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Benutzer237108 (39)
Ist noch neu hier
- #1
Hallo zusammen,
die Überschrift verrät ja schon grob, worum es hier gehen wird. Meine Frau und ich werden uns mittelfristig trennen. Und wahrscheinlich ist das auch richtig so.
Trotzdem möchte ich mir hier einiges von der Seele schreiben. Wir stecken beide emotional ziemlich tief drin, können aber darüber kaum vernünftig und offen miteinander reden. Die Fronten sind festgefahren, wir haben uns über Jahre immer weiter voneinander entfernt und es wirkt schon länger wie ein Zusammenleben nebeneinander statt miteinander. Warum schreibe ich das hier? Zum einen, weil ich einfach reden beziehungsweise schreiben muss. Zum anderen, weil ich gerne Meinungen von außen hören möchte. Kritik gehört genauso dazu wie Zuspruch. Ich möchte reflektieren, wo ich Fehler gemacht habe. Wo ich vielleicht unfair zu ihr oder auch zu mir selbst war. Mein moralischer Kompass zeigt nämlich auch nicht immer schnurgerade nach Norden. Und vielleicht hilft mir das Schreiben auch dabei, die letzten Jahre besser zu verstehen. Nicht um die Ehe noch zu retten — daran glaube ich ehrlich gesagt nicht mehr. Sondern um irgendwann mit etwas mehr Klarheit aus der Sache rauszugehen. Vielleicht sogar ein kleines bisschen klüger. Wäre bei 16,5 Jahren Beziehung ja immerhin angemessen.
Wir sind seit 16,5 Jahren zusammen, davon 13 verheiratet. Zwei Kinder, 10 und 5 Jahre alt. Wir sind beide Jahrgang 1986 und inzwischen vermutlich emotional ungefähr so frisch wie ein vergessenes Brötchen hinter der Heizung.
Die letzten Jahre waren geprägt von Frust, Distanz, Streit, Missverständnissen und diesem schleichenden Gefühl, dass man sich gegenseitig einfach nicht mehr erreicht. Vor etwa zwei Monaten haben wir dann wieder über Trennung gesprochen. Das kam früher schon öfter vor, aber eher unterschwellig. So als würde man testen, ob beim anderen noch irgendwas an Hoffnung oder Kampfgeist vorhanden ist. Dieses Mal war es anders. Da lag keine Wut mehr in der Luft, sondern Resignation. Als wären alle Kämpfe bereits geführt worden und keiner hätte mehr Kraft, noch einen weiteren anzufangen. Es fühlte sich endgültig an.
Kurz davor war sie mit den Kindern drei Wochen in einer Mutter-Kind-Kur. Beim Telefonieren war die Stimmung mal okay, mal angespannt. Als sie zurückkam, haben wir beide versucht, uns zusammenzureißen. Freundlicher zu sein. Aufmerksamer. Wir hatten uns zur Begrüßung geküsst. Dieser Kuss war seltsam. Nicht feindselig, aber kalt. Vorsichtig. Fast distanziert. Es war unser letzter Kuss. Ein paar Tage später hatte uns der Alltag wieder komplett eingesammelt. Dicke Luft, Diskussionen, kleinere Streits. Irgendwann saßen wir abends zusammen am Tisch und sie sagte, dass sie während der Kur viel über sich und unsere Ehe nachgedacht hätte. Dass sie nicht mehr kann und auch nicht mehr möchte. Dass wir uns auseinanderentwickelt haben und uns gegenseitig nicht mehr das geben, was wir eigentlich brauchen.
Dann machte sie zwei Vorschläge: Entweder die klare Trennung. Oder wir bleiben wegen der Kinder zusammen und jeder lebt mehr oder weniger sein eigenes Leben. Mit Freiraum, neuen Kontakten und der Möglichkeit, andere Menschen zu treffen. Also praktisch eine offene Ehe. Nur eben nicht als modernes Lifestyle-Experiment, sondern weil zwischen uns ein ganzer Canyon entstanden ist. Ich sagte ihr, dass ich ähnlich denke. Nicht erst seit gestern. So eine Schieflage entsteht ja nicht plötzlich über Nacht. Die baut sich langsam auf und ich gehöre nicht zu den Menschen, die dann völlig überrascht vor den Trümmern stehen und sagen: "Wow, damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet." Ich fragte sie dann, ob sie jemanden kennengelernt hat. Oder ob während der Kur irgendwas passiert ist. Die Frage kam nicht aus dem Nichts. Vor neun Jahren war sie mir fremdgegangen. Damals waren wir ebenfalls in einer schwierigen Phase. Und es war keine einmalige dumme Aktion, sondern eine monatelange Affäre mit einem ehemaligen Nachbarn. Genau genommen eine Sommerromanze mit Gefühlen, die sie für ihn hatte. Die er nicht erwiderte, gerne aber die körperliche Zuwendung mitnahm. Seine Frau hat ihn damals verlassen nachdem alles aufgeflogen war. Ich habe ihr irgendwann verziehen. Zumindest irgendwie. Vergessen habe ich es allerdings nie. Und heute weiß ich auch, dass ich das vermutlich kein zweites Mal könnte. Während der Kur hatte sie schnell Anschluss gefunden. Sie ist ein extrovertierter Mensch (ganz anders als ich), es fällt ihr leicht Kontakt zu Menschen zu knüpfen. Dort verbrachte sie viel gemeinsame Zeit mit anderen Müttern und Vätern - sie waren eine gemischte Truppe. Zusammensitzen, vormittags Freizeit ohne Kinder, abends Wein trinken ohne Kinder. Eigentlich erstmal nichts Verwerfliches. Aber mit unserer Vorgeschichte fühlt sich mein Misstrauen auch nicht komplett aus der Luft gegriffen an. Ihre Antwort auf meine Frage war ziemlich kurz: "Ich habe dort Aufmerksamkeit bekommen." Mehr kam nicht. Ich habe auch nicht weiter nachgefragt. Einerseits weil ich glaube, dass sie sowieso nicht alles erzählt hätte. Andererseits weil ich mir nicht sicher bin, ob ich die Antworten überhaupt hören möchte, wenn sie denn ehrlich und offen antworten würde. Und jetzt sitze ich hier und weiß nicht wie es weitergehen soll.
