An alle Hobby-Psychologen, wichtige Frage!

Benutzer13901  (45)

Grillkünstler
Ich finde er hat nicht bedingt unrecht, da ich auch genug "psychisch kranke" Menschen kennen die sich gerne auf dieser Erkrankung ausruhen.
Ich denke man muß differenzieren zwischen wirklich psychisch kranken Menschen und welchen die nur unter den Modekrankheiten leiden und denen die sich ihre Erkrankung selber diagnostizieren.
Wenn ich hier zum Beispiel von einem 14 jährigen lese das er soziophob sei frag ich mich ernsthaft wer hat das diagnostiziert oder ist der Junge einfach nru extrem schüchtern, oder wenn Mandanten zu mir kommen die meinen ihre Kinder haetten ADS/ADHS ohne vernünftige Untersuchung aber dann natürlich das Erkrankungsbild als Entschuldigung für alles suchen geht mir die Hutschnut hoch.
 

Benutzer125136 

Öfters im Forum
Ich bezieh mal stellung zu dem ersten Post:

Der Freie wille schön und gut aber es gibt halt Menschen die in manchen Situation einfach nicht zurechtkommen und auch nicht wieder zurück kommen entweder weil Sie nicht wollen oder nicht können.

Sie sind halt anders als die anderen dein Freund ist halt davon überzeugt das solche Menschen nicht selbst lebensfähig sind und du wirst ihn davon auch nicht abbringen, hat er schon Erfahrungen mit solchen Menschen gesammelt.

_________________________________________________________

Wenn ich hier zum Beispiel von einem 14 jährigen lese das er soziophob sei frag ich mich ernsthaft wer hat das diagnostiziert

Ok mit 14 würd ich noch nicht sagen das ich mich selber kenne aber mit 20 - 25+ sollte man sich selber soweit kennen das man weis was in einem Abgeht.
 

Benutzer50283 

Sehr bekannt hier
[...] Ok mit 14 würd ich noch nicht sagen das ich mich selber kenne aber mit 20 - 25+ sollte man sich selber soweit kennen das man weis was in einem Abgeht.
Du kannst feststellen, welche Besonderheiten du an dir zu beobachten glaubst bzw. welche Beschwerden du hast, eine Diagnose ist das allerdings nicht.
 

Benutzer4590 

Planet-Liebe ist Startseite
Ich finde er hat nicht bedingt unrecht, da ich auch genug "psychisch kranke" Menschen kennen die sich gerne auf dieser Erkrankung ausruhen.

Irgendwie werden hier dauernd verschiedene Paar Schuhe durcheinandergeworfen: Was hat die Tatsache, dass sich manche Menschen hinter einer Krankheit "verstecken", mit der Frage zu tun, ob psychische Leiden eine richtige Krankheit (bzw. Störung) sind?

Dass Leute Krankheiten als Mittel zum Zweck benutzen, kommt im psychischen und im physischen Bereich vor; man kann eine Depression genauso "ausnutzen" wie ein gebrochenes Bein oder Diabetes. Jemand, der sowas tut (ob nun absichtlich oder unabsichtlich), ist aber deswegen nicht weniger krank - das Bein ist und bleibt gebrochen, ob ich mich darauf nun "ausruhe" oder nicht.

Einem psychisch Kranken zu sagen, er müsste sich bloß mal ein bissl zusammenreißen, ist m. E. ungefähr genauso hirnverbrannt wie zu einem Rollstuhlfahrer zu sagen "Reiß dich mal zusammen, du kannst laufen, du stellst dich doch nur an."
 

Benutzer121281  (32)

Planet-Liebe ist Startseite
Mein Mann war da ähnlich drauf. Man müsse sich nur zusammenreissen, man könne das alles steuern, es ist ja alles "nur im Kopf". Irgendwann ist mir da mal der Kragen geplatzt und ich hab ihm vor Augen geführt, dass er -der sich sonst immer auf Fakten beruft und auf die Korrektheit seiner Aussagen achtet- offenbar keinerlei Ahnung und Wissen in dem Bereich hat. Da eine gute Freundin von mir unter der gleichen Störung leidet, hatte ich da entsprechenden Rückhalt.

Bei ihm hat es klick gemacht, er hat angefangen sich weitreichend zu informieren und sich Wissen anzueignen. Inzwischen ist er soweit, dass er mir ab und an Links zukommen lässt mit neuen Erkenntnissen, Behandlungsmöglichkeiten etc. Er hat sich da also ziemlich gewandelt, was sicherlich auch daran liegt, dass ich Betroffene bin und er nun besser mit mir umgehen, gewisse Dinge nachvollziehen und Anzeichen deuten kann - zT noch, bevor ich sie selbst sie bemerke.
 

Benutzer116974 

Öfters im Forum
Ja jeder hat einen freien Willen, auch "psychisch kranke" Menschen... aber wie geht man mit dem freien Willen um? Man handelt so, wie man es will, wir man es für richtig hält.
Psychisch kranke Menschen jedoch, haben nicht das Problem das sie keinen freien Willen haben, sondern dass ihr Wille anders bzw nicht kompatible mit dem Anderer, normaler Menschen, ist.

Außerdem muss man davon ausgehen, dass ein Psychisch kranker Mensch nicht weiß, dass er krank ist...Er kann es sogar zugeben, er sei es, damit man Ruhe gibt zum Beispiel, aber einsehen ist eine andere Sache... Und so lange er es nicht einsieht, ist sein Handeln normal für ihn...
Nehmen wir an, ich würde sagen du seist krank weil du im Internet unterwegs bist... Da du diese Aussage nicht einsehen bzw unterstützen wirst (ich auch nicht xD) wirst du weiterhin im Internet unterwegs sein, so lange wie du denkst, es sei etwas ganz normales (was es ja auch ist :zwinker: ) ...Dieses Beispiel scheint jetzt sehr suspekt zu sein für dich, aber genau so ist es für kranke Menschen wenn man ihnen sagt, dies und das ist unnormal an ihrem Verhalten...

Somit handeln psyschich kranke Menschen nach ihrem freien Willen zwar, aber dieser freie Wille, dieses Verhalten was sie an den Tag legen, ist in unseren Augen unnormal, während es in ihren normal ist...

Ich hoffe ich konnte dir hiermit weiterhelfen. Alles gesagte beruht auf meinen Einschätzungen...
mfg
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Warum sind psychische Krankheiten, obwohl die Zahl der Diagnosen nach meinem Empfinden steigen, immer noch so ein rotes Tuch?
Das werde ich als Sozialphobiker Dir gern erklären. Sichtbare Verletzungen - Schleudertraumata, abgetrennte Gliedmaßen, Querschnittlähmung, Frakturen - werden nicht ins Lächerliche gezogen und verharmlost. "Das tut sicher weh...", "Ich fühle Deinen Schmerz, wenn ich Dich nur ansehe" - für angeblich "normale" Menschen ist das greifbar; sie stellen sich vor, das würde ihnen passieren, und dann wüssten sie, wie schlecht es ihnen ginge.
Psychische Erkrankungen hingegen gehen schlichtweg über den Horizont der "Normalen" - siehe Du selbst. Psychische Erkrankte sind schwach, dumm, lassen sich gehen, die Weichlinge. Siehe dieser Thread. Aber bei "Euch Normalen" besteht die latente Angst davor, selbst psychisch zu erkranken, genauso wie bei anderen Krankheiten auch (nur dass es keine direkt ansteckende Krankheit ist). Die Angst davor, selbst schwach zu sein. Also grenzt Ihr Euch ab. Du sagst Dir: "Ich bin stark, und wer psychisch krank ist, ist entweder ein Weichling oder ein Hypochonder." Das ist Deine Selbstversicherung davor, in einen Abgrund zu blicken und in einem Schwindelgefühl selbst hineinzufallen. "Die anderen sind schwach, also grenze ich mich ab, und damit bin ich stark."

Ich bin 35 Jahre alt. Ich wohne noch zuhause, weil ich Angst habe, allein im Alltag, in einer eigenen Wohnung, mit wenig Geld nicht zurecht zu kommen; ich habe Angst, in Eigenständigkeit zu versagen, und ich habe Angst davor, wie meine Familie reagiert, wenn ich nicht mehr für meine Großmutter so da sein kann wie jetzt, und sie in ein Heim muss. Um mehr zu verdienen und damit etwas mehr Sicherheit zu gewinnen, zumindest finanziell, müsste ich den Arbeitgeber wechseln. Davor habe ich Angst. Ich habe Angst davor, in einem neuen Job zu versagen und nach der Probezeit rausgeschmissen zu werden, mir dann auch eine eigene Wohnung nicht leisten zu können, nicht zu wissen, wohin mit der Wohnungseinrichtung, und dann wieder zu meiner Mutter oder Großmutter ziehen zu müssen. Ich habe Angst vor dem Versagen. Ich habe Angst vor dem Scheitern. Ich habe Angst davor, was das negative Feedback, was ich dadurch erhalte, mit mir machen könnte. Ich habe Angst davor, mich noch schlechter zu fühlen als jetzt, mich schwach und unnütz zu fühlen, wie schon so oft in meinem Leben.

Ein neuer Job scheitert auch an meiner Angst vor der Bewerbung. An der Angst davor, schwarz auf weiß präsentiert zu bekommen, dass ich nicht gut genug bin. An der Angst vor dem Bewerbungsgespräch. Ich weiß, was es mit mir macht: Ich zittere, verliere meine Konzentration, stammele, kriege Fragen nicht richtig mit, wirke unsouverän - und versage.
(Übrigens: Während ich das schreibe und mich mit meiner Angst auseinandersetzen muss, um es Dir zu erklären, zittere ich wie Espenlaub, mir ist kalt und schlottern die Zähne, obwohl die Heizung hinter mir voll aufgedreht ist. Auch das ist Teil meiner sozialen Phobie, mit der ich lebe.)
Auch der Umgang mit anderen Menschen steht ständig unter dem Eindruck dieser Angst. Beim Telefonieren beispielsweise. Jedes fachliche Gespräch wird beeinflusst von den hintergründigen Gedanken, dass ich hoffentlich nichts Dummes oder Falsches rede und man schlecht von mir denken könnte. Oder dass ich inkompetent und unwissend wirken könnte. Ich kann mich auch nicht in ein Gespräch einer geschlossenen Gruppe einhaken, aus diesem Grund. Nicht mal auf einer Feier oder bei Hobbies, bei denen ich wirklich gut bin. Ich vermeide dann diese Situationen, bleibe abseits stehen, versuche nicht aufzufallen, allein schon um die Symptome meiner Angst - das Zittern, die Nervosität, Konzentrationsmängel, Stresssymptome - nicht zu spüren, denn die sind sehr unangenehm. Ich habe Angst vor der Angst, vor ihren Symptomen, also vermeide ich, in mögliche Angstsituationen überhaupt reinzukommen, und wenn ich einer Angstsituation nicht entgehen kann, erlebe ich sie durch die Selbstaufmerksamkeit umso schlimmer.

Diese ganzen körperlichen Symptome dämpfen positive Gefühle und verstärken das negative Feedback, das diese Ängste überhaupt ausgelöst hat. Wenn ich damals falsche Antworten in der Schule gegeben habe, wurde ich ausgelacht. "Natürlich haben die gelacht, denn eine falsche Antwort zu geben, ist lächerlich!" Also habe ich mich weniger gemeldet. Weil ich mich weniger gemeldet habe, hatte ich weniger Selbstvertrauen und auch weniger Gelegenheit, mir Selbstvertrauen zu holen. Also wurde ich schwach. Weil ich schwach wurde, nahmen mich die anderen nicht mehr ernst, schubsten mich herum. "Natürlich, denn das machen die Starken mit den Schwachen. Ich bin schwach, also habe ich es verdient, geärgert zu werden." Ich entfernte mich von meinen Mitschülern, zog mich zurück, wurde anders. Und weil ich anders war, wollten die anderen mit mir nix zu tun haben. Ich hatte keine Freunde. Ich hatte niemanden zum Anvertrauen. Ich konnte nicht für mich selbst eintreten. Das wirkte sich auf meine Noten aus. Sie wurden schlechter, und wieder fühlte ich mich als Versager. Ich saß vor Klausurblättern und konnte mit den Fragen nichts anfangen, obwohl ich wie ein Blöder dafür gebüffelt hatte. Also habe ich weniger gebüffelt - "ich versage ja sowieso; ich stehe eh wie der Ochs vorm Berg, wenn die Klausuraufgaben vor mir liegen". Ich versagte und bestätigte damit meine Befürchtung, dass ich versagen würde.

Ich verlernte, mit Wissensabfragesituationen umgehen zu können. Also stand ich nervös und zitternd bei der mündlichen Prüfung vor den drei Lehrern, wusste nichts mehr und bekam zwei Gnadenpunkte für ein schwaches Abi. Danach ging es direkt zur Bundeswehr, und wieder war ich anders, wieder war ich der schwache Dicke, der dicke Schwächling, und das einzige, was ich an der Schützenschnur in Bronze bemerkenswert fand, war, dass ich mit dem MG keinen Möbelwagen in 10 Metern Entfernung getroffen hätte und Silber hätte haben können, wäre ich nicht so ein Versager. Stolz darauf, eine Schützenschnur geleistet zu haben, im Gegensatz zu vielen anderen? Vergiss es.

Also vermied ich danach auch, mich für ein Studium zu bewerben. Es kostete Kraft, mich aufzuraffen, aber ich hatte kein Ziel, keine klare Vorstellung - wie auch, als ungeküsster Versager? Als ich dann studierte, übernahm ich mich im ersten Semester mit den Scheinen. Zwei nicht geschaffte Scheine - na klar, ich war ja zu blöd für BWL. Im fünften Semester bin ich nicht mal mehr zu einer Vorlesung gegangen. Mir konnte auch keiner helfen - ich kannte da ja keinen, knüpfte keine Kontakte. "Die halten mich ja eh alle für einen Sonderling, den man nicht beachten muss." Und das bestätigte sich dadurch, dass ich mich absonderte, rechtzeitig zur Vorlesung kam, nach der Vorlesung schnell verschwand und möglichst zwischen zwei Vorlesungen Musik hörte, aber laut, damit mich ja keiner ansprach. Sonst hätte ich ja Angst haben können.

Und dann? Was macht man als Versager? Man bleibt zuhause, spielt Computerspiele, surft im Internet, wichst sich einen und schläft. Man kümmert sich um die wenigen Dinge, die einem noch Freude bereiten (für manche ist das der Alkohol, der kurzzeitig die negativen Gefühle mit Wärme überdeckt, für andere sind es Computerspiele, bei denen man den Schwierigkeitsgrad runtersetzen kann, undsoweiter), und lässt alles sein, was einem Angst machen könnte. Klar, eine Bewerbung für eine Ausbildung schreibt man mal. Und kriegt kein Feedback. Logisch - ein Versager ist es ja auch nicht wert, dass für eine Ablehnung Porto ausgegeben wird, geschweige denn man die Bewerbungsmappe zurückschickt. "Dann kann ich das ja auch gleich lassen - mich nimmt eh keiner, ich bin sowieso für eine Ausbildung zu alt, und dass ich für's Studium zu blöd bin, sieht man am Lebenslauf." Der Versager igelt sich in seiner Welt ein, lässt sich durchfüttern. Freundin? "Ich hatte seit ich 13 bin keine, ich brauch auch mit 25 keine, auch wenn mich die Einsamkeit und Sehnsucht nach Nähe auffrisst... bin eh zu schüchtern, um eine Frau anzusprechen. Und außerdem will mich ja sowieso keine. Mich wollte ja nie eine, warum sollte sich das ändern."

Blöd nur, wenn die Familie einen zwingt, beim Onkel beruflich reinzuschnuppern. Auch wenn es nur zwei Tage pro Woche sind - zwei Tage zu viel. Und dann das Telefonieren! "Was? Ich soll beim Lieferanten anrufen und was bestellen? Nein! Das kann ich nicht!" Warum sollte ich das auch können? Ich hab mein Abitur verbockt, ich hab das Studium in den Sand gesetzt, die Bundeswehr war scheiße, ich kann nix - und dann soll ich mit einem reden, der echt Ahnung hat von dem, was er tut? Nein, das geht nicht, das kann ich nicht. Ich hab Angst, zittere, stottere, bin unkonzentriert, schwach, hab keine Ahnung - ich kann nicht telefonieren. Und überhaupt, was soll das alles? 'ne Ausbildung kann sich mein Onkel eh nicht leisten, für eine Umschulung müsste ich mich erstmal arbeitslos melden, und die merken dann ja auch, dass ich nix auf der Pfanne hab... Bildungsgutschein... Wozu also das alles? Aus mir wird ja eh nix.

Okay, die Umschulung läuft, und plötzlich hab ich auch eine Freundin, die sogar hinnimmt, dass ich noch zuhause wohne. Naja, sie ist selbst arbeitslos, aber sie bewirbt sich, und ich mach ja auch was und fange sogar bei meinem Onkel in der Firma an, wenn ich fertig bin. Toll. Wäre da nicht die Prüfung. Die Prüfer müssen doch merken, dass ich eigentlich gar nichts kann und dass mein Wissen gar nicht in die Tiefe geht. Ich leide, zittere, stammele - das müssen die doch merken! Da kann ja keine gute Leistung bei rauskommen! Ich bin ja eh nichts wert. Und dass ich bestehe - hab ich halt mal Glück gehabt, dass ich mit 2er-Schnitt durchgerutscht bin...

Ich arbeite bei meinem Onkel. Ich fahre zu Kundenterminen. Aber ich bin für meinen Onkel nur Kostenfaktor. Ich erwirtschafte nicht das, was ich koste, obwohl mein Einkommen nicht zu einem eigenständigen Leben reicht. Und ich leiste auch nicht das, was er erwartet. Ab und zu, wenn er gut drauf ist und mal was gut gelaufen ist, kriege ich ein Lob. Sondermeldung - ich hab mal was nicht verbockt! Er hält mich mal 5 Minuten lang nicht für einen Totalversager. Dass ich das hingekriegt hab, das muss Zufall sein. Ich kann doch eigentlich gar nichts, hab doch gar nichts drauf. Das war doch schon früher so. Und wenn er mich anschreit und für blöd hält, weil ich was viel zu kompliziert gedacht hab - er hat recht. Er kann ja alles. Er ist der Fachmann und ich der Hiwi. Also lass mich bloß mit dem blöden Telefon in Ruhe. Wenn die Kunden was richtig gemacht haben wollen, soll er es machen - ich krieg's eh nicht hin. Das hab ich ja schon oft genug bewiesen in meinem Leben.

Und so sehr es weh tut - natürlich musste sich meine Freundin von mir trennen. Wer macht schon 8 Jahre Fernbeziehung mit mit einem Typen Mitte 30, der noch zuhause wohnt und keine Eigenständigkeit besitzt? Es tut weh. Kaum auszuhalten. Ich bin verletzt. Schwach. Und bei Lübeck gibt's die eine Brücke über die A1, wo die Leitplanke nur 50 Zentimeter weg ist. Wenn ich mit etwas mehr Geschwindigkeit da ankomme - vielleicht 150, 160 - das müsste doch reichen, oder? Anlauf, dagegen, und alles Leiden hat ein Ende. Endlich nichts mehr fühlen! Mein Leben ist eh nichts wert, also warum noch rumquälen? Nicht mal die Frau, die ich liebe, will mich mehr. Und das ist immer noch besser, als den Ecke zu pullen - so ein Lokführer kann ja nix dafür, muss aber selbst mit dem Trauma leben. Nein, da zerschelle ich lieber an einem Brückenpfeiler. Die Feuerwehrleute kennen das ja, das ist ihr Alltag...

Na, wie ist das so, so ein Einblick in die Seele eines psychisch kranken Menschen?
Mach Dir keine falschen Hoffnungen - das ist echt. Das bin ich. Naja, ein Teil von mir. Ein großer Teil von mir. Mein Angst-Ich - oder wie ich es nenne: Mein Ängstl-ich.

