Burnout und Flaute im Liebesleben

Benutzer155480 

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Guten Abend miteinander,

seit einigen Jahren leidet mein Ehemann in Folge eines Burnouts an schweren Depressionen und ist seither in psychotherapeutischer Behandlung. In Folge seiner Erkrankung hat auch seine Libido stark abgenommen, ebenso wie seine Fähigkeit, dauerhaft eine Erektion halten zu können. Er schämt sich für diese Dinge und alle Versuche, ob nun anfangs dezent oder später sehr deutlich, ihn zu einem Arztbesuch zu überreden, um sich in dieser Hinsicht beraten zu lassen, sind fehlgeschlagen.

Mir fehlt es nicht an Zärtlichkeit oder Nähe. Das sind alles Dinge, die er mir geben kann und ich liebe ihn und empfinde ihn als DEN Mann, mit dem ich alt werden möchte. Wir reisen viel zusammen und sehen uns die Welt an, harmonieren wunderbar, haben den perfekten Ausgleich zwischen geteilten und persönlichen Interessen.

Ebenso habe ich 'stumpfe' sexuelle Befriedigung durch Toys durch mich selbst oder ihn. Mir fehlt der Sex mit einem echten Mann, der länger dauert als zwei Minuten.

Ich habe meine Bedürfnisse gedanklich immer zurückgestellt, aber nach mehreren Jahren ist tatsächlich der Fall eingetreten, den ich schon befürchtet habe: ich habe einen anderen Mann kennengelernt, der mich sexuell ungemein reizt. Seit einem Jahr reiße ich mich jetzt schon am Riemen, aber meine Gedanken driften immer weiter ab. Es geht mir tatsächlich gar nicht so sehr um diesen anderen Mann persönlich (er ist nett und ich würde ihn als guten Freund bezeichnen, aber verliebt bin ich nicht), sondern eher um die Tatsache, dass er ein Mann ist, der mich befriedigen könnte und auch würde.

Nun meine Frage an Euch, ob Ihr einen Rat für mich habt. In welche Richtung der auch immer gehen mag. So langsam gehe ich emotional auf dem Zahnfleisch und fühle mich egoistisch und falsch.
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Schwierige Sache. Erstmal: Dass Dir da etwas fehlt und dass es Dich mehr und mehr zermürbt, dass keine Besserung in Sicht ist, ist mehr als verständlich. Auch wenn Dein Partner "nichts dafür kann" und man dazu neigt, sich (zu!) sehr zurückzunehmen, wenn der Partner an so einer Erkrankung leidet: Du hast Deine Bedürfnisse, auch Dein Wohl ist wichtig. Das kann und darf man nicht vergessen. Und es ist völlig legitim.

Nun also zu der Problematik: Auslöser für seine Probleme können sowohl seine Psyche / seine Depressionen als auch eventuell verordnete Psychopharmaka sein. Der erste Gedanke wäre, das mal abklären zu lassen und eventuell etwas an der Medikation zu ändern - was aber nicht immer möglich ist. Und ER wollen müsste. Was wohl nicht er Fall ist.

Da kommen wir dann - leider - an den wirklich schwierigen Punkt: Ich habe das Gefühl, dass Du das eigentlich alles nicht mehr willst. Du fühlst Dich einerseits aufgrund der Krankheit verpflichtet, für Deinen Mann da zu sein, andererseits macht seine Krankheit aber auch unmöglich, dass es Dir dabei wirklich gut geht. Das ist eine Situation am Rande einer Abhängigkeit. In die Du nicht rutschen solltest. (Stichwort: Co-Abhängigkeit) So hart es ist: Dein Wohl sollte an erster Stelle stehen. Und wenn das in der Beziehung nicht mehr möglich ist, dann ist's vielleicht echt an der Zeit sie zu beenden.

Die einzige andere Lösung die ich sehe, wäre ihn zu betrügen - was ich Dir aber nicht wirklich raten will - auf kurz oder lang schafft das vermutlich noch mehr Probleme. Und ist wohl nicht genug. Oder die Beziehung zu öffnen - was vermutlich aber auch keine Option ist.

Ich würde - so hart und fies es klingt - ernsthaft über eine Trennung nachdenken. Es bringt nichts, wenn Du in dieser Beziehung unglücklich bist und kaputt gehst. Wenn seine Krankheit und eure Vergangenheit die einzigen Dinge sind, die Dich noch bei ihm halten, reicht das nicht. Du bist nicht verpflichtet, das alles mit ihm durchzustehen, endlos zu verzichten und Dich selbst zu vergessen. Du solltest auf Dein Wohl schauen.

Ergänzung: Weiß er, was für ein großes Problem das für Dich ist und dass es eure Beziehung gefährdet?
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer124223  (45)

Meistens hier zu finden
brainie brainie hat schon vieles sehr gut auf den Punkt gebracht.

Als Ergänzung noch zum Thema "öffnen der Beziehung": Solltet Ihr diese Option in Betracht ziehen, ist es wichtig, dass er nicht nur deshalb mitmacht, weil "er es Dir ja zugestehen muss, und Du sonst weg bist".

Besonders unterstreichen möchte ich auch noch mal diese Frage:

Weiß er, was für ein großes Problem das für Dich ist und dass es eure Beziehung gefährdet?
 

Benutzer155522 

Benutzer gesperrt
Das ist eine ganz schwierige Situation. Ich finde es unmöglich pauschale Ratschläge zu geben. Ich kann nur aus meiner Situation erzählen.
Als ich derjenige mit Burnout war, war es mir einfach unmöglich, mich auf jemanden anderen einzulassen.
Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Und ja, Venlafaxin hat sich bei mir definitif negativ auf die Libido ausgewirkt.
Aber das war es nicht alleine. Ich habe mich damals einfach nicht als attraktiv und begehrenswert empfunden, weil ich natürlich alles in Zweifel gezogen habe und auch das Selbstwertgefühl sehr schwach war.. Das hatte glaube ich den weitaus größeren Anteil.
Mit all diesen Erfahrungen und dem Wissen um meine damalige Gefühlswelt habe ich Anfang des Jahres eine beginnende Beziehung beendet, weil sie eine Depression dignostiziert bekam.
Das mag egoistisch erscheinen, aber es war wohl einerseits die Angst, mit runtergezogen zu werden und andererseits das Wissen, dass es wenn, dann sehr langfristig wieder besser wird.
Bei dir sind es ja anscheinend auch schon mehrere Jahre...
 

Benutzer13901  (46)

Grillkünstler
DIe Situation ist mehr als schwierig bevor ich dazu mehr aushole hätte ich da noch frage. Liebe TS dein Mann leidet nur an BurnOut oder auch an Depression und wenn ja bekommt er Medikamente wie Citralopram oder änliches ?
 

Benutzer155480 

Sehr bekannt hier
Danke für Eure Antworten bisher, ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich schaue heute Abend in den Medikamentenschrank und melde mich dann nochmal.
 

Benutzer56469  (36)

Beiträge füllen Bücher
Wenn ich an deiner Stelle wäre würde ich meinen Mann helfen seine Errektionsprobleme in den Griff zu bekommen. Mein Mann hat auch welche, wir wissen nicht warum aber ich würde nie auf die Idee kommen dass es da eventuell einen anderen Mann gibt der mich befriedigen kann.
 

Benutzer12529 

Echt Schaf
Hat er die Erektionsprobleme und fehlende Libido schon mit seinem Therapeuten thematisiert?
Die dürften ihn vermutlich zusätzlichggewaltig runterziehen, und dafür sorgen, dass er sich noch unmännlicher fühlt, als er es vermutlich eh schon tut.
Daher würde ich ihm definitiv nicht erzählen, dass du mit einem anderen Mann vögeln willst. Das wird ihn extremst runterziehen und dafür sorgen, dass er sich erst Recht als Versager fühlen wird und ihm noch mehr Schuldgefühle bereiten, als er eh schon hat (haben die meisten depressiven).

Was du ihm sagen könntest: Dass dir der Sex mit ihm fehlt. ist zwar auch hart, aber bei weitem kein solcher "Todesstoß"(überspitzt formuliert), wie "Ich hab Lust auf Sex mit einem anderen Mann", was seine Depression angeht.
Er sollte das dringend mit einem Arzt/seinem Therapeuten besprechen. Euch zu liebe.

Allerdings solltest du dir ersr einmal klar machen, ob du überhaupt noch Lust auf Sex mit deinem Partner hast, selbst wenn es seinerseits im Bett wieder klappt. Stell dir vor, dass ihr nach wie vor Sex wie sonst auch habt.

Depression kann durchaus auch dafür sorgen, dass man den anderen nicht mehr anziehend findet, und vielleicht sogar auch dazu, dass man keine romantischen Gefühle mehr gat für den anderen.
 

Benutzer155480 

Sehr bekannt hier
Danke für den Input. Das Thema habe ich bereits sehr oft mit meinem Mann besprochen - natürlich nicht das "Ich will einen anderen Mann im Bett", sondern dass mir der fehlende Sex selbst sehr auf die Seele schlägt und dass ich mir wünsche, dass wir gemeinsam etwas dagegen unternehmen, weil ich ihn liebe und er mir wichtig ist.

Ich bin natürlich nicht untätig geblieben. Schöne Wäsche, Toys, erotische Filme schauen, immer und immer wieder die Initiative ergreifen... . Nach beinahe vier Jahren bin ich kurz vor der Kapitulation. Es könnte natürlich sein, dass ich ihn dadurch zusätzlich unter Druck gesetzt habe zusätzlich zu dem Druck, den er sich selbst macht....*kratzt sich am Kopf*

Sicherlich hat er mit seinem Therapeuten über die Situation gesprochen, aber was genau sie besprochen haben, teilt mein Mann nicht mit mir. Er sagt mir nur "Ich versuche, dran zu arbeiten" und Ähnliches und Nachfragen beantwortet er meist ärgerlich....

@Medikamentenfrage: Er hat mehrere Präperate versucht, momentan bekommt er Trevilor. Das ist laut Internet auch dafür bekannt, Erektionsstörungen auszulösen, sonst hat er allerdings keine Nebenwirkungen.
 

Benutzer13901  (46)

Grillkünstler
Diese Medis lösen alle Erektionen und orgasmusstörungen aus und das er nicht über die Inhalte der Therapie spricht ist normal denn wenn würde das bei dir mehr Fragen aufwerfen als er beantworten kann und zudem ist es sehr schwer das wiederzugeben
 
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