Depression in der Beziehung

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
Danke für deine lange Story - das ist alles richtig was du geschrieben hast. Ehrlich gesagt klingt es wie eine Gebrauchsanweisung von meiner Frau die auch funktioniert. Es hat sich jetzt auch so ergeben, dass sie die letzten Tage gar nichts geredet hat, nur gejammert hat, Kopfweh hatte, ... also man hat gemerkt, wie es schlechter und schlechter geht. Und ich habe, wie du geschrieben hast, einfach nichts gemacht, ich habe mich natürlich um unser Kind gekümmert, aber sonst habe ich nichts mit ihr geredet und auch im Haushalt nichts gemacht. Und siehe da - plötzlich hat sie täglich die Waschmaschine angemacht, den Trockner, hat die Wäsche auch zusammengelegt und in die Schränke geräumt, so kenn ich sie gar nicht. Klingt traurig, aber das war schon ein Schritt.
Gestern wollte sie reden, also gut. Sie hat erzählt, dass sie selber die Hausärztin angerufen hat für eine Zuweisung zu einer der Kliniken, wo ich schonmal wegen Informationen angerufen hatte. Leider hat die Hausärztin Urlaub, aber sie HAT angerufen. Und nach langem Gerede und vielen Tränen wissen wir, dass sie jetzt von sich aus sich entschieden hat, dass sie diese Klinik machen möchte, also die Therapie dort - sie wird kommenden Montag die Hausärztin nach ihrem Urlaub nochmal anrufen. Sie möchte unbedingt diese Klinik besuchen denn so kann es nicht mehr weitergehen. Alles Sachen, die sie selber von sich aus mir gesagt hat - also wie gesagt, entweder war das jetzt ein großer Zufall oder sie hat in den wenigen Tagen, wo ich nichts geredet habe, doch gemerkt, wie schlecht es ihr eigentlich geht und will das jetzt ändern.
Wow, das ist ja eine ganz schöne Entwicklung mit Hausärztin und Klinik.
Das freut mich sehr für dich und ich wünsche dir und hoffe, dass sie dabei bleibt und nicht kurz vorher wieder kneift oder sich herausredet, dass doch wieder alles gut ist.
Aber dagegen spricht schon einmal, dass sie das jetzt alles selbst gemacht hat.
Halte uns gerne auf dem Laufenden oder auch wenn du dich auskotzen willst...
 
2 Woche(n) später

Benutzer185976  (39)

Ist noch neu hier
Hallo nochmal,
D dreader du meintest doch ich soll/kann mich mal melden zum auskotzen :smile:
Ich mach das einfach mal:
Ja es klang ganz gut mit der doch plötzlich schnellen Entwicklung bezüglich Hausärztin und Klinik. Von den 2 Punkten, die man selber machen muss (1. akzeptieren dass man Hilfe braucht und 2. diese Hilfe annehmen) war ja dann der 1. Punkt erfüllt.
Nur so leicht is es dann doch nicht! Für die Klinik braucht sie, wie geschrieben, eine Zuweisung. Jetzt kam es so, dass unser Söhnchen krank wurde, ich hatte mir letzten Montag frei genommen und bin zur Hausärztin mit ihm und dachte mir "Hey geil, Söhnchen beim Arzt, der wird gesund und zusätzlich hole ich gleich einen Termin für meine Frau". Termine vergeben sie aber erst im Dezember wieder - sie sagten aber, dass sie jeden Vormittag in die freie Sprechstunde kommen kann. Und da hab ich schon gespürt, dass das nicht klappt. Einen Termin hält sie wohl ein, aber "irgendwann" in die freie Sprechstunde gehen ... naja. Ich habe ihr das so mitgeteilt - die Antwort war "ja das geht nur Mittwochs, da hab ich ja frei". Ist für mich ok, Mittwoch ist ein Tag wie jeder anderer, also alles gut.
Ich musste Mittwochs arbeiten und am Vormittag um 9 bekomme ich als Nachricht, dass unser Söhnchen noch schläft und sie es zeitlich ja nun nicht mehr zur Ärztin schafft. Ja - eine 10 Minuten Autofahrt schafft man nach 9 bis 12 Uhr nicht mehr :kopfwand:
Dazu kam, dass die Ärztin nur noch diese Woche da war, seid heute ist sie für 2 Wochen in Urlaub. Aber es kam doch noch ein Hoffnungsschimmer: Söhnchen wurde nicht gesünder, also musste sie am Freitag nochmal zur Ärztin, denn ich musste arbeiten. Das hat auch geklappt, ich freu mich - aber wie ich daheim war, hab ich erfahren, dass unser Kleiner ne andere Medizin bekommen hat, sie dann aber keine Zeit mehr fand um die Zuweisung zu besprechen, denn es warteten ja noch andere Leute :kopfwand::kopfwand::kopfwand:

Also langer Rede kurzer Sinn: das wirkt doch wie eine geistige Selbstbefriedigung oder? Sie für sich hat ja einmal versucht hinzufahren und konnte nicht weil er schläft und beim zweiten Mal haben doch andere Leute gewartet, da konnte sie nicht mehr fragen aus Zeitnot. Klingt so, als wäre für sie doch alles gut gelaufen oder? Sie wirkt zumindest nicht niedergeschlagen, dass das nicht geklappt hat und dass die Ärztin jetzt 2 Wochen Urlaub hat.

Ist das (vielleicht) noch so eine letzte Hoffnung, dass sie sich die Klinik doch ersparen kann? Oder einfach ein verzögern mit allen Mitteln, aber mit doch "netten" Ausreden um es sich selber schön zu reden, dass man ja doch alles versucht hat?

Auf jeden Fall zäh - was wird als nächstes kommen? Wenn die Zuweisung in 2 Wochen kommt, fällt dann der Termin evt auf/um Weihnachten, dann ist das die Ausrede um es weiter zu verzögern? Dann ist Silvester, dann ist es zu kalt, dann dann dann ...
Kennt ihr so eine Verzögerungstaktik? Muss man die als Partner (oder sollte man) ganz artig durchstehen, weil jedes drängen dann sofort auf stur schalten endet und es evt nur noch weiter verzögert oder gar ganz beendet?

Da ist man mit seinem Latein doch am Ende. Es wirkt auch im Haushalt so, als wär plötzlich Energie da, die sonst nie da war - aber auch nur so halbherzig. Also zB wird jetzt doch mal die Wäsche gewaschen, es wird mal gekocht, ... aber alles wirkt so, als wär es mit viel Druck von ihr selber geschehen, um mir (oder sich selber) zu beweisen, dass doch jetzt eh alles klappt und funktioniert und man sich die Klinik doch wirklich sparen könnte?
Oder denk ich da um zuviele Ecken?

Vielleicht hat jemand doch noch 2-3 Tipps, wie ich in der Situation reagieren sollte?

Vielen Dank schonmal im Vorhinein
 

Benutzer31012 

Verbringt hier viel Zeit
Hey zurück und ich versuche mal was dazu zu sagen so wie ich das von meiner Seite aus verstehe (Angehöriger, nciht Depressiver)


Also langer Rede kurzer Sinn: das wirkt doch wie eine geistige Selbstbefriedigung oder? Sie für sich hat ja einmal versucht hinzufahren und konnte nicht weil er schläft und beim zweiten Mal haben doch andere Leute gewartet, da konnte sie nicht mehr fragen aus Zeitnot. Klingt so, als wäre für sie doch alles gut gelaufen oder? Sie wirkt zumindest nicht niedergeschlagen, dass das nicht geklappt hat und dass die Ärztin jetzt 2 Wochen Urlaub hat.

Ist das (vielleicht) noch so eine letzte Hoffnung, dass sie sich die Klinik doch ersparen kann? Oder einfach ein verzögern mit allen Mitteln, aber mit doch "netten" Ausreden um es sich selber schön zu reden, dass man ja doch alles versucht hat?

Kann beides sein. Kann sein, dass sie gerade denkt, dass sie es nicht braucht. Kann sein, dass sie es gerade nicht kann und das eine willkommene Ausrede ist. Kann auch sein, dass es heute schon wieder anders gesehen wird.
Meine Freundin macht auch solche Dinge und ärgert sich zum Teil dann wieder darüber.

"Ich habe ja versucht mich zu kümmern aber das ging dann halt (aus Gründen xy) nicht. Da kann ich jetzt ja nichts machen." Trifft sich ja praktisch.
Du darfst aber auch nicht vergessen, dass das Eingestehen und die Akzeptanz keine leichte Sache ist. Irgendwie weiß man schon, dass es richtig ist aber dann kommen doch wieder die Zweifel.
Am Ende ja auf alle anderen Zweifel im Leben übertragbar. "Eigentlich weiß ich, dass ich nicht dick bin aber halt. Ist das eine Speckfalte?"
Nur dass es hier genau anderes herum ist. Während mir bei solchen Themen gesagt wird, ich soll mich selbst als gut genug akzeptieren, soll ich das hier nicht machen. Ich soll akzeptieren, dass es mir eben NICHT gut geht. Dass ich etwas ändern MUSS. Das ist schwer.
Dazu kommt ja auch, dass ein Entscheidung für eine Therapie erst der Anfang ist. Da wird vieles passieren und hochkommen was sie nicht hören/fühlen/sehen will.

Auf jeden Fall zäh - was wird als nächstes kommen? Wenn die Zuweisung in 2 Wochen kommt, fällt dann der Termin evt auf/um Weihnachten, dann ist das die Ausrede um es weiter zu verzögern? Dann ist Silvester, dann ist es zu kalt, dann dann dann ...
Kennt ihr so eine Verzögerungstaktik? Muss man die als Partner (oder sollte man) ganz artig durchstehen, weil jedes drängen dann sofort auf stur schalten endet und es evt nur noch weiter verzögert oder gar ganz beendet?

Ehrlich gesagt hätte mich das gewundert, wenn das Thema jetzt so schnell vorbei gewesen wäre. Leider. Ich wollte jetzt auch nicht zu negativ schreiben und deine Hoffnung kaputt machen. Aber ehrlich gesagt: Da wird noch so einiges kommen. Kann auch sein, dass sie da hingeht und es dann abbricht und sich noch mehr einigelt. Kann sein, dass sie plötzlich eine 180°-Wende macht und wieder der Meinung ist, dass alles gut ist. Hatte ich ja bei meiner Freundin beschrieben.
Was du als Partner machen kannst. Puh. Nicht so viel wie du denkst. Drängen, Druck, Deadlines, das wird dich alles nicht weiterbringen. Du kannst dir über gewisse Dinge klar werden und ihr das so kommunizieren. Das ist einfach nur ehrlich. Was sie damit macht ist ihre Sache.

Meine Freundin meinte z.B. mal zu mir, dass sie nicht versteht, warum ich noch mit ihr zusammen bin und dass sie das Gefühl hat, dass wenn es ihr von heute auf morgen wieder gut geht und sie die Beziehung nicht mehr in Frage stellt - dann ist alles wie früher.
Das habe ich klar verneint. Es ist nicht wie früher. Man kann diese Zeit nicht einfach ausblenden oder so tun als wäre nichts gewesen. Ich wurde und werde verletzt von ihrem absichtlichen oder unabsichtlichen Handeln. Immer wieder. Ich erdulde das gerade zu einem Grad. Ich halte für uns beide durch im Moment. WEIL ich glaube, dass sie krank ist. Nur dewegen. Sonst wäre ich doch schon 100 Mal weggewesen. Wenn sie jetzt ihrer Meinung nach nicht krank ist und nie war, kann ich das doch nicht einfach so abspeichern und tja, dann halt nicht.

Und ja, das musst du selbst wissen. Ein Psychologe hat mal (allgemein) zu mir gesagt, die Frage dabei ist immer "Wie lange WILL ich das noch akzeptieren/mitmachen?" Nicht "muss" sondern "will". Es ist deine freie Entscheidung. Natürlich ist es hart aber im Zweifel änderst DU nicht deine Freundin. Das kann sie nur selbst.

Von dem her: Wenn du alles gesagt hast, sie kennt deine Meinung, sie hat alle Informationen. Dann kannst du eigentlich gar nichts mehr machen um sie zu einer Therapie zu bewegen. Glaub mir, sie weiß schon, dass es "eigentlich" besser wäre für sie. Das musst du ihr nicht 100 Mal sagen. Machen muss sie es selbst.


Da ist man mit seinem Latein doch am Ende. Es wirkt auch im Haushalt so, als wär plötzlich Energie da, die sonst nie da war - aber auch nur so halbherzig. Also zB wird jetzt doch mal die Wäsche gewaschen, es wird mal gekocht, ... aber alles wirkt so, als wär es mit viel Druck von ihr selber geschehen, um mir (oder sich selber) zu beweisen, dass doch jetzt eh alles klappt und funktioniert und man sich die Klinik doch wirklich sparen könnte?
Oder denk ich da um zuviele Ecken?

Nein, du hast absolut Recht. Wenn sie gerade der Meinung ist, dass das auch so gehen muss, dann will sie sich/dir das auch beweisen. Wenn sie dafür nicht in die Klinik muss (ihre Meinung)...

Vielleicht hat jemand doch noch 2-3 Tipps, wie ich in der Situation reagieren sollte?

Auch wenn es Floskeln sind. Zeit geben, unterstützen, raushalten, abgrenzen, nicht zu viel abnehmen und wichtig: zuhören und für sie da sein wenn SIE das will, nicht wenn du es für sinnvoll erachtest.


Kurzer Zwischenstand meinerseits. Ich will jetzt nicht deinen Thread kapern aber ich denke es hilft dir auch:
Meine Freundin war jetzt zum Erstgespräch da. Ich habe sie später nur gefragt, ob sie davon erzählen will. Sie hat geredet wie ein Buch.
War auch positiv überrascht wie "normal" die Therapeutin mit ihre geredet hat. Ich glaube viele haben da auch ein falsches Bild im Kopf.
Aber sie hat schon jetzt einiges aufgezeigt bekommen, woran man arbeiten kann/muss/sollte. Das hat sie schon hart getroffen auch wenn sie das rein rational eigentlich wissen müsste. Das hat sie mir alles erzählt ohne dass ich sie gedrängt hätte. Hat mich auch gewundert aber das muss jetzt alles erst mal verarbeitet und reflektiert werden.
Sie muss jetzt selbst entscheiden ob sie da weitermachen will oder nicht. Das widerum habe ich gar nicht kommentiert oder ihr reingeredet. Ich hoffe es natürlich schwer.

Was ich mache, wenn sie das jetzt doch nicht angeht? Puh. Da muss ich mir dann ernsthaft eine Deadline setzten für eine Trennung. Kommt vielleicht auch drauf an wie sie es begründet und ob das nachvollziehbar ist und ich das akzeptieren kann. So eine Geschichte wie "keine Zeit" ist es definitiv nicht. Wenn sie sagt, dass sie mit der Therapeutin nicht klar kommt. Das verstehe ich. Dann muss sie sich aber kümmern.

Das schaffe ich psychisch irgendwann auch nicht mehr. Dann doch die knallharte Trennung. Ob es ihr hilft und es vielleicht auch noch ein Anstoß ist? Vielleicht. Ob es mir hilft? Perspektivisch definitiv.
Anders gesagt: Ich kann nicht bis in die Unendlichkeit warten, bis sie sich Hilfe holt.

Ich hoffe, es ist nicht zu lange geworden. Kopf hoch aber auch bisschen Realismus! Ich hoffe ich bin dir nicht zu realistisch und zu wenig optimistisch.
 
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