Und nein, ich kann mich nicht ohne fremde Hilfe da rausziehen. Das einzige, was die letzten 9 Sätze an Gedanken davon abhielt, Realität zu werden, war - paradoxerweise - Angst. Angst davor, selbst beim Suizid zu versagen und dann noch mehr zu leiden, unter Schmerzen, Schande und vielleicht mit einem Rolli, als Behinderter, den man noch weniger ernst nehmen, nur noch über seine Behinderung definieren muss, weil er anders ist als die "Normalen", ständig Hilfe braucht, in Windeln pisst und scheißt, weil er nicht mal mehr Blase und Darm kontrollieren kann, der Schwächling...
(An alle Rollifahrer: Das richtet sich nicht gegen Euch - das ist meine Eigenwahrnehmung!)

Nun, da Du meine Geschichte gelesen hast, glaubst Du dann, es ist hilfreich, wenn Menschen, die man trifft, die man kennt, die Probleme herunterspielen? "Wie, der kann nicht mit anderen Menschen reden? Ach, der ist nur schüchtern." - "Wovor hast Du Angst? Bei mir war ja alles viel schlimmer, viel schwerer, also musst Du das doch können!" - "Du bist doch gar nicht psychisch krank - stell Dich nicht so an, Du Weichei! Du musst es nur wollen!"
Aus meiner Erfahrung kann ich Dir sagen: Es ist ganz und gar nicht hilfreich. Es bestätigt nur die negativen Gefühle und Gedanken, die man ohnehin hat.
 
F

Benutzer

Gast
"Du bist doch gar nicht psychisch krank - stell Dich nicht so an, Du Weichei! Du musst es nur wollen!"
Aus meiner Erfahrung kann ich Dir sagen: Es ist ganz und gar nicht hilfreich. Es bestätigt nur die negativen Gefühle und Gedanken, die man ohnehin hat.
Sehr schön ausgedrückt...
Genau das habe ich auch schon gehört:"Du musst es nur machen, dann haste auch keine Schmerzen mehr. Du musst durch den Schmerz durch gehen!"
Das mag ja bei pysisch Kranken der Fall sein, dass das auf dem Weg ab und an sein muss, aber mir. Never!! Seh das genau so!
Es zieht einfach nur unglaublich runter und verstärkt das ganze psychische/psychosomatische Problem noch mehr!![DOUBLEPOST=1357754711,1357754512][/DOUBLEPOST]
Off-Topic:
Einem psychisch Kranken zu sagen, er müsste sich bloß mal ein bissl zusammenreißen, ist m. E. ungefähr genauso hirnverbrannt wie zu einem Rollstuhlfahrer zu sagen "Reiß dich mal zusammen, du kannst laufen, du stellst dich doch nur an."
=
Sag deinem Freund doch mal, wenn er das nächse Mal ne Erkältung hat, er hat doch den freien Willen willen...
Dass er die Erkältung jetzt auch nicht haben müsste, nach seiner Theorie!! :cool:
Denn bei der Erkältung ist ja auch "nur" der Körper krank...
Bei einer psychischen Sache ist es die Seele, die nicht mehr kann. Ab und an vermischt sie das eine mit dem Anderen auch und es kommt eine psychosomatische Krankheit bei raus!
Oder nicht. Gut, ist bei dir ne besseres Beispiel, aber warum bedanken sich alle bei dir, wenn ich das gleiche schrieb...? Gut, ich konnte es nicht so girland ausdrücken, aber iwie seltsam hier mit dieser "Danke-Funktion"! *find*
 

Benutzer123649 

Planet-Liebe ist Startseite
Oder nicht. Gut, ist bei dir ne besseres Beispiel, aber warum bedanken sich alle bei dir, wenn ich das gleiche schrieb...? Gut, ich konnte es nicht so girland ausdrücken, aber iwie seltsam hier mit dieser "Danke-Funktion"! *find*[/OT]

Off-Topic:
Das Dankeschön gab es für seinen offenen und ehrlichen Bericht zum Thema. Nicht wegen dieser "Weisheit"
 

Benutzer105719  (36)

Verbringt hier viel Zeit
Off-Topic:
Nebenbei...auch als Feuerwehrmann ist man es nie gewohnt einen Selbstmörder "aufzusammeln". Daher fallen nicht wenige Mitarbeiter im Rettungsdienst selbst in psychische Krankheiten. Daher gibt es spezielle Seelsorger auf jeder Wache. Denn auch wer scheinbar stabil ist (und das muss man in so einem Job sein), kann an der Seele / Psyche erkranken. Das kann jeder.
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Mein Mann war da ähnlich drauf. Man müsse sich nur zusammenreissen, man könne das alles steuern, es ist ja alles "nur im Kopf". Irgendwann ist mir da mal der Kragen geplatzt und ich hab ihm vor Augen geführt, dass er -der sich sonst immer auf Fakten beruft und auf die Korrektheit seiner Aussagen achtet- offenbar keinerlei Ahnung und Wissen in dem Bereich hat. Da eine gute Freundin von mir unter der gleichen Störung leidet, hatte ich da entsprechenden Rückhalt.

Bei ihm hat es klick gemacht, er hat angefangen sich weitreichend zu informieren und sich Wissen anzueignen. Inzwischen ist er soweit, dass er mir ab und an Links zukommen lässt mit neuen Erkenntnissen, Behandlungsmöglichkeiten etc. Er hat sich da also ziemlich gewandelt, was sicherlich auch daran liegt, dass ich Betroffene bin und er nun besser mit mir umgehen, gewisse Dinge nachvollziehen und Anzeichen deuten kann - zT noch, bevor ich sie selbst sie bemerke.
alle achtung - wie hast du das geschafft? ihm das entsprechend vor augen zu führen? interessiert mich einerseits selber, andererseits könnte es für die ts auch hilfreich sein.

Off-Topic:
und ich schwanke zwischen neid dass du jetzt so nen typen hast und respekt davor, dass du es ihm erklären konntest.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Off-Topic:
Off-Topic:
Nebenbei...auch als Feuerwehrmann ist man es nie gewohnt einen Selbstmörder "aufzusammeln". Daher fallen nicht wenige Mitarbeiter im Rettungsdienst selbst in psychische Krankheiten. Daher gibt es spezielle Seelsorger auf jeder Wache. Denn auch wer scheinbar stabil ist (und das muss man in so einem Job sein), kann an der Seele / Psyche erkranken. Das kann jeder.
Mein Vernünft-ich weiß das. Mein Leidl-ich blendet sowas aus.
 

Benutzer121975 

Benutzer gesperrt
Ein Psychisch Kranker Mensch will kein Mitleid denn dafür kann er sich nichts kaufen!
Er will einfach normal wie jeder andere auch behandelt werden,dazu gehört auch das er aufgrund seiner Erkrankung nicht ausgeschlossen werden will oder verachtet!
Er will soweit wie es ihm möglich ist am Leben teilhaben,das Menschen in der einen oder anderen Situation eben auch mal auf ihn rücksicht nehmen,wenn er Dinge nicht kann was normale Menschen können!
Auch will er keinen Spott oder Hohn!
Und wenn ich zusammenreißen lese könnte ich an die Decke gehen,als hätte sich das der Mensch ausgesucht!
Klar der ist gerne in Psychatrien,hat wenig Geld,kaum Freunde,und im Thema Partnerschaft ist es meißtens auch schwierig,da hat er freude dran,macht ihm wirklich spaß so zu sein!

Wenn er sich's aussuchen könnte wär er liebend gern ganz normal wie jeder andere auch mit seinen "Problemen" wie er es nennt!

Oft hilft es wirklich nur wenn ein normaler Mensch zumindest mal Schnuppern durfte wie es so ist!
Mal ein paar kleine Panikattacken :grin:oder so,wo er merkt das er sich zusammenreißen kann wie er will und es nützt nichts!
Danach ist er dann Geheilt und erzählt nicht mehr so ein Müll!
 
Zuletzt bearbeitet:
S

Benutzer

Gast
Mitleid nicht, aber Respekt. Solltest Du eigentlich vor jedem Menschen haben :zwinker:

Bedeutet, dass ich nur dann Respekt haben kann, wenn ich meine Meinung änder? Das halte ich für ziemlich verkehrt, oder sagen wir es so, ich definiere Respekt offensichtlich völlig anders wie du.

Ja, wie kann es ein Mensch nur soweit kommen lassen, dass sein Gehirnstoffwechsel durcheinander gerät :rolleyes:

Und genau das ist es, was ich meinte. Welchen Grund habe ich dir geliefert derart "pikiert" zu antworten? Habe ich dich persönlich angegriffen? Nein. Es ist doch eine ganz normale Aussage, was bringt diese Ironie? Für mich wird hier nicht fordergrundig der Ursprung des Themas thematisiert, sondern die Art wie er es ausgedrückt hat.

Finde ich persönlich völlig ernüchtern, denn dann brauchen wir mit Vorwürfen nur so um uns schmeißen. Mir ist es nicht wichtig, wie er es ausgedrückt hat, sondern was ihn veranlagt hat das eben so auszudrücken. Du sagtest das ich zu jedem Respekt haben sollte, wo bleibt deiner bei meiner Auffassung oder Meinung? Ich beleidige hier ja Keinen, im Gegenteil, ich versuche eigentlich ziemlich Verständnisvoll zu schreiben.



Erkrankungen sind multifaktoriell bedingt, liegen also sowohl an psychischen Einflüssen als auch physischen Voraussetzungen (und deren Wechselwirkungen). Du kannst also nicht die Schlussfolgerung ziehen, dies oder jenes Ereignis oder Verhalten hat zu einer Erkrankung geführt (sonst wären schließlich alle Menschen krank, die ein bestimmtes Ereignis durchlebt haben. So einfach ist es nicht).

Verzeih mir, dass ich das Thema nicht aus dem Blickwinkel einer Fachkraft sehen kann. Dennoch kann man sich ja eine Meinung erlauben, wenn auch die vor Leuten wie dir kein Bestand hat. Zumindestens nicht in dem Maß, dass du sagen könntest das du dies nachvollziehen könntest. Ich bin sicher nich resistent gegen dein Fachwissen und bin der Meinung auch ich kann mein Blickwinkel ändern. Oder vielleicht ist unsere Definition des Problems völlig unterschiedlich. Ich schätze, dass ich einen völlig falschen Bezug ziehe, weil ich in ganz anderen Mustern denke wie du.

Off-Topic:
Ich versuchs dir mal zu erklären:

Wenn ich mir den Beitrag durchlese, dann überfliege ich das "wie", ich lasse es bewusst außen vor. Wenn ich sachlich bleiben möchte, dann darf ich eben nicht Emotionen mit reinspielen lassen. Also muss ich das ganze einfach nüchtern und trocken betrachten. Ebenso ist es mir völlig klar beim Lesen das ein gewisser Stein des Anstoßes über den Thread hinweg rollen wird, weil eben nicht alle Menschen so sind wie ich. Daher mache ich nicht noch mit mich über die Ausdrucksweise zu schaffen zu machen. Weiter lese ich den Text, ich lese das Alter und mein Gehirn zieht den Schluss: Er ist jung, er wird wahrscheinlich kleiner in seiner Ansicht denken, als es das Thema eigentlich benötigt. Ich schließe daher aus, dass er Menschen meint die wirklich unter einer psychischen Krankheit leiden, welche Form auch immer. Ich traue ihn als jungen Menschen eben keine objektive Meinung zu. Eher und gerade wegen dem Ausdruck, vermute ich, das seine Meinung stark Emotional belastet ist, daher wohl lediglich aus subjektiven Vermtungen seinerseits besteht.

Ich frage mich, bringt es etwas ihn aufgrund dessen zu verurteilen? Ihn womöglich vor lauter Unverständis zu beschimpfen oder ähnliches? Nein. Nun fange ich an, Paralellen zu meiner Sicht zu suchen. Ich stelle fest, dass ich eben gewisse Dinge ähnlich sehe. Aber eben mit etwas mehr "Weitsicht" und der Haltung auch meine Meinung zu überdenken. Mir bringt es nichts, einfach nur zu sagen "dein Freund geht garnicht." Du siehst es eben mit einem ganz anderen Background, vermutlich das er Menschen aburteilt, mit einem Urteil das er sich garnicht erlauben kann.





Es werden mehr Diagnosen gestellt. Das sagt nichts darüber aus, ob die Häufigkeit einer Krankheit zugenommen hat. Genauso gut kann es sein, dass nun mehr Leute zum Arzt gehen, weil die Akzeptanz in der Gesellschaft zugenommen hat. Oder weil die Lebensbedingungen schlechter geworden sind, sodass Erleichterung gesucht wird (Rolle des "Kranken"). Oder dass Ärzte sensibler geschult sind und psychische Krankheiten besser erkennen und ergo eher die Diagnose stellen oder dass es mehr Anlaufstellen gibt. Es gibt so viele Gründe.

Objektiv trifft subjektiv.

@ Sititojo

Diese Dinge verstehst du dann, wenn du "dort" gewesen bist. Das ist nicht zu beschreiben und für einen normalen Menschen mit einem "normalen" Leben sicherlich nicht nachzuvollziehen.

Bedeutet ich darf mir keinerlei Urteil bilden, weil ich es nicht erlebt habe? Oder glaubt man mir dann mehr, weil ich ja selber mal einer war und das dann ja was völlig anderes ist? Was ist, wenn die Person trotz dieser Erfahrung eine Meinung wie meine trägt? Hoffnungsloser Spinner, der nichts gelernt hat?

Du sprichst immer wieder von der "Jammer-Notion" - ob die Menschheit verweichlicht oder nicht, stand hier nicht zur Frage.

Doch, für mich stand und steht das zur Frage. Näheres siehe oben in dem zitierten Bereich von Starla.

Es wird von psychischen Krankheiten gesprochen. Gendeffekte, Vererbung, Fehlfunktionen. Medizinisch nachzuweisen und bisweilen unheilbar. Der Freund der TS sagte, will ich nicht krank sein, bin ich nicht krank. Das ist eine Einstellung, die für ein normales Gehirn und in einem Leben in normalen Umständen durchaus wirksam sein kann.

Sagt die Aussage "will ich nicht krank sein, bin ich nicht krank" schon aus, wie weit das eigentlich gedacht ist? Ich frage mich, ob ohne diesen Spruch es einen ähnlichen Aufhänger gegeben hätte.

Das Thema war, dass Psychologinnen und psychisch kranke Menschen verachtet werden, weil sie nicht aufstehen können und weitermachen. Ein solches Urteil darf er sich erlauben, wenn er "dort" gewesen ist und wieder herauskam. Andernfalls zeugt es von Dummheit und fehlender Empathie.

Bedeutet, jegliche Kritik an einer Sache ist nur dann gerechtfertigt, wenn man es selbst erlebt hat? Wenn nicht, dann hat man doch bitte die Mehrheitsmeinung anzunehmen. Recht intollerant oder?

Nun, da Du meine Geschichte gelesen hast, glaubst Du dann, es ist hilfreich, wenn Menschen, die man trifft, die man kennt, die Probleme herunterspielen?

Ich danke dir für den Einblick und finde es aufschlussreich, auch wenn einiges in deinen Texten nicht verstehen kann. Mir ging es aber eben auch nicht darum, deine Probleme oder die von anderen herunter zu spielen.
 

Benutzer121281  (32)

Planet-Liebe ist Startseite
alle achtung - wie hast du das geschafft? ihm das entsprechend vor augen zu führen? interessiert mich einerseits selber, andererseits könnte es für die ts auch hilfreich sein.

Off-Topic:
und ich schwanke zwischen neid dass du jetzt so nen typen hast und respekt davor, dass du es ihm erklären konntest.

Hm, da spielen wohl mehrere Faktoren mit rein. Einerseits komme ich generell gut an ihn ran, in emotinaler Hinsicht meine ich. Und natürlich der Zeit-Faktor, ich hab ja nicht nur einmal mit ihm drüber geredet. Irgendwann habe ich diverse Infos einfach mal zusammengesammelt (aus Büchern, Zeitschriften zum Thema, online,...) und ihm komplett vor den Latz geknallt. Dazu habe ich ihm gesagt, dass er reichlich naiv ist, wenn er vor diesen Informationen und Fakten die Augen verschliesst. Da hing dann natürlich erstmal etwas Vorarbeit von mir dran, aber es hat gewirkt.
Viele Dinge, wie eben körperliche Ursachen, waren ihm so nicht klar, er war wirklich der Meinung, mit genug festem Willen könnte man derlei locker unter Kontrolle halten. Aber das, was er dann zu lesen bekam, hat ihn entsprechend überzeugt und passenderweise auch sein wissenschaftliches Interesse geweckt.
 

Benutzer123446 

Beiträge füllen Bücher
Oder sagen wir es mal so, bezogen auf Depressionen: Ich kann es, für mich, nicht nachvollziehen wie ein Mensch es erst soweit kommen lässt.
Ich weiß nicht, ob du dich einfach etwas ungeschickt ausdrückst oder ob du tatsächlich meinst, dass jeder Mensch vorher hätte bremsen können... denn dann hast du das "Konzept" von Depressionen bzw. psychischen Krankheiten nicht verstanden...
Bzgl. Gehirn:Es gibt gewisse Dispositionen, die unter gewissen Umständen eine psychische Störung auslösen können. Das Gehirn ist automatisch nicht von Geburt an "krank".

Das Schwierige an psychischen Krankheiten und ihrer Akzeptanz ist auch, dass eine psychische Krankheit nur eine Art "Erweiterung" einer bestimmten Haltung/eines bestimmten Zustands ist. Jeder ist mal misstrauisch, deswegen ist noch lang nicht jeder paranoid. Jeder ist mal traurig, deshalb ist noch lang nicht jeder depressiv.
Aber weil sie die Grundzustände (Misstrauen, Trauer...) kennen, meinen viele, die psychische Krankheit bewerten oder auch "entwerten" zu können. Das, was hier auch schon geschrieben wurde. Ich kenne jemanden, der psychotisch war, und nur bei akuter Suizidalität endlich Hilfe gefunden hat.
Weil das ganze Umfeld an ihn hingebrettert ist: "Ach, jetzt spinn net, das bildest du dir nur ein. Jetzt reiß dich am Riemen."
Da kann man soviel Mist bauen, wenn man eben NICHT sachlich rangeht. Und das tust du nicht. Sachlich dran zu gehen hieße, dich wissenschaftlich fundiert auseinander zu setzen.
So wie jemand nicht automatisch unsachlich an das Thema rangeht, weil es ihn betrifft oder betroffen hat.

Reife funktioniert nicht in dem man nur eine Massenhaltung vertritt und auf der Welle der Sympathie mitreitet.
Ich denke nicht, dass es eine "Massenhaltung" ist, psychische Krankheiten zu akzeptieren und zu verstehen.
Wenn es so ist, dann frag ich mich, warum ich damit hinterm Berg halten und Leuten erzählen muss, dass ich wegen Grippe krank geschrieben bin, wenn der Grund ein ganz anderer ist. (Und dass ich wegen meiner psychischen Erkrankung krank geschrieben bin, kommt äußerst selten vor...)
Eine Welle der Sympathie ist mir bedauerlicherweise auch noch nie begegnet. Aber durchaus Leute, die mich gern nur in geschützten Werkstätten arbeiten ließen, die mir geraten haben mein Studium abzubrechen... und siehe da, ich arbeite, und da merkt keiner, dass ich manchmal nicht ganz in der Spur laufe. Da sieht auch keiner, wie anstrengend es für mich ist, in der ganz normalen Welt mitzukommen, weil so "Zwischenlösungen" gibt es so gut wie nicht, wenn man eigenständig bleiben will...
Wäre das alles so sympathiewellend und mitleidsvoll wie du sagst, wäre mein Leben deutlich einfacher.

Ja: du siehst hier manches falsch. Zumindest vermittelst du es falsch.
Weil du pauschalisierst, zumindest kommt es hier so rüber. Dass die Wörter "Depression" und "Burn-Out" oft falsch verwendet werden ist ein ganz anderes Thema.
Aber was du anzweifelst, ist ja nicht, ob die Begriffe im gesellschaftlichen Umfeld aufweichen, sondern du fragst (s.o.) wie ein Mensch es hat soweit kommen lassen können, dass er psychisch krank wird und der Freund der TS spricht psychisch Kranken ihre Krankheit ab.

Und ja, das ist respektlos und achtlos diesen Mitmenschen gegenüber.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren