firmen oder wenigstens die Rechte an den Produkten in ganz Europa aufgekauft und vermarktet in Deutschland nur zwei Stühle. Davon ist einer sehr gut (aus der Schweiz). Allerdings hat der ein paar Schwachstellen, die bei mir voll zum Tragen kommen, insofern möchte ich den keine dritten 6 Jahre.

Die zweite Firma hat nur einen halbwegs vernünftigen Stuhl im Gesamtsortiment, den ich bestellt habe. Der ist allerdings in falscher Größe und mit defekten Bauteilen geliefert worden.

Einen, den ich gerne hätte (aus Schweden), kann ich nicht bekommen, da er in Deutschland keine Zulassung mehr hat. Hier hat die erstgenannte Firma die Rechte für Deutschland erworben und die Zulassung zurückgegeben, um ihr eigenes Produkt besser auf den Markt bringen zu können. Das Ding aus Schweden wurde früher von jedem zweiten Rollifahrer benutzt und ist einfach optimal.

Ansonsten gibt es zur Zeit nur Müll, der jedoch mit großem Druck auf den Markt gepresst wird. Wenn dann noch die Kasse schläft (Fax an die falsche Nummer), die beauftragte Konkurrenz nur Kohle scheffeln will (Berlin) und der Hersteller sich vermisst und defekte Teile einbaut, ergibt alles zusammen dieses Chaos. Auch ein noch so einfacher Auftrag lässt sich nicht nur mit Richtlinien, Verwaltungsaufwand und Budgets lösen, da braucht es auch mal Kompetenz, und die vermisse ich hier auf ganzer Linie.

Den einzigen Vertrag hast Du mit der Landesunfallkasse geschlossen.

Nicht mal das. Das Land Bayern muss dafür zahlen, dass ich während der Schulpflicht schwer verletzt worden bin. Das läuft in meinem Fall über die Landesunfallkasse.

Klar, ihr sagt, das Ding ist Schrott und hat keinen Wert mehr. Aber ist das bei jedem so? Da kann man doch nicht jedesmal einen Gutachter rausschicken. Also ist es am einfachsten das Ding einzubehalten und den neuen rauszugeben.
Genauso sollte man auch verstehen, dass die Kassen sich den billigsten Anbieter aussuchen. Wenn es bei diesem einen Rolli nur um 20 EUR geht, summiert sich das bei mehreren Rollstuhlfahrern doch.

Nein, natürlich ist das nicht bei jedem so. Wie Hexchen schon ganz richtig angemerkt hat, gibt es verschiedene Gründe, so einen Rollstuhl zu tauschen. Und genau dieser Grund wird ja auch der Kasse bekannt. Für den Fall, dass der Stuhl einfach verschlissen ist, die Kasse das erkennt und die Verschrottung anordnet, ist es einfach Schwachsinn, auf die Rausgabe zu bestehen. Aus verschiedensten (bereits genannten) Gründen.

Selbstverständlich sollen Rollstühle, die noch gebrauchsfähig sind, zurückgegeben werden, wenn sie nochmal wieder eingesetzt werden können. Das wird auch so praktiziert, zum Beispiel, wenn nach Veränderungen im Krankheitsbild ein anderer Rollstuhl nötig wird und der bisherige noch relativ neu ist.

Ich verstehe jedoch nicht, dass die Krankenkassen sich den billigsten Anbieter aussuchen. Wir sind uns einig, dass Wirtschaftlichkeit eine große Rolle spielt. Wirtschaftlichkeit ist aber nicht nur ein einzelner Posten. Sondern Wirtschaftlichkeit kann man nur anhand der Gesamtkosten beurteilen. Beispiel: Ich darf mir selbst keine neuen Reifendecken aufziehen, das ist nach dem Medizinproduktegesetz verboten. Bisher bin ich beim Stadtbummel bei meinem Sanitätshaus vorbei geshoppert, habe mich ne Viertelstunde mit jemandem unterhalten, während der die Decken getauscht und gleich alles einmal durchgesehen hat. Anschließend habe ich eine Rechnung über 41 Euro bekommen und bei der Kasse eingereicht.

Wenn das jetzt nötig wird, kostet das erstmal 75 Euro Anfahrtspauschale. Plus Material. Und wie das mit dem 24-Stunden-Service klappt, sieht man ja. Gar nicht. Also muss ich mir hier ein drittes Rad hinstellen, damit ich im Notfall überhaupt noch aus dem Bett komme. Wo bitte ist da was eingespart?

Wenn dein Kostenträger eine Unfallkasse ist, erhälst du Verletztengeld und kein Krankengeld, auch wenn deine Krankenkasse das Auszahlen übernehmen mag.

Richtig. Nur da hier kaum einer vom Fach ist, wollte ich 20 Rückfragen vermeiden, was Verletztengeld ist.

Ich halte es für eine Unverschämtheit, bei jemandem, der körperlich so eingeschränkt ist, daß er einen Rollstuhl BRAUCHT, den neuen nur im Austausch gegen den alten auszuliefern. Denn selbst WENN der neue absolut in Ordnung ist - da wird von jemandem mit Querschnittslähmung erwartet, OHNE Rollstuhl ein riesiges Paket auszupacken und den neuen Rollstuhl zusammenzubauen. Sorry, aber DAS kann doch nicht sein!

