An die Mobber: Warum tut ihr das/habt ihr das getan?

Benutzer151306  (35)

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Hallo,

ich hoffe, mir ist keiner böse, wenn ich noch einen Thread zum Thema eröffne.
Dieses Mal geht es allerdings um etwas anderes...

Ich würde mir wünschen, dass sich Menschen, die mobben oder gemobbt haben, zu Wort melden und mir eine Antwort auf die Frage geben, die sich wahrscheinlich jedes Mobbing-Opfer schon oft gestellt hat: Warum?


Liebe Grüße

Anton
 

Benutzer141862 

Sehr bekannt hier
Ich bezweifle, dass jemand sich mit dem Beitrag meldet "joa, ich mobbe gerne, weil XYZ". Man kann ganz selten wirklich erklären, warum man in einer oder anderen sozialen Interaktion genau so und nicht anders handelt.

Ich selbst habe Mobbing ein paar mal von der Seite beobachtet. Meistens konnte man dabei "die Guten" und "die Bösen" nicht definieren - es gehören immer zwei Seiten dazu, sowie Täter als auch Opfer. Was mir aufgefallen ist - die Opfer strahlen von sich aus gewisse Viktimität aus und die Täter lassen die Aggression raus, die sie auch früher hatten. Es ging also nicht um einen personenbezogenen Hass, sondern viel mehr um die Rollen, die beide Seiten spielen.
 

Benutzer141430  (36)

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reden wir jetzt von gezieltem mobbing einer person damit sich diese person möglichst schlecht fühlt oder ganz allgemein vom mobbing und ständig jemanden verarschen und sowas ?
 

Benutzer128943 

Sorgt für Gesprächsstoff
Sie machen es in der Regel weil es ihnen ein Gefühl von Kontrolle und Überlegenheit gibt.
 

Benutzer141430  (36)

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du siehst den unterschied nicht ob man sich eine person rauspickt und ihn quasi zur verzweiflung bringt oder ob man ständig scherze über verschiedene leute und auch sich selbst macht und so die leute aufs korn nimmt ?

meine ganze schullaufbahn ist so abgelaufen das man freunde oder klassenkameraden ständig mit irgendwas aufzieht und die verarscht. die meistens können das ab, nehmes nicht so ernst und verarschen einfach zurück. das ist ein lustiges miteinander.
dabei nimmt man dann halt auch die ins korn die nicht "zum engeren kreis" gehören. manche könnens ab und verstehen das man spass macht, andere wiederrum nicht.

wenn wir dann gemerkt haben das die leute das auf einmal gezielt mit eben denen machen die eher zurückgezogen für sich im klassenraum ihre zeit verbringen und die schnell in die opferrolle rutschen würden haben einige von uns da nen riegel vorgeschobben und gesagt "hey, lasst den armen jungen mal in ruhe".
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Im Zuge meines "Erwachsenwerdens" hab ich verschiedene Rollen ausprobiert, und mir eben erst durch ausprobieren Reflektion angelernt.
Im Grunde kann ich sagen - damals, weil es sich gut angefühlt hat, weil es einen gewissen Machtrausch gibt, wenn man andere auf gewisse Art kontrollieren kann.
Heute zurück blickend - weil ich wusste wie sich Opfer sein anfühlt, und weil ich mich da raus gekämpft hatte - nicht um sofort reif und empathisch zu sein, sondern erstmal um nie mehr zu unterliegen. Was lag da näher als selbst die Stärkere zu werden?
Keine Form innerer Stärke, wie man sie erst viel später lernt, sondern oberflächliche Stärke, die sich nur dadurch definiert, dass andere schwächer sind.
Und nicht zuletzt war es eine Form von dazugehören in einer "oberen Liga".

Nichts worauf ich stolz bin, aber auch ein Zug an mir der reflektiert und akzeptiert ist.
 

Benutzer101504 

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Ich bezweifle, dass jemand sich mit dem Beitrag meldet "joa, ich mobbe gerne, weil XYZ". Man kann ganz selten wirklich erklären, warum man in einer oder anderen sozialen Interaktion genau so und nicht anders handelt.
Ich widersprech dir mal und melde mich :zwinker:


Sie machen es in der Regel weil es ihnen ein Gefühl von Kontrolle und Überlegenheit gibt.

