Der Untergang der deutschen Sprache

Benutzer70527  (31)

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Ich muss gestehen:
Ich würde am liebsten alles und überall nur noch korrekt geschrieben sehen.
Ich bin jemand, dem Rechtschreib- und Grammatikfehler SEHR schnell auffallen - und zwar in störendem Maße.
Ich KANN einfach nicht anders, als mich darüber aufzuregen, ob ich nun etwas sage oder nicht.

Deppenapostroph, "das/dass"-Unfähigkeit, das Seid-Seit-Phänomen sowie "wen/wenn" bringen mich beinahe zur Weißglut.

Richtig schlimm wird es für mich, wenn Leute krampfhaft versuchen, Fremdwörter einzubauen, wo sie nicht einmal die "deutsche" Formulierung richtig schreiben können.

Vopa hab' ich neulich gelesen. Ein Faux-Pas hätte es sein sollen.
Genauso "lustig" wie "Malör" für Malheur. In solchen Fällen könnte ich diese Leute _töten_.

Sehr schockiert war ich auch, als ich ein ins Deutsche übersetzte Buch von Dean R. Koontz gelesen habe.
Der Übersetzer, Joachim Körber, der auch für diverse Stephen-King-Übersetzungen zuständig war, ist einer meiner Lieblingsübersetzer des Heyne-Verlages, aber bei "Mitternacht" hat das Lektorat dermaßen geschlampt...

Es hemmt bei mir einfach den Lesefluss.
Ich bin ein schneller Schreiber und ein schneller Leser und ich kann es ums Verrecken nicht leiden, wenn der Lesevorgang durch
so offensichtliche Fehler gebremst wird.

Alles in Allem freue ich mich aber schon, wenn jemand sich - alles andere als eine Selbstverständlichkeit! - bei einem Text Mühe gibt.
Ob da nun korrektes Deutsch verwendet wird oder nicht, das kann man ja kaum mehr verlangen.
Heute muss alles schnell gehen, hopp-hopp, da wird auf kleinere Fehler geschissen - nur die Definition von "Kleiner" schwankt bei manchen Individuen derartig...
 

Benutzer70527  (31)

Sehr bekannt hier
Sprache ist lebendig und entwickelt sich immer weiter.

Das ist mir bewusst, ich begrüße viele Änderungen auch.
Ohne die lebendige Sprache redeten wir immer noch wie seinerzeit bei Schiller und das wäre mir doch etwas zu anstrengend ;-)

Was ich meine ist es, sich den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Damit meine ich, keine sinnlosen (!) Neukreationen zu schaffen, die einfach nur 'cool' sein sollen - aber auch nicht alten Schreibweisen hinterherzuhängen.
Ich wehre mich gegen "Fantasie", "Delfin" und "Katastrofe", letztere stellt in sich eine solche dar...
Das bedeutet nicht, dass ich positiven Änderungen gegenüber feindlich gesinnt bin, ganz und gar nicht.

Aber man kann es immer übertreiben.
"Das/Dass", "Wen/Wenn" und alle ihre kleinen Freunde entstammen eben nicht dem Willen, etwas zu verändern oder zu verbessern - sondern schlichter Faulheit, sich die doch so einfachen Regeln anzueignen!
Hier hat man es nicht mit Sprachreformlern zu tun, sondern mit faulen Säcken, zum Teufel!

Und wenn ich "oda", "Alda", "aba" und "yaya" sehe, dann krieg' ich das kalte Kotzen, denn das hat mit Verbesserung um einiges weniger gemein als mit purer Verunstaltung.

Auf die Gefahr hin, einen schlechten, hinkenden Vergleich in die Weltgeschichte zu schreien:
Da kann ich dir auch mit dem Messer durch's Gesicht fahren und von einer Verbesserung der Gesichtsergonomie sprechen.
 

Benutzer57124 

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[...]In einer Werbung, wo es um Fussball ging, sagte ein Mann: "Schatz, schiebst du die Pizzas in den Ofen!" HALLO? PIZZAS? In welcher Welt leben wir eigentlich? Ich habe gelernt, dass die Mehrzahl von Pizza, Pizzen ist!
Irrtum! Beides ist richtig!

Fussball ist übrigens falsch (es sei denn Du kommst aus der Schweiz), ein langer Vokal erfordert ß.
 

Benutzer54457 

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Damit meine ich, keine sinnlosen (!) Neukreationen zu schaffen, die einfach nur 'cool' sein sollen - aber auch nicht alten Schreibweisen hinterherzuhängen.

naja. sprache ist halt manchmal auch blöd. in dem moment, in dem man eingesteht, dass sprache fließt und von ihren verwendern ständig mitentwickelt und verändert wird, muss man auch glockenkurvenmäßig mit ganz grauslichen kreationen rechnen, das ist "systemisch".

so what? den perfekten, filtrierten sprach/wortprägeprozess wird es nie geben, nicht, wenn sprache frei und offen sein soll. es gibt den fixen, geregelten, standardisierten kanal der rechtschreibung - das ist kompatibel, verständlich, fix. so werden bücher geschrieben, etc.
und auf der anderen seite gibts eben das "offene ende" - wo alles erlaubt ist und sein sollte, wo neuerungen geboren und ausprobiert werden. wenn man sich dort groß gedanken über orthographie machen würde, wärs kein offenes ende, wärs nicht innovativ.

einerseits. andererseits ist sprache nicht nur verbale kommunikation. viele wollen sich auch einfach abgrenzen - so kommt szenevokabular zustande.

im rahmen von sprache kompromißlos auf einheitliche regeln zu pochen geht von einem viel zu simplen bild von "sprache" aus, es geht nicht immer nur um blahblah, und wie es möglichst verständlich transportiert werden soll. meistens sind sprach-verärgerte nur deswegen verärgert, weil jemand etwas anders bespricht, als sie es tun würden, siehe Pizza, Pizzi, Pizzen, Pizzas, Pizze, ... in den wenigsten fällen sind leute so kompromißlos, weil das ihr ergebnis eines möglichst objektiven nachdenkens über die sache ist.

schlußendlich ist sprache so zu sehen in etwa so, als würde man an autohersteller den anspruch stellen, nur noch die umweltfreundlichsten 120PS autos herzustellen, SUVs z.b. schon gar nicht. - das reduziert das auto auf einen rein zweckmäßigen fortbewegungscharakter, während die wirklcihkeit anders ausschaut, mit ihren guten (autofahren als elegante fortbewegung) und schlechten seiten (autofahren als verschwenderische und primitive balz).

sprache ist auch ein annektierungs-prozess. wir machen uns unsere gegenwart zu eigen, indem wir worte prägen. die "sinnlosen neukreationen, die einfach nur 'cool' sein wollen", wie du schreibst, sind so eben am effektivsten. in den coolen kreationen der vorgängergenerationen fühlt man sich nicht wohl - erstens ändert sich der coolness-begriff ständig, und zweitens ists eben eine aneignung. wir prägen selbst, und wenn wirs nur deswegen tun, damit wir selbst ein wort geprägt haben.

von daher beeindrucken mich diese hetzereien gegen nicht-sterile sprache wenig. wär doch langweilig.

Daß sich immer mehr die irrige Annahme verbreitet, man bräuchte bloß den ersten und letzten Buchstaben eines Wortes korrekt schreiben, damit es lesbar bleibe, ist folgendem Text geschuldet, der als Urban Legend in allen möglichen Foren zirkuliert:

was aber schon stimmt, ist, dass wir nicht jeden buchstaben eines wortes auch wirklcih lesen, sondern die ungefähre "form" des wortes erkennen.
 

Benutzer56557  (35)

Benutzer gesperrt
Fussball ist übrigens falsch (es sei denn Du kommst aus der Schweiz), ein langer Vokal erfordert ß.

Auch wenn die Schweizer meinen, es besser zu wissen: Fussball ist und bleibt falsch. Denn ein Vokal, dem ein Doppel-S folgt, kann nach den deutschen Ausspracheregeln nicht lang ausgesprochen werden.
Und wenn man dann in Schweizer Medien sowas liest wie "Geldbusse" für Geldbuße, oder den Hinweis, man solle Alkohol "nur in Massen" genießen, dann kann es einem auch schon kalt über den Rücken laufen.
 

Benutzer11947 

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Squarepusher liefert mir gerade eine Steilvorlage: Groß- und Kleinschreibung hat ihren Sinn und erleichtert das Lesen ganz erheblich. Bitte, bitte, benutzt doch die Shift-Taste, tut dem armen, alten Onkel Strider den Gefallen.
 

Benutzer54457 

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Squarepusher liefert mir gerade eine Steilvorlage: Groß- und Kleinschreibung hat ihren Sinn und erleichtert das Lesen ganz erheblich. Bitte, bitte, benutzt doch die Shift-Taste, tut dem armen, alten Onkel Strider den Gefallen.

neverr ;p
/me merkt außerdem an: sein nick wird klein geschrieben. Oo
 

Benutzer10610 

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Und noch einmal zur gesprochenen Sprache:

Wenn selbst PROFESSOREN in einer Vorlesung in Norddeutschland "als" duch "wie" ersetzen, ist es mir sch***-egal, dass sie ihre Wurzeln in Schwaben haben. Wie läuft denn das an der Uni in Stuttgart ab, sprechen die da auch kein Deutsch? :eek:

Und RICHTIG schlecht wird mir bei einer Bekannten, die das Plusquamperfekt für sich entdeckt hat, es aber nicht korrekt zu nutzen weiß: "Gestern hatte ich Nadine die Haare gemacht" ohne etwas, was danach geschehen ist. Allerdings hat sie das Plusquamperfekt relativ schnell durch ein doppeltes Perfekt ersetzt: "Gestern hab ich Nadine die Haare gemacht gehabt"
:ratlos:
 

Benutzer57124 

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Auch wenn die Schweizer meinen, es besser zu wissen: Fussball ist und bleibt falsch. Denn ein Vokal, dem ein Doppel-S folgt, kann nach den deutschen Ausspracheregeln nicht lang ausgesprochen werden.
Und wenn man dann in Schweizer Medien sowas liest wie "Geldbusse" für Geldbuße, oder den Hinweis, man solle Alkohol "nur in Massen" genießen, dann kann es einem auch schon kalt über den Rücken laufen.
Stimmt, wenn schon kein ß vorhanden ist, was ja an sich nicht schlimm ist, sollte im Fall eines langen Vokals wenigstens sz als Ersatz verwendet werden, darin hat das ß ja auch seinen Ursprung. So schaut es einfach nur seltsam aus.
 

Benutzer6400 

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Und RICHTIG schlecht wird mir bei einer Bekannten, die das Plusquamperfekt für sich entdeckt hat, es aber nicht korrekt zu nutzen weiß: "Gestern hatte ich Nadine die Haare gemacht" ohne etwas, was danach geschehen ist. Allerdings hat sie das Plusquamperfekt relativ schnell durch ein doppeltes Perfekt ersetzt: "Gestern hab ich Nadine die Haare gemacht gehabt"
:ratlos:

Schlimm finde ich es auch, wenn man "sind" und "haben" vertauscht ... aber mir fällt gerade kein gutes Beispiel ein *mmh* Nur "Sie sind angehalten" (mit dem Auto) ... entweder "sie sind angehalten worden" oder "sie haben angehalten".
Ja, und jetzt kommt wieder, Sprache entwickelt sich eben ... ist mir aber völlig schnuppe :tongue: Grammatikalisch korrekt waren bei mir in der Schule meine veränderten Versionen ... und zumindest hier sind sie auch immer noch korrekt. :zwinker:

Ach, ich hab noch zwei schöne Wörter gefunden, die wunderbar falsch geschrieben werden (häufiger):
- Charackter (Charakter)
- wahren (waren)
Edit: irgentwann/-wo usw ... wieso schreiben das so viele mit einem "t"?

Vllt bin ich ja auch zu spießig, aber wenn man sogar darauf angesprochen wird, dass es "waren" heißt und man es so schreibt und man trotzdem beim "wahren" bleibt ... versteh ich nicht.
 

Benutzer10610 

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Schlimm finde ich es auch, wenn man "sind" und "haben" vertauscht ... aber mir fällt gerade kein gutes Beispiel ein *mmh*
"Ey, wir sind da gestern so rumgestanden..."

