Chor-Workshop Extrem - oder der ganz normale Wahnsinn....

Benutzer28811  (32)

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Hallo liebe Foris :herz:

habe nach langer Zeit zum "Warmwerden" mal bisschen vor mich hin geschrieben, vielleicht hat der eine oder andere Lust es zu lesen :smile:


Schriftstellern wird immer erzählt, sie sollen aus dem Leben schreiben. Situationen greifen, die gegenwärtig sind. Lustig und mit einer guten Pointe. Ich sitze also vor meinem PC und suche diese besagte lustige Pointe. Ich habe zwischendurch unter dem Sofa und hinter dem Wandschrank gesucht, allerdings auch dort nichts annähernd Witziges gefunden, abgesehen von den Wollmäusen, die dort wohl ein Eigenleben führen. Doch das reicht leider weder für eine gute Geschichte noch ist es besonders lustig. Vermutlich würden die meisten Menschen mich für einen unordentlichen Menschen halten, wenn ich von Wollmäusen erzähle. Setzt man doch voraus, dass man mit 27 Jahren im Stande ist, seine Wohnung „wollausfrei“ zu halten. Doch ich bin nicht unordentlich, bei mir herrscht einfach kreatives Chaos. Man muss nur wissen wo man was findet. Leider hilft mir dieses kreative Chaos im Moment nicht weiter die lustige Pointe zu finden. Man könnte doch mehr Kreativität von diesem Chaos erwarten.

Noch weniger hilft mir die Titelmusik von Forrest Gump, die ich mir nebenbei reinziehe. Ich habe auf Inspiration gehofft doch nun kann ich an nichts anderes denken als „Lauf Melanie, lauf“. Doch das mit Laufen ist im Moment auch so eine Sache. Die Laufschuhe strahlen mich seit Tagen an, doch ich vertraue ihnen noch nicht so ganz. Meistens tragen sie mich 500 Meter und machen dann schlapp. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es an Ihnen liegt, dass ich nicht durchhalte. Vielleicht brauche ich einfach neue, schnittigere? – Wie auch immer, ich versuche also mit dem sogenannten „Alltagsgeschehen“.

Unser Chor hatte heute einen Workshop. Ja wenn man Chor hört, denkt man sofort an 30 graue Kirchenmäuse, die mehr leidend als freudig das Ave Maria runterleiern. Man denkt an strenge Dutt Frisuren und Schals die vom Hals in Richtung Boden hängen, viel zu tief und in gedeckten Farben. Alles in allem also eine wenig bunte Veranstaltung. Mein Chor ist anders. Er sprüht vor Leben und auch wenn die eine andere Verirrung dabei ist, ist die Truppe doch schwer in Ordnung. Es gibt dort riesige Helgas‘, selbstbewusste Tinas‘ und diverse übergewichtige Damen, die mehr Selbstbewusstsein haben als ich jemals besitzen werde (Neid). Aber ich gehe gerne hin, man fühlt sich als Teil eines großen Ganzen und lernt an seiner Disziplin zu arbeiten. Das ist dringend nötig, denn auch diese Suche ich schon seit Jahren hinter diversen Wandschränken und Sofas. Bühnenpräsenz stand also auf dem Plan.

Ich nutze solche Zusammenkünfte immer gerne um mein Umfeld zu betrachten. Es ist doch immer wieder faszinierend zu beobachten, wie verschieden die Menschen sind und wie sie in einer Gruppe agieren. Da gibt es die Alphatiere, die gerne den Ton angeben. Die zurückhaltenden Damen mit „Dutt Frisur“ (..ja sie würden auch in dem Kirchenchor singen können, aber lassen wir das), die Mitläufer, die ständig dieses unsichere Lächeln auf den Lippen haben und meine „Lieblingsspezies“ die Klugscheisser. Diese habe ich besonders gerne. Man erkennt diese Spezies recht gut an einem angespannten Gesichtsausdruck, einem hochschnellenden Zeigefinger, der Fähigkeit dem kompletten Chor inkl. Chorleiterin furchtbar auf den Sack zu gehen (.auf die Eierstöcke klingt einfach nicht...) und an dem Namen Käthe. Auf Käthe ist Verlass. Es gibt keine Chorprobe bei der sie nicht jeden und alles um sie rum korrigiert und auf Fehler aufmerksam macht. Was dürfen wir froh sein, dass sie uns mit ihrer Anwesenheit beehrt. Was würde nur aus dem Chor werden? – so also auch im Workshop heute.

Eine der Übungen zum Thema Bühnenpräsenz war das Darstellen eines „unsichtbaren Dschungels“ mittels Geräuschen. Eigentlich ein interessantes Unterfangen um sein Gegenüber und auch sich selbst wahrzunehmen. Es ging darum sich selbst zurückzunehmen und auf den anderen zu achten, ohne sich selbst zu vergessen. Ich fand mich also wieder in einer Geräuschkulisse aus fließenden Dschungelströmen (nicht förderlich, wenn man zur Toilette muss), diversen Schnippgeräuschen, die wohl Regen darstellen sollten (auch nicht förderlich) und unterschiedlichen Dschungeltieren, bei denen ich mir aber insgeheim wirklich Sorgen um die noch verbleibende Lebensdauer gemacht habe, aber seien wir fair. Ich war die Schlange. Ich dachte ein „sssss“ sei machbar und den Affen gab es neben mir schon. Zwar ein recht verstörter Affe, aber immerhin ein Affe. Da ich Affen generell mag, konnte ich mich damit arrangieren. Ich nahm also die Dschungelgeräusche (und den Druck auf meiner Blase) wahr und konzentrierte mich auf meine Umgebung.

Gerade als ich mich nicht mehr fühlte wie ein kompletter Vollidiot auf LSD höre ich schon das verdächtige Schnaufen neben mir. Ich wusste es geht los. „ Der Affe klingt nicht authentisch, das muss mehr von innen kommen“. Das war wieder einer dieser besagten Momente in denen ich an Cartoons aus meiner Kindheit zurückdenke, in denen mit einem großen Baseballschläger ausgeholt wird. „Der Affe ist nicht authentisch“??? Was zur Hölle? Zum einen würde mich interessieren woher sie die Statistik für authentisch nachgeahmte Affengeräusche her hat, diese würde mich brennend interessieren. Zum anderen frage ich mich ob Käthe sich bei einer „authentischeren Affensprache“ mehr hätte auf sich selbst und andere konzentrieren können. Da die Workshopleiterin den Kommentar zu meiner Belustigung komplett ignoriert hat, werden wir das wohl leider nie erfahren. Ich werde trotzdem recherchieren ob es diverses Audiomaterial gibt dass ich Käthe bei Gelegenheit mal zuspiele. Sie kann froh sein, dass sie nicht meine absolut authentischen Schlangenrufe kritisiert hat, ich vermute ich hätte sie gebissen. Nicht nett aber effektiv.

Was ich aus diesem Workshop mitnehme? – Wassergeräusche fördern die Blasenaktivität und Affenrufe müssen gelernt sein. In diesem Sinne widme ich mich wieder den Wollmäusen und suche gemeinsam mit ihnen weiter nach meiner Disziplin. Immerhin habe ich es geschafft 1,5 Seiten zu füllen. Auf einen neuen Tag im Chaos. :whoot:
 
1 Woche(n) später
1 Jahr(e) später

Benutzer28811  (32)

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ich wusste gar nicht mehr, dass ich das geschrieben habe :grin:
 
1 Woche(n) später

Benutzer133419  (58)

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Ich find's kreativ geschrieben. Man kann was daraus machen. :smile:

Das Toiletten-Thema könnte witzig sein, ist aber etwas zu vorherrschend. Es kommt zu zusammenhanglos in die Geschichte hinein.

Etwas sprunghaft ist die Geschichte, erst zum Laufen gehen, das ist nix, dann zur Chorprobe gehen? Magst Du denn Musik, und willst Du singen können? :smile:

Wenn die Chorprobe ein Kapitel in einem Buch wäre, dann wäre es ok. Dann gäbe es eine Vorgeschichte, die zu dieser Chorprobe führt, sprich, es gäbe einen Grund für die Heldin der Geschichte, hinzugehen.

Trotzdem finde ich es sehr cool. Du hast was geschrieben, vieles finde ich gut daran, meine Meinung ist wahrscheinlich die, dass es eine gute Idee wäre, aus der Sache eine Geschichte zu machen. :smile:
 

Benutzer28811  (32)

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Morgenstern Morgenstern danke für die Kritik. Ich singe tatsächlich und bin auch tatsächlich im Chor. Alles was dort steht ist so passiert :smile:

Es sollte weder ein Kapitel in einem Buch sein, noch eine eigenständige geschlossene Geschichte. Mehr ein Griff aus dem Alltag und Schreibübung. Aber vielleicht kann man schon mehr draus machen muss man sehen...

Wenn die Chorprobe ein Kapitel in einem Buch wäre, dann wäre es ok. Dann gäbe es eine Vorgeschichte, die zu dieser Chorprobe führt, sprich, es gäbe einen Grund für die Heldin der Geschichte, hinzugehen.

Es ist ja keine in sich geschlossene Geschichte sondern einfach eine kleine Anekdote aus dem Alltag gegriffen ohne Vor- und Nachspann :smile:

Finde es toll, dass du dir die Zeit genommen hast es zu lesen!
 

Benutzer133419  (58)

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Das ist ja interessant. :smile: Es ist eine Szene, ein Gemälde, und wenn ich es nicht als das sehen kann, sondern mir eine Geschichte wünsche, liegt das an mir und nicht an Deinem Text. :smile:

Ich würde auf jeden Fall sehr, sehr gerne mehr von Dir lesen. :smile:
 
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