Freunde Auseinandergelebt. Wer ist Schuld? Reagiere ich über?

Benutzer70345 

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Hallo ihr,
Es geht um meine (ehemals?) beste Freundin und mich.
Kennen tu ich sie seit 6 Jahren, wirklich befreundet sind wir seit 4 und So vor 3 Jahren wurde der Kontakt immer mehr, bis er vor ca. 1 Jahr nahezu komplett abbrach.

Zur Geschichte:
Vor 4 Jahren wohnte ich noch zu Hause, ging in die 10. Klasse, hatte viel zeit und kaum Pflichten. Sie ebenso. Vor 3 Jahren zog ich dann aus, in eine andere Stadt für Abitur und Studium (ca 30km entfernt).
Am Wochenende war ich jedoch immer in meiner Heimatstadt, sodass wir uns trotzdem regelmäßig gesehen haben, neben telefonieren, SMS, Chatten. Auch sie hatte zunehmend mehr zu tun durch Job und abendstudium.
Ebenfalls lernte ich vor etwa 3 Jahren meine Freundin kennen, mit der ich vor 2 Jahren zusammen zog. Wir unternahmen oft etwas zu dritt aber auch allein. (dazu sollte man wissen das meine freundin und ich generell eher wie Freunde sind wenn man mit anderen unterwegs ist, sodass das gut harmonierte)

Ebenfalls Vor 2 Jahren erkrankte ich an einer Post-traumatischen Belastungsstörung und schweren Depressionen.
Ich zog mich sehr zurück, nahm mir zwangsweise ein Jahr abipause, und wurde klinisch behandelt.

...sodass der Kontakt mit dieser Freundin weniger wurde. Sie wusste von meinen gesundheitlichen Zustand , aber sie fragte nie nach. Als ich ihr davon erzählte, sagte sie kaum ein Wort dazu. Das ich nichts mehr unternehmen wollte hat sie nicht verstanden.
Ich habe natürlich versucht, so normal wie möglich zu sein, aber ich fühlte mich zunehmend weniger wohl mit ihr, weil i h das Gefühl hatte nie glücklich genug wirken zu können.
Der unwohl Faktor führte dann zu noch mehr Rückzug.

Mittlerweile geht es mir wieder besser, ich mache Therapie und nehme Medikamente die es mir ermöglichen wieder Teilzeit meinen Tätigkeiten nachzugehen.
Und sie? Sie macht mir vorwürfe ich sei nicht für sie dagewesen, hätte mich abgekapselt, hätte meine zeit nur noch mit anderen verbracht.

Ja es stimmt, ich habe meine zeit, zumindest das eine mal im Monat an dem ich mich aufraffen konnte, mit anderen verbracht. Weil ich mich da nicht verstellen musste. Es ging mir besser mit ihnen. Ich sagte ihr, dass ich die meiste zeit, neben den 3 Monaten Krankenhaus, nur im Bett lag. Ich stand nicht einmal zum Duschen oder essen auf an krassen Tagen.

Aber sie versteht das einfach nicht. Sie denkt ich übertreibe. Sie sieht in mir die Schuldige.
Und mich macht das so traurig. Ich konnte immer über alles mit ihr reden und sie mit mir. Wir konnten uns immer aufeinander verlassen.
Aber in dem Moment als ich sie am meisten brauchte war sie nicht da. Und nun die vorwürfe. Ist es so schwer zu verstehen, dass ich nicht anders handeln konnte? Dass ich einfach .. Ja... Krank war. Auch wenn es "nur" psychisch war.

Ich bin mir unsicher, ob diese Freundschaft noch einen Sinn hat. Ich bin so enttäuscht und sie ist sauer und hat Null Verständnis.
Oder fordere ich zu viel und sie hat recht?
 

Benutzer113955 

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Also ich kann euch beide verstehen, aber ich denke, du warst krank und nicht sie und wenn sie dafür schon kein Verständnis hat, dann sollte sie wenigstens sagen können "okay war eben so, lass das abhaken".

Du hast dir das ja nicht ausgesucht, krank zu sein. Und es gibt wirklich einfach zu viele Menschen ,die sich darunter einfach nichts vorstellen können, wenn es heißt "psychisch krank".
Und ich verstehe, dass sie sagt du wärst nicht für sie da gewesen, aber das war ja keine Absicht.

Es gibt einfach Zeiten ,da muss man erst selbst wieder auf die Beine kommen, bevor man sich um andere kümmern kann und das scheint deine Freundin nicht verstanden zu haben.

Aber wenn es dir jetzt wieder besser geht würde ich es einfach drauf ankommen lassen, entweder ihr versteht euch wieder oder eben nicht. Aber jemanden der in so einer Situation keine Rücksicht auf dich nimmt, brauchst du auch nicht zum Freund.
 
A

Benutzer

Gast
Ich kenne diese Situation mit meiner körperlichen Krankheit und kann dir da nur sagen, dass du nicht zu viel Verständnis von anderen Leuten voraussetzen solltest, da es viele Menschen gibt, die mit dem Thema Krankheit nicht umgehen können.

Gerade wenn ein Mensch noch nie etwas Ernsthaftes in dieser Richtung hatte, übersteigt das von manchen Menschen den Horizont so stark, dass es für sie unmöglich ist, sich in diese Situation hineinzuversetzen. Wenn man an diesen Menschen festhalten will, muss man eben in manchen Situationen als Kranker den Kürzeren ziehen. Das bedeutet aber nicht, dass die Freundschaft nichts wert ist, es macht sie nur leider etwas komplizierter.

Was hat denn deine Freundin für Probleme gehabt, bei denen du nicht anwesend warst? Geht es um zerbrochene Fingernägel oder z.B. darum, dass sie nach einer langen Beziehung verlassen worden ist?

In manchen Fällen sehnt man sich eben sehr nach Rückhalt und wenn der dann aus Gründen fehlt, die einem selber unmöglich vorzustellen ist, dann kann das eben auch in Wut auf diese Person umschlagen und das ist oft nur menschlich.

Ich würde dir vorschlagen ganz in Ruhe mit dieser Freundin zu reden. Versuch ihr nicht zu erklären, was für eine unheimlich schwere Zeit du hattest oder wie sehr du jetzt noch leidest. Frag sie, ob es möglich ist, einen Neuanfang der Freundschaft zu wagen, ohne dass einer dem anderen irgendwelche Vorwürfe macht. Entschuldige dich nicht, aber verspreche ihr, dass sie von nun an auf dich zählen kann, wenn es ihr schlecht geht und dass du hoffst, dass das auf Gegenseitigkeit basiert.
 

Benutzer70345 

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@ails
Zu deiner Frage nach ihren Problemen:
Ziemlich stört sie, dass sie keinen Freund findet. Sie ist zwar sehr offen und so, aber es wird trotzdem nie was.
Dann hat sie gestört, dass ich es nicht als "echten Umzug" empfunden habe, als sie aus ihrem Zimmer in den zweiten Stock gezogen ist. Sie hat da zwar ihre eigene Wohnung, dennoch im Elternhaus und für mich ist das kein 100% alleine wohnen.
Beim Umzug habe ich ihr auch nicht geholfen, dass war aber nicht meine Schuld. Als sie sagte er würde demnächst anstehen, sagte ich ihr wann immer sie wen Brauch soll sie sich nur melden, ich würde mit anfassen.
Wer hat sich nicht gemeldet und war dann sauer? Sie! So ich kann aber nicht Hellsehen und soviel zu helfen gab es ja auch nicht, da sie alle Möbel neu kaufte und anliefern lies.

Noch so ein unterschwelliges streitthema ist auch Geld. Ich Kriege Bafög und hatte einen Nebenjob, darf den laut krankenkasse jedoch erst wieder ausfuehren wenn ich gesund geschrieben bin, sonst wird die Therapie usw. Nicht bezahlt. Außerdem bin ich da auch noch gar nicht fit genug zu.
Sie hat nach der Schule aber anstatt Abi eine Ausbildung gemacht und dann sofort Geld verdient und kann sich das nicht vorstellen, dass ne eigene Wohnung (und nicht die bei Mutti und Vati oben) Geld kostet, Großstadt generell meist teurer ist als Dorf usw. Und ich es mir halt nicht leisten kann noch ständig mit dem Zug in meine Heimatstadt zu fahren (Kein semesterticket, jede Fahrt kostet knapp 8€).
Da sie viel mehr Geld hat und man auf dem Dorf eh nix machen kann, könnte sie mich ja öfter besuchen als ich sie (ich hab dann ja auch kosten für Kuchen, Getränke usw).
Sieht sie aber auch nicht ein.

Ich bin gerade einfach nur so dermaßen frustriert, weil sie einfach nichts nachvollziehen kann. Und ich frage mich so langsam, ob sie es nicht kann oder nicht will.

Was kann ich jetzt tun? Ich denke so ein Neuanfang ohne Vergangenheit koennte ich nicht. Dazu bin ich zu sauer, zu enttäuscht. Dazu müsste von ihr Denk ich Einsicht kommen...
 
I

Benutzer

Gast
Habt ihr schonmal ein klärendes Gespräch geführt, wo wirklich alles auf den Tisch kam, was dich und sie jeweils an eurer freundschaftlichen Beziehung stört? Ich denke, wenn ihr euch mal beide ernsthaft hinsetzt und versucht, euch gegenseitig die Dinge zu erklären, Verständnis füreinander aufbringt etc. dann könnte eine Freundschaft weiterhin bestehen.

Ich glaube, ihr Problem ist einfach, wie aiks schon sagte, dass gewisse Dinge schlicht ihren Horizont überschreiten. Dass sie es auch nicht einsieht, dass du nicht genug Geld hast, andauernd in deine Heimatstadt zu fahren, es aber trotzdem verlangt, bestätigt mich nur darin. Vielleicht versteht sie deine Probleme, wenn du versuchst, ihr das anschaulich zu erklären oder ihr etwas entgegenkommst, indem ihr euch zum Beispiel irgendwo in der Mitte trefft und dort etwas unternehmt.

Habt ihr jetzt denn noch Kontakt? In deinem Eingangspost steht zwar, dass ihr seit einem Jahr nichts mehr voneinander gehört habt, aber da du die sonstigen Geschehnisse im Präsens schreibst, war ich mir da nicht ganz so sicher. Wie auch immer - wenn ihr schon länger nichts mehr voneinander gehört habt, wäre das eventuell ein guter Ansatzpunkt für ein Gespräch. Ihr werdet euch beide weiterentwickelt haben, sie versteht vielleicht, was sie falsch gemacht hat bzw. was dich stört und wenn eure Freundschaft vorher sehr eng war, werdet ihr euch wohl beide freuen, euch wiederzusehen und vor allem sie wird dann hoffentlich bei einem Gespräch mit mehr Verständnis reagieren.
 
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