Als was identifiziert ihr euch eigentlich? Nation, Geschlecht, Gesinnung, ...

B

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Gast
Liebe PL-Gemeinde

Mich würde interessieren, womit ihr euch identifiziert.

Ihr kennt das; manche Menschen sind einem näher, als andere. Man liest z.B. Schlagzeilen und fühlt sich mal mehr, mal weniger selbst davon betroffen. Vielen Menschen ist die eigene Kultur näher - sei es nun Land, (Mittel-)Europa, oder die ganze westliche Kultur. Andere identifizieren sich stark durch ihre Überzeugungen oder ihr Geschlecht oder Sexualität.

Mich würde es interessieren, was es bei ist; wovon fühlt ihr euch betroffen und aufgrund welcher Eigenschaften entsteht diese Verbundenheit? Das kann natürlich auch über die Spezies Mensch weit hinaus gehen :zwinker:

Dabei möchte ich von euch nicht mal unbedingt wissen, ob ihr euch z.B. als Mann und hetero identifiziert, so lange diese Orientierung keine Rolle dabei spielt, mit welchen Gruppen ihr sympathisiert.

Bonus-Frage:

In einem berühmten Gedankenexperiment zum Thema Altruismus gehts darum, seinen 500 Euro teuren ANzug zu ruinieren, indem man in einen Teich springt, um ein ertrinkendes Kind zu retten. Obwohl das gemäss Umfragen die meisten Menschen auch tun würden, wird kaum so viel Geld gespendet für Bedürftige. Warum?

Ich weiss, dass die Frage in diesem Zusammenhang etwas weit hergeoholt erscheint, aber sie hat mich dazu inspiriert, diesen Thread aufzumachen. Ich begann mich zu fragen, ob diese selektive Rettungsaktion nur praktische Gründe hat (man ist mit Unglück direkt konfrontiert), oder ob wir uns eben viel stärker mit "unseren" Leuten identifizieren - und wer ist das überhaupt?

Bin gespannt auf Antworten!
 

Benutzer149315 

Öfters im Forum
Als was Ich mich identifiziere und wofür Ich Empathie empfinde muss sich nicht unbedingt überschneiden.
Letztendlich ist es bei mir recht einfach, umso eher Ich jemanden kenne und wert schätze umso eher bin Ich bereit dafür, etwas zu tun, was mir unter Umständen schadet, um der Person zu helfen.

Deswegen sind direkte Konfrontationen auch emotional Näher und die Beziehung zu dem Opfer ist höher und entsprechend ist auch die Bereitschaft höher da zu helfen.

Für mich hat das ganze rein praktische Gründe, ob und wann Ich helfe: Passt es mir grad in den Kragen, oder nicht.
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Ha, sehr interessante Fragestellung, die mich glatt erfolgreich von der Arbeit ablenkt :tongue:

Ich bin auch dabei etwas schizophren. Ich kann Betroffenheit zulassen, oder nicht. Es gibt nur wenig Dinge, die mich berühren und betreffen, selbst wenn ich entschieden habe, mich fern zu halten.
Allerdings kann ich mich zu den meisten Dingen entschließen, betroffen zu sein. Das ist dann auch echt, und nicht aufgesetzt - aber ob ich es zulasse, entscheide ich.
Das liegt zum einen daran, dass ich grundsätzlich fähig bin, mit allem möglichen mitzufühlen, und mich das zu sehr anstrengt. Das Leid anderer kostet mich Kraft. Außerdem halte ich zwar das Leben für schön, aber die Welt für schlecht. Wenn ich das rein empathisch sehen würde, könnte ich gar nicht so viel weinen, wie ich müsste.
Meine Distanz ist notwendig zum Selbstschutz, sonst wäre meine Energie sehr schnell sehr alle, und für mich selbst nichts mehr übrig.

Ich identifiziere mich nicht sehr mit irgendwelchen Zugehörigkeiten, dafür sind meine zu speziell :zwinker: Ich habe ein recht exaktes Selbstbild und Selbstverständnis, das bezieht sich aber nur auf sehr wenig von außen, und schon gar nicht auf irgendwelche Gemeinschaften. Was ich bin und wofür ich mich halte bedingt sich allein in mir.
Es macht auch wie gesagt keinen Unterschied, wie sehr ich mich von Leid angesprochen fühle. Ich kann mich in ziemlich vieles hinein versetzen, und spüre es dann auch ungefiltert.

Zu dem Gedankenexperiment bin ich übrigens sicher, dass es was mit der Direktheit eines Unglücks zu tun, wie sehr man zu eigenen Opfern bereit ist. Für "irgendetwas weit weg" spenden ist etwas anderes, wie dem Nachbarn, dessen Haus abgebrannt ist, Unterschlupf gewähren. Halte ich für ziemlich menschlich.
Außerdem gibt man leichter, wenn man selbst genau sieht, wo es ankommt. Spenden hat auch viel mit Vertrauen in die Verantwortlichen zu tun.
Mach ich auch nicht. Aber ich kaufe beim Bäcker das Doppelte und gebe es dem Obdachlosen draußen, ich verschenke meine Fahrkarte wenn ich sie nicht mehr brauche, sie aber noch gültig ist, ich frage "alles ok" bei fremden Menschen, ich kippe meine Kleingeldbörse in den Hut des Saxophonspielers, ich bringe Spenden zum Tierheim oder fahre eine alte Frau von A nach B.
Das ist für mich etwas anderes, als eine Überweisung tätigen.
Ich denke, das ist bei vielen Menschen ein Punkt - nicht umsonst "erzwingt" man viel eher Zivilcourage, wenn man nicht "Hilfe" schreit sondern gezielt "He Sie im roten Pulli mit der Tasche, ja, Sie, rufen Sie bitte einen Krankenwagen".
Wenn man direkt ansgesprochen ist und live dabei, kommt man schwerer aus.
 
B

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Gast
chosy chosy , danke für deine Antwort, aber was ist es denn nun, womit du dich identifizierst?

Das mit der Empathie kenne ich sehr gut; bei mir wecken Tiere die grössten Beschützerinstinkte, gerade weil sie mir so fern sind. Das habe ich aber bei meiner Frage auch nicht gemeint, sondern, wovon man sich selbst betroffen fühlt. Ich habe z.B. bemerkt, dass sich viele betroffen fühlen, wenn bei einem Flugzeugabsturz Menschen aus dem eigenen Land umkommen (kann ich jetzt z.B. wenig nachvollziehen).
 

Benutzer149315 

Öfters im Forum
chosy chosy , danke für deine Antwort, aber was ist es denn nun, womit du dich identifizierst?

Da gibt es zigtausend, aber Ich identifiziere mich ja zB. als Mensch und die meisten Menschen sind mir ziemlich egal. Auch identifizier Ich mich als Weltbürger. Aber auch hier ist es das gleiche wie beim ersten.

Das mit der Empathie kenne ich sehr gut; bei mir wecken Tiere die grössten Beschützerinstinkte, gerade weil sie mir so fern sind. Das habe ich aber bei meiner Frage auch nicht gemeint, sondern, wovon man sich selbst betroffen fühlt. Ich habe z.B. bemerkt, dass sich viele betroffen fühlen, wenn bei einem Flugzeugabsturz Menschen aus dem eigenen Land umkommen (kann ich jetzt z.B. wenig nachvollziehen).

Das ist mir völlig egal. Betroffen fühle Ich mich dahingehend sowieso nicht. Stimmt vielleicht manchmal nachdenklich, aber so what. Abstürze geschehen. Solange kein emotionaler Verlust für mich vorhanden ist, solange fühle Ich mich da nicht betroffen.
 

Benutzer101597  (63)

Sehr bekannt hier
Wenn ich ein Kind am ertrinken sehe dann helfe ich. Anzug egal. Aber das sind einfache Umstände, ich kenne das Kind nicht, ich handele also einfach nach meinen Grundsätzen.

Im ersten Weltkrieg hat ein Britischer Soldat gezögert einen Deutschen Melde-Soldaten zu erschießen der plötzlich vor ihm Stand. Er lies ihn weglaufen. Nach dem Krieg wollte der Deutsche Soldat Selbstmord begehen. Seine Zimmerwirtin hat ihn daran gehindert. Beide haben menschlich gehandelt. Aber sie haben den riesigen Fehler gemacht Hitler am Leben zu lassen.

Kann man die Umstände und Auswirkungen seines Handelns beurteilen, dann handelt man aus der Sicht einfachdenkender auch mal Unmenschlich. Daher ist dein Kinder helfen Beispiel die einfache Sicht der Dinge. Die Hilfe für Afrika der letzten hundert Jahre hat soviel Schaden angerichtet, dass manche auch meinen man sollte Afrika in Ruhe lassen. Aus Menschlichkeit.

Ich plapper nicht dem politischen Mainstream nach. Daher hab ich sowohl Standpunkte zu einzelnen Themen die als links, rechts oder liberal tituliert werden. Für mich gibt es daher keine leichte Identifikation. Leider gibt es aktuell fast keine Diskussionskultur mehr. Wer anders denkt mit dem wird nicht diskutiert, sondern beleidigt und ausgegrenzt. Da hat der Mainstream leider die politische "Kultur" der Rechten übernommen.
 
B

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Gast
Ich finde die Antworten beide sehr spannend und habe sie gerne gelesen. Ich habe bei mir bemerkt, dass es schon Unterschiede darin gibt, womit ich trotz "wenig" Bezug mitfühle, und wovon ich mich selbst auch betroffen fühle (z.B. als Frau).
 

Benutzer130414 

Meistens hier zu finden
hmm. identifizieren... schwer. ich identifiziere mich eigentlich nicht.

wenn ich zusammenfassen müsste, mit welcher art Menschen ich gerne zusammenbin um daraus auf mich zu schließen, dann Weltoffen, libertär.
Keine Ahnung ob das in die Richtung geht die du wissen möchtest.
Ich habe auch viele sehr Linke (und eigentlich keine Rechten) Freunde.
Man muss nicht meine Meinung teilen, man darf nur nicht andere Menschen einschränken. das ist meine Prämisse. Natürlich teile ich auch gerne Vorurteile etc. als Witze aus. So sehr das manche mich einen Rassisten nennen wollen. Nun, vermutlich haben sie recht, denn ich glaube, das die Evolution die Menschheit schon so weit beeinflusst hat, das sich verschiedene Abstammungen auch im Grundverhalten unterscheiden. von meiner Seite aber absolut ohne Bewertung.

ich glaube ich feiere einfach die unterschiedlichkeit der Menschen
und habe Probleme mit Menschen, die Offenheit und Öffnung ablehnen.
Bei den Aluhüten lese ich immer wieder von der bösen NWO. Die hat meine Unterstützung und die meisten Menschen in meinem Umfeld sehen das ähnlich.

An allen anderne identifikationsmerkmalen als eben diese Libertäre Weltoffenheit scheitere ich für mich.

zu deiner 2. Frage.

warum springt man, spendet aber nicht.
Das ist in meinen Augen ganz einfach erklärt.
zum einen ist es nahe wenn man sieht und man kann nur reagieren. zum anderen ist es persönliche Hilfe. Geld ist so indirekt, man sieht ni cht was es wirklich geholfen hat. Es ist unpersönlich. Das ist das Problem.
für die wenigsten wäre es glaube ich ein Unterschied ob das Kind Araber oder Deutscher ist und ob der Teich in Schwielow oder in Islamabad ist
 

Benutzer129180  (35)

Benutzer gesperrt
In einem berühmten Gedankenexperiment zum Thema Altruismus gehts darum, seinen 500 Euro teuren ANzug zu ruinieren, indem man in einen Teich springt, um ein ertrinkendes Kind zu retten. Obwohl das gemäss Umfragen die meisten Menschen auch tun würden, wird kaum so viel Geld gespendet für Bedürftige. Warum?
Diese Frage war gerade der abaolztet mind fuck für mich. Beim Lesen dachte ich direkt, klar was ist schon ein Anzug gegen ein Menschenleben... Wenn man dann weiterliest kommt man dann wirklich ins grübeln. Ich denke aber der Grund ist ganz einfach, ich würde nie einen Anzug für 500€ kaufen. Mir wäre der Anzug also nicht soviel wert, vielleicht denke ich deshalb so. Oder wohl noch eher: wenn man direkt mit dem möglichen Verlust eines Menschenleven konfrontiert wird handelt man ganz einfach. Ausserdem fühlt man sich verantwortlich. Ist das gleiche wie in Meetings, wenn es am Ende in die Gruppe heißt "ok einer muss das mal machen", da passiert dann auch nichts :-D
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Ich identifiziere mich hauptsächlich über meine Familie und meine Erziehung, sehe diesbezüglich wenig Zusammenhänge dazu, wofür ich mich engagiere. Ich habe aber einen relativ stark ausgeprägten Sinn für Fairness, der bei mir eher Handlungsmotor ist als Betroffenheit. Ich finde Betroffenheit auch nicht unbedingt sinnvoll als Handlungsmotor (als Handlungsmotivation aber vielleicht schon).
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich finde die Antworten beide sehr spannend und habe sie gerne gelesen. Ich habe bei mir bemerkt, dass es schon Unterschiede darin gibt, womit ich trotz "wenig" Bezug mitfühle, und wovon ich mich selbst auch betroffen fühle (z.B. als Frau).

Ehrlich ICH MICH SELBST betroffen fühle mich nur, wenn ich selbst betroffen bin.
Ich kann mitfühlen, mitleiden, mich hineinversetzen, wenn ich das zulasse kann mich das auch viel kosten.

Aber ICH bin dennoch nicht betroffen, und ICH fürchte mich nicht mehr vorm Fliegen, wenn eine Maschine vorher abgestürzt ist.
Oder vorm Rausgehen, wenn in meiner Straße jemand überfallen wurde.

Eine Identifizierung auf die Art hab ich gar nicht. Ich bin immer ich, und die andern sind die andern. Ich ananylsiere und ziehe Schlüsse, ja, meinetwegen, aber das beeinflusst mich nicht auf die Art, dass ich mich da selbst in diesen Situationen sehe. Ich sehe die andern und empfinde nach, aber immer als Zuschauer von außen.

Mich macht ein Unglück nicht betroffen, weil ICH mir vorstelle zu vernunglücken, sondern weil jeder Verlust dort viel Leid im jeweiligen Umfeld mitbringt, das ich nachempfinden kann.
 
B

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Gast
Ich identifiziere mich hauptsächlich über meine Familie und meine Erziehung, sehe diesbezüglich wenig Zusammenhänge dazu, wofür ich mich engagiere. Ich habe aber einen relativ stark ausgeprägten Sinn für Fairness, der bei mir eher Handlungsmotor ist als Betroffenheit. Ich finde Betroffenheit auch nicht unbedingt sinnvoll als Handlungsmotor (als Handlungsmotivation aber vielleicht schon).
Verstehe ich dich richtig, dass du dich für Anliegen engagierst, in denen aus deiner Sicht der grösste Handlungsbedarf besteht? Also, vermutlich schon auch gemäss Kosten-Nutzen-Analyse und im Rahmen des Machbaren. Aber auf jeden Fall eher nach dem Ermessen, wo die Hilfe am ehsten benötigt wird, anstatt nach den Themengebieten, bei denen ein persönlicher Bezug besteht?
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Verstehe ich dich richtig, dass du dich für Anliegen engagierst, in denen aus deiner Sicht der grösste Handlungsbedarf besteht? Also, vermutlich schon auch gemäss Kosten-Nutzen-Analyse und im Rahmen des Machbaren. Aber auf jeden Fall eher nach dem Ermessen, wo die Hilfe am ehsten benötigt wird, anstatt nach den Themengebieten, bei denen ein persönlicher Bezug besteht?

Nein, ich engagiere mich dort, wo ich denke, dass es 1.) nötig ist und 2.) ich mit meinen Fähigkeiten und Kenntnissen auch wirklich sinnvoll beitragen kann.
 

Benutzer121281  (32)

Planet-Liebe ist Startseite
Mit was ich mich identifiziere hat nichts damit zu tun, wem gegenüber ich empathisch bin und agiere.
 
B

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Gast
Nein, ich engagiere mich dort, wo ich denke, dass es 1.) nötig ist und 2.) ich mit meinen Fähigkeiten und Kenntnissen auch wirklich sinnvoll beitragen kann.
Mache ich gleich, ergänzt um die Komponente, wo mein Schutz gewährleistet wird; hängt dann aber ja auch mit dem 2 Punkt zusammen. Der persönliche Bezug als Handlungsmotivation spielt aber schon eine grosse Rolle; das hängt hier auch damit zusammen, dass ich da eher beurteilen kann, welche Handlungen auch wirklich sinnvoll sind.

Fehlt der Bezug, befürchte ich oft, dass ich zwar mit Engagement mein Gewissen beruhige, die Tat an sich aber wenig Einfluss hat, oder alles sogar noch schlimmer macht. Als Betroffene (oder "Involvierte") kann ich eher beurteilen, ob die Handlungen auch richtig ankommen. Auch hier hat es aber weniger mit Empathie für Gleichgesinnte zu tun. Und natürlich sehe ich das auch nicht absolut.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Fehlt der Bezug, befürchte ich oft, dass ich zwar mit Engagement mein Gewissen beruhige, die Tat an sich aber wenig Einfluss hat, oder alles sogar noch schlimmer macht. Als Betroffene (oder "Involvierte") kann ich eher beurteilen, ob die Handlungen auch richtig ankommen.

Das sehe ich definitiv anders :zwinker:
 

Benutzer152150 

Sehr bekannt hier
Da Du zwei völlig unabhängige Fragen stellst erst mal zu 1)

Einfach....ich bin die kleinste, gemeine Minderheit...uno, eine, Individuum...ich identifiziere mich mit nichts und niemandem.
Denn im Grunde hoffe ich, daß niemals jemand anderer ein ähnliches Leben wie ich führt.


Zu 2)
500 Euro-Anzug? Also ich trag zwar nie einen 500 Euro-Anzug und meine Kleider sind entweder günstiger...oder deutlich teurer... Aber ich seh das Problem nicht.
Ich würds einfach ausziehen.
Sowas dauert ungefähr 5 Sekunden...dazu saugt es sich im Wasser nicht voll und zieht einen runter oder behindert bei Rettungsarbeiten.

Gespendet hab ich ausserdem schon deutlich mehr.

Allerdings um den eigentlichen Sinn hinter deiner Frage zufriedenzustellen....
Ich selektiere nach dem Gesichtspunkt, ob meine Aktion andere dazu anleiten könnte ähnlich zu handeln.
So en wenig "Tue gutes...und rede nicht darüber"
Wenn man jemandem hilft und derjenige merkt sich das...sind die Chancen größer das selbiger ähnlich handeln wird.
Es geht mir beim helfen nicht um persönliche moralische Bereicherung. Ich arbeite in einem Job. in dem ich bei möglichem Einsatz meines Lebens auf andere aufpasse. Sollte ich da an mein eigenes Leben zu sehr denken...könnt ich sowas nicht machen.

Spenden tue ich nur für solche Zwecke, die Mehrwert haben...wie die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger oder Team Rubicon oder die örtliche freiwillige Feuerwehr.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Liebe PL-Gemeinde

Mich würde interessieren, womit ihr euch identifiziert.

Ihr kennt das; manche Menschen sind einem näher, als andere. Man liest z.B. Schlagzeilen und fühlt sich mal mehr, mal weniger selbst davon betroffen. Vielen Menschen ist die eigene Kultur näher - sei es nun Land, (Mittel-)Europa, oder die ganze westliche Kultur. Andere identifizieren sich stark durch ihre Überzeugungen oder ihr Geschlecht oder Sexualität.

Ehrlich gesagt fällt es mir extrem schwer darauf eine halbwegs informative Antwort zu geben.
Mir fällt es ja schon schwer, klar zu bekommen, was man denn unter "Identifikation" genau verstehen muss. Klar, es geht darum, welche Gruppenzugehörigkeit etc. eine Rolle für das eigene Selbstbild bzw. die Identität spielt.
Das dürften bei mir aber relative viele sein, wenn auch sicherlich in unterschiedlicher Gewichtung. Wobei sich die Gewichtung auch situativ verändert.

Ja, ich fühle mich schon als Deutscher. Ich "identifiziere" mich aber auch inzwischen mit Österreich, weil ich hier schon mehr als 10 Jahre lebe und mich sehr wohl fühle (trotz einer politikbedingten derzeitigen kleineren "Identitätskrise" diesbezüglich). Ich fühle mich aber auch als "Europäer".
Ich identifiziere mich außerdem mit meiner eher "linken" politischen Einstellungen. Ich bin ein "linksgrün versiffter Gutmensch" und das ist gut so:grin:

Eine regionale Identifikation mit der Stadt, aus der ich ursprüngliche stamme und in der ich groß geworden bin, ist natürlich auch noch da, jedoch nicht sehr ausgeprägt.

Ich muss aber wirklich feststellen, dass ich mit meinen bisherigen Antworten auf diese Frage eigentlich sehr unzufrieden bin. Man müsste jetzt nämlich wahrscheinlich schon genauer erklären, was eigentlich damit gemeint ist, wenn ich sage: Ich fühle mich als Deutscher und identifiziere mich stark damit. Das bedeutet nämlich keineswegs, dass ich z.B. den Satz "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein" unterschreiben würde oder für ein deutsches Kind eher in den besagten Teich hupfe als z.B. für ein kongolesisches.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Puh, womit ich mich alles identifiziere... das ist eine Menge.

Bei der Nationalität/Herkunft hab ich mich eigentlich immer primär als Europäer gesehen. Seit ich in Österreich lebe, hat sich das ein bisschen geändert. Zum einen habe ich Sympathien für das Land, und sehe mich zwar nicht als Österreicher, aber identifiziere mich mit "Mensch, der in Österreich lebt". Gleichzeitig bin ich jetzt ein Ausländer, was wiederum auch mein Bewusstsein für meine deutsche Idenität gestärkt hat. Und - nicht zuletzt unter dem Einfluss, dass ich den doch ziemlich anderen süddeutschen Raum nun auch deutlich besser kenne - ich identifiziere mich als Westfale, um mich innerhalb Deutschlands etwas besser verorten zu können (was mir früher ziemlich wurscht war).

Beim Geschlecht ist das Identifikationsverhältnis zwiegespalten, kompliziert und "in progress". In Kombination mit sexueller Orientierung bzw. "Gesinnung" identifiziere ich mich auf jeden Fall als queer.

Eine wichtige Identifikation, um mir einen Platz in meinem Leben zu geben, sind Familie, Freunde, Partnerins. Wichtig ist natürlich auch, was ich mache, welche Hobbies ich habe, wo ich im Urlaub bin, welche Interessen ich habe etc.

Politisch sehe ich mich als gemäßigt linksdenkenden, gebildeten Menschen, was durchaus auch ein relevanter Faktor ist.

Bei der Religion identifiziere ich mich vor allem über meine Aufgeschlossenheit gegenüber verschiedenen Konzepten bei gleichzeitiger Ablehnung starker Frömmigkeit (oder zumindest vieler Formen davon).

Ich vergesse bestimmt grad noch einiges. Vielleicht ergänze ich es noch.

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Zum zweiten Teil der Frage:

Menschen können nicht alles Leid der Welt sehen, wahrnehmen und "schätzen". Menschen sind auch gut im Verdrängen. Je weiter etwas weg ist, je unpersönlicher es wird, je abstrakter und weniger greifbar, desto weniger Gedanken macht man sich darüber. Ein Kind, das vor den eigenen Augen ertrinkt, ist dagegen ein ziemlich starker Faktor. Außerdem erschwert die Distanz die Beurteilung von Kosten und Nutzen eines Eingriffes. Das Kind zu retten ist eine klare Sache, ich kann die Situation ziemlich gut einschätzen - ob hingegen meine Spende für ein Kind in Afrika wirklich dort ankommt, wo sie hinsoll, oder ob sie schlimmstenfalls bewirkt, dass einem verhungernden Kind von meinem Geld eine Bibel in die Hand gedrückt wird, kann ich nicht so ohne weiteres beurteilen.

Inwieweit ich mich mit den Hilfsbedürftigen identifizere ist für mich erstmal nebensächlich. Bzw. spielt höchstens dann eine Rolle, wenn das Identifikationsmerkmal bedeutsam ist für die Notlage einer Person. Ob bei einem Busunglück in der Türkei sieben deutsche Urlauber ums Leben kommen, ist mir relativ wurscht. Wenn hingegen Trump-Anhänger einen Menschen verprügeln, weil er anderer politischer Ansicht ist, betrifft mich das subjektiv stärker.
 

Benutzer133456  (49)

Beiträge füllen Bücher
Ich sehe mich als "verhinderten Schweden", und naturalisierten Englaender, der in England ausharrt, bis er endlich ganz "heim" darf (ich habe ja bereits mein Haus dort, und Freunde, warte nur noch auf eine Stelle). Schweden steht fuer alles, was mir etwas bedeutet. Die Lebensart, Mentalitaet, Sprache, und Gesellschaftsordnung entsprechen meinen eigenen Idealen wie keine andere. Mein deutscher Familienhintergrund ist fuer mich schon immer eine zynische und leere Versprechung gewesen, denn willkommen und respektiert war ich in Deutschland nie so sehr wie z.B. hier in England, oder auch in Schweden (auch, wenn ich ums verrecken dort keinen passenden Job finde). Ich verliess Deutschland vor 25 Jahren als geborener Fremder, und bereise es heute hie und da, wesentlich freudvoller als Auslaender. Das macht mich noch immer traurig, und ich beneide Menschen mit einem intakten Heimatverstaendnis.

Und das duerfte wohl auch die zweite Frage beantworten. Ich wuerde "schwedisch reagieren", wenn ich im 500-Euro Anzug vorbeikaeme und im Teich ertrinkt einer: Rein in den Teich natuerlich.

Religion habe ich hinter mir. Ich war waehrend meiner Zeit in den USA "born again Christian" mit allem Trara, und konvertierte spaeter zum orthodoxen Judentum, als ich begriff, wie fiktiv die Bibel ist. Als ich dann darauf stiess, dass auch die Existenz Moses keinesfalls bewiesen ist, schmiss ich auch die zweite Religion hin. Heute hoere ich gerne buddhistische Moenche sprechen, aber ernst nehmen kann ich Religion nicht mehr. Die Idee, einfach ohne Fakten irgendwas zu glauben halte ich fuer voellig abwegig.
 
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