Beziehung mit Scheidungskind

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Guten Abend ihr Lieben

Viele von euch wissen es vermutlich schon, dass mein Freund ein Scheidungskind ist. Er war ca. 14 als seine Eltern sich getrennt haben und auch vorher war die Ehe nie harmonisch. Absolutes Chaos sozusagen, keinerlei Liebe oder Harmonie (mein Freund war kein Wunschkind, sondern ein Unfall mit 16). :cry:

Unmittelbar nach der Scheidung/Trennung herrschte zw. ihm und seinem Vater erstmal lange Funkstille. Die Trennung ging von seinem Vater aus, weil er eine Neue hatte. Mein Freund hatte einen ziemlichen Hass auf seinen Vater, der die Familie allein gelassen hat.

Erst als mein Freund so 18-19 war, haben sie sich wieder ein bisschen angenähert mit Hilfe ihrer gemeinsamen Leidenschaft: Motorräder. :smile:

Heute verstehen sie sich im Grunde gut, haben ein nettes Verhältnis und auch ich versteh mich mit meinem Schwiegerpapa gut.
Trotzdem sind bei meinem Freund so viele Fragen offen. Über die Trennung und warum die stattfand hat mein Freund mit seinem Papa nie gesprochen. Er kennt nur die Version seiner Mutter und da kommt sein Vater natürlich nicht gut weg.
Einerseits würde er gerne auch mal die Sichtweise seines Vaters hören, andererseits denkt er nicht, dass das so viel verändern wird. :ratlos:

Beide meiden das Thema. Niemand traut sich, einen Anfang zu machen. Auch ich nicht. Ich häng irgendwo dazwischen, hab eigentlich einen guten Draht zu meinem Schwiegerpapa, aber ich trau mich nicht, mich einzumischen.
Ich war schon oft kurz davor, meinen Schwiegerpapa mal um ein Gespräch zu bitten. Andererseits will ich nichts kaputt machen.
Die Vergangenheit aufwühlen ist ja auch nicht so einfach. Das Ganze liegt jetzt fast 20 Jahre zurück.

Ich weiß nicht so recht, was ich von euch hören will.
Meint ihr, es ist sinnvoller, die Vergangenheit ruhen zu lassen oder ist es besser, wenn das mal besprochen wird? Auch verbunden mit dem Risiko, dass das evtl. Gespräch alles verändert und man feststellt, dass bisher vielleicht vieles nur Illusion war. :confused:

Ich komm Gott sei Dank aus einer harmonischen Familie (meine Eltern sind seit 33 Jahren verheiratet) und ich kenne so ein Chaos zum Glück nicht. Ich bin damit ziemlich überfordert, möchte nichts falsch machen, trotzdem aber irgendwie was bewegen... :hmm:
 

Benutzer98492 

Verbringt hier viel Zeit
Ich an deiner Stelle würde mich selber nicht einmischen. Wenn dein Freund irgendwann den Mut (?) hat, seinen Vater darauf anzusprechen, kannst du für ihn da sein. Natürlich auch sonst.... Aber wenn du diejenige bist, die das Thema zur Sprache bringt, kannst du nicht absehen, ob das nicht mehr kaputt macht als verbessern würde.
So handhabe ich es zumindest bei meinem Freund - abgesehen davon, dass ich mit seinen Eltern nicht klar komme, hüte ich mich davor, mich irgendwie einzumischen. Wenn er reden möchte, bin ich da und höre ihm zu. Aber ein eh schon angespanntes Verhältnis mit einer solchen Konfrontation eventuell zu verschlimmern, das ist es nicht wert. Falls mein Freund etwas am Verhältnis mit seinen Eltern ändern möchte, dann ist es seine Entscheidung. Ich glaube einfach, dass man selber sonst ganz schnell eine Art Sündenbock werden kann, weil man den Stein ins Rollen gebracht hat.
 

Benutzer97437  (29)

Sorgt für Gesprächsstoff
Vielleicht wäre es besser, erst mit deinem Freund zu reden, nicht mit deinem Schwiegerpapa.
Hast du denn deinen Freund schon mal gefragt, ob er gern mal mehr wissen möchte, also aus der Sicht seines Vaters?
Oder ob er zufrieden ist, so wie es jetzt ist...ich bin auch ein Scheidungskind, war damals auch dasselbe Alter. Aber mich stört das irgendwie gar nicht...ist passiert. Vielleicht sieht dein Freund das auch gar nicht so tragisch. Erst recht jetzt nicht mehr...
Wenn er aber wirklich mal die Meinung seines Vaters hören will, sich selbst aber nicht traut, könntest du ihm ja anbieten, seinem Vater mal nen kleinen Tipp zu geben...so in der Art "Ich denke, ihr solltet darüber nochmal reden", damit der Papa den Anfang macht..

