Beziehungsunfähig geworden?

Benutzer148906  (28)

Öfters im Forum
Hallo zusammen,

obwohl mein letzter Thread nicht lange her ist, hat sich bei mir einiges verändert. Ich habe viel nachgedacht und nun sitze ich hier mit einem Problem, was ich nicht lösen kann. Vielleicht kann mir jemand helfen, mein Gedanken-Chaos zu ordnen.

Mein Freund und ich sind nun seit fast 3 Jahren zusammen. Wir hatten nach 2 Jahren Beziehung eine Pause. Mein Freund hatte damals die Beziehung beendet, weil er Probleme mit seinem Selbstbewusstsein hatte und ständig mit anderen Frauen geschrieben hat, mich verleugnet hat und sich auch immer wieder mit diesen Frauen treffen wollte. Zu einem Treffen mit einer dieser Frauen ist es während der Beziehung zum Glück nicht gekommen, aber als er die Beziehung beendet hat, hat er sich mit diversen Frauen getroffen und leider auch mit einer geschlafen. Wer noch einmal nachlesen möchte:

Freund sucht immer wieder Bestätigung

Unzufrieden in der Beziehung

Ich habe in dieser Zeit hart um ihn gekämpft, habe sehr viele Tränen vergossen und habe wirklich fast den Verstand verloren, weil ich nicht wusste, was er tut, mit wem und ob wir jemals wieder zusammen kommen. Da ich wusste, dass es ihm wirklich nicht gut geht, habe ich all das toleriert. Ich habe mich teilweise selbst verletzt, indem ich dort hin gefahren bin, wo er war, um dann zu sehen, wie er mich nicht beachtet und mit anderen Frauen flirtet. Ich habe mich von ihm hinhalten lassen, wurde rausgeschmissen, als ich in einem Anfall von Traurigkeit trotz Kontaktsperre zu ihm gefahren bin und habe den ganzen Tag nur darüber nachgedacht, was ich noch tun könnte, damit wir wieder zusammen kommen. Das ist alles meine eigene Schuld, denn er hat klipp und klar gesagt, dass die Beziehung für ihn beendet sei, dass er keine Beziehung führen könnte, weil er sich ausleben möchte und weil er Single sein möchte. Ich konnte und wollte das nicht akzeptieren, bis ich fast daran kaputt gegangen bin. Irgendwann habe ich aufgegeben, habe mich zurückgezogen und nach einiger Zeit hatten wir wieder normalen Kontakt. Sein Leben hatte sich verändert, wir trafen uns und nach einiger Zeit kamen wir wieder zusammen. Er hat sich sehr viel Mühe gegeben, gekämpft, wir haben viel aufgearbeitet, geredet und ich hätte es wohl nicht gemacht, wenn ich mir nicht wirklich sicher gewesen wäre, dass er sich komplett geändert hat. Vor diesem erneuten Schmerz hatte ich panische Angst.

Ich habe zum Glück Recht behalten. Es wundert mich noch heute, was er für eine 180 Grad Wende gemacht hat. Wir sind eigentlich wahnsinnig glücklich zusammen. Er plant mit mir die Zukunft, wir lachen unglaublich viel zusammen, er ist sehr aufmerksam und sagt mir oft, dass er mich liebt. Wenn ihn eine Frau anspricht oder anschreibt, macht er sofort klar, dass er glücklich vergeben ist, er hat überall Bilder von uns drin, wir wollen bald zusammen ziehen. Es könnte alles so perfekt sein und doch habe ich es bisher nicht geschafft, ihm sein Verhalten von damals zu verzeihen. Mir zu verzeihen, dass ich mich so an ihn geklammert habe. Ich habe mein ganzes Selbstbewusstsein verloren. Durch meinen letzten Thread ist mir das klar geworden und ich leide so unglaublich darunter, dass ich das Gefühl habe, mich selbst zu hassen für meine Selbstaufgabe damals.

Er weiß darüber Bescheid, hat wirklich schon alles getan, um mir zu helfen, ihm wieder zu vertrauen. Das Schlimme und Paradoxe an der ganzen Sache ist: Eigentlich weiß ich, dass er so etwas nicht wieder tun wird. Ich sehe es an seinen Blicken, höre es an seinen Worten und sehe es an seinen Taten: Er liebt mich und will keine Andere, er hat diese Phase überstanden und es ist Vergangenheit. Trotzdem habe ich noch immer so eine Angst, so eine Verletzung davon, dass ich es ihm fast nicht "gönne", dass ihm verziehen wird. Ich schäme mich für diese Gedanken! Ich kann diesen letzten Schritt nicht gehen und das Ganze vergessen, neu anfangen. Es funktioniert nicht. Es ist wie eine Grenze, über die ich nicht rüberkomme.

Ich habe mich selber so verschlossen, dass ich mittlerweile überlege, ob eine Beziehung derzeit das richtige Modell für mich ist. Ich habe keineswegs das Bedürfnis, mich auszuleben oder mit anderen Männern zu flirten. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass ich überfordert bin. Ich bin gereizt und reagiere teilweise völlig über, wenn wir verabredet sind und er die Verabredung aus irgendwelchen Gründen absagt. Ich fühle mich dann irgendwie in Opfer-Rolle gedrängt. Er entschuldigt sich dann auch immer und ich lege das so aus, dass er denkt, dass ich an nichts anderes gedacht habe, als an das Treffen. Ich habe die Vermutung, dass es mit dem Gefühl der Hilflosigkeit von damals zusammen hängt, als ich mich so an ihn geklammert habe, er auch Mitleid hatte (was mich dann noch weiter runter gezogen hat). Das ist wie so ein Trigger. Ich erschrecke mich teilweise vor mir selber.

Ich habe seitdem ein unfassbar schlechtes Männerbild. Ich werfe alle Männer in einen Topf und habe ein Problem damit, dass er zum Fußballtraining geht, weil es dort einen Kerl gibt, der seine Freundin seit Monaten betrügt und damit herum prahlt. Mein Freund schüttelt darüber auch den Kopf und hat ihm schon mehrmals die Meinung gesagt, aber ich habe trotzdem Angst, dass es auf ihn abfärbt. Dass es wieder von vorne losgeht. Das ist natürlich absoluter Blödsinn. Trotzdem ist es eine reale Angst.

Ich habe das Gefühl, ich sitze in einem Käfig, der aus der Vergangenheit besteht. Ich komme da nicht raus und habe Angst, die Beziehung, seine Gefühle und das, was wir uns neu aufgebaut haben, zu zerstören. Wenn ich ihn mit den Freunden meiner Freundinnen vergleiche, merke ich immer, dass ich den besten Freund habe, den man sich nur wünschen kann und dennoch sabotiere ich diese Beziehung. Und ich weiß einfach nicht, weshalb. Ich habe eine Pause vorgeschlagen, in der ich mir über alles klar werden kann, in der ich Abstand gewinnen kann und diese ganze Geschichte verarbeiten kann. Aber er möchte das nicht, meint, wir schaffen das auch zusammen. Ich habe mich erstmal darauf eingelassen, weiß aber nicht, ob wir das so schaffen.

Ich weiß nicht mehr weiter.
 
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Benutzer72433 

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meinem eindruck nach ist dein hauptproblem, dass du deine rolle von damals als "opferrolle" siehst, dass du dich gedemütigt und erniedrigt fühlst. meiner meinung nach sieht das aber völlig anders aus: du hast - auch wenn du geweint hast - stärke und tapferkeit bewiesen. du hast um etwas gekämpft was dir den kampf wert war - nicht einfach aufgegeben und alles hingeworfen. dir ist es zu verdanken, dass ihr beide heute wieder zusammen seid und eine (bis auf deine probleme) verdammt glückliche beziehung führt. dass du gleichzeitig anfälle von schwäche hattest - ja klar, wer hätte das nicht unter einer solchen belastung?

ich finde nicht, dass es eine erniedrigung ist um etwas oder jemanden zu kämpfen - vor allem dann nicht, wenn man den kampf gewonnen hat. ich habe das übrigens selber getan: etliche jahre, nicht nur ein paar wochen. ich habe auch gewonnen - und klar, ich muss zugeben dass ich nach jahren noch nicht ganz über das hinweg bin was damals war, dass es mir noch manchmal durch den kopf geht, manchmal an meinem selbstbewusstsein nagt... aber eigentlich ist das blödsinn. ich habe so gehandelt wie ich es für richtig hielt, ich habe manche nacht hindurch heulend in der ecke gelegen, aber ich habe auch immer wieder meine kraft und meinen mut zusammengesammelt und weitergemacht... weil es mir das wert war. genauso, wie es dir die sache wert war.

du solltest aufhören, dich deswegen selber zu verachten. ja, ist leichter gesagt als getan - aber du ziehst nur die eine seite heran, die, die deine schwäche, deine liebe und damit einhergehende abhängigkeit betont. du ignorierst die andere seite, die, die von deiner stärke und deiner tapferkeit spricht. dadurch, dass du dich so sehr auf die eine seite fixierst bleibst du auch gedanklich und von den gefühlen her in dieser rolle, betrachtest dich sehr einseitig und negativ.

jeder mensch hat momente der schwäche - die du auch beschreibst - und das ist völlig in ordnung. es ist aber nicht in ordnung irgendeinen menschen (auch nicht sich selber!) darauf zu reduzieren. es ist nicht in ordnung dass du dich selber deswegen runtermachst.

eigentlich würde ich auch sagen dass es vielleicht nicht das schlechteste für dich wäre, wenn du eine zeit nur für dich hättest, um mit dir selber ins reine zu kommen. andererseits befürchte ich, dass du dafür noch einige zeit brauchen wirst nachdem du so lange nur das schlechte von dir betrachtet hast - und dass du damit eure beziehung dann doch endgültig ruinieren könntest, wenn es dabei nicht um eine woche oder einen monat geht sondern letztlich um ein jahr oder mehr. ausserdem denke ich, dass er dir dabei durchaus eine hilfe sein kann - auch wenn die hauptarbeit natürlich bei dir liegt, denn es ist deine sicht von dir, die verkehrt ist.
 

Benutzer146142 

Benutzer gesperrt
Ich habe auch die andern beiden Threads gelesen und einen Teil der Antworten. Hut ab vor den Anstrengungen, die sowohl für dich als auch für deinen Freund ziemlich belastend gewesen sein müssen. Trotz der insgesamt erfreulichen Entwicklung eurer Beziehung ist es dir bisher jedoch nicht gelungen, neues Vertrauen aufzubauen. Es scheint sich da um mehr zu handeln als um die fixe Idee, er könne sich vielleicht für andere Frauen interessieren; Eifersucht trifft's begrifflich nicht wirklich, es fehlt ja momentan jeglicher Anlass. Mangelndes Selbstbewusstsein? Mag sein, aber ist es nicht eher eine - hier irrationale - Verlustangst? Irrational, weil dein Freund sich nach den 'Phasen' nun doch für den gemeinsamen Weg entschieden hat. Im Märchen wäre nun normalerweise Schluß: "... und sie lebten glücklich ...". Ist es aber nicht, trotz günstiger Umstände. Kann es denn sein, dass die Ursachen deiner Sorgen vor der jetzigen Beziehung liegen? In früheren Freundschaften vielleicht oder der Kindheit? Ich bin darin kein Experte, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es dann mit einer Pause getan ist; du wirst ohne professionelle Hilfe kaum aus deinem Vertrauensloch rauskommen. Und wenn das so ist, dann nutze dabei jede Hilfe, die du kriegen kannst. Ich habe nicht den Eindruck, dass dein Freund dir seine Unterstützung verweigern würde.
 

Benutzer148906  (28)

Öfters im Forum
ausserdem denke ich, dass er dir dabei durchaus eine hilfe sein kann - auch wenn die hauptarbeit natürlich bei dir liegt, denn es ist deine sicht von dir, die verkehrt ist.

Vielen Dank für deinen langen Beitrag. Ich habe heute Zeit gehabt, darüber nachzudenken, du hast absolut Recht, mit dem, was du geschrieben hast. Ich habe ein falsches Bild von mir selber und sollte meine Ansicht darüber probieren zu ändern. Wie meinst du, kann er mir dabei behilflich sein? Wir haben schon viel versucht, aber vielleicht hast du ja noch eine Idee?

Mag sein, aber ist es nicht eher eine - hier irrationale - Verlustangst?

Genau das versuche ich seit Ewigkeiten in Worte zu fassen. Ich bin nicht eifersüchtig auf eine andere Frau. Ich weiß, dass er mich liebt und ich weiß auch, dass ich es Wert bin, von ihm geliebt zu werden. Ich kenne meine Stärken (und auch meine Schwächen) und ich habe eigentlich nie das Gefühl, dass ich im Gegensatz zu anderen Frauen schlechter abschneide. Ich mag mich so, wie ich bin (bis auf dieses Schwächegefühl). Deswegen ist es wahrscheinlich auch nicht unbedingt ausschließlich ein Selbstbewusstseins-Problem. Es ist eine irrationale Verlustangst! Mein Exfreund hat mich (ebenfalls) ziemlich fies hintergangen und das mehrere Male. Mein Vater hat meine Mutter verlassen und ich vermisse ihn jeden Tag. Vielleicht spielt das auch alles eine nicht unwesentliche Rolle bei der ganzen Geschichte! Ich werde mal über professionelle Hilfe nachdenken!
 

Benutzer72433 

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Wie meinst du, kann er mir dabei behilflich sein? Wir haben schon viel versucht, aber vielleicht hast du ja noch eine Idee?
ich nehme an, bislang hat er darauf mit trost spenden, beruhigen usw. reagiert? sprich: wann immer dein gehirn so einen blödsinn verzapft hat, hat er es dafür "belohnt" indem er dir prinzipiell positive gefühle verschafft hat? es bestätigt, indem er mit verständnis darauf reagiert hat?

ich weiß nicht wie du auf sowas reagierst, aber... vielleicht wäre es einen versuch wert, das ganze mal umzudrehen. dass er darauf mit ablehnung, verweigerung, vorwurfsvoll und traurig reagiert (was ja, prinzipiell, berechtigt wäre). dass dein hirn die rückmeldung bekommt "nicht gut".

das ist jetzt natürlich extrem heruntergebrochen, aber ich kenne dich auch nicht soweit dass ich da wirklich ausschweifender werden könnte - nur so ein gedanke... :smile:
 
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