Mobbing Burnout-Gegensteuerung

Benutzer42813 

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Hallo!

Ich weiß, ich habe schon das eine oder andere Mal bei meinem Beruf ziemlich gelitten und auch darüber geschrieben - aber dieses Mal ist es irgendwie anders. In meinem ersten Jahr an meiner Brennpunktschule habe ich als Lehrerin sehr gelitten. In meinem zweiten Jahr ist es irgendwie besser. Ich habe eine neue Teamkollegin, die sehr engagiert ist, bin in zwei Planungsgremien mit drin, ich erhalte von meinen Schülern meistens Akzeptanz und Respekt (um die ich natürlich Tag für Tag neu ringen muss, das ist an dieser Schulform "Förderschule Verhalten" so), ich habe erste Freundschaften im Kollegium geknüpft und kann normalerweise abends mit dem Gefühl ins Bett gehen, dass ich etwas erreicht habe.

Dennoch: Die Arbeitsauslastung ist hoch. Ich dachte, meine Burnout-Gefahr würde verschwinden, wenn ich nicht mehr jeden Tag mit Bauchschmerzen und Angst zur Arbeit gehen würde - aber ich bin immer noch oft erschöpft. Wir sind eine Ganztagsschule, das heißt, es gibt immer wieder sehr lange Tage (und ein Lehrerarbeitstag erfordert einfach eine höhere permanent aufrechterhaltene physische und physische Präsenz als ein Büroarbeitstag oder was Körperliches, auch wenn das auf seine Weise ebenfalls schlauchen kann).

Beispiel heute:

Morgens um 10 vor Acht in der Schule angekommen. Teamkollegin wartet bereits auf mich - sie hat mit der Mutter einer Schülerin telefoniert, die im Moment nur noch bei ihrem Freund schläft. Wir besprechen noch einmal kurz, dass wir heute auch ein Gespräch mit dem Freund führen wollen. Außerdem wollen wir der Mutter anbieten, unseren externen Jugendamtmitarbeiter in beratender Funktion zeitnah einzuladen, damit sie mit ihrer Tochter ein bisschen Mediation erhält und wieder Kommunikation zwischen den beiden möglich wird.

Drei Minuten vor acht: Teamkollegin geht noch schnell eine rauchen, ich gehe vors Büro der Chefin, um nach der Liste der JuAmts-Leute zu gucken. Keine Liste. Ich geh ins Büro, Chefin redet mit anderer Kollegin darüber, ob Schüler XY heute auch ohne Elterngespräch wieder am Unterricht teilnehmen darf oder nicht, weil er gestern wegen Gewalt suspendiert wurde. Ein Anruf kommt. Ich drängele mich dazwischen und frage nach der Liste. Chefin weiß auch nichts und bittet mich, da nachzuhaken.

Halbe Minute vor Acht: Scheiße, ich wollte doch eigentlich vor Unterrichtsbeginn noch einen Kaffee trinken! Egal, dann halt später. Geh ich stattdessen auf die Toilette und erleichtere wenigstens meine Blase.

Halbe Minute nach Acht: Betreten des Schulhofes. Nette Schüler necken mich mit "Frau Shiny, sie sind zu spät! Also wirklich! Wir müssen sofort Ihre Eltern informieren, so geht das nicht weiter!" Ich lache pflichtgemäß und etwas gequält - die können schließlich nichts dafür, dass ich gestern bis halb elf Unterricht vorbereitet habe, weil ich erst um 10 nach sechs zu Hause war und mir dann erst mal die Hände zitterten und ich erst wieder um acht Uhr weiter machen konnte.

Fünf nach Acht: Die letzten Schüler haben ihre Plätze im Klassenraum eingenommen. Wir haben heute eigentlich sechs Schüler zu Gast, weil eine Kollegin erkrankt ist und die Nachbarklasse einen Ausflug macht, aber glücklicherweise sind nur vier erschienen. Es gibt ein bisschen Gerangel um die Sitzplätze, von unseren sind heute auch drei krank. Die Teamkollegin geht mit der eigentlichen Klasse in den Chemie-Raum, ich gehe mit den "Gästen" Kisten schleppen.

8.25 Schüler XY erklärt, dass ihm schlecht ist - er müsse dringend auf den Schulhof.

8.30 Schüler YX erklärt, dass er einen Asthma-Anfall hat, dass sein Bruder morgen eine schwere Operation hat und er erst später zur Schule kommen wird, dass ich seine Mutter ruhig anrufen und fragen kann, und dass er auch raus zu Schüler XY muss, um den zu fragen, ob der Asthmaspray hat. Ich erlaube es. Schülerin ZX fängt an, im Treppenhaus zu kreischen, dass sie mit diesen Schuhen ja wohl nicht mehr weiter tragen kann und das eine Zumutung sei.

8.40 Meine vier Schüler sind wieder im Klassenraum und erhalten Arbeitsblätter. Der Schüler mit den Magendarmproblemen kriegt von mir ein Glas Wasser und einen Tee. Der Asthmaschüler bettelt und bettelt, bis ich ihm nach telefonischer Rücksprache mit der Teamkollegin im Chemieraum erlaube, sein Asthmaspray holen zu gehen.

9.05 Ein Schüler meiner STammklasse taucht auf, setzt sich auf seinen Platz und fängt an, den Kollegen auf arabisch irgendwas zu erzählen. Er möchte jetzt nicht mehr arbeiten, erklärt er mir. Das lohnt sich nicht, nur noch etwas über 20 Minuten... Ist doch eh gleich Pause! Ich bitte ihn auf den Gang, erkläre, dass er mit seiner Respektlosigkeit meine Ehre ankratzt und fordere ihn auf, meine Ehre vor den Augen seiner Kollegen wieder herzustellen. Er entschuldigt sich vor der Klasse und fängt an, zu arbeiten.

9.20 Der Schüler mit den Magendarmproblemen bittet darum, jetzt nach Hause gehen zu dürfen, weil er es wirklich nicht mehr aushält, und bitte bitte und er bringt auch morgen ein Attest vom Arzt mit.

9.30 Kaffee! Kaffee? Lehrerzimmer! Wo bist du! Wie, kein Kaffee mehr in der Maschine? Ich mache neuen Kaffee in die Maschine. Eine Kollegin betritt den Raum und erzählt davon, dass sie sich hilflos fühlt, weil eine Schülerin schon oft auf dem Heimweg verprügelt wurde - und sie selbst trotzdem inzwischen immer öfter gereizt reagiert, wenn sie wieder mit diesem Heule-Blick im Unterricht sitzt, sich den Bauch hält und die Lehrerin wie ein verwundetes Reh anschaut und kurz vorm Heulen ist, weil sie "Bauchschmerzen" hat. Ein ander Kollege kommt rein und faucht "Wie können die Eltern bloß so gleichgültig sein, wenn ihr Sohn ständig in Schlägereien verwickelt wird?" Ich höre zu und mache tröstende Geräusche, während ich die Kaffeemaschine präpariere.

9.40 Mir fällt ein, dass ich den Heini vom Jugendamt noch mal anrufen wollte. Ich rufe ihn an.

9.43 Eine andere Kollegin kommt in den Raum. Mir fällt ein, dass ich mit ihr noch etwas wegen einer Schlägerei zwischen einem Mädchen aus meiner und einem aus ihrer Klasse besprechen muss.

9.48 Verdammt, die Pause ist gleich rum! Ich wollte doch noch ausruhen! Einfach mal eine Minute still sitzen! Scheiße!

9.49 Vor dem Büro der Chefin treffe ich die Teamkollegin, die einer Schülerin von uns erklärt, dass wir keinesfalls hinnehmen werden, dass sie andere Schüler bedroht. Ich frage sie, ob sie gleich alleine mit dem Unterricht anfangen kann, weil im Büro der Chefin endlich mal offen ist und ich dann mal die Akte von unserem Neuzugang studieren kann - wir wissen nämlich immer noch nicht, warum er die letzten beiden Schulen verlassen hat.

10.05 Die Akten haben keine Ergebnisse gezeigt, also gehe ich hoch. Zwei Stunden Politik bei der Teamkollegin. Der Asthma-Schüler ist wieder da, zeigt mir seinen Inhalator und erhält ein Lob dafür, dass er zuverlässig war. Ein anderer Schüler, der an chronischem "ich zischele Beleidigungen, damit andere in die Luft gehen" und "ich schmeiße Radiergummi-Krümel, damit andere in die Luft gehen" und "Ich sage Fotze und Hure zu den Mädchen, aber ganz leise, damit nur sie es hören" und "Ich will von der Schule geschmissen werden, weil Ganztag mir zu blöd ist" ist inzwischen auch aufgetaucht - Mist. Ohne ihn war es so schön ruhig. Scheiße aber auch.

Die Doppelstunde verläuft im Wesentlichen im Flur. Immer wieder muss ich mit einzelnen Schülern GEspräche führen, andere werden kurz des Raumes verwiesen... Aber während der Arbeitsphase erhole ich mich ein bisschen von dem ganzen Stress, indem ich herum gehe und meinen Kids noch mal klar mache, wann eine Klassensprecherwahl demokratisch ist und wann nicht, damit sie ihre Aufgaben bewältigen können.

11.30. Pause. Jippie! Ich begleite die Kollegin beim Rauchen. Wir besprechen die Praktikumsplätze unserer Schüler und die Weihnachtsfeier der Schule, während ich in mein Brot beiße. Es ist sogar Zeit für zwei private Worte: "ICh bin müde, aber ich muss noch bis halb fünf." "Du Arme! Ich nur bis halb eins, aber ich muss danach noch mit unseren zwei Schätzchen ... im Auto nach Praktikumsplätzen suchen." "Nimm bitte XXX mit, damit er dir im Auto sagt, wie man das Lenkrad halten muss oder so! Ich ertrage ihn gerade nicht mehr!" Wir lachen beide.

11.45 Beginn der Unterrichtsstunde. Es läuft gut. Es erfordert hohe Präsenz, ich muss immer wieder 3 oder 5 Minuten warten, während das aktuelle Liebespaar der Klasse in Balzritual vollführt, aber am Ende haben sie gearbeitet. Um 12.20 verlässt der Schüler mit dem heimlichen "Fotze"-Rufen ohne Erlaubnis das Schulgelände, aber ich weine ihm nicht hinterher. Um 12.30 verlässt XXX das Schulgelände, ebenfalls ohne Erlaubnis, weil es ihm in der Klasse zu laut ist und sie nicht mal ruhiger werden, wenn er aufspringte, seinen Tisch umschmeißt und sie alle deswegen anschreit. Weil es gerade wirklich laut ist in der Klasse, kann ich seine Eltern auch nicht anrufen.

13.15 Mit zitternden Händen gehe ich... Nein, nicht in die nächste Pause, sondern mit dem Asthma-Schüler ins Lehrerzimmer, da er seine Mutter wegen dem nächsten Tag anrufen will, damit die mir seine Informationen bestätigt. Ich gratuliere ihr dazu, dass ihr Sohn freundlich und zuverlässig ist und sich darum kümmert, seine Termine organisiert zu kriegen. Ich gehe wieder auf den Hof, ich habe Freizeitaufsicht. Ich halte Aufsicht, bespreche Dinge, knuddele eine kliene Schülerin, die sich an mein Bein hängt, verspotte freundlich ein paar Raucher in der Ecke für ihr Laster und tue so, als ob ich ihnen glaube, dass sie nicht geraucht haben. Das ist doch entspannend, oder?

13.50 Eine Schülerin kommt zu mir, weil eine andere Schülerin meiner Klasse ihr gedroht hat. Meine Schülerin kommt: "Frau Shiny, Sie kennen mich. Ich sag's, wie es ist. Wenn ich explodiere und wirklich wütend werde, dann schlage ich zu, Sie wissen das. Und wenn dieses Mädchen da nicht aufhört damit, dann kriegt die heute Nachmittag richtig was aufs Maul, ich steh dazu. Ich sag's, wie es ist."

13.55. Ich habe das Gefühl, dass mein Herz vibriert und summt, statt zu schlagen, dass eine Faust sich darum legt und mir die Luft nimmt. Ich lächele die Mädchen an, sage meiner Schülerin, dass ich keinesfalls dulden werde, dass sie hier Drohungen ausstößt, versichere dem anderen Mädchen, dass es für meine Schülerin Konsequenzen geben wird, und gehe ins Schulgebäude (ich habe gleich eine wichtige Besprechung).

13.56 Mädchen, die sonst gleich AG haben, kommen zu mir und beschweren sich, dass die AG ausfällt und sie Klassenunterricht haben. Ich lächele und werde leidenschaftlich - zwei von ihnen kommen aus Kulturen, die gerne mal ein bisschen dramatisch werden, und ich kann das schließlich auch gut. "Ah, meine Lieben, ich weine, weil die AG ausfällt! Mein Herz blutet. Niemand leidet mehr als ich, ich sag, wie es ist!" Ich erkläre ihnen, warum die AG leider ausfallen muss. "Aber meine Seele leidet! Nächste Woche, ich schwöre es bei meiner Seele, werden wir AG machen, und wenn ich mich mit 40° Fieber zur Schule quälen muss! Ich verspreche es euch bei meiner Ehre!" Die Mädchen lachen und sind getröstet. Ich lache mit und gehe ins Gebäude.

14.01 Scheiße, meine Besprechung fängt an, ich muss aber noch auf Toilette... Da ist die Kollegin, die gleich in meine Klasse geht. Ich bitte sie, mich bei der gewaltandrohenden Schülerin zu vertreten und das Thema anzusprechen, da ich gerade zu erschöpft dafür bin. Sie nimmt mich kurz in den Arm, wir lachen beide, ich gehe doch noch aufs Klo, was soll's, ich muss halt, der dumme Körper verlangt einfach danach.

14.05 Die Besprechung ist in einem anderen Zimmer, aber ich habe es gefunden. Und was für ein Wunder... Sie haben sogar Kaffee auf dem Tisch! Und Orangensaft!
Wir fangen an. Es geht darum, ein Konzept für einen für mich sehr interessanten Bereich zu entwickeln - eineinhalb Stunden lang schreit mich keiner an, jeder hört dem anderen zu und alle arbeiten gemeinsam. Wir sind sehr produktiv. Ich bin glücklich. Ich habe eine Arbeit, die ich gut kann, die Leidenschaft und Kämpfertum von mir erfordert, und ich habe Kaffee (mit zu wenig Milch).

15.30 Ich erinnere vorsichtig daran dass ich gleich noch zu einer anderen Besprechung (Weihnachstfest der Schule) muss und mache einen Witz darüber, dass ich mich künftig nicht mehr in zwei Teams gleichzeitig eintragen werde... Wir vereinbaren einen neuen Termin.

15.40 Ich bin im anderen Zimmer, und ich bin alleine... Aber dann kommen bald die anderen. Wir wollen um 16.00 fertig sein.

16.35 Die Besprechung ist zu Ende. Meine Hände zittern, mein Herz summt schon wieder so komisch. Scheiße. Ich laufe noch mal hoch in den Klassenraum, da habe ich ein wichtiges Buch für heute Abend liegengelassen.

16.45 Eine Kollegin am Parkplatz nimmt mich mit zum Bahnhof, ist das nicht toll? Ich habe ein super Kollegium, alle sind nett und engagiert hier. Ich mag es hier. Außerdem ist es nie langweilig und man hat immer Geschichtern zu erzählen.

18.00 Ich breche auf der Couch zusammen, schaue eine Stunde lang Metal-Videos bei youtube.

19.00 Wir essen zu Abend und schauen dabei auf DVD eine Folge unserer Serie.

20.00 Ich bereite eine halbe Stunde Unterricht für morgen vor. Das Schöne an einer Ganztagsschule ist, dass man manchmal richtig ekelhaft kurze Tage hat, morgen z.B. nur zwei Stunden (na ja und abends den Elternabend).

20.30 Ich fange an, mich zu fragen, ob ich den richtigen Job habe. Früher dachte ich, ich hätte HÄndezittern, weil ich so oft Angst vor der Arbeit hatte, aber das habe ich jetzt gar nicht mehr. Und trotzdem zittern sie immer noch.

***

Ich möchte meinen Job eigentlich nicht wechseln, auch nicht die Schule, weil diese ganze Anstrengung in einem Klima geschieht, in dem man auch Anerkennung dafür bekommt und es viele kleine Dinge gibt, die den Job immer wieder schön und lohnend machen. Aber irgendwie... Irgendwie... So wie heute kann ich nicht weiter machen. Das eine Besprechungsteam wird bald auslaufen, dann habe ich nur noch eines, aber...

