Andere Leute egal

Benutzer163461  (40)

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Hey zusammen,

ich muss mal was loswerden: mir sind andere Leute egal - der engste Familienkreis (Partnerin, Kinder) ausgenommen. Ich frag mich langsam, ob das normal ist.
In meiner Kindheit hatte ich nur Zweckfreunde, also reine Spielgefährten. In der Schul- und Studienzeit hatte ich keine engen Freundschaften, nur Lerngemeinschaften und ab und an ist man halt mal auf ne Party gegangen, aber mehr auch nicht. Aber da mich andere nicht interessieren, finde ich Smalltalk dann auch rech mühsam und lass es besser gleich bleiben, anstatt Interesse vorzugaukeln. Gut, damit bin ich oftmals angeeckt und es scheint bei anderen den Einruck zu wecken, dass ich eingebildet wäre, aber es ist einfach so, dass ich recht ungern eine Ebene zu anderen aufbaue. Soziale Anlässe sind mir deshalb ein Graus. In meiner Partnerschaft gabs deswegen schon öfters Probleme, weil sich die Eltern meiner Partnerin in meiner Gegenwart seltsam ignoriert vorkommen. Aber was soll ich machen, Interesse vorheucheln?
Einzig bei meiner Partnerin ist das anders, der erzähle ich alles was mich bewegt. Spannend ist jedoch, dass sie ebenso wenig richtige "enge" Freunde hat. Auch interessant ist, dass ich einen kreativen Beruf habe und gelernt habe, Kommunikation sichtbar zu machen.
Ich grübel da schon länger, ob das normal ist, ob man da noch was ändern kann oder soll. ?? Findet ihr das seltsam oder findet sich der ein oder andere hier wieder?
lg
 

Benutzer26398 

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Ich grübel da schon länger, ob das normal ist, ob man da noch was ändern kann oder soll.
naja wenn du zufrieden bist ist doch alles ok... so schlimm kann es ja auch gar nicht sein da ich nicht vermute das du deine Frau auf dem Basar gekauft hast sondern normal über zwischenmenschliche Kommunikation kennengelernt hast.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Mein Ex war so, ein Grund, wieso er zu meinem Ex geworden ist :zwinker:

Für mich ist das nichts, aber wenn deine Partnerin ähnlich ist, dann stört es euch doch beide nicht, oder?
 

Benutzer138875 

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Findet ihr das seltsam oder findet sich der ein oder andere hier wieder?

Ich finde mich da nicht wieder, nee. Seltsam finde ich's aber auch nicht. Nicht alle Menschen sind in gleichem Maße aufgeschlossen anderen gegenüber.
Was würde das für Dich auch ändern, wenn hier jemand sagte, er fände es "seltsam".
Das würde Dich doch vermutlich nicht interessieren, oder?
 

Benutzer133456  (49)

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Ich kann das nachempfinden.

Es war einmal ein Tahini, der war genau so. Nur traf der schon als kleiner Junge auf interessante Leute aus diversen Kulturen, die ihn da geradebogen. Auf Schueleraustausch in Frankreich und England hoerte ich dann recht oft solche Saetze wie "Das ist aber langweilig mit Dir, Du redest ja nur ueber Dich selbst", oder "Du bist aber anstrengend, man muss ja die ganze Konversation alleine bestreiten." Das gab mir zu denken. Und ich begann dann schon als junger Teenager, die etwas aufgesetzten Manieren der Franzosen und Briten zu imitieren - mit durchschlagendem Erfolg. Man glaubt gar nicht, wie weit einen so ein bisschen Heucheln bringt, und welche Welten sich einem da erschliessen. Heute wuerde ich sagen, es ist das Geheimnis meines Erfolges.

