Bin ich vielleicht "demisexuell"?

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Holly  

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo! :smile:

Ich bin gestern eher zufällig auf einer englischen Seite auf den Begriff "demisexuell" gestoßen. Laut dieser Seite bezeichnet man solche Leute als demisexuell, die sexuelles Verlangen nur gegenüber Personen empfinden, zu denen sie eine starke emotionale Beziehung haben.
Für mich spielt Sexualität eigentlich keine große Rolle, das ist etwas, das "irgendwann" mal interessant werden könnte, aber im Moment vollkommen unwichtig ist. Die Erklärung des Begriffes "demisexuell" hat mich zum nachdenken gebracht, weil ich mich darin wiederfinden kann bzw. mich frage, ob diese Bezeichnung auf mich zutreffen könnte.
Ich bin 20 Jahre alt und habe bisher nur eine Beziehung geführt, welche wiederum zwei Jahre gehalten hat. Ich war zu Beginn dieser Beziehung 15, als ich Schluss machte war ich 17. Wir haben nie miteinander geschlafen, und das war nie weil ich vielleicht Angst davor gehabt hätte, sondern ganz einfach, weil ich nicht wollte.
Seit drei Jahren bin ich jetzt Single - weder bin ich aus Überzeugung Single noch stört mich mein Singledasein. Ich träume schon davon, eines Tages die große Liebe zu treffen, finde auch die Vorstellung, einen Freund zu haben, eigentlich schön. Nur suche ich nicht zwanghaft nach einem Partner und bisher hat sich eben einfach nichts ergeben.
Und Sex... das ist wie gesagt etwas, das ich mir vorstellen kann, irgendwann mal zu haben. Mit dem richtigen Partner. Wenn ich den denn finden sollte. Irgendwann.

Eigentlich ist die Situation - so wie sie ist - toll. Ich habe keinen Liebeskummer, keinen Beziehungsstress, muss mir keine Gedanken über Sex machen - wenn ich mir da die Probleme in meinem Bekanntenkreis so anhöre, bin ich da im Grunde sehr froh drüber.
Aber dann wieder denke ich ... ich bin 20 Jahre alt, seit drei Jahren Single, ich bin Jungfrau und habe nur einen Jungen geküsst, bin nur einmal verknallt gewesen - ist da irgendetwas nicht in Ordnung bei mir? Wird der Traum von einer glücklichen Beziehung, vom Verliebtsein, von der "großen Liebe" vielleicht immer ein Traum bleiben, weil ich vielleicht einfach gar nicht in der Lage bin, auf diese Weise zu empfinden? Oder dauert das bei mir vielleicht einfach alles nur etwas länger und es liegt einfach an den Umständen, dass sich bei mir noch nichts in dieser Richtung ergeben hat?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir sagen könntet, wie ihr darüber denkt - und es tut mir leid, dass der Text jetzt so lang geworden ist. :ashamed:
 

Das Ich-Viech   (30)

Sehr bekannt hier
Vorweg, Holly: Schubladen sind scheiße. :zwinker: Wie man das jetzt bezeichnet, was man ist, ist doch vollkommen wurscht - Hauptsache, man fühlt sich wohl dabei. Mit dem Kategorisieren kann man anfangen, wenn man sich nicht wohlfühlt.

Du bist zufrieden und dir geht es gut. Noch dazu ist kein Freund in Sicht, dem du das "erklären" müsstest. Wenn das deine Überzeugung ist und deine Empfindungen widerspiegelt, ist doch alles in bester Ordnung.

Viel Erfolg beim Suchen!
 

Holly  

Sorgt für Gesprächsstoff
Hey. :smile:
Klar, ich lasse mich auch nicht gerne in Schubladen stecken - zumindest nicht von anderen.
Ich frage mich nur einfach, ob ich "einfach von Natur aus" so bin, dass ich Sexualität gegenüber mehr oder weniger gleichgültig bin und auch nur äußerst schwer tiefere Gefühle für andere Menschen entwickeln kann, oder ob das gar nicht an mir liegt sondern ganz einfach an den Umständen.
Natürlich ist mir klar, dass mir keiner diese Frage hier beantworten kann, aber dieses Thema beschäftigt mich, deshalb würde ich einfach gerne darüber reden.
Ich finde es immer seltsam, geradezu verwirrend, wenn ich gefragt werde, warum ich denn schon "so lange" Single bin, erst einmal verliebt war, gar kein Verlangen danach habe, sexuelle Erfahrungen zu sammeln - wenn das für andere doch etwas völlig Normales zu sein scheint. Ob es normal ist oder nicht, das ist mir herzlich egal, darum geht es mir nicht. Ich frage mich nur selbst, bin ich einfach noch nicht dem "Richtigen" begegnet, oder bin ich vielleicht demisexuell, asexuell, was auch immer - und das wird sich auch nicht ändern?
Liebe, Beziehungen, Sexualität - in der Theorie gar kein Problem. Aber praktisch sieht es dann ganz anders aus...
 

