Gesundheit ADHS - Krankheit der Kinder oder der Gesellschaft?

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Gerade habe ich folgenden Artikel zum Thema ADHS entdeckt:
Ritalin gegen ADHS: Wo die wilden Kerle wohnten - Inland - FAZ

Der Artikel spiegelt so ziemlich meine Meinung zum Thema ADHS wider:
Ich halte ADHS nicht für eine Krankheit der Kinder, sondern für ein Zeichen der Kinderfeindlichkeit unserer (Leistungs-)Gesellschaft.

Kinder wollen nun mal nicht nur brav und angepasst sein, in der Stadtwohnung Computerspiele spielen und vor dem Fernseher geparkt werden, weil die beruflich stark eingespannten Eltern keine Zeit und Energie für ihre Kinder haben und weil es draußen dank Stadtverkehr zu gefährlich ist. Sie wollen auch raus, sich austoben, sich bewegen, ihre Umgebung entdecken, andere Kinder treffen, sich mit ihnen raufen, streiten und wieder verstehen, gemeinsam durch duck und dünn gehen, usw.
Kinder wollen nicht auf Knopfdruck schulische Höchstleistungen für eine spätere Bilderbuchkarriere erbringen, sondern sie wollen selbst erleben, begreifen, entdecken - und zwar das, was sie interessiert und nicht das, was auf dem Lehrplan steht. Sie wollen auch nicht zum fünften mal die umständliche Erklärung des Lehrers für etwas anhören, das sie schon längst verstanden haben und genau so wenig zum fünften mal die gleiche Erklärung für eine uninteressante Sache hören, die sie schon beim ersten mal nicht verstanden haben.
Sie wollen Eltern, die sie ernst nehmen, die sich Zeit für sie nehmen, die ihnen Wärme und Geborgenheit geben, die ihnen (wo nötig) Grenzen setzen und diese auch noch plausibel erklären können, die ihnen aber auch Freiheiten gewähren und ihnen Einiges zutrauen und die sie vor allem so akzeptieren wie sie nun mal sind.

Und wenn sie all das nicht mal ansatzweise bekommen, entwickeln sie oftmals irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS, die vor allem so auffällig sind, weil sie nicht in unsere Umgebung und unsere Gesellschaft passen.
Und weil wir die Rahenbedingungen für Kinder nicht ändern können oder wollen und weil die Eltern der Kinder nichts an ihrem Leben und dem Umgang mit ihren Kindern ändern können oder wollen, sondern lieber ihre Kinder mit allen Mitteln fit für die harte Erwachsenenwelt und Leistungsgesellschaft machen wollen, werden die Kinder dann oftmals mit der Droge Ritalin ruhig gestellt.

Was meint ihr?
Ist ADHS eine Krankheit der Kinder, die man (medikamentös) behandeln soll oder muss?
Oder ist ADHS und dessen medikamentöse Behandlung nur der verzweifelte Versuch, Kinder mit Gewalt in eine Umgebung zu zwingen, die für sie einfach nicht geeignet ist?
 

Benutzer114927 

Öfters im Forum
ich habe ADHS, und ich finde, dass es sowohl eine Krankheit der Kinder ( auch erwachsene haben es^^ ) ist, als auch die der Gesellschaft.
Es ist als Krankheit angesehen, ja und es ist auch ein Handicap, aber am meisten gestört haben sich dadurch meine Mitmenschen gefühlt.
Ritalin ist der absolute Mist. Es ist ne Droge die Kinder lahm legt. Mir wurde davon schlecht und ich habe mich geweigert die tablette weiter zu nehmen.
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Wir haben einen schweren Fall von ADHS in der Familie. Nein ich bin mir sicher, dass hat keine Gesellschaft zu verbuchen. Der Betroffene war als Baby und Kleinkind schon ganz anders in seinem ganzen Verhalten als alle anderen Kinder: Unruhiger, aggressiver, lauter, aufgedrehter, autoaggressiver, deppressiver, voll von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitskomplexen, später kam ein Hang zur Sucht dazu. Dazu das Phänomen was ADHS halt ausmacht: Kleine Sachen nicht ausblenden können: Das Gefühl von der Gürtelschnalle nicht ausstellen können, das Klackern der Uhr nicht überhörn können, das laute Atmen es Hundes nicht ignorieren können, nur bestimmte Bettwäsche ertragen können und ein sehr ausgesuchtes Essen (derjenige hat als Kind sich geweigert etwas andere szu essen als Pizza. Auf Tipps wie, dann geht er halt mal mit leerem Magens ins Bett, waren der größte Mist. Das Kind hat letztendlich Tage lang absolut agr nichts mehr gegessen. Er hat viele Kilo verloren und sah aus wie ein schwerkranker. Er was schlichtweg nicht in der Lage etwas naderes zu Essen. Ich glaube als nicht betroffender kann man sich das nicht vorstellen) Aber das alles ist wahres ADHS. Schulische(un)leistungen sind ein weiteres Symptom.
Manchen Menschen hilft Ritalin sehr: Sie können Gedanken sortieren und obengenannte Effekte ausstellen. Mit der richtigen Einstellung fühlt sich er Mensch befreit von einer Last. Es bewirkt nur ein sehr unschönes Gefühl für die Betroffenen: das Gefühl nur zu funktieren wie "normale" Menschen, wenn sie "auf Droge" sind. Dazu kommen die Menschen (s.o.) die Ritalin schlich und einfach nicht vertragen.
Ritalin sollte wie Antidrepssiva und ähnliche Medis nur sehr, sehr vorsichtig und unter stetiger, kontrollierter Überwachung eines Arztes eingenommen werden. Es sind keine Leistungsdrogen für Kinder, sondern ein Medikament, das Menschen deren Gehirnstoffwechsel nicht ideal abläuft unterstützen kann. (Stichwort Dopamin)
Mein Meinung ist bei diesem Medikament: Ja, es ist super für die Menschen, bei denen es anschlägt. Es kann ihnen helfen ein normales Leben zu führen. Ja, es ist schrecklich, wenn man es falsch einsetzt und als Leistungsdroge und Ruhig-mach-Droge an Menschen verteielt.
Auch ich war ein ADS Kind. Ritalin hat mir nicht geholfen und wurd enach einem Jahr ohne Veränerungen auch wieder abgesetzt. Es hat sich aber auch nicht nach der Pupertät verwachsen. Ich reagiere nur nicht mit Unruhe, wie der Betroffene sondern mit massiven Rückzug. Noch heute merke ich, dass meine Gedankenwelt und meine Art Dinge zu empfinden ganz anders ist als die von anderen Menschen. Aber das ist eben so, ich kann damit leben, denn ich kenne mich ja nur so. Meinem Verwandten, da bin ich mir sicher, hat sich damit noch nicht abgefunden und findet sich im negativen andersartig...
 

Benutzer41942 

Meistens hier zu finden
Guten morgen,


ich hab den Artikel jetzt (aus Zeitmangel) nicht gelesen (sorry!)
Aber ich hab beruflich indirekt mit dem Thema zu tun und ich bin mir sehr, sehr sicher, dass es als Krankheit anzusehen ist.

Sicherlich gibt es extrem viele Fälle, in denen das Geben von Ritalin bzw allein die Diagnosestellung zum einen ein Ärztefehler ist, weil diese einfach zu leichtfertig diese Diagnose stellen und zu schnell etwas verschreiben.
Zum Anderen ist es auch häufig Faulheit von Eltern und Fehler der Gesellschaft.

Kinder sind nun mal unterschiedlich und es gibt viele, die einfach aufgeweckter und aktiver sind als andere. Das liegt in der Natur der Menschen. Und Eltern sind überfordert oder durch den Druck von außen (Eltern von Mitschülern, Lehrer etc.).
Da liegt es oftmals Nahe, die Kinder ruhig zu stellen und das Thema ist quasi erledigt...
Das ist ehrlich traurig:frown:


Andererseits gibt es definitiv Fälle, in denen die Diagnose korrekt ist, und die definitiv krank sind und behandelt werden müssen. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder ist die Behandlung sinnvoll; denn auch den betroffenen Kindern geht es oftmals besser damit, denn auch diese stehen unter Druck und auch diese leiden unter den Symptomen.

Ich persönlich halte nichts davon: Pille einwerfen und fertig! Die Kinder sollten multiprofessionell behandelt werden!

Fazit aus meiner Sicht:
Oftmals machen es sich die Eltern zu einfach oder stehen unter äußerem Druck, sodass die Kinder unnötig ruhig gestellt werden. Dies ist sicherlich ein gesellschaftliches Problem und auch der Fehler von Ärzten, die leichtfertig damit umgehen.
Andererseits gibt es wirklich schlimme Fälle, in denen AD(H)S eine Krankheit darstellt und eine Behandlung erforderlich machen...

Hach, über dieses Thema könnte ich stundenlang diskutieren und ich hab sicherlich nicht alle Seiten der Thematik beleuchtet, aber das sollte (für den Anfang vll) reichen
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Adhs ist in dem Sinne ja keine Krankheit, sondern ein ganzes Bündel von psychischen Störungen. Ich denke aber der Bericht trifft es ganz gut, es sind halt vor allem Charakterzüge damit charakterisiert, die nicht mehr gut in unsere durchgeplante, irgendwie sterile Welt passen. Viele dieser Kinder wären sicherlich vor 30, 40, 50 Jahren noch besser klargekommen ohne die ständige Berieselung durch die Medien, den hohen Leistungsdruck, das eher mädchenfreundliche Schulsystem und den oft vorhandenen Wegfall von Spiel- und Tobmöglichkeiten in der frühen Kindheit draußen.

Ein Unding ist es natürlich auf jeden Fall, wenn Kinder, die etwas unkonzentriert, über- oder unterfordert und störend in der Schule sind, gleich mit Ritalin "therapiert" werden.

Das es natürlich wirklich stark verhaltensauffällige Kinder gibt, ist ebenso klar. Hier muss aber dann auch mehr her als eine Monotherapie mit Ritalin.
 

Benutzer75021 

Beiträge füllen Bücher
Toller Artikel, ich sehe es zwiegespalten!

Es gibt sicherlich wirkliche ADHS-Erkrankunge, jedoch heißt es mittlerweile in Schulen/Kindergärten von jedem 2. Jungen "der hat AD(H)S". Bekomme ich ja tagtäglich mit und ich bekomme auch das teilweise ziemlich asoziale Umfeld der Jungs mit! Und ich bekomme auch die miserable Erziehung mit!
Man ist ja nicht blind.
Und dann fragt man sich ob ein Junge, der keinerlei Liebe, Aufmerksamkeit und Hilfe bei den Hausaufgaben bekommt wirklich krank ist wenn er aufmuckt?!
Die Kinder werden zu schnell als krank abgestempelt, denn es ist für die Eltern natürlich auch bequemer alles auf eine Krankheit abzuschieben als den Fehler bei sich zu suchen!
Andererseits gibt es auch sehr bequeme Lehrer und Erzieher, die Kinder (ausschließlich Jungs, komisch, komisch) die im Unterricht unangenehm auffallen als "AD(H)S krank" titulieren und die Eltern zu Ärzten/Psychologen schicken....denn, ein mit Ritalin vollgedröhntes Kind stört den Unterricht ja nicht so sehr!!
Das sind übrigens keine wahllosen Behauptungen, alles Dinge die ich erlebt habe.

Ich habe selber 2 Söhne, einer ist 11 und wir hatten das Thema auch schon. Ich musste mich heftig gegen Erzieherin und Lehrer durchsetzen, war tatsächlich bei Ärzten und Schulpsychologen und alle sagen das, was wir hier auch sehen: mein Sohn ist kerngesund, absolut normal entwickelt, er hat ab und zu Probleme sich zu konzentrieren aber das war's dann auch schon!
Und mal ehrlich: meine Tochter hat auch manchmal Konzentrationsprobleme...und haben WIR die nicht auch (vor allem wenn man doch schöneres im Kopf hat)?
Ich find wir brauchen viel mehr männl. Erzieher und Lehrer, die können sich besser in die Jungs rein versetzen, denn die ticken tatsächlich anders und sind als kleine Kinder oft viel rauher und wilder!
Man muss sie nur zu nehmen wissen. Es wird aber erwartet das alle sich anpassen und "lieb" sind.

Naja, ich find halt man sollte viel genauer hinsehen und nicht jedem Kind diese Krankheit unterstellen. Die meisten Jungs sind völlig normal....bzw wären es, wenn sie in vernünftigen Familien aufwachsen würden!!
 

Benutzer41942 

Meistens hier zu finden
ich gebe schweinebacke recht: ads ist ja ein syndrom, also ein bündel verschiedener symptome. diese sollte man systematisch beobachten und differenziert betrachten.
erst DANN kann man zu einem entschluss kommen und ggf. eine diagnose erstellen und ggf(!!) fachgerecht behandeln.

dabei sollte insbesondere das wohl der kinder im vordergrund stehen. obwohl natürlich auch zu vestehen ist, wenn eltern (und lehrer, umfeld) oftmals überfordert sind...
dass das nun oft in den vordergrund gerückt wird und das wohl des kindes hintenan steht, ist bedauerlich und traurig und das "schiebe ich" schon teilweise der gesellschaft zu
 

Benutzer78484 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ritalin ist ja sogar als Therapie bei wirkliche schweren Syndromen nicht unumstritten, weil es doch ein ziemlich heftiges, den Charakter beeinflussendes Psychopharmaka ist und teils auch happige Nebenwirkungen hat (u.A. Wachstumstörungen und psychische Auffälligkeiten!!).
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich will gar nicht ausschließen, dass es Kinder gibt, für die Ritalin etc. tatsächlich eine gute und notwendige Therapie ist.
Ich denke aber auch, dass die überwiegende Mehrheit der heutigen ADHS-Diagnosen und Ritalinverschreibungen FALSCH sind. Der rasante Anstieg dieser Diagnose und der entsprechenden Verschreibepraxis sagt m.E. in jedem Fall mehr über unsere Gesellschaft als über die Kinder aus.
Wirklich schlimm.
 

Benutzer9517  (30)

Benutzer gesperrt
Ob ADHS oder Asperger: Jedes benannte Syndrom ist auch ein Angebot.

Ist der BMI über 20, ist man fettsüchtig;
ist der BMI unter 25, ist man magersüchtig;
wer in der Schule nicht mitkommt, ist hochbegabt;
wer das Lineal auf den Boden fallen lässt, hat ADHS,
und grundsätzlich alle Menschen leiden unter Vitaminmangel

- immer vorausgesetzt, sie haben das Geld für die angebotene Therapie.

Kann sein, dass ich übertreibe. Ich vermute aber stark, dass das seuchenartige Auftreten von ADHS nicht eine Folge der gesellschaftlichen Zustände ist, sondern ein Teil dieser Zustände.
 

Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
also jemand, der selbst mit adhs-kranken kindern zu tun hatte und auch momentan zu tun hat, kann ich sagen, dass diese krankheit *sehr* real ist.

ganz ehrlich finde ich auch die menge an halbweisheiten und laienmeinungen bezüglich ritalin, "monotherapie", seiner verschreibung durch fachleute und der natur der krankheit adhs, die so überall kursieren, ziemlich boulevard-geprägt. natürlich verkauft es sich gut, wenn eine zeitung über die bösen psychiater berichtet, die die lieben kinder "niederspritzen". das spielt gleich mit mehreren ängsten.

dazu sei gesagt:

1) früher waren die kinder keine lieben, braven, aber etwas schlimmen freilandkinder, sondern wurden in heime für schwer erziehbare gesteckt. und wenn der liebe bub dort nicht aufpassen konnte oder ähnliches, kann sich sicher jeder vorstellen, wie dort die erziehung war. klar kamen dort brave menschen raus. brav und gebrochen. und weil damals das stigma einer solchen herkunft viel mächtiger war als heute, war deren leben damit mehr oder weniger besiegelt. gescheiter schulabschluss? nope. uni-studium? ach bitte, der verrückte doch nicht. kann sich nichtmal benehmen. insofern ist die romantische verklärung der jugend von vor 50 jahren, die mit solchen kindern so viel besser umzugehen wusste, irgendwo.. einseitig.

2) adhs als krankheit unqualifiziert zu kritisieren, führt in wirklichkeit nur zu einem: die eltern eines adhs-kranken kindes, denen die vorstellung, dass diese krankheit ja doch eh gar nicht wirklich existiert und ihr kind nur ein bissi "aufgeweckt" und ähnliches ist, natürlich besser gefällt als die einsicht, dass ihr kind krank ist und ärztliche hilfe - über längere zeit - benötigen wird, werden so dazu eingeladen, ihrem kind nicht die hilfe zukommen zu lassen, die es braucht, und stattdessen vogel-strauß-taktik zu fahren.

dabei brauchen adhs-kranke kinder wirklich hilfe. das leben eines solchen kindes ist für es alles andere als lustig und verschmitzt und aufgeweckt oder was auch immer - sondern nur: anstrengend. aufzehrend. enttäuschend. da spielt auch die zeit eine rolle: wenn eltern nach diagnosenstellung erstmal ein jahr auf seelen-suche gehen, ob ihr kind das denn wirklich hat und ob nicht eher der boulevard recht hat und die krankheit eh gar nicht existiert, vergeht wertvolle zeit, die das kind an den direkten und indirekten symptomen der krankheit leidet.

natürlich finden sich in diversen medien sehr viele beispiele für unnötige ritalinverschreibung, genauso wie für fehldiagnosen. fehldiagnosen gibt es immer und überall - nur in welchen relationen sie sich bewegen, ist eine andere frage. über die vielen völlig korrekten adhs-diagnostizierungen gibt es wenig medien-coverage. da gibt es dann eher wenig ängste, mit denen man spielen kann.

ganz allgemein ist es schon verständlich, dass wir alle zu so einem zentralen thema wie der ärztlichen versorgung eine meinung haben. dann lesen wir in beipackzetteln oder sonstwo von der nebenwirkung "psychische auffälligkeiten" und denken uns: "na das ist doch ein hohn". aber als grundlage, um das zu bewerten, haben wir recht wenig. am ende des tages ist das medizinstudium doch noch ein paar jahre lang und dazu kommt dann noch einiges an erfahrung mit kranken und gesunden menschen. was ärztlich "lege artis" ist und was nicht, kann man aus laiensicht nicht so einfach sagen.
 

Benutzer48403  (51)

SenfdazuGeber
Ich sehe die Angelegenheit differenziert:

ADHS ist eine echte Krankheit, nur wird die Krankheit bzgl. Medien und Gesellschaft soweit hochgepusht, dass Kindern gleich ADHS unterstellt wird, wenn diese sich nicht "normgerecht" benehmen. :-X
Meine Güte, es sind KINDER!
Kinder brauchen halt nun mal ihren eigene Freiraum, sich auszutobe, das gehört zu einer normalen Entwicklung dazu!
Ich selbst hatte miterleben müssen, dass die Lehrerin meines älteren Sohnes mich auf ADHS angesprochen hatte ("angeblich" wegen seiner schlechteren schulischen Leistungen), und mir gleich zwei Psychologen angegeben hatte. HALLO?
Da wurde ich aber ganz schnell laut, und dass ich mit dem ganzen Psychologen-Scheiss nicht zu tun haben möchte, geschweige mein Sohn noch Medikamente einnehmen muss, nur damit er "ruhiggestellt" ist:-/

Er ist nun mal halt ein lebendiges, akitves und kontaktfreudiges Kind mit gutem Sozialgefühl, welches sich für viele Dinge interessiert, und dann soll dem mit Medikamenten ein Riegel vorgeschoben werden?
Ohne mich!
Er ist völlig gesund und normal, und das haben mir bisher alle Ärzte bestätigt. Ich habe mal in einer TV-Doku gesehen, wie ein Kind sich verhält, wenn es wirklich ADHS hat - und davon merke ich an meinem Sohn nicht mal ansatzweise was.
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
Ganz, ganz wichtig ist die unterscheidung von angeborenem AD(H)S (Stoffwechselstörung im Gehirn) und Kindern die entweder nicht erzogen sind und von Natur aus lebhafter sind. Bitte werft das nicht in einen Topf!
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Danke für eure interessanten Beiträge.
Meinen ersten Beitrag habe ich bewusst etwas polarisierend formuliert...

Denn ich denke schon, dass es bei einigen wenigen Kindern derart gravierende Verhaltensauffälligkeiten gibt, dass sie behandelt werden müssen und dass dabei teilweise auch Medikamente wie Ritalin als Teil der Therapie sinnvoll sein können.

Aber wenn ich sehe, wie umgänglich und pflegeleicht viele anfänglich sehr anstrengende, fast schon unerträgliche Kinder, die nicht zuhören, Allen auf der Nase rum tanzen, usw., werden, wenn sie sich einfach mal draußen an der frischen Luft sportlich betätigen können, wenn sie genügend Aufmerksamkeit bekommen und ernst genommen werden und wenn man ihnen bei gewissen Dingen auch mal klare Grenzen setzt, kann ich es einfach nicht glauben, dass so viele Kinder wirklich wegen vermeintlichem ADHS behandelt werden müssen. Da bin ich einfach der Meinung, dass eine kindgerechte Umgebung und eine ordentliche Erziehung durch die Eltern oftmals schon sehr viele Probleme lösen würden.
 

Benutzer70969 

Verbringt hier viel Zeit
Ich habe den Eindruck, dass grundsätzlich zu schnell Medikamente verschrieben werden.
Das gilt nicht nur -aber auch- für Krankheiten wie ADHS.
Besonders Psychopharmaka sollten meiner Meinung nach (wenn überhaupt) wirklich erst gaaanz am Schluss kommen, wenn alles andere probiert wurde und nichts bringt.
Wenn mein Kind in der Hinsicht auffällig wäre, würde ich jedenfalls erstmal alles, was ansonsten möglich ist, probieren. Da wäre mir wohl kaum ein Aufwand zu groß um die Einnahme solcher Medikamente zu vermeiden.
 

Benutzer105795 

Verbringt hier viel Zeit
Das ADHS real ist, ist nicht zu bestreiten. Ist halt eine von vielen Transmitterstörungen.
Neben Kindern sind ja auch Erwachsene betroffen, auch wenn der Krankheitsverlauf bei Letzteren leider noch nicht so gut erforscht ist. Klar, man hat halt das hyperaktive Kind im Kopf.

Ich glaube aber auch, dass viele Eltern ihre Kinder fälschlicherweise mit AHDS "diagnostizieren", weil diese einfach nicht ausgelastet sind sei es durch zu wenig Bewegung, oder weil sie abends noch zu viel Zucker gegessen haben. ;-)

Man sollte aber auf keinen Fall das Leid unterschätzen, das diese Störung verursacht. Die Kinder leiden unter der Unruhe, unter den Sanktionen der Umwelt und unter dem "anders sein". Und die Eltern sind oft vollkommen überfordert mit der Situation.
Deswegen ist es gut, dass sich neben psychopharmakologischen Therapien auch Verhaltenstherapien entwickelt haben, die eine Ritalingabe oft ergänzen oder ersetzen können.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich habe keinen Zweifel, dass es eine ganze Reihe von Kindern gibt, die tatsächlich ADHS haben. Gleichzeitig ist aber wohl nicht von der Hand zu weisen, dass wilderen Kindern in der heutigen Zeit, in der sie sich eben nicht unter Aufsicht austoben können (wo man dann auch eher sehen könnte, ob sie wirklich ADHS haben), gern der Makel des ADHS untergeschoben wird, weil es einfacher ist, ein Kind mit Psychopharmaka ruhigzustellen - was von Pharmaindustrie und manchen Ärzten ja durchaus auch gewollt ist (Umsätze!) -, und alles andere Geld kostet. Letzteres ist definitiv ein gesellschaftliches Problem, einhergehend mit dem Wandel, dass eben nicht in 8 von 10 Familien ein Elternteil zuhause bleibt, sondern aus Zeitmangel und der Notwendigkeit (und dem Willen beider Elternteile) zur Erwerbstätigkeit Kinder vielfach an Kitas und Lehrer abgeschoben werden. Den Anteil der echten ADHS-Fälle gegenüber denen, denen es unterstellt wird, halte ich für vergleichsweise gering.
 
1 Monat(e) später
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren