"Echtes" erstes Mal - keine Gefühle dazu

Benutzer166375  (29)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo Liebes Forum,

ich habe jetzt ziemlich lange mit mir gerungen, ob ich diesen Beitrag wirklich verfassen soll. Das letzte, was ich möchte, ist einem anderen Betroffenen auf die Füße zu steigen. Aber irgenwie brennt mir dieses Thema doch auf der Seele... Deswegen schreibe ich jetzt einfach mal, was mir passiert ist und wenn dann jemand etwas dazu sagen möchte - auch Kritisches - bin ich dafür sehr dankbar!

Also erstmal: Wie komme ich jetzt darauf? In einem anderen Thread ging es gerade um sexuelle Anfänge und dann habe ich mich daran erinnert, wie schön das gemeinsame Entdecken ist und natürlich habe ich mich dann auch an mein erstes Mal mit meinem früheren Freund erinnert. Für mich ist das mein erstes Mal, auch wenn es das eigentlich nicht ist.

Eigentlich hatte ich etwa ein Jahr früher das erste mal Sex, ich war gerade 17 geworden. Über eine Freundin lernte ich eine Clique aus überwiegend etwas älteren Männern kennen, so zwischen 25 und 28. Die luden uns eines Abends zu einem Stadtfest ein. Da meine Freundin und ich jedoch nicht in der Stadt, sondern in einem nahegelegenen Dorf wohnten, wären wir nicht mehr nach Hause gekommen, also bot uns einer der Männer an, bei ihm auf der Couch zu übernachten, was wir auch annahmen.

Der Typ, bei dem wir übernachtet haben, hatte wohl auch Interesse an mir und hat mir den ganzen Abend ein Getränk nach dem andren spendiert. Vielleicht könnte man sagen, er hat mich vorsätzlich abgefüllt, aber ich habe das Zeug ja selber getrunken und war eigentlich auch schon alt genug, um es besser zu wissen - wenn auch reichlich naiv^^

Naja jedenfalls war es dann so, dass ich relativ früh am Abend schon sehr betrunken war und die anderen eigentlich noch weiterziehen wollten. Der Typ bot sich dann an, mich zu sich nachhause zu bringen, da ja ausgemacht war, dass wir dort übernachten. Es hatte geregnet und dort angekommen, meinte er erstmal, ich soll mir die nassen Sachen ausziehen, was ich in meinem Zustand auch logisch fand - naja, reichlich idiotisch^^ Dann habe ich mich auf die Couch gelegt, um zu schlafen. Er hat gesagt, so fertig wie ich bin, soll ich das Bett nehmen. Das habe ich aber abgelehnt. Er hat mich dann hochgezogen und ins Schlafzimmer geführt. Und naja, da ist es dann irgendwie passiert... Ich war so sehr betrunken, aber ich weiß noch genau, dass ich die ganze Zeit am Anfang und auch währenddessen gesagt habe "nein, nein, ich will nicht, bitte nicht" und am Anfang auch versucht habe, seine Hände wegzuschieben... Aber ich weiß einfach nicht, warum ich mich nicht mehr gewehrt habe, obwohl ich es doch eigentlich nicht wollte und er mir wirklich weh getan hat... Lag es am Alkohol? Hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt, wo ich alleine mit ihm in seiner Wohnung bin sowieso keine Wahl habe? Ich weiß es wirklich nicht.

Als er fertig war hat er sich umgedreht und ist eingeschlafen. Und ich bin einfach liegengeblieben. Am nächsten Tag hat er sich völlig normal verhalten und alle sind davon ausgegangen, dass wir eben einen normalen ONS hatten. Ich habe das nie korrigiert, auch meiner Freundin oder meinen Partnern habe ich immer diese Geschichte erzählt, nie was tatsächlich passiert ist.

Ich schreibe das hier zum einen, um einfach mal loszuwerden, was damals wirklich passiert ist, zum anderen aber auch, weil ich zwei Fragen habe... Vielleicht kann mir jemand von euch helfen, sie zu beantworten.

1.: Ich hatte nie wirklich Schwierigkeiten, mit dem, was da passiert ist, klar zu kommen. Ich habe mir immer nur gedacht "Du hast dich total dämlich verhalten und musst halt jetzt damit leben". Mein Verstand sagt mir, dass, auch wenn es vielleicht keine richtige Vergewaltigung war, absolut nicht ok ist, was da abgelaufen ist... Aber irgendwie fühle ich nichts... Außer wahnsinnig starkem Ekel jedesmal wenn ich ihn sehe - früher ab und an im echten Leben, jetzt nur noch auf Facebook.
Ist das "normal"? Könnte es sein, dass ich meine Gefühle dazu irgendwie verdränge? Oder mache ich einfach gerade viel Wind um nichts und die Situation damals war normal?

Ich hoffe wirklich sehr, dass ich mit dieser Frage niemandem auf die Füße trete und sich keiner, der unter den Folgen eines richtigen Missbrauchs leidet, denkt "Sei doch einfach froh und halt die Klappe"...

2.: Haltet ihr es für wichtig, dem Partner von so etwas zu erzählen? Bisher kam das für mich nicht in Frage, da er ja eh nichts tun kann und ich ja auch nicht wirklich darunter leide... Aber einfach im Zuge der Offenheit?

So, das ist ja wirklich ein langer Text geworden... Ich möchte mich ganz herzlich bei jedem bedanken, der ihn trotzdem gelesen hat und freue mich sehr über jeden, der etwas dazu schreiben möchte. Und ich hoffe sehr, dass ich mit diesen Fragen niemanden gegen mich aufgebracht habe!
 

Benutzer115625 

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Eine gute Freundin aus Schulzeiten hatte ihr erstes Mal in einer fast identischen Geschichte. Ich glaube sie war noch etwas jünger und der Typ nicht so alt.

Aber der Teil
Ich war so sehr betrunken, aber ich weiß noch genau, dass ich die ganze Zeit am Anfang und auch währenddessen gesagt habe "nein, nein, ich will nicht, bitte nicht" und am Anfang auch versucht habe, seine Hände wegzuschieben...
war absolut identisch.

Ist das "normal"? Könnte es sein, dass ich meine Gefühle dazu irgendwie verdränge? Oder mache ich einfach gerade viel Wind um nichts und die Situation damals war normal?
Ich kann mich erinnern, dass ich das als außenstehender damals auch viel schlimmer fand als sie anscheinend. Für sie schien das damals, war ja auch schon viele Jahre her, kein Problem mehr zu sein. Sie hatte auch keine Komplexe was Sex anging oder so, sondern alles war ganz normal. Sie hätte sich ein anderes erstes Mal gewünscht, aber das war's auch schon. Normal war die Situation sicher nicht, aber wenn dir daraus keine Probleme entsanden sind später mit deiner Sexualität, deinem Selbstbewusstsein etc., ist es denke ich auch i.O. das jetzt nach vielen Jahren nicht nochmal hervorzukramen und zu "dramatisieren".

2.: Haltet ihr es für wichtig, dem Partner von so etwas zu erzählen? Bisher kam das für mich nicht in Frage, da er ja eh nichts tun kann und ich ja auch nicht wirklich darunter leide... Aber einfach im Zuge der Offenheit?
Kommt drauf an. Wenn er übervorsorglich ist und/oder einen ausgeprägten Beschützerinstinkt hat, würde ich es vll. nicht erzählen, wenn es dir wirklich nicht so wichtig ist. Andererseits geht das eben auch vorbei, und ich finde das ist jetzt auch nichts, was für immer "weggeschlossen" bleiben muss.

Persönlich würde es mich interessieren, wenn man eben mal über die ersten Gehversuche redet, aber ich würde auch nicht erwarten, dass man damit "aktiv" zu mir kommt nach dem Motto: "Schatz, es gibt da etwas, dass ich dir unbedingt sagen muss."
 

Benutzer166375  (29)

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich danke dir, Ali Mente Ali Mente für deine Antwort! Vielleicht gibt es ja mal einen passenden Moment, meinem Freund davon zu erzählen
 
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