Kann gut sein, dass es bei einigen so ist, aber es ist nicht immer so.
Ich selbet habe bedauerlicher Weise jemanden aus meiner Klasse 2 Jahre lang gemobbt.
Das war so im Alter von 12-14 Jahren.

Es hat damit angefangen, dass wir auf Klassenfahrt waren. Auf unserem Zimmer war noch ein Bett frei und unser Lehrer hat uns einen Jungen mit ins Zimmer gesetzt, mit dem meine Freunde und ich nichts Anfangen konnten und mit dem wir außer im Klassenzimmer auch nie was zu tun hatten. Nun gut, nach 2 Tagen stank unser Zimmer kotzerbärmlich und auch die Mädels wollten deshalb nicht mehr zu uns. Der Grund war, dass dieser Junge weder frische Klamotten anzog, obwohl er reichlich dabei hatte, noch sich waschen oder duschen ging. Das ging soweit, dass wir ihm, ich glaube am 4. Tag mit allen anderen aus dem Zimmer, samt Klamotten in die Dusche zerrten und das Wasser aufdrehten. Er petzte und wir mussten nach Hause und haben richtig ärger bekommen. Von da an hatten wir den auf dem Kicker.

Als ich dann mit 14 die Schule (Realschule auf Gymnasium)wechselte, weil ich unterfordert war, kam ich dann in eine Klasse, wo ein Junge gemobbt wurde, mit dem ich vorher schon befreundet war. Da war es dann was ganz anderes für mich und ich hab mich dazwischen gestellt und wäre fast auch ein Mobbingopfer geworden, wenn ich mich nicht sehr überzeugend gewehrt hätte, als sie meinen Rucksack klauen und auskippen wollten. Ende vom Lied war eine gebrochenes Jochbein eines Mobbers und 3 ausgetretene Zähne eines anderen. Die anderen Mobber trauten sich darauf nicht mehr in meine Nähe oder die meines Freundes. Allerdings wurde ich direkt nach 2 Wochen auf der Schule schon eine Woche beurlaubt.
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich muss allerdings sagen, sofern es sich wirklich um Kinder und junge Teenager handelt, picken die sich meist nicht überlegt und gezielt ein Opfer raus - Kinder spüren schlicht sehr gut, wer "stark" und wer "schwach" ist. Und wer anders ist.
Und das Austesten von Machtgrenzen ist... ein Rausch. Ist Bosheit immer, wenn man die Veranlagung hat.
Man merkt was man alles kann, und dass man so auf der Gewinnerseite steht.
"Wir gegen die" ist wohl ein anerkanntes soziales Merkmal - und je nach Wesen findet man das wohl auf unterschiedliche Art heraus. Grade junge Menschen in der Orientierungsphase und in ersten Gruppenstrukturen finden das besonders ... extrem heraus.

Ich behaupte nie, ein Grund auf netter Mensch zu sein. Bin ich nicht. Aber ich habe Reflektion und Mitgefühl gelernt, ich habe bewusst die Möglichkeiten wahrgenommen und entschieden wie ich sein will, weil ich das richtig so finde. Offenbar nutzen nicht alle diese Chance freien Willens, wie sonst ließe sich erklären, dass so viele erwachsene Menschen unter Quälerei am Arbeitsplatz leiden?

Vielleicht grade WEIL ich beide Extreme durch hab, habe ich gelernt, einen Schritt zur Seite zu treten, und Situationen von außen zu sehen. Und für mich nach richtig und falsch zu bewerten - ob ich dann auch danach handeln kann, joa nun, das hängt davon ab, wie emotional ich involviert bin.
Ich weiß wozu ich fähig bin, und wie ich es im Zaum halte - weil ich die Freiheit mich zu entscheiden, wie ich sein will über mögliche Erstimpulse setze.

Aber das von einer 10 jährigen zu erwarten, wäre schon etwas... hoch gegriffen. Ich entschuldige es nicht, aber ich ... akzeptiere es.
 