Liebe Grüße :smile:
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Vielleicht wäre es besser, erst mit deinem Freund zu reden, nicht mit deinem Schwiegerpapa.
Hast du denn deinen Freund schon mal gefragt, ob er gern mal mehr wissen möchte, also aus der Sicht seines Vaters?
Sorry, ich hab ganz vergessen zu erwähnen, dass er mir das vorhin noch selbst gesagt hat. :zwinker: Also er würde gerne mal die Schilderung seines Vaters hören. Nicht unbedingt jetzt sofort, aber doch schon irgendwann... Er zögert eben selbst, weil er auch Angst vor dem hat, was er dann evtl. hört.

Oder ob er zufrieden ist, so wie es jetzt ist...ich bin auch ein Scheidungskind, war damals auch dasselbe Alter. Aber mich stört das irgendwie gar nicht...ist passiert. Vielleicht sieht dein Freund das auch gar nicht so tragisch. Erst recht jetzt nicht mehr...
Im Allgemeinen sieht er es auch nicht tragisch. Er lebt trotzdem ganz gut. Das einzig schlimme für ihn ist das Hin und Her gerissen sein. Es gibt also zwei Lager: Einmal Vater und einmal Mutter und irgendwie auch nach über 20 Jahren noch diese "Verfeindung".

Wenn er aber wirklich mal die Meinung seines Vaters hören will, sich selbst aber nicht traut, könntest du ihm ja anbieten, seinem Vater mal nen kleinen Tipp zu geben...so in der Art "Ich denke, ihr solltet darüber nochmal reden", damit der Papa den Anfang macht..
so in etwa würde ich das anstellen wollen ja. :zwinker: Aber vermutlich ist das in der Praxis viel schwerer als in der Theorie... Zumal ich mir eben auch nicht sicher bin, ob ich überhaupt das Recht habe, meinen Schwiegervater sozusagen zum Gespräch zu beordern. :ratlos:
 

Benutzer97437  (29)

Sorgt für Gesprächsstoff
Vielleicht ist es besser, einfach noch ein wenig zu warten...ich meine, es ist zwar schon eine lange Zeit vergangen, aber trotzdem...vielleicht wird das Verhältnis zwischen dir und deinem Schwiegerpapa dann auch so gut, dass du irgendwann kein Muffensausen mehr hast, das mal anzusprechen...frag deinen Freund mal ganz direkt, ob du das machen sollst, wenn er selbst nicht so den Mut hat, den Anfang zu machen...dann könnt ihr beide darüber reden, ob er bereit ist, die andere Seite zu hören...
Ich kenne das auch mit den 2 Lagern...bin persönlich immer auf der Seite meiner Mutter :zwinker:
Aber ich kenne beide Seiten und das hat mich nie weitergebracht. Ich werde nie dazu in der Lage sein, die komplexe Situation von damals völlig zu verstehen. Viele Gründe der Scheidung werden auch schon in der Zeit gelegen haben, an die er sich nicht einmal erinnern kann...ich erinner mich selbst kaum noch, obwohl ich damals 14 war...er muss sich darüber klar werden, ob es überhaupt eine Rolle für ihn spielt. Er wird sich eh nie für eine Seite entscheiden können, sondern letztendlich immer "dazwischen" stehen...das muss nichts schlimmes sein.
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
'N Abend krava,

ich würde ein Einmischen an Deiner Stelle versuchen, zu vermeiden. Erstens ist das die Sache zwischen Deinem Freund und seinem Vater und zweitens könnte ich mir vorstellen, daß Dein Freund ziemlich angefressen wäre, wenn Du da jetzt eine Aktion initiierst, zu der er noch nicht bereit ist.
Allerdings würde ich das gerade Gesagte einschränken, wenn 3 Dinge wirklich klar sind:
- daß die Vergangenheit nur an der Oberfläche ruht
- daß Dein Freund explizit (und am Besten mehrmals) geäußert hat, daß er ein klärendes Gespräch will
- wenn sich das Ganze zu einem echten Problem auswächst, daß auch in Eure Beziehung hineinreicht

Will Dein Freund das Gespräch und traut sich nur nicht, es zu beginnen, oder ist er noch nicht so weit? Wenn Ersteres zutrifft: gibt es für Dich eine Chance, seinen Vater anzuspitzen, daß er das Ganze mal beginnen soll?
Oder eine völlig absurde Idee: schlag dem Vater doch ein Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn vor: er schenkt Deinem Freund eine selbst geschriebene Kurzgeschichte. Inhalt ist ja klar.
Aber bitte auch nur dann, wenn Du Dir zu 99% sicher bist, daß Du Deinen Freund damit nicht überfährst. Jungs und Väter sind bei Problemen noch schlimmer und sensibler als Mütter und Töchter...

Mark11
 

Benutzer42813 

Beiträge füllen Bücher
Ganz ehrlich? Ich würde gar nichts machen. Es ist oft einfach auch so ein Männerding, nicht über die Dinge zu reden, die Gefühle beinhalten - und wenn die beiden das untereinander erst mal so haben, würd ich da auch nicht künstlich drängen.

Wenn dein Freund da ein Gespräch will - ganz ehrlich, er ist erwachsen, wenn er es wirklich (!) und nicht nur halbherzig will, dann wird er früher oder später einen Weg finden, es auch zu suchen.

Warum ich da so nachdrücklich drauf bestehe, dass du dich da besser (bis auf ein "Falls du mit ihm drüber redest und danach aufgewühlt bist, bin ich für dich da, massiere dich, koche Kaffee für dich und stelle keine Fragen") raushältst, ist ganz einfach: Die Beziehung Vater-Sohn war da, bevor du "dazu gekommen bist". Und es macht sehr, sehr selten Sinn, als "Außenstehender" in bereits existierende Beziehungen "einzugreifen". Auch, wenn du natürlich nicht wirklich außenstehend bist, weil du die Freundin bist und auch zum Vater eine gute Beziehung hast...

Es wäre das gleiche, wie wenn eine gemeinsame Freundin von dir und ihm dich auffordern würde, mit deinem Freund eine Aussprache über irgendein Thema zu halten. So was muss einfach innerhalb der Beziehung zweier Menschen möglich sein, von außen ist es auch mit den besten Absichten immer ein wenig "einmischend". Selbst, wenn dein Freund sich das jetzt gerade vordergründig von dir wünschen mag, wird es mittelfristig nicht gut für das Beziehungsgleichgewischt zwischen euch beiden sein.
 

Benutzer48403  (51)

SenfdazuGeber
Aus meiner persönlichen Sicht denke ich, dass es nie zu spät ist, bei einer Aussprache einen endgültigen Abschluss zu machen.
In Deinem Fall: wie geht man da vor?

Auch wenn Du das Gefühl hast zw. zwei Stühlen irgendwo in der Schwebe zu hängen, ist es letztlich eine Angelegenheit, welche nur Deinen Freund und seine Familie betrifft.
Ich finde es ja schon toll, dass er immerhin wieder Kontakt zu seinem Vater gefunden hat, obwohl er es ja war, der Mist gebaut hatte.

Ein Eingriff Deinerseits um des Willens wegen die Angelegenheit abzuschliessen, halte ich für sehr gewagt, von daher ist es besser, Du belässt es dabei, wie es ist.

Nur meine persönliche Meinung.

Off-Topic:
BTW: Bin auch ein Scheidungskind, meine Eltern hatten sich getrennt, als ich 11 war. Ich hatte nie wieder den Anschluss zu meinem Vater gefunden - aus verschiedenen Gründen, welche ich hier aber nicht erläutern möchte.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Ganz ehrlich? Ich würde gar nichts machen. Es ist oft einfach auch so ein Männerding, nicht über die Dinge zu reden, die Gefühle beinhalten - und wenn die beiden das untereinander erst mal so haben, würd ich da auch nicht künstlich drängen.

Wenn dein Freund da ein Gespräch will - ganz ehrlich, er ist erwachsen, wenn er es wirklich (!) und nicht nur halbherzig will, dann wird er früher oder später einen Weg finden, es auch zu suchen.
Ja es ist definitiv bei beiden so, dass sie lieber schweigen - egal um was es geht. Bei Gefühlsdingen erst recht. Also im Reden sind beide gleich schlecht, deswegen macht auch keiner einen Anfang.

Ich hab es vorhin noch mal zu meinem Freund gesagt: Entweder er fasst Mut und fragt oder er lässt es. Einen anderen Weg gibts irgendwie nicht... :hmm:

Warum ich da so nachdrücklich drauf bestehe, dass du dich da besser (bis auf ein "Falls du mit ihm drüber redest und danach aufgewühlt bist, bin ich für dich da, massiere dich, koche Kaffee für dich und stelle keine Fragen") raushältst, ist ganz einfach: Die Beziehung Vater-Sohn war da, bevor du "dazu gekommen bist". Und es macht sehr, sehr selten Sinn, als "Außenstehender" in bereits existierende Beziehungen "einzugreifen". Auch, wenn du natürlich nicht wirklich außenstehend bist, weil du die Freundin bist und auch zum Vater eine gute Beziehung hast...
Du hast absolut Recht! Das ist alles vor meiner Zeit passiert und das macht es mir so schwer.
Ich muss fragen, um Infos zu kriegen und annähernd zu verstehen. Andererseits sagt mein Freund, dass ich es gar nicht verstehen kann, weil ich es eben nicht miterlebt hab.
Komplett raushalten kann ich mich aber auch schwer, weil alles letztlich Einfluss auf meinen Freund hat und es ihn eben geprägt hat. Also krieg ich es tagtäglcih mit.

Ich danke euch allen für die Antworten! Neue Sichtweisen helfen mir sehr weiter. :smile:
 

Benutzer78109 

Sehr bekannt hier
Du solltest deinen Freund ermutigen, einen Schritt auf seinen Papa zuzugehen und ihn um ein Gespräch zu bitten, aber es ist auf keinen Fall deine Aufgabe, dieses Gespräch zum Laufen zu bringen, oder dich anderweitig einzumischen. Mit Mitte 30 ist dein Freund reif genug, selber zu merken, ob er dieses Gespräch dringend braucht und es dann auch zu führen, auch wenn es vermutlich sehr schwer ist und einiges verändern wird, oder ob er lieber weiter mit seinen ganzen Fragen und Illusionen leben will. Du kannst für ihn da sein, ihm gut zureden und ihn ermutigen, aber den wesentlichen Schritt muss er alleine machen.
Scheidungskinder haben es nicht leicht und meist herrscht am Ende ein gestörtes Verhältnis zu einem der Elternteile, welches auch selten wieder komplett normal und harmonisch wird. Man kann sich aber damit arrangieren und dass dein Freund und sein Vater sich jetzt wieder so sehr angenähert haben, ist doch schon mal richtig gut. Allerdings denke ich schon, dass es wichtig ist, auf ungeklärte Fragen Antworten zu erhalten. Auch, wenn das vielleicht bedeutet, dass man erkennt, dass vieles eine Illusion war, so hilft es doch letztendlich, die Dinge neu zu ordnen und vielleicht am Ende besser damit umgehen, oder gar abschließen zu können. Der Vater deines Freundes hat den Fehler gemacht und alles totgeschwiegen, weswegen das Verhältnis der beiden gelitten hat. Dein Freund sollte es in dem Fall besser machen und Klarheit schaffen. Vor allem, weil es ihn ja offensichtlich selbst nach 20 Jahren noch belastet, dass seine Eltern sich getrennt haben.
 

Benutzer42813 

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t alles vor meiner Zeit passiert und das macht es mir so schwer.
Ich muss fragen, um Infos zu kriegen und annähernd zu verstehen. Andererseits sagt mein Freund, dass ich es gar nicht verstehen kann, weil ich es eben nicht miterlebt hab.
Komplett raushalten kann ich mich aber auch schwer, weil alles letztlich Einfluss auf meinen Freund hat und es ihn eben geprägt hat. Also krieg ich es tagtäglcih mit.

Ich danke euch allen für die Antworten! Neue Sichtweisen helfen mir sehr weiter. :smile:

Da du selbst sagst, dass neue Sichtweisen helfen, erzähle ich dir hier mal, wie ich es mit meinem Freund mache:

Ich habe eine Haltung entwickelt und ihm auch gesagt, dass ich es so versuche, die aussieht wie folgt: Es gibt Dinge, die ihn geprägt haben und die manchmal hochkommen. Ich muss nicht verstehen, was die Ursachen sind, für mich als Partnerin ist aber wichtig, zu wissen, ob die maulige Stimmung in einem Zusammenhang mit mir oder mit irgendwas in seiner Vergangenheit steht. Er möge mir also bitte mitteilen, was jeweils der Fall war.

Ich erkenne inzwischen auch deutlich, wenn er maulig ist, dass er gerade wieder Kontakt zu seiner Mutter hatte und es ihr nicht gut geht. Wir reden dann nicht drüber, weil er das nicht möchte, aber ich mache ihm vielleicht einen Tee oder so - denn auch ohne dass er es explizit ausspricht und begründet, weiß ich, dass es ihm mies geht.

Ich weiß immer noch nicht so richtig, wie die Hintergründe sind. Es gibt auch Dinge, die ich selbst (als neugieriges Weibsbild :grin:) gerne wissen möchte - aber da habe ich mir klar gemacht, dass ich selbst die gerne wissen möchte und dass es also eher um mich dabei geht als um ihn. Also muss ich selbst damit klarkommen - oder halt fragen, weil ICH neugierig bin und NICHT um ihm zu helfen.

Frauen geht es normalerweise besser, wenn Unstimmigkeiten aus der Welt geräumt sind und "man drüber geredet hat". Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass das bei Männern deswegen noch lange nicht so sein muss.

***

Ich selbst habe meinen Vater übrigens nie nach seiner Version der Scheidungsgeschichte gefragt, auch wenn sie vielleicht wirklich ganz interessant wäre. Der Grund dafür?

Es war schon ungesund genug, von meiner Mutter ihre ganzen Beziehungssperenzchen mitzubekommen. Das gehört da einfach nicht hin, es ist irgendwie falsch, wenn Kinder zu Vertrauten im Liebesleben der Eltern werden. Es wäre noch falscher geworden, wenn ich es jetzt auch noch bei meinem Vater gemacht hätte.

Der eigentlich für mich als Kind wichtige Teil war doch: Mein Papa hat mich immer liebgehabt. Mehr brauche ich auch heute noch nicht zu wissen. Mir ist völlig egal, ob er mit dieser Frau jetzt nackt im Bett gelegen oder geschlafen hat, mir ist auch egal, ob er meine Mutter aus ihrem Freundeskreis gekickt hat und sie seinetwegen ihre Band verloren hat, mir ist auch egal, ob er jetzt bei meiner Schwester über den neuen Freund der Mutter gelästert hat, damit sie den Kerl ablehnt und ihm das Leben zur Hölle macht. Ist mir einfach alles völlig egal, ich brauche es für mein Leben nicht zu wissen. Wichtig ist nur, dass mein Papa mich lieb hat. Und das tut er.

Ganz offensichtlich hat der Vater deines Freundes ihn auch lieb. Vielleicht kannst du ihn ja auch in dem Sinne als Freundin "beraten"? So im Stil von "damals ist lange her, und vielleicht ist es wirklich nicht mehr so wichtig. Wichtiger ist doch, dass ihr euch wieder gefunden habt."
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Ja ich habs in über 10 Jahren Beziehung auch lernen müssen, ihn oft einfach nur in Ruhe zu lassen, nicht nachzubohren und so weiter. Es ist schwer für mich, bei einem Spaziergang 1 Stunde schweigend neben ihm zu laufen. Ich weiß, dass es in ihm brodelt und dass viel in ihm vorgeht. Er sagt aber nichts. Er meint, ich würde es nicht verstehen. Ich denke aber, dass ich es durchaus verstehen würde und fänds fair, wenn er mir wenigstens die Chance gäbe, es zu verstehen.
Wo wir uns ja nun wirklich verdammt lange kennen... :hmm:

Aber mir bleibt nichts anderes übrig, als ihm die Zeit zu lassen, die er braucht. Er therapiert sich da normalerweise selbst, indem er sich zum Beispiel aufs Motorrad setzt. :smile: Aber irgendwann kommt dann doch wieder was hoch, weil er eben nie so wirklich damit abschließen kann.
 

Benutzer42813 

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Hmm, jetzt kommen wir zu dem Punkt, der für mich viel interessanter ist :zwinker:. Nämlich zu dem, wie es dir in der Geschichte geht: Es ist für dich schwer und gemein, neben ihm hergehen und schweigen zu müssen, während er ganz weit weg von dir ist. Im Grunde ist es dabei völlig egal, ob er dabei an eine andere Frau denkt oder in Gedanken in einer Zeit seines Lebens ist, in die du noch gar nicht gehört hast.

Du musst es natürlich nicht verstehen! Aber du musst auch nicht schweigend neben einem Mann hergehen, der gar nicht bei dir ist, so was tut nämlich tierisch weh. Daher würde ich in so einer Situation diesem Mann einfach sagen: "Ja, ich verstehe es nicht, weil ich auch keine Chance dafür habe. Ich will dich aber jetzt bei mir haben. Endweder, du kommst zurück zu mir in die Gegenwart, oder ich lasse dich hier alleine mit deinen Gedanken und biege da vorne links ab, um wenigstens ehrlich alleine zu sein und nicht so wie jetzt alleine, obwohl du neben mir bist. Ich mag das nämlich so wie jetzt nicht. Für mich wären beide Optionen in Ordnung, welche davon ist dir lieber?"
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Ich habs heute so ähnlich gemacht und gesagt, dass ich umkehren will, weil ich keine Lust mehr auf das Schweigen hab. Er hat die ganze Zeit beteuert, dass alles normal ist, aber das wars eben nicht.

Ich hab meinem Freund oft gesagt, dass ich davon überzeugt bin, dass der Respekt seines Vaters ihm gegenüber immer ungebrochen war, ganz egal welche Frau er an seiner Seite hatte. Ich hab den Eindruck von meinem Schwiegervater, dass ihm alle seine drei Söhne über alles gehen und davor hab ich auch Hochachtung, denn das ist keine SElbstverständlichkeit.
Für mich ist auch das gegenwärtige Verhältnis der beiden wichtig und das ist so gut wie nie zuvor. Deswegen bin ich mir eben unsicher, ob es wirklich nötig ist, in der Vergangenheit zu wühlen... :confused:

Ich hoffe, dass das bei meinem Freund einfach wieder abebbt. Es ist im Moment nur relativ präsent, weil er zuletzt viel Kontakt zu seinem Vater hatte und auch mal ein WE bei ihm verbracht hat. Er meint, mitbekommen zu haben, dass es zw. ihm und seiner aktuellen Lebensgefährtin kriselt und irgendwie läuten da jetzt Alarmglocken nach dem Motto "Jetzt zerbricht schon wieder eine Beziehung".
Dabei geht ihn das im Grunde gar nichts an und als Außenstehender gewinnt man auch oft einen falschen Eindruck.
 

Benutzer42813 

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Das muss echt schwer für dich sein, das alles so hautnah mitzukriegen und nichts tun zu können...
 

Benutzer15049  (35)

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ich kann das ganze theater ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen, aus mehreren gründen.
ich bin selber scheidungskind, ich war 11 als meine eltern sich getrennt haben. vorher war es wie auch bei deinem freund nicht harmonisch, weit entfernt von dem was man ein normales familienleben hätte nennen können. meine eltern haben sich andauernd gezofft. mein vater war unter der woche sowieso nie da (fernfahrer) und wenn er da war hat er auf dem sofa gelegen und entweder geschlafen oder sport geguckt. meine mutter war einfach nur schwer mit allem überfordert. dazu kommt, dass meine eltern beide eifersüchtig und intrigant sind. es war einfach ätzend.

nach der scheidung gings dann los. mama redet schlecht über papa und papa redet schlecht über mama. jeder gibt dem anderen die schuld an der scheidung.
ich verstehe jedoch nicht, wie man sich als kind davon so dermaßen beeinflussen lassen kann. scheidung war die einzige lösung. es wäre eh nie harmonisch geworden. genauso wird es bei seinen eltern gewesen sein. allein die tatsache, dass wenn die eltern sich nicht mehr verstehen, eine trennugn die einzige lösung ist, macht die sache doch verstehbar und daher erträglich. das müsste er ja heute mittlerweile wissen.

der grund ist eigentlich nebensächlich, doch wenn es ihn interessiert, damit er damit abschließen kann, dann sollte er fragen und du solltest ihn versuchen zu ermutigen. du weißt ja, dass er den wunsch danach verspürt.

ich kann mir nicht vorstellen inwieweit die trennung seiner eltern deinen freund nachaltig beeinflusst hat. dass er seinen vater lange zeit nicht gesehen hat ist vielleicht das hauptproblem oder? gerade danach würde ICH an seiner stelle fragen. ich glaube kaum, dass er eine wirklich erschütternde antwort erhalten wird. sein vater hat vermutlich nur gedacht das wäre zunächst einmal so das beste. das war es vielleicht nicht, aber naja,...hinterher ist man immer schlauer.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Danke Sonata Arctica!

Beeinflusst hat es meinen Freund hauptsächlich dahingehend, dass ihm jahrelang (und bis heute) von seiner Mutter die Schuld an der Scheidung gegeben wurde bzw. an der ganzen Misere. Er war schließlich das unerwünschte Kind, das seine Mutter mit 16 bekommen hat. Wegen ihm wurde geheiratet und den Kindern sollte mal ein Haus ermöglicht werden. Das Haus gibts auch, aber die Familie ist eben nie eingezogen. :frown:
Und nach der Scheidung bekam mein Freund an Stelle des Vaters eben den ganzen Hass der Mutter ab. Er musste das alles ertragen und schlucken und das steckt sicher auch ein Erwachsener nicht einfach weg. Ganz zu schweigen von einem Teenager.

Und das ist auch der Hauptvorwurf, den mein Freund seinem Vater sozusagen macht.
Natürlich war die Trennung richtig und gut, denn es wäre nur immer schlimmer geworden. Trotzdem war der Vater dann eben plötzlich weg, die Mutter voller Hass und Enttäuschung und die Kinder bzw. hauptsächlich mein Freund als der Älteste bekamen das alles ab. :frown:
 

Benutzer15049  (35)

Beiträge füllen Bücher
das ist natürlich richtig scheiße, so etwas seinem kind einzureden. eine freundin von mir hat in etwa sowas auch erlebt. immer wenn es ärger gab, bekam sie die schuld, weil auch ihre mutter damals mit 16 schwanger wurde.ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass sie sehr oft bei uns zu hause war. die mutter gab ihr sowohl an der scheidung die schuld, als auch daran, dass es mit keinem neuen liebhaber je klappte. zusätzlich war da auch noch eine menge häusliche gewalt im spiel.
geholfen hat ihr letztendlich nur eine therapie in der sie die ganze geschichte aufgearbeitet hat.
daher halte ich es immer noch für das sinnvollste es anzusprechen, wenn es ihn quält. von selbst wird sich das wohl nicht erledigen, dazu dauert es ja schon viel zu lange an.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
das ist natürlich richtig scheiße, so etwas seinem kind einzureden. eine freundin von mir hat in etwa sowas auch erlebt. immer wenn es ärger gab, bekam sie die schuld, weil auch ihre mutter damals mit 16 schwanger wurde.ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass sie sehr oft bei uns zu hause war. die mutter gab ihr sowohl an der scheidung die schuld, als auch daran, dass es mit keinem neuen liebhaber je klappte. zusätzlich war da auch noch eine menge häusliche gewalt im spiel.
Gewalt gabs auch. Mein Freund wurde oft geschlagen. Mit Gürtel, Kochlöffel und den Rest will ich gar nicht wissen. :cry:

Therapie hab ich schon vorgeschlagen, vor vielen Jahren schon mal. Da ist er eines Abends plötzlich weinend zusammen gebrochen, weil ihn irgendein Sandsack an Boxen mit seinem Vater erinnert hat...
Damals hatten die beiden gar noch gar keinen Kontakt. Jetzt hat sich viel geändert. Mein Freund hat auch mit seiner Arbeit einen Weg zurück ins Leben gefunden, zurück zu sich selbst und hat sich auch gelöst von seiner Familie und den ganzen Vorwürfen. Ab und an holt es ihn eben wieder ein... Aber das wird wohl immer so bleiben.
 

Benutzer42813 

Beiträge füllen Bücher
Ja, das wird wohl immer so bleiben. Man bekommt sein Päckchen aufgeladen und muss sehen, dass man damit so gut wie möglich klarkommt... Und irgendwann werden die Zeiten länger und länger, in denen man es gar nicht mehr mitbekommt.

Es muss für deinen Freund auch ein sehr komisches Gefühl sein! Er ist jetzt alt genug, um theoretisch der Vater des Jungen zu sein, der damals auf einmal damit konfrontiert wurde, dass die sechzehnjährige Freundin schwanger ist... Was immer sein Vater damals an Fehlern gemacht hat (und er hat sicher welche gemacht, aber die Mutter auch und zwar noch schlimmere) - er war ein Mann, der deutlich jünger war als dein Freund es heute ist.
 
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