Geschichte Eine Flirtgeschichte

Benutzer42813 

Beiträge füllen Bücher
Die folgende Geschichte ist fiktiv, auch wenn sie in der Ich-Form erzählt wird. Ich hatte einfach mal Lust, eine kleine Flirtgeschichte ohne jeden SM-Hintergrund zu schreiben, und jeder, dem sie gefällt, ist herzlich zum Lesen eingeladen :smile:. Ist nichts Grandioses, aber vielleicht gefällt es euch ja.

Die Frau neben mir ist wunderschön, aber ich habe in der letzten halben Stunde festgestellt, dass sie außerdem noch was in der Birne hat. Meine Güte, was die für schöne, spannende und ungewöhnliche Gedanken denkt! Ich habe mich lange nicht mehr so gut amüsiert - und dann hat sie auch noch so hübsche Grübchen, wenn sie lächelt. Ob ich jetzt schon den Arm um sie lege oder damit noch eine halbe Stunde warten soll? Immerhin kam sie eben von selbst auf die Idee, dass wir uns ein Bier teilen können, aus der gleichen Flasche und so...

Und ich weiß doch noch nicht mal, ob sie auch auf Frauen steht...

Zuerst realisiere ich gar nicht, dass sie den neu hinzugekommenen Mann neben ihr gar nicht kennt. Viel zu vertraulich hat er sich neben sie gesetzt, sie einfach so geduzt und den Arm um ihre Schulter gelegt. Scheiße. Ist das ihr Freund? Oder ein guter Kumpel? Oder will sie schon länger was von ihm? Verdammt, verdammt, verdammt, es ist immer so schwer, wenn man über die Frau noch nicht wirklich was weiß. Ich will mich ja auch nicht dazwischen drängen. Also lass ich das mit dem Arm um ihre Schulter wohl doch lieber. Sie guckt jetzt auch viel reservierter. Und sie redet auf einmal nur noch mit ihm, statt auf ihre entzückend intelligente Art weiter voller Begeisterung von der archetypischen Männerbildveränderung im Superheldenklischee zu plaudern und mich auf geistige Höhenflüge mitzunehmen. Scheiße. Verdammt aber auch. Missmutig gucke ich in unsere halb geleerte Bierflasche.

"Bitte entschuldige mich, ich muss noch mal da rüber zu ein paar Freunden!", sagt sie auf einmal zu mir, während ich die Bierflasche in meiner Hand drehe und in mich hineinfluche, weil ich diese Chance verpasst habe. Anscheinend gefiel ich ihr doch nicht so gut, wie ich zunächst gedacht hatte. Scheiße aber auch.

Als ich hochblicke, sitzt der Mann neben mir, der sie eben in ein Gespräch verwickelt hatte.

"Hast du Lust, dir mit mir auch ein BIer zu teilen?", fragt er mich und schaut mich dabei fordernd und unsicher zugleich an. Seltsam. Ich frage mich wirklich, wie er das schafft, gleichzeitig wie ein Karnickel kurz vor der Schlachtung und doch genauso unerbittlich fordernd wie ein Polizist bei der Verkehrskontrolle zu schauen.

"Nein danke, ich habe noch ein Bier", antworte ich und schaue an seinem Gesicht vorbei, weil ich seinen unablässig meine Augen fixierenden Blick nicht mag.

"Ach komm schon, zu zweit macht es viel mehr Spaß!" Wie soll ich ihm das glauben, wenn er dabei weiterhin so konzentriert meine Augen einzufangen versucht, ohne dabei mit seinen Augen auch nur den Versuch eines Lächelns zu machen?

"Hatte ich eben schon."

"Dann kannst es jetzt ja auch mit mir machen."

"Nein danke, das ist mein Bier, das trinke ich selbst."

Ich drehe mich weg von ihm und versuche, mit dem Mann etwas weiter links von mir ein Gespräch anzufangen. Doch ich habe kaum zwei Worte gesagt, als der Typ rechts von mir mich mehrfach in den Oberarm piekt und lacht. Ich drehe mich wieder zu ihm um und setze meinen Eisblick auf. Er und ich stehen in keinerlei Verhältnis zueinander, dass ihm erlauben würde, mich anzufassen, und ich habe ihn gerade in höflich abblitzen lassen. Wenn er das nicht kapiert, dann muss es eben der Eisblick sein.

