Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer

Benutzer117414 

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Hallo!

Ich bin im Moment ziemlich verzweifelt, weil ich nicht weiß was ich machen soll. Aber am besten erzähl ich euch einfach mal die ganze Geschichte und lass irgendwelche komplizierten Einleitungen weg :zwinker:

Also ich habe vor 3 Wochen bei einem Turnier für Rollstuhlfahrer gearbeitet, ich war bei der Organisation und Anmeldung von den Spielern, deshalb hatte ich auch viel Kontakt mit ihnen, sie waren alle total nett. Aber einen gab es eben, der besonders nett war :zwinker: Er ist dann auch auffällig oft bei meinem Arbeitsplatz vorbeigekommen und er war mir von Anfang an sympathisch. Er ist auch in etwa in meinem Alter (ich bin 18, er 22), sieht total super aus, hat einen tollen Charakter, wunderschöne Augen, ist sportlich und muskulös, naja so wie ich mir halt einen Traummann vorstelle :tongue: Aber er sitzt halt im Rollstuhl. Was mir allerdings egal war, denn wenn ich mich mit wem super verstehe, dann ist mir egal ob er laufen kann oder nicht, dachte ich halt immer, dazu aber später mehr. Naja jedenfalls haben wir immer wenn ich Zeit hatte und nicht arbeiten musste miteinander geredet, wir haben auch über ziemlich persönliche Dinge geredet, wir haben gemeinsam Mittag gegessen und waren abends noch länger auf der Sportanlage und haben dort was getrunken. Ich habe dann ziemlich bald gemerkt, dass ich total in ihn verliebt bin und wie es so ausgesehen hat, war es bei ihm nicht anders.
Als das Turnier dann zu Ende war, haben wir natürlich Nummer, Facebook, Skype usw. getauscht. In den drauffolgenden Tagen haben wir dann fast jeden Tag stundenlang über Skype geredet und hatten ausgemacht, dass ich zu ihm komme und wir uns treffen. (Er wohnt ca. 2 Stunden von mir entfernt, was allerdings kein Problem ist, denn im Oktober ziehe ich sowieso in seine Stadt, weil ich dort studiere)
Ich bin dann vor ein paar Tagen bei ihm gewesen, da ein totales Sauwetter war, waren wir den ganzen Tag bei ihm zuhause. Wir hatten total viel Spaß, alles war super, wir haben zusammen gekocht, lange geredet und schließlich haben wir uns auch geküsst. Ich war total glücklich, doch am nächsten Tag habe ich eine Facebooknachricht von ihm erhalten. Dadurch, dass er gleich am Anfang geschrieben hat, dass es ihm leid tut und dass man so etwas normalerweise persönlich aussprechen soll, aber er das jetzt einfach alles niederschreiben muss, habe ich eigentlich schon das Schlimmste erwartet.
So ist es dann auch gekommen... Er meinte, dass es ihm leid tut und dass es nie so weit hätte kommen dürfen, denn das mit uns hätte keine Zukunft. Dass ich so wunderbar bin, perfekt aussehe, einen super Charakter habe und einfach eine Traumfrau bin, er allerdings kein Traummann und dass er meinem Glück nicht im Weg stehen will. Dass ich mit ihm nie eine „normale“ Beziehung führen kann und dass er glaubt, dass mir das alles nicht wirklich bewusst sei, wie es ist mit einem Rollstuhlfahrer zusammen zu sein. Er sei es gewohnt, dass er von allen angeschaut wird, egal wohin er kommt und es ihn aber nicht stört, ich aber diese Blicke wahrscheinlich nicht ertragen könne, denn mich werden die Leute dann auch ansehen. Dass ich nicht weiß, wie es in der „wirklichen“ Welt zugeht wenn man mit einem Rollstuhlfahrer unterwegs ist, dass es beim Turnier etwas anderes war, denn dort war es etwas „normales“ im Rollstuhl zu sitzen. Dass ich nie mit ihm romantisch unter einem Sternehimmel Hand in Hand spazieren kann, dass er nie mit mir in einer Disco tanzen wird. Dass wir nie ein „normales“ Sexleben haben werden. Dass er zwar super mit seinem Leben klar kommt und sich damit abgefunden hat, dass es mich aber fertig machen wird... Und so in der Art ist es noch ziemlich lange weiter gegangen. Im ersten Moment wollte ich gleich antworten, dass das alles Blödsinn ist, was er da schreibt, ich habe es dann aber gelassen und mir das Ganze nochmal durch den Kopf gehen lassen. Klar habe ich mir seit ich ihn kennengelernt habe, oft vorgestellt wie es so ist, wenn man mit einem Rollstuhlfahrer zusammen ist, ich war aber immer der Meinung, dass es schon irgendwie funktionieren wird und es nicht so schwer sein kann. Aber durch seine Nachricht bin ich eigentlich wirklich nachdenklich geworden und irgendwie bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht doch etwas komplizierter ist als ich es mir vorgestellt habe einen Rolli-Fahrer als Freund zu haben. Bei ein paar Dingen habe ich mir gedacht, dass es ziemlich egal ist, ich meine ich muss nicht unbedingt mit meinem Freund tanzen. Bei anderen Dingen jedoch bin ich mir ziemlich unsicher. Ich mag ihn wirklich sehr gern und er ist einfach wunderbar, aber z.b. denke ich mir ziemlich oft, dass er nie zu mir nach Hause kommen kann, weder in meinen Heimatort, noch in meine Studentenwohnung, beides ist absolut nicht rollstuhlgerecht. Klar ist das jetzt nicht so das große Problem, dann bin ich halt immer bei ihm, aber trotzdem bereiten mir solche Dinge Kopfzerbrechen. Ich hoffe, ihr versteht was ich meine.


