Depressionen, Ängste ... - hier rein

Benutzer103350 

Benutzer gesperrt
Ich weiß, es ist NICHT jedermanns Sache.

Daher bitte ich, daß wirklich nur User schreiben, die es kennen oder gekannt haben, oder diese Sachen zumindest bei Freunden oder Verwandten mitbekommen haben.

Mir geht es vielleicht ein klein wenig um Austausch, weil ich gerade selber in der Situation stecke.

Ich bin an Depressionen erkrankt (habe ich in meinem anderen Thread schon geschrieben). Ich sollte mich eigentlich jetzt nach meiner Ausbildung um einen Arbeitsplatz bemühen, aber ich kann es nicht :frown: Ich habe keine "Motivation", das heißt, ich schaffe es nicht und habe keine Kraft. Anstatt was zu machen, schiebe ich es weiter vor mich her. Es ist schrecklich. Man will, aber schafft es nicht aufzustehen.
Therapie mache ich bereits seit 1 Jahr. Habe aber jetzt wieder einen Rückfall, wie ich ihn länger nicht mehr hatte.

Deswegen wollte ich mal diejenigen fragen, die das selber kennen oder zumindest durch andere.

Wie ist es euch ergangen? Wie hat sich das bei euch geäußert? Und in welchen Situationen machte euch das zu schaffen?

Es müssen keine expliziten Depressionen wie bei mir sein. Es gibt auch depressive Verstimmungen, Angststörungen, Angstzustände, Zukunftsängste ...

Würde mich einfach mal über einen evtl. kleinen Austausch freuen. Vielleicht bin ich ja mit meiner derzeitigen Situation nicht so alleine. Und wie ihr (bzw. eure Freunde und Verwandte) damit umgegangen seid und es vielleicht ein wenig mildern konntet.
 
M

Benutzer

Gast
Ich kann nur einen wichtigen Punkt nennen: Therapien haben mir nichts gebracht. Im Gegenteil.

Ich bin dadurch mental nur noch weiter in dieses "Ich bin krank"-Ding reingerutscht und ein gewisses Selbstmitleid hat sich eingestellt, wodurch ich nur noch antriebsloser wurde.
 
G

Benutzer

Gast
Ich habe im letzten Jahr depressive Verstimmungen kennen gelernt, zusammen mit Panikattacken und Zukunftsängsten. Zum Glück habe ich sehr früh begonnen, etwas dagegen zu unternehmen. Momentan geht es mir ganz gut, ab und zu kommt die Angst zwar hoch, aber ich versuche dann immer, mich dem nicht hinzugeben.

Gerade die Antriebslosigkeit kann ich gut nachempfinden. Damit hatte ich auch sehr zu kämpfen.
 

Benutzer29206  (36)

Verbringt hier viel Zeit
Du bist sicher nicht alleine, aber ich kann gut verstehen, dass man sich damit alleine fühlen kann. Es ist unglücklicherweise ein Krankheitsbild, das viel schlechter kommunizierbar ist als, sagen wir, eine Allergie. Gerade wegen der Motivation. Wenn um einen herum gesagt wird "Tu, was du willst", "Wenn du was wirklich willst, schaffst/kriegst du es, du musst es nur wollen" etc. finde ich es immer noch schwierig, zu sagen, worin das Problem genau besteht.

Nach fast zwei Jahren Therapie dämmert mir, dass das, was bei mir "defekt" ist, eben das "Wollen" ist. Wenn ich etwas tun soll, weil es mir in Zukunft einen Vorteil bringt, zum Beispiel Arbeit, dann ist dieser Vorteil einfach noch zu weit weg und für meine Motivation zu sehr Versprechen und zu wenig Wirklichkeit - egal, wie die Erfahrungen aussehen und was logischerweise stimmen müsste (nämlich dass Arbeiten zu all den Dingen führt, die man auch während seiner Depression vermisst: Anerkennung, Möglichkeiten und Erlebnisse). Und wenn ich etwas tue, das ein sofortiges positives Erlebnis zu Folge hätte, dann will ich sogar das manchmal nicht, weil ich nicht enttäuscht werden will. Davon, dass das positive Erlebnis (zum Beispiel was Leckeres essen) doch nicht so positiv erscheint, weil es das gesamte, für dieses Ereignis viel zu große Bedürfnis nach etwas Gutem stillen soll.

Und dann gibt es noch die Dinge, mit denen man versucht, schlechte Erfahrungen zu vermeiden. Obwohl man das vordergründig damit in den Griff kriegt, in dem man eben gar nichts mehr erlebt und stunden- oder tagelang an die Decke starrt, ist man vor Alpträumen, Selbstzweifeln und den unweigerlich auftretenden ojektiven Mangelerscheinungen (Hunger, Schmutz, Einsamkeit) ja doch nicht geschützt.

An dem Punkt bieten sich Drogen an. Da muss man hoffen, dass da in einem ein noch intakter Kern von Selbsterhaltung vorhanden ist, damit man nicht zu weit abdriftet. Merkst du den manchmal, irgendwann, wann? Ich glaube, wenn der durch Traumata oder Vergangenheitserlebnisse futsch ist, dann kommt man um eine längere betreute Auszeit und einen Haufen Medikamente nicht herum.

Gibt es Bereiche in deinem Leben, bei denen du sagen würdest, dass sie von deiner Depression nur leicht oder gar nicht beeinflusst werden?
 

Benutzer99591 

Öfters im Forum
Ich erkenne mich in so ziemlich allen Punkten wieder :ashamed:

Mir ging es in meiner Jugend aber wesentlich schlechter, bis hin zum Selbstmordversuch. Meine Eltern haben das Ganze aber nur als pubertäre Verstimmungen abgetan, obwohl meine Mutter selbst an schweren Depressionen leidet. Vielleicht auch gerade deswegen.
Mir ist es furchtbar unangenehm mir Hilfe zu suchen, weil eigentlich muss ich ja nur meinen A... bewegen. Das kann ja nicht so schwer sein.
 

Benutzer36171 

Beiträge füllen Bücher
Ob ich wirklich Depressionen habe weiß ich nicht, aber manchmal würde ich behaupten es könnte gut zutreffen.
Ich bin eine Person die sich über alles Gedanken macht und dann schnell den Boden unter den Füßen verliere.

Eins muss ich aber sagen, auch wenn ich manchmal am Boden liege, lasse ich meine Pflichten NIE hängen.
Die Schule ist mir SEHR wichtig und meine Arbeit ebenfalls und für mich ist es schwer zu verstehen wie man nicht motiviert sein kann sich eine Ausbildungsstelle zu suchen. Das ist nicht persönlich gemeint aber ich kann es mir schwer vorstellen.

Entschuldige, aber ich bezweifle, dass der TS Sachen wie 'Kann ich nicht verstehen, sogar ich kriege das alles hin, obwohl ich "depressiv" bin' helfen. Bei einer richtigen Depression kann man sich nicht einfach so sagen: So, das mache ich jetzt, weil die Arbeit ist ja wichtig und so.
 

Benutzer78363 

Meistens hier zu finden
Also grad in dem Motivationslos sein, ohne Antrieb erkenn ich mich gut wieder...ich bin auch eine Person, die sich immer über alles Gedanken macht und mir fällt es schwer, einfach Dinge auf mich zukommen zu lassen.

Allerdings sind das bei mir einfach immer wieder Phasen, wo es schlimmer ist und dann ist es wieder eine Zeitlang okay..kommt bei mir auch immer aufs Umfeld an- im Moment ists schwierig da ist eher wieder so eine Phase, wo ich mir sogar total schwer tu mich aufzuraffen und zu lernen etc. - auch wo ich weiß, dass ich morgen eine Klausur schreib und da echt was dafür tun muss...meine Gedanken schweifen einfach immer ab und ich könnt mich jetzt schon ins Bett legen und schlafen..

vielleicht sollte ich mir deshalb auch Hilfe suchen, auch deshalb weil ich generell auch immer wieder ziemlich ängstlich bin und daran arbeiten will, aber bisher hat mich das ganze noch nicht so eingeschränkt, dass ich wirklich die Notwendigkeit gesehen hätte mir deshalb Hilfe zu holen.
 