Verdammt, hat irgendjemand Tipps, wie ich Druck und Stress aus meinen Tagen rausnehmen kann, damit ich den Job noch ein paar Jahre machen kann - gerade, weil er mir eben Spaß macht?
 

Benutzer107327 

Planet-Liebe Berühmtheit
Was ist der Grund, dass du dir diesen Beruf ausgesucht hast?
Reduzieren auf eine 80% Stelle oder so ist finanziell nicht drin, oder?
 

Benutzer42813 

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Das mit dem Reduzieren ist in den nächsten zwei Jahren finanziell nicht drin, danach hoffentlich schon.

Wie gesagt, es macht tatsächlich Spaß... Ich habe neulich ein Kleidungsstück von vor einem halben Jahr gefunden, was in einer Ecke versteckt war - das roch immer noch nach diesem stechenden Angst- und Stressschweiß, der trotz Deo immer wieder durchkam - und jetzt riechen meine Shirts abends normalerweise gut, glücklcih, lebendig, fast ein bisschen wie nach einer Party, auf der ich schön getanzt habe und nach der ich halt erschöpft und glücklich zusammenbreche...

Aber ich habe heute ja im Grunde Achteinhalb Stunden durchgerarbeitet, ohne eine einzige Pause, weil die Pausen ja immer mit Arbeit, dienstlichen Gesprächen, Telefonaten oder sonst was gefüllt waren. Ich glaube, das ist es, was mich eigentlich so schlaucht. DAs kann man mal machen, erst Recht, wenn die arbeit auch mal entspannende Momente hat - aber auf Dauer geht das irgendwie nicht... :frown:
 

Benutzer99591 

Öfter im Forum
Du hast meinen vollsten Respekt. Ich würde diese Schüler wahrscheinlich keinen Tag überstehen. Um so mehr beeindruckt es mich mit wieviel Spaß und Engagement du an die Sache gehst.
Es wichtig, dass du dir Zeit für Entspannung nimmst und damit meine ich nicht passives Film gucken oder Ähnliches. Hast du schon einmal Yoga, progressive Muskelentspannung oder Meditation ausprobiert. Es mag dich in deinem Tag vielleicht ein paar Minuten kosten aber mit um so mehr Energie kannst du dein Aufgaben meistern.
Vielleicht habt ihr auch noch Möglichkeiten in eurem Kollegium die Arbeit anders zu organisieren. Eine Aufsicht muss ja immer da sein aber vielleicht könnt ihr euch für 5 Minuten abwechseln, so dass jede von euch eine kurze Pause hat. Für diese 5 Minuten würde ich mich wirklich einigeln, notfalls auf dem Klo. Damit bist du vielleicht ein paar Minuten länger auf Arbeit aber das macht das Kraut dann auch nicht mehr fett. Mir helfen solche Minuten ungemein.
 

Benutzer44777  (38)

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Schwere Situation. Kann es sein, dass du das Gefühl hast, wenn du dies oder das nicht machst, dass dann alles schlimmer wird? Alles an dir hängt?
Du musst lernen die Pausen für dich privat zu nehmen. Das bedeutet einfach nicht da sein. Hast du genug lange Pausenzeiten? Wenn ja, mach dich einfach mal rar. Such dir ein Bäcker oder so und lauf dort hin und hol dir ein Brötchen o.a.
Ein Schritt den Burnout zu vermeiden ist mehr auf sich selbst zu achten - das klingt erstmal egoistisch, aber sehe es als Selbstschutz.

Ansonsten habt ihr als Lehrer doch auch einen Personalrat... Sprich das dort doch mal an. Auch deine Vorgesetzten haben eine Pflicht sich um dich und dein Wohlergehen zu kümmern!
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Puuh - das hört sich einfach nach einem Arbeitspensum an, dem kaum ein Mensch gewachsen ist. (kaum ein Mensch, weil es ja doch immer ein paar wundersame Exemplare der Gattung Mensch gibt, für die der Tag deutlich mehr als 24 Stunden zu haben scheint...)
Auch wenn der Job noch so viel Spaß macht und Herausforderungen eine tolle Sache sind - wenn das Arbeitspensum viel zu groß ist, macht man sich damit einfach kaputt.

Von daher kann ich mir kaum vorstellen, wie du das dauerhaft durchhalten willst, ohne dich kaputt zu machen.
Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten:
- Reduziere deine Arbeitszeit (80%-Stelle, o.Ä.)
- Suche dir einen anderen Job (z.B. an einer ganz normalen, nicht-Brennpunktschule), auch wenn dir dieser nicht so interessant erscheint als der Jetzige.

Oder anders ausgedrückt:
Willst du leben, um zu arbeiten, oder arbeiten, um zu leben?
Derzeit machst du auf jeden Fall Ersteres.
 

Benutzer38199  (38)

Verbringt hier viel Zeit
Die Freundin meines Bruders ist Gymnasiallehrerin für Mathe und Physik. Burn-Out nach 1,5 Jahren Unterricht mit 26.

Willst du hören, was die Koryphäen der Lehrerausbildung an den Unis sagen? "Ich selber unterrichte nicht, weil das Schulsystem untauglich ist." "Ich will unterrichten und nicht erziehen." usw. und so fort. Conclusio: Sie sagen einem im ersten Semester klipp und klar, überlegt euch den Einstieg in den Lehrberuf sehr, sehr gut.

Kann mir nicht vorstellen, dass du nicht auch selbiges an deiner Ausbildungsstätte zu hören bekommen hast.

Mein Rat: Gehe in die Privatwirtschaft, in elitärere Schulen, was weiß ich, und kehre als gereifte, gelassenere Persönlichkeit in den Lehrberuf zurück.

Ich halte einfach nichts davon, sein ganzes Leben nur im Schulbetrieb zu verbringen.

Bin selbst Diplommathematiker und unterrichte abends nebenberuflich an Maturaschulen (Österreich) Erwachsene.
 

Benutzer53748 

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Yoga und Selbstschutz sind schon zwei sehr wichtige Punkte bezüglich Vorbeugung bei Burnout.
Wichtig ist erst mal das man sich eingesteht, dass man überfordert ist und vllt. diese Krankheit hat. (am besten abklären lassen.)
Dann : Grenzen setzen! Schlechte Arbeitsorganisation seitens der Schule die zu wenig Pausen verursacht etc. kann Burnout begünstigen, natürlich. Gerade wenn es eine Schule in einem Brennpunktviertel ist mit verhaltensauffälligen Schülern. Wenn ihr euch da alle nicht so unterstpützen würdet, würdet ihr sicher nicht mehr zurecht kommen.
Also: versuche dir auch Privat Distanz zur Schule zu schaffen. Vorbereitungszeiten auf ein Minimum reduzieren, KLausuren ruhig mal eine Woche später als "normal" zurückgeben und eben Erholungsphasen schaffen und das tun was dich entspannt und auch ablenkt. Das kann für dich die Metal musik bei youtube oder die Lieblingsserie sein. Wichtig sind aber auch eine gute Ernährung und Sport, sich austauschen können, Freunde treffen, entspannt ein Buch lesen.. erlaubt ist alles was dir gut tut. Wichtig ist nur das du das in einem guten Maße in deinen Alltag integrierst. Und eben auch vllt. mal einen Ganz zurückschalten. Nicht mehr alles perfekt machen wollen und auch Aufgaben abgeben. Deligieren. Viele die an Burnout leiden können genau das nicht, denken, nur SIE machen die Aufgabe angemessen. Das Problem sehe ich bei dir zwar eigentlich nicht anhand des Textes, aber achte mal drauf ob du das vllt. noch verstärken könntest oder ihr euch im Team noch besser organisieren könnt. Vllt. könnt ihr an eurer Schule einen Ruheraum für Lehrer schaffen? Wo man wirklich Regeln setzt von wegen keiner spricht den anderen dort an, man darf da Kaffee trinken oder sich 5 Minuten auf ne Liege legen? Wo kein Telefon drin ist und kein Computer oder so.. einfach ein Ruheraum. Ich hoffe da waren ein paar hilfreiche Tipps dabei! :smile:

Alles Gute

*Biene*
 
D

Benutzer

Gast
Ich weiß jetzt auch nicht, was wir dir empfehlen können. Es gibt einfach keine großen Alternativen. Wenn du an der Schule bleiben willst und das Arbeitspensum aufrechterhalten möchtest, wird das mit der Zeit an deine Substanz gehen. Da wird weder Yoga, Muskelrelaxation noch eine tolle Beziehung groß etwas ändern. Unterstützt vielleicht, aber wenn grundlegend etwas falsch läuft, wird das auch nicht helfen. Das übersteigt einfach irgendwann das Maß des Möglichen. Warum ist es denn nich möglich, die Stelle zu kürzen? Ich finde, du solltest dir das noch einmal ganz genau überlegen, ob du das Geld so wichtig findest, dass du dich dafür lieber kaputt machst.

Das du an so einer Schule bist bewundere ich, das ist aber eben auch der härteste Weg eines Lehrers. An eine Privatschule würde ich auch nicht gehen wollen, besonders, wenn man ein paar Ideale hat (nicht böse gemein Schnitzelhaus, ich werd auch Lehrer und das wäre der letzte Ort, wo ich unterrichten wollen würde).

Du musst dich entscheiden, was dir wichtiger ist. Wir hatten vor zwei Tagen auch ein Seminar und unser Dozent (Vollzeitlehrer in Berliner Problembezirk) meinte auch, das hällt man einfach nicht durch, wenn man alles richtig machen will. Da muss man sich entscheiden, entweder du kürzt die Stelle, was hier sehr sehr viele junge Lehrer machen, oder du musst deinen Ehrgeiz so zurückfahren, dass du dir eingestehen kannst, dass nicht alles perfekt sein kann. Da läuft halt nicht jede Stunde gut, ist nicht super vorbereitet und auf individuelle Probleme der Schüler zugeschnitten. Das geht halt nicht immer. Es gibt nicht viele Möglichkeiten. Entweder du machst so weiter und bewegst dich auf das psychische Aus hin, oder du änderst Schule, Stundenanzahl, Ehrgeiz.

Off-Topic:
Ps.: Trotzdem danke für den Beitrag. Unterstützt meine Ansicht bezüglich der Diskussion von letztens, dass in vielen Schulen die Fachwissenschaften leider so ziemlich das letzte sind, um was man sich kümmern kann.
 

Benutzer97250 

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Ich habe in eine Schule mit ebenfalls schwierigen Schülern etwas Einblick.

Dort hat es sich bewährt, ein zusätzliches Zimmer einzurichten, in dem Schüler betreut werden, die des Klassenzimmers verwiesen wurden.

Die Regelung hat sich sehr bewährt: die Lehrer können endlich konsequent sein und die Schüler wissen, was ihnen nach der ersten Ansage blüht. Sie werden in kleinerem Rahmen weiter unterrichtet und lungern nicht auf den Gängen herum.

Eine glaubwürdige und echte Sanktionsmöglichkeit erspart dem Lehrer Stress und findet auch Akzeptanz bei den Schülern.
 

Benutzer77547 

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Absolute Hochachtung! Das ist wirklich ein Hammerarbeitspensum. Ich wäre da nach 1 Woche komplett körperlich und wohl auch psychisch am Ende. Wie auch andere schon sagten: Selbst wenn es Spaß macht, einen erfüllt etc., muss das irgendwann an die Substanz gehen. Das hält niemand auf Dauer durch.

Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt ist sicherlich, dass ihr ein gutes Klima innerhalb des Kollegium habt. Das ist eine der wichtigsten Ressourcen überhaupt. Die solltet ihr nutzen.
Ich gehe mal davon aus, dass deine Kollegen und Kolleginnen einen ähnlichen Stress haben wie Du. Vielleicht wäre es ja eine Möglichkeit, zu versuchen dieses Problem gemeinsam im Kollegium (mittel- bis langfristig) anzugehen.
Wäre es denn möglich, dass ihr z.B. in der Ferien, wenn ihr mehr Ruhe habt, euch mal für ein Wochenende zusammensetzt (vielleicht sogar irgendwo im Grünen, sozusagen in "Klausur") und gemeinsam erarbeitet, was sich vielleicht organisatorisch verändern ließe? Man könnte da auch z.B. einen "Forderungskatalog" erarbeiten, den die Schulleiterin dann beim Schulamt vorträgt, vielleicht flankiert mit einer schönen Beschreibung, wie bei Euch der Schulalltag so aussieht (ähnlich wie in deinem eindrucksvollen Beitrag hier). Klar, in Zeiten knapper Kassen (und ihr seid ja nicht die einzige Schule mit diesen Problemen), sind die Erfolgsaussichten ungewiss. Aber einen Versuch wäre es m.E. wert. Und selbst, wenn das ganze nicht dazu führt, dass die Schule z.B. mit mehr Personal oder ähnlichem ausgestattet wird, lassen sich vielleicht - wenn man die Ruhe dazu hat - gemeinsam ein paar Maßnahmen entwickeln, die nichts oder nicht viel kosten und dennoch eine gewisse Entlastung bringen. Man könnte auch von einander lernen. Vielleicht haben ja manche Kollegen hilfreiche individuelle Strategien entwickelt, wie sie das besser aushalten.

Ich weiß zwar nicht, ob sowas irgendwie realistisch ist. Aber eine Überlegung wäre es m.E. wert. Letztlich helfen auf Dauer nur strukturelle Veränderungen. Individuelle Strategien wie z.B. Yoga, Entspannungsübungen etc. sind zwar sicher hilfreich, aber ob das am langen Ende ausreicht, wage ich zu bezweifeln.
Verminderung der Stundenzahl ist natürlich auch ne Möglichkeit, aber halt auch eine Frage des Geldes.

Ach ja: Ein Burnout hast du sicher (noch) nicht, bist aber auf dem besten Wege dorthin. Nach der gängigsten Burnout-Definition (von Maslach) ist Burnout ein Syndrom aus "emotionaler Erschöpfung" (da bist du schon ganz gut dabei), (2) "Depersonalisation bzw. Zynismus" gegenüber den Schülern und (3)"fehlender Erfüllung" bzw. dem Eindruck, dass das, was man macht eigentlich nicht gut ist. Von den letzten beiden Punkten bist du Gott sei Dank noch recht weit entfernt. Sozusagen in der Endphase des Burnouts ist man nicht nur emotional und körperlich erschöpft, sondern will von den Schülern nix mehr wissen, ja hasst sie geradezu und ist außerdem noch der Überzeugung, dass man nichts mehr bewirkt und einfach nur noch tag aus tagein einen miesen Job macht. Dann geht nichts mehr.
 

Benutzer53748 

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Ach ja... mir fällt noch was ein:

1.) Les am besten mal ein professionelles Buch über Burnout, dann kannst du glaube ich schon sehr gut einschätzen ob du das hast und wie man gegensteuern kann. Denn Burnout ist ein schleichender Prozess und kann eben im schlimmsten Fall zur völligen Erschöpfung führen, die auch mit körperlichen Erkrankungen einhergeht.

2.) Es ist umstritten ob es nicht sogar dasselbe ist wie eine Depression, nur das sie eben nur das Arbeitsfeld betrifft und man nicht sein ganzes Leben scheiße findet. Die Betroffenen können nur leichter Burnout eingestehen als eine Depression. Beim Psycholog. Psychotherapeuten würdest du auch gegen Depression behandelt werden, weil Burnout leider noch nicht in den ICD 10 steht sondern nur in einem abgesonderten Kapitel.
Psychische Störungen werden in der psychiatrischen Klassifikation psychiatrischer Erkrankungen in Europa nach dem sog. ICD 10 – in den USA nach DSM IV – eingeteilt. Hierbei wird dem sog. Burnout-Syndrom keine eigentständige Diagnose sondern „nur“ eine sog. Z-Ziffer als Zusatzbedingungen unter der Einteilung ICD 10 Z 73 Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung zugesprochen. Quelle: http://web4health.info/de/answers/bipolar-burned-out.htm
Auf jeden Fall kann man gegen "Burnout" noch nicht therapiert werden - wird dann eben unter dem anderen Namen getan. Das gute: man kann relativ schnell dagegen intervenieren das es einem vorläufig besser geht. Aber wenn man rausfindet woran es lag, machen eben auch viele Betroffene einen Stellenwechsel, weil sie die Arbeitsstrukturen nicht hinreichend ändern können oder manche Arbeitgeber gegen sowas die Augen verschließen.
 

