Einer stirbt in einer Partnerschaft - wer "darf" zuerst gehen?

Benutzer75021 

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Also mein Freund käme ohne mich sicherlich besser klar als ich ohne ihn. Das heißt nicht, dass ich ihn mehr liebe als er mich, aber er ist im Verarbeiten von Verlusten viel besser, er steckt so was besser weg, er ist da viel stärker als ich. Ich denke, er würde das packen, sich sicher in die Arbeit stürzen und seinen Weg auch ohne mich irgendwie weiter gehen.

Wenn ich zurück bleiben müsste, wäre das tausendmal schlimmer. Ich bin da viel schwächer, würde mich sicherlich kaum berappeln, würde in der Trauer versinken und schwer wieder auf die Beine kommen :frown:
Bei uns ist das umgekehrt.
Ich denke das er viel zu sensibel ist und alleine nicht so gut klar käme wie ich, aber ich will auch nicht das er vor mir stirbt.
Doofes Thema.
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich finde den Gedanken gemeinsam in den Tod zu gehen auch eher gruselig. Falls ich früher Sterben sollte, wünsche ich mir, dass meine Partnerin trotzdem noch die Lebenszeit, die ihr bleibt so gut wie möglich genießt - ganz unabhängig davon, ob es auch noch Kinder in der Gleichung gibt oder nicht. Genauso würde ich ihr nicht sofort in den Tod folgen wollen, falls sie vor mir stirbt, auch wenn es unglaublich hart sein kann, so "zurückgelassen" zu werden. Aber auch wenn ich nicht weiß, was nach dem Tod kommt, ob da überhaupt noch etwas kommt - der geliebte Mensch lebt auf jeden Fall in Form von Erinnerungen weiter, in den Mensch, denen er etwas bedeutet hat, er ist doch irgendwie da. Und so hart es wäre, dann wieder alleine zu sein - ich würde mir dann eben wünschen dass sie für mich weiterlebt, genießt und mich in guter Erinnerung behält, und nicht nur mit Trauer, sondern auf jedem Fall auch immer wieder mit einem Lächeln - oder eben selbst versuchen, das zu tun.

Was schwerer wäre - das gehen müssen oder das zurückgelassen werden - das weiß ich nicht. Beides ist auf seine Art grausam. Das Leiden des Hinterbliebenden währt länger, dafür hat er noch Lebenszeit vor sich, die genutzt werden kann und sollte - aufwiegen und sagen "das ist besser oder schlechter" würde ich da nicht wollen. Und Planen kann man's eh nicht.

Ein großes Thema stellt der Tod für mich im Beziehungsleben aber eh nicht dar. Seine Existenz ist eher ein Anlass, schöne Momente und das hier und jetzt auszukosten.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Ich will sterben wann es Zeit ist, und meine Partnerin will sterben wann es Zeit ist.

Warum soll von Menschen die sich lieben, nicht eines allein zurück bleiben und um das andere weinen? Man ist auch nach dem Tod des Partners noch ein ganzer Mensch, und andere Menschen sind auch noch da.
 

Benutzer99630  (34)

Sorgt für Gesprächsstoff
Seltsamerweise gehe ich fast davon aus, dass mein Freund zuerst stirbt und ich übrig bleibe. In meiner Vorstellung sind wir da allerdings beide schon alt :grin: Vielleicht liegt das daran, dass in meinem Familien- und Bekanntenkreis einfach viele ältere Frauen zu finden sind, die ihren Partner überlebt haben. Ich kenne nur einen einzigen verwitweten Mann, aber viele verwitwete Frauen. Meist ist die Frau in der Partnerschaft nunmal jünger und hat statistisch gesehen auch noch eine höhere Lebenserwartung.
Wir haben allerdings auch darüber gesprochen, was wäre, wenn einer von uns krank wird oder einen Unfall hat. Und wir sind uns darin einig, dass der zurückbleibende doch bitte möglichst sein weiteres Leben genießen sollte. Inwieweit das tatsächlich möglich wäre wissen wir natürlich nicht - und ich kann auch gut darauf verzichten, es herauszufinden.
Ganz gruselig fand ich allerdings, als mein Freund mir sagte, er hätte 'schon für mich gesorgt', falls ihm was passiert, mich also finanziell abgesichert. Das passte so gar nicht zu unserer Beziehung, bei uns sorgt jeder für sich selbst. Als er mit diesem Satz kam, dachte ich wirklich, er hätte irgendeine Schockdiagnose vom Arzt bekommen... War glücklicherweise nicht so, aber die Erinnerung erschreckt mich immer noch.
 

Benutzer90972 

Team-Alumni
Ganz gruselig fand ich allerdings, als mein Freund mir sagte, er hätte 'schon für mich gesorgt', falls ihm was passiert, mich also finanziell abgesichert. Das passte so gar nicht zu unserer Beziehung, bei uns sorgt jeder für sich selbst. Als er mit diesem Satz kam, dachte ich wirklich, er hätte irgendeine Schockdiagnose vom Arzt bekommen... War glücklicherweise nicht so, aber die Erinnerung erschreckt mich immer noch.