Benutzer6874  (35)

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Im andern Thread hab ich drauf hingewiesen, wie viel man beim Mobbing lernen kann. Hier ist die Illustration dazu :zwinker:
Der Täter kann dabei menschlich reifen, das Opfer geht kaputt.
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Ich denke, dass bei jungen Menschen es vor allem ein "weil ich es konnte" ist. Jugendliche sehen Grenzen häufig noch nicht und sind noch nicht so empathisch. Sie müssen sich ausprobieren. Setzen dann Opfer, Lehrer, Eltern, Sozialarbeiter, etc keine Grenzen, dann macht man eben immer weiter.
Wir hatten in unserer Stufe mehrer Fälle von Mobbing. In allen Fäller waren die "Täter" keine von Grund auf bösen Leute, meist sher gewitzt, klug, cool und irgendwie nett. Nur eben auch übermütig und sie waren stark. Sie haben sich die Leute herausgepickt die teilweise das Gegenteil von ihnen waren und dem nichts entgegenbringen konnten: Zurückgezogenen Charaktäre, starke äußerliche Auffälligkeit (pummelig, piepsige Stimme) oder sie hatten andere "Absonderlichkeiten" an sich (Manga-Mädchen, Mamakind, klassische Musik, "schwules" Auftreten,...).
3 von den 4 "Opfern" haben die Zeit von damals recht gut überstanden und sind zu starken und tollen Menschen herangewachsen, mit der 4. habe ich keinen Kontakt mehr gehabt. Die Täter, bzw. die die in dem ganzen Mobbingprozess die Vorreiterrolle hatten, sind heute entweder irgendwie gestrandet oder haben sich tatsächlich für ihr Verhalten entschuldigt oder zumindest anderen gegenüber - wenn auch nicht den Opfern - eingestanden, dass es ganz schön scheiße war.
Die Opfer von damals haben es geschafft die Gründe, weswegen sie gemobbt wurden, zu eliminieren. Einen 27-jährigen Opernsänger lacht keiner mehr aus, eine Piepsstimme verwächst sich, etc.
 

Benutzer128943 

Sorgt für Gesprächsstoff
Als Stärke seh ich das nicht, jeder Mensch ist in der Lage sich Gemeinheiten auszudenken oder negative Kommentare von sich zu geben.
Aber ein Schulkind, dass heftigst gemobbt wird, es aber dennoch hinkriegt sich gegen die Mobber durzusetzen, das wäre schon ne starke Leistung
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich war mal auf einer Klassenfahrt tierisch von einem Mitschüler angenervt und wohl nicht so ganz nett zu ihm. Das war gar keine bewusste Entscheidung, ich hatte nur nicht wirklich drüber nachgedacht. Hinterher hatte ich voll das schlechte Gewissen.

Irgendwann später hab ich ihn drauf angesprochen (waren mittlerweile Freunde), er konnte sich aber gar nicht dran erinnern dass ich gemein zu ihm gewesen wäre.

Ansonsten hab ich nur Mobbing-Erfahrungen von der anderen Seite gesammelt.
 

Benutzer9517  (31)

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Die Opfer von damals haben es geschafft die Gründe, weswegen sie gemobbt wurden, zu eliminieren. Einen 27-jährigen Opernsänger lacht keiner mehr aus, eine Piepsstimme verwächst sich, etc.
Heisst das: die Opfer wurden an sich zu Recht gemobbt? :zwinker:
Auslachen ist übrigens nicht Mobbing. Außer es geschieht systematisch, und dann braucht es dazu schon gar keinen Grund mehr. Da geht es um Hierarchie. In meiner Primarschulklasse hat es doch der Dickste hingekriegt, einen wesentlich weniger dicken Mitschüler unangefochten als dicke Sau zu verlachen...
 

Benutzer68775  (37)

Planet-Liebe Berühmtheit
Im andern Thread hab ich drauf hingewiesen, wie viel man beim Mobbing lernen kann. Hier ist die Illustration dazu :zwinker:
Der Täter kann dabei menschlich reifen, das Opfer geht kaputt.

Man kann auch aus der Opferrolle stärker hervorkommen, und lernen, wie man kein Opfer mehr wird...
wie gesagt. Ich kenn beides. Und beides hat mich viel gelehrt.
 

Benutzer127113 

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Dann meld ich mich hier mal als ehemaliger Mobber zu Wort. Ich werd mal versuchen dir meine Sichtweise der Dinge etwas näher zu bringen... allerdings habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass die meisten "außenstehenden" die Dinge nicht nachvollziehen können.
Ich würde mir wünschen, dass sich Menschen, die mobben oder gemobbt haben, zu Wort melden und mir eine Antwort auf die Frage geben, die sich wahrscheinlich jedes Mobbing-Opfer schon oft gestellt hat: Warum?
Ich könnte an dieser Stelle einfach sagen: "Weil ichs konnte."
Aber das würde die Sache irgendwie zu einfach machen, obwohl es im Grunde genommen stimmt. Die Hauptursache war Langeweile... vom Prinzip her ist Schüler sein, genau wie Freigänger im Knast zu sein: Du weisst wieviele Jahre du noch vor dir hast, musst zu einer bestimmten Uhrzeit wieder da sein und wenn du nicht hingehst, wirst du von der Polizei abgeholt hingebracht. Und genau wie im Gefängnis entsteht eben eine Art "natürliche" Hackordnung- vorallem da die Lehrer nicht wirklich was mitbekommen. Jetzt mal unabhängig vom Mobbing haben wir damals schon mit einer ganzen Menge Scheiße (Tafel mehrmals aus der Wand gerissen und solche Spässe*) durchgekommen, meistens deshalb, weil sich keiner getraut hat uns zu verpetzen. Auf Petzen stand Klassenkeile- womit wir wieder beim Mobbing wären.

*Kurze Break: Ich muss grad wieder lachen, wenn ich dran zurrückdenke, wie wir uns da mit fünf Leuten drangehängt haben, umd das Ding aus der Wand zu reißen. Hat ungefähr eine Woche gedauert, bis wir eine neue Tafel hatten, die dann auch dran glauben musste. Woah, das Gab "richtig Ärger". Sachbeschädigung war damals die pure Lustigkeit. Warum? Einfach deshalb, weil es keine Konsequenzen hatte.

Aber wieder zurrück zum Thema: Mobbing war ebenfalls eine meiner bevorzugten Beschäftigungen. Was sollte man auch sonst machen? Du musst dir die Situation so vorstellen: Vor der Klasse steht ein überforderter Lehrer, der nichts mitbekommt und absolut null Autorität hat. Hinten in der letzen Reihe sitzen ich und meine Kumpels. Das war damals vor der Handyzeit- die einzige "sinnvolle" Beschäftigung bestand dann darin, einen Mitschüler zu pisacken.
Während des Unterrichts war das halt der so das Standartzeug: Papierkügelchen werfen, von hinten leise Beleidigungen flüstern (laut genug, damit die ganze Klasse es höhrt- leise genug, dass der Lehrer nichts merkt), Anmalen oder Zettel hinten auf den Pullover kleben. Mein persöhnlicher Favourit: "Ich bin nicht tot, ich riech nur so!"
Damit ist dann im Unterricht erstmal ganz gut unterhalten und als netten Zusatzeffekt findet der Rest der Klasse, das ganze auchnoch klasse (Wortwitz). Wobei die Aufmerksamkeit der Mädchen doppelt zählt.

Man macht halt einen Spruch und die ganze Klasse lacht. Es war halt auch eine Form der Gruppenbildung: Wir, die ganze Klasse, gegen die Opfer. Nach meiner Beobachtung gab es das in ausnahmslos jeder Klasse ein oder zwei Opfer. Aber aus damaliger Sicht hatten sie es auch echt verdient- also jetzt nicht so, dass mir jemals einer von denen etwas getan hätte. Es ist einfach so, dass nach ein paar Tagen automatisch feststeht, wer das Opfer ist und wer die coolen Kinder sind.
Der Rest ergibt sich dann alleine.

Auch wenn sich Mobbing direkt und persöhnlich gegen die Opfer richtet, war es bei mir bzw. uns niemals etwas persöhnliches. Persöhnlich hatte ich eigendlich nichts gegen meine Opfer, ich hab sie halt irgendwie nicht gemocht, weil sie "halt Opfer waren"... womit sich die Sache im Kreis dreht.
Viele Sachen waren auch Spontankationen, so auch das einzige Mal, wo ich zum Direktor musste: Schulhof, Winter, kalt. Wir stehen halt so rum, und nen Opfer stellt sich neben uns. Wollte wohl irgendwie dazu gehöhren oder sowas. War auch egal, haben wir ignoriert.
Ich hab nen bisschen in meiner Jacke rumgespielt und nen Feuerzeug gefunden. War nichts persöhnliches, aber ich hab mich halt gefragt "ob die Jacke wohl gut brennt" (gemeint ist die Dauenjacke von unserem Klassenopfer). Hat gebrannt. Ziemlich gut sogar. (Dem Jungen ist nichts weiter passiert. War nur die Jacke im Arsch.)
Jedenfalls musste ich dann zum Direktor. Ich hatte richtig Angst, dass ich deswegen von der Schule fliege...
Aber nix da. Die einzige Konsequenz war, dass ich mich bei meinem Opfer entschuldigen musste und meine Eltern die Jacke bezahlt haben.
Im Anschluss daran wurde ich als Held gefeiert- zumindest für die nächsten paar Wochen war ich ein "Gott unter Sterblichen". Ich war der Junge, der "Klassenopfer" abgefackelt hat. Hab deswegen sogar einen Liebesbrief von einem Mädchen aus der Parralklasse bekommen.

Absolut jede Scheiße, die wir damals gemacht haben, wurde von unseren Mitschülern mit Respekt und Anerkennung belohnt. Als Mobber war man ein gemachter Mann- wenn wir die Klasse betreten haben, war das so, wie in Sizilien wenn der Mafiaboss anrückt: Alle zollen einem Respekt.

Respekt ist auch das, worauf es ankommt. Die wichtigste Lektion, die ich damals gelernt habe ist folgende:
Wenn die Leute Angst vor dir haben, ist das gut. Wenn die Leute dich mögen, ist das noch besser.
Aber: Wenn du weder gemocht, noch gefürchtet wirst... hast du voll verschissen.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass die Lehrer das auch so gesehen haben: Indem sie uns (außer in richtig Krassen Fällen) in Ruhe gelassen haben, haben sie keine Probleme mit uns bekommen. Ohne jetzt anmaßend klingen zu wollen: "Wir" (die Mobber und Schläger der gesammten Schule) hatten auf dem Schulhof auf jeden Fall mehr Autorität als die Lehrer. Mit uns hat sich einfach keiner angelegen wollen. Die haben ganz genau gewusst: Gegen uns war keine Klasse zu unterrichten. War halt ein leben und leben lassen. Als "Gegenleistung" für das Wegschauen der Lehrer haben wir unsere Aktionen auf die "Opfer" beschränkt. Der Klassenzusammenhalt insgesammt war ziemlich gut. Unterricht lief auch meistens flüssig.



Hab meinen Text gerade nochmal überflogen. Bin irgenwie vom Thema abgekommen. Aber vielleicht hilfts dir trotzdem, auch wenn ich die Frage nach dem "Warum" nicht wirklich beantworten kann.
Ansonsten zum Abschluss noch die andere große Frage: "Was habe ich daraus gelernt?" Diese kann ich beantworten:
Eine ganze Menge über Gruppendynamik und Führung. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich in meiner Zeit als aktiver Mobber mehr über (Personal)führung gelernt habe, als in der Meisterschule- und da war das ein Prüfungsfach.
Arbeite heute übrigens als "Coach" (Neudeutsch für: Meister mit Mangment funktion) in einem großen deutschen Unternehmen, weshalb ich meinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

p.s. Um Vorurteilen zuvor zu kommen: Ich war auf einem Gymnasium. Auf anderen Schulformen hätte das auch so nicht funktioniert- ohne jetzt andere Schulen abwerten zu wollen, aber auf der Hauptschule gibts vielleicht mal was auf die Fresse, aber Sozialterrorismus auf "unserem Niveu" zu organisieren setzt schon eine gewisse Intelligenz voraus.

_______________________________________________________________________________________
Edit: Im anderen Thread kommt immerwieder die Frage auf, ob den Mobbern ihre Taten leid tun.
Zumindest für mich kann ich sagen: Nein, tun sie nicht.
Also ich weiss schon, dass mein Verhalten damals falsch war und es mir eigendlich leid tun sollte, was ich meinen Opfern damals angetan habe- aber auch wenn ich intensiv darüber nachdenke, dann ist das nichts. Kein Mitgefühl für die Opfer, keine Reue für meine Taten , einfach nichts. Vielmehr hab ich ein lächeln im Gesicht, wenn ich an die ganze Scheiße denke (unabhängig vom Mobbing), die wir damals so abgezogen haben.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer141430  (36)

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Ich hab nen bisschen in meiner Jacke rumgespielt und nen Feuerzeug gefunden. War nichts persöhnliches, aber ich hab mich halt gefragt "ob die Jacke wohl gut brennt" (gemeint ist die Dauenjacke von unserem Klassenopfer). Hat gebrannt. Ziemlich gut sogar. (Dem Jungen ist nichts weiter passiert. War nur die Jacke im Arsch.)
setzt schon eine gewisse Intelligenz voraus.
das widerspricht sich ja viel mehr und beweist eher das gegenteil ^^

solche sachen meine ich aber mit "denen haben wir einen riegel vorgeschoben".
wenn sie leute jeden mal aufs korn genommen haben und es auch vertragen konnten wenn sie mal aufs korn genommen werden, dann war alles gut und wir haben uns verstanden. wenn man aber so vorgegangen ist wie Chico das beschreibt ... das hat man bei uns in den klassen 1 mal gemacht und wurde von uns ermahnt. nach dem zweiten mal hat sich das keiner mehr getraut.

verhindern konnte ich sowas aber auch erst nach der oberschule. bis zur 9. klasse war ich selbst eins dieser opfer.
ich wurde zwar größtenteils in ruhe gelassen indem ich nicht mit irgendwas beworfen wurde oder physisch angegangen wurde und hab meine zeit allein in der klasse abgesessen bis ich wieder nach hause durfte aber ich durfte mir immer wieder mal nen spruch anhören und all sowas.

das hat sich dann angefangen in der 9. klasse zu ändern und ab der 10. klasse war sowieso schluss damit.
der coole "classenclown" hat in der 9. klasse das letzte mal versucht mir dann weismachen zu wollen ich sei immernoch das opfer und solle mich nicht aufspielen indem er meine schultasche ausgekippt hat und meinte mich auslachen zu müssen.
da hat er dann heftig eins auf die nase bekommen und ich hab ihn übers fenster gelehnt und ihm gesagt das ich ihn beim nächsten mal aus dem fenster schmeiße. ab da war ruhe, schlagartig.

danach in meinen ausbildungen und abendschulen war ich dann eins der coolen kids und da hats dann auch angefangen das ich und somit auch mein freundeskreis nicht zugelassen haben das einzelne personen gezielt gemobbt werden.
 

Benutzer151306  (35)

Benutzer gesperrt
Wow, so viele Antworten. Danke, dass ihr ein wenig Licht in das Dunkel bringt.

Kommt hier wer aus Sachsen?
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Edit: Im anderen Thread kommt immerwieder die Frage auf, ob den Mobbern ihre Taten leid tun.
Zumindest für mich kann ich sagen: Nein, tun sie nicht.
Also ich weiss schon, dass mein Verhalten damals falsch war und es mir eigendlich leid tun sollte, was ich meinen Opfern damals angetan habe- aber auch wenn ich intensiv darüber nachdenke, dann ist das nichts. Kein Mitgefühl für die Opfer, keine Reue für meine Taten , einfach nichts. Vielmehr hab ich ein lächeln im Gesicht, wenn ich an die ganze Scheiße denke (unabhängig vom Mobbing), die wir damals so abgezogen haben.

Danke für diesen sehr ausführlichen und ehrlichen Beitrag. Was mich noch interessiert, ist, ob du generell empathielos bist, was die Auswirkungen deines Verhaltens angeht, und eigenes Fehlverhalten allein intellektuell reflektierst (wenn überhaupt) oder ob sich diese – man muss sie ja fast schon soziopathische – Haltung allein auf dein Mobbing beschränkt?
 

Benutzer151306  (35)

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Dann meld ich mich hier mal als ehemaliger Mobber zu Wort. Ich werd mal versuchen dir meine Sichtweise der Dinge etwas näher zu bringen... allerdings habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass die meisten "außenstehenden" die Dinge nicht nachvollziehen können.

Ich könnte an dieser Stelle einfach sagen: "Weil ichs konnte."
Aber das würde die Sache irgendwie zu einfach machen, obwohl es im Grunde genommen stimmt. Die Hauptursache war Langeweile... vom Prinzip her ist Schüler sein, genau wie Freigänger im Knast zu sein: Du weisst wieviele Jahre du noch vor dir hast, musst zu einer bestimmten Uhrzeit wieder da sein und wenn du nicht hingehst, wirst du von der Polizei abgeholt hingebracht. Und genau wie im Gefängnis entsteht eben eine Art "natürliche" Hackordnung- vorallem da die Lehrer nicht wirklich was mitbekommen. Jetzt mal unabhängig vom Mobbing haben wir damals schon mit einer ganzen Menge Scheiße (Tafel mehrmals aus der Wand gerissen und solche Spässe*) durchgekommen, meistens deshalb, weil sich keiner getraut hat uns zu verpetzen. Auf Petzen stand Klassenkeile- womit wir wieder beim Mobbing wären.

*Kurze Break: Ich muss grad wieder lachen, wenn ich dran zurrückdenke, wie wir uns da mit fünf Leuten drangehängt haben, umd das Ding aus der Wand zu reißen. Hat ungefähr eine Woche gedauert, bis wir eine neue Tafel hatten, die dann auch dran glauben musste. Woah, das Gab "richtig Ärger". Sachbeschädigung war damals die pure Lustigkeit. Warum? Einfach deshalb, weil es keine Konsequenzen hatte.

Aber wieder zurrück zum Thema: Mobbing war ebenfalls eine meiner bevorzugten Beschäftigungen. Was sollte man auch sonst machen? Du musst dir die Situation so vorstellen: Vor der Klasse steht ein überforderter Lehrer, der nichts mitbekommt und absolut null Autorität hat. Hinten in der letzen Reihe sitzen ich und meine Kumpels. Das war damals vor der Handyzeit- die einzige "sinnvolle" Beschäftigung bestand dann darin, einen Mitschüler zu pisacken.
Während des Unterrichts war das halt der so das Standartzeug: Papierkügelchen werfen, von hinten leise Beleidigungen flüstern (laut genug, damit die ganze Klasse es höhrt- leise genug, dass der Lehrer nichts merkt), Anmalen oder Zettel hinten auf den Pullover kleben. Mein persöhnlicher Favourit: "Ich bin nicht tot, ich riech nur so!"
Damit ist dann im Unterricht erstmal ganz gut unterhalten und als netten Zusatzeffekt findet der Rest der Klasse, das ganze auchnoch klasse (Wortwitz). Wobei die Aufmerksamkeit der Mädchen doppelt zählt.

Man macht halt einen Spruch und die ganze Klasse lacht. Es war halt auch eine Form der Gruppenbildung: Wir, die ganze Klasse, gegen die Opfer. Nach meiner Beobachtung gab es das in ausnahmslos jeder Klasse ein oder zwei Opfer. Aber aus damaliger Sicht hatten sie es auch echt verdient- also jetzt nicht so, dass mir jemals einer von denen etwas getan hätte. Es ist einfach so, dass nach ein paar Tagen automatisch feststeht, wer das Opfer ist und wer die coolen Kinder sind.
Der Rest ergibt sich dann alleine.

Auch wenn sich Mobbing direkt und persöhnlich gegen die Opfer richtet, war es bei mir bzw. uns niemals etwas persöhnliches. Persöhnlich hatte ich eigendlich nichts gegen meine Opfer, ich hab sie halt irgendwie nicht gemocht, weil sie "halt Opfer waren"... womit sich die Sache im Kreis dreht.
Viele Sachen waren auch Spontankationen, so auch das einzige Mal, wo ich zum Direktor musste: Schulhof, Winter, kalt. Wir stehen halt so rum, und nen Opfer stellt sich neben uns. Wollte wohl irgendwie dazu gehöhren oder sowas. War auch egal, haben wir ignoriert.
Ich hab nen bisschen in meiner Jacke rumgespielt und nen Feuerzeug gefunden. War nichts persöhnliches, aber ich hab mich halt gefragt "ob die Jacke wohl gut brennt" (gemeint ist die Dauenjacke von unserem Klassenopfer). Hat gebrannt. Ziemlich gut sogar. (Dem Jungen ist nichts weiter passiert. War nur die Jacke im Arsch.)
Jedenfalls musste ich dann zum Direktor. Ich hatte richtig Angst, dass ich deswegen von der Schule fliege...
Aber nix da. Die einzige Konsequenz war, dass ich mich bei meinem Opfer entschuldigen musste und meine Eltern die Jacke bezahlt haben.
Im Anschluss daran wurde ich als Held gefeiert- zumindest für die nächsten paar Wochen war ich ein "Gott unter Sterblichen". Ich war der Junge, der "Klassenopfer" abgefackelt hat. Hab deswegen sogar einen Liebesbrief von einem Mädchen aus der Parralklasse bekommen.

Absolut jede Scheiße, die wir damals gemacht haben, wurde von unseren Mitschülern mit Respekt und Anerkennung belohnt. Als Mobber war man ein gemachter Mann- wenn wir die Klasse betreten haben, war das so, wie in Sizilien wenn der Mafiaboss anrückt: Alle zollen einem Respekt.

Respekt ist auch das, worauf es ankommt. Die wichtigste Lektion, die ich damals gelernt habe ist folgende:
Wenn die Leute Angst vor dir haben, ist das gut. Wenn die Leute dich mögen, ist das noch besser.
Aber: Wenn du weder gemocht, noch gefürchtet wirst... hast du voll verschissen.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass die Lehrer das auch so gesehen haben: Indem sie uns (außer in richtig Krassen Fällen) in Ruhe gelassen haben, haben sie keine Probleme mit uns bekommen. Ohne jetzt anmaßend klingen zu wollen: "Wir" (die Mobber und Schläger der gesammten Schule) hatten auf dem Schulhof auf jeden Fall mehr Autorität als die Lehrer. Mit uns hat sich einfach keiner angelegen wollen. Die haben ganz genau gewusst: Gegen uns war keine Klasse zu unterrichten. War halt ein leben und leben lassen. Als "Gegenleistung" für das Wegschauen der Lehrer haben wir unsere Aktionen auf die "Opfer" beschränkt. Der Klassenzusammenhalt insgesammt war ziemlich gut. Unterricht lief auch meistens flüssig.



Hab meinen Text gerade nochmal überflogen. Bin irgenwie vom Thema abgekommen. Aber vielleicht hilfts dir trotzdem, auch wenn ich die Frage nach dem "Warum" nicht wirklich beantworten kann.
Ansonsten zum Abschluss noch die andere große Frage: "Was habe ich daraus gelernt?" Diese kann ich beantworten:
Eine ganze Menge über Gruppendynamik und Führung. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich in meiner Zeit als aktiver Mobber mehr über (Personal)führung gelernt habe, als in der Meisterschule- und da war das ein Prüfungsfach.
Arbeite heute übrigens als "Coach" (Neudeutsch für: Meister mit Mangment funktion) in einem großen deutschen Unternehmen, weshalb ich meinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

p.s. Um Vorurteilen zuvor zu kommen: Ich war auf einem Gymnasium. Auf anderen Schulformen hätte das auch so nicht funktioniert- ohne jetzt andere Schulen abwerten zu wollen, aber auf der Hauptschule gibts vielleicht mal was auf die Fresse, aber Sozialterrorismus auf "unserem Niveu" zu organisieren setzt schon eine gewisse Intelligenz voraus.

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Edit: Im anderen Thread kommt immerwieder die Frage auf, ob den Mobbern ihre Taten leid tun.
Zumindest für mich kann ich sagen: Nein, tun sie nicht.
Also ich weiss schon, dass mein Verhalten damals falsch war und es mir eigendlich leid tun sollte, was ich meinen Opfern damals angetan habe- aber auch wenn ich intensiv darüber nachdenke, dann ist das nichts. Kein Mitgefühl für die Opfer, keine Reue für meine Taten , einfach nichts. Vielmehr hab ich ein lächeln im Gesicht, wenn ich an die ganze Scheiße denke (unabhängig vom Mobbing), die wir damals so abgezogen haben.


Hey Julio, danke für den langen Beitrag! Ich wollte dich gerade privat anschreiben, kriege es allerdings nicht hin. Da steht stehts was von maximal 420 Zeichen und ich nehme an, das ist nicht die PN-Funktion, die ich suche. Was könnte da nicht stimmen?
 
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