Benutzer70315  (32)

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Auch meine Hochachtung hast du. Und es war sowieso interessant deinen Beitrag zu lesen, da mich ja in nicht allzu ferner Zukunft der Lehreralltag erwartet.

Ich kann verstehen, warum dich das so wurmt. Wahrscheinlich weil du ja merkst, "Hey es ist besser geworden" und trotzdem geschlaucht bist. Aber vor Burnout ist niemand gefeit und ich denke, es liegt nicht an der Angst vorm Job sondern einfach an dem zu hohen Stresspegel, selbst wenn er Spaß macht. Und auch die Lehrer in meinem Studium, die ich bisher kennen lernte, mahnten fast alle, sich die Jobwahl zu überlegen. Wahrscheinlich ist das Lehrersein kompromisslos - entweder du entwickelst die Leidenschaft dafür, oder du bleibst komplett auf der Strecke. (Was Burnout betrifft, so ist das ein oder andere keine wirksame Prävention - vermutlich fällt man nur leichter in diesen Erschöpfungsstrudel, wenn man merkt, dass man eigentlich kein Lehrer sein will -> Was ich bei in deiner Schilderung absolut nicht erkennen kann, ich find es bemerkenswert wie souverän du da durchsteigst)

Der Vorschlag ist gut, es mal mit Meditation zu versuchen oder Yoga. Weißt du, im Prinzip ist es vermutlich wichtig einen Puffer zu haben. Eine Lehrerin, die unser Praktikumsseminar betreute, meinte mal, sie hätte überhaupt keine Kollegen-Freundschaften, weil sie in ihrer Freizeit nichts mehr mit Schule zu tun haben will und dadurch, dass sie nicht in Gefahr kommt mit anderen Lehrern privat drüber zu erzählen, fällt ihr das Abschalten viel leichter.
(falls du Lehrer-Freunde hast war das aber sicher keine Aufforderung denen Au-Revoir zu sagen :grin:)

Meine Freundin hat sich in letzter Zeit auch viel mit dem Thema beschäftigt, weil auch sie sehr erschöpft war obwohl ihr der Job ja auch Spaß macht. Wir haben uns dann gesagt, wir machen unter der Woche einfach mal was Schönes. Nicht nur am Wochenende. Schwimmen gehen, spazieren z.b. Vllt auch zusammen kochen, irgendwas, damit man nicht in die Gefahr kommt nur noch von Wochenende zu Wochenende zu springen.

Meine Mutter, selbst Lehrerin, hatte vor einem Jahr auch vor der Familie einen Nervenzusammenbruch. Vieles spielte da mit rein, der Druck, es nun uach mit schwierigen Schülern zu tun zu haben und das irgendwie so meistern... Mittlerweile gehts ihr besser. Aber das ist ja sowieso ein schleichender Genosse, dieses Burnout.
 

Benutzer54399 

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Off-Topic:
Trink weniger Kaffee, dann musst du nicht so oft aufs Klo. :zwinker:


Meine Frau war ja auch kurz davor Lehrerin zu werden und da hab ich auch erlebt wie es ist, wenn man zwar relativ früh zu Hause ist, dafür aber noch bis um 23 Uhr da sitzt und den Unterricht vorbereitet. Gab dann auch ähnliche Geschichten wie bei dir.

Ich denke viele ältere Lehrer sind nicht ohne Grund so wie sie sind. Eine gewisse "mir alles egal"-Einstellung muss man in diesem Job wohl entwickeln, wenn man ihn halbwegs Gesund bis zum Ende durchstehen möchte. Musst du denn alles tun was du tust? Können dir manche Dinge nicht einfach egal sein?

Persönlich bin ich sehr froh, dass meine Frau doch nicht Lehrerin geworden ist, ich glaube sie wäre sehr schnell an einem ähnlichen Punkt wie du.
 

Benutzer77547 

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Off-Topic:

Ich denke viele ältere Lehrer sind nicht ohne Grund so wie sie sind. Eine gewisse "mir alles egal"-Einstellung muss man in diesem Job wohl entwickeln, wenn man ihn halbwegs Gesund bis zum Ende durchstehen möchte. Musst du denn alles tun was du tust? Können dir manche Dinge nicht einfach egal sein?
Off-Topic:


Klar. Es ist wichtig, dass man keine unrealistischen Erwartungen an sich selbst richtet, sondern mit einem gewissen Realismus an die Sache ran geht und mit seinen Kräften "haushaltet". Aber die Entwicklung einer "mir ist alles egal" -Einstellung kann auch genau nach hinten losgehen und einen erst so richtig ins Burnout treiben. Dann fehlen nämlich jegliche kleinen "Erfolgserlebnisse" im Alltag.
Ganz typisch für den Burnoutprozess: Zuerst emotional erschöpft, dann die (verständliche) Reaktion des Rückzugs, dann das Gefühl eigentlich nichts mehr zu bewirken. Wer dann noch ein Fünkchen Berufsethos in sich hat, ist dann am Ende.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Aber die Entwicklung einer "mir ist alles egal" -Einstellung kann auch genau nach hinten losgehen und einen erst so richtig ins Burnout treiben. Dann fehlen nämlich jegliche kleinen "Erfolgserlebnisse" im Alltag.

Es bezog sich natürlich auf die Punkte, die vielleicht gar nicht in ihr Aufgabengebiet fallen. Deshalb fragte ich, ob das alles wirklich ihre Aufgaben sind oder ob davon vielleicht vieles freiwillig ist. Beispiel wäre hier vielleicht die AG oder die Organisation vom Weihnachtsfest.
 

Benutzer53748 

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Ja ich glaube was Subway meint ist das "Abgrenzen " und "Nein sagen" was ich auch gemeint habe.. .
natrülich soll man sich nicht isolieren und "nur noch seinen Job machen".. das sind auch Burnout Symptome, wenn man so gar keinen Elan mehr für seine Arbeit hat.
LG
 

Benutzer77547 

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Stimmt. Abgrenzen ist wichtig. Wollte nur Missverständnisse vermeiden und klarstellen, dass eine "mir alles egal" Haltung riskant ist.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Die Freundin meines Bruders ist Gymnasiallehrerin für Mathe und Physik. Burn-Out nach 1,5 Jahren Unterricht mit 26.

Willst du hören, was die Koryphäen der Lehrerausbildung an den Unis sagen? "Ich selber unterrichte nicht, weil das Schulsystem untauglich ist." "Ich will unterrichten und nicht erziehen." usw. und so fort. Conclusio: Sie sagen einem im ersten Semester klipp und klar, überlegt euch den Einstieg in den Lehrberuf sehr, sehr gut.
Ich dieses ganze Geschwätz von wegen "Lehrer ist ja so ein harter, anstrengender Job" einfach nicht mehr hören (wenn es sich um eine ganz normale Schule und nicht um eine Brennpunktschule, o.Ä. handelt).
Lehrer ist ein Job wie jeder Andere auch: Für Manche ist es der perfekte Job, in dem sie aufgehen, der ihnen Spaß macht und den sie ganz locker machen; für Manche ist es einfach nur ein ganz normaler Job und für Einige ist es einfach der falsche Job - und das sind meistens Diejenigen, die über ihren ach so schlimmen Job und die hohe Belastung klagen.
Für alle Gruppen kenne ich genügend Beispiele - und wo sich ein Lehrer vom ersten Typ noch darüber freut, dass ein paar aufgeweckte, freche Schüler eine willkommene Herausforderung sind, rennt ein Lehrer vom letzten Typ schon regelmäßig heulend aus dem Klassenzimmer oder regt sich zumindest über die unerträglichen Schüler auf, mit denen er nicht zurecht kommt (weil sie sich ihm gegenüber auch viel schlimmer verhalten als dem engagierten, in seinem Job aufgehenden Lehrer).

Bei Shiny Flame scheint es aber doch ganz anders zu sein als an einer ganz normalen Schule... denn hier habe ich eigentlich schon den Eindruck, dass sie in ihrem Job aufgeht, dass sie gerne die Herausforderung einer schwierigen Schule mit schwierigen Schülern hat, usw., aber dass das Arbeitspensum einfach viel zu hoch ist, weil von Seiten des Arbeitgebers nicht bedacht wird, dass der Job an einer Brennpunktschule einfach viel anstrengender und auch zeitaufwändiger ist als an einer ganz normalen Schule mit ein paar Störenfrieden.
Dieses Arbeitspensum hält kaum ein normaler Mensch aus, ohne daran irgendwann kaputt zu gehen...
(Ich würde an ihrer Stelle wohl spätestens nach einer Woche das Handtuch werfen... aber ich wäre für den Job des Lehrers sowieso nicht geeignet...)
 

Benutzer42813 

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Danke für eure Antworten :smile:. Ein paar gute Anregungen und Ideen sind auf jeden Fall dabei. Außerdem, und das muss man ganz klar so sehen, sind nicht alle Tage so wie gestern - nur durchschnittlich zwei in der Woche. Donnerstag ist immer mein kurzer Tag, wo ich um 10 schon Schluss habe und dann nach noch ein bisschen Orga und herumlaufen spätestens um halb 11 gehen kann. Es ist nicht jeder Tag so hart!

Aber die harten Tage gibt es halt auch, und ich will mir von denen nicht den Spaß an meinem Job kaputt machen lassen.
Off-Topic:

Off-Topic:
Trink weniger Kaffee, dann musst du nicht so oft aufs Klo. :zwinker:

Zwei Mal in achteinhalb Stunden Toilette ist nicht viel :zwinker:. Und ich trinke ja auch nicht viel Kaffee, es ist ja nie einer da ^^. In anderen Jobs, in denen die Pausen nicht "Teambesprechung und Konfliktklärung", sondern "Pause" bedeuten, in denen man am Schreibtisch sitzt, kann man sich seine Toilettenzeit ja auch ganz selbstverständlich nehmen und denkt nicht mal bewusst darüber nach. Aber dienstags und mittwochs, an meinen beiden langen Tagen, kann ich das oft gar nicht. Das ist, so billig und trivial das auch klingt, einer der größten Stressoren überhaupt für mich.


Musst du denn alles tun was du tust? Können dir manche Dinge nicht einfach egal sein?

Manche Dinge können mir egal sein - aber keine Gewalt, keine Konflikte, von denen ich Zeuge werde, denn damit falle ich sowohl Schülern wie auch Kollegen in den Rücken. "Wir sehen hin, wenn schlimme Dinge passieren, wir schützen auch die Schwachen" ist unser inoffizielles Motto - und davon können wir auch nicht abrücken. Will und werde ich auch nicht.

Andere Dinge lassen sich mit Sicherheit etwas reduzieren - ich muss aber noch rausfinden, wann und wo das geht.

Schwere Situation. Kann es sein, dass du das Gefühl hast, wenn du dies oder das nicht machst, dass dann alles schlimmer wird? Alles an dir hängt?
Du musst lernen die Pausen für dich privat zu nehmen. Das bedeutet einfach nicht da sein. Hast du genug lange Pausenzeiten? Wenn ja, mach dich einfach mal rar. Such dir ein Bäcker oder so und lauf dort hin und hol dir ein Brötchen o.a.
Ein Schritt den Burnout zu vermeiden ist mehr auf sich selbst zu achten - das klingt erstmal egoistisch, aber sehe es als Selbstschutz.

Ansonsten habt ihr als Lehrer doch auch einen Personalrat... Sprich das dort doch mal an. Auch deine Vorgesetzten haben eine Pflicht sich um dich und dein Wohlergehen zu kümmern!

Gestern, und mittwochs allgemein (und dienstags auch oft) habe ich GAR KEINE PAUSEN. Die Schülerpausen dienen der Konfliktklärung (das muss passieren, sonst gibt es oft Tote bzw. Verletzte, die müssen zeitnah geklärt werden) und der Teambesprechung sowie den Telefonaten mit Eltern und Jugendamt. Ich werde lernen müssen, mir diese Pausen zu nehmen... Ich weiß nur noch nicht, wie das gehen kann.

Puuh - das hört sich einfach nach einem Arbeitspensum an, dem kaum ein Mensch gewachsen ist. (kaum ein Mensch, weil es ja doch immer ein paar wundersame Exemplare der Gattung Mensch gibt, für die der Tag deutlich mehr als 24 Stunden zu haben scheint...)
Auch wenn der Job noch so viel Spaß macht und Herausforderungen eine tolle Sache sind - wenn das Arbeitspensum viel zu groß ist, macht man sich damit einfach kaputt.

Wie gesagt, es ist nicht jeder Tag so, es gibt auch immer die kurzen Tage, wo man Mittag macht, dann ganz entspannt am Schreibtisch sitzt und nebenbei im Forum herumsurft, dazu die vielen Ferien... Aber es gibt auch die Tage wie gestern, und wenn solche Tage zwei Mal pro Woche kommen, ist mir das im Grunde bereits zu viel.

Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten:
- Reduziere deine Arbeitszeit (80%-Stelle, o.Ä.)
- Suche dir einen anderen Job (z.B. an einer ganz normalen, nicht-Brennpunktschule), auch wenn dir dieser nicht so interessant erscheint als der Jetzige.

Oder anders ausgedrückt:
Willst du leben, um zu arbeiten, oder arbeiten, um zu leben?
Derzeit machst du auf jeden Fall Ersteres.

Im Moment bin ich die einzige Familienernährerin, da mag ich wirklich nur sehr ungerne Stunden reduzieren. Wir brauchen immer noch viele Dinge für die Wohnung hier und da, alte Kleidung verschleißt und muss ersetzt werden, manchmal will ich auch mal abends in die Kneipe oder am Wochenende ins Kino gehen können...

An einer anderen Schule könnte ich übrigens überhaupt nicht arbeiten. Ich bin kein super strukturierter Mensch, ich bin manchmal ein bisschen leidenschaftlich und temperamentvoll, ich habe schräge Hobbies (Larp und Schriftstellern) - und in die meisten Lehrerkollegien passe ich einfach nicht rein. Ich habe schon einige kennengelernt. Die sind mir einfach zu weichgespült. Dort habe ich ständig Angst, etwas zu zerbrechen oder etwas falsch zu machen - ich habe über ein Jahr gebraucht, um dieses Gefühl aus meinem REferendariat endlich loszuwerden...

Ich will lieber an eine Schule, an der man im Lehrerzimmer über die Arbeit redet und sich beisteht statt in eine, in der man im Lehrerzimmer über Frisuren redet und lästert. Denn an der zweiten Schulform würde ich tatsächlich sehr schnell kaputt gehen.

Oder anders ausgedrückt:
Willst du leben, um zu arbeiten, oder arbeiten, um zu leben?
Derzeit machst du auf jeden Fall Ersteres.

Was heißt denn "leben"? Heißt es nicht auch, das zu tun, was man gut kann und was man gerne macht, abends mit dem Gefühl einzuschlafen, dass man als Mensch (genetisch soziales Wesen) in ein soziales Netz eingebunden ist, in dem man seine Aufgabe für die Gemeinschaft erfüllt, dass man Schwächeren hilft und Stärkeren den Weg weist, voller Stolz und Selbstbewusstsein? Heißt es nicht auch, eine Vielzahl von Emotionen zu spüren, bewusst wahrzunehmen und sich selbst persönlich immer wieder weiterzuentwickeln?

Das alles habe ich auf meiner Arbeit - und auch in meiner anderen Arbeit, meiner Schriftstellerei.

Willst du hören, was die Koryphäen der Lehrerausbildung an den Unis sagen? "Ich selber unterrichte nicht, weil das Schulsystem untauglich ist." "Ich will unterrichten und nicht erziehen." usw. und so fort.

Na ja, und ich will erziehen :zwinker:. Sonst wäre ich nicht an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt der emotionalen und sozialen Entwicklung. Die Arbeit ist auf der menschlichen Ebene viel herausfordernder, vielschichtiger und interessanter als immer nur die gleichen Fakten auf die gleiche Art zu vermitteln.

So lange man sie eben machen kann und nicht vor physischer Erschöpfung wieder die Faust spürt, die das Herz zusammenpresst.

Ich halte einfach nichts davon, sein ganzes Leben nur im Schulbetrieb zu verbringen.

Ich auch nicht - aber ich habe bereits früher gejobbt und habe das zweite Standbein "Schriftstellerei", dass ich nebenberuflich ebenfalls langsam ausbaue.

Grenzen setzen! Schlechte Arbeitsorganisation seitens der Schule die zu wenig Pausen verursacht etc. kann Burnout begünstigen, natürlich. Gerade wenn es eine Schule in einem Brennpunktviertel ist mit verhaltensauffälligen Schülern. Wenn ihr euch da alle nicht so unterstpützen würdet, würdet ihr sicher nicht mehr zurecht kommen.

Eine Idee wäre es, einmal in der Woche mit einer Kollegin in der Pause in den Nachbarraum des Lehrerzimmers zu gehen und sich dort gegenseitig die Schultern zu massieren... Oder ich gehe auch mal mit zu den Rauchern, bei denen klingelt zumindest nicht immer das Telefon ^^.

Also: versuche dir auch Privat Distanz zur Schule zu schaffen. Vorbereitungszeiten auf ein Minimum reduzieren, KLausuren ruhig mal eine Woche später als "normal" zurückgeben und eben Erholungsphasen schaffen und das tun was dich entspannt und auch ablenkt. Das kann für dich die Metal musik bei youtube oder die Lieblingsserie sein. Wichtig sind aber auch eine gute Ernährung und Sport, sich austauschen können, Freunde treffen, entspannt ein Buch lesen.. erlaubt ist alles was dir gut tut. Wichtig ist nur das du das in einem guten Maße in deinen Alltag integrierst.

Ja, daran arbeite ich immer, daran sollte ich noch weiter arbeiten. Ich bringe im Moment immer viel frisches Obst und Gemüse mit, was ich abends dann knabbern kann. Sport habe ich auch angefangen - Wing Tsun. Freunde treffen ist ebenfalls halbwegs in den Alltag integriert - wir versuchen es einmal die Woche hinzubekommen, und dann halt immer noch mal was am Wochenende. Dazu "zwinge" ich mich auch - selbst wenn ich manchmal müde bin - und treffe Verabredungen auch schon mal zwei Wochen vorher.

Inzwischen habe ich in meiner neuen Heimatstadt ja endlcih Freunde, die ich da auch mal treffen kann :zwinker:. Das hat mir auch schon sehr gut getan und viel dazu beigetragen, dass ich mich hier jetzt wohler, sicherer und entspannter fühle, selbst wenn es auch wieder ein "zeitlicher Stressfaktor" ist.

Woran es noch hapert, ist das "Lesen". Ich sehne mich eigentlich danach, weil es so entspannend ist... aber ich erlaube es mir selbst nicht, weil ich "eigentlich" noch so viel machen muss - und dann sehe ich Videos, lese PL oder "mache" irgendwas anderes, was auch nicht effizient ist, aber immerhin nicht "faullenzen".

Notiz: Regelmäßig Lesezeiten zum Entspannen nehmen.


Ich weiß jetzt auch nicht, was wir dir empfehlen können. Es gibt einfach keine großen Alternativen. Wenn du an der Schule bleiben willst und das Arbeitspensum aufrechterhalten möchtest, wird das mit der Zeit an deine Substanz gehen. Da wird weder Yoga, Muskelrelaxation noch eine tolle Beziehung groß etwas ändern. Unterstützt vielleicht, aber wenn grundlegend etwas falsch läuft, wird das auch nicht helfen. Das übersteigt einfach irgendwann das Maß des Möglichen. Warum ist es denn nich möglich, die Stelle zu kürzen? Ich finde, du solltest dir das noch einmal ganz genau überlegen, ob du das Geld so wichtig findest, dass du dich dafür lieber kaputt machst.

Das du an so einer Schule bist bewundere ich, das ist aber eben auch der härteste Weg eines Lehrers. An eine Privatschule würde ich auch nicht gehen wollen, besonders, wenn man ein paar Ideale hat (nicht böse gemein Schnitzelhaus, ich werd auch Lehrer und das wäre der letzte Ort, wo ich unterrichten wollen würde).

Du musst dich entscheiden, was dir wichtiger ist. Wir hatten vor zwei Tagen auch ein Seminar und unser Dozent (Vollzeitlehrer in Berliner Problembezirk) meinte auch, das hällt man einfach nicht durch, wenn man alles richtig machen will. Da muss man sich entscheiden, entweder du kürzt die Stelle, was hier sehr sehr viele junge Lehrer machen, oder du musst deinen Ehrgeiz so zurückfahren, dass du dir eingestehen kannst, dass nicht alles perfekt sein kann. Da läuft halt nicht jede Stunde gut, ist nicht super vorbereitet und auf individuelle Probleme der Schüler zugeschnitten. Das geht halt nicht immer. Es gibt nicht viele Möglichkeiten. Entweder du machst so weiter und bewegst dich auf das psychische Aus hin, oder du änderst Schule, Stundenanzahl, Ehrgeiz.

Off-Topic:
Ps.: Trotzdem danke für den Beitrag. Unterstützt meine Ansicht bezüglich der Diskussion von letztens, dass in vielen Schulen die Fachwissenschaften leider so ziemlich das letzte sind, um was man sich kümmern kann.

Hierzu kann ich nicht viel neues schreiben, was ich nicht schon gesagt habe, aber danke auch hierfür. Stunden kann ich übrigens nicht reduzieren, da sonst meine Freizeitaktivitäten gegen Null gehen würden und ich nicht mal eben abends in die Kneipe gehen kann, ohne extra aufzuräumen und noch mehr Stress zu haben. Ich bin halt im Moment bei uns die Geldverdienerin.

Ich habe in eine Schule mit ebenfalls schwierigen Schülern etwas Einblick.

Dort hat es sich bewährt, ein zusätzliches Zimmer einzurichten, in dem Schüler betreut werden, die des Klassenzimmers verwiesen wurden.

Die Regelung hat sich sehr bewährt: die Lehrer können endlich konsequent sein und die Schüler wissen, was ihnen nach der ersten Ansage blüht. Sie werden in kleinerem Rahmen weiter unterrichtet und lungern nicht auf den Gängen herum.

Eine glaubwürdige und echte Sanktionsmöglichkeit erspart dem Lehrer Stress und findet auch Akzeptanz bei den Schülern.

Wir arbeiten vom Schulkonzept sehr stark mit "funktionierenden Sanktionen" - die Idee mit einem "Auffanggruppenraum" werde ich auf jeden Fall auf der nächsten Dienstbesprechung einbringen und vorher Lobby-Arbeit dafür machen. Es gibt ein paar Dinge, die dem im Weg stehen (zwei gewalttätige Zehner, einer aus acht, einer aus sieben - und dann einer aus der dritten Klasse dazu ist kein schönes Bild), und wahrscheinlich müsste man diesen Raum doppelt besetzen, weil einer alleine mit so viel geballter Aggressivität gar nicht fertig wird...).

Wir haben aber auch noch ein paar andere "echte" Sanktionsmöglichkeiten seit den Sommerferien mit unserem neuen Schulkonzept, die zunehmend auch greifen.

Absolute Hochachtung! Das ist wirklich ein Hammerarbeitspensum. Ich wäre da nach 1 Woche komplett körperlich und wohl auch psychisch am Ende. Wie auch andere schon sagten: Selbst wenn es Spaß macht, einen erfüllt etc., muss das irgendwann an die Substanz gehen. Das hält niemand auf Dauer durch.

Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt ist sicherlich, dass ihr ein gutes Klima innerhalb des Kollegium habt. Das ist eine der wichtigsten Ressourcen überhaupt. Die solltet ihr nutzen.
Ich gehe mal davon aus, dass deine Kollegen und Kolleginnen einen ähnlichen Stress haben wie Du. Vielleicht wäre es ja eine Möglichkeit, zu versuchen dieses Problem gemeinsam im Kollegium (mittel- bis langfristig) anzugehen.
Wäre es denn möglich, dass ihr z.B. in der Ferien, wenn ihr mehr Ruhe habt, euch mal für ein Wochenende zusammensetzt (vielleicht sogar irgendwo im Grünen, sozusagen in "Klausur") und gemeinsam erarbeitet, was sich vielleicht organisatorisch verändern ließe? Man könnte da auch z.B. einen "Forderungskatalog" erarbeiten, den die Schulleiterin dann beim Schulamt vorträgt, vielleicht flankiert mit einer schönen Beschreibung, wie bei Euch der Schulalltag so aussieht (ähnlich wie in deinem eindrucksvollen Beitrag hier). Klar, in Zeiten knapper Kassen (und ihr seid ja nicht die einzige Schule mit diesen Problemen), sind die Erfolgsaussichten ungewiss. Aber einen Versuch wäre es m.E. wert. Und selbst, wenn das ganze nicht dazu führt, dass die Schule z.B. mit mehr Personal oder ähnlichem ausgestattet wird, lassen sich vielleicht - wenn man die Ruhe dazu hat - gemeinsam ein paar Maßnahmen entwickeln, die nichts oder nicht viel kosten und dennoch eine gewisse Entlastung bringen. Man könnte auch von einander lernen. Vielleicht haben ja manche Kollegen hilfreiche individuelle Strategien entwickelt, wie sie das besser aushalten.

Ich weiß zwar nicht, ob sowas irgendwie realistisch ist. Aber eine Überlegung wäre es m.E. wert. Letztlich helfen auf Dauer nur strukturelle Veränderungen. Individuelle Strategien wie z.B. Yoga, Entspannungsübungen etc. sind zwar sicher hilfreich, aber ob das am langen Ende ausreicht, wage ich zu bezweifeln.
Verminderung der Stundenzahl ist natürlich auch ne Möglichkeit, aber halt auch eine Frage des Geldes.

Ach ja: Ein Burnout hast du sicher (noch) nicht, bist aber auf dem besten Wege dorthin. Nach der gängigsten Burnout-Definition (von Maslach) ist Burnout ein Syndrom aus "emotionaler Erschöpfung" (da bist du schon ganz gut dabei), (2) "Depersonalisation bzw. Zynismus" gegenüber den Schülern und (3)"fehlender Erfüllung" bzw. dem Eindruck, dass das, was man macht eigentlich nicht gut ist. Von den letzten beiden Punkten bist du Gott sei Dank noch recht weit entfernt. Sozusagen in der Endphase des Burnouts ist man nicht nur emotional und körperlich erschöpft, sondern will von den Schülern nix mehr wissen, ja hasst sie geradezu und ist außerdem noch der Überzeugung, dass man nichts mehr bewirkt und einfach nur noch tag aus tagein einen miesen Job macht. Dann geht nichts mehr.

Genau bis zu diesem Burnout will ich ja nicht. Vor einem halben Jahr war ich kurz davor - da hatte ich Stufe zwei und war schon kurz vor Stufe drei. Jetzt ist der Trend bei mir gegenläufig - und ich will ihn fortsetzen.

Die Chefin wird bei der Schulaufsichtsbehörde nichts erreichen können - die kämpft schon wie blöd für uns und kommt dabei selbst an ihre Grenzen. Aber ich kann tatsächlich mal versuchen, mich noch ein bisschen besser mit den anderen in Bezug auf "Regenerationstaktiken" zu vernetzen - man muss es ja nicht extra in den Ferien machen... ^^

Ach ja... mir fällt noch was ein:

1.) Les am besten mal ein professionelles Buch über Burnout, dann kannst du glaube ich schon sehr gut einschätzen ob du das hast und wie man gegensteuern kann. Denn Burnout ist ein schleichender Prozess und kann eben im schlimmsten Fall zur völligen Erschöpfung führen, die auch mit körperlichen Erkrankungen einhergeht.

2.) Es ist umstritten ob es nicht sogar dasselbe ist wie eine Depression, nur das sie eben nur das Arbeitsfeld betrifft und man nicht sein ganzes Leben scheiße findet. Die Betroffenen können nur leichter Burnout eingestehen als eine Depression. Beim Psycholog. Psychotherapeuten würdest du auch gegen Depression behandelt werden, weil Burnout leider noch nicht in den ICD 10 steht sondern nur in einem abgesonderten Kapitel.

Auf jeden Fall kann man gegen "Burnout" noch nicht therapiert werden - wird dann eben unter dem anderen Namen getan. Das gute: man kann relativ schnell dagegen intervenieren das es einem vorläufig besser geht. Aber wenn man rausfindet woran es lag, machen eben auch viele Betroffene einen Stellenwechsel, weil sie die Arbeitsstrukturen nicht hinreichend ändern können oder manche Arbeitgeber gegen sowas die Augen verschließen.

Danke auch hierfür. Ich werde darüber nachdenken und mir Gedanken machen.

Eine Lehrerin, die unser Praktikumsseminar betreute, meinte mal, sie hätte überhaupt keine Kollegen-Freundschaften, weil sie in ihrer Freizeit nichts mehr mit Schule zu tun haben will und dadurch, dass sie nicht in Gefahr kommt mit anderen Lehrern privat drüber zu erzählen, fällt ihr das Abschalten viel leichter.
(falls du Lehrer-Freunde hast war das aber sicher keine Aufforderung denen Au-Revoir zu sagen :grin:)

Meine Freundin hat sich in letzter Zeit auch viel mit dem Thema beschäftigt, weil auch sie sehr erschöpft war obwohl ihr der Job ja auch Spaß macht. Wir haben uns dann gesagt, wir machen unter der Woche einfach mal was Schönes. Nicht nur am Wochenende. Schwimmen gehen, spazieren z.b. Vllt auch zusammen kochen, irgendwas, damit man nicht in die Gefahr kommt nur noch von Wochenende zu Wochenende zu springen.

Na ja, ein freundschaftliches Miteinander macht die Arbeit durchaus leichter :zwinker:. Aber die Leute, mit denen ich abends was trinken gehe, nachts über die Piste ziehe und am Wochenende grille oder chille, sind normalerweise eher keine Lehrer. Das hilft mir auch ein bisschen, den Boden unter den Füßen zu behalten und auch mal abzuschalten. Man sollte nie vergessen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Ich dieses ganze Geschwätz von wegen "Lehrer ist ja so ein harter, anstrengender Job" einfach nicht mehr hören (wenn es sich um eine ganz normale Schule und nicht um eine Brennpunktschule, o.Ä. handelt).
Lehrer ist ein Job wie jeder Andere auch: Für Manche ist es der perfekte Job, in dem sie aufgehen, der ihnen Spaß macht und den sie ganz locker machen; für Manche ist es einfach nur ein ganz normaler Job und für Einige ist es einfach der falsche Job - und das sind meistens Diejenigen, die über ihren ach so schlimmen Job und die hohe Belastung klagen.

Na ja, Lehrer ist schon ein schlimmer Job :zwinker:. Krankenschwester auch (meine Sandkastenfreundin). Fitnesstrainerin mit der ständigen Unsicherheit (eine andere Freundin) auch. Mechaniker im Bergbau (mein Freund) auch. Verkäuferin an der Tankstelle im Wechselschichtbetrieb (meine neue beste Freundin) auch. Stellvertretender Filialleiter im Supermarkt (ihr Freund) auch. Management eines mittelständischen Familienunternehms (Freund der Krankenschwester) auch.

Wenn all diese Leute über ihren Job jammern dürfen, wenn sie sich abends zum Entspannen treffen, und dort einfach mal Dampf ablassen wollen und müssen - dann dürfen Lehrer und insbesondere ich das ja wohl auch! Selbst, wenn ich im Sommer jedes Jahr dekadente sechs Wochen Ferien habe, die wirklich fast schon zu schön um wahr zu sein sind.

***

Aber es gibt halt diese extrem belastenden Tage, und manchmal auch mehrere davon in Folge. Gerade, wenn ich mich davon dann hinreißen lasse, irgendwelche von meinen Freizeitdingern liegen zu lassen, dann kann es schnell wieder passieren, dass diese fieser tiefgehende Erschöpfung und Resignation zuschlägt - einfach nur, weil es insgesamt zu viel war.

Aber das will ich nicht. Ich will den Job auch in zehn Jahren noch machen - und die Kids, die dann in meiner Klasse sein werden, werden ebenfalls eine Lehrerin verdienen, die sie mag und ernst nimmt und nicht schon bei ihrem bloßen Anblick Aggressionen kriegt. Daher will ich jetzt schon gegensteuern - damit ich eben in zehn Jahren immer noch mitmischen kann.

Von daher - danke für eure Denkanstöße und Tipps. Sie bringen mich wieder ein Stückchen weiter auf dem Weg zu diesem Ziel.
 
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