Depression und Rückzug

Benutzer160538 

Ist noch neu hier
Hallo Leute,
ich war früher sehr oft und gerne auf diesem Forum und es hat mir damals sehr geholfen Probleme in der Beziehung und im Leben zu bewältigen, das Forum ist mir in guter Erinnerung geblieben und für die Tipps damals bin ich heute noch dankbar. Leider hatte ich nach der Schulzeit weniger Freizeit gehabt aufgrund der Arbeit und des Studiums und war somit weniger im Forum aktiv.

Bin jetzt mittlerweile 25 und finde, dass ich irgendwie im Leben "versagt" habe. Ich kann nicht genau sagen, wann es angefangen hat, es war eine schleichende Entwicklung.
Heutzutage verbringe ich viel Zeit zu Hause und schlafe/liege sehr oft im Bett. War seit einem Jahr nicht mehr in der Uni. Jede kleine Tätigkeit kostet unglaublich viel Kraft. Ich kann es irgendwie nicht verstehen. Auf der Arbeit habe ich meine "Maske" auf, keiner weiß von meiner Situation. Wenn ich mir Videos und Fotos von früher anschaue, erkenne ich mich selbst nicht wieder. Früher war ich viel mit meinen Freunden, Freundin unterwegs. Heutzutage hocke ich allein zu Hause isoliert vorm Laptop oder lese. Soziale Kontakte knüpfe ich auch keine mehr. Freunde rufen mich schon gar nicht mehr an. Aber ich nehme es denen nicht übel, denn ich war immer derjenige, der abgesagt hat. Ja ich fühle mich allein. Ist das nicht paradox? Ich kann es mir selbst nicht erklären. Meine Selbstwertgefühl leidet wodurch ich noch weniger unter Menschen gehen möchte.

Ich weiß gerade nicht mehr weiter. Anfangs dachte ich, ach das geht schon vorbei. Ist wahrscheinlich nur eine kurzzeitige Verstimmung. Mittlerweile sind schon 1 1/2 Jahre vergangen und es hat sich nichts geändert, bin der Meinung, dass ich sogar noch schlechter dran bin als am Anfang.
Hat jemand Ratschläge für mich oder was ähnliches durchgemacht? Ich danke euch!
 
B

Benutzer

Gast
in nicht ganz so krassem Ausmass kenne ich das auch von mir, ja. Das war so eine Spirale; ich habe mich etwas treiben lassen und mir viele Gedanken zum Leben gemacht. Ich war sehr unzufrieden mit mir und ehrlich gesagt auch mit langjährigen Freunden; deswegen sagte ich Treffen ab (kostete eh zu viel Energie und meist auch Nerven) und wurde nur noch einsamer.

Der erste Schritt aus der Depression war der definitive Abbruch zu schädigenden Kontakten. Bisher hatte ich das so aufgeschoben, schob den Rückzug auf meine Verfassung, anstatt mir einzugestehen, dass ich sehr unzufrieden bin mit den Dingen wie sie laufen. Also, in meinem Fall, dass man halt Freunde von der Schule hat und "irgendwie" vor sich hin lebt und was gemeinsam unternimmt, obwohl man sich schon lange nichts zu sagen hat. Das fiel mir nicht leicht, weil die Leute teilweise okay waren und ich nichts gegen sie hatte. Aber uns verband halt auch nichts mehr und der ewige Small Talk hat mich stark belastet.

Hinzu kamen weitere Elemente an meinem Leben, die einen Radikalabbruch brauchten (Nebenjob z.B.). Ich weiss nicht, ob dir das etwas hilft; es soll mehr als Anregung dienen. Dass man Sachen aufschiebt, die einem belastend erscheinen, ist ziemlich weit verbreitet und menschlich. Dinge, die einem nur Kummer bereiten, definitiv aus dem Leben zu streichen kann da sehr hilfreich sein. Als ich das für mich realisiert habe, gab mir die Befreiung auch erstmal neuen Auftrieb :smile: Pass nur auf, dass du es dir nicht zu einfach machst - was belastet dich wirklich und was überfordert dich nur akut?
 

Benutzer135804 

Planet-Liebe Berühmtheit
wie sieht denn deine behandlung aus?nimmst du ein antidepressiva,bist du in therapie?
 

Benutzer160538 

Ist noch neu hier
Dass man Sachen aufschiebt, die einem belastend erscheinen, ist ziemlich weit verbreitet

Danke für deinen Beitrag :smile: Du hast recht, ich schiebe gerade einen Berg von Aufgaben vor mir her und es wird mit der Zeit auch nicht weniger.
Akut / Seit kurzem belastet mich, dass ich aufgrund meiner Situation ein Studienjahr vergeudet habe und ich immer im Hinterkopf diese negativen Gedanken habe, dass ich so dumm war und ein ganzes Jahr einfach so nichts gemacht habe und somit jetzt im Rückstand geraten bin.

Was mich generell belastet ist, dass ich nicht genau weiß wie ich aus dieser Situation rauskomme oder welche Auslöser dazugeführt haben. Irgendwie gibt es keine konkreten Sachen, die mir einfallen, warum ich mich so fühle. Aber nun ja, ich vermute, dass es bei mir einfach eine generelle Unzufriedenheit mit meiner jetzigen Lebenssituation ist. Vielleicht sollte ich mal meine Perspektiven auf das Leben etwas ändern, jedoch muss ich noch herausfinden wie.

Nebenbei möchte ich noch anmerken, dass ich es gut finde, dass du deinen Eigenen Weg aus der Krise gefunden hast.

@Filicia80
Hallo Filicia, ich nehme keine Medikamente und bin auch nicht in Behandlung. Ich weiß nicht, ob ein Antidepressivum die richtige Wahl für mich ist denn so wie es ausschaut behandeln die Medikamente nur die Symptome und nicht die Ursache. Oder hast du persönliche Erfahrungen mit?
 

Benutzer12529 

Echt Schaf
Depressionen können durch fehlerhaften Stoffwechsel um Gehirn ausgelöst oder mitverursacht werden, Antidepressiva sorgen dafür, dass sich das wieder normalisiert. Sie können helfen, dass es dir wieder normaler geht.

Sind andere körperliche Ursachen bei dir schon ausgeschlossen worden? Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-D-Mangel und Eisenmangel können ebenfalls Depressionen und andere Symptome bewirken, die denen einer Depression sehr ähneln können. Lass diesbezüglich mal deine Blutwerte checken (Ferritin und nicht "nur" Eisen, bei den SD-Werten nicht nur TSH sondern auch ft3 und ft4). Das kannst du einfach beim Hausarzt machen lassen.

Da es länger dauern kann, bei einem Therapeuten einen Termin zu bekommen (oft Monate), würde ich dir für's erste auch die psychologische Beratungsstelle deiner Uni als Ansprechpartner empfehlen. Dort kann dir auch gut geholfen werden.

Was das vergangene Jahr angeht: Vielleicht hast du diese Auszeit von der Uni unbewusst auch einfach gebraucht, um danach wieder mit Elan einzusteigen. Komplett vergeudet war das Jahr sicher nicht, irgendeinen positiven Nutzen wird es für dich gehabt haben, auch wenn du ihn vorerst noch nicht realisieren kannst. Versuche, zu akzeptieren, dass du es jetzt auch nicht mehr ändern kannst, dass du nicht zur Uni gegangen bist :smile:
 
B

Benutzer

Gast
Was mich generell belastet ist, dass ich nicht genau weiß wie ich aus dieser Situation rauskomme oder welche Auslöser dazugeführt haben. Irgendwie gibt es keine konkreten Sachen, die mir einfallen, warum ich mich so fühle. Aber nun ja, ich vermute, dass es bei mir einfach eine generelle Unzufriedenheit mit meiner jetzigen Lebenssituation ist. Vielleicht sollte ich mal meine Perspektiven auf das Leben etwas ändern, jedoch muss ich noch herausfinden wie.
Ist sicher kein verkehrter Ansatz! Mir hat es sehr geholfen, mir mein "Idealleben" vorzustellen. Es sofort erreichen wird man natürlich nicht, aber man kann sich schon mal sicher von Lasten befreien, die nicht in dieses Bild passen. Andere Dinge, die evtl. auch mühsam sind, betrachtet man dann aber mit anderen Augen, weil man weiss, dass sie einen glücklich machen.

Gerade das Studium ist da so eineZwickmühle, weil man meist nicht auf einen konkreten Job hinarbeitet und verunsichert dadurch ist, was einem erwartet. Es ist mit sehr viel Aufwand verbunden, aber man kann sich oft nur schwer vorstellen, ob es das wert war. Trotzdem muss man sich gerade dann die Alternativen vor Augen halten und abschätzen, wie hoch die Chancen da sind, dass man Erfüllung aus dem Beruf zieht - falls das denn überhaupt von Bedeutung für dich ist.

Und danke für deine lieben Worte! Ich bin seit bald einem Jahr ausstudiert, das nimmt natürlich auch viel Ballast...
 

Benutzer135804 

Planet-Liebe Berühmtheit
@Filicia80
Hallo Filicia, ich nehme keine Medikamente und bin auch nicht in Behandlung. Ich weiß nicht, ob ein Antidepressivum die richtige Wahl für mich ist denn so wie es ausschaut behandeln die Medikamente nur die Symptome und nicht die Ursache. Oder hast du persönliche Erfahrungen mit?
natürlich werden (schwere) depressionen idealerweise mit medikamenten und therapie behandelt.aber solange man keinen therapieplatz hat,helfen auch AD,damit man sich besser fühlt.
wie schafforpeace bereits schrieb,ist bei einer depression der hirnstoffwechsel gestört-und genau das kann durch das passende medikament ausgeglichen werden,so dass die stimmungsaufhellende wirkung nach ca 3-4 wochen einsetzt.
natürlich sollte man dennoch die ursache herausfinden und weitere behandlungen annehmen,die sinnvoll sind.
ja ich selbst hab wiederkehrende depressionen (häufige komorbität von ADHS,das ich auch habe) und nehme darum ein AD.und habe auch vor,noch eine therapie zu machen.allerdings wird die wenig mit den aktuellen gründen/auslösern meiner depression zu tun haben,denn derzeit ist die ursache meiner depression meine existenzangst (arbeitslosigkeit und schulden).ich gehe also davon aus,dass es mir schon wesentlich besser gehen wird,sobald ich arbeit habe und die finanzen geklärt sind.(die therapie würde ich dennoch noch machen,um so dinge wie perfektionismus uä zu bearbeiten und um die gefahr zu verringern,immer wieder neu in eine depression zu rutschen.wie du sicher weißt,erhöht jede depressive episode die wahrscheinlichkeit,erneut an depression zu erkranken.)
mMn solltest du schnellstens dafür sorgen,dasss du in behandlung kommst.du hast jetzt schon lange darunter gelitten und wie du merkst,geht die depression nicht wie von zauberhand auf ein mal weg.lebenszeit ist kostbar,also vergeude sie nicht und kümmer dich um deine gesundheit.
sehr wichtig finde ich auch,dass man über seine eigenen erkrankungen bestens bescheid weiß,so kann man besser damit umgehen.für mich zb ist das selbstverständlich (ich hab weitaus mehr erkrankungen als "nur" depressionen.)
 

Benutzer147358  (27)

Sehr bekannt hier
Wenn dir der Besuch bei einen Arzt noch zu krass erscheint, versuch es mal bei deiner Uni. Die haben glaube uch fast immer Beratungsstellen, ich war da als uch mein Studium ziemlich vor die Wand gefahren hatte und er hat das mit mir ein bisschen geordnet.
Die Hürde ist nicht groß wie beim Arzt. Wenn du nur einen kleinen Schubser brauchst reicht das auch, solltest su mehr benötigen werden sie dir das auch angelegen :smile:
 

Benutzer135804 

Planet-Liebe Berühmtheit
Rosoideae Fragaria Rosoideae Fragaria ich habe selbst mal gute erfahrungen mit einer psycho-sozialen beratung einer uni gemacht.allerdings kann ich nicht dazu raten,dahin zu gehen,statt zum arzt,wenn es um depressionen geht,denn die leute bei den beratungen der unis sind meist pädagogen;sie bieten keine therapie und keine medikamente.und bei einer depression hilft dir ein nettes gespräch vllt für den moment,dich etwas besser zu fühlen (sofern man den weg als schwer depressiver dahin überhaupt schafft),mehr aber auch nicht.der TE braucht eine gescheite behandlung-und da sollte er seine restenergie lieber nutzen,um zum hausarzt,zu einer psychatrischen ambulanz oder ähnlichem zu gehen.davon wird er langfristig sehr viel mehr profitieren als von einem netten gespräch,dass den depris in etwa so egal ist,wie ein plausch mit einer verkäuferin...
meins nicht bös,aber ich sprech halt aus eigener,langjähriger erfahrung.
 
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