Bleiben wir erstmal zusammen wegen der Kinder?
Dann könnte ich sie jeden Tag sehen, finanziell wäre erstmal alles stabil und das Familienleben würde zumindest äußerlich weiterlaufen. Andererseits müsste ich akzeptieren, dass meine Mitbewohnerin jederzeit andere Männer treffen/besuchen kann. Was sie wahrscheinlich macht, denn sie ist oft alleine unterwegs. Während ich als offiziell verheirateter Typ und ohne eigene Rückzugsmöglichkeit vermutlich nicht gerade als heiße Aktie auf dem Datingmarkt gelte. Trennen wir uns dagegen komplett, wird es finanziell schwierig. Höhere Steuerlast, Kindesunterhalt, möglicherweise Ehegattenunterhalt. Ich mache aktuell zusätzlich noch eine Weiterbildung neben dem Beruf, die mich Zeit, Energie und Geld kostet und noch etwa 1,5 Jahre läuft. Und auch sie ist momentan finanziell nicht wirklich unabhängig. Sie arbeitet nicht gerne in ihrem klassischen Job und steckt ihre Energie lieber in ihr Nebengewerbe. Kann ich ihr nicht mal übel nehmen. Aber dadurch hängen wir wirtschaftlich gerade beide irgendwie gegenseitig aneinander.
Vielleicht rede ich mir damit auch einfach nur Gründe ein um vor einer Entscheidung davonzulaufen, die mir eigentlich Angst macht.
die Überschrift verrät ja schon grob, worum es hier gehen wird. Meine Frau und ich werden uns mittelfristig trennen. Und wahrscheinlich ist das auch richtig so.
Trotzdem möchte ich mir hier einiges von der Seele schreiben. Wir stecken beide emotional ziemlich tief drin, können aber darüber kaum vernünftig und offen miteinander reden. Die Fronten sind festgefahren, wir haben uns über Jahre immer weiter voneinander entfernt und es wirkt schon länger wie ein Zusammenleben nebeneinander statt miteinander. Warum schreibe ich das hier? Zum einen, weil ich einfach reden beziehungsweise schreiben muss. Zum anderen, weil ich gerne Meinungen von außen hören möchte. Kritik gehört genauso dazu wie Zuspruch. Ich möchte reflektieren, wo ich Fehler gemacht habe. Wo ich vielleicht unfair zu ihr oder auch zu mir selbst war. Mein moralischer Kompass zeigt nämlich auch nicht immer schnurgerade nach Norden. Und vielleicht hilft mir das Schreiben auch dabei, die letzten Jahre besser zu verstehen. Nicht um die Ehe noch zu retten — daran glaube ich ehrlich gesagt nicht mehr. Sondern um irgendwann mit etwas mehr Klarheit aus der Sache rauszugehen. Vielleicht sogar ein kleines bisschen klüger. Wäre bei 16,5 Jahren Beziehung ja immerhin angemessen.
Wir sind seit 16,5 Jahren zusammen, davon 13 verheiratet. Zwei Kinder, 10 und 5 Jahre alt. Wir sind beide Jahrgang 1986 und inzwischen vermutlich emotional ungefähr so frisch wie ein vergessenes Brötchen hinter der Heizung.
Die letzten Jahre waren geprägt von Frust, Distanz, Streit, Missverständnissen und diesem schleichenden Gefühl, dass man sich gegenseitig einfach nicht mehr erreicht. Vor etwa zwei Monaten haben wir dann wieder über Trennung gesprochen. Das kam früher schon öfter vor, aber eher unterschwellig. So als würde man testen, ob beim anderen noch irgendwas an Hoffnung oder Kampfgeist vorhanden ist. Dieses Mal war es anders. Da lag keine Wut mehr in der Luft, sondern Resignation. Als wären alle Kämpfe bereits geführt worden und keiner hätte mehr Kraft, noch einen weiteren anzufangen. Es fühlte sich endgültig an.
Kurz davor war sie mit den Kindern drei Wochen in einer Mutter-Kind-Kur. Beim Telefonieren war die Stimmung mal okay, mal angespannt. Als sie zurückkam, haben wir beide versucht, uns zusammenzureißen. Freundlicher zu sein. Aufmerksamer. Wir hatten uns zur Begrüßung geküsst. Dieser Kuss war seltsam. Nicht feindselig, aber kalt. Vorsichtig. Fast distanziert. Es war unser letzter Kuss. Ein paar Tage später hatte uns der Alltag wieder komplett eingesammelt. Dicke Luft, Diskussionen, kleinere Streits. Irgendwann saßen wir abends zusammen am Tisch und sie sagte, dass sie während der Kur viel über sich und unsere Ehe nachgedacht hätte. Dass sie nicht mehr kann und auch nicht mehr möchte. Dass wir uns auseinanderentwickelt haben und uns gegenseitig nicht mehr das geben, was wir eigentlich brauchen.
Dann machte sie zwei Vorschläge: Entweder die klare Trennung. Oder wir bleiben wegen der Kinder zusammen und jeder lebt mehr oder weniger sein eigenes Leben. Mit Freiraum, neuen Kontakten und der Möglichkeit, andere Menschen zu treffen. Also praktisch eine offene Ehe. Nur eben nicht als modernes Lifestyle-Experiment, sondern weil zwischen uns ein ganzer Canyon entstanden ist. Ich sagte ihr, dass ich ähnlich denke. Nicht erst seit gestern. So eine Schieflage entsteht ja nicht plötzlich über Nacht. Die baut sich langsam auf und ich gehöre nicht zu den Menschen, die dann völlig überrascht vor den Trümmern stehen und sagen: "Wow, damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet." Ich fragte sie dann, ob sie jemanden kennengelernt hat. Oder ob während der Kur irgendwas passiert ist. Die Frage kam nicht aus dem Nichts. Vor neun Jahren war sie mir fremdgegangen. Damals waren wir ebenfalls in einer schwierigen Phase. Und es war keine einmalige dumme Aktion, sondern eine monatelange Affäre mit einem ehemaligen Nachbarn. Genau genommen eine Sommerromanze mit Gefühlen, die sie für ihn hatte. Die er nicht erwiderte, gerne aber die körperliche Zuwendung mitnahm. Seine Frau hat ihn damals verlassen nachdem alles aufgeflogen war. Ich habe ihr irgendwann verziehen. Zumindest irgendwie. Vergessen habe ich es allerdings nie. Und heute weiß ich auch, dass ich das vermutlich kein zweites Mal könnte. Während der Kur hatte sie schnell Anschluss gefunden. Sie ist ein extrovertierter Mensch (ganz anders als ich), es fällt ihr leicht Kontakt zu Menschen zu knüpfen. Dort verbrachte sie viel gemeinsame Zeit mit anderen Müttern und Vätern - sie waren eine gemischte Truppe. Zusammensitzen, vormittags Freizeit ohne Kinder, abends Wein trinken ohne Kinder. Eigentlich erstmal nichts Verwerfliches. Aber mit unserer Vorgeschichte fühlt sich mein Misstrauen auch nicht komplett aus der Luft gegriffen an. Ihre Antwort auf meine Frage war ziemlich kurz: "Ich habe dort Aufmerksamkeit bekommen." Mehr kam nicht. Ich habe auch nicht weiter nachgefragt. Einerseits weil ich glaube, dass sie sowieso nicht alles erzählt hätte. Andererseits weil ich mir nicht sicher bin, ob ich die Antworten überhaupt hören möchte, wenn sie denn ehrlich und offen antworten würde. Und jetzt sitze ich hier und weiß nicht wie es weitergehen soll.
Bleiben wir erstmal zusammen wegen der Kinder?
Dann könnte ich sie jeden Tag sehen, finanziell wäre erstmal alles stabil und das Familienleben würde zumindest äußerlich weiterlaufen. Andererseits müsste ich akzeptieren, dass meine Mitbewohnerin jederzeit andere Männer treffen/besuchen kann. Was sie wahrscheinlich macht, denn sie ist oft alleine unterwegs. Während ich als offiziell verheirateter Typ und ohne eigene Rückzugsmöglichkeit vermutlich nicht gerade als heiße Aktie auf dem Datingmarkt gelte. Trennen wir uns dagegen komplett, wird es finanziell schwierig. Höhere Steuerlast, Kindesunterhalt, möglicherweise Ehegattenunterhalt. Ich mache aktuell zusätzlich noch eine Weiterbildung neben dem Beruf, die mich Zeit, Energie und Geld kostet und noch etwa 1,5 Jahre läuft. Und auch sie ist momentan finanziell nicht wirklich unabhängig. Sie arbeitet nicht gerne in ihrem klassischen Job und steckt ihre Energie lieber in ihr Nebengewerbe. Kann ich ihr nicht mal übel nehmen. Aber dadurch hängen wir wirtschaftlich gerade beide irgendwie gegenseitig aneinander.
Vielleicht rede ich mir damit auch einfach nur Gründe ein um vor einer Entscheidung davonzulaufen, die mir eigentlich Angst macht.