Antidepressiva nehmen?

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Gast
Seit Mitte 2014 ging es mir immer schlechter, von November 2015 bis Oktober 2016 war ich dann in psychotherapeutischer Behandlung, zwischendurch auch zwei Monate in einer Klinik, wo mir dann rezidivierende Depressionen diagnostiziert wurden.
In der ganzen Zeit habe ich nie irgendwelche Medikamente genommen, ich war einfach nie der Ansicht, dass das "nötig" sei. (Dadurch dachte ich auch immer, bei mir sei es ja nicht so schlimm wie bei allen anderen, die seit Längerem schon Medikamente nehmen müssen :rolleyes:)
Ich habe einfach versucht, alles durch Gesprächstherapien hinzukriegen, vieles ist auch viel besser geworden, ich komme allgemein besser klar in meinem Leben. Natürlich gibt es noch viele Baustellen, aber das lässt sich ja nicht von dem einen Tag auf den anderen in den Griff kriegen.

Jedenfalls bin ich seit dem Umzug nach Schweden im Oktober nicht mehr in Behandlung, das ist hier einfach sehr schwierig. Habe mir bei anderen Stellen versucht, Hilfe zu holen, aber die sind meist voll belegt und einmal im Monat eine Stunde Gespräch reicht mir dann eben auch nicht ...

Nun habe ich immer mehr das Gefühl, dass ich zwar theoretisch alles auf die Reihe kriege - ich esse gesund, bewege mich, gehe raus, gehe zur Uni, mache meine Aufgaben - aber es ist alles so furchtbar anstrengend und nichts macht wirklich Spaß. Ich weiß gar nicht mehr, wann es mir das letzte Mal wirklich gut ging. Zwar ist es noch nicht so schlimm wie bei meinem "Loch" letztes Jahr, aber ich fürchte ich steuere wieder darauf zu und möchte dem so gut es geht vorbeugen.
Ja, ich reiße mich daher zusammen, versuche, alles zu erledigen, schaffe das auch ... aber ich frage mich jeden Tag, wie lange meine Kraft wohl noch reichen wird.
Eine Zeitlang ist alles okay, dann wieder schlechter. Aber mit nur okay will ich auf Dauer eben auch nicht leben.

Nun ging es mir vor ein paar Tagen wirklich miserabel und ich bin dann zur psychiatrischen Notfallaufnahme gefahren. Dort haben die mich erstmal komisch angeguckt als ich sagte, dass ich noch nie Medikamente genommen habe, das sind die hier wohl nicht so gewöhnt :grin:
Der Arzt meinte außerdem, dass er noch nie jemanden erlebt hat, der so "engagiert" ist wie ich. Die meisten lassen sich wohl nur Tabletten verschreiben und denken dann, dass alles gut wird.
Das denke ich natürlich nicht. Ich frage mich nun lediglich, ob sie vielleicht unterstützend zu meinen Bemühungen eine gute Idee wären.
Der Ambulanzarzt hat für mich jetzt ein Schreiben für die Psychiatrie aufgesetzt und hoffentlich meldet sich da bald jemand, sodass ich mal zu einem Beratungsgespräch kommen kann. (Auch wenn das dann immer 10-20 Euro pro Termin kosten würde...)

Vielleicht mögen ja ein paar darüber erzählen, ab wann und warum sie Depressiva verschrieben bekommen haben bzw sich selbst dafür entschieden haben und inwiefern das dann geholfen hat.
Interessant wäre vielleicht auch zu wissen, wie lange ihr das genommen habt oder ob ihr das durchgängig nehmt.
 

Benutzer68557  (30)

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Redakteur
Liebe @anniii ,

ich hatte auch mal eine ziemlich depressive Phase, habe die aber alleine mit einer kognitiven Verhaltenstherapie in den Griff bekommen. Bei mir war/ist das ganz gepaart mit einer (wesentlich einnehmenderen) Angststörung, sodass zu Beginn der Therapie auch die Frage im Raume stand, ob ich zunächst unterstützend angstlösende AD dazunehmen möchte.
Ich habe es damals genau so gesehen wie du und hab es ohne Tabletten versucht und auch geschafft, daher kann ich dir nicht direkt helfen.

Man hört aber immer wieder, dass man keine AD ohne begleitende Therapie einnehmen sollte. Ich habe das nur in meinem Bekanntenkreis erlebt und muss de, (als Laie) zustimmen. Da schiebt man das Problem irgendwie mehr auf als alles andere.

Aber du bemühst dich ja schon sehr. Komisch, ich habe schon so oft gehört, wie toll das Gesundheitssystem in Schweden sein soll. Ich drücke dir die Daumen, dass du schnell begleitende Hilfe bekommst und hier vielleicht auch ein paar Erfahrungen zu der (isolierten) Einnahme von AD.
 

Benutzer161394  (25)

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Ich bin in dem Thema nicht eingearbeitet und war bis jz nur hart an der Grenze zur Depression.
Ich habe allerdings 2,3 bekannte gehabt die Vergewaltigt wurdem und daraufhin zur Psychotherapie Antidepressiva bekommen haben.
Ob die helfen oder nicht, kommt finde ich immer auf den Menschen an.

Was mir aber bei allen 3en aufgefallen ist, war, dass die ohne diese Dinger gar nicht mehr glücklich waren.

Was als Ausgleich/Ablenkung bei einigen funktioniert hat ist Kraftsport bzw. joggen.
Dadurch das die sich in Form gebracht haben, haben die mehr selbstbweusstsein gehabt und die Positive Resonanz von anderen Leuten hat denen auch gut getan.

Ich weiss wie gesagt nicht wies bei dir ist und ob das was für dich wäre, aber ich fänds natürlicher als Meds zu nehmen :smile:
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Als jemand der keine Ahnung von den Medikamenten hat mal eine Gegenfrage: Warum denn nicht?
 

Benutzer161394  (25)

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Weil Sie bei den Personen wo ichs beobachten konnte "abhängikeit" hervorgerufen haben :smile:
 
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Gast
cr4nberry cr4nberry Ich würde mich dahingehend natürlich auch beraten lassen und auf jeden Fall gleichzeitig noch eine Gesprächstherapie wieder mit aufnehmen :smile: Ja, ich dachte auch, dass das mit der Therapie hier gleich klappen würde, aber Deutschland ist dafür echt besser ausgerüstet :annoyed: Vielen Dank dir!

Achso, anbei: Im August komm ich sowieso wieder zurück, und hab schon meinem alten Therapeuten geschrieben. Sollte kein Problem sein, da wieder einen Platz zu bekommen.

John_Sheppard John_Sheppard Ist ja wie gesagt nicht so, als würde ich es nicht versuchen. Ich tu ja schon alles, was in meiner Macht steht, aber es reicht einfach nicht und ich weiß eben nicht, inwieweit meine Kraft noch ausreicht. Zu der Abhängigkeit kann ich grad nichts sagen, würde mich da aber von einem Arzt nochmal beraten lassen.

Subway Subway Weil ich immer denke, es ist bei mir noch nicht "schlimm genug".
 

Benutzer136760 

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Als jemand der keine Ahnung von den Medikamenten hat mal eine Gegenfrage: Warum denn nicht?
Für mich gibt es da ehrlich gesagt mehr Gründe dagegen als dafür, ganz oben, dass Medikamente ohne gute begleitende Therapie mehr schaden als nutzen.
 

Benutzer164526 

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Man hört aber immer wieder, dass man keine AD ohne begleitende Therapie einnehmen sollte.
Das würde ich so pauschal nicht unterschreiben. Hängt doch ganz davon ab, ob überhaupt Ursachen erkennbar sind, bei denen eine Gesprächstherapie oder eine Verhaltenstherapie zielführend erscheinen.
 

Benutzer164664 

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Anni, wie gut kannst du denn schlafen?

Weil Sie bei den Personen wo ichs beobachten konnte "abhängikeit" hervorgerufen haben :smile:

Antidepressiva machen nicht abhängig (Benzodiazepine, die zur Beruhigung verschrieben werden, hingegen schon).
[doublepost=1491138367,1491138306][/doublepost]
Für mich gibt es da ehrlich gesagt mehr Gründe dagegen als dafür, ganz oben, dass Medikamente ohne gute begleitende Therapie mehr schaden als nutzen.

Worin soll dieser Schaden bestehen?
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Ich habe mich auch 13 Jahre darum drücken wollen und selbst als ich miterlebte , dass meine Tante von der Manischen Depressionen zur Phsychose überging und sogar für 7 Jahre in die Geschlossene musste , drückte ich mich davor . Erst seit meinem psychichen wie Nervlichen und Neurologischen Zusammenbruch Mitte Dezember waren Arzt und ich einer Meinung. Ich kann noch nicht sagen ob das Zeug was hilft weil ich es noch kein halbes Jahr nehme.
 

Benutzer164664 

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Off-Topic:
Bist du sicher, dass das Jahre und nicht vielmehr Monate waren? Keine Krankenkasse würde einen solchen Aufenthalt bezahlen, selbst 7 Monate wären Extremfälle.
 

Benutzer164526 

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Off-Topic:
Bist du sicher, dass das Jahre und nicht vielmehr Monate waren?
Das waren vermutlich keine sieben Jahre am Stück, sondern mit Unterbrechungen. Drehtürpatienten halt. Damals während meines Zivildienstes gab es viele von denen ...
 
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Starla Starla Naja, in letzter Zeit habe ich fast immer Albträume, schlafen an sich geht aber gut. Das war aber auch während der krassen depressiven Phase so - anstatt Schlafstörungen zu haben, war ich ständig müde und hab gefühlt den halben Tag lang gepennt.

schuichi schuichi Was waren denn für dich die Gründe aus denen du dich "gedrückt" hast?
 

Benutzer109783 

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Ich sehe das auch deutlich kritischer. Nach deinen Beschreibungen würde ich erstmal ein Blutbild machen lassen und schauen, ob dir was fehlt (Eisen, Vitamin D usw.). Oder gab es das schon?
[doublepost=1491141498,1491140956][/doublepost]In Schweden muss man einen kleinen Betrag für jeden (Arzt-)Besuch bezahlen. Allerdings gibt es eine Kostengrenze, sodass man insgesamt max. 1000 Kronen im Jahr (12 Monate) bezahlen muss.
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Starla Starla Naja, in letzter Zeit habe ich fast immer Albträume, schlafen an sich geht aber gut. Das war aber auch während der krassen depressiven Phase so - anstatt Schlafstörungen zu haben, war ich ständig müde und hab gefühlt den halben Tag lang gepennt.

schuichi schuichi Was waren denn für dich die Gründe aus denen du dich "gedrückt" hast?
Ich habe mich immer davor gedrückt , weil ich dachte ich komme da mit Phsychotheraphie alleine durch. Dazu hört und liest man allerlei zu den Nebenwirkungen. Das größte Problem ist dass du danach nur sehr schwer von den Medis weg kommst. Ein Absetzversuch kann sowas wie bei dem Germanwings Co Piloten verursachen.

Solche " Horrorgeschichten " und der Glaube da selbst durch zu kommen , haben mich davon abgehalten. Dazu mag ich nicht dauernd Medis einnehmen. Ich bekam schon Probleme auf einem Festival wo ich im Polizeiwagen saß weil meine Medis wie Extascie aussehen . Trotz Epileptiker Ausweis durfte ich nicht auf s Gelände. Die Polizei glaubte mir aber die Sicherheitsleute und Verantwortlichen des Veranstalters sagten : Nein ist uns zu Heikel sieht aus wie ne Partydroge daher kein Zutritt. Um Fragen Vorzubeugen ich bekam mein Ticket ersetzt und eine Schriftliche Entschuldigung für den Zwischenfall , worin mir erklärt wurde dass es hier um Immagprobleme ging . Jemand hätte mich für einen Junky halten können und bla und blub ...
[doublepost=1491141655,1491141533][/doublepost]Ach ja ich habe vorher alles Checken lassen Blutwerte usw .

Ich hab keine Mangelerscheinungen , aber habe immer darauf gewettet .
 

Benutzer68557  (30)

Sehr bekannt hier
Redakteur
Ich sehe das auch deutlich kritischer. Nach deinen Beschreibungen würde ich erstmal ein Blutbild machen lassen und schauen, ob dir was fehlt (Eisen, Vitamin D usw.). Oder gab es das schon?

Da sie hier schon in Behandlung war, gehe ich davon aus, dass alle physischen Ursachen vorher abgeklärt wurden. Darauf hat meine Thera vorher bestanden. Soweit ich weiß, ist das sogar Voraussetzung für die Kostenübernahme, die ja ohnehin schwierig ist.
 

Benutzer135918 

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Da sie hier schon in Behandlung war, gehe ich davon aus, dass alle physischen Ursachen vorher abgeklärt wurden. Darauf hat meine Thera vorher bestanden. Soweit ich weiß, ist das sogar Voraussetzung für die Kostenübernahme, die ja ohnehin schwierig ist.
Das ist in Deutschland das Hauptproblem mein Neurologe brauchte 3 Jahre um eine Therapie durch zu bekommen für mich. Ein Rezept und du bekommst alles an Stimmungsaufheller was der legale Markt vorrätig hält.
 
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Gast
T Tobias Also so ein Blutbild wurde meines Wissens gemacht und die Schilddrüsenwerte wurden auch gecheckt, war aber alles okay. Und als ich mal im Internet recherchiert habe, stand da nicht ganz genau, ob Psychotherapie auch unter diese Kostengrenze fällt, aber das werde ich wohl erfahren.

cr4nberry cr4nberry Meinst du jetzt die Kostenübernahme für die Medikamente oder die Therapie an sich?

schuichi schuichi Nunja ... solche Horrorstories gibt es ja immer, egal um was es geht. Kommt auch da wahrscheinlich wieder aufs Medikament an.
 

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Solche " Horrorgeschichten " und der Glaube da selbst durch zu kommen , haben mich davon abgehalten. Dazu mag ich nicht dauernd Medis einnehmen.

Ich sehe das etwas anders: Gerade bei der ersten depressiven Episode ist es von ganz entscheidender Wichtigkeit, möglichst schnell wieder da heraus zu kommen. Je länger die erste depressive Episode andauert, umso größer das Risiko, dass sich daraus ein chronisches Leiden entwickelt.

Leider wird da - auch aufgrund solcher Horrorgeschichten - oftmals viel zu lange abgewartet und auf irgendwelche Psychotherapieplätze gewartet, anstatt möglichst schnell medikamentös zu intervenieren. Gerade dann, wenn schnell interveniert wird, ist die Wahrscheinlichkeit nämlich besonders hoch, dass es bei einer einmaligen depressiven Episode bleibt.
 
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