"Hier, ein Schokoriegel, nur für dich!" Ich überlege kurz. Es mag ja schmeichelhaft sein, dass er sich um mich bemüht, aber ich steh einfach nicht auf Männer. Vielleicht ist das die Art, wie Männer und Frauen miteinander flirten, aber bei mir funktioniert das einfach nicht. Habe ich ihm vielleicht die falschen Signale gesendet?

"Ich mag keine Schokoriegel", antworte ich ihm und nehme noch einen Schluck Bier. Irre ich mich, oder ist er gerade näher an mich herangerückt und drückt sein Knie gegen meines? Ich mag es nicht, ich ziehe mein Knie ein bisschen mehr zu mir, dann zucke ich die Schulter und entscheide mich für härtere Maßnahmen und rutsche die zehn möglichen Zentimeter nach links, so dass mein dortiger Nachbar schon glaubt, ich würde auf einmal ihn anbaggern wollen. Langsam und unaufhaltsam folgt er mir und hält weiter den Schokoriegel in der Hand.

"Ja, ich seh schon, du magst lieber Bier, deine Freundin vorhin mochte auch keinen Schokoriegel."

Haha. Meine Freundin. Schön wäre es. Endlich treff ich mal eine Frau, in die ich mich tatsächlich verlieben könnte, weil sie auch was auf dem Kasten hat - und dann schaffe ich es, sie so zu Tode zu langweilen, dass sie mit angewidertem Gesicht vor mir geflüchtet ist...

Ich will noch einen Schluck nehmen, als mir klar wird, dass er gar kein Kumpel von ihr war. Sonst hätte er doch ihren Namen genannt. Er hatte sie einfach nur anbaggern wollen, weil sie so hübsch ist. Kein Wunder, dass sie geflohen ist - irgendwas stimmt mit dem nicht. Der kapiert ein Nein nicht, und solche Leute sind immer gruselig. Und dann einfach einen Platz weiter zur nächsten zu rücken, nachdem er bei der ersten abgeblitzt ist... Noch stilloser geht doch wirklich nicht, oder?

Mit einem Mal wird mir leichter ums Herz. "Bitte entschuldige mich, ich muss einmal die Örtlichkeiten aufsuchen", sage ich und stehe auf. Soll ja keiner sagen, dass ich meine Körbe unhöflich verteile, nicht wahr?

Mit leichten Schritten suche ich nach der kraushaarigen Blondine und drücke ihr das Bier in die Hand, das wir uns vorhin geteilt haben. "Kannst du dich für einen Moment darum kümmern, ich muss eben mal für kleine Mädels?", frage ich sie und sie lächelt und nickt.

Ihre Augen leuchten wieder und schauen nicht mehr so angewidert wie eben, als sie so plötzlich von mir weggegangen ist.Da fasse ich mir ein Herz und frage sie, ob sie gleich nach meiner Rückkehr Lust hat, auf der Musikanlage einen Song auszuwählen und dazu mit mir zu tanzen.

Ich kann mein Glück kaum fassen, als sie lächelt und nickt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer117996 

Sorgt für Gesprächsstoff
hey die geschichte is echt süß :thumbsup: ich hoffe es gibt eine Fortsetzung?
 

Benutzer101233  (39)

Planet-Liebe Berühmtheit
Wo hat er nur den Schokoriegel her? :grin:
 
4 Woche(n) später

Benutzer111649 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hab's gern gelesen! An wenigen Stellen nicht ganz die Ausdrucksweise, die ich schriftlich zu sehen gewöhnt bin, aber das gehört wohl zum Stil, zum Bild?

Freue mich auf weitere Leseproben!
 

Benutzer42813 

Beiträge füllen Bücher
Darf ich fragen, welche Formulierungen du meinst? Ich gebe zu, dass ich die Geschichte nicht großartig geschliffen hatte, weil sie eher dem Warmschreiben diente, aber dennoch freu ich mich immer über konstruktives Feedback :smile:.
 
2 Woche(n) später

Benutzer37188 

Meistens hier zu finden
Also du hattest mich spätestens bei der archetypischen Männerbildveränderung im Superheldenklischee... :herz:
Dein Schreibstil ist wie immer ein Genuss; mir gefällt hier übrigens besonders, dass du ihn so schlicht gehalten hast. Durch die Mischung von Ich-Perspektive auf der einen Seite und sparsamen optischen Details auf der anderen Seite ist es eine großartige Mischung, mit der sich jede/r gut identifizieren kann.
 
3 Woche(n) später

Benutzer121785  (29)

Verbringt hier viel Zeit
Ich find die Geschichte auch sehr Ansprechend und super geschrieben :smile:
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren