Beziehung ist wie ein drückender Schuh

M

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Gast
hey,
meine zweite Beziehung ist jetzt beendet und mir ist bewusst geworden, dass ich mich wieder viel zu sehr angepasst habe.
Meine bisherigen Partner waren beide sehr speziell von ihrer Art her. Für den ersten bin ich quasi zu einem Sexvamp geworden, was ich eigentlich gar nicht bin. Er hatte genaue Vorstellungen wie seine Traumfrau aussehen sollte, Nagellackfarbe, Kleidung, Thema Sex. Er war halt mein erster Freund und ich hab mich wie ein unbeschriebenes Buch gesehen, war neugierig und bereit Dinge auszuprobieren. Ich hab mich einfach als flexiblen Menschen gesehen der sich auch auf sowas einlassen kann, im Nachhinein ist mir das Ganze definitiv too much, es war eher eine Rolle die ich eine ganze Weile gespielt habe.
In meiner zweiten Beziehung habe ich mich sehr an meinen Partner angepasst, habe auf viele Dinge verzichtet die in Beziehungen normal sind (letztendlich waren seine Gefühle für mich schon ne ganze Weile weg und er konnte mir wahrscheinlich deswegen die meisten Dinge in einer Beziehung nicht mehr geben, ich hatte immer ein komisches Gefühl aber dachte, vielleicht ist er halt einfach so und ich muss ihn nehmen wie er ist). Keine Nachrichten wie ich vermisse dich, nie ein "ich liebe dich", wenig Körperkontakt wie Händchen halten in der Öffentlichkeit, haben am Wochenende kaum was unternommen, das hat mich gestört, ich habe es gesagt, aber halt hingenommen wenn er zu ko war vom arbeiten. Ich dachte, ok, er ist halt so, es ist auch seine erste Beziehung und vielleicht bedeutet sein ich mag dich = ich liebe dich, Körperkontakt in der Öffentlichkeit mag halt nicht jeder, auch dass wir immer nur smalltalk geschrieben haben ohne herzliche Worte nahm ich hin, "er ist halt so".

Ich bin jetzt so ein bisschen schockiert über mich ^^ Auf der einen Seite denke ich, dass ich einfach noch sehr beziehungsunerfahren bin und es gerade bei der ersten Beziehung halt nicht besser wusste. Ich war davor quasi mein Leben lang Single und es war aufregend, jemanden zu haben der einem neue Einblicke gegeben hat was Sex, was erleben, ausprobieren, reisen etc. gegeben hat.
Bei meiner zweiten Beziehung fehlte mir vielleicht die Gewissheit dass er nicht mehr Gefühle für mich hat. Ich war ständig verunsichert, aber prinzipiell waren die Wochenenden mit ihm schon okay, kein Streit, haben auch gekuschelt und so, ich glaube ich hab mich daran gewöhnt und mich damit abgefunden, dass die Zeit mit ihm okay ist. Ich weiß irgendwie gar nicht, wie es sich anfühlt, total in einer Beziehung aufzugehen, angekommen zu sein, sich geliebt zu fühlen, glücklich zu sein, zu strahlen, einen Partner zu haben der einem sehr vertraut ist, der einem zurückmeldet dass man eine große Bereicherung für sein Leben ist.... Vielleicht hatte ich so eine Beziehung einfach noch nicht :/

Daher frage ich mich, wie ich das bei der nächsten Beziehung besser angehen kann? Ich habe Angst, mich wieder anzupassen, mich automatisch zurückzunehmen etc. Für mich ist es aber auch gar nicht einfach zu sagen was ich mir von einer Beziehung verspreche, deswegen äußere ich das nicht gegenüber meinen Partnern und dann kippt das Ganze vielleicht automatisch.
Ich hab dieses anpassen, flexibel sein, auf ihn eingehen primär gar nicht als "Schwäche" oder als was Negatives von mir gesehen, mir ging es ja nicht schlecht in den beiden Beziehungen, es fühlte sich nur immer etwas unrund an.
Es ist wie ein Schuh der drückt, den man aber trotzdem immer wieder anzieht weil man sich nicht vorstellen kann dass es auch Schuhe gibt die nicht drücken. Und man gewöhnt sich ja auch an einen drückenden Schuh und irgendwann spürt man die Stelle gar nicht mehr bis dann der Partner auf die Stelle zeigt und sagt: Der Schuh drückt, er passt nicht mehr. Wir müssen ihn ausziehen. Erst dann realisiere ich: Stimmt, der Schuh hat die ganze Zeit gedrückt und du bist trotzdem damit weiter gelaufen, nicht gut.

Ich wünsche mir einen Schuh der passt :smile:
Vielleicht kennt jemand dieses Phänomen und weiß, wie man es vermeiden kann.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Sehr interessante Gedanken machst du dir :smile:

Ich lese ehrlich gesagt bei dir nicht nur raus, dass du dich unterordnest, sondern vor allem auch, dass deine Partner eben nicht auf dich und deine Wünsche eingegangen sind. Es ist ja nicht nur so, dass du nicht wusstest, was du wolltest (bei deinem zweiten Partner wusstest du ja, dass du gerne mehr Gefühls/Zärtlichkeitenaustausch gehabt hättest), sondern deine Partner sich weniger nach dir gerichtet haben als du dich nach ihnen. Insofern würde ich mich an deiner Stelle auch mal fragen, warum du gerade an solche Partner geraten bist und was du an ihnen attraktiv fandest. Vielleicht war es auch nur Zufall, dass beide "speziell" waren (wie du schreibst), vielleicht gibt es ein Muster.
 

Benutzer36879 

Benutzer gesperrt
Ich weiß irgendwie gar nicht, wie es sich anfühlt, total in einer Beziehung aufzugehen, angekommen zu sein, sich geliebt zu fühlen, glücklich zu sein, zu strahlen, einen Partner zu haben der einem sehr vertraut ist, der einem zurückmeldet dass man eine große Bereicherung für sein Leben ist.... Vielleicht hatte ich so eine Beziehung einfach noch nicht :/
Das hast du in der Tat noch nicht. Auf jeden Fall sind das doch super Gedanken, die auch Sinn ergeben.
Nur mal so: solange die andere Person nicht passt und nicht wirklich liebt, wird das auch nix. Da kannst du noch so viel schustern und zimmern.
Deshalb: höhere Anforderungen. Ganz klar aussortieren. Wenn er nicht mal am Anfang(und darüber hinaus) zärtlich ist, wird er es später erst recht nicht.
Die Frage ist nur, ob die, die du dir vorstellst, auch etwas von dir wollen und ob du sie überhaupt triffst in deinem Leben.
 

Benutzer159449  (31)

Sorgt für Gesprächsstoff
Wie sehr hast du denn deine Wünsche artikuliert? Aus den Texten klingt ja erstmal so, als ob du doch sehr devot wärst. Gerade bei der ersten Beziehung schreibst du ja, dass du seinen Wünschen nachgekommen bist. Bei der zweiten wusstest du ja dann schon eher was du wolltest, sprichst aber nicht darüber, ob du es einfach so hingenommen hast, wie es war, oder ob deine Versuche gescheitert sind.
 

Benutzer95608 

Planet-Liebe Berühmtheit
Daher frage ich mich, wie ich das bei der nächsten Beziehung besser angehen kann? Ich habe Angst, mich wieder anzupassen, mich automatisch zurückzunehmen etc. Für mich ist es aber auch gar nicht einfach zu sagen was ich mir von einer Beziehung verspreche, deswegen äußere ich das nicht gegenüber meinen Partnern und dann kippt das Ganze vielleicht automatisch.

Der Verlauf meiner Beziehungen war bei mir in Deinem Alter ähnlich. Und ich habe auch danach die unterschiedlichsten Partner in meinem Leben gehabt und bin eigentlich immer gut zurecht gekommen, auch wenn ich mich viel nach meinen Partnern richtete. Ich war und bin auch mit mittlerweile über 50 immer noch sehr anpassungsfähig, flexibel - bin bereit mich auf neues einzulassen, bin in vielem nicht festgefahren, also aufgeschlossen.

Ich finde das sind sehr gute Eigenschaften, ideal zum Gelingen einer Beziehung ... aber nicht so gut ist, wenn man sich dabei "verliert" und nur noch mit und in dem Strom des anderen schwimmt. Das habe ich aber erst mit Anfang 40 so richtig begriffen, dass mir irgendwas fehlt, ich gar nicht so richtig wusste: wer bin ich ohne den anderen? ... für viele Menschen ist das ein langer Prozess. Nichts, um was man sich eigentlich Sorgen machen müsste, denke ich mal - so lange es im normalen Rahmen liegt.

Dann habe ich erstmal eine Zeitlang alleine gelebt um überhaupt festzustellen, was ich für mich brauch ... ich habe Macken, Vorlieben, Vorstellungen, Abneigungen und eigene Interessen entwickelt. Und von denen bin ich in meiner neuen Beziehung nach dem Single-Dasein auch nicht abgewichen - warum auch, ich wollte eigentlich gar keine Beziehung mehr - ich kam gut alleine klar ... und dann sind dieser Mann und ich doch über Monate mit unseren Macken und allem drum und dran wider Erwarten zusammengewachsen und es ist ziemlich viel Liebe und sogar eine Hochzeit daraus geworden ... wenn was für einen nicht passt, wirds gesagt und gemeinsam überlegt, wie man es nun macht - entweder wie er will, oder wie ich will - oder wir finden einen Kompromiss. Wir machen gerne was für den anderen ... sehr gerne sogar. Aber jeder darf doch immer noch er selbst bleiben und auch mal NEIN sagen, ohne jede Scheu, dass das den anderen verletzen oder nerven könnte. Wir sind öfter am verhandeln, wie wir dies und jenes nun regeln ... das ist überhaupt nicht stressig. Ich kann mich nach acht Jahren nicht an einen einzigen Streit erinnern ...

Der Schlüssel ist von daher: sich selbst treu und in gewisser Weise "selbstständig" bleiben ... und den Mund aufmachen und zwar gleich, nicht erst Tage, Wochen oder gar Jahre später. Das erfordert einen gewissen Mut - muss ich zugeben, ich war anfänglich wahnsinnig stolz auf mich ... bis es ein Selbstläufer wurde. Und seitdem gehts mir klasse. Da drückt nix mehr ...
 
M

Benutzer

Gast
Wie sehr hast du denn deine Wünsche artikuliert? Aus den Texten klingt ja erstmal so, als ob du doch sehr devot wärst. Gerade bei der ersten Beziehung schreibst du ja, dass du seinen Wünschen nachgekommen bist. Bei der zweiten wusstest du ja dann schon eher was du wolltest, sprichst aber nicht darüber, ob du es einfach so hingenommen hast, wie es war, oder ob deine Versuche gescheitert sind.

Bezüglich des "nichts mehr unternehmen" habe ich ihm deutlich gesagt dass mir das zu wenig ist.
Bei den "zu wenig Zährtlichkeiten" in der Öffentlichkeit dachte ich halt echt, er ist nun mal so. Wenn wir unter uns waren ist er immer sehr liebevoll gewesen, wir haben ständig gekuschelt.
Trotzdem hat es letztendlich schon länger nicht mehr gepasst, mein ex lebt in einer ganz festen Struktur, er war mal ne Weile Sportprofi und hat sein ganzes Leben lang auf seinen Sport ausgerichtet. Er hat quasi seine Jugend verpasst und muss da noch einiges nachholen. Er kauft z.b immer die gleichen Lebensmittel, Mittags Kantine, abends belegtes Brot, jeden Tag das gleiche.
Er geht mehrmals die Woche ins Fitnessstudio oder aufs Rad, er hat keine Freunde die er mal außer zum Radfahren trifft. Kein Bier trinken, kein feiern gehen, keine Grillabende , nichts. Arbeit-Sport-am Wochenende ich, das war sein Leben.
Filme schauen ist mit ihm schwierig weil ihm kaum was gefällt. Er hört immer die gleiche Musik...

Ich bin noch nicht bereit, meine Zeit zu zweit auf ner Couch in nem kleinen Kaff zu verbringen.
Ich wünsche mir einen aktiven, kommunikativen Freund, der Lust hat mit mir was zu unternehmen, zu reisen, der bereit ist Neues auszuprobieren und nicht immer einer festen Struktur folgt. Schön wären gemeinsame Freunde, ich bin total gerne unter Menschen, zusamen was trinken gehen, feiern, hätte ich total gerne.
Da habe ich aber bei ihm auch keine Ansatzpunkte gesehen, so nach dem Motto: Freund, deine Welt ist so klein, du musst mehr draus machen, so wird man doch nicht auf Dauer glücklich. Letztendlich muss er herausfinden was für ihn das richtige im Leben ist, für mich war das nichts mehr und deswegen ist es Zeit zu gehen :smile:
 

Benutzer157424 

Verbringt hier viel Zeit
Da kommen bei dir doch schon einige Punkte auf, die du dir bei deinem nächsten Freund wünscht und auf die du dann achten solltest. Und dann vielleicht auch konsequent sagen: Nein, danke! wenn einer nicht diesen Kriterien entspricht.

Aber viel wichtiger finde ich: Bevor du dir die nächste Beziehung suchst, lerne dich selbst kennen. Ich war lange allein, bevor ich meinen Partner kennen gelernt habe und habe mich so gut einschätzen gelernt, dass ich wusste, was mir bei einem Partner und einer Beziehung wichtig ist. Und ich kann auch für die Dinge einstehen, die mir wirklich wichtig sind. Natürlich kannst du auch mit jeder Beziehung etwas lernen, aber dann brauchst du danach auch die Reflektion, die du hier auch leistest. Daher denke ich, dass du auf einen guten weg bist, ich würde mich aber nicht in die nächstbeste Beziehung stürzen.

Und wenn du Dinge tust, die du liebst, ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, andere Menschen kennen zu lernen, denen das auch wichtig ist.
 
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