Auslaugende Freundschaft

Benutzer140672  (26)

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Hey alle zusammen,

ich wollte einmal ein wenig los werden, was mir auf der Seele brennt. Mit meiner besten Freundin und meinem Freund habe ich mich auch schon darüber ausgetauscht, hätte aber gerne eine objektive Meinung zu meinem "Problem".
Also, es geht um eine gewisse Freundin von mir. Um die ganze Story etwas zu vereinfachen, nenne ich sie jetzt einfach mal "Anna". Ich bin seit etwa 6 Jahren mit ihr befreundet - mehr oder weniger gut. Sie hat mir durch eine sehr schwierige Zeit in meinem Leben geholfen (Mobbing u.ä.) und war eigentlich immer für mich da. Allerdings hatte sie schon immer diese Eigenschaft an sich, dass sie mir gegenüber ein wenig distanziert war. Anna erzählte nie viel von sich selbst und darum wusste ich oft nicht, wie es ihr eigentlich ging und was in ihrem Leben so richtig los war. So ist es mir auch entgangen, dass sie ihre erste feste Freundin hatte (das habe ich erst Monate später erfahren, da damals Funkstille zwischen uns herrschte), das sie sich immer mal wieder geritzt hat und, dass ihre Mutter an Krebs erkrankte.
Es war nicht wirklich schön, all das erst im Nachhinein zu erfahren. Sie hat es mir auch nicht wirklich freiwillig erzählt, sondern musste ich es ihr aus der Nase ziehen. Auch hat sie eine sehr depressive Art an sich. Sie kann einen mit ihren Launen sehr, sehr schnell runterziehen. Das ist manches Mal schon wirklich anstrengend. Deshalb hab ich auch immer öfter schlechte Laune - und das Ganze geht schon seit Jahren so.

Dieses Jahr sind noch einige Probleme dazu gekommen. Anfang diesen Jahres verstarb ihre Mutter an einem Gehirntumor und das hat ihr den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich hab versucht, sehr viel für sie da zu sein und sie aufzufangen, was nicht immer gerade einfach war. Zur gleichen Zeit fing es allerdings auch an, zwischen uns komisch zu werden. Sie näherte sich mir immer wieder an und wir haben uns sogar einmal geküsst, bzw. später nochmal rumgeknutscht und rumgefummelt. Zum Henker weiß ich nicht, was mich dazu geritten hat. Ich bin und war nie in sie verliebt. Ob sie allerdings Gefühle für mich hat, kann ich schlecht sagen.
Ein wenig später stellte sich dann noch heraus, dass Anna ihr Geschlecht anzweifelt. Es hat sich dann soweit heraus kristallisiert, dass sie lieber ein Junge wäre. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich versuche sie auch in diesem Punkt zu unterstützen, weil sie von Zuhause keine Unterstützung oder wirkliche Liebe bekommt. Seit dem Tod ihrer Mutter hat sie das Gefühl, alleine zu leben, weil ihr Vater ständig weg ist. Jedenfalls hat sie es ihrem Vater auch noch nicht gesagt.

Vor ein paar Wochen haben wir uns jetzt heftig über WhatsApp gestritten. Sie meinte, ich hätte keine Zeit mehr für sie und würde sie vernachlässigen. Zur Info habe ich seit etwas über drei Monaten einen festen Freund. Es ist eine Fernbeziehung, deswegen sehe ich ihn nur etwa alle zwei Wochen. Allerdings treffe ich mich mindestens einmal in der Woche mit ihr. Ich weiß, dass sie sehr viele Probleme und Sorgen hat. Sie sagt selbst, dass ich ihre beste Freundin bin und einer von zwei Menschen, denen sie wirklich vertraut. Dennoch ist sie manchmal einfach sehr, sehr anstrengend und auslaugend. Annas Haltung ist immer wieder pessimistisch und egal was man macht, es hilft nicht. In unserem Streit hatte ich allerdings das Gefühl, sie hätte mich am Liebsten ganz für sich.

Jetzt haben wir uns zwar wieder vertragen, aber dieser bittere Nachgeschmack bleibt, weil sie mir mal wieder nicht wirklich gesagt hat, was in ihr vorgeht. In meinem Kopf spinnen die wildesten Theorien. Hat sie vielleicht Gefühle für mich und ist eifersüchtig auf meinen Freund? Oder versucht sie mich einfach nur an sich zu binden, weil sie sonst kaum jemanden hat?
Ich hab jetzt einfach das Problem, dass ich nicht weiß, wie lange ich diese ganze Freundschaft noch aushalte. Sie ist sehr belastend für mich und zieht mich oft runter. Dabei mag ich Anna sehr und möchte auch nicht den Kontakt zu ihr abbrechen, immerhin kann ich mich auch auf sie verlassen. Dennoch ist die ganze Story - wie bereits gesagt - sehr auslaugend.

Hat vielleicht jemand einen Tipp für mich? >.<
 

Benutzer72433 

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was mich an der sache ein wenig stört ist folgendes: erst ist anna zurückhaltend, schweigsam, erzählt dir nicht wirklich was... dann ziehst du es ihr aus der nase und ärgerst dich, dass sie es nicht von alleine erzählt hat, sagst, dass das so nicht schön war. dann fasst anna vertrauen, öffnet sich dir, erwartet damit auch deine anteilnahme... und du fühlst dich vereinnahmt und ausgelaugt. das eine war nicht gut, das andere aber auch nicht.

das ist jetzt ganz grob heruntergebrochen, denn ich kann gut verstehen dass es dich stresst wenn ständig jemand an dir zerrt und deine aufmerksamkeit will - für mich wäre das auch nichts. andersherum: warum empfindest du es als auslaugend? fühlst du dich schlecht wenn du ihr grenzen aufzeigst, bis wohin sie dich beanspruchen kann und wo nicht mehr? prinzipiell ist das ja nichts, worüber man streiten müsste: soviel bin ich bereit zu geben, mehr nicht, akzeptiere das oder lass es ganz. ich weiß, das klingt hart, aber letztlich erspart einem das ne menge - einem selber und dem gegenüber auch.

könnt ihr vielleicht einen kompromiss schliessen, im sinne von "ein wochenende mit meinem freund, ein wochenende mit dir" - was dann eben mehr als "einmal die woche kurz sehen" ist? vorausgesetzt natürlich, dir wäre das nicht zu viel.

was du auf garkeinen fall machen solltest ist, dich gegen deinen willen ihren wünschen zu beugen. das wird langfristig nur eure freundschaft zerstören.
 

Benutzer140672  (26)

Verbringt hier viel Zeit
Erst mal danke für deine Antwort. :smile2:

Das ist vielleicht etwas falsch rüber gekommen. Es stört mich nicht, dass sie mir langsam erzählt, was bei ihr eigentlich los ist. Sondern viel mehr ein paar ihrer Verhaltensweisen. Sie ist neuerdings sehr einnehmend. Ich versuche ihr meine Zeit zu schenken, allerdings zieht sie mich mit ihren fast depressiven Launen immer runter. Das ist fast jedes Mal so, wenn wir uns sehen. Und das genau ist das, was ich auslaugend finde. Man gibt sich Mühe und versucht, sie glücklich zu machen, bekommt es dann aber dann doch nicht hin. Das ist frustrierend.

Du hast es erfasst - ich fühle mich tatsächlich schlecht, ihr Grenzen aufzuzeigen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein Wochenende mal bei meinem Freund bin. Ich traue mich manchmal schon gar nicht mehr, ihr das zu erzählen.

Jedes zweite Wochenende für sie zu reservieren ist schwierig. :/ Einfach aus dem Grund, dass ich meine anderen Freunde auch noch sehen und mit ihnen etwas am Wochenende unternehmen will. Aber vielleicht sollte ich wirklich mal versuchen, zumindest einen Tag von jedem zweitem Wochenende für sie freizuhalten.
 

Benutzer99777  (25)

Verbringt hier viel Zeit
Ich weiß nicht ob dir das hilft, aber ich kenne das. Ich bin da auch so. D.h. wenn mich jemand Glücklich macht, bin ich das auch, kannst nur nicht zeigen. Das kann u.a. sehr kränkend für den jenigen sein. Desweiteren bin ich ein "Kopfmensch", d.h. wenn ich mich in was reingesteigert habe, dann dauert das ewig das wieder wegzubekommen.

Habe auch gerade so 'ne Phase hinter mir. Depressionen, erbrechen, weinen etc pp. Bei mir wars dann auch so weit das ich nicht mehr alleine ausm Haus bin. Wie dem auch sei, schade das sich die Familie nicht um Anna kümmert ändern. Ich hatte das Glück

Hoffe das Hilft dir ein wenig.
 

Benutzer151301 

Öfters im Forum
Ich denke, wichtig ist, dass Du ihr deine grenzen zeigst. Mit ihr redest und ihr sagst, dass du eben auch noch andere Dinge bei dir vorgehen hast, dein restliches Leben und deinen Freund. Dass du dich vereinnahmt fühlst ist klar, wenn du mehr mit ihr machst als du dich dazu bereit fühlst. Aber ohne dass du ihr deine grenzen klarmachst, wird sich das auch nicht ändern.

Klar musst du ihr das auf eine nicht beleidigende Art sagen, und wenn sie grundsätzlich schon in einer schwierigen Lage/Stimmung ist, kann es durchaus sein, dass sie darauf enttäuscht reagiert, oder gar verletzt ist. Aber sonst tut dir das ja auch nicht gut, und wenn du dich dazwischen entscheiden musst, ob du ihr helfen kannst und ihr gut tust, oder auf dich selbst achtest, dann solltest du mMn immer dich selbst wählen, alles andere lässt dir keine Energie, mit dir selbst klarzukommen.

Ich kenne das. Von deiner Seite. Ich hatte mal eine Freundin, und es hat sich herausgestellt, dass dieser auch sehr viele sehr unangenehme Dinge und Trgödien missfahren waren und immer noch passierten. Das war glaube ich noch schlimmer als bei deiner Freundin. Ich habe den Fehler gemacht, das zu nah an mich ranzulassen, und vor allem ihr keine grenzen aufzuzeigen. Irgendwann wurde der Kontakt zu viel, zu intensiv, ich bin aktiv über meine Grenzen gegangen. Und das hat nicht nur die Freundschaft, sondern auch meine Beziehung mit der damaligen partnerin sehr schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mit beiden habe ich keinen Kontakt mehr, und bin froh drüber.

Nicht, dass das bei dir ähnlich sein muss. Nicht, dass du die Freundschaft aufgeben musst. ich will dir nur an meinem Beispiel zeigen, wie wichtig es sein kann, die eigenen grenzen zu kennen und einzuhalten. Zeigst du ihr deine grenzen nicht, wirst du dich selbst verlieren, und dann is die Freundschaft eh kaputt. Besser, ihr habt mal ein klärendes Gespräch, in dem ihr in Erfahrung bringt, was genau das Problem ist. und wie ihr beide dagegen angehen könnt.
 
4 Woche(n) später

Benutzer140672  (26)

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Danke für die lieben Antworten. :smile: Ich hatte total vergessen, mich darauf noch einmal zu melden. Inzwischen hat sich vielleicht sogar ein bisschen was getan. x3

Ich hab nun versucht, eure Tipps zu beherzigen und hab mich nochmal mit ihr ausgesprochen. Dabei ist allerdings nur rumgekommen, dass ich mir wirklich etwas mehr Zeit für sie nehmen sollte, was ich seitdem auch tue. Sonst haben wir uns immer nur 1x die Woche gesehen und mal am Wochenende zwischendurch. Jetzt treffen wir uns aber mindestens 2x die Woche und so etwa jedes zweite Wochenende. :smile: Jetzt scheint es besser zu laufen. Na hoffen wir mal, dass das auch so bleibt.
 
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