Die Schweden und das Einverständnis

Benutzer161456 

Meistens hier zu finden
Diese Ängste kann ich kein bisschen ernst nehmen.

Trotzdem sind sie nicht von der Hand zu weisen.
Und auch Rosenkrieg-Scheidungen sind nicht so selten, wie du jetzt tust.
Da hätte ich bitte wenigstens Waffengleichheit.
Ausserdem begebe ich mich nicht gerne in die Obhut eines Richters. Soweit soll es nicht kommen.
Denn auf offener See und Vor Gericht,....
 

Benutzer161012 

Verbringt hier viel Zeit
Eigentlich geht es hier in weiten Teilen gar nicht um den Gesetzesvorschlag, sondern um das was alle hinein interpretieren und um den Unmut über die Meta-Debatte.
Gesetz und gesellschaftliche Auswirkungen kann man mMn. auch nicht wirklich von einander trennen.
Solche Gesetze führe zu Debatten und haben schon allein deshalb Auswirkungen auf die Gesellschaft. Mittel- und langfristig bewirken solche Gesetze - selbst wenn sie im Wortlaut unbekannt bleiben - über deren Anwendung und durch spektakuläre Gerichtsprozesse wiederum Debatten und Auswirkungen. Lohfink war ja hier in D zuletzt das beste Beispiel. Die wirkliche Rechtslage hat zum Schluss niemanden mehr interessiert, die Debatte hatte sich längst verselbständigt und wurde je nach Perspektive als Beleg für die Schutzwürdigkeit von Fraueninteressen oder als Beispiel für die Karrieregeilheit von B-Promis gewertet.

Und genau diese Debatten werden nun wieder geführt, weil natürlich jeder seine individuelle Sicht mit hineinbringt. Und alles, was irgendwie mit nicht optimal verlaufender Anbahnung geschlechtlicher Kontakte zu tun hat, hier reinwirft: das ganze Spektrum von heftigem Missbrauch bis hin zu harmlosen, dennoch schief verlaufenen Flirts. Und irgendwie wird mir das zu bunt und ich finde es schwer, das alles einzuordnen. Gerade in den USA und S liefen die Synapsen besonders heiß. Kein Tag, an dem nicht eine Verfehlung eines Hollywood-Prominenten schlagzeilenträchtig ausgeschlachtet wird. Und liegen sie noch so weit in der Vergangenheit. Zuletzt zwei Anschuldigungen gegen Sylvester Stallone: eine reicht zurück in die Anfang 90er, die zweite gar ins Jahr 1986: da hatte er zunächst einvernehmlichen Sex mit einer jungen Verehrerin, die im Verlauf des Aktes aber dann doch die Lust verlor. Nun fällt ihr das mehr als 30 Jahre später wieder ein und klagt.
:kopfwand:
Nun gibt es in den USA ja eine ganz ausgeprägte Kultur des gegenseitigen Verklagens und Heerscharen von Anwälten, die sich bereichern möchten - auch auf Kosten ihrer Klienten und deren Ruf. Es geht also mehr um die Kohle als um das eigene Empfinden (das konnte ja auch auf der Besetzungscouch schon gut unterdrückt werden).

Das sollten wir hier in Europa SO nicht unbedingt noch forcieren. Ich denke, unsere Gesellschaft ist unaufgeregter. Ich hoffe unsere Gerichte auch.
 
G

Benutzer

Gast
Trotzdem sind sie nicht von der Hand zu weisen.
Und auch Rosenkrieg-Scheidungen sind nicht so selten, wie du jetzt tust.

Stimmt, es gibt bestimmt super viele Scheidungen, weil mann der Frau beim Kochen scherzhaft an die Boobies greift. Aus dem Nichts kommt dann die Scheidung, der Gerichtsprozess und der Typ wird von einem Mob mit Fackeln verfolgt :rolleyes:
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Stimmt, es gibt bestimmt super viele Scheidungen, weil mann der Frau beim Kochen scherzhaft an die Boobies greift. Aus dem Nichts kommt dann die Scheidung, der Gerichtsprozess und der Typ wird von einem Mob mit Fackeln verfolgt :rolleyes:

Ich glaube nicht, dass das in direkter Korrelation gemeint war :zwinker: Aber du scheinst nur gute Erfahrungen mit vernünftigen Menschen gemacht zu haben, was sehr entspannt klingt.
Ich bin zum einen tagtäglich von so viel Unvernunft umgeben, dass Vernunft echt eine schöne Abwechslung ist, und zum andern kan nich selbst unheimlich bösartig sein, weswegen ich das andern auch problemlos zutraue.