Mark11  

Team-Alumni
Moin,

das mit der "Schublade" war auch das erste, das mit einfiel, als ich Deinen Beitrag gelesen habe, kann also das von Ich-Viech nur unterstreichen.

Ob Du "normal" bist, ist eher eine metaphorische Frage. Ist grundsätzlich das "normal", das die Mehrheit tut? Und wenn ja, ist man dann krank oder gestört, wenn man anders denkt, fühlt oder handelt? Ganz klares "Nein"!

Für Dich scheint es schlicht so zu sein, daß Du Dir Sex nur dann schön vorstellen kannst, wenn Du ihn mit einem Partner hast, den Du und der Dich innig lieb(s)t. Ist doch völlig ok. Daß Du Dich nicht schnell verliebst, ist ebenso ok. Du bist halt so. Und Du bist ja gar nicht mal so unzufrieden damit. Außerdem denke ich, daß Du damit auch gar nicht so alleine stehst, es ist halt nur eine Einstellung, die heutzutage als uncool abgetan wird und deswegen Menschen, die so fühlen, dies nicht lauthals Allen mitteilen.

Das blöde für Dich ist, daß Du nicht einschätzen kannst, ob Du wirklich lieben kannst und ob Du dann Lust auf Sex bekommst. Man kann es nur mit "ja" beantworten, wenn es denn passiert. Solange Dir nicht der "Richtige" über den Weg läuft (warum auch immer, vll einfach nur Pech), wirst Du es nicht erfahren.

Paar (recht persönliche) Fragen hätte ich dennoch:
Denkst Du denn an Sex? Hast Du Lust? Machst Du SB? Welche Erwartungen hast Du an einen Mann (oder Frau), um mit ihm zusammen zu kommen?

Mark11
 

xoxo  

Sophisticated Sexaholic
Für mich klingt das alles ein bisschen zu sehr nach Disney und klar, ich wünsche dir fast, dass du anders darüber denkst, sobald du mal Sex hattest, dieser so gut ist, dass du viel mehr davon möchtest, als du dir jetzt vorstellen kannst, aber das wird sich ja dann vermutlich ganz von alleine zeigen. Deswegen würde ich mir jetzt gar nicht so viele Gedanken machen. Wenn du glücklich und zufrieden bist, dann solltest du das genießen.
 
M

MsThreepwood

Gast
Du fühlst dich wohl mit der Situation, siehst die positiven Seiten, machst dir selbst keinen Stress - klingt nach wunderbaren Voraussetzungen.
Es gibt (viele) Menschen, die Sex nur in Verbindung mit Liebe wollen. Bei dir steigert sich das vielleicht so sehr, dass du andererweitig keine sexuellen Bedürfnisse entwickelst.

Und das ist vollkommen okay.

Vielleicht kommt es mal vor, dass dich ein Mensch deswegen abweist. Dann passt dieser Mensch einfach nicht zu dir.

Ob es nun einen speziellen Namen für deinen "Zustand" braucht, möchte ich nicht beurteilen.
 

beacher  

Meistens hier zu finden
Hey. :smile:
Klar, ich lasse mich auch nicht gerne in Schubladen stecken - zumindest nicht von anderen.
Ich frage mich nur einfach, ob ich "einfach von Natur aus" so bin, dass ich Sexualität gegenüber mehr oder weniger gleichgültig bin und auch nur äußerst schwer tiefere Gefühle für andere Menschen entwickeln kann, oder ob das gar nicht an mir liegt sondern ganz einfach an den Umständen.
Natürlich ist mir klar, dass mir keiner diese Frage hier beantworten kann, aber dieses Thema beschäftigt mich, deshalb würde ich einfach gerne darüber reden.
Ich finde es immer seltsam, geradezu verwirrend, wenn ich gefragt werde, warum ich denn schon "so lange" Single bin, erst einmal verliebt war, gar kein Verlangen danach habe, sexuelle Erfahrungen zu sammeln - wenn das für andere doch etwas völlig Normales zu sein scheint. Ob es normal ist oder nicht, das ist mir herzlich egal, darum geht es mir nicht. Ich frage mich nur selbst, bin ich einfach noch nicht dem "Richtigen" begegnet, oder bin ich vielleicht demisexuell, asexuell, was auch immer - und das wird sich auch nicht ändern?
Liebe, Beziehungen, Sexualität - in der Theorie gar kein Problem. Aber praktisch sieht es dann ganz anders aus...

Hey
wie gleichgültig ist dir denn deine Sexualität? Machst du da komplett eine bogen drum oder hast du sexuelle fantasien und lebst diese vielleicht sogar bei der SB aus?
Insgesamt finde ich, dass hier zuviel theorie einer zu wenigen praxis entgegensteht, denn ob du demisexuell (wieso eigentlich demi? woher ist das abgeleitet? Normal bedeutet demi doch die reduzierung auf die hälfte, aber das passt ja absolut nicht :schuettel: Man kann doch auch mit ausschließlich festen liebespartnern die volle sexualität ausleben) bist, weißt du ja erst sicher nach deinen sexuellen erfahrungen. Im kopf zusammenreimen kann man sich so viel :tongue:
Ich glaube ja, dass du doch ein wenig angst davor hast. Nicht unbedingt vorm sex selbst, aber du hast es oben selbst gesagt .. dadurch das du keinen freund & sex hast, sparst du dir eine menge sorgen, kummer und probleme :zwinker:
Bist du denn der typ frau auf den mann so steht, also wirst du regelmäßig angebaggert und blockst dann immer ab oder bekommst du gar nicht groß die möglichkeit männer (und damit potentielle partner) kennen zu lernen?
 

Shiny Flame  

Beiträge füllen Bücher
Also ich mag Schubladen sehr :zwinker:. Selbst, wenn sie nicht hundertprozentig passen, fühlt man sich dank ihnen nicht mehr ganz so alleine und unverstanden und kann das eigene Wesen besser als "Teil der normalen Bandbreite" akzeptieren.

Von daher, wenn es dir ein Gefühl von "Richtigkeit" gibt, in deiner eigenen Schublade angekommen zu sein, dann ist das erst mal eine gute Sache. So was kann doch ein bisschen Druck aus dem Leben nehmen, den man vorher gar nicht wahrgenommen hat. Gut, bei mir war es eine andere Schublade als bei dir - und dennoch war es irgendwie eine Befreiung, endlich eine "bessere" Schublade gefunden zu haben als "Normalität". Wir sind halt soziale Wesen und wollen von der Gruppe nicht zu sehr abweichen. Das ist so tief in unseren Genen, da können wir gar nicht raus. Wenn man also eine neue Gruppe gefunden hat, in der "alle" so sind, ist das eine echte Befreiung.

Irgendwann kommt man dann von ganz alleine an den Punkt, wo man so was nicht mehr so braucht. Es ist in gewisser Hinsicht eine Krücke. Aber so lange man unsicher auf den Beinen ist (und das war ich auch schon mal sehr ^^), sind Krücken eine tolle Erfindung, weil man mit ihnen erst mal besser vorankommt.
 

rudolfk  

Sehr bekannt hier
Wennn Du zufrieden bist solltest Du nicht versuchen, das zu ändern. Ich wüsste nicht was Du davon hättest.

Was Du aber beachten solltest, ist wieviel der Sex deinem Mann bedeutet, sofern Du ihn triffst. Wenn Du ihm am Anfangs der Beziehung sexualles Interesse vorspielst, und hoffst er gewöhnt sich daran dass es immer weniger wird, dann wird das scheitern. Sei dann ehrlich.
 
2 Jahr(e) später

SpäterVogel  

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo!

Was du schreibst, kommt mir ein wenig bekannt vor. Die letzten fünf Jahre habe ich mich selbst als lesbisch und asexuell definiert, das hat sich vor kurzem geändert. Mittlerweile würde ich sagen, ich bin bi-demisexuell. Ich bin 23 und habe die ganze Zeit gedacht, das wird nie was, ich würde mein Leben lang Jungfrau bleiben, weil ich an Sex überhaupt nicht interessiert bin. Tja, ich musste nur an den richtigen Mann geraten und schon war alles anders. Ich bin zwar nicht verliebt in ihn und wir sind nicht zusammen, eher sehr enge, intime Freunde und er hat mir vor ein paar Tagen ein wundervolles erstes Mal bereitet. Mit der Definition hapert es immer noch ein wenig, aber ich muss mich nicht in eine starre Schublade pressen.

Also: Es ist überhaupt kein Problem, wenn man sich etwas außerhalb der sexuellen Norm bewegt, solange man selbst damit klarkommt und von anderen dafür mit Respekt und Achtung behandelt wird. Schubladen hin oder her...jeder ist anders und jeder ist richtig so.

Und wenn man an den richtigen Menschen gerät, kann alles passieren.
 

BlackMirror  

Team-Alumni
Die Threaderstellerin war seit drei Jahren nicht mehr hier, also glaube ich nicht, dass sie neue Antworten noch lesen wird.
 
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