Interessanterweise hatte ich vor 3 Tagen eine ähnliche Situation. Meine Freund hat mich im Todesfall als Begünstigte eintragen lassen und mir dann davon erzählt. Ich habe auch direkt gefragt, ob ich etwas wissen sollte. Komisch, dass man bei so einer Aussage immer gleich 10 Schritte weiter denkt.
 
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Benutzer98976 

Sehr bekannt hier
Ich weiß nicht, es gibt Fälle, da kann ich verstehen, wenn man 'folgen' will. Aber nicht durch Freitod.
Meine alte Nachbarin verlor ihren Mann kurz vor deren gemeinsamer, goldener Hochzeit. Das ist Jahre her, und wir dachten damals, sie würde zerbrechen und aus Kummer versterben. Aber sie lebt noch und trägt seitdem jeden Tag schwarz; ich glaube nicht, dass sie damit noch aufhören wird. Ich hätte es ihr gewünscht, dass sie folgen kann.
In diesem Fall sind/waren beide alt und haben alles gemeinsam gemacht. Selbst zu ihren Arztterminen haben sie sich gegenseitig begleitet - süß. Er war auch wirklich ein toller Kerl, lebenslustig und handfest. Wenn man mit jemandem zusammen ist, seitdem man 17 ist und dieser Mensch ist wie ein Stück seiner selbst - wie will man das überleben, ohne ihn zu sein? Das ist doch grausam.

Bei mir selbst...uah. Bei meinem derzeitigen Partner habe ich das Gefühl, dass er für mich 'derjenige welcher' sein könnte. Wenn er jetzt plötzlich aufgrund eines Unfalles versterben würde - ich würde Jahre brauchen, um mich zu erholen. Ich weiß, dass ich stark bin und das schaffen könnte, aber ehrlich gesagt schiebe ich den Gedanken an so etwas gern weg, weil mir das sehr bedrohlich erscheint.
Und schimpfe lieber mit ihm, dass er brav zur Vorsorge gehen soll und bitte nicht so waghalsig Auto fahren soll, weil ich mir da Sorgen mache :grin:
Ich wünsche mir einfach nur, dass uns noch viele gemeinsame Jahrzehnte vergönnt sind. Nach dem ganzen Mist in meinem Leben hab ich das echt verdient, finde ich. Höchstwahrscheinlich werden wir etwa gleichzeitig sterben, denn ich bin zwar jünger und habe statistisch gesehen die höhere Lebenserwartung, aber in seiner Familie sind sehr viele 90jährige, anders als in meiner Familie.

Sollte es anders sein, wünschen wir uns beide natürlich das schönstmögliche Leben ohne den anderen. Ich würde ihm sogar wünschen, dass er sich wieder verlieben kann - und ich denke, er mir auch.
 
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Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich weiß nicht, es gibt Fälle, da kann ich verstehen, wenn man 'folgen' will. Aber nicht durch Freitod.
Meine alte Nachbarin verlor ihren Mann kurz vor deren gemeinsamer, goldener Hochzeit. Das ist Jahre her, und wir dachten damals, sie würde zerbrechen und aus Kummer versterben. Aber sie lebt noch und trägt seitdem jeden Tag schwarz; ich glaube nicht, dass sie damit noch aufhören wird. Ich hätte es ihr gewünscht, dass sie folgen kann.

Oh man, das erinnert mich an ein Erlebnis in unserem Wohnhaus.
Ich kam da mal vom Einkaufen zurück. Bei uns im Haus hat immer ein älteres Ehepaar gelebt. Er hat sich sehr liebevoll um sie gekümmert. Sie war dement. Und als ich damals nach Hause kam, stand der Mann bei sich in der Eingangstür. Als er mich sah, sprach er mich an. Erst relativ belangloses Zeug, aber plötzlich erzählte er mir, dass seine Frau gestorben war. Und die Tränen schossen ihm in die Augen. Ich bin dann noch ein paar Minuten mit in seine Wohnung gekommen. Er hatte ihr einen kleinen Altar errichtet. Mit vielen Bildern von ihr, christlichen Symbolen und Kerzen. Und er hat von ihr erzählt, dass sie schon über sechzig Jahre verheiratet gewesen waren, von ihren Kindern,...
Mir tat das so leid. :frown:
Wenn man das Glück hat jemanden zu finden, mit dem man sein Leben verbringen möchte und mit ihm so viele Jahre verbringt, duch gute und schlechte Zeiten geht, so Vieles miteinander teilt, Kinder auf die Welt bringt - und dieser jemand ist dann einfach weg?
 

Benutzer98976 

Sehr bekannt hier
:frown: ach man, der Arme. Gut, dass Du Dir die Zeit genommen hast und ihm zugehört hast. Das hat ihm sicherlich gut getan.
 
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