:grin:


"und da meinte der eine so... und ich sag da nur so EY BLA!!!"
:wuerg:
 

Benutzer20976 

(be)sticht mit Gefühl
"Ey, wir sind da gestern so rumgestanden..." :grin:
Dazu hier ein passender Text:
Zwiebelfisch-Abc: gestanden haben/gestanden sein

Bastian Sick schrieb:
Wie wird das Perfekt von "stehen" gebildet - mit haben oder mit sein? Heißt es "Ich habe gestanden" oder "Ich bin gestanden"? Und wo wir gerade dabei sind: Wie verhält es sich mit "sitzen" (gesessen) und "liegen" (gelegen)?
Die Faustregel lautet, dass nur Verben der Bewegung mit "sein" konjugiert werden. Davon gibt es eine ganze Menge, hier sehen Sie einige Beispiele:
gehen, kommen, schlendern, spazieren, stolzieren, marschieren, stapfen, wandern, wandeln
laufen, rennen, eilen, hetzen, jagen, fliehen, flüchten
fahren, reisen, fliegen, reiten, segeln*, rudern*
rasen, rollen, brettern, dampfen, düsen, flitzen, sausen
klettern, steigen, klimmen, kraxeln
springen, hüpfen, hopsen
fallen, stürzen, stolpern, straucheln, eiern, kippen
aufwachen, aufstehen, auftauen, schlüpfen
ausbrechen, einbrechen, entweichen, entkommen
schwimmen*, tauchen*, sinken
watscheln, flattern, schleichen, traben, galoppieren, hoppeln, tapsen, gleiten, rutschen, robben, kriechen, stampfen, trampeln u.v.m.


Die Verben "stehen", "liegen" und "sitzen" drücken keine Bewegung aus, daher werden sie standardsprachlich mit "haben" konjugiert: Ich habe gesessen, ich habe gelegen, ich habe gestanden.

In Süddeutschland und in Österreich sagt man dennoch "Ich bin gesessen", "Ich bin gelegen" und "Ich bin gestanden". (Was sich im Badischen, Schwäbischen und in der Pfalz etwa so anhört: "Ich bin g'stande", "Ich bin g'lege", "Ich bin g'sesse", während es in Bayern eher so klingt: "I bin g'standn", "I bin g'legn", "I bin g'sessn".) Im Süden gilt offenbar auch der Stillstand als Bewegung. Analog zur Annahme: Auch Null ist eine Zahl. Kann man ja so sehen. [...]

*Diese Verben können auch mit "haben" konjugiert werden, wenn nicht die Fortbewegung von Punkt A nach Punkt B im Vordergrund steht, sondern die reine Betätigung:
Ich habe im Urlaub getaucht.
Vor dem Frühstück hat sie regelmäßig eine Stunde geschwommen.
Bevor er mit dem Golfspielen anfing, hat er geritten.
Früher haben Sklaven gerudert.
 
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Benutzer

Gast
Stimmt, wenn schon kein ß vorhanden ist, was ja an sich nicht schlimm ist, sollte im Fall eines langen Vokals wenigstens sz als Ersatz verwendet werden, darin hat das ß ja auch seinen Ursprung. So schaut es einfach nur seltsam aus.

Also als ß-Ersatz finde ich ein sz anstelle eines ss erst recht ziemlich "seltsam aussehend".

Im Übrigen hat das ß seinen Ursprung keineswegs ausschließlich im "sz". Oftmals ist das ß wirklich nichts anderes als eine Doppel-S-Ligatur, die ausgeschrieben früher so aussah: ⌠s. Insofern ist ein Doppel-S als ß-Ersatz durchaus in Ordnung.
 

Benutzer24257 

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Also als ß-Ersatz finde ich ein sz anstelle eines ss erst recht ziemlich "seltsam aussehend".

Im Übrigen hat das ß seinen Ursprung keineswegs ausschließlich im "sz". Oftmals ist das ß wirklich nichts anderes als eine Doppel-S-Ligatur, die ausgeschrieben früher so aussah: ⌠s. Insofern ist ein Doppel-S als ß-Ersatz durchaus in Ordnung.

es ist meines Wissens nach sogar "richtiger" als "sz". http://de.wikipedia.org/wiki/Esszett#Ersatzformen
 

Benutzer57124 

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Ich hab nirgendwo geschrieben, dass das ss falsch wäre, noch hab ich behauptet, dass das ß seinen alleinigen Ursprung im sz hat, den hat es _auch_ darin!

Es widerspricht lediglich meinem Sprachgefühl, wenn ich Maße meine, aber Masse schreibe, Buße meine, aber Busse schreibe, sz sieht zwar ungewohnt aus, weil es einfach unüblich ist, ich finde es aber nach langen Vokalen irgendwie angebrachter.
Dass es so nicht richtig ist, ist mir bewusst.
Ist halt Pech, oder auch nicht :zwinker:
 
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