Das ist auch mittlerweile geklärt worden (wenn auch ohne konkrete Folgen): Das ist nicht zulässig. Denn im Leistungspaket, das das Sanitätshaus abrechnet, ist eine Anprobe, eine Einweisung in Gebrauch und Sicherheitsbestimmungen enthalten. Der Rollstuhl hat fahr- und einsatzbereit zu sein, wenn er übergeben wird. Das Sanitätshaus argumentierte dann, dass ich dann noch zwei Wochen länger hätte warten müssen, weil so schnell niemand mal eben persönlich einen Rolli von Berlin nach Augsburg fahren kann. Vor allem muss das ja jemand sein, der sich auskennt. Ein Botenjunge kann wohl kaum irgendwas nachziehen, anders einstellen etc. Und selbst der verdient schon 8 Euro die Stunde und wäre den ganzen Tag unterwegs. Soviel zum Thema "billiger".

Meine Frage dazu gegenüber der Kasse war dann, wieso die überhaupt den Auftrag bekommen, wenn sie damit offensichtlich überfordert sind. Die Dame von der Kasse meinte dann, dass das vorher nicht erkennbar war. Ich konnte mir nicht verkneifen, zu fragen, ob es denn jetzt wenigstens bekannt ist, so dass man künftig bei der Auswahl des Leistungserbringers etwas sorgfältiger schaut. Darauf meinte die Dame von der Kasse, dass es sich hier wohl um einen Einzelfall handele. Ich habe ihr dann angekündigt, dass sie sich, sobald der Vorgang abgeschlossen ist (erstmal abwarten, was noch so passiert), auf eine Dienstaufsichtsbeschwerde gefasst machen kann, im Zuge derer sie sich wohl gegenüber ihrer Aufsichtsbehörde schriftlich erklären müssen wird, was konkret ihre Annahme rechtfertigt, dass es bei anderen Augsburger Rollstuhlfahrern anders laufen wird.

Auch reden hier immer alle von den Krankenkassen, es handelt sich hierbei aber um eine Unfallkasse, die vielleicht auch gar nicht soviel Erfahrung mit Rollstühlen und dem Austausch hatten und sich nur an das gehalten haben, was ihnen vom Gesetzt oder irgendwelchen Richtlinien her aufgetragen wurde.

Nee, wir reden hier von einer Krankenkasse, die vom Unfallversicherungsträger mit der Durchführung beauftragt wurde. Auch das habe ich rausgelassen, weil so schon kaum noch einer durchblickt. Es handelte sich um eine der größten Ersatzkassen Deutschlands, nee, nicht grün oder blau.

Aber du hast doch jetzt leihweise einen Notrollstuhl. Kannst du nicht damit einfach zur Arbeit, wenn du dir Sorgen wegen deiner Probezeit machst?

Würdest Du in Filzsandalen auf die Baustelle gehen? Es handelt sich um so etwas, statt bisher sowas. Das scheitert alleine schon daran, dass einige Türen im Krankenhaus 60 cm breit sind und ich mit diesem Schiebe-Notfall-Teil dort nicht durchkomme, da er über 70 cm breit ist. Ich komme damit ja nicht mal alleine ins Auto, unter keinen Tisch, ... ach es ist einfach grausam.

Ich habe im Moment einen halbwegs passenden von einer Freundin geliehen bekommen. Es handelt sich um ihren Zweitrollstuhl (privat versichert). Allerdings hat der sehr empfindliche Polster (keine Ahnung, wieso man sich sowas besorgt) und entsprechend möchte ich ihr nicht zumuten, dass der erste Patient drüberkotzt, mir beim Blutabnehmen die Hälfte daneben läuft oder ähnliches. Ich wollte auch nach der Rückgabe in einigen Wochen noch ihre Freundin bleiben...

Ich bin nicht mehr in der Probezeit, aber ich bekomme immer nur Jahresverträge. Und den letzten auch nur mit viel Nachdenken seitens des Arbeitgebers. Meine Befürchtung ist, dass er nächstes Mal noch mehr nachdenkt.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Dieser Sparwahnsinn hat im Grunde dazu geführt, dass es in Deutschland zwei Firmen gibt, die halbwegs vernünftige Rollstühle vertreiben.

Du sagst "Sparwahn", ich sag "Lobbyismus". Frag die doch mal, wie viel man an die verschiedenen Parteien spenden muss, damit sie die Politik machen, die man haben will...

Nicht mal das. Das Land Bayern muss dafür zahlen, dass ich während der Schulpflicht schwer verletzt worden bin. Das läuft in meinem Fall über die Landesunfallkasse.

Na, umso besser! Stoiber und Beckstein rühmten sich doch immer, wie reich Bayern sei. Dann verklagst Du das Land Bayern, in Insolvenz können die ja nicht gehen...

Ich verstehe jedoch nicht, dass die Krankenkassen sich den billigsten Anbieter aussuchen. Wir sind uns einig, dass Wirtschaftlichkeit eine große Rolle spielt.

Naja, Dein Fall kann ja wohl kaum wirtschaftlich gewesen sein. Rollstuhl produziert, vergeigt, neuer Rollstuhl produziert, Fehlproduktion eingestampft. Und wer behauptet, dass das Sanitätshaus bzw. der Hersteller das nicht auf die anderen Rollis umlegt, hat null Ahnung von Wirtschaft (zu deutsch: ist glosartig). Wäre also wirtschaftlicher, wenn nur EIN Rolli produziert werden müsste, oder? Klingt das jetzt logisch? Warum versteht das nur keiner, der ein Parteibuch besitzt? Und/oder ein Konto in Liechtenstein?
 
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