Ich weiß im Moment wirklich nicht was ich machen soll. Als erstes sollte ich vielleicht mal auf seine Nachricht antworten bzw. persönlich mit ihm reden, ich habe allerdings keinen Plan was ich schreiben bzw. sagen soll. Vielleicht wollte er mir mit dieser Nachricht auch einfach sagen, dass er keine Interesse an etwas Ernstem hat und es ging gar nicht so darum, dass er im Rollstuhl sitzt? Allerdings glaube ich das nicht, denn als ich bei ihm war, war alles super und er meinte noch zum Abschied, dass er es gar nicht erwarten kann bis wir uns wieder sehen. Und von einem Tag auf den anderen fällt ihm ein, dass er ja im Rollstuhl sitzt und deshalb keine Beziehung mit einer „Gehfähigen“ beginnen kann? Oder denkt ihr, wollte er mir einfach klar machen dass es nicht so einfach sein wird und ich mir das mal durch den Kopf gehen lassen soll?

Wäre total nett, wenn ihr mir Ratschläge geben könntet oder einfach nur wie ihr dazu steht.

Lg Janina
 
S

Benutzer

Gast
Durch was kam er in den Rollstuhl? Von Kindesalter an oder eher erst später?
 

Benutzer106179 

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Hey also zuerst einmal mein Beileid wegen der Nachricht von ihm. War bestimmt kein schöner Moment für dich.

Aber hier bist du jetz gefragt! Höre auf dein Herz! Wenn du ihn wirklich liebst, dann gehst du das mit ihm ein und bist auch überzeugt mit ihm zusammen. Also triff dich weiter mit ihm und vielleicht kann er dir ja einen kleine Einblick geben in das Leben eines Rollstuhlfahrers damit du lernst zu verstehen und damit umzugehen. Denn wenn ihr zusammen seid, ist das nicht nur sein "Problem" sondern auch deins. Auf jedenfall solltest du ihm jetz erstmal Interesse zeigen da du ja wirklich in ihn verliebt bist. Zeige ihm das er trotzdem noch ein Mann ist und behandel ihn so wie jeden normalen Mann!

mfg sh00tingmaster
 

Benutzer102949 

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Ehrlich gesagt interpretiere ich seine Message auf zwei Sachen.
1. Er wollte dir klar und deutlich vor Augen führen, was eine Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer für dich bedeutet. Für ihn ist alles beim Alten, aber auf dich kommen Änderungen zu, die im Moment noch nicht absehbar sind und für dich ganz neu sein werden. Er wollte möglicherweise vermeiden, dass dir erst im Nachhinein klar wird, dass das für dich zu viel ist und dich überfordert. Er hat dir im Grunde all die Nachteile aufgezählt, um dich "vorzuwarnen". Du musst jetzt entscheiden, ob du es trotzdem einmal versuchen willst und ihm die Chance gibst.
2. Klingt das fast so wie ein Bettelbrief. Er weiß, dass er eine Behinderung hat, die für viele ziemlich abschreckend ist. Aber indem er dir alle Nachteile klar vor Augen führt hofft er insgeheim, dass du ihm ausdrücklich schreibst, dass es dich nicht stört, im Gegensatz zu anderen.
Habt ihr euch schon mal über seine Behinderung unterhalten? Hier wäre es vielleicht interessant zu wissen, ob er damit wirklich gut umgehen kann und damit klar kommt oder ob es nicht doch ein wenig an seinem Selbstvertrauen nagt.

Letztendlich musst du dich entscheiden, ob du es trotz seiner Behinderung mit ihm versuchen möchtest. Deine Bedenken finde ich ziemlich nachvollziehbar und du bist kein schlechter Mensch, wenn du ihn deswegen ablehnst. Du musst ja schließlich die Beziehung wollen und würdest du es nur aus Nächstenliebe oder Mitleid tun, tätest du ihm damit gewiss keinen Gefallen.
 

Benutzer89030 

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Vielleicht hat er mit 22 Jahren auch schon schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht und hat einfach etwas angst. Die meisten Frauen kommen damit nicht klar und genau davor hat er angst. Also wenn du nicht so oberflächlich bist (wie viele Frauen in deinem Alter). Das soll jetzt nicht böse gemeint sein. Ich glaube auch das du es ernst meinst und dich wirklich verliebt hast, weil er ein toller, netter junger Mann ist. Ich würde noch mal persönlich mit ihm sprechen.

 

Benutzer120487 

Sorgt für Gesprächsstoff
Dann soll er seiner Meinung nach nie wieder im Leben eine Freundin/Frau haben, weil das für sie eine Belastung wäre?

Ich finde das ist gar nicht konstruktiv was er da gemacht hat, er hat dich mit dieser Nachricht total unter Druck gesetzt, und du sollst dich quasi jetzt entscheiden ob du damit klar kommen wirst oder nicht.
Es stimmt zwar was er sagt, aber man muss einfach in so einer Situation erstmal davon ausgehen, dass die andere Seite weiß womit sie es zu tun hat und worauf sie sich einlässt. In dem Fall sieht es aber aus wie ein Erwachsener der einem Kind sagt "Geh da nicht hin, da tust du dir weh".
Ich hätte an seiner Stelle (gut, vielleicht weiß ich auch nicht wie man sich als Rollstuhlfahrer fühlt) nichts gesagt und das einfach erstmal mit dir genossen und dir die Zeit gegeben das selbst für dich zu entdecken ob das was für dich ist.
Und wenn er sich verliebt und dann verlassen wird, na und? Es kann nicht mehr weh tun als nie eine Freundin zu haben. Dann hat er wenigstens Erfahrung gesammelt.

