Braucht der Sieger den Verlierer?

Benutzer152150 

Sehr bekannt hier
Ich denke, der Sieger braucht nicht unbedingt den Verlierer.
Was er/sie aber wohl braucht, ist die Herausforderung.
Ein Bergsteiger ist ja auch nicht zwingend immer im Clinch mit anderen Bergsteigern, wird aber wohl kaum sagen "Feini, alle 4000er abgearbeitet....die 5000er spar ich mir"
Zumindest wird es nicht viele geben, die nach vollbrachter Leistung keinen Drang verspüren sich nicht verbessern zu wollen.
Natürlich ist der Wettkampf unter gleichen ein zutiefst menschliches Ding, der wohl nicht erst seit den ersten olympischen Spielen stattfindet, aber es gibt auch solche, die sich dem versperren und lieber an sich selber wachsen wollen.

Aber auch Wettkämpfer sehen häufig die Schattenseite ihres Wettkampfes, daß halt eben nur eine Person gewinnen kann...aber in Zeiten von Hundertstelsekunden-Abständen gebietet es sich dort den meisten ihre "schwächeren" Konkurrenten trotzdem zu beglückwünschen, weil ein jeder guter Sportler...oder auch Wettkämpfer weiß, wie wenig dazu beitragen muss, um das Ergebnis zugunsten eines anderen zu bestimmen.
Fortuna ist halt nun mal eine Frau:zwinker:.
Die sollen angeblich launisch sein....und unberechenbar:rolleyes:. Manchmal hält die aber auch nur die Dopingspritze verkehrt herum:whistle:.

Diejenigen, die sich dem Wettkampf versperren sind dadurch nicht unbedingt weniger gut, aber ihnen fehlt oft ein Anreiz.
Vor Publikum, vor Konkurrenten das letzte aus sich herauszuholen ist natürlich.
Niemand will sich blamieren.
Niemand kann sich an den dritten Mann auf dem Mond erinnern...
Aber genau dann auch noch den inneren Schweinehund Runde um Runde ohne Gnade gegen sich selbst zu überrennen, wenn niemand zuschaut, wenn niemand die Zeit stoppt, wenn niemand sagt "Ziel erreicht" (auch nicht solche merkwürdigen Armbänder:cautious:), daß ist die hohe Kunst.
Einige Elitesoldaten werden so gedrillt.
In Ausscheidungsprüfungen werden denen bewusst nicht an Teilpunkten von den Offizieren ihre Zeiten/Ergebnisse gesagt....oder was sie zu erreichen haben.
Selbst bereits "durchgefallene" Anwärter werden weiter im Test gelassen, um den Anwärtern das Gefühl zu vermitteln, daß weder die Uhr, noch der Ausbilder zählt, sondern nur der Kampf gegen sich selbst.

Ich kenne den Film "Unbreakable" (auch den Comic, der die Vorlage lieferte).
Am Ende wird klar, daß der "Verlierer" Elijah hinter dem Zugunglück steckt, daß Bruce Willis überhaupt erst an seiner "Normalität" zweifeln lässt.
Wäre dieser Moment nicht gewesen....wäre der Charakter Bruce Willis' niemals zu höherem berufen worden.
Im Grunde kann man dies durchaus als Startschuss werten. Aber das ist das Leben. Wir funktionieren nun mal nur im Verbund mit anderen Menschen gut.

Kommen wir zu einem anderen Beispiel (vielleicht dem schlechtesten...aber hey, ein wenig Narzissmus sei mir bitte gegönnt:tongue:)...mich:cool:!

Meine Erzeuger haben uns Kinder immer in den Wettkampf geschickt.
Nicht untereinander, da hatten wir Glück unterschiedlichen Geschlechtes zu sein und unsere Eltern waren, was das angeht, überaus konservativ.
Aber es reichte unseren Erzeugern nicht, daß wir nur die besten in den üblichen schulischen Aktivitäten sein mußten, auch darüber hinaus in jedem Bereich, den wir begannen.....und wenn wir dort an der Spitze waren, reichte dies ihnen auch noch lange nicht aus.
Es gibt ja noch überregionale Vergleiche...
Aber es ging ihnen dabei nicht um unsere Fähigkeiten...oder unsere Zufriedenheit.....sondern nur um ihr Ansehen.
Meinen Bruder hat das auf die Dauer ultimativ zerbrochen.
Ich machte das einzig logische, die Flucht nach vorn....weg von meinem "Eltern"haus.
Ich hab lange Zeit damit gekämpft, mit diesem Drang zu gewinnen, die Hoffnung zu haben irgendwann darin eine....Befriedigung zu finden.
Aber da mir schon die Anerkennung meiner Eltern darin nie zuteil werden konnte, hab ich das irgendwann aufgegeben. Pokale, Trophäen, Medaillen.....das hat alles keine Bedeutung.
Ich hab weiter trainiert....außerhalb der "Konkurrenz", wenn auch oft mit anderen, aber Wettkämpfe bedeuteten mir nichts mehr.

Erst in meinem jetzigen Job hab ich tatsächlich darin Freude gefunden....nicht unbedingt die beste zu sein.....aber unter den besten mir deren Respekt zu erarbeiten....im Team.
Denn nichts ist so wichtig, wie die Menschen, die einen dahin gebracht haben, wo man alleine nicht hingekommen wäre.
Und manchmal...gehören auch die Konkurrenten dazu.
Denn nur dann können die "Verlierer" die Gewinner von morgen sein.

Fakt ist: Man ist im Grunde nie lange glücklich, ganz egal, worum es geht.
Doch....das klappt schon.
Aber dazu muß man eine gewisse Demut entwickeln.
Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben wirklich glücklich. Durch die Menschen, die ich liebe.
Und das seit über 11 Jahren.
Manchmal lächle ich deswegen sogar im Kreis:grin:.
 
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Ich kenne den Film "Unbreakable" (auch den Comic, der die Vorlage lieferte).
Am Ende wird klar, daß der "Verlierer" Elijah hinter dem Zugunglück steckt, daß Bruce Willis überhaupt erst an seiner "Normalität" zweifeln lässt.
Wäre dieser Moment nicht gewesen....wäre der Charakter Bruce Willis' niemals zu höherem berufen worden.
Im Grunde kann man dies durchaus als Startschuss werten. Aber das ist das Leben.
Wir funktionieren nun mal nur im Verbund mit anderen Menschen gut.
Ganz bewusst hatte ich versucht so wenig wie möglich zu spoilern, vielleicht will den Film ja mal jemand sehen! Pack es doch in einen Filmspoiler!
[doublepost=1503933600,1503932448][/doublepost]
Ich weiß zwar nicht, wie es mit deinem Beziehungsstatus aussieht, aber das Gesundheitsbeispiel wirst du doch wohl nachvollziehen können...?
Oder ersetze es eben durch was anderes, was du dir lange herbeigesehnt hast und rufe dir das Gefühl ins Gedächtnis, als du es dann hattest.
Fakt ist: Man ist im Grunde nie lange glücklich, ganz egal, worum es geht.

Edit

Du hältst Dich zu sehr damit auf, was Glück MIT DIR macht oder nicht, mir geht es aber nicht um das Empfinden, den Zustand des Glücklichen (auch nicht des Unglücklichen), mir geht es um die Sache an sich, das was man auch ausserhalb des temporären, individuellen Empfindens "sieht". Du musst es auch nicht Glück nennen. Du kannst es auch "das Gute" nennen (nicht als Gegenstück zum Bösen, sondern zum Schlechten).
Aber Du musst Dich nicht weiter abmühen, ich habe schon verstanden, dass meine Ausdrucksfähigkeit zu begrenzt ist um das zu formulieren, was ich meine.
 
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Benutzer136760 

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Gehen tut das bestimmt, nur bei den meisten nicht von sich aus. Man muss an sich arbeiten und die Tatsache, dass man es trotz allem gut hat für sich anerkennen.
 
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Sogar das Leben selbst.
Mich nervt das übrigens maßlos, wenn Menschen zu anderen sagen, dass sie doch dankbar für ihr Leben sein sollten und das Leben doch so schön ist usw. Diese Bewertung kann doch immer nur von der Person selbst übernommen werden.
 

Benutzer138994  (40)

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Mich nervt das übrigens maßlos, wenn Menschen zu anderen sagen, dass sie doch dankbar für ihr Leben sein sollten und das Leben doch so schön ist usw. Diese Bewertung kann doch immer nur von der Person selbst übernommen werden.
Das muss natürlich jeder selbst wissen wie man damit umgeht.
 
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Das muss natürlich jeder selbst wissen wie man damit umgeht.
Und auch wie er es beurteilt. Nur weil für einen selbst das Leben schön und lebenswert und wertvoll ist, muss das nicht zwangsläufig für alle anderen auch so sein. Das finde ich sehr anmaßend.
 

Benutzer138994  (40)

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Und auch wie er es beurteilt. Nur weil für einen selbst das Leben schön und lebenswert und wertvoll ist, muss das nicht zwangsläufig für alle anderen auch so sein. Das finde ich sehr anmaßend.
Ist ja gut. Ich habe doch niemanden vorgeschrieben dies so zu machen. War doch nur ein Tipp.
Immer cool bleiben.
 

Benutzer161456 

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Ich denke, um wirklich glücklich zu sein, ist es ratsam, nicht immer zu schauen, ob das Gras auf der anderen Seite grüner sei.
Das ist im Gegenteil ein Erfolgsrezept zum unglücklich sein.

Darum sage ich mal nein zur Ausgangsfrage.

MMn. Braucht man keinen externen Gradmesser fürs persönliche Glück, Es reicht vollkommen, wenn man erkennen kann, was für einen selber das Beste ist.
 
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Benutzer3277 

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Wo ein Sieger ist, sind auch Verlierer. Das war schon immer so und wird immer so sein.

Der Liedermacher Wenzel hat sehr schön formuliert: "Halte dich von den Siegern fern", d.h. sein Herz gehört immer denjenigen, die Verlierer sind. Siegertypen sind ihm suspekt.
 

Benutzer161456 

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Es geht nicht ums glücklich SEIN. :flennen:
Keiner versteht mich. :cry:

Sieger und Verlierer, das meinst du lt. Threadbeschreibung universell.
Und genau so universell meine ich meinen Vergleich mit glücklich-unglücklich.

Ich sehe da keinen Widerspruch.
Aber anscheinend meinst du ja was ganz anderes...:confused:.

Aber ist doch eigentlich nicht so wichtig, denn dein Thread ist auch ein schöner Einstieg in das offene Thema persönliches Empfinden und Schicksal, oder?
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Also wenn man es wortwörtlich nimmt, dann ja: "Ein Sieg ist ein abschließender Erfolg im Kampf oder Wettkampf. Der Sieg über einen Gegner wird im militärischen oder sportlichen Kampf sowie im politischen oder künstlerischen Wettbewerb errungen."

Wobei das heutzutage natürlich alles auch redensartlich anders genutzt wird. Da siegt dann auch "Geist über Materie" oder man bekämpft den inneren Schweinehund. Da gibt es dann wiederum keine Person als Verlierer.
 

Benutzer161456 

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Wo ein Sieger ist, sind auch Verlierer. Das war schon immer so und wird immer so sein.

Nein, das finde ich eben nicht.
Erst der zwischenmenschliche Vergleich macht uns zu Siegern und Verlieren.

Wenn man sich selber dem ewigen Schaulaufen und der urmenschlichen Eitelkeit zu entziehen vermag, dann löst sich auch das auf. Zumindest subjektiv
 

Benutzer133390  (28)

Verbringt hier viel Zeit
Du kannst Dich natürlich auch entfernen von Dingen, die man (nur) in Relation zu anderen wirklich gut betrachten kann wie Reichtum o.ä., nämlich Dinge wie Gesundheit, Liebesglück, u.ä.
[doublepost=1503879286,1503879119][/doublepost]
Da stellt sich nämlich diese Frage nun gar nicht, Gesundheit macht glücklich, "Liebesglück" (was auch immer das für den einzelnen bedeuten mag, kann auch ein erfülltes Sexleben ohne Beziehung sein!) macht glücklich, etc.

Ja, das ist ja quasi was ich mit meinem zweiten Absatz gemeint habe, es gibt die Möglichkeit glücklich zu werden ohne "Sieger" zu sein. Nur denke ich, dass wenige Menschen das tatsächlich vollkommen erreichen, auch im Bezug auf beispielsweise Gesundheit. Wer nie mit ernsthaften Krankheiten konfrontiert war, neigt dazu seine Gesundheit als selbstverständlich anzunehmen, während man mit anderen Erfahrungen das gleiche Maß an Gesundheit ganz anders wahrnehmen kann.

Ich denke, dieses Vergleichsdenken ist ziemlich fest verankert in den meisten Menschen, schon alleine zum Beispiel durch den Fortpflanzungstrieb. Man will wohlhabender, gesunder, erfolgreicher usw. sein, weil man sich dadurch (unterbewusst) bessere Chancen auf Fortpflanzung ausrechnet.

Aber wie gesagt, denke ich die Möglichkeit auf andere Weise glücklich zu werden besteht durchaus. Ich gehe eigentlich auch davon aus, wie schon von anderen im Thread genannt, dass man dauerhaft nur glücklich sein kann, wenn man nicht zu abhängig von dem Konkurrenzgedanken ist. Nur halte ich das eben für schwer erreichbar.
 
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