Ich meine damit nicht, dass es verwerflich ist, keine Konversationsmanieren aufzubauen; aber darauf laeuft's wohl hinaus. Man muss einfach seinen inneren Stoffel bezwingen. Es ist also nicht wirklich echtes Interesse, das ich an anderen habe, sondern eher eine Art professionelles Interesse, wie es ein ausserirdischer Anthropologe wohl haette. Jeder Mensch ist ein Forschungsobjekt, und dann schreibe ich einen Bericht fuers Ministerium auf meinem Heimatplaneten. Und wenn ich dann heimkomme, kriege ich vermutlich einen Orden.
:jaa:
 
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Benutzer136760 

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Ich grübel da schon länger, ob das normal ist, ob man da noch was ändern kann oder soll. ?? Findet ihr das seltsam oder findet sich der ein oder andere hier wieder?
Ich behaupte mal, dass alles ok ist, solange einen nicht nur Egoismus treibt. Und ganz so schlimm kann es ja nicht sein, da du ja offenbar eine Partnerin hast.

...
Und ich begann dann schon als junger Teenager, die etwas aufgesetzten Manieren der Franzosen und Briten zu imitieren - mit durchschlagendem Erfolg. Man glaubt gar nicht, wie weit einen so ein bisschen Heucheln bringt, und welche Welten sich einem da erschliessen. Heute wuerde ich sagen, es ist das Geheimnis meines Erfolges.

Ich meine damit nicht, dass es verwerflich ist, keine Konversationsmanieren aufzubauen; aber darauf laeuft's wohl hinaus. Man muss einfach seinen inneren Stoffel bezwingen. Es ist also nicht wirklich echtes Interesse, das ich an anderen habe, sondern eher eine Art professionelles Interesse
...
Das finde ich ehrlich gesagt befremdlich und hätte mit so einer Person lieber keinen persönlichen Kontakt.
Bei so einem Menschen weiß man doch gar nicht, woran man ist?
(Nicht persönlich nehmen :grin:)

Ich bin niemand, der gut etwas heucheln kann, aber ich will es auch ein Stück weit nicht, weil das dann nicht mehr ICH wäre.
 

Benutzer20579  (37)

Planet-Liebe ist Startseite
Tahini Tahini Ich finde es immer irritierend, wenn man sowas bei anderen Leuten bemerkt, das geheuchelte Interesse kann man mit entsprechenden Antennen durchaus von echtem Interesse trennen.

Zum Thema:
Ich würde sagen, dass so ein bisschen "Menschenfreude" noch keinem geschadet hat - ich habe als Teenie auch viele Jahre mit einer gewissen "Abscheu" verbracht und fand alle blöde, außer mir selbst. Irgendwann erweiterte sich dieser Kreis um einige handverlesene Leute - und dann stellte ich doch fest, dass auch drumherum noch viele interessante Persönlichkeiten schwirren, denen man eine Chance geben kann - und die auch spannender werden, wenn man mal zuhört, was in ihrer Welt so vorgeht. Sicherlich habe ich auch heute noch Tage, wo ich mir denke, dass alle bekloppt sind - aber es ist nicht mehr meine Grundeinstellung.

Letztendlich ist so eine Arroganz auch nichts, was längerfristig glücklich macht - und es eröffnen sich einem durchaus Möglichkeiten, wenn man sich mal ernsthaft fragt, was andere Menschen so bewegt und ein bisschen Empathie entwickelt.

Von daher kann der Ansatz, Interesse vorzuheucheln natürlich durchaus funktionieren - und vielleicht ist man dann auch irgendwann so weit, dass man seinen Horizont erweitert und auf einmal feststellt, dass man sich wirklich für andere Menschen interessiert.

Ansonsten muss man eben damit leben, dass man aneckt und als arrogant und egozentrisch wahrgenommen wird - ob es einem das Wert ist, muss man selbst wissen.
 
B

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Gast
Was meinst du denn mit "egal"? D.h., interessierst du dich nicht für deren Gesellschaft, oder interessierst du dich auch generell nicht für das Wohl anderer; fremder Menschen?

Ich will ja hier keine Grundsatzdiskussion anfangen, aber die Ansicht, dass letzlich alle egoistisch sind, ist ja sehr weit verbreitet. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass das stimmt, sind dir Menschen ja auch nicht per se gleichgültiger, als anderen. Dein (potenzieller) Nutzen von oberflächlichen Bekanntschaften ist nur so gering, dass du dir den Umgang mit ihnen lieber sparst. Das ist eine Abwägung vom Kosten-Nutzen-Faktor und kann in zwischenmenschlichen Beziehungen klar anecken, aber es sagt nicht zwingend etwas über deine Empathie aus. Und auch nicht über deine Ansichten zum Miteinander.

In deiner Aussage finde ich mich teilweise wieder, ja. Ich hasse soziale Events und sie ziehen viel meiner Energie. Auch bei langjährigen Freundschaften musste ich mir irgendwann (mehrfach) eingestehen, dass ich sie nur aus Höflichkeit pflege und überliess sie dann ihrem natürlichen Tod. Vorhandene Bedürfnisse nach Liebe, Freundschaft und so weiter lassen sich mit den Menschen abdecken, die bereits in meinem Umfeld sind. Mir wird auch oft gesagt, ich sollte doch offener sein und den Menschen öfter ne Chance geben, aber ich sehe nicht ein, wozu das gut sein sollte. Es gibt schlicht keine unabgedeckten Bedürfnisse, dafür ist die Gefahr, dass ich mich nerve sehr gross. Und es raubt Zeit, mit der ich Besseres anzufangen weiss.

Auch hier lässt es nicht auf "asoziale Ansichten" schliessen, geschweige denn, dass ich Menschen im Vorfeld verurteile. Ich habe nur ein aufrichtiges Desinteresse an Situationen, in denen ich nur verlieren kann. Na ja, trotzdem überrascht mich noch hin und wieder jemand sehr positiv und darüber freue ich ich auch. Ich würde diese Situationen jetzt aber nicht aktiv suchen oder provozieren.
[doublepost=1481658138,1481657949][/doublepost]Nachtrag: Wenn es zweckdienlich ist, finde ich es nicht schlimm, Interesse zu heucheln. So natürlich oft in der Arbeitswelt, oder auf Hochzeiten von der Familie etc. Das kann ich aber gerade deswegen nur so gut überstehen, weil ich mich nicht auf regelmässiger Basis dazu zwinge.

Ich finde es scheisse, Menschen mit Arroganz zu begegnen, aber höfliche Zurückhaltung sollte doch wohl gestattet sein :zwinker:
 

Benutzer6874  (35)

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Weil ich mir selber nicht egal bin, und auch meine nächsten Angehörigen nicht, können mir auch "andere Leute" nicht egal sein. Ich möchte denen ja auch nicht egal sein. Eine solche Menschheit kann nicht wirklich funktionieren. Ob "normal" oder nicht, ich finde es einfach nicht sinnvoll, und in Berufen die mit Menschen zu tun haben, schlicht falsch..

Ich vermute darum dass die Aussage "andere Leute sind mir egal" eine Definitionsfrage ist. Was ist mir egal? Ob es ihnen gut oder schlecht geht? oder ob sie FKK machen? ob sie mir freundlich gesinnt sind oder nicht? ob sie Steuern hinterziehen? :zwinker:

Oder die Aussage ist ein Versuch sich abzugrenzen und sich zu schützen vor zu viel Empathie, oder ein Abschalten und sich zeitweilig ausklinken.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Bis in meine Pubertät hinein war ich eigentlich auch immer ein recht abweisender Mensch, habe emotional niemanden so wirklich an mich heran gelassen, und auch nicht viel Energie für den Erhalt von Freundschaften bereit gestellt. Wirklich glücklich war ich damit nicht.

Irgendwann habe ich dann einen Menschen kennen gelernt, für den ich mehr als oberflächliche Zuneigung empfand. Und das empfand ich als überraschend nett. Seitdem hat sich viel geändert, und ich bin offener für andere geworden. Ich finde nicht jeden, aber zumindest viele Menschen prinzipiell erstmal interessant, weiß den Wert eines gemeinsamen Lachens oder eines geteilten Momentes zu schätzen. Ich fände es doch extrem schade, wenn ich diese Erfahrung nie gemacht und mich geändert hätte.

Wobei ich jetzt nicht sagen würde, dass ich mich als Mensch grundsätzlich geändert hätte. Ich glaube, ich war schon immer ein sozialer Mensch, nur ist das durch diverse Prägungen lange Zeit ziemlich verschütt geblieben.
 

Benutzer133456  (49)

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Das finde ich ehrlich gesagt befremdlich und hätte mit so einer Person lieber keinen persönlichen Kontakt. Bei so einem Menschen weiß man doch gar nicht, woran man ist?
(Nicht persönlich nehmen :grin:)

Ich bin niemand, der gut etwas heucheln kann, aber ich will es auch ein Stück weit nicht, weil das dann nicht mehr ICH wäre.

Das liegt ja mittlerweile auch schon 30 Jahre zurueck. Heute muss ich nicht mehr heucheln, denn es ist mir laengst zur zweiten Natur geworden, Konversationen auf eine bestimmte Art und Weise abzuwickeln. Das war einfach ein Lernvorgang, und ich moechte sogar sagen, dass vieles, von dem wir gerne sagen "so bin ich einfach" nichts weiter als eine bequeme Entschuldigung ist.
:smile:
 

Benutzer163461  (40)

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Was meinst du denn mit "egal"? D.h., interessierst du dich nicht für deren Gesellschaft, oder interessierst du dich auch generell nicht für das Wohl anderer; fremder Menschen?
Schwierig zu beschreiben.
Hilfsbereit bin ich jedoch schon, bin entsprechend so erzogen worden. Aber nur im direkten Umfeld wenn mich das betroffen macht und ich mich da hineinversetzen kann. Sobald es aber mein direktes Umfeld verlässt, bin ich recht empathiefrei. Gerade die aktuellen Themen Krieg, Elend, Hunger, Flüchtlinge juckt mich nicht wirklich. Auch Trauer und so ist bei mir von recht kurzer Dauer. Vielleicht hat das ganze was damit zu tun, dass ich keine so unbeschwerte Kindheit hatte und eine Strategie aufgebaut habe, nur nach Vorne zu schauen und nie zurück was war. (will das nicht weiter ausführen).

Tahini Tahini Das was du da "gelernt" hast, würde mich sehr interessieren! Wie kann man sowas lernen? Kannst du da Bücher / Ratgeber empfehlen?

Ein anderer Grund, weshalb ich das gerade so reflektiere ist der, dass ich bei meinem Sohn ähnliche Tendenzen sehe, er ist in der Grundschule, ein mittelmäßiger Schüler, eigentlich immer fröhlich, freundlich, aufgeschlossen und sehr auf Gerechtigkeit und Ausgleich bedacht. Aber null Freundschaften, das macht ihm zu schaffen.
Und wenn ich mir das so recht überlege, sind in meiner Familie durchaus mehrere so Stoffel, ich befürchte fast, da hab ich einen Spleen geerbt. :argh:

lg
 

Benutzer146423 

Meistens hier zu finden
So gesehen finde ich es schon mal ehrenwert, dass Du dir darüber überhaupt Gedanken machst.. :zwinker:
Aber so lange es dich nicht wirklich stört, wäre ich mir nicht so sicher, ob Du viel daran etwas wirst ändern können. :hmm:

Wer weiß, was da los ist, aber sofern es dir ansonsten gut geht und Du weder dir noch anderen mit deinem Verhalten schadest, ist es vielleicht nur Veranlagungssache.
 

Benutzer133456  (49)

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Tahini Tahini Das was du da "gelernt" hast, würde mich sehr interessieren! Wie kann man sowas lernen? Kannst du da Bücher / Ratgeber empfehlen?

Vermutlich gibt es Buecher dazu, aber ich hatte keine. Ich war einfach in der "Schule des Lebens" fuer diese Weiterbildung, haha, was bedeutete, dass mir Gleichaltrige meine Versaeumnisse um die Ohren hauten. Solltest Du Buecher suchen, so koennte ich mir vorstellen, dass sie moeglicherweise Titel haetten wie:
  • Zuhoeren lernen
  • Wie man sich fuer andere interessiert
  • Werden Sie beliebt!
Die Lektionen, die ich persoenlich verinnerlichen konnte, sind:
  1. offene Haltung einnehmen, immer (Koerpersprache: "ich bin da, und man kann mit mir spielen/ reden")
  2. freundliches Gesicht machen
  3. mit der Umgebungsdynamik mitgehen (wenn gelacht wird, lachen)
  4. Leute immer gruessen
  5. sich merken, was andere einem erzaehlen
  6. Fragen stellen, und fuer diesen Zweck einen Katalog haben; man braucht nicht viele, und die beste ist beiweitem "... und wie lief's, letzten Donnerstag, beim (hier gemerktes Erlebnis aus vorangegangener Konversation einfuegen)...?" Dann meint der andere, man nimmt anteil, und fuehlt sich geliebt. Und dann erwidert der das, und dafuer macht man das. Voellig egal, was das Konversationsthema war, man baut ja mit seiner Hilfe was viel Groesseres.
 

Benutzer163461  (40)

Benutzer gesperrt
Vermutlich gibt es Buecher dazu, aber ich hatte keine. Ich war einfach in der "Schule des Lebens" fuer diese Weiterbildung, haha, was bedeutete, dass mir Gleichaltrige meine Versaeumnisse um die Ohren hauten. Solltest Du Buecher suchen, so koennte ich mir vorstellen, dass sie moeglicherweise Titel haetten wie:
  • Zuhoeren lernen
  • Wie man sich fuer andere interessiert
  • Werden Sie beliebt!
Die Lektionen, die ich persoenlich verinnerlichen konnte, sind:
  1. offene Haltung einnehmen, immer (Koerpersprache: "ich bin da, und man kann mit mir spielen/ reden")
  2. freundliches Gesicht machen
  3. mit der Umgebungsdynamik mitgehen (wenn gelacht wird, lachen)
  4. Leute immer gruessen
  5. sich merken, was andere einem erzaehlen
  6. Fragen stellen, und fuer diesen Zweck einen Katalog haben; man braucht nicht viele, und die beste ist beiweitem "... und wie lief's, letzten Donnerstag, beim (hier gemerktes Erlebnis aus vorangegangener Konversation einfuegen)...?" Dann meint der andere, man nimmt anteil, und fuehlt sich geliebt. Und dann erwidert der das, und dafuer macht man das. Voellig egal, was das Konversationsthema war, man baut ja mit seiner Hilfe was viel Groesseres.
hmm, ich weiß nicht. Gut, Punkt 1-5 ist klar. Aber Punkt 6, da meine ich, mich irgendwo einmischen zu müssen in etwas, was mich überhaupt nichts angeht. Ich denke, wenn sich jemand mitteilen möchte, tut er das und ich brauch da nicht nachfragen und Interesse vorgaukeln. Oder wollen Menschen danach gefragt werden, wie's ihnen so geht??????? Also ich halte das "wie geht's" für eine der dämlichsten, unnötigsten, hohlsten Floskeln die es so gibt und komme mir regelrecht verarscht vor, danach gefragt zu werden. Außer einem "gut" erwartet man da eh keine vernünftige, ehrliche Antwort. Wer sagt schon, dass der Tag heute beschissen ist??
 

Benutzer133456  (49)

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Wer sagt schon, dass der Tag heute beschissen ist??

Du waerst ueberrascht.
:grin:
Ich stimme Dir zu, dass ein "wie geht's" als Floskel bedeutungslos sein kann; aber was, wenn man es anders intoniert? Es gibt da ein Spektrum des Moeglichen, definiert von diesen zwei Eckpunkten:
  • "Wie geht's," im Vorbeistolzieren, Blick auf den Horizont gerichtet, Stimme kalt, Gesichtsausdruck wie ein Untoter auf dem Weg zum Sarg; gleichbedeutend mit "mir doch egal, wie's Dir geht."
  • "Wie geht's?" waehrend man dem anderen tief ins Auge blickt, eine Hand umschliesst sein Handgelenk, ein Blick der Sorge und eine Stimme voller Waerme, wie Daktari beim Untersuchen eines kranken Tigerbabys, und man tupft Traenchen mit dem Kleenex weg.
Und irgendwo dazwischen liegt das anwendbare Mass. Und wer das richtig waehlt, wird nicht als Floskelsportler abgetan, sondern wird als Mitfuehler wahrgenommen. Und das ist wohl das zentrale Wort, ueber das Du mal recherchieren koenntest: Empathie.
 

Benutzer154731 

Verbringt hier viel Zeit
Aber Punkt 6, da meine ich, mich irgendwo einmischen zu müssen in etwas, was mich überhaupt nichts angeht. Ich denke, wenn sich jemand mitteilen möchte, tut er das und ich brauch da nicht nachfragen und Interesse vorgaukeln. Oder wollen Menschen danach gefragt werden, wie's ihnen so geht???????
Also so wie Tahini Tahini Punkt 6 beschreibt gruselt es mich ja... :what:

Ja, Menschen wollen gefragt werden. Besonders wenn es um persönlichere Sachen geht, ich drücke doch niemandem ungefragt mein Leben auf.

Ich empfinde dieses ganze Kennenlernen und Anfreunden wie ein Tanz. Beim allerersten Kennenlernen, dem allerersten Blickkontakt schätzt man sein Gegenüber ein und überlegt, ob man diesen Menschen wohl interessant finden könnte oder nicht. Und ob das wohl auf Gegenseitigkeit beruhen könnte.
Und dann ergibt ein Wort das nächste. Ich sage: was für ein tolles Wetter, er sagt: ja, wäre großartig zum Radfahren/ Wandern/ fotografieren whatever. Und sobald ich so eine kleine persönliche Aussage bekomme weiß ich, dass da mehr draus werden kann und mein Gegenüber bereit wäre, sich mir zu öffnen. Da kann ich nachfragen: ach, du fotografierst auch, ist das ein Hobby... Und schon ist man im Gespräch. Häufig lasse ich auch selber einen solchen Versuchsballon steigen und mache so eine kleine Aussage über mich um zu schauen ob mein Gegenüber darauf einsteigt und sich ein interessantes Gespräch entwickelt.

Ich tu das aber nicht um einem Plan zu folgen. Wäre für mich komplett sinnlos. Mir geht es schlicht besser, wenn ich auf Gleichgesinnte treffe. Die meine Hobbys teilen, mit denen ich lachen und eine schöne Zeit haben kann.

Letztlich haben Freundschaften eine sehr egoistische Seite für mich, langfristig will ich mich damit besser fühlen. Ne gute Freundschaft ist für beide bereichernd. Den Horizont erweitern und gemeinsam Spaß haben.

Diese Frage "wie geht's" finde ich in unserer Gesellschaft echt schwierig, weil sie inflationär gebraucht wird. Ich stell die fast nie, weil ich die sehr persönlich finde und völlig unangebracht für Fremde oder flüchtige Bekannte. Ich zwinge ja mein Gegenüber fast zu ner Lüge wenn ich bloß 'gut' hören möchte.

Diese Frage stelle ich bloß guten Freunden bei denen ich weiß dass ihnen diese Frage nicht unangenehm ist und auch nur, wenn ich weiß dass ich jetzt ne Stunde Zeit und Nerven hab um mir im Zweifel einen Leidensweg anzuhören.
[doublepost=1481794029,1481793891][/doublepost]Bei dir ist es vielleicht eine Mischung aus der Angst verletzt zu werden und dann einfach die mangelnde Übung sich mit Menschen anzufreunden und sie nur so weit an dich ran zu lassen, wie es dir nicht weh tut.
Aber wenn dir nichts fehlt ist das ja kein Problem.
 
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