Wenn du ihn wirklich gern hast, versuchs mit ihm, dann kannst du ja sehen wie es ist. Er kann keine Garantie dafür verlangen, dass du für immer mit ihm bleibst und du kannst ihm keine geben, fertig, wie bei jeder anderen normalen Beziehung auch.
 

Benutzer102949 

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Die meisten Frauen kommen damit nicht klar und genau davor hat er angst. Also wenn du nicht so oberflächlich bist (wie viele Frauen in deinem Alter). Das soll jetzt nicht böse gemeint sein. Ich glaube auch das du es ernst meinst und dich wirklich verliebt hast, weil er ein toller, netter junger Mann ist. Ich würde noch mal persönlich mit ihm sprechen.

Off-Topic:
Na, hör' mal. Ich bin oberflächlich, wenn eine Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer für mich nicht in Frage kommt? Denke vielleicht auch mal weiter und überlege, warum das viele nicht machen wollen. Rohlstuhl bedeutet nämlich extreme Einschränkung, nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die Freundin. Davon hat sie sogar schon einige Dinge genannt: Er kann sie nicht in ihrer Wohnung besuchen, sie können nie "normalen" Sex haben, sie können nie in die Disco gehen und tanzen, keine Spaziergänge machen, nicht schwimmen gehen, selbst das Urlaub fahren dürfte extrem schwierig werden ... ich finde es überhaupt nicht okay, dass sich Leute, die diese Umstände nicht auf sich nehmen wollen als "oberflächlich" betitelt werden. Oberflächlich ist für mich nämlich derjenige, der Schwarzhaarige kategorisch ablehnt, (weil Baum undso....) denn hierbei geht es sehr wohl um die Oberflächlichkeit, nur beim Rollstuhlfahrer sind sehr viel mehr Dinge dabei, die für viele die Beziehung von Anfang an sehr schwierig gestalten würde und manche wollen und können damit nicht zurecht kommen. Die Wahl soll man dann bitte auch jeden selber entscheiden lassen. :zwinker:
 

Benutzer103916 

Meistens hier zu finden
Natürlich ist es nur fair von ihm, dir die Nachteile vor Augen zu führen, ich persönlich höre dadrin allerdings auch eine Art Bevormundung, insbesondere der Satz mit der "wirklichen Welt".
Er kennt die Nachteile und Probleme, die seine Behinderung mit sich bringen, sicher besser als du, trotzdem sollte er dir doch wenigstens die Chance geben, selber zu entscheiden, ob das eine zu große Belastung ist oder nicht.

Und dass du dir bisher da keine Gedanken drüber gemacht hast, sollte ihn eher freuen, sicher gehen nicht viele Menschen so unvoreingenommen und vorurteilsfrei mit einem Rollstuhlfahrer um. Vielleicht hat ihn dies auch verunsichert und er denkt, er müsse dich erst drauf stoßen.

Meiner Meinung nach solltest du auf dein Gefühl hören und dich nicht verschrecken lassen. So, wie du ihn beschreibst scheint es bei euch gefunkt zu haben, also tu das, wobei du dich am besten fühlst.
Außerdem sind "Blicke auf der Straße" meiner Ansicht nach zu zweit eher leichter zu ertragen als alleine, da man sich als Team fühlt :smile:
 
S

Benutzer

Gast
Ist euch eigentlich auch mal in den Sinn gekommen, das der Rollstugfahrer ernsthafte Probleme mit seiner Behinderung hat, psychischer Natur? Es sich selber nicht ganz akzeptieren kann wie er ist, es im Grunde tut, aber da er sich selber nicht leiden kann und somit es nicht verstehen kann, das eine Frau sich zu ihm hingezogen fühlt? Trotz seiner "Abnormalität"?
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
so wie du es schreibst würde ich zu einer antwort im sinne von "du hast recht, darüber sollte man persönlich sprechen - passts dir morgen?" tendieren, und dann nochmal in ruhe mit ihm drüber reden, ihm auch deine sicht schildern.

nicht weiter schreiben, schreiben forciert zu viele missverständnisse, und viele dinge kommen ganz anders an, wenn man sich dabei in die augen sehen kann.
 
V

Benutzer

Gast
Die Basis ist also, ihr seid beide ineinander verliebt und lebt demnächst in der selben Stadt. Eigentlich vortrefflich, gäbe es da nur nicht die Behinderung.

Ich halte sein Schreiben für einen Selbstschutz, er will dir klar machen, worauf du dich einlässt, weil er dich auch nicht enttäuschen will - somit letztendlich selbst in den sauren Apfel beißt. Zum wiederholten Male vielleicht.

Letztendlich finde ich die Sache recht einfach, wenn du die Chance, aus diversen Gründen verstreichen lässt, wirst du es dir im nachhinein vorwerfen und dich fragen, was wäre wenn ...

Klar, die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen, aber mein Gott, du bist verliebt in den Mann. Die Zeit kann für euch wunderschön werden, trotz den Einschränkungen. Ob er nun behindert ist oder nicht, es kann immer etwas vorfallen und die Beziehung geht in die Brüche. Manche Männer sind z.B. Schwanzbehindert und gehen fremd ;-)

Wäre ich an deiner Stelle, würde ich persönlich mit ihm reden und ganz offen sein. Sag ihm, du weißt zwar nicht wie es wird und was für Probleme auftreten, aber du willst die Erfahrung mit ihm machen und die Probleme mit ihm gemeinsam (versuchen) zu bewältigen. Liebe ist immer ein Spiel auf Risiko und ohne Sicherheit.