Benutzer53338 

Meistens hier zu finden
Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Erstmal eine Frage: wirst du medikamentös behandelt?

Zum anderen: für mich persönlich ist es wichtig mir Kraftquellen zu besorgen, die ich in den Phasen anwenden kann, in denen es mir so schlecht geht, dass ich meinen Alltag nicht mehr geregelt bekomme. Dabei ist es wichtig, dass das Dinge sind die keinen großen Aufwand bedürfen, weil ich es sonst nicht schaffen würde. Kann zum Beispiel einfach nur eine Liste von Liedern auf dem iPod sein, die mir gut tun, gerade in depressiven Phasen hilft mir klassische Musik. Es muss auch gar nichts sein, was dich motivieren soll, sondern einfach nur etwas was dir für den Moment gut tut, auch wenn man den Effekt in dem Moment gar nicht merkt.
 

Benutzer87316 

Verbringt hier viel Zeit
Ich kenne es aus beiden Perspektiven.

Ich habe "nur" depressive Verstimmungen. Es gibt Tage, an denen ich die Welt aussperre und die Decke über den Kopf ziehe. Da bin ich auch für nichts und niemanden zu erreichen. Manchmal reicht es aber auch, wenn ich zwar z.B. in der Uni bin, aber ich von allen in Ruhe gelassen werden will. Es sind Phasen, mal nur einen Tag, mal drei Wochen, wo ich einfach nichts will. Mit mir selbst am wenigsten anzufangen weiß und mich irgendwie versiffen lasse, weil ich lange brauche, um mich selbst zu sowas wie duschen zu überreden.

Zum anderen kenne ich aber auch die "Angehörigen-Perspektive", weil mein damaliger Freund schwere Depressionen hatte und ich für ihn da sein musste.
Da hilft ja leider auch kein gutes Zureden, nur Zuhören, wenn er es wollte, da sein und ihm Halt geben und versuchen ihn in die richtige Richtung zu lenken. Es war schwer einzusehen, nichts tun zu können, wenn er es nicht von selbst wollte. Den Drang zu unterdrücken so etwas zu sagen wie "nun reiß dich aber mal zusammen". Ich kenne es ja von mir selbst, aber manchmal hab ich da den Geduldsfaden verloren, weil ich mich hilflos fühlte.
Noch dazu die ständige Angst, er könnte sich was antun, wenn man ihn nur fünf Minuten aus den Augen lässt.

Er ist in Therapie gegangen und ihm hat es geholfen. Überlegt habe ich es in den schlimmsten Phasen auch, aber dazu durchgerungen habe ich mich nie.
 

Benutzer37284 

Benutzer gesperrt
Ich habe im letzten Jahr depressive Verstimmungen kennen gelernt, zusammen mit Panikattacken und Zukunftsängsten. Zum Glück habe ich sehr früh begonnen, etwas dagegen zu unternehmen. Momentan geht es mir ganz gut, ab und zu kommt die Angst zwar hoch, aber ich versuche dann immer, mich dem nicht hinzugeben.

Gerade die Antriebslosigkeit kann ich gut nachempfinden. Damit hatte ich auch sehr zu kämpfen.

Und was hast du dann dagegen gemacht, Therapie?
 

Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
Entschuldige, aber ich bezweifle, dass der TS Sachen wie 'Kann ich nicht verstehen, sogar ich kriege das alles hin, obwohl ich "depressiv" bin' helfen.

ganz genau.

bei diesem wie bei allen themen, die sich um psychische probleme und erkrankungen drehen, gilt: bedenkt bei euren ratschlägen bitte, dass ihr, ohne dass ihr in der selben situation seid, in der regel wohl nicht nachvollziehen könnt, wie die lebensrealität der betreffenden person wirklich aussieht. ratschläge wie "ach das wird schon" oder "streng dich halt an" oder ähnliches schaden mitunter mehr als sie nützen, auch wenn sie gut gemeint sind.
 

Benutzer88035 

Sehr bekannt hier
Ich hab auch Erfahrung damit. Von beiden Seiten.

Eine ehemalige sehr gute Freundin von mir ist seit Jahren manisch-depressiv und war einige Male - auch stationär - in Behandlung. Auch wenn sie sich wirklich bemüht hat (und es auch immer noch tut), war es nicht immer einfach.

Ich selber war vor anderthalb Jahren in Behandlung - eine zeitlang auch medikamentös. Bis vor kurzem ging es mir sehr gut - so das ich das schon fast "vergessen" hatte. Zur Zeit habe ich wieder damit zu kämpfen. Angst vorm allein sein, Zukunftsängste, Antriebslosigkeit. Das alles kenn auch ich, vor allem jetzt zur Zeit macht mir das wieder sehr zu schaffen.

Bis jetzt komm ich noch gut alleine klar, achte aber auf alles und bin auch nicht gescheut, mir professionelle Hilfe zu holen.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Was ich am schwierigsten bei Depressionen finde: Sie erstmal zu erkennen und abzustufen.
Antriebslosigkeit kennt wohl jeder von uns. Wann ist es eine Depression, wann einfach nur ein Stimmungstief, das einfach jeden mal trifft?

Auch ich kenne antriebslose Phasen, auch ich habe Zeiten erlebt, da war mir alles zu viel usw.
War ich da depressiv? Vielleicht... :ratlos: Ich kanns wirklich nicht sagen.
Ich kann nur sagen was mir geholfen hat: Mein Hund. :smile:
Und ich empfehle das ganz vielen in meinem Umfeld, bei denen ich mitbekomme, dass sie in eine Klinik wollen oder so. Vielleicht hätte ich ohne meinen Hund auch in eine Klinik gemusst, um einfach wieder ins Leben zu finden.

Es gibt viele, die es nicht verstehen oder lächerlich finden. Da rede ich dann auch gar nicht weiter.
Wer dafür nicht offen ist okay.

Dass es nicht immer so gut geht wie bei mir hab ich am Fall meiner Oma gesehen. Wir, ihre Enkelkinder, konnten sie knapp 12 Jahre so motivieren, dass sie im Leben geblieben ist. Danach gings nicht mehr. :geknickt:
Und mich verfolgt das bis heute: Warum hat sie ausgerechnet an dem einen Tag den Entschluss gefasst, sich das Leben zu nehmen? Warum nicht früher? Denn angekündigt hat sie es bestimmt 100x.
Und Therapien hat sie dutzende gemacht.
Echte Depressionen nehme ich aus diesem Grund sehr ernst, weil ich leider weiß wo sie enden können(!).

Umgekehrt sträube ich mich auch dagegen, vorschnell von einer Depression zu sprechen, nur weil jemand mies drauf ist, Liebeskummer hat, mit irgendwas nicht fertig wird etc.
 
G

Benutzer

Gast
Off-Topic:
Das mit dem Hund finde ich schön, krava. Ich hätte auch gerne einen kleinen Gefährten, aber ich hab leider nicht genügend Kapazitäten (weder finanziell, noch zeitlich) für ihn.
 

Benutzer88035 

Sehr bekannt hier
Off-Topic:
Das Tiere bei Leuten, die depressiv veranlagt sind, helfen, ist sogar bewiesen, wie ich letztens noch in einer Zeitschrift gelesen habe. Ich selber kann es sehr gut nach vollziehen :smile:
 

Ähnliche Themen

Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren