Alles auf Reset - eure Erfahrungen

Benutzer86419 

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Hallo an alle,

wer meine letzten Themen gelesen hat weiß, dass ich beruflich und allgemein in einer etwas nachdenklichen Phase war. Seit einem Jahr sitze ich in der ostdeutschen Prärie fest und jetzt habe ich beschlossen, alles zu "resetten". Mit meiner Mutter habe ich seit Jahren auf eigenen Wunsch keinen Kontakt, die Familie ist allgemein zersplittert und mein Vater kennt auch bloß Kritik & Zweifel. Soll heißen, mich hält familiär nichts. Soziale Kontakte habe ich sowieso wenig, hier in der Region so gut wie keine. Ich habe mich wieder verliebt und möchte 2013 die Branche wechseln und auf eine Ausbildung oder naturnahes Studium hinarbeiten, der Pc bleibt endgültig aus. (Kürzlich bot man mir als Experte einen Maximalgehalt, der mir heute in Bayern für einen "Billigjob" als Einsteig geboten wurde)

Um all das zu starten habe ich beschlossen, mit meinem reichlich Ersparten einfach in den Großraum München zu ziehen (dass die Wohnungen dort etwas über ostdt. Niveau liegen ist bekannt), dort in aller Ruhe nach Ausbildung/Studium und Nebenjob zu suchen (war heute 6h unterwegs für ein Vorstellungsgespräch in Nordbayern...das ist höchst ineffizient, aber Land & Leute einfach traumhaft), meiner Familie adieu zu sagen und in einer neuen Region mit neuen Menschen und einer möglichen neuen Liebe durchzustarten.

Hat jemand ähnliches gemacht - alle Fäden abgeschnitten, die Anker gelichtet, Balast abgeworfen, auch wenn man damit etwas aneckt? Mich interessieren eure Erfahrungen, gern auch Hinweise oder Tipps.
 
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Benutzer24554 

Sehr bekannt hier
Sehr mutig deine Entscheidung! Und deswegen find ich sie gut. Denn viele Menschen trauen sich nicht und stehen sich oft selbst im Weg. Ich habe auch schon mal ähnliche mutige Dinge gewagt und sie bis heute nicht bereut. Insofern bleibt nur zu hoffen, dass du es auch wirklich durchziehst. Viel Erfolg dafür!
 

Benutzer56469  (36)

Beiträge füllen Bücher
Sehr mutig deine Entscheidung! Und deswegen find ich sie gut. Denn viele Menschen trauen sich nicht und stehen sich oft selbst im Weg.
Oder viele Menschen wollen das nicht weil sie glücklich sind und alles haben was sie brauchen dort wo sie sind. :zwinker:

@TS: Nein hab ich nicht und ich kenne in meinem Bekanntenkreis auch niemanden der das gemacht hat. Ich finde es trotzdem mutig und wünsche dir viel Erfolg!
 
D

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Gast
Oh ja. Ich habe genau 3 Mal in meinem LEben ALLE Zelte abgebrochen und ALLES geändert.

Das ist aber keine spontane Entscheidung, sondern eher ein Prozess, der mitsamt der Veränderung meiner PErson so 6 bis 8 Jahre dauert.

Wenn dann aber richtig.
So habe ich mit 38, einem gut bezahlten Job und einer kleinen Tochter alles abgebrochen, hingeschmissen um nochmal ne Ausbildung zu machen und einfach etwas zu Verändern.
Ich habe es nicht bereut.

Nun bin ich 50 und bin seit 2 Jahren dabei und werde in einem Jahr "mein neues Leben" angetreten haben.

Dabei habe ich KEINE finanzielle Sicherheit! Ich brauche kein Geld - das wäre mir im Weg und ich könnte mich nicht wirklich verändern und zu mir finden.

Es sind sehr viele schmerzhafte Einschnitte dabei. Aber auch innerhalb einer Beziehung sage ich das so wie ich es meine und auch umsetze: Wenn ich merke, dass ich mich wieder in eine andere Richtung verändere, dass ich anfange zu "suchen" (nach was auch immer), dann bin ich weg. Ohne Wenn und Aber.
 

Benutzer121281  (32)

Planet-Liebe ist Startseite
Ja, auch wenn ich nicht alle Leinen gekappt habe - ich habe mit meiner Familie zumindest sporadisch Kontakt.

So gern ich grundsätzlich meinen alten Wohnsitz hatte (Berlin), so sehr hat es mich irgendwann auch kaputt gemacht. Immer auf Achse, immer irgendwie im Stress, ich war körperlich ziemlich ausgelaugt. Meine Ex, mit der ich damals zusammengewohnt hab, wollte auch ins Ausland, ich hatte grade eine Beziehung mit einem Schweizer begonnen - also hiess es "scheiss drauf".

Ich wollte raus, weg, neu anfangen. Keine emotionalen Altlasten mehr, nicht mehr in einem Billigjob verweilen. Also Studium geschmissen, Nebenjobs gekündigt, Wohnung aufgegeben. Nur ich, meine Katzen und ein paar Möbel und Habseligkeiten und es ging knapp 750km Luftlinie gen Süden.

Jetzt arbeite ich in einem Job, der nichts mit meinem Studium zu tun hat. Für viele ist er minderwertig, aber ich verdiene gutes Geld und habe einen riesigen Haufen Spass dran. Mir geht es körperlich besser, ich bin entspannter, schlafe nach Jahren wieder durch. Ich verdiene hier an einem guten Tag, was ich in Berlin in mehreren Wochen verdient habe. Freunde habe ich ebenso gefunden, ich kann all meinen Hobbies nachgehen und das Essen ist ein Traum. :grin:

Viele Freunde und Bekannte haben den Kontakt abgebrochen und meine Familie - naja, die sehe ich jetzt einmal im Jahr.
Aber mir geht es gut. Und darum ging es mir. Ich hatte die Chance, hier neuzustarten und bei dem seelischen und körperlichen Zustand, in dem ich war, war das mehr als dringend nötig.

Es war natürlich auch mit viel Arbeit verbunden, die ersten Wochen habe ich mich öfter gefragt, ob das alles so richtig war. Viele Leuten haben komisch geguckt, meinten, dass ich das doch nicht hätte machen müssen. Die meisten wollten es mir im Vorfeld ausreden. Hätte ich auf Familie und alte Freunde gehört, wer weiss, wie es mir jetzt ginge.

Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Weg.
 
L

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Gast
So ganz radikal wars bei mir nicht, zu meiner Familie hab ich noch Kontakt, aber ich habe vor einem Jahr meinen Koffer gepackt und bin nach München umgezogen. Ich habe in meiner alten Heimat einfach keine Zukunft mehr gesehen. Hier habe ich im Grunde von Null angefangen und bin dabei, mein neues Leben aufzubauen.
 

Benutzer86419 

Verbringt hier viel Zeit
Heute bekam ich einen Anruf, dass ich in Norddeutschland evt. anfangen könnte zu arbeiten. Der Job wäre schon toll, aber ehrlicherweise ohne Perspektive und nicht sonderlich gut bezahlt. Ich bleibe daher eisern und werde es ablehnen. Das hatte schon fast was prüfungshaftes, so kurz nach meiner Entscheidung und nachdem ich von dieser Firma keine Reaktion mehr erwartete.

Parallel dazu probier ich mich derzeit an der Koordination von Wohnungsbesichtigungen und möglichen Arbeitsstellen/Gesprächen. Mich würde interessieren, welche Erfahrung es da gibt. Macht es Sinn, sich für 1-2 Wochen irgendwo einzumieten und die Suche von dort aus zu forcieren? Wie stehen die Chancen ohne Job eine Wohnung zu bekommen und dann die Stellensuche zu verstärken? Ich bin ein bisschen ratlos, was die Reihenfolge angeht und mache daher derzeit alles gleichzeitig auf gut Glück.
 
L

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Gast
Warum versuchst du nicht, die familiären Probleme zu lösen? Dein Eingangspost klingt für mich eher danach, als liefest zu vor den Problemen weg, statt sie anzugehen.
 

Benutzer86419 

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Das versuche ich seit Jahren. Wenn es nicht funktioniert, sollte man mit 24 auch in der Lage sein, einen Strich zu ziehen. Du kennst doch den Spruch mit dem Pferd, sein familiäres Umfeld kann man sich um Gegensatz zu sonstigen Kontakten leider nicht aussuchen. Ich möchte aber auch kein Therapeut meiner Eltern sein müssen. Weglaufen ist nicht richtig - aber ein gewisser Abstand gefiele mir schon sehr, da mach ich kein Geheimnis drauß. Da mir oft alles madig gemacht wird, glaube ich langsam, dass das mich tatsächlich beeinflusst und sehe allein schon deswegen die Notwendigkeit, denn ich weiß, dass ich das bekomme, was ich möchte. Aber eine soziale Handbremse kann schon ab einem gewissen Intensitätsgrad die stärkste Persönlichkeit frusten.

Bliebe alles beim alten, müsste ich meine gestörte Mutter zum xten Male zum Gespräch ermutigen (zur Info: Sie hat "uns" Kinder sehr schlecht behandelt, ist labil und möchte von allem nichts wissen), meinen Vater so biegen, dass er auch nur einmal pro Jahr etwas Positives von sich gibt und mich weiter über die Jobsituation ärgern. Zudem ergäbe das eine Fernbeziehung. Wo wäre da der Sinn?
 
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Benutzer122497  (25)

Ist noch neu hier
Ich glaube nicht, dass man wirklich alles so "resetten" kann. Natürlich hat deine Vergangenheit Auswirkungen, und das ist nur bis zu einem gewissen Grad unterdrückbar.

Aber ich verstehe, wieso du diesen Entschluss gefällt hast.
 
L

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Gast
Parallel dazu probier ich mich derzeit an der Koordination von Wohnungsbesichtigungen und möglichen Arbeitsstellen/Gesprächen. Mich würde interessieren, welche Erfahrung es da gibt. Macht es Sinn, sich für 1-2 Wochen irgendwo einzumieten und die Suche von dort aus zu forcieren? Wie stehen die Chancen ohne Job eine Wohnung zu bekommen und dann die Stellensuche zu verstärken? Ich bin ein bisschen ratlos, was die Reihenfolge angeht und mache daher derzeit alles gleichzeitig auf gut Glück.

Also ohne geregeltes Einkommen wird es schwer ne Wohnung zu finden. Man wird von dir Einkommensnachweise verlangen.
Aber es ist definitiv einfacher eine Wohnung zu suchen, wenn man schon mal vor Ort ist.
 

Benutzer86419 

Verbringt hier viel Zeit
Ist das nicht irgendwie eine Endlosschleife? Vermutlich läuft es dann wie damals in Hamburg - paar Monate Bauernhof und dann mit Job die Bude geangelt :zwinker:
 
L

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Gast
RitterOhnePferd schrieb:
Bliebe alles beim alten, müsste ich meine gestörte Mutter zum xten Male zum Gespräch ermutigen (zur Info: Sie hat "uns" Kinder sehr schlecht behandelt, ist labil und möchte von allem nichts wissen), meinen Vater so biegen, dass er auch nur einmal pro Jahr etwas Positives von sich gibt und mich weiter über die Jobsituation ärgern. Zudem ergäbe das eine Fernbeziehung. Wo wäre da der Sinn?

Warst du schonmal beim Psychologen und hast den um Rat gefragt, wie du die Sache angehen könntest?
Ganz ehrlich, für mich klingt dein Vorhaben wie ein Luftschloss. Du malst dir Bayern ohne Wohnung und Einkommen wie das gelobte Land aus.
 

Benutzer95608 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich habe vor ein paar Jahren radikal alle Zöpfe abgeschnitten, weil nichts mehr in meinem Leben so war, wie ich es mir vorgestellt habe, richtig schwer krank bin ich davon sogar geworden, weil alles so ausweglos und ohne Perspektive war - egal ob es um den Beruf, die Beziehung oder das soziale Umfeld ging. Ich war total unglücklich und da ich keine Hoffnung und somit kein Ziel mehr hatte, hätte ich auch am nächsten Tag tot umfallen können, hätte mich gar nicht groß interessiert oder geschockt.

Is ja nicht das Wahre mit Ende 30 - oder?

Habe dann wochenlang gegrübelt und dann quasi ein komplett neues Leben begonnen, meinen finanziellen Status samt Sicherheiten wie Haus und Hof in die Hölle geschickt und muss im Nachhinein sagen: hat sich 1000%ig gelohnt, würde ich jederzeit wieder so machen, kann ich nur empfehlen.

Allerdings gehöre ich eher zu den mutigen Menschen - und wenn eine Situation wirklich aussichtslos ist, dann kann es in einer nächsten doch nicht wirklich schlimmer kommen, das ist meine Grundeinstellung.

Und irgendwie fall ich immer wieder die Füße ... durch jede auch noch so kleine Veränderung, die einen gewissen Mut erforderte und nicht ohne Risiko war, hat sich in meinem Leben bisher immer eine positivere Situation ergeben. Und die letzte große Veränderung - also der Rundumschlag - hat dafür gesorgt, dass ich endlich wieder rundum glücklich bin, neue Ziele habe, mit Zuversicht und Zufriedenheit in die Zukunft blicke.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Das versuche ich seit Jahren. Wenn es nicht funktioniert, sollte man mit 24 auch in der Lage sein, einen Strich zu ziehen. Du kennst doch den Spruch mit dem Pferd, sein familiäres Umfeld kann man sich um Gegensatz zu sonstigen Kontakten leider nicht aussuchen. Ich möchte aber auch kein Therapeut meiner Eltern sein müssen. Weglaufen ist nicht richtig - aber ein gewisser Abstand gefiele mir schon sehr, da mach ich kein Geheimnis drauß. Da mir oft alles madig gemacht wird, glaube ich langsam, dass das mich tatsächlich beeinflusst und sehe allein schon deswegen die Notwendigkeit, denn ich weiß, dass ich das bekomme, was ich möchte. Aber eine soziale Handbremse kann schon ab einem gewissen Intensitätsgrad die stärkste Persönlichkeit frusten.
[...]
 
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Benutzer121344 

Meistens hier zu finden
Mir geht es körperlich besser, ich bin entspannter, schlafe nach Jahren wieder durch. Ich verdiene hier an einem guten Tag, was ich in Berlin in mehreren Wochen verdient habe. Freunde habe ich ebenso gefunden, ich kann all meinen Hobbies nachgehen und das Essen ist ein Traum. :grin:

Viele Freunde und Bekannte haben den Kontakt abgebrochen und meine Familie - naja, die sehe ich jetzt einmal im Jahr.
Aber mir geht es gut. Und darum ging es mir. Ich hatte die Chance, hier neuzustarten und bei dem seelischen und körperlichen Zustand, in dem ich war, war das mehr als dringend nötig.
Hm, es fällt mir nicht so ganz leicht, das zu schreiben, selbst hier, aber ich habe zu meiner Herkunftsfamilie auch den Kontakt abgebrochen. Ja, ich brauchte auch räumliche Distanz und bin umgezogen, wie HarleyQuinn. Kein Kontakt zu Eltern, Bruder oder alten Freunden (erstere nur bei einer Beerdigung vor einem Jahr).

Es war/ist immer dann komisch, wenn mich einer was über meine Eltern fragt, und ich dann sagen muss: "weiß ich nicht." Das verstehen viele nicht.

Aber jetzt geht es auch mir seehr gut, und im Rückblick wird es immer klarer, wie nötig das war.

P.S. Es freut mich, zu hören, HarleyQuinn, dass das Essen gut ist, wo immer du sein magst! :thumbsup:
Aber was ist mit :bier:?
 

Benutzer121344 

Meistens hier zu finden
Der Alkohol unterscheidet sich nicht so stark. :grin: Wobei ich doch Rosoli sehr schätze :drool:
Ich bin übrigens in die Schweiz gezogen.
Google: Rosoli => "Als Zutaten verwendete man, was gerade in der Gegend wuchs..." :grin:

Die weiteren Erläuterungen klingen dann jedoch durchaus verlockend...
 

Benutzer86419 

Verbringt hier viel Zeit
Danke für die vielen positiven Rückmeldungen, die ja scheinbar überwiegen. Das bestätigt, dass mein Vorhaben eben doch kein Luftschloss sein muss. Mal im Ernst - in Bayern werde ich als berufserfahrener Azubi in spe mit entsprechenden Fähigkeiten mit Kusshand genommen und die Jobsuche läuft bisher auch perfekt. Die Wohnungssuche ist schwierig durch die wenigen Angebote, aber ich habe durchaus schon Leute gehabt, die auf Sympathie statt auf Geld setzen. Es scheitert eig. nur daran, dass ich nicht wegen jeder Wohnung erneut nach Bayern fahren kann.

Die Psychologensache ist doch wieder typisch. Das kann nur von Leuten kommen, die sich nie wirklich damit beschäftigt haben und meinen, dass ein Therapeut schon alles richten wird. Ich war schon bei Psychologen (und habe mich nicht verstanden gefühlt), suche seit Jahren den Dialog und wohne derzeit leider übergangsweise bei meinem Vater. Letzteres lässt sich leicht ändern, die Familiensache selbst wird mir immer egaler. Da geht bloß Zeit drauf für Dinge, die ich mir nicht ausgesucht habe. Wie ich schon sagte: Man sollte nicht zum Therapeuten der Eltern werden. Klingt egoistisch, sollte aber erlaubt sein.
 
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