Nach gewisser Zeit könnt ihr auch zusammen ziehen, dann wäre das Wohnungsproblem auch dahin ...

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
 

Benutzer91008  (34)

Sehr bekannt hier
Ich glaube das es für ihn selbst noch ein großes Problem darstellt, sich vorzustellen wie er die Zukunft mit einer Frau planen sollte. Hier wäre wieder interessant ist er schon sein ganzes Leben lang an den Rollstuhl gefesselt oder erst seit einem gewissen Zeitpunkt? Das er dich darüber informiert was das alles mit sich bringen kann eine Beziehnung mit einem Rollstuhlfahrer einzugehen finde ich fair von ihm, nur sollte er dir auch die Möglichkeit lassen selbst zu entscheiden.
Für einige der angeführten Punkte kann man sicher Lösungen finden für andere auch nicht.
Deine Wohnung oder dein Elternhaus kann man sicher Rollstuhlgerecht machen.
Eine Rampe ist schnell mal gebaut, mit ein bisschen handwerklichem Geschick, andere technische Probleme wie z.B. zu schmale Türen lassen sich nicht so schnell beseitigen- aber das soll nun mal Nebensache sein.
Lern seine Welt einfach besser kennen, versuch seinen Alltag kennenzulernen.
Denk dann eingehend darüber nach was du fühlst, vorallem redet viel darüber.
Was sind es jetzt für sexuelle Einschränkungen die dich erwarten würden?
Wie weit wäre er im Alltag auf dich angewiesen wenn ihr zusammenwohnen würdet ?
Das mit dem Sex könnte sich ja später wenn ihr eine Beziehung eingeht auch regeln lassen,
vielleicht wäre er psychisch stark genug das er dir "erlaubt" manche sexuellen Bedürfnisse außerhalb der Beziehung auszuleben.
 

Benutzer120747 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo Du,


deine Gedanken sind gut nachvollziehbar und es ist wohl nur natürlich, dass Du dir deine Gedanken machst, da das Zusammensein mit einem Menschen mit Behinderungen vielleicht nicht zuletzt mehr Kompromissbereitschaft erfordert.

Deiner Erzählung nach, glaube ich schon, dass er Gefüle für dich hat und dich sehr gerne mag. Er wird vermutlich verunsichert sein, dass gerade ihm - als Mann, der im Rollstuhl sitzt - so eine tolle, *aus seiner Sicht* nicht vorurteilbehaftete und nicht oberflächliche Frau begegnet ist, die mit ihm zusammensein möchte. Da er seinen Lebensalltag genau kennt, wird er sich wohl fragen, ob es mit einer Frau, die nicht im Rollstuhl sitzt, dauerhaft funktionieren kann und ob er ihren *deinen* Bedürfnissen auch gerecht werden kann.
Meiner Meinung nach zeigt er dir durch sein Verhalten von Vorne herein auf, dass eine mögliche Beziehung mit ihm anders funktioniert und gibt dir die Zeit das vorab auch zu überdenken.
Er möchte dir, aber auch sich wahrscheinlich nicht nur Zeit, sondern vorallem wohl auch eine mögliche Enttäuschung ersparen, indem er kritisch hinterfragt, ob diese Beziehung überhaupt eine Chance hat.

Auf der anderen Seiten kann ein Mensch ohne Behinderungen jederzeit ebenso aus dem Leben gerissen werden und selber im Rollstuhl landen - sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall.
Wie würde sich ein/e Partner/in dann verhalten?
Es gibt Meschen, die dann einfach mit der Situation nicht mehr klarkommen, vielleicht auch bestimmte Lebenswünsche nicht mehr erfüllbar sind und den/ die Partner/in dann von heute auf morgen verlassen.
Aber es gibt auch genug Menschen, die ihren Partner so sehr lieben, dass sie ihre/n Partner/in nie verlassen würden, sondern lernen das Gegebene so zu akzeptieren wie es ist und versuchen, das Leben trotzdem weiterhin zusammen zu genießen.

Du hast einen entscheidenden Vorteil im Gegensatz zu jenen Menschen, die erst nachträglich erfahren, dass der/ die Partner/in im Rollstuhl sitzt, denn Du wusstest von Anfang an von seiner Behinderung und konntest dich bisher gut darauf einstellen.
Auch er hat vermutlich gelernt Zeit seines Lebens oder zumindest schon seit längerer Zeit damit umzugehen und wird nicht von heute auf morgen damit konfrontiert, dass sein Leben nun anders sein wird. Das kann ein großer Vorteil sein.
Du hast nun gewissermaßen die Wahl zu entscheiden, ob Du mit ihm zusammen sein willst oder nicht.


Ich finde, Du solltest dir zuerst über deine Gefühle, deine Wünsche und Ziele klar werden und dich fragen, ob Du bereit bist ggf. auf bestimmte Dinge zu verzichten bzw. diese anders anzugehen oder auch Lösungen zu möglichen alltäglichen Problemen zu finden, mit denen Ihr beide gut leben könnt.
Die offensichtlichen "Hürden" wie z.B. mögliche alltägliche Barrieren, Blicke und (abfällige )Bemerkungen durch andere Leute, nicht zuletzt sexuelle Bedürnisse können überwunden werden, wenn Du bereit bist und lernst, sie als solche zu akzeptieren und damit als selbstverständlich umzugehen. Es ist eine Einstellungsangelegenheit.

Dann, wenn Du dir sicher bist, dass Du es versuchen willst und somit einer Beziehung mit ihm eine Chance gibst, würde ich zuerst ein offenes Gespräch mit ihm suchen und darüber reden, was Du fühlst und dass Du dir eine Beziehung zu ihm vorstellen kannst. Und des Weiteren wie eine solche aussehen könnte bzw. was Ihr Euch wünschst und von dieser Beziehung erwartet.

Und sollte eine Beziehung doch nicht dein oder auch sein Wunsch sein, dann könnt Ihr ja trotzdem Freunde bleiben.

Ich wünsche dir ganz viel Glück und bin gespannt, wie es mit Euch beiden weitergeht.
 
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Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Das mit dem Sex könnte sich ja später wenn ihr eine Beziehung eingeht auch regeln lassen,
vielleicht wäre er psychisch stark genug das er dir "erlaubt" manche sexuellen Bedürfnisse außerhalb der Beziehung auszuleben.
also mit dem gedanken würde ich da jetzt aber nicht dran gehen - und es schonmal garnicht ansprechen.
 

Benutzer95608 

Planet-Liebe Berühmtheit
Wenn ich jemanden liebe, komme ich mit vielem zurecht ... nicht mit allem, aber mit vielem. Erst recht, wenn ich die Gelegenheit habe, offenen Auges auf etwas zuzugehen und zu schauen, ob ich auch zurechtkomme damit ...

Er will Dir nicht die Zeit geben, ihn kennen und lieben zu lernen? Tja, dann hat er seine Chance verpasst ...
Wenn er nicht bereit ist, das Risiko einzugehen, dass Du Dich irgendwann (warum auch immer) abwendest, dann hat eben Pech gehabt. Ihr beide ginget ein erhöhtes Gefühlsrisiko ein - darüber könnte man aber reden. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt ...

Ich hatte als junge Frau fast die gleiche Situation - verliebte mich in einen Rolli und er sich in mich.Waren ein paar Mal zusammen unterwegs, dann allerdings haben mir seine Eltern rigoros den Kontakt verboten und mich quasi aus der Wohnung geworfen.

Anmerkung: Für mich war die Behinderung im Kopf kein Thema - ich wusste allerdings, dass richtiger Sex möglich war, nur halt nicht in jeder Stellung. Das wäre mir genug gewesen - wenn Geschlechtsverkehr nicht möglich gewesen wäre, hätte mich das allerdings schon abgeschreckt.

Abgesehen davon: Dass der Lebenspartner von heute auf morgen durch einen Unfall oder eine Krankheit sehr eingeschränkt ist, kann immer passieren. Wenn die Beziehung und die Liebe gestimmt hat, dann rennen wohl die wenigsten Partner deshalb weg - sondern man macht gemeinsam das Beste daraus.

Liebe TS, vielleicht hilft Dir mein Beitrag, ihm das richtige zu antworten. Wenn Du allerdings jetzt schon große Bedenken haben solltest, ob Du wirklich mit einem Rolli zusammensein wolltest, dann lass gut sein und sag Lebewohl ...
 

Benutzer91008  (34)

Sehr bekannt hier
also mit dem gedanken würde ich da jetzt aber nicht dran gehen - und es schonmal garnicht ansprechen.

Würde ich auch nicht aber ich wollte nur vor Augen führen das es für viele Probleme eine Lösung geben kann,
das manches nicht so hoffnungslos scheint wie es oft wirkt
 

Benutzer91227 

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Für mich hört sich das ganze nach dem Ansatz einer "ernsthaften" Beziehung an. Und nach einem verantwortungsvoll handelnden Mann. Was könnte daran besser laufen?

Die Behinderung ist keine Hürde für Zuneigung, Hilfsbereitschaft (ganz im Gegenteil) und liebevollen Umgang.

Sie könnte vielleicht eine gewisse Herausforderung in Bezug auf Sex darstellen. Aber wenn Du Dich umhörst, welche Palette an sexuellen Vorlieben bei Männer so üblich ist (und wie Frauen darauf eingehen können), könnte es sei, daß Ihr alt werdet, BEVOR Ihr alles durchprobiert habt, was für Euch möglich ist. Und gleiches gilt für die andere Betrachtungsrichtung.

Selbst für die schnöde Standardtechnik "Glied in Scheide" gibt es in aller Regel Möglichkeiten, das mit Behinderung des Mannes hinzukriegen. Da ist zwar der direkte Signalweg vom Gehirn übers Rückenmark nicht benutzbar, aber es gibt auch Reizverfahren über den "kurzen Dienstweg", die das Instrument zum Stehen bringen.

Die Hormonausschüttungen jedenfalls dürften ihm genauso bekommen wie jedem anderen Mann, und auch der Samenerguß dürfte gleiche Empfindungen auslösen. Es kommt halt drauf an, eine Technik zu finden, mit der man ihn auslösen kann ohne die direkte Verbindung zwischen Hirn und Schwanz.

So eine Herausforderung zu meistern könnte dafür doppelt erfüllend sein. Als Hinderungsgrund jedenfalls würde ich das nicht betrachten.

Was den Haushalt angeht, wirst Du Dich bei jemandem, der Dich so eindringlich auf die Probleme aufmerksam macht, darauf verlassen können, daß er sehr gut weiß, was seine Schwierigkeiten sind und wie er mit denen umgehen kann. Ich sehe da eher überhaupt keine Probleme auf Dich zukommen. Das einzige, was Du akzeptieren mußt, ist, daß er eine behindertengerechte Umgebung benötigt. Aber heutzutage ist das keine Hürde mehr im Sinne von "geht nicht", höchsten eine im Sinne von "geht nicht alles vollkommen wahlfrei". Andererseits wirst Du als Begleiterin eines behinderten Partners auch in den Genuß einer Reihe von Vergünstigungen kommen, die eben darauf angelegt sind, einen Nachteils-Ausgleich für solche Familien herbeizuführen.

Was das zwischenmenschliche im Alltag gegenüber dem Rest der Welt angeht: Da könnte ich schon wieder Romane schreiben... Also ich könnte mit meinen eigenen Empfindungen als Partner meiner behinderten Freundin anfangen: Ich betrachte mich in der Öffentlichkeit als ihr Helfer und Verteidiger. Das hat soweit ausschließlich psychisch aufbauende Effekte. Ich hatte noch nie etwas in der Art wie Depressionen wegen ihrer Behinderung. Ich würde eher sagen: das ganze Gegenteil. Denn unfreundliche Behandlungen aufgrund ihrer Behinderung sind äußerst selten. (Womit nicht gemeint ist, daß es nie Probleme geben würde, aber die Einstellung der Menschen ist doch im überwiegenden Teil "hilfsbereit" oder zumindest "tolerant".) Und WENN es mal ein Problem gibt, dann bin ich es eben, der helfend eingreifen darf, was ich ganz und gar nicht als negativ empfinde.

Fazit: Wenn Dir WIRKLICH etwas an ihm liegt, mach ihm klar, daß Du seine Argumente zur Kenntnis genommen und sorgfältig gegen Deine Zuneigung und Deine Fähigkeiten abgewogen hast, sie dem aber letztlich nicht genug Gewicht entgegensetzen konnten und er sich deshalb in sein Schicksal ergeben muß.

Außerdem: Ihr KÖNNT diese Beziehung doch auch erstmal ganz ruhig angehen und sehen, wie sie sich entwickelt?! Natürlich wäre ein Trennungsschmerz umso größer, je länger man sich aneinander gewöhnt hat, aber es gehen doch so ziemlich ALLE Beziehungen so los, oder? Und bislang hört sich doch nichts danach an, daß Ihr schon über irgendwelche tatsächlichen sachlichen Anlässe gestolpert wärt, die in Richtung ABNEIGUNG zielen könnten, oder?! Ihr habt doch bisher nur rein hypothetische Betrachtungen angestellt (also: ER hat davor gewarnt), daß es irgendwann mal möglicherweise zu sowas kommen können täte.
Na und?!
 

Benutzer120747 

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Hallo janina,

es kommt eben darauf an, welche Einstellungen Ihr zum Leben habt und was ihr beide davon erwartet.
Wenn seine Behinderung für dich und auch für ihn ansonsten kein Problem darstellen, dann macht keines daraus!

Ich würde es erst recht nicht davon abhängig machen, dass andere Leute komisch auf Euch als Paar reagieren könnten (deren Meinung, wenn sie einem nicht derart nahestehen, sowieso in diesem Fall egal sein sollte).
Wenn Du dir sicher bist, dass Du es versuchen willst, dann nimm ihm diese Unsicherheit und Zweifel durch ein Gespräch!
Möglicherweise hat Sititojo in dieser Hinsicht Recht. Auch mein Eindruck ist, dass er dahingehend vielleicht noch etwas verunsichert ist. Aber es ist doch normal, wenn sich eine Beziehung anbahnt, dass man sich einige Fragen stellt - er denkt halt schon im Vorfeld auch mit an dich und deine Bedürfnisse.

Wenn Du mal bedenkst, es gibt ja so schon genug Menschen ohne jegliche Behinderung, die ein geringes Selbstbewusstsein haben, und sich generell fragen, warum der/die Partner/in überhaupt an ihnen interessiert ist (usw.). Wenn jemand eine Behinderung hat (je nach Schweregrad) kommt es wirklich darauf an, wie er/ sie zu sich selber und seiner Behinderung steht und damit umgeht. Ob er gut damit umgehen kann oder nicht und ob er eher selbstbewusst ist oder nicht, kannst jetzt nur Du beurteilen .

Betrachte nicht zuletzt die Paralympics *jetzt als Extrembeispiel* sondern durchaus Menschen mit Behinderungen, die dir im Alltag, evt. im Berufsleben oder auch auf der Straße begegnen.
Viele dieser Personen haben/ vermitteln soviel positive "Lebensenergie" und sind so zielstrebig und lebensbejahend - es ist einfach nur bewunderswert.
Ich habe oftmals das Gefühl, dass gerade diese Menschen Ihre Behinderung nicht in den Vordergrund stellen und einfach Ihren Traum leben bzw. sie machen das Beste daraus. Sie wollen nicht bemitlleidet, sondern respektiert und ganz "normal" behandelt werden.
Und manche Menschen mit Behinderung werden aktiver sein als manch einer ohne Behinderung.

Wichtig ist erst einmal, was Du für ihn empfindest und er für dich und das Ihr beide Spaß miteinander habt. Alles Weitere kann sich dann mit der Zeit entwickeln.
Das würde ich an deiner Stelle - wie zuvor bereits angesprochen - aber persönlich mit ihm klären und nicht per E-Mail/ Anruf (etc). Du kannst ihm ja z.B. antworten, dass Du gerne mit ihm darüber sprechen möchtest und dich auf ein erneutes Treffen mit ihm (sehr) freust/ dich (sehr) freust ihn wiederzusehen. Verabredet Euch und seht was dann weiter, was sich bei dem Gespräch ergibt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer117414 

Verbringt hier viel Zeit
Vielen, vielen lieben Dank für eure zahlreichen Antworten! Danke, dass ihr mir Mut gemacht habt und eure Meinungen so zahlreich geschrieben habt.

Hier wäre wieder interessant ist er schon sein ganzes Leben lang an den Rollstuhl gefesselt oder erst seit einem gewissen Zeitpunkt?
Er hatte mit 12 Jahren einen Unfall und ist seitdem ab dem Bauchnabel gelähmt.

Ist euch eigentlich auch mal in den Sinn gekommen, das der Rollstugfahrer ernsthafte Probleme mit seiner Behinderung hat, psychischer Natur? Es sich selber nicht ganz akzeptieren kann wie er ist, es im Grunde tut, aber da er sich selber nicht leiden kann und somit es nicht verstehen kann, das eine Frau sich zu ihm hingezogen fühlt? Trotz seiner "Abnormalität"?
Als ich die Nachricht von ihm gelesen habe, habe ich mir das auch gedacht, allerdings glaube ich das irgendwie nicht. Denn er ist ein wirklich selbstbewusster Mensch, der offen mit seiner Behinderung umgeht und dazu steht, er ist beliebt und hat viele Freunde. Also denke ich nicht, dass er nicht damit klarkommt.

Was sind es jetzt für sexuelle Einschränkungen die dich erwarten würden? .
Also wir haben über dieses Thema jetzt noch nicht so ausführlich gesprochen aber er meinte, dass es möglich wäre das er eine Erektion bekommt. Von dem her wären die Einschränkungen für mich nicht soo groß, und ich meine es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten eine Frau zu befriedigen :zwinker:

Wie weit wäre er im Alltag auf dich angewiesen wenn ihr zusammenwohnen würdet ?
Er hat eine eigene Wohnung im Haus seiner Eltern und soweit ich das mitbekommen habe, als ich bei ihm war, macht er eigentlich so ziemlich alles alleine. Also er ist selbstständig, es wäre also wahrscheinlich nicht so, dass ich mich ständig um ihn kümmern müsste. Was mich aber auch nicht stören würde, denn wenn ich einen Menschen liebe, dann mache ich sowas gerne..


Also ich habe nochmal lange und ausführlich darüber nachgedacht, sowohl über eure Meinungen, als auch über seine Nachricht und sein Verhalten. Ich habe mir nochmal alles durch den Kopf gehen lassen und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er mir wirklich wichtig ist und ich ihn nicht verlieren will, deshalb werde ich um ihn kämpfen bzw. wagen eine vielleicht etwas kompliziertere (also in Sachen wie z.b verreisen usw.) Beziehung mit ihm einzugehen.
Ich habe ihm also geschrieben, dass es zwar nett von ihm ist, dass er mich quasi vorwarnt und auf alle Dinge hinweist, dass ich mir diesen allerdings schon länger bewusst war und wenn mich das abgeschreckt hätte, wäre ich sicher nicht zu ihm gefahren und hätte jeden Tag stundenlang mit ihm telefoniert. Und dass wir darüber persönlich sprechen sollten, deshalb fahre ich morgen zu ihm.

Ich werde euch berichten, wie es abgelaufen ist und wie es weiter geht :zwinker:

Lg

 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Erst mal möchte ich Neverys Vorschlag voll und ganz unterstützen!
Suche das direkte Gespräch mit ihm über diese Probleme. Wenn nicht von Angesicht zu Angesicht, was entfernungsbedingt wohl schwierig ist, dann wenigstens per Skype inkl. Webcam-Einsatz oder wenn es gar nicht anders geht, telefonisch. - Je weniger Information übermittelt wird (Stimmlage, Mimik, Gestik, usw.), desto eher kommt es zu Missverständnissen - und die rein textgebundene Kommunikation per Mail, Chat, o.Ä., ist deshalb in einem solchen Fall wirklich die mit Abstand schlechteste Möglichkeit.

Was wirklich hinter dieser Nachricht steckt und wie es mit euch möglicherweise weiter geht, könnt ihr dann in diesem Gespräch herausfinden.
Wir können hier nur mutmaßen, ob er evtl. mit seiner Behinderung selbst nicht wirklich zurecht kommt, ob er schlechte Erfahrungen in vorherigen Beziehungen mit Fußgängerinnen gemacht hat, ob er einfach nur seinem Glück nicht traut, einer so hübschen Fußgängerin zu begegnen, die nicht wie so viele andere Menschen gleich große Vorbehalte ihm gegenüber hat, ob er vermutet, dass du eine Ameloatistin bist, etc.
Aber wir können all das nicht wissen. Das müsst ihr besprechen.

Und ebenso musst du dir natürlich auch überlegen, ob du es dir zumindest vorstellen kannst, mit den angesprochenen Schwierigkeiten in einer möglichen Beziehung zurecht zu kommen oder nicht.
Eine solche Beziehung völlig blauäugig mit der Einstellung "Das wird schon klappen, wenn die Liebe nur groß genug ist" anzugehen, halte ich doch für wenig erfolgversprechend.

Als gesunder Fußgänger ohne entsprechede Erfahrungen kann man es sich z.B. kaum vorstellen, wie es ist, andauernd die Blicke der Anderen anzuziehen, andauernd mit Vorbehalten konfrontiert zu werden, usw. - Und ihr als Paar wäret sicherlich in den Augen Vieler ein Kuriosum, das kritisch beäugt werden muss.
(Ich kenne so etwas Ähnliches, weil es in meiner Familie eine auf andere Art recht offensichtlich behinderte Person gibt, die dementsprechend auch viele Blicke auf sich zieht und mit Vorurteilen, Vorbehalten, Berührungsängsten, usw. konfrontiert wird. - Und damit muss man auch als Angehöriger erst mal zurecht kommen. Selbst manchen Eltern fällt das mit ihrem eigenen Kind sehr schwer...)

Dass eine Beziehung zwischen Fußgänger und Rollstuhlfahrer funktionieren kann, sieht man z.B. in der wunderschönen Liebesgeschichte von Dunsti und ihrem Verehrer, die man sicherlich noch irgendwo in den Untiefen dieses Forums finden kann...

Und so, wie ich es gerade gelesen habe, wollt ihr die Sache ja auch unter vier Augen besprechen, was ich wirklich für die beste Möglichkeit halte.
Es stimmt zwar was er sagt, aber man muss einfach in so einer Situation erstmal davon ausgehen, dass die andere Seite weiß womit sie es zu tun hat und worauf sie sich einlässt. In dem Fall sieht es aber aus wie ein Erwachsener der einem Kind sagt "Geh da nicht hin, da tust du dir weh".
Ich hätte an seiner Stelle (gut, vielleicht weiß ich auch nicht wie man sich als Rollstuhlfahrer fühlt) nichts gesagt und das einfach erstmal mit dir genossen und dir die Zeit gegeben das selbst für dich zu entdecken ob das was für dich ist.
Auch wenn ich es - genau wie du - recht unglücklich finde, wie er auf ein mal diese großen Zweifel offenbart, bin ich da doch anderer Meinung:
Um Enttäuschungen zu vermeiden, ist es sicherlich sinnvoll, mögliche Probleme frühzeitig anzusprechen und die Sache nicht einfach so völlig unbedarft auf sich zukommen zu lassen.
Als Fußgänger kann man sich nun mal nicht unbedingt vorstellen, welche Schwierigkeiten es wo geben könnte und möglicherweise hat der Rollifahrer hier schon die eine oder andere schlechte Erfahrung gesammelt, weil früher eine Beziehung mit einer Fußgängerin an irgendwelchen Dingen gescheitert ist, mit denen sie nicht zurecht kam.

Und weiterhin ist es als Fußgänger vielleicht doch praktisch, auf gewisse Probleme vorbereitet zu sein, mit denen man selbst überhaupt nicht rechnet, um nicht so überrascht und überfordert zu sein, wenn sich plötzlich ein völlig unerwartetes Problem zeigt. - Damit kann man sicherlich der einen oder anderen Kurzschlussreaktion vorbeugen.

Und wenn er sich verliebt und dann verlassen wird, na und? Es kann nicht mehr weh tun als nie eine Freundin zu haben. Dann hat er wenigstens Erfahrung gesammelt.
Er könnte ja z.B. auch eine Beziehung mit einer Rollstuhlfahrerin haben, die aufgrund ihrer eigenen Behinderung und den damit verbundenen Erfahrungen evtl. besser mit den behinderungsbedingtne Schwierigkeiten in der Beziehung umgehen kann.

Off-Topic:
[...] Rohlstuhl bedeutet nämlich extreme Einschränkung, nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die Freundin. Davon hat sie sogar schon einige Dinge genannt: Er kann sie nicht in ihrer Wohnung besuchen, sie können nie "normalen" Sex haben, sie können nie in die Disco gehen und tanzen, keine Spaziergänge machen, nicht schwimmen gehen, selbst das Urlaub fahren dürfte extrem schwierig werden ...
Ich glaube, du stellst dir die Sache gerade so schlimm vor, wie sie längst nicht bei jedem Rollstuhlfahrer ist. - Nur mal ein paar Denkanstöße und Beispiele:
Die Einschränkungen beim Sex sind eine sehr individuelle Sache, die man sicherlich nicht auf alle Rollstuhlfahrer verallgemeinern kann.
Aus der Schule kenne ich einen Rollstuhlfahrer, der auf fast jeder Party seiner Schulfreunde (allesamt Fußgänger) ein gern gesehener Gast war, der mit ihnen um die Häuser zog, in Discos ging und auch auf der Tanzfläche eine Menge Spaß hatte.
Spaziergänge, bzw. für den Rollifahrer eben Spazierfahrten dürften nun wirklich das kleinste Problem darstellen, sofern man sich auf einigermaßen brauchbaren Wegen bewegt und nicht gerade querfeldein durch den Wald spazieren oder Alpengipfel erklimmen will (was für mich definitiv kein Spaziergang mehr ist). Selbst ein in meiner Nähe wohnender, an recht weit fortgeschrittenem Muskelschwund leidender Elektro-Rolli-Fahrer unternimmt mit seiner (ähnlich stark eingeschränkten) Freundin Spazierfahrten mit dem Rollstuhl.
Und Urlaube sind zwar sicherlich - genau wie der Alltag - mit verschiedenen Einschränkungen verbunden, aber auch hier gibt es für Rollstuhlfahrer viele Möglichkeiten.

Deine Bedenken treffen in vollem Umfang höchstwahrscheinlich auf Leute zu, die wie Stephen Hawking im Rollstuhl sitzen und fast gar nichts mehr können, aber definitiv nicht auf mobile, sportliche Rollifahrer wie den "Angebeteten" von _janina_.

Falls du dich in dieser Hinsicht ein wenig weiterbilden und deine Vorurteile überdenken willst, empfehle ich dir den Blog von Stinkesocke.
 
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