Angst vor Krebs treibt mich in den Wahnsinn

M
Benutzer167087  (33) Verbringt hier viel Zeit
  • #1
Ich bin richtig lange nicht mehr hier gewesen, aber habe jetzt mal ein Thema, bei dem ich Hilfe brauche. Ich habe schon lange mit Krankheitsangst/Hypochondrie zu kämpfen, richtig schlimm ist es aber erst vor ca. 3 Jahren geworden. Es dreht sich eigentlich ausschließlich um Krebs. Ständig meine ich Symptome zu erkennen, habe Angst, dass mein Körper voller Tumore oder Krebszellen ist und ich davon nichts weiß etc..

Jetzt hatte ich im Frühling einen abnormalen PAP Abstrich ich glaube 3 auf der Skala. Gestern hatte ich meinen Folgetermin und muss jetzt 2 bis 3 Wochen auf das Ergebnis warten. Die Frauenärztin hat zwar verstanden, dass ich ängstlich war konnte da aber nicht so gut drauf eingehen. Sie meinte aber es sei vorher ja immer normal gewesen und ich bin auch gegen HPV geimpft. Im Fall der Fälle müsste ich dann dennoch einen HPV Test machen und ggf zu einer Spezialsprechstunde.

Ich weiß, dass das alles noch nichts heißen muss, aber mein Gehirn spielt verrückt und ich habe teilweise regelrecht Todesangst. Natürlich google ich dann auch und finde Horrorstorys und denke dann, was ist wenn sich das von 3 auf 4 oder 5 in der kurzen Zeit verändert hat? Ich möchte und sollte natürlich eine Therapie suchen, aber ehrlicherweise hat mich das lange Suchen und der anstrengende Prozess bisher abgehalten, meine Lebensqualität ist allerdings stark beeinträchtigt und ich halte es nicht aus, dass ich nur begrenzt Kontrolle über meinen Körper habe. Vielleicht hat ja jemand tröstende Worte oder Tipps für mich.
 
M
Benutzer210596  (35) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #2
Ich bin ja ein recht rationaler Mensch und was ich mir denke: Statistisch gesehen ist eine Krebserkrankung in unserem Alter doch eher unwahrscheinlich. Klar, es gibt auch Menschen, die in den 30ern Krebs bekommen, aber das Krebsrisiko steigt ja erst so richtig mit dem Alter (60+). Dann: Ich hatte auch schon einen auffälligen Abstrich, da wurde ein bisschen rumgeschabt und seitdem hatte ich nichts mehr.

Du musst ja jetzt auf dein Ergebnis warten: Versuch dich so weit du kannst abzulenken. Hast du Erfahrungen mit Meditation und ähnlichem? Die können einen ja auch bei Ängsten runterbringen.
Und: NICHT GOOGLEN!! Sei da echt streng mit dir. Bringen tut's ja eh nichts, solange du dein Ergebnis nicht hast.
 
axis mundi
Benutzer172636  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #3
Hallo Moppeltier,
drei bedeutet erstmal nur, dass es eine Veränderung der Zellen gibt, deren Ursprung unklar ist. Das kann passieren und genau dafür ist der Test da: Um bereits kleinste Auffälligkeiten zu erkennen. Diese können problematisch sein, müssen es aber nicht. Auch eine HPV-Infektion muss noch nicht direkt Gebärmutterhalskrebs bedeuten. Oftmals heilen sie auch wieder aus und gegen die besonders risikoreichen Stämme bist du geimpft. Das ist schonmal gut.

Warten ist frustrierend, aber du wirst nach dieser Zeit Gewissheit haben. Gibt es ein Projekt, das du verfolgen kannst, was dich ablenkt? Das könnte etwas handwerkliches sein (ein Möbelstück aufbereiten, etwas stricken) oder auch etwas kreatives. Hauptsache, es lenkt dich etwas ab. Dass du nicht googeln solltest, ist ein guter Ratschlag von M Maitrī . Google ist derzeit nicht hilfreich.

Ansonsten: Selbst falls es einen positiven Befund geben sollte, du warst scheinbar regelmäßig bei der Vorsorge, beim Vornehmen des Abstrichs war nichts auffällig. Es wäre also etwas, das im Anfangsstadium und damit gut behandelbar wäre. Dennoch drücke ich dir die Daumen für ein negatives Ergebnis und starke Nerven bis zum Erhalt des Ergebnisses.
 
I
Benutzer228593  (33) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #4
M
Benutzer167087  (33) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #5
Woher kommt diese Angst?
Das kann ich nicht genau sagen. Ich glaube zum Teil durch eventuelles Trauma, nach dem Krebstod meines Vaters, aber ich bin allgemein eine ängstliche/katastrophisierende Person. In anderen Bereichen habe ich es einigermaßen im Griff, hier leider gar nicht.
 
J
Benutzer92211  (40) Sehr bekannt hier
  • #6
Eine Freundin von mir leidet unter sog. Cyberchondrie. Wenn du noch mal eine Sache googeln willst, dann diese. Ansonsten musst du es bitte ganz konsequent lassen, Symptome zu googeln! Und dich zur Not, wenn dich das Ganze zu sehr einschränkt, in psychologische Behandlung begeben. Ich weiß, wie sehr die Angst vor Krankheiten das Leben belasten kann.
 
I
Benutzer228593  (33) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #7
Das kann ich nicht genau sagen. Ich glaube zum Teil durch eventuelles Trauma, nach dem Krebstod meines Vaters, aber ich bin allgemein eine ängstliche/katastrophisierende Person.
Dann wäre es doch mal eine Überlegung wert, die Ursachen dafür anzugehen.
 
Carignan
Benutzer177399  (43) Meistens hier zu finden
  • #8
Ich glaube ich weiss genau wie Du Dich fühlst, ich bin Hypochonder und habe immer wieder mal Angstattacken, manchmal nur wenige Stunden, manchmal halten sie Tagelang. Was mit manchmal, aber auch nicht immer, hilft ist ein Beschützer. In meinem Fall ist es ein Britischer Soldat des Schottischen Black watch Regiments aus dem 19. jhd, ich nenn ihn James. Du kannst natürlich eine beliebige Figur nehmen, egal wen oder was, was Dir gut tut. Wenn die Angst kommt stelle ich mir vor wie James neben mir steht, die Angst ist eine Art Monster die mir diese und jene Krankheit einreden will. Ich stelle mir vor wie sich James vor mich stellt uns die Angst aufhält, je mehr Details desto besser. Vielleicht kann Dir das auch helfen? Das war die Kurzfassung, wenn es Dich interessiert kann ich Dir gerne etwas Detaillierter darüber berichten.
 
M
Benutzer167087  (33) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #9
Ich glaube ich weiss genau wie Du Dich fühlst, ich bin Hypochonder und habe immer wieder mal Angstattacken, manchmal nur wenige Stunden, manchmal halten sie Tagelang. Was mit manchmal, aber auch nicht immer, hilft ist ein Beschützer. In meinem Fall ist es ein Britischer Soldat des Schottischen Black watch Regiments aus dem 19. jhd, ich nenn ihn James. Du kannst natürlich eine beliebige Figur nehmen, egal wen oder was, was Dir gut tut. Wenn die Angst kommt stelle ich mir vor wie James neben mir steht, die Angst ist eine Art Monster die mir diese und jene Krankheit einreden will. Ich stelle mir vor wie sich James vor mich stellt uns die Angst aufhält, je mehr Details desto besser. Vielleicht kann Dir das auch helfen? Das war die Kurzfassung, wenn es Dich interessiert kann ich Dir gerne etwas Detaillierter darüber berichten.
Das hat mir eine Therpeutin (als ich noch andere Ängste hatte) auch mal empfohlen, als wohlwollender Begleiter mit Namen usw, ich habe das auch versucht, oft sind dann die Gedanken aber doch lauter "Aber was wäre wenn?", "Ich werde sterben" usw..meistens ist es so, dass ich mich so extrem reinsteigere, dass mein Gehirn irgendwann nicht mehr kann und dann kann ich es erstmal beiseite schieben bis dann halt wieder ein Trigger kommt. Grundsätzlich möchte ich aber daran arbeiten anders zu denken.
 
J
Benutzer92211  (40) Sehr bekannt hier
  • #10
Vielleicht hilft es dir auch etwas, dich mal damit auseinanderzusetzen, was du am Sterben so schlimm fändest. Klingt erst mal blöd, aber was konkret macht dir solche Angst? Langes Leid, Schmerzen, der Sterbeprozess? Angst vorm Totsein und dass danach einfach nichts mehr ist? Hast du Angst davor, Menschen zu "verlassen ", die dich brauchen und sehr um dich trauern würden?
 
M
Benutzer167087  (33) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #11
Vielleicht hilft es dir auch etwas, dich mal damit auseinanderzusetzen, was du am Sterben so schlimm fändest. Klingt erst mal blöd, aber was konkret macht dir solche Angst? Langes Leid, Schmerzen, der Sterbeprozess? Angst vorm Totsein und dass danach einfach nichts mehr ist? Hast du Angst davor, Menschen zu "verlassen ", die dich brauchen und sehr um dich trauern würden?
Es ist eigentlich nur die Angst vor dem Nichts, dass alles für immer weg ist was ich liebe. Das ist auch so eine Sache, in die ich mich nicht zu sehr reindenken darf, sonst bekomme ich Panik.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #12
Ich fürchte, Laientipps und gutes Zureden allein werden dir nicht helfen, sondern du solltest dich um eine Therapie bemühen.

Es ist sicherlich normal, als junger Mensch eine gewisse Angst vor dem Sterben zu haben, aber sie sollte definitiv nicht das Leben so stark negativ beeinflussen, dass ein echter Leidensdruck entsteht.

Zu deiner konkreten Angst: Bei mir haben damals wiederholte Pap IIId zu einer Konisation geführt, bei der schließlich ein erbsengroßer Tumor entfernt wurde. Es war nur eine Krebsvorstufe, allerdings wurde ich im Nachgang genauso engmaschig kontrolliert wie Krebspatienten. Fazit: Nach 5 Jahren wurde ich als geheilt angesehen und hatte seither nie wieder Probleme, kein HPV mehr und nichts. Unbehandelt hätte das zu Krebs geführt, ja, aber das konnte abgewendet werden. Ich fand die Zeit nach dem Eingriff mental anstrengend, aber als die 5 Jahre vergangen waren, verschwanden auch die Gedanken daran.

Aktuell warte ich wieder auf einen pathologischen Befund, diesmal wurden Proben von einem schnell wachsenden Polypen in der Gebärmutter entnommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein bösartiges Geschehen handelt, ist mit unter 3 Prozent gering. Und selbst wenn es sich um ein Karzinom handeln sollte, ist das sehr wahrscheinlich sehr gut behandelbar und noch längst kein Todesurteil.

Ich arbeite viel mit Statistiken und Wahrscheinlichkeiten und versuche in der Wartezeit mathematisch zu denken. 🙂 Ja, ich logge mich auch jeden Tag in meine Gesundheitsakte ein, um zu schauen, ob der Befund da ist. Ich weiß, dass der Arzt mich bei schlechtem Befund anrufen wird (ansonsten bekomme ich den Befund per Post), aber trotzdem schaue ich online nach, weil ich ungeduldig bin (und weil ich auf eine größere OP warte, die durch diese Untersuchung erst einmal aufgeschoben ist).

Sorgen mache ich mir aktuell aber nicht. Mein Mann und ich haben Schlachtpläne für beide möglichen Fälle erstellt und werden diese entsprechend befolgen. 🙂

Das alles hilft dir nun aber nicht, weil du so große Angst hast. Statistik hilft auch nur da, wo der Verstand die Oberhand behalten und Daten objektiv betrachten kann. Dominiert die Angst, ist das schwierig.

Ich würde an deiner Stelle schleunigst nach einem Therapieplatz suchen, vielleicht kannst du dich zunächst an deinen Hausarzt wenden? Zusätzlich empfehle ich dir ebenfalls, dich in einem umfangreicheren Projekt zu engagieren, um deine Gedanken gezielt in gesündere Bahnen lenken zu können.

Den Rat von Carignan Carignan finde ich auch unglaublich hilfreich, da würde ich auch noch einmal ansetzen. 🙂

Du musst nicht so leben. Du musst nicht leiden. Es gibt Hilfe. Nimm sie in Anspruch. 😊
 
Dreizehn
Benutzer20579  (41) Planet-Liebe ist Startseite
  • #13
Ich habe da sehr gute Erfahrungen mit EMDR gemacht. Wenn du etwas googeln möchtest, google Therapeuten, die das anbieten, das hilft sehr und ist auch was für eher rationale Menschen die gerne viel denken. :zwinker:
 
M
Benutzer167087  (33) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #14
Heute kam der Befund per Brief und er ist unauffällig :anbeten: Aber ich weiß jetzt schon, das wird nur für kurze Zeit beruhigend sein und ich muss mir dafür Hilfe suchen.
 
axis mundi
Benutzer172636  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #15
Sehr gut! Schön, dass die Nachrichten gut sind und richtig stark, dass du dir Hilfe holst, um diese Ängste in Zukunft in den Griff zu bekommen.
 
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