Beziehung halten schwer gemacht

Benutzer176712 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo zusammen,

ich möchte euch nach eurer Meinung über etwas fragen, das mir schwer fällt selbst einzuschätzen. Zudem schäme ich mich auch für einiges dessen, was ich in diesem Beitrag anspreche.

Seit meiner Jugend hatte ich einige Beziehungen, die ich eher leichtfertig eingegangen bin. Tatsächlich musste ich bisher nie den ersten Schritt tun. Ich musste lediglich ja sagen und das tat ich. Es mag euch wenig überraschen, wenn ich sage, dass die Beziehungen nie von Dauer waren. Sie waren immer liebevoll und ich habe stets alles daran gesetzt ein Gentleman und ein guter Partner zu sein. Umso überraschender mag es klingen, dass derjenige, der die Beziehung letztlich beendete, ich gewesen bin. Ausnahmslos. Das hat meine damaligen Partnerinnen sehr getroffen. Und auch ich habe einige schlimme Erinnerungen an diese Gespräche. In meiner ersten Beziehung (ich war 18, sie 19) drohte sie mir sich umzubringen. Sie ging soweit sich während ich mit ihr redete eine Schere zu holen und sich nahe der Pulsader zu ritzen. Ich habe ihr die Schere aus der Hand gerissen und die ganze Nacht versucht sie zu beruhigen. Ich weis noch, dass ich damals direkt von dort zur Arbeit fuhr, weil ich so lange wartete bis sie eingeschlafen war. Ich habe sie nie verletzen wollen und dennoch kam ich jedes mal an den Punkt, an dem ich mir nicht mehr vorstellen konnte die Beziehung noch länger aufrecht zu erhalten. Ich war jedes mal verliebt, jedes mal glücklich. Bis zu dem Zeitpunkt. Es war nicht nur ein Tag an dem ich so dachte. Es zog sich über Monate des Grübelns und der Zweifel.

Nun liegt meine letzte, längste und schönste Beziehung einige Jahre zurück. Ich hatte mich mit ihr verlobt. Wir waren wirklich glücklich zusammen. Ich war mir so sicher. Ich habe sie unfassbar geliebt. Wir haben uns gegenseitig ergänzt, verstanden und unterstützt. Es war die glücklichste Zeit an die ich mich erinnern kann... Dennoch könnt ihr euch vorstellen, dass es auch in dieser Geschichte kein Happy End gab. Das schlimmste für mich ist, dass ich mich nicht einmal mehr an den Grund erinnern kann. Aber ich habe die Beziehung beendet. Noch heute habe ich vor Augen wie sie mich damals angesehen hatte. Es folgten die schlimmsten Jahre meines bisherigen Lebens. Voller Selbstzweifel und Schuldgefühle.
- Ich möchte mich hier in keiner Weise aus der Verantwortung ziehen, rechtfertigen oder in einer Opferrolle darstellen! -
Ständig kamen die Erinnerungen auf, ständig kam die immer gleiche Frage auf. Warum? In der Erinnerung an meine vorherigen Beziehungen hatte ich diese sehr konsequent beendet. Als wollte ich von jetzt auf gleich nichts mehr mit all dem zu tun haben. Ich schämte mich so sehr dafür, dass ich mich trotz ihres Angebotes jahrelang nicht meldete. Nach drei Jahren hatte ich immernoch wiederkehrende Albträume und auch Träume in denen wir wieder zusammen kamen. Ich wachte jedes mal heulend auf. All die Zeit hatte es mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Also fasste ich endlich den Entschluss sie wieder zu kontaktieren. Sie lies sich auf ein Gespräch ein, wofür ich ihr ewig dankbar sein werde. Ich hatte sie damals wirklich stark verletzt. Dennoch hat sie ihr Leben im Griff. Alleine das zu wissen, half mir sehr. Ich konnte bei dem Gespräch dennoch kaum aufhören zwischendurch immer wieder in Tränen auszubrechen. Am Ende einigten wir uns beide darauf mit der Sache abzuschließen und den Kontakt nicht wieder aufzunehmen. Ich bewundere bis heute ihre Stärke. Jedenfalls konnte ich auch langsam damit abschließen und mein Leben wieder sortieren. Ich habe sehr viel an mir und in meinem Leben geändert. Habe auch intensiv über das Thema Liebe und Beziehungen nachgedacht.

Nun fühlte ich mich auch wieder bereit Frauen kennenzulernen. Und ich lernte eine wundervolle Frau kennen. Dieses mal habe ich den ersten Schritt gewagt, was mir sehr wichtig war. Wir treffen uns seit einigen Monaten Regelmäßig und lassen es langsam angehen. Dennoch merke ich, das ich mich in sie verliebt habe. Und wie...
Auch sie sagt mir oft, dass sie mich sehr mag und immer wieder vermisst.

Nun kommen wir zur eigentlichen Frage. Mach allem was bisher passiert ist, habe ich Angst. Auch wenn ich vieles gelernt habe in den letzten Jahren und auch das Gefühl habe, das es sich mit ihr anders anfühlt... Käme ich wieder an den Punkt, an dem die Zweigel aufkommen? Könnte ich dieses mal standhalten und mich aktiv für die Beziehung entscheiden?

Ich will keine Beziehung mehr beenden müssen. All die Jahre wegwerfen... Familie und Freunde verlieren, Erinnerungen verblassen sehen... Einen Menschen so sehr verletzen... Sie so sehr verletzen... Ich habe bereits den Entschluss gefasst, mit ihr darüber zu sprechen, falls ich mich dazu entschließe es mit ihr zu versuchen. Ich möchte mir dieses mal wirklich sicher sein. Aber wie? Was heut euch damals überzeugt, das sie oder er die oder der Richtige ist? Habt ihr eine ähnliche Erfahrung machen müssen wie ich? Wie geht ihr damit um? Was sagt ihr generell zu der Situation? Haltet ihr es für unverantwortlich von mir, es überhaupt noch einmal versuchen zu wollen?

Ich danke euch vorab für eure Antworten und hoffe der Beitrag ist nicht zu lang geworden. Nur irgendwie hängt ja doch alles zusammen.
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Was sagt ihr generell zu der Situation? Haltet ihr es für unverantwortlich von mir, es überhaupt noch einmal versuchen zu wollen?
Ich fände es erst einmal interessant zu erfahren, zu welchem Schluss Du nach all der Grübelei gekommen bist, warum Du alle bisherigen Beziehungen beendet hast, vor Allem die mit Deiner ex-Verlobten.

Ansonsten, so ganz allgemein: ich würde den Begriff "verantwortungslos" nicht benutzen. Niemand kann sagen, ob er den Rest seines Lebens mit seinem Partner zusammen bleibt bzw. bleiben will. Man kann nur sagen, wie man es gerade im Moment empfindet. Alles Andere wäre verlogen. Daher halte ich Dich nicht für verantwortungslos, eine Beziehung einzugehen, die Du für den Moment und auch im Ausblick sehr ernst meinst. Vergangene Beziehungen spielen da m.E. keine große Rolle, solange Du nicht jetzt schon weißt, dass Du sie auf jeden Fall wieder beenden wirst.
 

Benutzer152906 

Meistens hier zu finden
Es wäre wichtig zu wissen, ob bei Dir eine psychische Störung vorliegt, oder sich die Dinge nun einmal leider bislang immer so entwicklet haben (zufällig). Denn wenn das quasi aufgrund einer Störung mit der Zeit immer dazu kommt, dann wirst Du auch der nächsten Person wieder sehr weh tun ....
 

Benutzer177659  (38)

Öfter im Forum
Ich denke auch, das du dir vielleicht Unterstützung durch einen Psychologiater (ich weiß nicht ob -ologe oder -iater da der richtige Ansprechpartner wäre ;-). Dein Hausarzt weiß das aber. ) holen könntest. Du hast ein Problem, du kriegst es nicht selbst raus, du leidest. Da kannst Du dir schon Unterstützung suchen, erstmal auch um rauszufinden ob es ein schweres Problem ist das wiederkommen wird oder eben viele nacheinanderlaufende Zufälle.

Daran das deine erste Freundin diese Suiziddrohungsnummer abgezogen hat bist du nicht schuld, und ich glaub, das das dich traumatisiert haben könnte und auf alle weiteren Beziehungen abstrahlt. Aber ich hab da keine Ahnung von. Daher der Tipp mit dem Profi.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer179634  (43)

Sorgt für Gesprächsstoff
Käme ich wieder an den Punkt, an dem die Zweigel aufkommen? Könnte ich dieses mal standhalten und mich aktiv für die Beziehung entscheiden?
Sind Zweifel nicht normal in einer längeren Beziehung? Wenn ich mir die Phasen einer Beziehung anschaue, würde ich sagen ja. Das ist dann die Zeit nach dem verliebtsein. Wenn die rosarote Brille verschwindet. Der Alltag einkehrt. Und dann vielleicht auch Reibereien anfangen.
Ich bin aber auch überzeugt davon, daß man sich in dieser Phase dann aktiv für eine Beziehung entscheiden kann. Und nicht den 'einfachsten' Weg wählen sollte und wegrennt. Sich dafür entscheiden ist halt Arbeit.
Du solltest dich eventuell mal mit den Gründen auseinandersetzen, warum du die Beziehungen beendet hast. Waren sie zu eng, brauchst du mehr Freiheit? Oder das genaue Gegenteil? So wie du schreibst, hast du für diese Frauen ja noch Gefühle gehabt.
 

Benutzer176712 

Sorgt für Gesprächsstoff
Vielen Dank erstmal für die doch sehr schnellen Antworten. Um ein paar Fragen zu beantworten, ich bin Anfang 30. Eine psychische Störung wurde nicht diagnostiziert. Ich bin nach der letzten Beziehung bei einem Psychologen vorstellig geworden. Allerdings ging es da hauptsächlich um das Thema Depressionen durch eben diese Vorkommnisse. Ich sollte dazu sagen, dass ich seit einiger Zeit fest im Leben stehe und vieles hinter mir gelassen habe. Nur kommen eben jetzt in dieser Situation wieder ein paar Ängste hoch.

Tatsächlich haben mir eure Antworten schon jetzt ein gutes Stück weiter geholfen.
Du solltest dich eventuell mal mit den Gründen auseinandersetzen, warum du die Beziehungen beendet hast. Waren sie zu eng, brauchst du mehr Freiheit? Oder das genaue Gegenteil? So wie du schreibst, hast du für diese Frauen ja noch Gefühle gehabt.
Vielen Dank für den Anstoß. Ich habe in meinem Beitrag tatsächlich wieder die Sicht eingenommen, die ich mir damals selbst eingeredet habe. Ich habe mich für alles verantwortlich gemacht. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Was meine letzte Beziehung angeht, bin ich durchaus nicht sicher was der Auslöser war, glaube aber auch - wie hier bereits angesprochen wurde - dass meine erste Beziehung mich stark geprägt hat und ich es daher so konsequent und endgültig beendet habe. Die Beziehungen davor habe ich jedoch nicht ganz grundlos beendet und daran muss ich manchmal erst erinnert werden. Meine erste Beziehung war insgesamt sehr toxisch, was ich leider erst spät bemerkt habe. Danach blieben meine Beziehungen eher oberflächlich, auch wenn ich über beide Ohren verliebt war, konnte ich mich kaum darauf einlassen. Erst mit der letzten Beziehung schien es sich zu ändern.

Vielleicht jage ich hier einem Geist nach. Ich dem zu, dass jeder sich früher oder später für die Beziehung entscheiden muss, wenn all die "Magie" verflogen scheint. Und spätestens dann sollte man wohl mit der Vergangenheit abgeschlossen haben. Vielleicht wäre es damals anders gelaufen, wenn ich ihre Hilfe angenommen und mich nicht abgeschottet hätte.
 
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