Wenn jemand verletzt ist, und dazu neigt, sich vehement zu wehren, kanns durchaus sehr unschön werden, und dann verhallt die Stimme der Vernunft ganz leise zwischen Gemeinheiten.

Die hier andauernd auftauchende "vernünftige Trennung" und alle haben sich direkt wieder lieb und man respektiert sich ununterbrochen... habe ich bisher genau einmal erlebt, und es war nicht meine. Im gesamten Kreis meiner Eltern - diese eingeschlossen - gab es Krieg. Echten, bösen Krieg, weil die Verletzungen so alt und unverheilt waren. Und meinen Ex hab ich mit allem niedergemacht, was mir zur Verfügung stand, weil er mir so sehr weh getan hat.

Die Möglichkeiten, jemanden, den man verletzten will, wegen sowas vor Gericht zu zerren werden schlicht größer. ICH hätte es wohl nicht getan, ich kenne zwei, die es getan haben, im weiten Kreis. Klar die Männer haben in ihrem Verhalten auch nicht grade deeskaliert, aber ständig zu lesen, das wäre eine Promille Prozentzahl entspricht einfach nicht meinen Erfahrungen.

Und hier geht es nicht darum DESWEGEN Scheidungen zu zählen, sondern WENN eine Scheidung oder Trennung im Gange ist, oder jemand einen wie auch immer verletzt hat, haben sich die Mittel erweitert, dem an den Karren zu fahren, wenn sich so ein Gesetz ernsthaft durchsetzt...

Von meiner "den schüchternen ist echt nicht geholfen" These mal ganz abgesehen, die kommt noch dazu.
 

Benutzer167777 

Verbringt hier viel Zeit
Die Möglichkeiten, jemanden, den man verletzten will, wegen sowas vor Gericht zu zerren werden schlicht größer.

Genauso sehe ich das auch. Und genau deshalb sollte man da in die Diskussion das Drumherum einbeziehen. Ich halte solche Gesetze für eine gefährliche Entwicklung.

Und das in erster Linie für den Mann. Ob wir das wollen oder nicht, in Beziehungs-/Ehestreitigkeiten zieht der Mann i.d.R. den Kürzeren. Gerade vor Gericht. Nicht umsonst rühmen sich versprengte Exen "den Mistkerl so richtig nackig gemacht zu haben", "auf den Cent rauszuquetschen, was ihr (ehrlich?) zusteht" usw. Das kann mit solchen Gesetzen auf eine neue, beängstigende Ebene gehoben werden. So erwachen Möglichkeiten den "bösen Expartner" nicht nur finanziell, sondern gleich auf ganzer Linie zu ruinieren.

Wenn es darum ginge, sexuelle Kriminalität verringern zu wollen, wäre es aus meiner Sicht notwendig, die Abschreckung zu erhöhen. D.h. das Strafmaß anzupassen. Mit dieser Art von Gesetz werden allerdings nicht Straftaten verhindert, sondern Bagatellen kriminalisiert. Das ist für mich eine sehr abstruse Herangehensweise und gesellschaftliche Entwicklung.
 

Benutzer11466 

Sehr bekannt hier
Mit gründlicher Recherche macht man die schönsten Aufreger kaputt...

Wie der Postillon deutschen Medien den Spiegel vorhält

Die schwedische Botschaft (wir greifen hier etwas vor) hat das folgend übersetzt: "Der Unterschied zur bisherigen Gesetzgebung besteht darin, dass zukünftig jede sexuelle Handlung, die nicht im gegenseitigen Einverständnis geschieht, strafbar wird. Bislang setzt der Tatbestand der Vergewaltigung die Anwendung von Gewalt oder Bedrohungen voraus."

Ohne in Stockholm Jura studiert zu haben, dürfte hier klar sein, dass eben jene Personen geschützt werden sollen, die bisher bei Übergriffen (aus Druck, Angst etc.) passiv waren und geschwiegen haben.

Ebenso dürfte aber auch klar sein, dass Nachweise vor Gericht damit vermutlich nicht einfacher werden, weil a) die Unschuldsvermutung nach wie vor gilt und b) vor Gericht ohne Beweise Aussage gegen Aussage steht. So weit, so juristisch.
 

Benutzer167777 

Verbringt hier viel Zeit
Ohne in Stockholm Jura studiert zu haben, dürfte hier klar sein, dass eben jene Personen geschützt werden sollen, die bisher bei Übergriffen (aus Druck, Angst etc.) passiv waren und geschwiegen haben.

Und genau das ist es, was sich dadurch nicht ändern wird. Mal von meinem Fall ausgehend, habe ich damals

a: nicht im Entferntesten daran gedacht, irgendjemandem und schon gar nicht fremden Polizisten o.ä. davon zu erzählen und das wohlmöglich noch in allen Einzelheiten und Wiederholungen

und b: eine Anzeige gegen Unbekannt und für wahrscheinlich nichts und wieder nichts wiederum "a" in Kauf zu nehmen für vollkommen idiotisch gehalten.

D.h. ein Vorteil entsteht nur für jene, die sich solche "Gesetzeslücken" für eigene Vorteile zunutze machen. Und das sind dieselben, die das heute schon tun (können). Und es ist kein Märchen, dass eine Frau, die einen Mann ruinieren will das auch kann, selbst wenn nichts kriminelles vorgefallen ist. Weil "dem schwachen Geschlecht" leichter Glauben geschenkt wird als dem Mann. Wenn man allein die Streitigkeiten um Kinder betrachtet, dann läuft mir ein kalter Schauer den Rücken herunter, wie sehr Frauen da die Fäden in der Hand haben, den Mann und Vater ihrer Kinder rein aus der eigenen Verletzung heraus zu einem Häuflein Elend zu machen. Und das sogar mit Hilfe vom Gericht.
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Schon heute ist die schwedische Definition einer Vergewaltigung breiter gefasst als in vielen anderen Ländern. Beispielsweise ist für die Verwirklichung des Straftatbestands keine Gewaltanwendung oder Nötigung mehr notwendig. Seit 2005 macht man sich bereits dann strafbar, wenn man jemanden ausnutzt, der sich in einem „hilflosen Zustand“ befindet, schläft, bewusstlos ist oder unter Drogen steht. Im Jahr 2013 wurde das Sexualstrafrecht nochmals verschärft. Eine Vergewaltigung liegt seitdem schon dann vor, wenn das Opfer bei vollem Bewusstsein ist, sich aber etwa aus Angst nicht wehrt.
Verschärfung des Sexualstrafrechts in Schweden geplant

Außerdem wird der Begriff der "Drohung" so weit gefasst, dass das Opfer sich nicht wehren muss, damit aus einer Belästigung eine Vergewaltigung wird - es reicht aus, wenn eine Drohung empfunden wird.
Das Recht auf ein spätes Nein

A rape occurs when someone takes advantage of a person who is in a particularly vulnerable situation. [...]
A particular situation is, for example:
[...]
  • Serious fear
About sexual abuse - Wonsa
[doublepost=1514127878,1514127687][/doublepost]Zur Klarstellung: Ich finde das als Rechtslage nicht falsch.

Was der Postillon schreibt ist halt anscheinend nicht richtig bzw. grob falsch.
[doublepost=1514128390][/doublepost]Ich frage mich aber an sich auch warum es keine große Tageszeitung/Nachrichenanstalt hinbekommt, mal einen Experten zur Klärung der aktuellen Rechtslage und den Unterschieden zur evtl. bald neuen Regelung hinzuzuziehen.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
http://www.rechtsanwalt-sexualstrafrecht.de/verschaerfung-des-sexualstrafrechts-in-schweden-geplant/

Mh. Da steht nicht, dass es nur als Drohung empfunden werden muss.



Dem Artikel glaub ich nicht, weil ich mich damals recht intensiv mit dem Fall Assange beschäftigt habe, und es bei dem Fall um etwas anderes ging (wenn ich mich richtig erinnere, wird der Begriff Vergewaltigung auch verwendet in Fällen, wo freiwilliger Verkehr stattfand, aber nur unter Verwendung von Kondomen, und die dann aber gegen den Willen einer Person weggelassen wurden). Und das mit der empfundenen Drohung hab ich an anderen Stellen schon anders gelesen, finde aber die Quellen grad nicht. Das müssen die Schweden mal sagen. Übersetzungen zu dem Thema in ausländischen Medien sind echt immer mit Vorsicht zu genießen.
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Übersetzungen zu dem Thema in ausländischen Medien sind echt immer mit Vorsicht zu genießen.
Ich denke letztlich wird es relativ ähnlich der deutschen Regelung sein, da gibt es ja das Konzept der "konkludenten Drohung", nur das der Drohungsbegriff in Bezug auf das Sexualstrafrecht Schweden etwas weiter gefasst zu sein scheint (in Deutschland ja nur "mit Gefahrt für Leib und Leben", sonst ist es "nur" Nötigung).
Den Passus mit dem Ausnutzen der Lage des Opfers, worunter ja laut der schwedischen Seite und dem Rechtsblog auch Angst fällt, kann man auch dahingehend auslegen, dass eine "empfundene Drohung" (die ja dann in Angst resultieren würde) ausreicht, der Täter muss das dann aber (wie in Deutschland) bewusst ausnutzen. So hat sich zumindest alles gelesen, was ich dazu gelesen habe. Aber es scheint ja schon ein Ding der Unmöglichkeit, eine aktuelle englische Version des Strafgesetzes zu finden :confused:
[doublepost=1514130092,1514129910][/doublepost]Hier doch mal was gefunden, wenn auch nur inoffizielle Übersetzung, mit dem aktuellen Stand von 2013: "Chapter 6 of the Swedish Penal Code" by Christoffer Wong
[doublepost=1514130388][/doublepost]Ich hatte vor ein paar Tagen auch eine etwas ältere Abhandlung über das schwedische Sexualstrafrecht bei Google-Books gelesen und da stand auch sowas drin, dass bei der Bewertung der ganzen Aspekte in der Rechtsauslegung (letztlich das Entscheidende) vor allem der Wille und die Wahrnehmung des Opfers im Entscheidend sind.
 

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Ohne in Stockholm Jura studiert zu haben, dürfte hier klar sein, dass eben jene Personen geschützt werden sollen, die bisher bei Übergriffen (aus Druck, Angst etc.) passiv waren und geschwiegen haben.
Ich halte die Darstellung auf dieser Seite für nicht plausibel, denn dort steht:
Die schwedische Quelle in englischer Sprache dazu: "If a person has not agreed in words or by their clear actions that they are willing to engage in sexual activity, then forcing or coercing them into a sexual act will be illegal."
"Forcing or coercing" heißt soviel wie "zwingen or nötigen". Kann mir aber beim allerbesten Willen nicht vorstellen, dass ausgerechnet in Schweden, sexuelle Nötigung zuvor straffrei gewesen sein soll. Insofern lasse ich mir auch von irgendwelchen dahergelaufenen Bloggern und Satirikern nicht weismachen, dass es bei der Gesetzesverschärfung einzig und allein darum geht, sexuelle Nötigung unter Strafe zu stellen. Wer's glaubt wird selig.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Also, lässt sich die Diskussion hier wie folgt zusammen fassen: Niemand weiß irgendetwas genaues, aber jeder hat eine Meinung.
 
3 Woche(n) später

Benutzer161012 

Verbringt hier viel Zeit
Bei mir wird sich wohl nichts ändern.
Habe bislang die Frauen auch nicht gefragt (und daher selten Sex bekommen) und werde auch in Zukunft mit demselben "Erfolg" unterwegs sein. Das Non-Verbale funktioniert nicht so recht, und ist inzwischen halt auch zu riskant geworden.
:rolleyes:
Ich könnte also entspannt bleiben. Entspannt aber deprimiert, in welche Richtung sich das alles so entwickelt.
 

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Vorbild Schweden: Hälfte der Deutschen für schärferes Sexualstrafrecht
Arme Männer, echt jetzt?

Ich denke ich klinke mich beim Thema Sex dann für die Zukunft einfach aus, ist mir zu riskant :smile:
Naja, YouGov ist nicht unumstritten. Bei denen rekrutieren sich die Befragten selbst. Die Umfragen sind daher nicht im klassischen Sinne repräsentativ. Die behaupten zwar, die dadurch entstehenden Stichprobenverzerrungen irgendwie rauszurechnen, aber wie exakt das funktionieren soll, weiß eigentlich niemand so genau. Klassische inferenzstatistische Verfahren lassen sich auf dieser Grundlage jedenfalls nicht anweden.
 

Benutzer67523 

Sehr bekannt hier
Die Umfragen sind daher nicht im klassischen Sinne repräsentativ. Die behaupten zwar, die dadurch entstehenden Stichprobenverzerrungen irgendwie rauszurechnen, aber wie exakt das funktionieren soll, weiß eigentlich niemand so genau.
Das ist nett ausgedrueckt.

Weshalb eigentlich duck typing? :zwinker:
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren