Aussetzer im Alkoholrausch

Benutzer188637  (45)

Ist noch neu hier
Ich kann vielleicht eine Perspektive beitragen.

Ich selbst habe früher viel, sehr viel, zu viel getrunken. Es gab aber einen ganz entscheidenden Unterschied zu deinem Freund: Meine "Aussetzer" hatten nichts, gar nichts, mit Gewalt zu tun. Weder wurde ich beleidigend, noch habe ich meine Partnerin bedroht oder gar verletzt. Nein, ich war einfach ständig betrunken, bis zum Kontrollverlust. So Sachen wie alles vollgekotzt, gestürzt, in Zügen eingepennt und am anderen Ende des Landes aufgewacht - Trinkeralltag.

Was hat das mit dir zu tun? Ich schreibe: "früher". Genau. Ich tu das nämlich nicht mehr. Warum? Weil meine Partnerin mich darum gebeten hat. Weil sie auch unter diesen Aussetzern schon mehr als genug gelitten hat. Nein, das hat nicht sofort geklappt. Das hat ein paar Anläufe gebraucht. Wir hatten vereinbart, dass ich es ein paar Mal selbst versuchen darf, den Alkoholkonsum zu reduzieren und dass ich, wenn das nicht klappt, mir Hilfe hole. Letztlich hab ich aber sofort meine damalige Hausärztin mit hinzugezogen, habe aber ohne Suchttherapie es geschafft, das Trinken zu reduzieren - auf fast 0. Mittlerweile trinke ich hin und wieder mal ein wenig, aber ohne jeden Kontrollverlust und wohl weniger als fast alle anderen, die ich kenne.

Und dein Freund? Versucht er aufzuhören? Hätte meine Partnerin von mir damals Gewalt (!) zu fürchten gehabt, ich hätte mich sofort getrennt, eine Therapie begonnen und mich erst wieder gemeldet, wenn ich das hinter mir gelassen hätte. Und auch dann nicht erwartet, dass ich noch willkommen bin.

Lass es mich deutlich sagen: Dein Freund ist ekelhaft. Und nein, er verdient es auch nicht, dass du zu ihm hältst. Er missbraucht dich. Der Alkohol spielt dabei eine Rolle, aber der liebste Mensch der Welt wird durch Alkohol nicht zu so einem Monster, wie du es beschreibst.

Ich rate dir zweierlei:

1. Renn, so lange du noch rennen kannst.
2. Such dir dringend psychologische Hilfe. Finde heraus, warum du dich schlagen und anspucken lässt. Das ist nicht normal.

Nein, das wird nicht das sein, was du lesen wolltest.

Und es kommt noch was, was du nicht lesen willst: Das mit der Gesellschaft, das ist eine Ausrede, die an Blödheit nicht mehr zu überbieten ist. Glaub mir, als ehemaliger starker Trinker bin ich reichlich sensibel, was die gesellschaftliche Allgegenwärtigkeit von Alkohol angeht. Aber: Das ist so. Da muss man mit zu leben lernen. Dann sagt man halt "Nein". Das geht. Ich hab es schon tausendmal gemacht. Die anderen, die kein Alkoholproblem haben, die dürfen trinken, die müssen nicht aufpassen, nur weil ich ein Alkoholproblem habe. (Auch wenn natürlich viel mehr Menschen ein Alkoholproblem haben als es wahrhaben wollen und Alkohol tatsächlich viel zu präsent ist überall. Aber das ändert man nicht. Das muss man auszuhalten lernen.)
 

Benutzer152906  (44)

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Geh zur Polizei und zeige ihn an.

Vielleicht beendet er dann die Beziehung. Das wäre aber dennoch das Beste, was Du für IHN tun könntest. Denn dann wacht er vielleicht endlich auf und begreift, dass er nicht trinken sollte.

Liebe heißt nicht, am Ende immer nur zurückzustecken. Es kann auch bedeuten etwas richtiges zu tun … auch wenn das bedeutet, dass der geliebte Mensch dann Ärger bekommt.
 
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